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Die kleinen Feuer / Der Tante Emma-Laden der Vergangenheit und der Zukunft

Sie sind weitgehend verschwunden, die Tante Emma Läden. Sie sind verschwunden, weil es Minderheiten gelungen ist, Läden aufzuziehen, welche dahingehend wirken, dass der Produzent, der echte Arbeit leistet, damit die gesunde Tomate zum Genusse angeboten werden kann, so wenig für diese Tomate bekommt, dass er sie dem Meistbietenden verkaufen muss. Der Meistbietende ist der, welcher über eine Verkaufskette verfügt, so, dass er die Spanne zwischen Einkauf und Verkauf geringer halten kann, als dass es die Tante Emma tun kann, welche für ihren Laden gehörigen Zins zahlt.

Ich habe einen der Gründe genannt. Es gibt mehr davon.

Doch, einen nenne ich noch, einen der weiteren Gründe, einen, den ich nicht ganz durchschaue: Es ist der Trend.

Der Trend wurde in meiner Jugend, vor 50 und 60 Jahren, geschaffen: Je grösser und unpersönlicher der Laden, desto geiler. Wie die Machthaber es in der Praxis schafften, den Leuten und auch mir damals das einzubläuen, das ist mir heute ein Rätsel, denn ich schaute nie Werbung. Bis 25 schaute ich nie fern. Schwarzmagie?

Damals, in meinen 20ern, also 68-78, belächelte ich Tante Emma Läden und fand mich „in“, in  Bigg Schops zu gehen und dort in der geil grossen Masse meine Ovomaltine und den Apfel zu kaufen. Um die Dreissig begannen in mir Warnlampen aufzublinken, und seit dannzumal bevorzugte ich zunehmend Kleinbetriebe. Dass ich ab 30 den Betrieb anders zu betrachten begann – ohne wirtschaftliche oder soziologische oder was weiss ich Studien gelesen zu haben, –  ist mir nur dadurch zu erklären, dass ich mich unbewusst anderen morphischen Feldern öffnete, Feldern der kleinen Erkenntnisse. 

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Nach diesem Gesenfe sage ich das Wesentliche, holzschnittartig verallgemeinernd:

Viele Tante Emma Läden der Vergangenheit waren geprägt von Kleingeist: Ich biete Waren an, weil ich überleben will. Es gab herzliche Tante Emmas (mir war vergönnt, eine damals zu kennen. Sie stärkte durch ihre Hezrlichkeit mein….Knabenherz). Und es gab Verkniffene. Ich denke, die Verkniffenen haben den Untergang der Emmaläden beschleunigt.

Der Tante Emma Laden, der heute entsteht, ist geprägt von: Ich biete gute Produkte an, weil ich will, dass meine Kundschaft zu ihrem Wohle das Beste erwerben kann. Dass ich damit mein Brot gesichert habe, das ist schön und selbstverständlich.

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Danke, Leuchtturmnetz – Marietta für deinen Beitrag.

thom ram, 14.06.05, Neues Zeitalter, da Tanten Emmas sprühen vor Lebensfreude, und Mönsch sich täglich freut, dort sein Brot zu posten.

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Tante Emma Läden – gibt’s die noch ?

Quelle: https://leuchtturmnetz.wordpress.com/2017/06/14/tante-emma-laeden-gibts-die-noch/

JA, es gibt sie noch, auch wenn der Gesamtausdruck einer neuen, moderneren Version gewichen ist. Ich selbst kenne noch drei Varianten der kleinen Dorfläden, unsere Emma hiess Tante Frieda und ich habe ihren kleinen Laden noch gut in Erinnerung. Vielleicht setze ich mich demnächst mal hin und versuche ihn aufzuzeichnen.

Er war klein, sehr klein, ziemlich viele hohe dunkle Regale und es gab eingelegte Heringe, frisch gefangene Forellen, eingelegtes Sauerkraut und Schnibbelbohnen, grosse Fässer oder Tüten mit Zucker, Mehl, Salz, Haferflocken, Hülsenfrüchten, Rosinen, und mehr. Eine grosse Metallmilchkanne mit manueller Pumpe stand nebenan im Kühlraum, da gab es Frischmilch oder Buttermilch und auch grosse Stangen von Butter, von denen die Portionen abgeschnitten wurden. Joghurt gab es nicht, den machte man sich selbst zuhause als Dickmlich, und anstatt dessen gab es Schichtkäse, der eh viel besser schmeckt.

Ich schwelge grad in Erinnerungen, merkt’s ihr das… 🙂

Es gab in unserem Dorf damals 5 Lädchen, denn das Dorf verteilte sich auf zwei Hügel und dem alten Dorfkern am Fluss. Jetzt wird wahrscheinlich der einzige kleine Laden am Ort schliessen, da der Besitzer, ein alter Schulkamerad von mir, aus Gesundheistgründen aufhören muss. Dann gibt es nur noch einen kleinen Bäcker an dem Ort, der früher Scharen von Kurgästen und deren Angehörige beherbergt hatte, in dem Kleinbetriebe und ansässige bäuerliche eine reichhaltige Dorfkultur boten. Auch ein Lokal, geschweige denn eine kleine Dorfkneipe sind noch vorhanden.

