bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » WELT / VERGANGENHEIT » 33 - 45 / 2.WK » Erich Kern / Verbrechen am deutschen Volk

Erich Kern / Verbrechen am deutschen Volk

Wochenlang habe ich gezögert. Stelle ich dieses Buch vor? Ich tue es.

Es sind 300 Seiten. Du begibst dich in tiefste Abgründe des Grauens.

.

„Warum, wozu soll ich mir das antun? Ich habe heute andere Sorgen, privat, und wenn ich die Weltlage anschaue, dann erst recht. Was damals geschah, betrifft weder mich noch die restlichen Deutschen von heute.“

Oh, keineswegs fordere ich dich auf, guter Leser, das Buch zu lesen. Ich biete es an. Das ist ein Unterschied. Ich selber habe bloss einen Viertel davon gelesen. Dieses eine Viertel bestätigt mein bisheriges Wissen.

Unmissverständlich will ich sagen, worum es mir nicht geht und worum es mir geht.

.

Es geht mir nicht darum:

Sich auf dem weichen Sofa voyeuristisch an Leid sich ergötzen, sich wohlig grauslich schuddernd in fremdem Leid suhlen.

In Wehgeschrei ausbrechen.

Wut auf die Täter wecken.

Auf Vergeltung, auf Rache sinnen.

.

Es geht mir darum:

Die Dinge ins Lot bringen.

Die deutschen Vorfahren ehren, statt sich ihrer ungerechtfertigterweise zu schämen.

Die jedem heute lebenden Deutschen durch Schule, Universität, Zeitung, TV, Bücher, Videos, Filme und poli Ticker – Reden heimtückisch, raffiniert und pausenlos, permanent neu  verpasste Impfung „ich schulde der  Welt etwas, insbesondere den Juden“, „ich schulde der Welt mehr als jeder Bürger eines jeden anderen Landes“ unwirksam werden lassen.

Dieser Punkt wird von erwachten Deutschen mit mir geteilt. Wer noch schläft, der sagt: „Was, wie, wo, ich doch nicht, ich bin 3. Generation danach, das alles damals kümmert mich nicht“….und ist empört, wenn ich sage, dass der Holocaust nicht so wie offiziell berichtet stattgefunden habe und ist empört, wenn ich sage, dass die Hitlerregierung keineswegs Krieg wollte, die Handlanger der Weltoligarchie, die Marionetten Churchill und Roosevelt, auch das liebe Väterchen Stalin sehr wohl, nicht zu vergessen Polens Oligarchisch geführte Regierung, welche davon träumte in Berlin hoch zu Ross einzumarschieren…vor WKII. Und der Empörte wird nicken, wenn es darum geht, Israel mal ein U Boot zu schenken und Reparationszahlungen auch heute zu leisten in irren Höhen. Er ist perfekt indoktriniert.  Er weiss zum Beispiel nichts davon, welch horrende Reparationszahlungen die Aliierten gegenüber Deutschland schulden für die Millionen Toten und Verletzten, für die ganzen kriegstechnisch sinnlos gebrandschatzten Städte.

.

Ich erwarte, dass das Buch in Kürze verbrannt werden wird, auch im pdf dürfte es angesichts heutiger immer panischeren „Aufräumerei“ nicht lange erreichbar sein. Also bei Interesse lieber heute denn morgen kaufen / sichern.

pdf hier

Buch: Alle Angaben im Artikel

.

Meine ursprüngliche Absicht war, nur eines dieser Kapitel des Grauens einzustellen. Doch steht im Vorwort Basiswissen, so stelle ich das Vorwort, eines der schwarzen Kapitel und zusätzlich, wenn wir schon dran sind, den Schluss des Buches vor.
.
Es ist steinhartes Brot. Achte deiner Zähne, niemandem hilfst du, wenn du dir Zähne dabei ausbeissest. Klick weg, wenn es dir zuviel wird. Achte auf dich. Bleibe gelassen. Lerne einfach, dass deine Geschichtsbücher lügen, indem sie ein Monstrum von Grauen verschweigen.

.

Und ehre deine Vorfahren, Deutscher Mann und Deutsche Frau.

Darum geht es!

Damit tust du den entscheidenden Schritt, wieder mit geradem Rücken und kreativ selbstbewusst zu leben und zu wirken.

.

thom ram, 21.06.05 NZ, Neues Zeitalter, da Menschen ihren Weg offenen Auges beschreiten.

.

.

ERICH KERN

Verbrechen am deutschen Volk

Eine Dokumentation alliierter Grausamkeiten

1964
VERLAG K. W. SCHÜTZ • GÖTTINGEN

Die Verschwörung des Schweigens.
Wann endlich wird sie gebrochen?

Die Protokolle und eidesstattlichen Erklärungen wurden um die historische Dokumentation nicht zu stören, weder stilistisch noch orthographisch verändert. In der Aufzeichnung alliierter Grausamkeiten wurden die Schandmethoden der alliierten Siegerjustiz, ihre Folterungen und Terrorurteile sowie die brutale Behandlung der deutschen Gefangenen in den Massenlagern in West und Ost nicht berücksichtigt. Dieses Thema würde ein eigenes Buch beanspruchen.

.

Vorwort

Bei keinem meiner Dokumentarbände hatte ich bei der Materialbeschaffung solche Schwierigkeiten zu überwinden wie bei diesem. Die Alliierten haben mit ihren Zensuroffizieren in Ost und West nach der Kapitulation 1945 sehr sorgfältig alle Archive und Büchereien durchstöbert und alles beschlagnahmt, was die alliierten Kriegsverbrechen nachweisen könnte. Dabei waren auch diesmal die Sowjets ihren westalliierten Verbündeten haushoch überlegen. Denn während man da und dort trotz allem auf Unterlagen polnischer, französischer und britischer Kriegsverbrechen stößt, sind die fünf Bände des Auswärtigen Amtes, welche die sowjetischen Menschheitsverbrechen im zweiten Weltkrieg festhalten, spurlos verschwunden. Die Westalliierten waren den sowjetischen Zensuroffizieren bei der Vernichtung der Beweise bolschewistischer Verbrechen, die im Westen lagerten, geradezu rührend behilflich. Es glückte mir dennoch nach beinahe detektivischen Nachforschungen, drei dieser Bände aufzuspüren.

Nahezu hoffnungslos ist der Versuch, die alliierten Kriegsverbrechen mit Dokumentarbildmaterial zu belegen. Alle Bildarchive wurden von den alliierten Zensuroffizieren mit einer Akribie sondergleichen durchsucht, die phototechnischen Beweise beschlagnahmt, vernichtet oder außer Landes gebracht. Es ist fast ein Wunder, daß trotzdem noch einiges sichergestellt werden konnte. Daß die technische Qualität nicht immer einwandfrei ist, muß dabei hingenommen werden.

Das Material, das ich in diesem Dokumentationsband vorlege, ist großenteils nicht neu; es wurde nur nicht zur Kenntnis genommen. Vielleicht müßte man sagen, diese entsetzlichen Tatsachen konnte man gar nicht zur Kenntnis nehmen, da sie merkwürdigerweise sozusagen unter Ausschluß der Öffentlichkeit publiziert wurden.

Die Bände der »Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa«, herausgegeben in den Jahren 1956 bis 1961 vom Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte in Bonn, sind vergriffen.

Mit dem Band I/l (Deutsche Kriegsgefangene in Jugoslawien 1941 bis 1949) der Wissenschaftlichen Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte in München wurde gerade eine tragisch-groteske Komödie aufgeführt. Der Band erschien schon 1962, wurde aber jahrelang nicht dem Buchhandel zugänglich gemacht und lagerte sorgsam im Keller.

Als ich im April 1964 bei der Wissenschaftlichen Kommission bat, Einsicht nehmen zu dürfen, antwortete mir am 4. Mai 1964 deren Geschäftsführer, Herr K. W. Böhme, der auch die Zusammenstellung des Bandes durchgeführt hatte:

» … können wir Ihnen Teile des Materials nicht überlassen. Es handelt sich hierbei um Bundeseigentum, dessen Weitergabe an Dritte nicht möglich ist. Außerdem haben wir uns gegenüber den Berichterstattern verpflichtet, ihre Berichte vertraulich zu behandeln.«

Die Wissenschaftliche Kommission, die nur die Kriegsgefangenenerlebnisse zu sichten und druckfertig zu erstellen hat, ist nämlich völlig an die Weisungen der Bundesregierung gebunden.

Mein Verleger, Waldemar Schütz, sprach darauf in Bonn im Auswärtigen Amt vor, ohne allerdings den gesuchten Band zu erreichen. Ein leitender Beamter der Presseabteilung, Dr. Falk, unterrichtete ihn darüber, daß der Minister Dr. Schröder sich persönlich die Entscheidung in dieser Angelegenheit vorbehalten habe, die im Augenblick noch ausstehe. Der Pressereferent des Vertriebenenministeriums, das sich mit der Herstellung und Herausgabe des Buches befaßt hat, hat es abgelehnt, ein Exemplar des Buches aus den Beständen des Ministeriums aushändigen zu lassen.

Welch ein Bemühen, um zu verhindern, daß das deutsche Volk erfährt, welche schaurigen Verbrechen – in diesem Falle von Jugoslawen – an hilflosen Deutschen verübt wurden!

.

Welche Vorsicht, damit nur ja nicht ein Alliierter – und sei es selbst, wie in diesem Falle, ein kommunistischer – als Kriegsverbrecher entlarvt werde. Da geriete das einseitige Zerrbild vom Kriegsverbrechen bedenklich ins Wanken. Am Ende könnte es gar so etwas wie eine deutsche Empörung geben!

Unterdessen griffen einige österreichische und schweizerische Blätter diese unglaublichen Maßnahmen auf und entlarvten den offiziellen Vertuschungsversuch deutschen Leides durch Bonner Dienststellen. Die Folge dieser Publikationen war eine offizielle Anfrage im Deutschen Bundestag. Dank dieser Blamage darf das deutsche Volk nun auch diese Dokumentbände lesen.

Wann allerdings die Erlebnisse deutscher Kriegsgefangener aus der Sowjetunion, worüber drei Bände geplant sind, aus Polen und der Tschechoslowakei zu lesen sein werden, weiß nur der liebe Gott. Sicher ist, daß die Wissenschaftliche Kommission, deren Arbeit bis 1968 geplant ist, die Erlebnisse sorgsam ordnet und die Manuskripte druckreif erstellt. Darüber, ob diese Manuskripte, d. h. die Erlebnisse der Deutschen in der Hand alliierter Kriegsverbrecher, auch gelesen werden dürfen, entscheiden höhere Instanzen.

An der alltäglichen Praxis wird der späte Rückzieher im Fall Jugoslawien allerdings nichts ändern. Keine der maßgebenden deutschen Zeitungen – die seit zwanzig Jahren unermüdlich über deutsche wirkliche oder angebliche Kriegsverbrechen berichten – wird ihre Leser darüber informieren. Sie haben ja zwanzig Jahre lang alles getan, um das Material, das die Landsmannschaften und die Soldatenbünde sammelten, nicht zu verwerten.

Der Deutsche Rundfunk und das Deutsche Fernsehen, die nun durch zwei Jahrzehnte pausenlos in Berichten, Reportagen, Diskussionen und Hörspielen das Bild des deutschen Kriegsverbrechers malten, werden die entsetzlichen jugoslawischen oder sowjetischen Kriegsverbrechen so wenig zum Vorwurf ihrer Arbeit machen, wie sie bisher das Verbrechen der alliierten Flächenbombardierung deutscher Innenstädte oder die Vergewaltigungen und Ermordungen durch westalliierte Truppen behandelt haben.

Man wird weiter von Dachau, Buchenwald und Auschwitz reden, filmen und schreiben, bis auch der letzte Buschneger und Eskimo das Bild des deutschen Verbrechers in sich aufnimmt, und gleichzeitig den Bromberger Blutsonntag, die Partisanenmassenmorde und die grausige Deutschen-Hatz im Osten und Südosten totschweigen.

Man wird weiter die Tragödie in Oradour und Lidice beschwören und diskret über den Scheiterhaufen Dresden, über den kochenden Asphalt Hamburg, über die tschechischen Massaker im Sudetenland und über das Inferno, das die Deutschen als Gefangene in Jugoslawien und der Sowjetunion erlitten, hinweggehen.

Unsere offizielle Moral ist korrupt bis ins innerste Mark. Sie wurde von Heuchlern und Pharisäern aufs tiefste erniedrigt und prostituiert.

Darum wird es weiter ruhig bleiben um die deutschen Landser, die zu Hunderttausenden irgendwo gefoltert und verscharrt wurden; um die deutschen Frauen, millionenfach entwürdigt bis zum letzten, zehntausendfach ermordet; um die deutschen Kinder, die im Krieg in den Bombenkellern und nach dem Krieg in den Gefangenenlagern und vereisten Flüchtlingsstraßen ermordet, geschändet worden und verhungert sind.

Sie alle dürfen selbst in Gedanken nicht weiterleben. Wer redet schon von ihnen; das ist alles höchstens lästig!

Das stört die ganze Konzeption, heißt es, wenn man protestiert. Dabei braucht sie gar nicht gestört zu werden. Es kann jederzeit über die Toten von gestern zur Tagesordnung von morgen übergegangen werden. Aber das Ist doch wohl nur möglich, wenn man über alle Toten schweigt, nicht nur über die deutschen, sondern auch über die jüdischen und alliierten. Alles andere ist keine Politik der Zukunft, sondern nur ein billiger Taschenspielertrick, ein untauglicher Versuch, die Zukunft mit der geschändeten Wahrheit zu gewinnen.

Ich habe noch bei keinem Buch so viele bekannte und unbekannte Helfer und Mitarbeiter gehabt wie gerade bei diesem. Ihnen allen, die mir Hunderte eidesstattliche Erklärungen, Mitteilungen und Hinweise gaben, meinen Dank.

Danken muß ich auch einigen früheren Heerführern und Rechtsanwälten, die mich mit Ratschlägen und Unterlagen unterstützten, und ganz besonders danken muß ich jenen Mitarbeitern aus Dienststellen und
Bibliotheken, die ohne Rücksicht auf »höhere« Winke und Weisungen mir alle jene offiziellen Bände zur Verfügung stellten, die für eine solche Dokumentation unerläßlich waren.

Ich habe diese alliierten Grausamkeiten, denen wohl rund acht Millionen Deutsche zum Opfer fielen – die ganze Zahl wird nie statistisch einwandfrei erfaßt werden -, nicht niedergeschrieben, um nach Rache und Vergeltung zu rufen. Diese Zellen wollen keine neuen Gräben zwischen den Völkern aufreißen. Aber diese Tatsachen müssen veröffentlicht werden, wenn das Gleichgewicht des moralischen Rechtsbewußtseins, das in den Deutschen durch jahrzehntelange Hetze und Lüge ins Wanken geraten ist, wieder hergestellt werden soll. Noch nie hatten wir die Wahrheit so nötig wie heute. In ihr allein liegt unsere echte Zukunft, darum sind auch so viele Kräfte am Werke, um die Wahrheit zu unterdrücken oder nur die halbe Wahrheit zu verkünden.

Für dieses herrschende gespaltene Rechtsbewußtsein in Deutschland, in dem den Alliierten alles, den Deutschen hingegen nichts zugestanden wird, gilt das Wort des spanischen Philosophen Ortega y Gasset: »Nichts an der gegenwärtigen Situation ist so neu und unvergleichbar mit irgendeinem Geschehen der Ver- gangenheit, wie die Herrschaft, welche der geistige Plebs heute im öffentlichen Leben ausübt.«

Ich hoffe mit heißem Herzen, daß diese Dokumentation grauenhafter Wahrheiten mithilft, die Herrschaft des zeitgenössischen geistigen Plebs zu brechen.

Der Verfasser

.
Inhaltsverzeichnis

.

VORWORT ……………………………………………………………………………………. 7

EIN MÄRCHEN WIRD WIDERLEGT ……………………………………………… 11 Es gibt kein einseitiges deutsches Kriegsverbrechen

SCHLAGT ALLE DEUTSCHEN TOT! …………………………………………….. 23 Die Polen begannen mit dem Kriegsverbrechen

ERMORDETE FLIEGER, ABER KEINE FLIEGERPROZESSE ………….. 56 Franzosen und Engländer erschossen notgelandete Flieger

HOLLÄNDER OHNE GNADE ……………………………………………………….. 60 411 Deutsche mußten sterben

ERBARMUNGSLOSER KRIEG IM OSTEN …………………………………….. 69 So führten die Sowjets ihren Kampf gegen deutsche Landser

500 000 DEUTSCHE SOLDATEN GEMEUCHELT …………………………. 122 Der Partisanenkampf in der Sowjetunion

BOMBENKRIEG GEGEN DIE DEUTSCHE ZIVILBEVÖLKERUNG …132 Der verbrecherische Lindeman-Plan

MEUCHELMORD VON FRANKREICH BIS GRIECHENLAND ……… 156 Partisanen schufen den Verbrecherkrieg

DER RUSSENEINMARSCH IM DEUTSCHEN OSTEN ………………….. 171 »Befreiung« und Vertreibung durch die Sowjets

DEUTSCHES MASSENSTERBEN IN JUGOSLAWIEN…………………….217 Eine Volksgruppe wurde fast ausgerottet

DAS INFERNO IN DER TSCHECHOSLOWAKEI …………………………. 245 Die Massenverbrechen geschahen in aller Öffentlichkeit

DER EINMARSCH DER »SOLDATEN CHRISTI« ………………………… 273 »Befreiung« durch die Westalliierten

DIE VERSCHWÖRUNG DES SCHWEIGENS ……………………………… 325

.
.
.
Ein Märchen wird widerlegt
Es gibt kein einseitiges deutsches Kriegsverbrechen
.
Seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde und wird die Öffentlichkeit aller Länder unentwegt mit Berichten über angebliche deutsche Verbrechen überschüttet. Diese zentral gesteuerte Nachrichtenoffensive war in der Vergangenheit ein Teil der psychologischen Kriegführung gegen die deutsche Nation. Lange vor Kriegsausbruch schon hatte der aus Deutschland emigrierte kommunistische Chefpropagandist Willi Münzenberg in Paris eine Zentrale für Falschmeldungen und Hetznachrichten gegen Deutschland geschaffen. Hier wurden viele der Legenden und Greuelmärchen erfunden – zum Beispiel jene, daß der Deutsche Reichstag von deutschen Staats- oder Parteistellen angezündet wurde -, die heute noch am Leben sind.
.
Im Krieg übernahm dieses schmutzige Geschäft auf westalliierter Seite vor allem Denis Sefton Delmer, dessen »Schwarze Propaganda« gegen Deutschland von Anfang an auf Betrug und Verdrehung aufgebaut war. In seinem erstaunlich offenherzigen Lebensbericht »Die Deutschen und ich«, der einem politischen Striptease gleicht, gesteht Delmer dies auch, ohne mit der Wimper zu zucken, ein: »In den ersten Wochen, nachdem wir Gustav Siegfried eins in Betrieb genommen hatten, mußten wir sämtliche stories, mit denen der Chef seine An- sprachen ausschmückte, frei erfinden. Für einige dieser Geschichten bekamen wir die Ideen und das Material von einem speziellen Gerüchte-Ausschuß geliefert.«
.
Später wurden aus aufgefangenen Funktelegrammen und den im neutralen Schweden und in der Schweiz frei erhältlichen deutschen Zeitungen die Namen und Vorkommnisse entnommen, die den politischen Betrug Delmers garnierten.
Auch von den Delmer-Märchen leben noch manche: der Brief, den der abgestürzte Oberst Werner Mölders an den katholischen Dompropst von Stettin geschrieben haben soll, das Märchen von der KZ-Haft des U-Boot- Helden Günther Prien und die Ansprache des hingerichteten 20.-Juli-Generals Ludwig Beck. Sie leben weiter, obgleich ihr Erfinder Delmer selbst offen zugab, daß alles Schwindel und Betrug war.
In Moskau entstand die kommunistische Propagandazentrale der Roten Armee »Nationalkomitee Freies Deutschland«, die sich eifrigst an der Hetze und dem politischen Schwindel beteiligte.
-11-
.
Die damalige Hauptaufgabe dieser gesamten Propaganda gegen Deutschland war es, den deutschen Kampfwillen zu lahmen, um das Vordringen der alliierten Armeen zu erleichtern.
.
Nach dem Krieg endete diese antideutsche Lähmungspropaganda erstaunlicherweise nicht. Nun galt es den Völkern, besonders den Amerikanern, die materiellen und menschlichen Opfer plausibel zu machen, da unterdessen Männer wie der US-General Albert C. Wedemeyer, der amerikanische Historiker Charles Callan Tansill sich zu Worte meldeten und berichteten, wie Präsident Franklin Delano Roosevelt mit allen Mitteln – selbst unter Aufopferung von Pearl Harbour – den europäischen Krieg zum Weltkrieg ausweitete. Solches konnte nur hingenommen und verziehen werden, wenn es sich um einen Kampf mit dem Teufel handelte: Also mußte das deutsche Volk zu einem Volk teuflischer Verbrecher abgestempelt werden!
.
In Deutschland selbst, sowohl in den östlichen wie in den westlichen Besatzungszonen, übernahmen die früheren Gehilfen Denis Sefton Delmers und des Nationalkomitees Freies Deutschland die nunmehr deutsch firmierten Institute der öffentlichen Information und Meinungsbildung. Sie setzten die antideutsche Hetze, obgleich der Krieg längst vorüber war, mit allen Mitteln fort.
.
Die Masse des deutschen Volkes mußte für die riesigen Wiedergutmachungsleistungen gefügig gemacht und vorbeugend jedes Aufkommen eines künftigen Nationalbewußtseins im Keime erstickt werden.
.
Neben dieser klar erkennbaren Zielsetzung speisen psydioanalytische Bereiche die Quellen der oftmals schon krankhaften antideutschen Hetze deutscher Publizisten, Historiker und Politiker. Die Gruppe der antideutschen Deutschenhetze ist bereits in ihrer Anlage schizophren. Ein Teil besteht aus Menschen, die vor dem Kriege
Deutschland freiwillig oder gezwungenermaßen verließen und im schicksalhaften Kampf aktiv oder passiv auf selten der Alliierten standen. Diese Menschengruppe wird rein gefühlsmäßig von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt, weil sie die schwere Not nicht miterlebt hat und man sie überdies mit den Fehlern der Alliierten identifiziert. So gerieten die Angehörigen dieser Menschengruppe in einen gefährlichen Minderwertigkeits- komplex, der sie zu einer immer neuen Bestätigung zwingt, daß sie und nicht die Deutschen in der Vergangenheit recht hatten. Eine solche Bestätigung kann diese Menschengruppe aber nur im Vergrößern, Aufbauschen wirklicher oder gar Erdichten unwirklicher deutscher Verbrechen suchen und finden.
.
Die andere Menschengruppe leistete weder Widerstand noch ging sie in Emigration. Die meisten von ihnen kollaborierten mit dem Dritten Reich. Heute verklären sie daher die »innere Emigration«, in der sie sich befunden haben wollen, und bemühen sich, den Widerstand, den sie während des Krieges versäumten, nunmehr nachzuholen. Da es aber jetzt keinen Hitler und keinen Nationalsozialismus mehr gibt, leisten diese Menschen automatisch Widerstand
-12-
.
gegen das deutsche Volk, das immer aufs neue mit der Vergangenheit belastet wird.
Diese schweren Neurosen, an denen die geschilderten Menschengruppen leiden, werden von allen jenen Staaten und Interessengruppen geschickt genutzt, die in Restdeutschland zweierlei wollen:
.
weitere Wiedergutmachungsauszahlungen und Reparationsleistungen vom deutschen Steuerzahler,
• Schuldkomplexe im deutschen Volk wachhalten und steigern, damit auch in Zukunft jede deutsche Initiative ausgeschaltet bleibe.
(Hervorhebung durch thom ram)
.
So beherrschen die Grundtendenzen der alliierten psychologischen Kriegführung gegen Deutschland unverändert alle Aktionen und die Gesamtausrichtung dieser im heutigen Deutschland meinungerzeugenden Zentralen und Personengruppen.
.
Auf den kürzesten Nenner gebracht, wird von ihnen in verschiedenen Formen unentwegt wiederholt und vor allem dem deutschen Volk und der Weltöffentlichkeit eingetrichtert:
Deutschland ist am Krieg allein schuld! Deutschland hat allein Kriegsverbrechen begangen.
Außerhalb Deutschlands gibt es über die Kriegsschuldfrage eine Anzahl ernst zu nehmender Studien, zum Beispiel von den Engländern Rüssel Grenfell, A. J. P. Taylor, den Amerikanern Harry Elmer Barnes, David Leslie Hoggan, Frederic R. Sanborn, William Henry Chamberlin, William L. Neumann und dem bereits erwähnten Charles Callan Tansill, den Franzosen Maurice Bardeche, Rene d’Argile, J. Ploncard d’Assac, Jacques Bearn, Henri Cocton, Pierre-Antoine Cousteau, Raymond Geouffre de la Pradelle, Henri Lebre und Mi- chel de Meuny. Hier dürfen auch nicht die bedeutenden Werke des zur Zeit sicherlich größten lebenden europäischen Historikers, Jacques Benoist-Mediin, vergessen werden, der sich leidenschaftlich um die Wahrheit bemüht.
.
Diese revisionistische Geschichtsforschung ausländischer Historiker wird, während sie sich in den USA, England und Frankreich völlig unangefochten entwickelt, innerhalb der Deutschen Bundesrepublik negiert oder lächerlich gemacht.
.
Gegen die einseitige Kriegsverbrecherschuld und -Justiz wandten sich ebenfalls bald namhafte ausländische Autoren, so die Amerikanerin Freda Utley, der Engländer F. J. P. Veale und der Franzose Paul Rassinier.
.
Obwohl sich diese Historiker und historischen Publizisten mit bewundernswertem Eifer abmühen, das Märchen von der alleinigen deutschen Kriegsschuld und den alleinigen deutschen Kriegsverbrechen zu widerlegen, die Wahrheit aus dem Wust von Halbwahrheit, Erfindungen, Lügen, zum Teil aufgebauschten Tatsachen herauszuwühlen, wird ihnen deutscherseits keine Förderung zuteil. Als Professor Paul Rassinier im Auftrag der amerikanischen Hoover-Founda-
-13-
.
tion und des historischen Studien-Centers von Burlingame (USA) als Beobachter und Berichterstatter an dem Auschwitzprozeß teilnehmen wollte, wurde ihm im Auftrag des Bundesinnenministeriums durch die Kriminalpolizei in Saarbrücken am 18. Dezember 1963 ohne Angabe von Gründen die Einreise in die Deutsche Bundesrepublik verwehrt.
.
Selbst Jahrzehnte nach der Beendigung des furchtbaren zweiten Weltkrieges wird mit erdrückender Monotonie im Fernsehen, Rundfunk, in den Illustrierten, den Zeitungen, ja selbst in Büchern ein schauriges, blutiges Bild vom deutschen Kriegsverbrechen mit einer erstaunlichen Unermüdlichkeit wiederholt.
Die Tendenz ist unverkennbar: Es wird nur von deutschen Kriegsverbrechen und nur von deutschen Kriegsverbrechern gesprochen. Nirgendwo kann man von den Kriegsverbrechen der Alliierten etwas sehen oder hören, geschweige denn lesen.
.
Diese Darstellung von einseitigen deutschen Kriegsverbrechen findet ihren Niederschlag in der deutschen Kriegsverbrecherjustiz. Hierbei haben sich die siegreichen Alliierten allerdings nicht auf ihre Handlanger und Weggenossen aus dem Krieg verlassen.
.
Damit ja niemand auf die Idee kommen könnte, nach der Souveränitätserklärung der Deutschen Bundesrepublik alliierte Kriegsverbrecher oder deren Gehilfen durch die deutsche Justiz zu verfolgen, wurde ein »Vertrag zur Regelung aus Krieg und Besatzung entstandener Fragen«, kurz »Oberleitungsvertrag« genannt, am 23. Oktober 1954 in Paris unterzeichnet und am 31. März 1955 im Bundesgesetzblatt II, Seite 405 ff., veröffentlicht.
.
Der Artikel 3 dieses Vertrages, der für die Bundesrepublik Deutschland von Konrad Adenauer, für die USA von Dean Acheson, für Frankreich von Robert Schuman und für England von Anthony Eden unterzeichnet wurde, schützt die Helfershelfer der Alliierten und hat folgenden Wortlaut:
»Niemand darf allein deswegen unter Anklage gestellt – oder durch Maßnahmen deutscher Gerichte oder Behörden in seinen Bürgerrechten oder seiner wirtschaftlichen Stellung nur deswegen beeinträchtigt werden, weil er vor Inkrafttreten dieses Vertrages mit der Sache der drei Mächte (USA, England, Frankreich) sympathisiert, sie oder ihre Politik oder Interessen unterstützt oder den Streitkräften, Behörden oder Dienststellen einer oder mehrerer der drei Mächte oder einem Beauftragten einer dieser Mächte Nachrichten geliefert oder Dienste geleistet hat. Das gleiche gilt zugunsten von Personen, die den Verbündeten der drei Mächte bei ihren gemeinsamen Bestrebungen vor Inkrafttreten dieses Vertrages Sympathien bezeigt, Unterstützung gewährt, Nachrichten geliefert oder Dienste geleistet haben. Die deutschen Behörden haben alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um sicherzustellen, daß der Zweck dieses Absatzes erreicht wird.«
-14-
.
Im Absatz 2 des Artikels wird bestimmt, daß die deutsche Gerichtsbarkeit alliierte Kriegsverbrecher nicht strafrechtlich verfolgen darf. Der Absatz 2 lautet:
»Soweit nicht in Absatz (3) dieses Artikels oder durch besondere Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Regierungen der Drei Mächte oder der betreffenden Macht etwas anderes bestimmt ist, sind deutsche Gerichte und Behörden nicht zuständig in strafrechtlichen oder nichtstrafrechtlichen Verfahren, die sich auf eine vor Inkrafttreten dieses Vertrages begangene Handlung oder Unterlassung beziehen, wenn unmittelbar vor Inkrafttreten dieses Vertrags die deutschen Gerichte und Behörden hinsichtlich solcher Handlungen oder Unterlassungen nicht zuständig waren, ohne Rücksicht darauf, ob sich diese Zuständigkeit aus der Sache oder aus der Person ergibt.«
.
In dem zitierten Absatz 3 wird dann festgehalten, wann überhaupt »deutsche Gerichte die ihnen nach deutschem Recht zustehende Gerichtsbarkeit ausüben« dürfen. Von all den hier aufgeführten Punkten ist der Absatz (i i) b) am interessantesten. Er lautet:
»In Strafverfahren gegen natürliche Personen, es sei denn, daß die Untersuchung wegen der angeblichen Straftat von den Strafverfolgungsbehörden der betreffenden Macht oder Mächte endgültig abgeschlossen war oder diese Straftat in Erfüllung von Pflichten oder Leistungen von Diensten für die Besatzungsbe- hörden begangen wurde.«
.
Auf Grund dieses Überleitungsvertrages ist die Verfolgung westalliierter Kriegsverbrechen, begangen an Deutschen, den deutschen Behörden ausdrücklich verboten. Alle Gerichte, bei denen westalliierte Kriegsverbrecher angezeigt werden, stellen die Ermittlungen mit Hinweis auf diesen Überleitungsvertrag ein.
.
Was die Alliierten alles unter »Dienstleistungen« verstehen, zeigten die Amerikaner in zwei bekanntgewordenen Fällen überdeutlich:
Der ehemalige Major Dr. Hans Kemritz der Deutschen Abwehr verriet während des Krieges Nachschubflotten und -fahrzeuge für das Deutsche Afrikakorps an die Alliierten. Tausende Landser, von entscheidendem Material, durch dessen Ausfall wieder Tausende Landser ihr Leben verloren, abgesehen, gingen auf den Grund des Mittelmeeres.
.
Nach dem Krieg betätigte sich Kemritz in Berlin als Doppelagent für Ost und West und spielte Deutsche, die zum Teil dadurch ihr Leben verloren, den Sowjets in die Hände. Als Kemritz 1951 in Berlin von deutschen Behörden verhaftet wurde, holten ihn die Amerikaner blitzschnell aus dem Gefängnis, und auf Befehl der Amerikaner mußte das Ermittlungsverfahren gegen Kemritz, das beim Landgericht Frankfurt (Main) lief, sang- und klanglos eingestellt werden.
-15-
.
Beweis Nummer zwei wurde durch den tschechischen Massenmörder Frantisek Kroupa geliefert. Dieser hatte 1945/46 in St. Joachimsthal zahlreiche Deutsche ermordet. Unter anderem »richtete« er – ohne gerichtliches Urteil -ihm wehrlos ausgelieferte Deutsche öffentlich mit eigener Hand »hin«. Als supodetendeutsche Heimatvertriebene diesen Peiniger und Mörder ihrer Landsleute, der sich später nach dem Westen abgesetzt hatte, in einem IRO-Lager auf westdeutschem Boden erkannten und gegen ihn Strafanträge stellten, brachten ihn die Amerikaner eilends außer Landes, um so eine Strafverfolgung zu verhindern. Nach dem Überleitungsvertrag allerdings hatten die Alliierten solche Anstrengungen gar nicht mehr nötig:
Jetzt war das Kriegsverbrechen, begangen an Deutschen, gesetzlich straffrei geworden! Einzelne alliierte Staaten haben ihrerseits nach dem Krieg vorsorglich für ihre Kriegsverbrecher entlastende Gesetze geschaffen und Generalamnestien für alle an Deutschen begangenen Verbrechen erlassen. Die Tschechoslowakei beschloß durch ihre tschechische Nationalversammlung einstimmig das Amnestiegesetz. Der § l des tschechoslowakischen Amnestiegesetzes vom 8. Mai 1946 lautet:
»Jedes Vergehen, das in der Zeit zwischen dem 30. September 1938 und dem 28. Oktober 1945 begangen wurde und dessen Ziel es war, den Kampf um die Freiheit der Tschechen und Slowaken zu unterstützen oder die Vergeltung für Aktionen der Okkupanten und ihrer Helfer darstellt, ist nicht gesetzwidrig, selbst wenn es sonst nach dem Gesetz strafbar wäre.«
Damit hatte die Tschechoslowakei – damals noch ein nichtkommunistischer Staat – den traurigen Mut besessen, durch ein Gesetz all die Beraubungen, Vergewaltigungen und Morde an den Deutschen grundsätzlich für straffrei zu erklären.
.
Die anderen Alliierten haben sich damit überhaupt nicht aufgehalten. Sie haben in Ost und West ihre Vergangenheit längst bewältigt, und es gibt für sie darum weder eine Kollektivscham noch eine Aufarbeitung der Vergangenheit und schon gar keine Strafverfolgung ihrer eigenen Kriegsverbrechen. Das alles gibt es nur in den deutschen Staaten, einerlei ob sie in der westlichen oder östlichen Einflußsphäre liegen.
Da man die Millionenzahl der Deutschen, vor allem Frauen und Kinder, die durch die Flächenbombardierung in den brennenden deutschen Städten wie auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannten und verkohlten, so wenig leugnen kann wie die fünf Millionen Deutschen, die 1945 und danach im Osten und Südosten ermordet wurden, oder auf Grund der ihnen zuteil gewordenen Behandlung durch die Sieger zugrunde gingen, hat sich zuerst eine halboffizielle und nun schon offizielle Version breitgemacht, die da sagt:
Dieses furchtbare Leid, das über das deutsche Volk kam, mit Raub, Brand, Vergewaltigung, Totschlag und Mord, ist nur eine Folge der deutschen Übeltaten, und wir sind gezwungen, diese als Sühneopfer auf uns zu nehmen!
Diese Argumentation ist moralisch nicht nur verlogen, sondern historisch falsch: Der Mord an den Deutschen begann nicht bei Kriegsende. Ja, er begann nicht einmal während des Krieges. Tausende und Zehntausende Deutsche wurden bei Ausbruch des Krieges und schon vor Ausbruch des Krieges auf das bestialischste abgeschlachtet und ganze Familien und Dörfer systematisch ausgerottet.
.
In jenen Gebieten Westpreußens und Oberschlesiens, die nach dem ersten Weltkrieg an Polen fielen, waren die Deutschen in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen wiederholt Opfer polnischer Terror- und Mordanschläge. Die deutsche Volksgruppe in Oberschlesien überreichte der Genfer Liga gegen Ende der zwanziger Jahre eine Petition, in der nicht weniger als 250 Fälle schwersten polnischen Terrors gegen die Deutschen aufgezählt wurden. Besonders nach Entstehung des Dritten Reiches ging eine starke Welle des Terrors durch die deutschen Gebiete Polens. Von Jahr zu Jahr verschärfte sich der Terror, der im Frühjahr 1939 unerträgliche Ausmaße annahm. Es gibt einen Band mit damaligen Berichten der deutschen Generalkonsule von Thorn, Posen, Danzig, Kattowitz, Lemberg über diesen steigenden Terror an der deutschen Bevölkerung.
.
In verschiedenen Städten, in denen es eine verstärkte deutsche Minderheit gab, wurden im Mai 1939 regelrechte Deutschen- pogrome veranstaltet, denen zahlreiche Deutsche zum Opfer fielen. Die Bedrohung der Deutschen mit Totschlag und Folterungen war bald in allen Teilen Polens zur täglichen Selbstverständlichkeit geworden, ebenso die ständige Beschädigung oder der Diebstahl deutschen Eigentums. Familienweise flüchteten sich die Deutschen in die Wälder und Felder, da sie nächtliche Bandenüberfälle auf ihre Häuser befürchteten. Die polnische Polizei weigerte sich in vielen Fällen, Anzeigen entgegenzunehmen. Oftmals verhaftete sie die deutschen Anzeiger, anstatt die polnischen Gewalttäter zu verfolgen.
.
In den polnischen Gefängnissen und Zuchthäusern mußten die Deutschen furchtbare Marterungen über sich ergehen lassen. Dem Volksdeutschen Schienemann, der in Sieradz vernommen wurde, wurden dabei sämtliche Zähne ausgeschlagen. Den Inhaftierten Jäger, Grant sowie den Frauen Kiesewalter und Neudamm wurden zur Erpressung von Geständnissen brennende Flüssigkeiten in die Geschlechtsorgane gespritzt, Rippen gebrochen und sie mit elektrischem Strom mißhandelt. Viele Deutsche wurden ermordet, ohne daß man ihr Schicksal erfuhr. Mit besonderer Brutalität gingen die Polen gegen die evangelische Kirche und ihre Träger vor. Am 2. März 1939 zertrümmerten sie das große Fenster der Christus-Kirche in Posen. Am 12. März stießen etwa zwanzig junge Polen den Pfarrer Diestelkamp in Wisseck vom Motorrad und mißhandelten ihn
-17-
.
schwer. Etwa zur selben Zeit wurden die Fensterscheiben des Pfarrhauses in Schokken und des Pfarrhauses in Kruschwitz zertrümmert. Am 15. April wurde Vikar Ortlieb in Neu-Barkoschien auf der Straße schwer mißhandelt und getreten. Am 19. März wurde Pfarrer Schenk in Hallkirch durch Steinwürfe verletzt. Am 2. Mai wurde Kindergottesdiensthelfer Lenz bei Schubin überfallen und auf das schwerste mißhandelt. Am 24. Mai bewarfen Polen Pfarrer Schenk wieder mit Steinen, und die Kirchen in Zirke, Briesen, Rakot, Rheinsberg sowie die Pfarrhäuser in Staykowo und Hohensalza wurden überfallen und teilweise beschädigt. Wie die Zustände in Polen vor dem Kriege in Wirklichkeit waren, geht aus dem Bericht des deutschen Konsuls in Lodz an das Auswärtige Amt Berlin hervor, den wir als einen von den vielen amtlichen Berichten hier veröffentlichen wollen:
»Sehr schwere Ausschreitungen, die man als Deutschenpogrome bezeichnen kann, ereigneten sich am vergangenen Samstag, dem 13., und Sonntag, dem 14. Mai, in der Stadt Tomaschow-Mazowiecki (etwa 42 000 Einwohner, davon etwa 3000 Deutsche), bei denen zahlreiche deutsche Existenzen vollständig vernichtet wurden. Dem Deutschen Schmiegel wurde der Schädel gespalten, und eine Frau, deren Namen ich bisher nicht erfahren konnte, wurde bei ihrer Flucht auf einem Felde totgeschlagen.
Der Sohn des Schmiegel, der aus einem Fenster des zweiten Stockwerkes eines Hauses geworfen wurde, liegt schwerverletzt darnieder. Die Ausschreitungen begannen am Sonnabend, dem 13. Mal. Einige Tage vorher hatte der der Regierungspartei nahestehende „Verband der Polnischen Berufsverbände“ in groß plakatierten Aufrufen eine Demonstration
gegen die Deutschen für Sonnabend, den 13. Mai, angekündigt. Diese begann durch Ansprachen vom Balkon eines Gebäudes aus, in dem der genannte Verband, die Regierungspartei Ozon und dessen Jugendorganisation Mioda Polska (das junge Polen) ihre Geschäftsräume hatten. In den Reden vor einer großen Menschenmenge wurde in übelster Weise gegen Deutschland gehetzt und behauptet, die Polen würden im Reich sehr schlecht behandelt, man bräche ihnen die Füße und Hände, vernichte ihre Schulen und Kirchen und dergleichen mehr.
Als der Pöbel genügend aufgewiegelt war, übergaben die Leiter der Demonstration Formulare an verschiedene zweifelhafte Elemente, die in Begleitung der Volksmenge von den Fabrikleitungen die sofortige Entlassung aller Deutschen und die Unterzeichnung der diese Erklärung enthaltenden Formulare fordern sollten. Dies geschah dann auch. Unter dem Druck der Straße mußten sich die Firmen dazu bereit erklären, und man trieb daraufhin die deutschen Arbeiter aus den Fabriken. Nachdem dies erreicht war, fing die Menge an, alle deutschen Geschäfte und Privatwohnungen systematisch vollständig zu demolieren. In einer wilden Raserei vernichtete sie ziemlich alles deutsche Privateigentum. Die
-18-
.
Deutschen wurden wie Freiwild gejagt, sie flüchteten auf das Land hinaus und kehrten erst bei Tagesanbruch wieder zurück. Viele wurden durch Messerstiche und Stockhiebe erheblich verletzt. Während des Sonntags war dann zunächst Ruhe. Am Abend begannen die Ausschreitungen aber von neuem, und die Menge vernichtete alles deutsche Privateigentum, das vom vorigen Tage noch heil geblieben war.
.
Besonders hervor- zuheben ist, daß die Polizei mit den Demonstranten mitmarschiert war und nichts tat, um das Leben und Eigentum der Deutschen zu schützen. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die Ausschreitungen unter Duldung der Regierung erfolgt sind, wenn nicht sogar auf ihre Veranlassung hin. Jetzt, nach den abgeschlossenen Terrorakten, patrouillieren, um den Schein zu wahren, Polizeikommandos mit aufgepflanztem Seitengewehr in den Straßen der Stadt.
.
In Lodz wurden am Sonnabendabend die Fensterscheiben der Ruppertschen Buchhandlung in der Petrikauer Straße, die deutsche Bücher und Zeitschriften verkauft, eingeschlagen, ferner die Fenster des Lokals des (völlig unpolitischen) Berufsverbandes Deutscher Angestellter. Weiterhin erfolgten am gestrigen Sonntag Ausschreitungen im Kinotheater Stylowy, während des deutschen Films „Land der Liebe“, wobei Terroristen das Publikum zum Verlassen der Vorstel- lung zwangen und vor dem Theater mit Latten, in denen Nägel steckten, auf die flüchtenden Menschen eingeschlagen haben.
.
Da zunächst kein Grund zur Annahme besteht, daß die Terrorakte eingestellt werden, wird die Lage von den hiesigen Deutschen sehr ernst angesehen. In zunehmendem Maße entschließen sich diese zur Abwanderung und zum Verkauf ihres Grundeigentums, da sie ihre Existenz in Polen als gefährdet ansehen. Man fürchtet die Polen, die, wenn alle Hemmungen bei ihnen beseitigt sind, vor keinem Roheitsakt zurückschrecken und von der hiesigen deutschen Bevölkerung viel schlimmer eingeschätzt werden als die schlimmsten Terroristen der früheren russischen Zeit.
von Berchem«
Das alles war aber nur ein kleines Vorspiel für die entsetzliche Tragödie, die bald in Polen beginnen sollte. Doch nicht nur die Polen begannen mit den Kriegsverbrechen. Die Sowjetrussen haben vom ersten Tag des Ostfeldzugs an verwundete und gefangene deutsche Soldaten aller Dienstgrade erschlagen, erschossen und erhängt und vorher noch oftmals unmenschlich gefoltert. Zu dieser Zeit konnte von einem deutschen Kriegsverbrechen in der Sowjetunion keine Rede sein. Französische und britische Soldaten haben bereits 1940 in Frankreich und Belgien notgelandete deutsche Flieger ermordet.
-19-
.
Die Partisanen führten ihren heimtückischen Kampf gegen die Landser in der Sowjetunion, in Jugoslawien, in Griechenland, in Frankreich und in Italien vom ersten Augenblick an nur mit Mord und Totschlag aus dem Hinterhalt.
.
Die alliierte Flächenbombardierung Deutschlands nach dem verbrecherischen Plan Lindemans war ein einziges Kriegsverbredien. Zynisch gestand der britische Luftmarschall Arthur Harris, Chef der alliierten Bomberflotten im Zweiten Weltkrieg, in seinem Memoirenwerk »Bomber-Offensive«:
»Es muß mit Nachdruck gesagt werden, daß, von Essen abgesehen, wir niemals ein besonderes Industriewerk als Ziel gewählt haben. Die Zerstörung von Industriewerkanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie. Unser eigentliches Ziel war immer die Innenstadt.«
Darüber hinaus war der Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung einwandfrei von der alliierten und nicht von der deutschen Luftwaffe begonnen worden.
Die Amerikaner schließlich – die überhaupt nichts zu rächen hatten, da kein Meter amerikanischen Bodens bedroht worden war, zogen 1945 großteils plündernd, vergewaltigend und mordend in Deutschland ein. Sie und ihre westalliierten Verbündeten, besonders die Franzosen, unterschieden sich von den Rotarmisten nur in der Masse der begangenen Verbrechen gegen die wehrlosen Deutschen, keinesfalls in moralischer Hinsicht.
All das wird immer wieder vertuscht, totgeschwiegen, geleugnet und sogar ins Gegenteil umgelogen.
Wenn hier anhand von unanfechtbaren Zeugenaussagen das große Drama der alliierten Kriegsverbrechen aufgezeigt wird, so soll allein um der moralischen und historischen Gerechtigkeit willen der dokumentarische Nachweis dafür erbracht werden,