Alles reduziert auf null, die Jugend geht heutzutage lieber gemeinsam „chillen“ fahren viele Kilometer um zur nächsten Grosstadt zu kommen, wo der Bär los ist. Manchmal glaub ich das Ganze hört erst auf, wenn die Möglichkeiten der Mobilität so eingeschränkt sind, dass man sich wieder auf gemeinschaftliche Aktionen vor Ort focussieren muss.

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Weiterlesen

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5 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. luckyhans sagt:

    „Ich denke, die Verkniffenen haben den Untergang der Emmaläden beschleunigt.“ –
    Ganz schön fies, die „Leidtragenden“ zu Teil-„Mittätern“ zu machen.

    Meine Erinnerung an die Tante-Emma-Läden war vor allem eine Warteschlange, denn die alte Dame hinter der Theke mußte jede einzelne Bestellung erst aus einem der vielen Regale holen, ggf. mit Mini-Leiter, heranbringen, auf den Ladentisch packen, ggf. noch „zuschneiden“, abwiegen, das Einverständnis der Kundschaft abwarten und dann den Preis in die große Registrierkasse eingeben. Und das für jede einzelne Bestellung…
    Beim Konsum gab es zur selben Zeit bereits erste Selbstbedienungsregale – es wird wohl vor allem die Zeitersparnis gewesen sein, die den Trend zur Selbstbedienung beschleunigt hat – neben den geringeren Preisen.

    Und die Möglichkeit, statt 6 Läden (Milchmann, Bäcker, Obst/Gemüse, Getränke/Spirituosen, Drogerie UND Tante Emma) abzuklappern und überall im Schnitt 5 – 10 Minuten (samstags, später freitags deutlich mehr) anzustehen, alles an einem Ort kaufen zu können, mit EINMAL (und weniger) anstehen.
    Sogar ggf. auch mit leichten Frische- und Qualitätseinbußen – der Trend weg von der Qualität und hin zur Menge begann damals erst ganz allmählich…

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  3. thom ram sagt:

    Lücki 06:07

    „Ganz schön fies, die „Leidtragenden“ zu Teil-„Mittätern“ zu machen.“

    Warum fies? Wenn ich die Verkniffenheit einzelner Emmas als mögliche Mitursache für den Niedergang ihres Geschäftes orte, dann heisst das doch nicht, dass ich ihnen einen Vorwurf mache! Anders ist es, verkniffene Menschen wecken in mir eine leise Trauer, wenn ich mich in sie hineinfühle, gerne möchte ich, dass sie das Leben freudiger gestalten könnten.

    Wir hatten zwei Metzgereien, zwei Kioske, zwei Haushaltzeugsläden, drei Bäckereien, zwei Foto- und drei Emma-Kolonialwaren-Läden. Ich frequentierte nach Möglichkeit diejenigen, da mir Freundlichkeit entgegenstrahlte, wenn ich eintrat. Das läuft halt nun mal so.

    Und was du antippst, dass nämlich die gute Emma wahrlich zu tun hatte, um die Kunden zu bedienen, genau daran denke ich so oft, wenn ich im Supermarkt die Waren in den Einkaufswägen betrachte und mir dabei genau das vorstelle: Uäh, wäre da nicht selbstbedienung, wieviele Emmas müssten rumwieseln, um den Kunden all die Berge herzuschaffen. Und wie du sagst, abzuwägen und zu verpacken.

    Vor 60 Jahren haben die Menschen, auch in der kriegsunversehrten Schweiz, einen Zehntel dessen eingekauft, als was sie sich heute anraffen.
    Dieser Plan ist sehr gut aufgegangen: Konsum als Lebenserfüllung hat durchgeschlagen, ich meine, weltweit, auch dort, wo man sich kaum was leisten kann. Hierzulande zum Beispiel haben bereits geschätzt, 2/3 der Menschen ein Händi. Und wer braucht ein Händi? Natürlich kaum jemand. Aber der Konsum hat durchgeschlagen. Die virtuelle Kommunikeeschn und die schönen Spiele auf dem Schirmchen, die locken und machen süchtig. Konsumismus eben.

    Ach, ich plaudere da so vor mich hin, dabei will ich einen äusserst guten Artikel über das Klima raushängen. Werd ich nun tun.

    Gefällt 1 Person

  4. Luckyhans sagt:

    zu thomram um 11:03
    „der Konsum hat durchgeschlagen“ –
    ja, Masse statt Klasse ist immer der Anfang vom Ende… 😉

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  5. thom ram sagt:

    Lück

    Alte Schwuchtel. Bääääh.

    (Insiderwitzchen)

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