daß es keinesfalls nur angebliche und wirkliche deutschen Kriegsverbrechen gab, sondern daß die Alliierten in Ost und West sich am laufenden Band schwerer Kriegsverbredien gegen Deutsche schuldig machten;
• daß sowohl in Polen als auch in der Sowjetunion die Alliierten als erste Kriegsverbrechen, und zwar ausschließlich an Deutschen, begangen haben;
• daß sich auch die Westalliierten mit zahlreichen Kriegsverbrechen an Deutschen beschmutzten.
(Hervorhebung durch thom ram)
.
Damit soll endlich das verlogene Märchen widerlegt werden, daß allein von deutscher Seite aus Kriegsverbrechen verübt wurden.
.
Selbstverständlich soll aber deswegen nicht behauptet werden, daß deutscherseits keine Kriegsverbrechen vorgekommen wären. In allen Kriegen, zu allen Zeiten wurden von allen kriegführenden Parteien Kriegsverbrechen begangen. Im Zweiten Weltkrieg haben ebenso alle Kriegführenden die Gesetze der Menschlichkeit verletzt, auch die Deutschen. Keineswegs jedoch, wie man es heute in scheinheiliger Weise hinzustellen versucht, nur die Deutschen.
Wenn also jemand tatsächlich nach moralischen und rechtlichen Grundsätzen die während des Krieges geschehenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit historisch oder juristisch untersuchen, werten und richten will, muß er alle anklagen: die Polen, die Sowjetrussen, die Tschechen, die Jugoslawen, die Italiener, die Engländer, die Franzosen, die Amerikaner und die Deutschen.
Das indessen geschieht nicht!
.
Der juristische Vater dieser einseitigen Theorie von deutscher Kriegsschuld und deutschen Kriegsverbrechen ist der hessische Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer, dessen Buch »Krigs – Förbrytarna inför domstol« (»Der Kriegsverbrecher vor Gericht«), erschienen 1944 in Stockholm, den unheilvollen Weg, der nach 1945 auch deutscherseits beschritten wurde, geistig vorbereitete.
.
In seiner Darstellung weiß der damalige Emigrant Bauer in Stockholm nur von deutscher Schuld und deutschen Verbrechen zu berichten; die schweren polnischen, sowjetrussischen und jugoslawischen Kriegsverbrechen werden von ihm ebensowenig zur Kenntnis genommen wie die verbrecherische anglo-amerika-nisdhe Flächenbombardierung deutscher Wohnviertel.
.
In seiner Diktion geht Dr. Fritz Bauer 1944 sogar weit über den späteren Urteilsspruch des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg hinaus, wenn er schreibt:
»Das deutsche Volk ist verantwortlich für Handlungen seiner Regierung. Deutschlands Schuld am jetzigen Krieg geht, juristisch gesehen, aus dessen Bruch gegen den Kellogg-Pakt und anderen von Deutschland eingegangenen Nichtangriffspakten hervor. Juristisch gesehen, trägt das deutsche Volk die Verantwortung für die Folgen.«
Eine Auffassung, die gottlob von maßgeblichen europäischen Juristen nicht geteilt wird.
Auf meine Frage nach der Rechtlichkeit der Kriegsverbrecherjustiz entgegnete mir 1964 in Paris der berühmte französische Strafverteidiger Maitre J. Isorni:

»Der Begriff des Kriegsverbrechens wurde vom Sieger gegen den Besiegten geprägt und durch die Siegerjustiz praktiziert. Mit dem wirklichen juristischen Begriff des Rechts hat die einseitige Verfolgung von Kriegsverbrechen nichts zu tun. Es handelt sich dabei lediglich um eine politische Aktion, die sich ein Rechtsmäntelchen umhängt.«
.
*********
.
.

Das war Königsberg

Beim Einmarsch der Roten Armee lebten in Königsberg über 80 000 Zivilisten, vorwiegend alte Männer, Frauen und Kinder. Im Juni 1947 waren nur noch 15 000 Königsberger in der Stadt. Kaum an die 1000 hatten sich durch Flucht über die grüne Grenze retten können. Nach offiziellen Schätzungen der sowjetischen Verwaltung wurden an die 5000 erschossen. Ein Teil, der auch für die sowjetischen Behörden nicht mehr erfaßbar war, wurde 1945/46 zur Zwangsarbeit nach dem Osten verschleppt. Es dürfte sich um ca. 10 000 gehandelt haben. Die anderen Königsberger sind verhungert.

Die Sowjets, die vom Osten her gegen Königsberg vorstießen, umgingen die Stadt im Norden und riegelten im Westen am Frischen Haff ab. Als er-
-198-

ster Teil Königsbergs geriet der Vorort Metgethen in ihre Hand. Die ganze Zeit hindurch lag schwerstes Artillerie-, Werfer- und Stalinorgelfeuer auf der Stadt, die noch zusätzlich mit Bomben aller Kaliber belegt wurde. Am Sonntag, dem 8. April, gelang es den Sowjets, mit starken, überlegenen Kräften die HKL an mehreren Stellen zu durchbrechen. Das Schicksal von Königsberg war besiegelt. Am 9, April übergab General Lasch, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, die wehrlose, zertrümmerte Hauptstadt Ostpreußens.

Der nachstehende Erlebnisbericht von Frau Elisabeth F. ist wie kaum ein anderer dazu angetan, das Schicksal der Deutschen im Osten zu schildern. Ihr Name und ihre Adresse sind dem Autor bekannt.
»Schon Ende Januar war der Kessel von Königsberg geschlossen. Auch ich hatte gleich vielen anderen trotz der großsprecherischen Plakate des Gauleiters Erich Koch „Ostpreußen kann nicht geräumt werden !“ vor, nach Westen zu flüchten. Jedoch wollte mein Vater seinen kleinen Betrieb nicht aufgeben, meine alte Mutter wieder den Vater nicht allein zurücklassen, Vater, der immer gut zu mir gewesen war, sagte, als ich mich verabschieden wollte: „Wollt Ihr uns alle allein lassen? So schlimm wird es schon nicht werdend Nun brachte ich es einfach nicht fertig, die alten Leute im Stich zu lassen. So blieb ich mit meinem 12jährigen Sohn Klaus in Königsberg. Erst später erfuhr ich, daß auch von meinen beiden Schwestern eine geblieben war.

Tag und Nacht hagelten die Bomben, und bald krachten die Einschläge der Artillerie und der Werfer in allen Straßen. Man wußte nie beim Einholen, ob man überhaupt noch einmal nach Hause kam. Ich wohnte im großen Wohnblock Alter Graben 37/38. Schließlich fürchtete ich mich so sehr, daß wir, mein Sohn und ich, in den Bunker Unterhabersberg flüchteten. Dieser Bunker galt als besonders verläßlich, da in der Nähe die schwere Flak am Horst-Wessel-Platz stand, die von den russischen Fliegern anscheinend sehr gefürchtet war. Der Weg dorthin war erschütternd. Wir liefen, nachdem wir uns mit nassen Tüchern die Gesichter umwickelt hatten,

durch die Straßen. Die Häuser standen in Flammen. In der Cranzer Allee brannten die Kasernen lichterloh, ebenso wie die in Ponarth.
Jede Verbindung mit meinen Eltern und meiner Schwester war schlagartig abgerissen. In den Bunkern entwickelte sich bald ein eigenes Leben. Dicht an-einandergedrängt mit dem Wenigsten der Habe, lebten Hunderte und Tausende Frauen mit ihren Kindern, auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Luft war kaum erträglich. Eine schwangere Frau gebar in der Menge, ohne ärztliche Hilfe, ein Kind, andere bekamen Schreikrämpfe, und ein alter Mann starb an Herzschlag. Draußen aber dröhnte die Erde unter den Einschlägen der schweren sowjetischen Waffen.

Heute vermag ich es nicht zu verstehen: Wir alle hofften noch immer auf Rettung. Wenn einer gewagt hätte zu erklären, daß Königsberg auf keinen Ent-
-199-

satz hoffen könne, ich fürchte, wir hätten ihn totgeschlagen. Ein Gerücht jagte das andere. Und wie klammerten wir uns an jedes Gerücht! Nur mühsam konnten wir die oft gestörten Rundfunknachrichten abhören. Sie wurden-von uns immer nur optimistisch ausgelegt. Und die Wahrheit hat uns doch keiner gesagt.
Im Februar erhielt die Flak am Horst-Wessel-Platz eine Reihe sowjetischer Bombenvolltreffer und fiel aus. Die meisten liefen nun aus dem Bunker, auf den sich die sowjetischen Bomber mit aller Kraft konzentrierten. Auch ich rannte mit Klaus in einer kurzen Pause zwischen zwei Angriffswellen ins Freie, und wir suchten über die oft noch glühenden Trümmer, durch die brennenden Straßen unseren Weg. Meine Wohnung war zwar ohne Fensterscheiben und schwer beschädigt, aber erstaunlicherweise stand der Wohnblock noch. Nach einer Nacht erkannte ich, daß trotzdem hier kein Bleiben war, und flüchtete nun mit dem Kind in den Bunker von „Beton- und Monierbau“ am Alten Graben. Wieder hausten wir Tag für Tag, Nacht für Nacht, eng aneinandergedrängt, aber wir fühlten uns einigermaßen in Sicherheit. Es war ein entsetzlicher Irrtum. Am 7. April war Klaus trotz meines Verbotes und meiner Bitten, wie Kinder schon einmal sind, mit anderen Buben losgelaufen.

Wir litten alle schon schweren Hunger, und in unserem Bunker hatten lediglich noch französische Gefangene, die als Arbeiter eingesetzt waren, einigermaßen zu essen. Sie teilten aber, was sie hatten, mit uns und benahmen sich recht anständig. Plötzlich wurde ich von einer unsichtbaren Macht hochgehoben und an die Wand geschleudert. Einen Moment lang war es totenstill. Eine Wolke von Staub, Rauch und Gestank erfüllte den Bunker. Er hatte einen Volltreffer erhalten. Der eine Teil war vollkommen zertrümmert. Die Wirkung zu be- schreiben geht über mein Vermögen. Hunderte von Menschen waren buchstäblich zermalmt und zerrissen worden. Plötzlich schreien wir alle wie die Irrsinnigen. Ich dachte, nun müßten wir alle sterben. Dazu war das Wasserrohr geplatzt, und das Wasser stieg von Minute zu Minute erschreckend. Von dem Einschlag bis zu dem Augenblick, wo ich überhaupt begriff, was geschehen war, waren einige Minuten vergangen, trotzdem erreichte das Wasser schon meine Waden. Es gab noch einen einzigen Ausgang. Zu diesem drängten sich nun all die Hunderte Überlebenden, halb irrsinnig vor Angst und Entsetzen. Wer stolperte und stürzte, blieb liegen. Über ihn hinweg quoll die Menschentraube.

Da ertönte vom Eingang her der erste Verzweiflungsschrei. Polnische Arbeiter, die den Einschlag beobachtet hatten, waren herangerannt und hatten Fahrzeuge und alles mögliche vor den Ausgang geschoben und so unseren Rettungsweg verbarrikadiert. Sie wollten uns wie die Ratten absaufen lassen.
Aber die Kinder, die zu unserem großen Glück draußen waren, darunter mein Klaus, hatten diesen Schurkenstreich gesehen und waren zu einer deutschen Pioniergruppe gelaufen, die sich mühte, eine Rollbahn für die Fahrzeuge

-200-

in einer Straße in der Nähe freizuarbeiten. Diese stürmten nun unter dem Kommando eines Feldwebels wutentbrannt herbei, und wer von den Polen nicht schnell genug weg war, wurde an Ort und Stelle erschossen. Obwohl die Sowjetflieger zu neuen Angriffen ansetzten, ließen die Pioniere nicht locker und räumten den Eingang frei. Mehr tot als lebendig taumelten wir ins Freie. Ich weiß nicht, wie viele zurückgeblieben sind. Mehr als die Hälfte bestimmt. Die Frauen flüchteten nun durch die brennenden Straßen. Ich lief mit einer größeren Gruppe zum Bunker der Spulenfabrik Rathshof. Hier erlebten wir erstmalig, was Not und Verzweiflung aus Menschen machen können. Da der Bunker schon überfüllt war, wollte man uns den Einlaß verwehren. So mußten wir ihn, im wahren Sinne des Wortes, erstürmen.
.

Die Russen sind da!

Zu Tausenden standen wir nun, wie die Heringe aneinandergepreßt, im Bunker. Ununterbrochen brüllten die Detonationen. Wenn man sich bis zum Bunkereingang durchkämpfte, konnte man schon deutlich das Gewehr- und Maschinengewehrfeuer hören. Manche hofften auch jetzt noch, daß Entsatztruppen sich herankämpfen würden. In Wirklichkeit waren die Bolschewiken schon innerhalb der Stadt. Wieder verging eine Nacht und ein Tag. Gegen Mittag des 9. April drangen polnische Zivilarbeiter ein und schrien: „Die Russen sind da. Gepäck drinnen lassen, alle heraus !“

Wir blickten einander an. Alles, was der Rundfunk und die Zeltungen geschrieben hatten, fiel uns mit einem Schlag ein. Es sollte allerdings durch die Wirklichkeit weit übertroffen werden.
Vom Eingang peitschten Schüsse. Die Russen, die sich nicht in den Bunker hereinwagten, schossen einfach herein. Die Frauen weinten und schrien und begannen, wie Marionetten die Bunkertreppen aufwärts zu drängen. Mitten unter ihnen schritt auch ich, meinen Sohn krampfhaft an mich gepreßt, nach oben. Meine Knie zitterten. Ehe ich mich an das helle Tageslicht gewöhnen konnte, riß mir ein Russe meine Armbanduhr herab. Die Sowjets drängten sich rechts und links wie zum Spalier, durch das wir gehen mußten. Immer wieder klangen die Fragen auf: „Ur jest?“ Wer sich wehrte bei der Abnahme von Uhren, Ringen und sonstigen kleinen Schmuckgegenständen, verlor augenblicklich sein Leben.

Es begannen nun in aller Öffentlichkeit die Szenen, die ich nicht vergessen kann, und wenn ich hundert Jahre alt würde. Ich weiß, es gilt nicht als fein, darüber zu reden. Desto feiner die Damen und Herren im Westen sind, desto weniger wollen sie davon hören. Jede der Frauen, und wir waren allein an dieser Stelle ungefähr 3000, die nur halbwegs nach etwas aussahen, wurde ver-

-201-

gewaltigt. In aller Öffentlichkeit und bei hellem Tageslicht. Die Kinder weinten und schrien. Wer von den Frauen sich wehrte, wurde einfach erschossen. Auch ich habe mich nicht gewehrt.
Als es aber kein Ende nahm und immer neue russische Haufen herbeiströmten, versuchten viele zu flüchten, denn in der Nähe stand eine Menge Gebüsche. Doch erst jetzt merkten wir, daß sowjetische Flieger ständig über dem Gebiet kreisten. Als ich mich mit einigen Frauen in einer Gebüschgruppe verstecken wollte, feuerten sie sofort mir Bordkanonen und belegten die Flüchtenden mit kleinen Bomben. Viele brachen blutüberströmt zusammen. Die anderen aber liefen wieder zum Haufen zurück. Unter denen war auch ich mit meinem Kind. Nun wurden wir zu einer Kolonne zusammengetrieben und mußten einen Fußmarsch antreten. Wir dachten nicht mehr und nicht weniger, als daß wir nun nach Sibirien transportiert werden sollten. Das war aber nicht so. Wir befanden uns nur auf einem der berüchtigten Propagandamärsche, den nicht nur die restlichen Bewohner Königsbergs mitmachen mußten, sondern zu dem auch unsere Landsleute aus der Provinz zusammengetrieben wurden. Wer noch irgend etwas von Wert hatte, wurde dessen beraubt. Die Reihen wurden systematisch „gefilzt“. Später stand in russischen Zeitungen, Stalin habe darüber in Moskau folgendermaßen berichtet: „Die dankbare Bevölkerung beschenkte ihre Befreier mit Ringen, Uhren und Schmuckstücken. “ Man trieb uns über den Bahnhof Holländer Baum zur Eisenbahnbrücke. Dort lag eine große Menge Frauen in wirren Haufen, es waren Tausende, genau vermag es kein Mensch zu sagen. Sie waren tot. Ob sie erschossen worden waren oder durch Bombenvolltreffer getötet, weiß ich nicht. Wir nahmen an, daß sie hier zusammengetragen worden waren.

Der ganze Pregel schwamm voller toter Frauen. In dem Wasser bildeten die Kleider und die gelben, roten und blauen Schlüpfer ein grausiges Bild. Wie diese vielen Leichen in den Pregel kamen, kann ich nicht sagen und mir auch nicht erklären.
Die neue Eisenbahnbrücke war gesprengt. Daneben war eine Pionierbrücke erbaut, und über diese schwankenden Balken wurden wir getrieben. Wer von uns noch irgendwie einen Wertgegenstand trotz allem hatte retten können, warf die Sachen nun in den Pregel. Viele Frauen trennten sich mit erstarrten Gesichtern von ihren Eheringen. Im Hafenbecken 3 wurden wir in ein dunkles Haus getrieben, das früher offenbar dem Hafenbetrieb gedient hatte. Es war vollkommen dunkel. Wir sahen einander nicht, trotzdem wir dicht gedrängt

standen, und glaubten, die Russen würden das Haus in die Luft sprengen. Aber Schritt für Schritt ging es vorwärts, und da erkannten wir, daß wir durch einen langen Korridor gedrängt wurden. Ich weiß nicht, wie lange ich mich dort befunden habe. Es war uns allen auch völlig gleichgültig. Ich weiß
-202-

nur, daß ich auf einmal vor einem schmalen Korridorfenster stand, das durch Hindenburglichter erleuchtet war.
.

Lieben Sie Hitler?

Hinter dem Fenster saßen eine Frau und ein Mann, aber in Zivil. Offensichtlich waren es Polen oder Ostarbeiter, aber sie sprachen fließend Deutsch. Vielleicht waren es auch deutsche Kommunisten. Sie fragten jeden und jede von uns, ob wir Hitler lieben würden.
Wir schüttelten wortlos die Köpfe. Ich glaube nicht, daß eine der Frauen anders gehandelt hat. Schließlich wurden wir aufgefordert, Gold, Geld oder Ringe herzugeben, aber die beiden haben kaum mehr etwas erhalten. Dann wurden wir weitergetrieben. Wir kamen wieder ins Freie und wurden über den Nassen Garten, an der Kraftfahrkaserne vorübergeführt. Ober der Straße lagen Bäume, die offenbar deutsche Pioniere als Panzersperren umgesprengt hatten. Einige der Frauen rissen sich nun los, turnten auf den Stämmen umher, ritten auf ihnen und lachten, schrien und weinten. Sie waren irrsinnig geworden. Rechts von der Kraftfahrkaserne waren die ganzen Wiesen unter Wasser gesetzt worden, und während im Pregel hauptsächlich Frauen getrieben hatten, schwammen hier Hunderte und aber Hunderte tote deutsche Soldaten, aber auch Zivi- listen und sogar Kinder im Wasser.

Russische Offiziere mit breiten Achselstücken durchstreiften die Uferränder des Überschwemmungsgebietes. Sie hatten Stangen und dicke Knüppel in der Hand, zogen die Toten an das Ufer, drehten sie um und durchsuchten sie nach Uhren oder Ringen. Wir aber zogen weiter. Manche der Frauen wollten austreten. Aber unser Zug zog wie hypnotisiert immer größere Russenkolonnen an, und jede Frau, die austrat, wurde vergewaltigt. Im Zug selbst war man noch einigermaßen sicher. So kam es, daß die Frauen nicht mehr auszutreten wagten, und bald stank unser Zug fürchterlich.

Irgendwie wurde es Nacht. Wir waren über Ponarth-Schönbusch gekommen. Die Gruppe, in der ich mich befand, wurde in ein riesiges Glashaus einer dortigen Gärtnerei gedrängt, sitzen konnte kein Mensch, dazu hatte man viel zu viel hineingepreßt. Das Glashaus selbst wurde die ganze Nacht von russischen Soldaten belagert, und jede der Frauen wollte mit aller Gewalt zur Mitte, denn dort hatte sie noch am ehesten Ruhe. Die Bilder dieser Nacht sind nicht wiederzugeben.

Am nächsten Morgen ging es über Godrienen nach Löwenhagen. Soviel ich weiß, waren wir nun an die 35 Kilometer gezogen. Selbstverständlich hatte uns niemand etwas zu essen gegeben. Immer wieder versuchten wir, aus den nahen Mieten Wruken, Futterrüben und Kartoffeln zu ergattern, die wir in rohem Zustand verschlangen. Die Folge war wenige Stunden später eine ent-

-203-

setzliche Dysentherie. Nun rissen uns die immer wieder ankommenden neuen Sowjetkolonnen, da wir keinen Schmuck mehr hatten, Kleider und Mäntel herunter. Wer das Unglück hatte, besseres Schuhwerk zu tragen, dem wurde es ausgezogen. Viele von uns marschierten barfuß. Einige waren splitternackt, nur notdürftig mit Decken, in die man Löcher geschnitten hatte, umhüllt.

Es begannen die ersten Selbstmorde. Zu Dutzenden ertränkten sich dann die Frauen in den Wasserleichen der Schönfließer Allee. In einem Wald bei Löwenhagen durften wir endlich ausruhen. Mein 12jähriger Junge, der das alles gleich den anderen Kindern mitangesehen hatte, blickte mich mit Augen an, die keinem Kinde angehörten. Das erste, was er sagte, war eine Bitte: „Mutti, erschieß mich!“ Weinend versuchte ich dem Jungen klarzumachen, daß ich doch keine Pistole hatte. Dann ging es wieder weiter. Unser Elendszug passierte Steinbeck, den Flugplatz Gutenfeld, Krausenhof, Jerusalem, bis zur Schönfließer Allee. Links der Jerusalemer Straße wurde haltgemacht. Wir wurden einzeln in einem Schrebergartenhäuschen von Offizieren, wahrscheinlich NKWD, vernommen. Klaus und alle Kinder wurden von uns getrennt.

Ich hatte mein Spiegelbild im Wasser der Teiche der Schönfließer Allee gesehen und mich beinahe nicht mehr erkannt. War ich das noch? Waren wirklich kaum 48 Stunden vergangen, seitdem das Inferno über uns hereingebrochen war? Eine alte Frau sagte neben mir: „Du mußt dein Gesicht mit Dreck verschmieren. “ Ich tat es. Der Offizier, der mich vernahm, war erstaunlich gut angezogen und roch auf Meter nach Kölnisch Wasser. Er fuhr mich an: „Wie alt?“ Da erkannte ich, daß wir aussortiert werden sollten. Ich blickte ihm mit dem Mut der Verzweiflung ins Gesicht und log: „75 Jahre.“ Er ließ mich links heraustreten. Die Jüngeren, das heißt, die ihr Alter richtig angaben, wurden nun zu irgendeiner Zwangsarbeit eingeteilt. Ich kam zu einer Gruppe von 28 Frauen, denen ein Raum in der Autowerkstatt Büssing, Ecke Schönfließer Allee, Pr.-Eylauer-Straße, zugeteilt wurde. Der Raum war so klein, daß jeder Mutter mit ihren Kindern nur ein Platz von zweieinhalb qm zur Verfügung stand. Wir versuchten nun, uns, so gut es nur ging, einzurichten.
.

Aber unser Elend riß nicht ab. Schon in der Nacht schlugen die Russen die Türfüllungen ein, und als wir uns gegen die Tür warfen, schossen sie, daß wir es sein ließen. Die 14 jährige Anni, deren Eltern in der Käferstraße eine Bäckerei gehabt hatten, wurde in der ersten Nacht 48mal vergewaltigt, so daß sie sich wochenlang nicht mehr setzen konnte. Ihr Vater war als Kapitalist sofort erschossen worden, ihre Mutter ist später verhungert. Wir versuchten uns zu helfen, indem wir die ganz alten Mütter in Sesseln vor die Tür setzten, die den Russen den Eintritt zu verwehren trachteten. Aber auch das half wenig.

Niemand gab uns etwas zu essen. Die paar alten Frauen gingen weg, um etwas zu organisieren. Ein paar alte Kohlstrünke oder irgendwelche Futterrüben brachten sie immer wieder, die wir zu einer Suppe kochten. Mehl und Fett
-204-

hatten wir nicht. Die ersten von uns verhungerten. Es ging alles sehr schnell. Die Ältesten, die Kranken und die Schwächsten nahm ein gütiger Tod. Meist schliefen sie still und wortlos ein. Wir begruben sie neben dem Haus. So wie uns ging es wohl der erdrückenden Mehrheit der Königsberger. Vielleicht hatte der oder jener in kluger Vorsicht etwas vergraben oder in den Ruinen versteckt. Wer aber etwas hatte, barg es wie einen kostbaren Schatz. Fast einen Monat verbrachte ich in dieser Elendsgemeinschaft. Wir alle hatten Läuse, und bald gesellte sich ein neuer Gast zu uns: die Krätze.
.

Auf der Straße niedergeschossen

In diesen Tagen begegnete ich dem ersten Russen, der ein Mensch war. Eines Tages stand er im Raum und blickte uns schweigend an. Wir dachten an das Übliche und starrten ihm wortlos entgegen. Er aber griff in seine Aktentasche und gab uns zwei Brote. Die Kinder begannen zu zittern, und zum ersten Mal weinten wir nicht aus Verzweiflung. Es war der russische Arzt, Oberleutnant Nikolas Boris. Er kam immer wieder, aber ganz unregelmäßig. Wenn er nicht gewesen wäre, wären wir vielleicht alle dort verhungert. Denn nirgendwo gab es Lebensmittel. Jede Versorgung der Stadt hatte aufgehört.

Die Russen hatten vor dem Einmarsch behauptet, daß sie alle Menschen versorgen würden. Aber das war ein Schwindel. Es gab auch keine ärztliche Betreuung. Am 11. April, als die Kampfhandlungen längst vorbei waren, hatten die Russen das große Krankenhaus der Barmherzigkeit, das dem Königsberger Diakonissenmutterhaus gehörte, niedergebrannt. Man konnte auch nicht in der Stadt herumgehen, wie man wollte. Immer wieder wurden Menschen völlig grundlos erschossen. Ich wußte nichts von meinen Eltern und nichts von meiner Schwester. Zu dieser Zeit war mein alter Vater schon als „Kapitalist“ erschossen worden.

Im August erzählte mir ein älterer Russe, der uns nichts tat, von einer Atombombe in Japan. Trotz unseres furchtbaren Elends waren wir sehr aufgeregt, und ich lief über die Straße zu Frau Margarethe Pilger, mit der ich bekannt war, um ihr das zu erzählen. Kaum aber war ich bei ihr, kam eines ihrer Kinder und erzählte, auf der Straße stehe die GPU und treibe die Frauen zusammen. Es war streng verboten, sich in einem anderen Quartier aufzuhalten als in dem, das einem zugewiesen worden war. Frau Pilger geriet in furchtbare Aufregung und bat mich zu gehen, damit wir nicht bestraft würden.

Ich verließ sofort den Raum und lief über die Straße, es waren ja höchstens 40 bis 50 Meter von meinem Quartler. Ein NKWD-Soldat schrie: „Stoj!“ Ich dachte mir, ich würde es schaffen, denn ich war ja unmittelbar vor dem Eingang unseres Quartiers. Da sprang er auf mich zu und stach mich mit seinem Bajonett in den Rücken. Ich wußte nicht, was ich tun sollte, blieb stehen, der NKWD-

-205-

.
Mann riß michherum und rannte mir das Bajonett, das er in der Hand hatte, von oben in die rechte Brust. Ich stürzte zusammen und blieb mitten auf der Straße liegen. Die Wunden schmerzten mich, und ich fühlte, wie überall das Blut an mir herunterrann. Es kamen noch zwei oder drei NKWD-Männer hergelaufen, die mich nun mit ihren Stiefeln in die Seite, Nase und ins linke Auge trafen. Ich erlitt neuerlich schwere Verletzungen und verlor fast das Bewußtsein. Dabei spuckten sie mich ununterbrochen an.

Frauen meines Quartiers sahen die Szene vom Fenster, und eine lief in den Hof, wo sich mein Junge aufhielt. Sie schrie ihm zu: „Deine Mutter verblutet auf der Straße !“
Klaus rannte zu einem russischen Marineoffizier, für den er gelegentlich kleinere Arbeiten wie Schuheputzen und ähnliches verrichtete und von dem er, well er meinen Jungen leiden mochte, gelegentlich etwas zu essen bekam. Er ging darum auch mit Klaus mit und wollte begütigend auf die NKWD-Männer einreden. Aber sie verjagten ihn. Ich war inzwischen bewußtlos geworden. Als sie genug Frauen gesammelt hatten, prügelten sie mich wieder wach, rissen mich hoch. Sie luden mir eine Kiste mit Nägeln auf, die wohl 20 Pfund schwer war, und zwangen mich, die Kiste zu schleppen. Ich konnte es nicht und brach zusammen. Als ich aber immer wieder aufs neue geschlagen wurde, schaffte ich es doch. Wie, weiß ich nicht. Schließlich warfen sie mich in einen zum Brechen überfüllten großen Keller im Stadtgarten Schönmeß.

In dem Raum befanden sich lauter Frauen. Ich war am Ende. Trotzdem war kein Platz, daß ich mich hinlegen konnte. Ich mußte in der dichtgedrängten Menge stehen. Endlich erbarmte sich das Schicksal meiner, ich sackte zusammen und verlor das Bewußtsein. Zwei Tage und zwei Nächte wußte ich nichts von mir. Als ich wieder zu mir kam, verfluchte ich den Herrgott, an den ich von Kindheit an mit solcher Inbrunst glaubte. Niemand konnte in dem Raum austreten. Es war zum irrsinnig werden. Am Eingang war in der Türfüllung ein Loch. Dort stand ein Posten mit der angeschlagenen Maschinenpistole, und niemand durfte ein Wort sprechen. Ich erfuhr, daß in einem Nebenraum Eisenbahner, Postler und Soldaten eingesperrt waren.

Schließlich erreichten die Frauen doch, daß etwas wegen mir unternommen wurde, denn alle fürchteten, daß ich unter ihnen sterben würde. Mitten in der Nacht wurde ich herausgeschafft und von vier Russen, die ihre Bajonette aufgepflanzt hatten, und einem polnischen Dolmetscher abgeführt. Ich war nur halb bei Besinnung. Ich weiß nur, daß wir fast eine halbe Stunde dahinzogen, aber wohin, weiß ich heute noch nicht.
.

Die Sowjetoffiziere begannen zu lachen

Am Ende standen wir in einer ehemaligen Leichenhalle. Über die Totenbahren waren Bretter genagelt. Sie dienten offensichtlich als Schreibtische. Ein
-206-

Sowjetoberst schrie mich an, ich hätte Widerstand gegen die Sowjetmacht geleistet. Ich zeigte schweigend meine Wunden. Die Sowjetoffiziere fingen alle laut zu lachen an, als hätte ich einen guten Scherz gemacht. Schließlich sagte der Oberst, „Was treiben Sie sich auf der Straße herum, wenn sie keinen ,Pravka‘ haben.“ Das ist ein Schein, der zum Betreten der Straße berechtigt. Ich wußte nichts zu antworten.

Schließlich mußte ich wieder den ganzen Weg mit den fünf Männern zurückgehen und taumelte mehr tot als lebendig in den Keller hinunter. Ich kam aber nicht in den alten Raum zurück, sondern zu den Eisenbahnern und Soldaten. Die hatten in ihrem Raum ein grünes Schlafsofa, betteten mich darauf, und da ich bereits stark fieberte, gossen sie auf meine schon vereiterten Wunden kaltes Wasser. Sie haben es sicher gut gemeint, aber mir mehr geschadet als genützt. Trotzdem konnte ich endlich liegen. Nach einem Tag wurde ich in ein Wachzimmer geführt, erhielt dort mein Pravka, einen gelben Zettel, auf dem mit Kopierstift in cyrillischer Schrift etwas stand, was ich nicht lesen konnte. Da ich vor Fieber und Schwäche nicht gehen konnte, entließen die Russen kurzerhand zwei der festgehaltenen Frauen, die mich nun in mein Quartier schleppten. Als mich dort die Frauen und Kinder sahen, fingen sie an zu weinen. Der Vorfall hatte sich herumgesprochen, und so hatten sich meine Mutter und Klaus wiedergefunden. Meine Mutter hatte inzwischen ihr Quartier in Mühlenhof l’Estocq-Straße 12 erhalten, und mein Sohn war bei ihr.

Ich lag nun hilflos in meinem Quartier, aber die Frauen waren rührend um mich besorgt und halfen mir in wunderbarer Kameradschaft. Auch der russische Arzt hatte erfahren, daß ich zurückgekehrt war, und nun brachte er Brot und, was für mich viel wichtiger war, versorgte mich zum ersten Mal ärztlich. Ich muß ehrlich sagen, daß ich ohne diesen Russen verreckt wäre wie ein Tier. Er brachte Verbandszeug und Jod, und meine robuste Natur half mir, so daß meine Wunden allmählich hellten. Die Narben allerdings werde ich mein Leben lang behalten.
Ich konnte nun in dem Quartier nicht mehr bleiben. Die Krätze hatte von allen Besitz ergriffen, und ich fürchtete, auch von ihr befallen zu werden. So holten mich meine Mutter und Klaus zu sich, aber das ganze Haus war so überbelegt, daß ich nur auf dem offenen Boden, wie wir Ostpreußen sagen, unter den „Ukeln“, unter Heu und Strohsäcken liegen konnte. Unterdessen aber war es Dezember geworden, und auf dem Boden herrschte eine furchtbare Kälte. Meine Schwester hatte meine Mutter in ihre Wohnung nach Speichersdorf, Sodenerweg 14, eingeladen. Klaus aber blieb bei mir. Sooft er konnte, brachte er mir etwas zu essen, allzuviel war es nicht, und manchmal gaben mir auch die Frauen etwas von ihrem Kümmerlichen ab.

Der Hunger wurde immer entsetzlicher. Alles was gewesen war, wurde durch den Hunger in den Schatten gestellt. Das Gräßlichste war, daß nun diesem Hunger audi die Kameradschaft und die Solidarität der Frauen zum Opfer fielen. Bisher hatten eigentlich die Frauen in meiner Umgebung, auch in den schrecklichsten Stunden, zusammengehalten wie Pech und Schwefel, einander so gut es ging geholfen und gestützt. Nun aber zerfiel auch das Letzte, an das wir uns noch halten konnten. Um einen Teller Suppe, um eine Scheibe Brot denunzierte eine Frau die andere. Waren es auch nicht alle, so waren es dennoch mehr als genug, deren Seele durch den Hunger zerstört wurde.

Auch mich denunzierte eine Frau an einen Russen, später, als auch diese Frau verhungerte, hat sie mich mit Tränen um Vergebung gebeten und starb unter qualvollen Gewissensbissen.
Am 9. November, ich weiß genau, es war ein Sonntag, konnte ich die Kälte auf dem Boden nicht mehr ertragen. So beschloß ich, nach unten in die Wohnung zu ziehen, da meine Mutter nicht mehr hier war, ohne Rücksicht, was wieder mit mir geschehen würde. Ich war zum Skelett abgemagert. Ich konnte mich nur auf zwei Krücken, die mir ein mitleidiger alter Mann angefertigt hatte, mühselig fortbewegen.

Aber ich wollte nicht sterben. Ich hatte all das überlebt. Ich hatte mein Kind bei mir. Ich wußte nichts von meinem Mann, der als Flieger bei der Luftwaffe war. Ich grübelte verzweifelt nach, was ich nun beginnen konnte. Da erzählte mir eine Frau Meson, daß in den Forts bei Godrienen und bei Ponarth Vorratslager der ehemaligen deutschen Wehrmacht waren, in denen sich in Kisten und Tonnen Tubenvaseline befände. Es waren die Gefriersalben, die für die deutschen Soldaten als Schutz bei Erfrierungen bestimmt gewesen waren. Um diese Vaseline kreisten nun unser beider Gedanken. Die Russenweiber, die sehr schnell ihren Männern gefolgt waren, verkauften auf dem Schwarzen Markt Kartoffelschalen und ähnliche Abfälle, zehn Rubel die Waschschüssel. Wir konnten diese Kartoffelschalen oder Salatblätter und Kohlstrünke nur kochen. Die Vaseline aber war Fett. Mit dem Fett könnten wir die Suppe verbessern, und die Kartoffelschalen sogar braten. Tag und Nacht dachten wir nur an die Tubenvaseline. Die Vorratslager waren aber von den Russen streng bewacht, und niemand kam auf normale Weise hinein!
.

Die letzte Rettung: Irrsinn

Nach langem Überlegen kam mir eine Idee. Ich mußte an jene Frauen denken, auf unserem Elendsmarsch am 9. April bei Nasser Garten. Da sie irrsinnig geworden waren, ließen die Russen sie in Ruhe. Im Gegenteil. Sie drückten sich sogar scheu an ihnen vorbei. Bei allen primitiven Völkern werden die Irrsinnigen irgendwie verehrt. In alter Zelt glaubten die russischen Muschiks, daß aus den Irren die Dämonen sprächen. So beschloß ich, irrsinnig zu werden. Nur wenige Frauen, vor allem meine 72jährige Mutter und Frau Meson, weihte ich ein. -208-

Zwei Mädchen, die in der Werksküche des Sägewerks Richard Anders in Mühlenhof arbeiteten, beschafften eine Waschwanne. Deshalb waren sie mit von der Partie. Zu fünft zogen wir los. Auf einem Handwagen lag die Waschwanne, und in der Waschwanne saß ich. Wir fuhren nach Rosenau und über Ponarth nach Godrien. Jedesmal, wenn die russischen Patrouillen kamen oder auch einzelne Russen und uns anhielten, fuhr ich kreischend aus der Wanne hoch, zeigte auf das nächste kaputte Haus, es war ja sowieso alles kaputt, und schrie wie am Spieß. Die Russen erschraken heftig und zogen sich fluchend zurück. Bei allem Elend vermochten sich die vier Frauen das Lachen kaum zu verbeißen. So kamen wir bis an das halbzerstörte Fort heran.

.

Ich kroch durch das Loch eines schweren Artillerietreffers, und dann blieb mir das Herz stehen. Zu Tausenden lagen die Tuben mit Vaseline offensichtlich von den Russen auf große Haufen zusammengeworfen. Ich warf durch das Loch hinaus, was ich nur schaffen konnte. Als wir die Wanne halb voll hatten, schrie uns ein Posten, der daherschlenderte, an und verscheuchte uns. Gottlob kam er nicht so nahe heran, um zu sehen, was wir in der Wanne hatten. Wir fuhren zurück. Ich saß auf der Vaseline und verdeckte sie so gut es ging mit meinem Rock. In der Speichersdorfer Straße ging plötzlich eine der hölzernen Straßensperren, die die Russen überall errichtet hatten, dicht vor uns herunter. Die Frauen begannen mutlos zu weinen. Scheinbar war alles verloren. Nur meine alte Mutter verlor den Kopf nicht. „Jetzt Kind“, flüsterte sie mir zu, „jetzt spiel die Verrückte wie noch nie.“

Die Russen kamen mit bösen Gesichtern und vorgehaltenen Maschinenpistolen auf uns zu. Wir waren direkt in eine ihrer berüchtigten Straßenfallen hineingerannt. Ich verdrehte die Augen, raufte mir die Haare und schrie und tobte dazu im schrillsten Diskant. Der russische Offizier und seine Männer prallten zurück. Sie riefen: „Mnoge messerschla!“, das soviel heißt wie: eine große Verrückte! Sie blieben in achtunggebietender Entfernung von uns stehen. Und dann geschah das große Wunder. Russinnen liefen aus dem nahen Hause und brachten uns in Kochgeschirren ihre berühmte Kohlsuppe, die aber sehr fett und mit Fleisch zubereitet war. Meine Fahrerinnen begannen sofort hastig das Essen hinunterzuschlucken, und da ich nie gehört hatte, daß Verrückte nichts essen, verdrückte ich auch ein Kochgeschirr voll, aber nicht, ohne immer wieder schrill aufzuschreien oder blöde vor mich hinzukichern. Die Russen und ihre Frauen starrten uns schweigend an und ließen uns ziehen, ohne uns zu belästigen.

Dies war um so bedeutsamer, als die russischen Frauen uns nach Möglichkeit ansonsten noch mehr drangsalierten als die Männer. Nie zuvor hatte ich gesehen, daß eine russische Frau einer deutschen Frau auch nur eine Krume Brot schenkte. Auf den Schutthalden suchten wir die von den Russen weggeworfenen Kartoffelschalen, Kohl- und Kohlstrünke und anderen Abfall. Wir waren reich. Wir hatten Hunderte Stück von deutscher Frostsalbe. Und die Frostsalbe war für uns Fett, und Fett war Leben. Wir wiederholten dieses Theater wohl ein dutzendmal. Und immer gelang es. Unsere kleine Eßgemeinschaft war selig. Ich aber begann mit Erschrecken zu merken, daß ich diese Rolle der Wahnsinnigen schon fast zu gut beherrschte. Ich ertappte mich wiederholt, auch wenn ich allein war, dabei, daß ich blöde vor mich hinkicherte oder die Augen verdrehte, und bald erkannte ich, daß ich ein Spiel trieb, das nahe an die Grenzen führte, die den Normalen vom Irren trennen.
.

Es war nicht möglich, alle zu begraben

Natürlich waren diese Kartoffelschalen und der ganze Abfall keine wirkliche Nahrung. Darum verhungerte meine Mutter trotz all der Mühe. Sie starb am 28. November 1945. Ich stand neben dem Grab auf dem Luther- Friedhof in Schönfließ und hörte nicht, was der Pastor Ernst Müller von Ponarth sprach. Ich hatte meinen Eltern nicht helfen können, weder dem Vater noch der Mutter. Trotzdem glaube ich, daß ich recht getan hatte zu bleiben. Wenn die alten Leute allein geblieben wären, und ich wäre irgendwo in Sicherheit, im Westen gewe- sen, ich hätte es nicht ertragen. Ich hatte meiner Mutter Wochen vor ihrem Tod den Hunger stillen können. Nun, da sie tot war, wußte ich, daß mir eine große Gnade vom Schicksal geworden war.

Der Totengräber war der Zahnarzt Dr. Baumann aus der Vorstadt, der Friedhofsinspektor, der ihm half, dessen Name mir entfallen ist, war ein Professor unserer berühmten Albertina. Mir schien dies wie ein Zeichen der Zelt.
Obgleich ich gedacht hatte, daß es nichts mehr geben könnte, was mich zu erschüttern vermochte, hatte mich doch der Tod meiner Mutter förmlich aus der Bahn geworfen. Trotzdem nahm ich den Kampf um das bißchen Leben erneut auf. Ich zog mir einen weißen Frisierkittel an und versuchte nun mein Glück als private Krankenschwester. Da aber alle Medikamente in den Apotheken und Drogerien von den Russen geplündert worden waren und ich mir keine Heilmittel verschaffen konnte, mußte ich diesen Versuch bald wieder aufgeben. Um diese Zeit hatte das Sterben in Königsberg das bisher größte Ausmaß erreicht. Es war bald nicht mehr möglich, die Toten in Friedhöfen zu begraben, sondern man verscharrte sie einfach in den Schrebergärten und Wiesen. Unser Pfarrer Müller stand der Totenlawine hilflos gegenüber, obgleich er in aufopfernder Weise, man kann schon sagen Tag und Nacht, oft bis zum Zusammenbrechen arbeitete. Von den in Königsberg verbliebenen evangelischen Pfarrern war eine Reihe gestorben: Dr. Lubowski, Weihrauch, Flach, Leidreiter, Schröter, Dr. Reiß, Knapp und viele andere. Trotzdem die Überlebenden in vorbildlicher
-210-

Weise ihre seelsorgerische Tätigkeit versahen, mußten viele Hunderte, wenn nicht Tausende, ohne geistlichen Zuspruch begraben werden. Da ich mich immer wieder mühte, trotz meines eigenen Elends, den Verzweifelten Mut zuzusprechen, traten einige Frauen, als nahe Anverwandte von ihnen starben, an mich heran und baten mich, bei den Begräbnissen zu reden. So ging ich nun von einem Grab zum anderen, betete vor und versuchte so gut ich es vermochte, Worte der Tröstung zu finden. Wir hatten keine Särge und nicht einmal mehr Säcke. Die ersten, die nahezu serienweise starben, waren die alten Frauen. Aber bald waren es die Frauen, so von 20 bis 40 Jahren, die das Leben einfach nicht mehr haushielten. Und die Kleinkinder. Die, die noch nicht in der Lage waren, auf eigene Faust, meist in streunenden Rudeln zusammengeschlossen, ein paar Bissen zu verdienen, zu stehlen oder zu rauben.

Unter einer Ruine hatte ich zufällig ein vollkommen zerschlissenes Gebetbuch gefunden, von dem nur noch die Blätter von Seite 34 bis 78 zu lesen waren. Diese Blätter begleiteten mich durch die ganzen Jahre. Manchmal bekam ich dafür etwas zu essen. Oft aber mußte ich an ein Sterbebett die letzte Scheibe Brot mitbringen. Ich lebte nicht mehr bewußt, sondern in einem förmlichen Hindämmern, und wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, ist es mir oft, als hätte ich alles nur geträumt.

Eines Tages, ich war gerade von einem Sammelbegräbnis von sieben Frauen und Kindern aus den Schrebergärten von Rosenau zurückgekommen, da erwarteten mich meine Schwester Anna mit einer Russin. Es war die Frau des Arztes Pracharin. „Du warst doch unsere beste Tänzerin in der Tanzschule? “ sagte meine Schwester, „und Frau Pracharin, die mit ihrem Mann bei mir wohnt, erzählte mir, daß sie für das russische Offizierskasino eine Tanzlehrerin suchen.“ Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Die Russin erzählte mir, daß es sich keinesfalls um eine schlechte Sache handeln würde. Ich würde als „Artistin“ angeschaut werden und als solche unter dem Schutz des sowjetischen Oberkommandos stehen. Nach längerem Zögern beschloß ich, mir die Sache anzusehen.

Ich mußte nach der ehemaligen Immelmannkaserne, Jerusalem, wo mir ein Dolmetscher mitteilte, daß ich die große Produktenkarte und 300 Rubel im Tag bekäme. Auf meine Frage, was denn meine Aufgabe sei, sagte er lächelnd:
„Tanzen.“ Ich sollte die russischen Offiziere europäische Tänze lehren. Als ich noch immer zögerte, erklärte mir der Dolmetscher, daß ich einen vom russischen General unterschriebenen Pravka bekäme, der mich vor jeder Belästigung in Zukunft beschützen würde. Schweren Herzens sagte ich zu. Meine Arbeitsaufgabe war tatsächlich Tanzlehrerin. Meine Arbeitszeit täglich von 14 bis 18 Uhr. Ich erhielt eine Bestätigung, auf der mit Unterschrift des Divisionsgenerals und Stampiglie bestätigt wurde, daß die Besitzerin des Pravka nicht vergewaltigt werden durfte. Ich glaube, ich war die erste Frau in Königsberg, der solches bestätigt wurde!

-211-

Täglich um 14 Uhr holte mich nun ein deutscher Beute-Pkw ab, und der tatarische Fahrer Massar brachte mich ins Offizierskasino in der Immelmannkaserne. Dort wurde ich erstaunlich behandelt und als „Artistin“ genauso angesprochen wie auch die russischen Frauen.
Viel war der Verdienst ja nicht, denn damals kostete ein Brot, das mangels Fett mit Petroleum gebacken wurde, 150 Rubel. Aber was war das für ein Reichtum: Brot!

Frieda Schöning aus der „Arbeiterallee“ wurde nun bei mir Kochfrau, so daß wir allmählich in einen nahezu unvorstellbaren Reichtum gerieten. Jedesmal, wenn ich um 18 Uhr nach Hause kam, warteten Tag für Tag oft bis zu drei Dutzend hungrige Frauen, und ich vermochte ihnen fast immer aus der Immelmannkaserne etwas mitzubringen. Was für die Russen Abfall war, bedeutete für uns größte Glückseligkeit und oftmals das nackte Leben. In Königsberg begann um diese Zeit die erste wenn auch schüchterne Räumungsarbeit. Der Steindamm wurde von Kolonnen deutscher Frauen aufgeräumt, die Trümmer einfach in die Ruinen geworfen.

Auf sowjetischen Befehl waren in allen Friedhöfen deutsche Kriegsgefangene dabei, die Grabsteine abzubrechen. Aus ihnen wurde mitten in Königsberg das Lenin-Stalin-Denkmal errichtet. Aber die Lebensverhältnisse für die große Masse hatten sich nicht geändert. Im Gegenteil, wenn eine Steigerung möglich war, erfolgte sie. Der Bürgermeister unseres Bezirkes, den die Kommunisten und Sowjets aufgestellt, ein Beinamputierter des ersten Weltkrieges, namens Behrend, der in einem Schrebergartenhäuschen in Mühlenhof lebte, versuchte vergebens etwas zu erreichen.
Mir persönlich ging es nach den damaligen Verhältnissen erträglich. Ein großer Kummer war es für mich, daß mein Sohn Klaus, der nun 13 Jahre alt geworden war, durch Vermittlung des Oberst Pracharin Dolmetscher in der Immelmannkaserne geworden war. Der Junge war sehr fix und konnte sich bald mit den Russen sprachlich sehr gut verständigen.
Während ich auf der einen Seite selig war, daß er nun einigermaßen verpflegt wurde, konnte ich auf der anderen Seite wieder kaum schlafen, weil ich wußte, daß der gute Oberst Pracharin den Knaben in der Hauptsache nicht als Dolmetscher benutzte, sondern auch zum Schmierestehen. Der sowjetische Oberst brach nämlich, sooft er konnte, des Nachts in das Vorratslager seines eigenen Regimentes ein, um dort hauptsächlich Leder und Käse zu stehlen oder sonstige Waren, die auf dem schwarzen Markt verschoben wurden. Mein kleiner Junge schleppte dann die gestohlenen Sachen in die Wohnung des Oberst, der in der Nähe mit dem Auto herfuhr. Er mußte für das bißchen Essen buchstäblich Kopf und Kragen riskieren, denn die russische Militärpolizei machte nicht viel Federlesens.

-212-
.

Es fing wieder von vorne an

Im August 1946 war alles aus. Eines Tages wurde mir der Vergewakigungspravka mit der Generalsunterschrift abgenommen und mir vom Dolmetscher mitgeteilt, daß es den sowjetischen Truppen streng verboten worden wäre, deutsche Hiwis zu haben. Selbstverständlich flog auch Klaus aus dem Dolmetscherposten. Nun fing das Hungern wieder an. Ich hatte das, was ich über hatte, jenen geschenkt, die es dringend brauchten. Dadurch hatte ich von einem Tag auf den anderen keine Reserven und war wieder genauso dran, wie zuvor. Ich verschmierte mir das Gesicht und durchstöberte, als alte Frau getarnt, die Schutthalden nach Kartoffelschalen und Kohlblättern, die die russischen Küchen wegwarfen. Ich war wieder Freiwild.
Als ich am 27. Januar 1947 von der Arbeitsuche nach Hause kam, erwartete mich eine furchtbare Überraschung; während ich weg war, hatten deutsche Kommunisten meinen Wohnraum völlig ausgeplündert. Ich besaß nichts mehr als das, was Ich auf dem Leibe hatte.
Vollkommen niedergeschlagen und verzweifelt legte ich mich auf den blanken Boden nieder, um zu schlafen. Ich wußte, mir konnte keiner helfen. Auch die nicht, denen ich geholfen hatte. Denn in ihnen war jeder Wille zum Leben gestorben und kein Funken Mut mehr vorhanden. Ich machte mir keine Illusionen mehr. Und es ist keine Phrase, wenn ich sage, ich war zum Sterben bereit. Denn auch mein Kind konnte mir nicht mehr helfen, so wenig, wie ich ihm helfen konnte. Für ihn als Jungen war es doch noch leichter, irgend etwas aufzutreiben. Ich war auch zu müde, um noch irgendeinen Entschluß zu fassen.
Am nächsten Morgen ging ich noch einmal, wie von einem seltsamen Drängen getrieben, auf den Boden, auf dem ich vor über einem Jahr, als meine Mutter noch gelebt hatte, in der Kälte mich verborgen hatte. Ich weiß nicht, wollte ich mich dort erhängen oder Abschied nehmen. Auf einmal fiel mein Blick auf eine Truhe, die an den Schornstein gelehnt stand. Ich machte sie gedankenlos auf. Zu meinem Erstaunen waren drinnen eine Smokingweste und ein Damenhut aus Stroh. Sofort faßte ich den Entschluß, diesen Hut zu verscheuern. Ich trug ihn auf den schwarzen Markt in Schönfließ, gegenüber der Jerusalemer Straße. Tatsächlich sprach mich bald darauf eine russische blonde Kapitänsfrau, eine sogenannte Spekulantin, an.
Ich verlangte 30 Rubel. Sie erhob ein Geschrei, wie unverschämt die Deutschen die Russen ausbeuten wollten, und als sie mir 15 Rubel gab, ließ ich ihn ihr. Für diese 15 Rubel erstand ich eineinhalb Scheiben Brot. Die halbe Scheibe aß ich, hungrig wie ich war, sofort auf, die ganze brachte ich für meinen Sohn nach Hause. Gerade als ich mich umdrehte, rief die Russin mir nach: „Frau, kannst Wäsche waschen?“ Ich ging sofort mit ihr in ihr Quartier, wo ich ein paar Löffel Kascha bekam, und nachdem sich die Russin von meinem Pravka, den
-213-

ich ihr zeigen mußte, Name und Adresse aufgeschrieben hatte, gab sie mir zwei Kissenbezüge vollgestopft mit schmutziger Wäsche.
Mit dem Aufgebot aller Kräfte schleppte ich mich mit der Wäsche wieder nach Hause, wo mich mein Sohn niedergeschlagen und hungrig erwartete. Es war ihm nicht gelungen, etwas Eßbares aufzutreiben. Ich gab ihm das Brot und machte mich sofort dran, die Wäsche zu waschen. Aber ich war durch dieses erneute Hungern wieder so schwach, daß mir schon nach ein paar Minuten schwarz vor den Augen wurde. So sandte ich Klaus zur Kapitänsfrau und bat sie, etwas Geld oder Produkte vorauszuzahlen, damit ich die Wäsche sauber waschen könnte.

Kurze Zeit danach kam mein Sohn wieder und brachte ein kleines aufgebrochenes Glas mit eingelegtem Sauerkraut, das bereits in Gärung war. Er sagte zu mir: „Mutti, von der kriegst du nichts.“ Wir blickten uns schweigend an. Dann fuhr er fort: „Winde die Wäsche aus.“
Ich wußte genau, was er wollte. Trotz allem, was das Schicksal uns zum Tragen aufbürdete, hatte ich niemandem etwas weggenommen. Jetzt stand mein hungerndes Kind als Versucher vor mir. Automatisch ging ich zum Waschzuber und wand ohne nachzuschauen ein paar Stücke der eingeweichten Wäsche heraus. „Hab dich nicht so!“ sagte der Knabe. »Schau doch das an, das ist ohnedies deutsche Wäsche.“ Ich gab ihm keine Antwort, und er zog mit den paar Wäschestücken ab und brachte in kurzer Zelt dafür drei Wassergläser Mehl, aus dem wir eine Mehlsuppe kochten. Wir hatten dabei Glück, es war wirklich Mehl, denn oft verkauften die Russenweiber Schlämmkreide statt Mehl und betrogen uns auch noch in unserer Tiefe.

So war der Anfang gemacht. Für ein paar Mehlgläser hatte ich mein Schicksal verspielt. Ich war zur Diebin an den Räubern geworden. Kurze Zeit danach besuchte mich Frau W., die vormals Kochfrau auf dem Rosenauer Schlachthof gewesen war. Die riet mir, sofort meinen Pravka zu vernichten und unter einem anderen Namen zu leben. Sie erbot sich auch, mir beim weiteren Verkauf der Wäsche behilflich zu sein. Wir nahmen einen Teil der nassen Wäsche und trugen sie auf den Luisenmarkt. Ich bekam dafür an die 1000 Rubel. Dafür kaufte ich Brot. Eines aßen wir auf der Stelle auf, das andere brachte ich meinem Kind. Es war uns klar, daß wir nun das Quartier verlassen mußten. Ich zog mir alles an, was ich noch hatte, und wir gingen zu dritt auf den schwarzen Markt, in die Wachtelgasse, und legten unsere „Ware“ aus.

Wie ich dort stehe, legte sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter, und als ich herumfuhr, sah ich entsetzt einen Russen mit aufgepflanztem Bajonett. Ich dachte sofort, daß mein Diebstahl aufgeflogen sei. Aber der Russe kümmerte sich nicht um die Wäsche, bei der Frau W. und Klaus zurückblieben. Er zerrte mich in einen Hausflur und sperrte mich dort ein. Meine erste Sorge waren die restlichen Rubel, die ich bei mir hatte und die ich in Ermangelung anderer Mög-

-214-

lichkeiten in die Schuhe steckte. Immer mehr Frauen wurden herangeschleppt. Dann stellten die Russen uns zu einer Kolonne zusammen und führten uns nach Ponarth-Barbarastraße. Dort wurden wir einer deutschen Vorarbeiterin, einer Kommunistin, die Maria hieß, aber sich Maruschka nannte, zugeteilt. Wir mußten die Zimmer aufwischen und Fenster putzen, sowie die völlig verdreckten Keller säubern. Als es Abend war, waren wir fertig, und zu unserem Erstaunen konnten wir wieder gehen. Eine Bezahlung oder gar zu essen bekamen wir natürlich nicht.
.

Das Schicksal nahm seinen Lauf
Auf der Straße wußte ich nicht, was ich anfangen sollte, aber meine beiden Mitverschworenen warteten auf mich bei der Brauerei Schönbusch. Klaus hatte schon erfahren, daß die ganze Sache ungefährlich war. Die beiden hatten alles verkauft und dafür Kartoffeln eingehandelt. Wir gingen nun, da es in der Dunkelheit sehr gefährlich war, sich auf der Straße zu befinden, zum Verschiebebahnhof Ponarth, weil man dort am besten Brot erwerben konnte. In der Nähe des Bahnhofes überfiel ein jugendlicher russischer Bandit, die in ganzen Rudeln der Roten Armee nachgezogen waren, meinen Sohn und wollte ihm den Rucksack wegreißen. Klaus wehrte sich aber tüchtig. Ehe wir heran waren, hatte der jugendliche Gauner Klaus mit einem Messer in den Kopf gestochen. Die Wunde blutete zwar sehr, aber war gottlob nicht lebensgefährlich. Wir vertrieben den Räuber mit Steinwürfen, verloren darüber aber sehr viel Zeit.
Es war tiefe Nacht geworden. Jeden Augenblick konnte uns eine Patrouille aufgreifen. Unsere Furcht war grenzenlos. Wir versuchten, in der Barbarastraße in die wenigen erhaltenen Häuser zu gelangen, aber niemand nahm uns auf. Jeder fürchtete sich, fremde Menschen aufzunehmen, denn es war nicht nur von den Russen streng verboten. Allmählich hatten sich ganze Räuber- und Mörderbanden gebildet, die vor allem auf dem Lande, aber auch in Königsberg mit der Bitte um Quartier sich einschlichen, um am Schluß ihre Quartiergeber zu berauben und mitunter gar zu ermorden. Endlich, als wir schon ganz verzweifelt waren, nahm uns eine Frau auf, da wir ihr unsere Lebensmittel zeigten. Ihr Kind hatte einen riesigen Wasserkopf und war schon halb verhungert. Der Mann der Frau war in Rußland als Obergefreiter gefallen. Wir kochten eine Mehlsuppe, die wir zu fünft aßen, und durften dafür die Nacht über in der Küche sitzen. Die Frau hatte selbst nur eine schmale Liegestatt, auf der sie mit dem Kinde schlief.

Am Morgen gingen wir wieder nach dem alten Verschiebebahnhof Ponarth. Erstens wollten wir das letzte Geld in Brot anlegen und zweitens prüfen, ob es uns nicht gelingen konnte, mit einem der ausfahrenden Frachtzüge die Stadt zu verlassen. Diesen Tag habe ich mir gemerkt. Es war der 18. April 1947. In gro-
-215-

ßen Massen belagerten Frauen und Kinder den ganzen Bahnhof. Sie alle versuchten, auf den Puffern und auf den Dächern der ausfahrenden russischen Militärzüge der Königsberger Hölle zu entrinnen. Die russische Militärpolizei schlug die Frauen und Kinder mit Gewehrkolben von den Dächern und stieß mit Bajonetten nach denen, die sich auf den Puffern und Trittbrettern anklammerten. Viele stürzten unter die Räder und schrien fürchterlich. Manche waren gleich still. Wir legten unser ganzes Geld in Brot an, und das war unser größtes Glück im Unglück.

Plötzlich fuhren überfallartig von allen Seiten russische Lkw heran. Sowjetsoldaten sprangen ab und machten ihre Gewehre und Maschinenpistolen schußbereit. Ich erkannte, daß wir unglücklicherweise mitten in eine Razzia hineingeraten waren. Vergeblich versuchten wir auszubrechen und so unserem Schicksal zu entgehen. Die Russen hatten uns umzingelt. Die ganze Menschenmasse – viele Hunderte – wurde nun in schon bereitgestellte Waggons gezwungen, die fest verschlossen wurden. Es war ein ganz langer Zug, in den wir kamen. Angerührt hatte uns niemand. Zu wehren wagte sich ja sowieso keiner. Nach einer Weile setzte sich der Zug in Bewegung.

Es sollte viele viele Jahre dauern, bis ich die Heimat wiedersah und unter deutschen Menschen in Freiheit leben konnte.«

******************
.
.
.
.
Die Verschwörung des Schweigens
Wann endlich wird sie gebrochen?

Leider bin ich nicht in der Lage, über das sicherlich aufwühlende Erleben deutscher Kriegsgefangener in der sowjetischen Gefangenschaft zu berichten. Die amtlichen Stellen haben bis zur Stunde die Erlebnisberichte der Kriegsgefangenen, die jahrelang sorgsam zusammengetragen und gesichtet wurden, nicht freigegeben.
.
In sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten 3 800 000 deutsche Soldaten. Mit Sicherheit sind über l 200 000 deutsche Soldaten in der sowjetrussischen Gefangenschaft zugrunde gegangen. Wie die Sowjetrussen auch 1945 noch ihre Gefangenen behandelten, geht aus einem Brief vom 24. Juni 1946 von Elfriede Lange an August Graf de la Rosee hervor.
Elfriede Lange beobachtete mit ihren Eltern am 16. März 1945 vom Fenster des Anwesens, das die Deutschen auf Befehl der Russen nicht verlassen durften, gegen 11 Uhr einen Elendszug deutscher Gefangener in einer Stärke von etwa 45 bis 50 Mann, die sich auf der Straße, eskortiert von russischen Posten, dahinschleppten.
.
Die jungen Soldaten, die beinahe wie Greise aussahen, waren völlig zerlumpt und barfuß.
Was nun geschah, schildert Elfriede Lange folgendermaßen:
»Am 16. 3.45 morgens gehen etwa 50 deutsche Kriegsgefangene durch mein Heimatdorf. Kurz hinter dem Dorf, so hat mir Ihr Sohn später erzählt, läßt der russische Posten haltmachen. Er sagt, die acht Leichtverwundeten, zu denen auch Ihr Sohn gehört, sollten zurückbleiben, da sie gleich mit dem Wage gefahren würden. Plötzlich nimmt der Posten die Maschinenpistole und erschießt die acht Mann. Sieben sind sofort tot, während Ihr Sohn schwerverwundet unter den Leichen liegen bleibt, bis die Russen sich entfernt haben. Da kommt er auf das Gehöft meines Vaters gelaufen. Wir bringen ihn in ein Zimmer in ein Bett. Da kommen wieder die Russen und halten eine Frauenjagd. Vater war verschleppt, kam aber wieder zurück, Mutter und ich mußten türmen. Als wir nach zwei Stunden wieder ins Haus schlichen, stand ein Posten an dem Bett. Wir durften ihn nicht verbinden.
Ihr Sohn hatte einen Bauchschuß. In den Kämpfen südlich Köslin war er leicht am Bein verwundet worden, und zwar am 12. 3. 45. Diese Verwundung
-325-
war bestimmt nicht schlimm. Am Abend erst kamen zwei russische Ärzte und haben ihn verbunden. Sie sagten uns, daß Ihr Sohn nur noch Stunden leben würde, was man auch schon deutlich sah. Mit den Ärzten ging endlich auch der Posten fort. Ihr Sohn sagte: „Ich glaube, ich werde bald wieder gesund, dann seh ich meine Mutti wieder.“ Er bat um eine Zigarette, die ich ihm auch gab. Dann erzählte er aus seinem Leben, von seiner Heimat. Dann verließ ihn das Bewußtsein. Er rief nach der Mutti und dem Vater. Auch von einer Gudrun hat er gesprochen. Etwa 23.30 Uhr ist er dann eingeschlafen. Am nächsten Morgen haben die Russen befohlen, daß Ihr Sohn hinter den Wirtschaftsgebäuden meines Vaters begraben wurde. Ihn auf den Friedhof zu bringen wurde nicht erlaubt. Was sich in seinen Taschen befand, wurde von den Russen mitgenommen.
Als später die Polen kamen, habe ich ihnen das Grab gezeigt, damit sie diese Stelle nicht bebauen sollten. Wenn wir wieder zurück in die Heimat dürfen, werden wir das Grab pflegen, wie es sich für einen deutschen Soldaten gehört.
Wenn Sie vielleicht die Gegend wissen wollen, in der Ihr Sohn ruht! Das Dorf heißt Alt-Quetzin. Es liegt 12 Kilometer östlich Kolberg und 6 Kilometer von der Ostsee entfernt.
Ihr Sohn ist in den Tagen gefallen, in denen wir Furchtbarstes erlebt haben, denn wir lagen unmittelbar hinter der russischen Front, als Kolberg beschossen
wurde.«
*
Diese Dokumentation wurde mit Polen begonnen und soll auch mit Polen enden.
In Lamsdorf bei Oppeln mußten 7500 Deutsche unter gräßlichen Qualen sterben. Nur 200 der Lamsdorfer Deutschen überlebten.
Am 23. April 1964 veröffentlichte die mutige Zeitung »Unser Oberschlesien« einen Bericht des Totengräbers von Lamsdorf, den der frühere Lagerarzt Dr. Heinz Esser ergänzte.
Der Totengräber von Lamsdorf berichtet:
»Um in das polnische KZ-Lager Lamsdorf zu kommen, genügte es, wenn man Deutscher war. Bei der Vernehmung wurde so lange geprügelt, mit Bleikabeln, Übungshandgranaten, ledereingefaßten Eisenbahnhalteketten und mit anderem mehr, bis jeder einzelne zugab, einer NS-Organisation angehört zu haben. Im Lager waren ca. 7800 Personen. Die Lagerstärke war im Schnitt 2500 Personen, vom Kind in der Wiege bis zum Greis am Rande des Grabes. Die Lagerinsassen waren nach Geschlechtern getrennt. Die Jungen waren bis 10 Jahren, die Mädchen bis 14 Jahren bei den Müttern In den Baracken. Die Jungen von 10 bis 14 Jahren waren auf einer Stube zusammengefaßt. Ab 14 Jahren
-326-
waren die Jungens auf Männerbaracken verteilt und mußten Männerarbeit verrichten. Die Baracken waren Wehrmachtsbaracken. Während des Krieges war dieser Barackentyp mit 7 Doppelbetten belegt. Im Lager waren diese mit 18 Doppelbetten belegt, teilweise das Bett mit zwei Personen. Eine körperliche Sauberhaltung war unmöglich.
Ich kam am 14. 9. 1945 mit 63 Männern und 15 Frauen in das Lager. Hein Max wurde bei der Aufnahme in das Lager blutig geschlagen, von zwei Posten hinter eine Baracke gestoßen und dort erschossen. Die Posten bekamen dafür eine Rüge, für Nazischweine ist eine Kugel zu schade, sie müßten erschlagen werden wie die Ratten. Langer, Johann, trug einen schwarzen Vollbart. Deswegen wurde er mit dem Bart in den Schraubstock geklemmt und mit Eisenstäben erschlagen. Sie sprangen um ihn herum wie die Wilden mit dem Gebrüll:
„Du Jud! Du Judas!“
.
Böhm, Willi, trug eine außergewöhnlich starke Brille, und deshalb wurde er zusammengeschlagen und mit dem Seitengewehr mehrmals in die Brust gestochen. Ein Landgendarm aus dem Kreise Falkenberg wurde zusammengeschlagen. Zwei Kameraden mußten ihn an den Beinen packen und ca. 300 Meter im Trab über die Erde schleifen, dann wurden ihm die Kleider in Brand gesteckt. Ich habe bis dahin noch kein Todeslager, weder von Tier noch Mensch, so zerwühlt gesehen, wie von dieser gequälten Kreatur. Solche Beispiele könnte ich noch viele anführen.
.
Früh um 6 Uhr war Wecken. Unsere Notdurft mußten wir während der Nacht auf dem Eimer machen. Die Stuben waren von außen geschlossen. Nach dem Wecken wurden wir geschlossen stubenweise zur Latrine geführt. Wenn wir zurückkamen, haben wir uns gewaschen, es stand eine Waschschüssel für die ganze Stube zur Verfügung. Die Hände naß machen und einmal durchs Gesicht fahren, das war die ganze Toilette, die wir machen konnten. Zum Rasieren stand für eine Stube ein Rasierapparat, eine verbrauchte Klinge von den Posten in einer Woche zur Verfügung. Von sanitären Einrichtungen war bis zum April 1946 keine Spur im ganzen Lager zu finden. Ungeziefer hatten wir keines, sondern das hatte uns.
.
Ich habe die Toten beerdigt, bei denen die Läuse die Knochen um die Halskrause, die Fuß- und Handgelenke bloßgelegt hatten. Die Läuse saßen dann fast l cm dick übereinander. Das Blut haben diese Quälgeister restlos ausgesaugt. Wer länger im Krankenrevier ohne Temperatur im Bett lag, ohne etwas gegen das Ungeziefer zu tun, den haben die Läuse, Wanzen und Ratten bei lebendigem Leibe aufgefressen. Um 7 Uhr war Appell. Stubenweise mußten wir in Doppelreihe antreten. Es mußte polnisch abgezählt werden. Wer das nicht konnte, wurde geschlagen und getreten, mit Vorliebe in die Geschlechtsteile. Nach dem Appell wurde Frühsport gemacht, nicht zur Ertüchtigung des Körpers, sondern um zu schikanieren. Man ließ uns robben und Liegestütz machend. Wer nicht recht mitkonnte, wurde totgetreten. Während des Appells hatten wir regelmäßig früh und abends mindestens je vier Tote. Die Feldarbeiten wurden regelmäßig von den Lagerinsassen ausgeführt. Sämtliche Geräte, die zur Feldbestellung gehörten, wurden von Männern und Frauen gezogen, acht Personen gleich ein Pferd. Oftmals ging es im Trab, dazu gab es Schläge. Brach einer infolge Entkräftung zusammen, wurde er erschossen.
Bei der Rückmeldung im Lager hieß es, so und soviel auf der Flucht erschossen. Der Posten wurde dafür gelobt. Am 15. 9.1945 ist ein Kommando von 18 Männern 3 Kilometer weit in einem schweren Wagen gefahren, um einen Transformator zu klauen. Zurückgekommen sind 12 Männer, die vom Tode gezeichnet waren. Ich habe da ca. 400 Tote beerdigt. Die Gesichtszüge der 12 Männer habe ich später nur noch bei Sterbenden gesehen. Es gab da auch ein Krankenrevier, sprich Todeskammer. Die Krankenstube war mit 24 Betten belegt. Dafür stand eine Pflegerin zur Verfügung, die die Stube sauberhalten, Essen und Wasser holen mußte. Das Holz mußte sie selber hacken.
Für die individuelle Betreuung des einzelnen blieb keine Zeit mehr. Wer dort nicht über einen gesunden Organismus verfügte, der ist nicht mehr. Als im Winter 45/46 der Typhus grassierte, waren bei einer Lagerstärke von 2000 Personen 20 Tote am Tage keine Seltenheit. Oft wurde ein Bett am Tage zweimal belegt. Der Strohsack war oft verfault. Dies störte nicht. Im Gegenteil, es förderte ganz erheblich die Sterblichkeit, denn das Lager wurde ja nur zur Vernichtung der Deutschen eingerichtet.
Für den Lagerarzt Herrn Dr. Esser war es ein Martyrium, durch das Krankenrevier zu gehen, er sah die kranken und entkräfteten Menschen liegen und konnte ihnen nicht helfen. Es ist vorgekommen, daß internationale Hilfsorganisationen für das Lager Medikamente spendeten. Diese wurden vor den Augen des Arztes zerstört. Ist ein Mißhandelter zum Arzt zum Verbinden gegangen und sagte er, woher er die Verletzungen hatte, wurde er, vor den Augen des Arztes, von den Posten erschlagen oder erschossen. Die Polen, welche der Arzt behandeln mußte, waren größtenteils geschlechtskrank. Die Verpflegung bestand aus zwei bis drei Kartoffeln und mittags aus Wasser, ohne jegliche Zutaten, abends aus Erikatee, in dem die Ratten ihr Wochenbett gehabt hatten. Im Herbst 45 gab es jeden 2. bis 3. Tag eine Scheibe Brot. Im Winter gab es kein Brot, ab April 46 gab es täglich 250 g Brot. Ich habe vom 14. 9. bis 8. 11.45 nur von der Lagerverpflegung gelebt. Den Angehörigen war es später gestattet, Essen in das Lager zu bringen. Aber das reichte bei weitem nicht aus. Es war für die
Angehörigen immer ein Spiel mit dem Leben. So wurde z. B. Frau Nolte aus Rogau im Winter bis auf die Unterkleidung ausgezogen, geschlagen und vergewaltigt.
Zu den Feiertagen gab es grundsätzlich überhaupt nichts zu essen. Der Tod war unser treuester Begleiter. Trauen konnte man keinem Menschen. Denn
-328-
für ein Stück Brot ist mancher zum Verräter geworden. Wer die Hölle von Lamsdorf lebend überstanden hat, der ist an Leib und Seele gebrochen. Darüber berichten heißt erleben. Die Herren Ärzte und Sozialrichter, die in Versorgungsangelegenheiten der Überlebenden vom Lager Lamsdorf negativ aus Unwissenheit entscheiden, setzen gewissermaßen das begonnene Vernichtungswerk der Polen fort.
gez. Josef Thiel«
.
Nachsatz:
1. Thiel hat in schlichter Art nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge aus eigenem Erlebnis ohne
Aufforderung geschildert.
2. Die Schilderung entspricht den Tatsachen.
3. Max Hein wurde vor meinen Augen angeschossen, bis ich mich vor ihn stellte. Nachher wurde er durch
Bajonettstiche (7 Stiche in den Brustkorb und in den Unterleib) erstochen.
4. Langer, Johann, der mit seinem Bart in einen Schraubstock eingeklemmt wurde, habe ich 2 Stunden später
hinter einer Baracke aufgefunden. An der Leiche stellte ich zahlreiche schwere Mißhandlungsverletzungen,
Verbrennungen des Gesichtes und Schädelbrüche fest.
5. Beim Appell gab es täglich bis zu zehn Tote. Entweder waren diesen die Halsschlagadern eingeschlagen
oder zerrissen oder die Eingeweide eingetreten worden. Oft stellte ich nachher offene Bauchdecken fest, aus
denen die Eingeweide herausragten.
6. Die meisten Todesursachen waren entweder Tod durch Mißhandlungen, infolge Aushungerung, Erstickung
der Lebendbegrabenen oder Erschießungen.
7. Thiel war von den polnischen Partisanen als Totengräber eingesetzt und hat körperlich und seelisch
Unvorstellbares erlebt. Er gehört zu denjenigen Überlebenden, deren Mißhandlungs-Erlebnisse und
Aushungerungsfolgen von Amtsärzten und Sozialgerichten nicht gewürdigt werden.
8. Aus dem Lager Lamsdorf sind nur wenige mit dem Leben davongekommen. In diesem Lager fand ein Massenmord statt, der in der Weltgeschichte hinsichtlich seiner Brutalität einzig dasteht und so scheußlich war, daß er in der Phantasie nicht ausgemalt werden kann, weil die Folterungen und Tötungen in ihrer
grausigen Wirklichkeit jede menschliche Vorstellungskraft überschreiten.
9. 19 Jahre danach habe ich pflicht- und verantwortungsbewußt getreu meinem ärztlichen Eide Gutachten über
Lebende dieses Lagers ausgefertigt, die sowohl dem Richter als auch dem amtlichen ärztlichen Gutachter ein objektives Bild für die Beurteilung abgeben sollen, welches leider noch vielen unglaublieh vorkommt, da es einmalig ist und sehr oft die Schilderungen deutscher KZ-Lager hinsichtlich sadistischer Grausamkeit übertrifft.
Die Frage an das Weltgewissen lautet immer noch, wann wird die Bundesregierung die dokumentarisch erwiesenen und historisch begutachteten Vorgänge für die Welt veröffentlichen, damit Unrecht gegen Unrecht aufgewogen werden kann?
Dr. med. Esser, Braunschweig ehem. Lagerarzt von Lamsdorf«
*
Damit habe ich einem Mann, der die alliierte Rache und ihre ganze Grausamkeit selbst bis zur Neige auskosten
mußte, das Schlußwort für die ganze Dokumentation gegeben.


26 Kommentare

  1. chaukeedaar sagt:

    „Unrecht mit Unrecht aufheben“? Tönt irgendwie nach altem Testament. Ich wäre extremst erstaunt, würde sowas den Planeten weiterbringen.

    Deutsche, Deutscher, gehe aufrecht, weil du ein göttliches Wesen bist, wie alles Lebende auch. Gehe aufrecht, weil es kein genetisches oder kulturelles Schuld-Erbe gibt. Punkt.

    Gefällt mir

  2. thom ram sagt:

    Ha, Chaukee,

    du bringst es brennend genau auf den Punkt. Genau dessentwegen zögerte ich, das Buch zu zeigen.
    Es geht auch nicht darum, Unrecht mit Unrecht aufzuheben.

    Es geht darum, dass all die Nachkommen, deren Eltern und Grosseltern geschwiegen haben, erfahren, was auch noch geschehen ist. Sie haben geschwiegen alle, die Ueberlebenden, welche nicht vergewaltigt worden sind und die Ueberlebenden, welche vergewaltigt worden sind.
    Das Buch bringt ein wichtiges Puzzleteil: „Hänge dem Andern an, was du selber getan hast“, das ist es, was die Sieger taten und tun.
    Wer zu lesen beginnt, wird auf ein ähnliches Bild kommen wie ich:

    Propaganda:
    Die Deutschen vergewaltigten, brandschatzten, folterten, stahlen und mordeten.
    Die Aliierten befreiten.

    Tatsache:
    Es kam vor, doch kam es weniger gegen die „feindlichen“ Völker vor, als gegen Deutsche Kritiker, also gegen Menschen des eigenen Volkes: Enteignung, Folter, Knast und Mord.
    Demgegenüber steht ein Genozid an Deutschen in Grössenordnung von 14 Millionen nach Kriegsende.

    Das muss der Deutsche Mann wissen, Chaukeedaar. Er weiss es nicht, er muss es wissen. Das gehört zur Einschätzung der damaligen Geschehnisse, zum Einordnen dessen, was des Deutschen Grossvater und des Deutschen Grossmutter getan / nicht getan, ausgeteilt / erlitten hat.

    Gefällt mir

  3. Vollidiot sagt:

    Chaukee

    Ein kulturelles gibt es schon.
    So wie es Überlebende gibt und die Kinder, Enkel, Urenkel und so fort derer, so gibt es Täter, deren Kinder, Enkel und so fort.
    Die Erinnerung wird gebraucht um leben zu können, besser überleben zu können.
    Das Schlüsselwort: Überleben (und das eben im Kontext des mosaischen Glaubens, incl. Augen und Zähnen).
    Wir, die Deutschen, haben die Ehre mittels Erinnerungskultur (also schon Kultur) das Überleben des „ewigen Juden“ (Ahashver) zu sichern.
    Das ist eine Kulturleistung, die, so hoffe ich, ähnlich anerkannt wird wie die Leistung der Deutschen bei der Gründung des Staates Israel.
    Die kulturelle Wirkung dessen, also der Konservierung des Ashvaher über die Zeit, wird sicher dereinst zu bewerten sein.
    Ich fürchte, daß das nicht zu den Ruhmestaten addiert wird.

    Gefällt mir

  4. ALTRUIST sagt:

    Das , was sich abgespielt hat , war nicht russisch .

    Zeigt aber auf , wie man die niedrigsten Instinkte entfachen und zum Lodern bringen kann . In jedem Menschen steckt das tierische , immer in Abhaengigkeit , welchen der beiden Woelfe in einem man fuettert oder fuettern laesst .

    Koenigsberg , das ist die Heimat meiner Ahnen und Wehmut begleitet mich , wenn ich in der Vergangenheit schwelge .

    Das Thema ist sehr komplex und man kann es nicht in einem Kommentar behandeln .

    Dieser Tage habe ich darueber sehr viel gesprochen mit Tschechen , Deutschen , Russen und Slowaken im Beisein der Kinder und Enkel .
    Wir waren uns alle in Einem einig , wir haben alle eine gemeinsame Wurzel und unterscheiden uns im Wesen nicht .

    Dieses Grundverstaendnis muessen wir hueten und dafuer Sorge und Verantwortung tragen , das es durch einen selbstermaechtigten Geistadel nicht zerstoert wird .

    Gefällt 2 Personen

  5. chaukeedaar sagt:

    Erfahren finde ich richtig. Dass gelernte Historiker bei uns nicht beide Seiten beleuchtet haben während 70 Jahren ist auch eine politische Dummheit, unter anderem. Nun kommen Schreiber ohne historisches Rüstzeug, deren Berichte nicht die nötige wissenschaftliche Tiefe liefern können und die Sache angreifbar bleibt (methodisch berechtigerweise, wie im meine, inhaltlich zweifle ich kaum etwas von diesen Berichten an). Der Reflex der Rache lebt ja sogar heute noch weiter, wenn man sich Filme wie Inglorious Bastards vor Augen führt. In diesem Sinne muss man davon ausgehen, dass Allierte deutsche Soldaten wie Tiere behandelt haben.

    Aber beim immer wieder dilettantischen und zwanghaften Versuch der Reinwaschung der Verbrechen der Nazis kotze ich innerlich. Ich kenne die Story, die Wehrmacht, das waren alles gaanz edle Gesellen von hervorragendem „Deutschtum“. Die SS sowieso… Hingerichtete „Untermenschen“ in den eroberten Gebieten, das waren alles nur einzelne Ausnahmen… Kommt mir sehr bekannt vor aus heutiger Zeit, das mit den Ausnahmen. Der Mensch urteilt halt aus seiner beschränkten Perspektive. Den ganzen Blick erhält man nicht, indem man nur die revisionistische Sicht betrachtet. Ich verstehe, dass es den Opfern und ihren Nachfahren übel wird ob der neurechten Geschichtsklitterung.

    Wenn wir von dieser Welt gegangen sind, lieber Thom, schauen wir zusammen mal etwas Lebensrückblende zweiter Weltkrieg, ok? Bin gespannt, aber gehe davon aus, dass du und ich nur eine vollkommen entfremdete Sicht auf die echten Geschehnisse und Erlebnisse haben.

    Gefällt mir

  6. thom ram sagt:

    Altrui

    Richtig, schön und gut, was du da sagst. Danke.

    Gefällt mir

  7. Vollidiot sagt:

    Wesentlich dabei ist das Erkennen der wirkenden Ideen -oder ist es nur eine einzige?
    Über die Erkenntnis dieser Zusammenhänge wird die Überwindung dieser Idee/n ihren Lauf nehmen.

    Gefällt mir

  8. thom ram sagt:

    Chaukee

    ***Wenn wir von dieser Welt gegangen sind, lieber Thom, schauen wir zusammen mal etwas Lebensrückblende zweiter Weltkrieg, ok? Bin gespannt, aber gehe davon aus, dass du und ich nur eine vollkommen entfremdete Sicht auf die echten Geschehnisse und Erlebnisse haben.***

    Ha, an vorderster Front werden wir uns einstellen, dannzumal, um klare Sicht zu haben. Voll mein Bedürfnis heute.

    Für mich ist es seltsam: Ich ziehe mir tonnenweise Berichte an, welche aufzeichnen:
    Die Absichten der Deutschen Obrigkeiten.
    Die Absichten der Obrigkeiten der Aliierten.
    Die Taten der Aliierten – ich meine die Taten und Untaten an den Fronten.
    …und was von deutscher Seite im von Deutschen besetzten Ausland getan / nicht getan wurde, da kommt mir wenig. Das Wenige ist ausnahmslos so, dass ich den Deutschen einfach nur Edelmut attestieren kann. Ich möchte jedoch nicht blauäugig annehmen, dass es nicht auch deutsche Frevel im Ausland gab. Nicht von den Fronttruppen, aber von denen der zweiten Welle, von den „Aufräumern“.

    Also du und ich im relativen Paradies, ja. Kann mir allerdings vorstellen, dass wir dannzumals andere Bedürfnisse haben werden, oder gar keine, oder solche, welche bedürfnislose Bedürfnisse sind, oder vielleicht sind wir dann bedürftige Bedürfnisfreie?

    Gefällt 1 Person

  9. Vollidiot sagt:

    Thom

    Karma braucht seinen Raum, zum Ausleben und zum Bilden.
    Ist nicht der Krieg der VATER aller Dinge?
    Aber nur weil man die Mutter totschweigt.
    Und wenn der Krieg ausbleibt?
    Bis jetzt war er notwendig – sonst gäbs ihn nicht.
    Also gelebte Aufforderung zum Wachsen und Überwinden.
    Ursache und Wirkung – eine ziemlich langwährende Zweisamkeit.
    Alles liegt im Menschen.
    Was darf er nicht alles.
    Wie schön, daß es noch so viel zu lernen gibt.
    Wer lernt überwindet, bleibt in Bewegung, in der Dualität von physischem und geistigen Sein.

    Gefällt mir

  10. Vollidiot sagt:

    Die Unfähigkeit bei diesem Thema frei von Sympathie das Geschehene zu betrachten ist ernüchternd.
    Ist aber beabsichtigt.
    Denn wenn Extreme sich gegenseitig beleben wird das Dazwischenliegende zertreten.
    Gehört zur Umerziehung, wie NPD und Antifa.
    Das wird hier wohl nie als Erkenntnis Konsens werden.
    Eigentlich schade, wo es doch um Entwicklung geht und nicht um Verhinderung von Entwicklung.
    Da hilft nur ein Fässle LdT-Bier.
    Prost!

    Gefällt mir

  11. feld89 sagt:

    Hat dies auf volksbetrug.net rebloggt.

    Gefällt mir

  12. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

  13. haluise sagt:

    meine eine grossmutter hatte panische angst vor den „russen“. sie ist über die „demarkationslinie“ hinaus geflohen, ihr mann blieb in der sowjet. besetzten zone.
    meine eltern gingen zu allen flüchtlings-treffen, den ostpreussen-treffen und fanden die einten und anderten freundInnen aus jugend-zeiten und fühlten sich sicher wohl mit den in mitleidenschaft gezogenen; ob sie ehrlich miteinander sprachen, weiss ICH nicht.

    ICH glaube, das erste mal sprachen WIR über …, als ICH in der schule das thema 3.reich „angesprochen bekam“.
    meine eltern fanden Hitler nicht so schlecht und hatten von dem „Terror gegen die juden“ nix mitgekriegt da draussen in der pampa von ostpreussen.
    mein vater war dann am eismeer stationiert und da war nix los, es war einfach nur kalt.
    von den eltern kam nix, vielleicht waren sie verunsichert.
    auf jeden fall waren sie das, als ICH eines tages feststellte, dass soldaten töten, folglich mörder seien:: sie sagten entrüstet, die wehrmacht hätte sich immer anständig benommen.
    WIR kamen zu keinem gespräch, geschweige denn zur diskussion.
    ICH weiss nicht, ob das in vielen haushalten sich so abspielte: diese sprachlosigkeit.

    das wars
    heute versteh ICH die paar worte, die WIR gewechselt haben zu dem thema besser und ICH glaube, ICH fühle KLARer mit ihnen…

    BIN LUISE

    Gefällt 1 Person

  14. viktoria sagt:

    Die wirkliche Wahrheit werden wir in diesem Leben nicht erfahren können aber mir wäre wichtig dass möglichst beide Seiten betrachtet werden und der Schmutz gerechter verteilt wird.

    Gefällt 1 Person

  15. SecurityScout sagt:

    Das gleiche was damals passierte, wird heute wieder passieren.
    Die Opfer werden die Muslime in Europa sein.

    Für mich ist es offensichtlich, daß diese Muslime nach Europa gebracht wurden um Chaos zu stiften.

    Dann legt man den Hebel um und erklärt alle Muslime zu Terroristen.
    Das ist das „Spiel der supranationalen Mächte“!

    CUI BONO

    Gefällt 1 Person

  16. thom ram sagt:

    Volli 22:12

    Der Krieg als Vater aller Dinge…da wird in mir nichts angesprochen, damit kann ich nichts anfangen. Für mich ist Krieg die letzte Wirkung vorausgegangener Ursachen. „Vater“ hat für mich den Impetus des Gebens.
    Nun, vielleicht meinst du es so: Krieg gibt insofern, als er Menschen zwingt, sich ganz gewaltig zu verrühren innerlich. Krieg kann ich als Impulsgeber sehen.
    So meinst du es?

    Gefällt 1 Person

  17. delledschäck sagt:

    ?einfch bur sprachlos— es ist schon richtig painlich der Dornenkrone der Schöpfung anzugehören _hin wie her_

    Gefällt mir

  18. thom ram sagt:

    Louise 04:27

    Das Schweigen derer, welche es erlebt hatten, muss dröhnend gewesen sein, und auch die, welche es bis heute geschafft haben…da ist hinter der schwarzen Wand des Schweigens ein Ungetüm. Es steht unter Hochdruck. Ich rätsele immer wieder, komme auf Antworten, weiss aber nicht wirklich, was hinter dem Schweigen steht. Die Panik war enorm. Ich kann mir vorstellen, dass in den Betroffenen eine Urangst ausgelöst wird beim Gedanken, das Panikungetüm auch nur mit spitzem Finger anzurühren. Zudem gehe ich davon aus, dass sie zu recht annehmen, dass kaum ein Hörer nachvollziehen kann, was sie erlebt haben, auch wenn sie das Geschehen mit allen denkbaren Adjektiven spicken. Das macht einsam. Ein solches Ungetüm im Rücken, dasselbe dauernd unter Verschluss halten, dem natürlichen Drang des Menschen nach Austausch dessen, was ihn bewegt, permanent entsagen…

    Gefällt 1 Person

  19. Vollidiot sagt:

    Thom

    Das 20.Jhdt. in Mitteleuropa (v.a.) ist eine Einheit.
    Psychologisch ist es wichtig das alles im Unklaren zu lassen.
    Das fördert die Labilität der Persönlichkeit.
    Alternativ gibt es feste Regeln (z.B. alles was mit §130 zusammenhängt) die dem Individuum einen trügerischen Halt geben.
    So kann eine Menschenmenge hervorragend in der Entwicklung gehindert werden.

    Sich nicht in eines der (ideologierten) Lager ziehen lassen, die zum Erhalt dieses Zustandes gebraucht werden, sondern frei sich entwickeln, am Menschsein sich orientieren.
    Das Aufdecken der Lügen geschieht dann von selber. Neutrales Faktensammeln, nicht gleich konnotieren (wie unsere Fähkmedien), weg vom Lagerdenken (das als wesentlich uns eingebleut wird – egal von welcher Seite).
    Je schneller das hier umgesetzt würde, desto segensreicher wäre es und die Absichten der Hintergründigen würden ins Leere laufen.
    Geistige Notwendigkeiten, besser allgem. Geistiges, kennen/kennt keine Emotionen (hat schon Krischna versucht in die Hirne zu bekommen, das ist schon lange her – daran kann man sehen, welch dickes Brett der Mensch mit sich zu bohren hat – und da hilft nie ein physischer Bohrer).

    Gefällt mir

  20. haluise sagt:

    thom ram
    22/06/2017 um 14:30

    frühestens als ICH 18 jahre alt war hab ICHs mal meiner mutter mitgeteilt, dass ICH niemand ver-urteilt habe, vielmehr fragte ICH MICH SELBST, was denn ICH wohl getan hätte in einer brenzligen oder un-brenzligen situation notwendiger HILFE für irgendjemand. ICH konnte mir keine antwort darauf geben.
    irgendwann wusste ICH ganz klar, ICH hätte nie jemand töten können … bis heute

    bei hitler-3.reich-themen misstrauten sie wohl auch ihren KINDERN.
    DU hast recht: „Das macht einsam.“

    unsere generation bezog diese pseudo-schuld nicht auf sich, das ist jetzt erst zum hass-thema geworden…

    da das schweigen so mächtig war, provozierte ich einst muttern, was sie tun würde, käme ich mit einem juden oder schwarzen als freund heim …
    da war wieder der augenblick erschrockener augen und tieferen schweigens …
    in jenen anderen zeiten kam sowas extrem selten vor – ganz natürlich – heute kommt das wieder in den sinn:: die vermischung ist eher un-natürlich und drum selten.
    überall auf der erde bleiben auch die migrierten rassen eher unter sich auch in den usa die chinesen und mexikaner etc.

    die vermischung ist jetzt ein künstliches thema geworden … voller provokation …

    VON LUISE

    Gefällt mir

  21. thom ram sagt:

    Louise 16:06

    also ich vermische mich zurzeit sehr gerne…
    Ich täte das auch mit Freude mit der Absicht, ein Kind zu zeugen, wäre da nicht die Aussicht, dass ich dem Kinde zu schnell wegsterben würde.

    Ich hatte, vor Ururzeiten (in diesem Leben) eine japanische Angebetete. Mit der wäre ich durch jedes Feuer gegangen. War sehr kurz, das, sie entschied sich dann für einen andern. Wäre sie nicht gegangen, hätte ich vermutlich halbschlitzäugige Kinder.

    Gefällt 1 Person

  22. thom ram sagt:

    Volli 15:09

    Du fächerst „erkenne dich selbst“ auf. So ist es. Wer sich selber kennt, nimmt Lügenmäntelchen zur Kenntnis, erkennt den Schein und wenn er sich drum kümmern will, findet er die Wahrheit schnell.
    Es kommt dazu: Er wird sich von Natur aus wenig mit Lügengebilden konfrontiert sehen.

    Gefällt mir

  23. haluise sagt:

    thom ram
    22/06/2017 um 17:32

    ja DUUUU natürlich
    und
    für mich zählte und zählt noch „““WAHRE LIEBE“““INNIGLICHES LIEBEN“““

    … NUR DAS gingte und geht mir aus dem weg
    jedoch
    hab ICH ja einen maskulinen teil IN MIR …hihi … DER entgeht mir nicht … bätsch

    Gefällt mir

  24. SecurityScout sagt:

    thom ram
    22/06/2017 um 17:32
    Louise 16:06

    Ram, ich spreche aus eigener Erfahrung.

    Mach es wie Sokrates!
    Am besten schreibt man auf einem weißen (unbeschriebenen) Blatt Papier.

    Suche Dir eine entsprechende Dame und heirate Sie.
    Du kannst ohne weiteres 120 Jahre alt werden.Dann ist Deine Frau rund 80 Jahre alt!

    Was kannst Du verlieren???

    Du könntest vorher mit dem Tod sprechen ob das in Ordnung geht.
    Anschrift bzw. Kontakt nenne ich Dir per email! Das ist NICHT als Scherz gemeint.

    Die Information kann jeder auch hier finden:

    http://verlag-dr.de/

    Stichwort: Evokation

    Kleine Warnung:
    Jeder sollte an den Lehrling denken, der die Geister rief und sie nicht mehr los wurde.

    Gefällt mir

  25. SecurityScout sagt:

    Nachtrag

    Hier der konkrete Link:

    http://verlag-dr.de/pdf/FB-Evokation-Inhalt.pdf

    Gefällt mir

  26. thom ram sagt:

    SS

    Deine Mailadresse funzt nicht.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: