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Russische Staatsgedanken

Einen kleinen Einblick in die (einigermaßen typische) russische Denkweise der heutigen Zeit und deren Erkenntnisstand gibt der nachfolgende Artikel, mit dem wir unsere kürzlich begonnenen „Schlaglichter aus dem Rußland unserer Tage“ fortsetzen.
Besonderes Augenmerk verdient auch hier der schon oft auf bb angesprochene (für manchen von uns recht sonderbare) Umgang mit dem „Großen Vaterländischen Krieg“…
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 24. September 004
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Ernsthafte Staatsgedanken am zweiten Tag nach dem Sieg der Machtpartei

21. September 2016 – Sergej Wassiljew, Riga


das Gebäude der Staatsduma, der russischen Zentralparlaments

Die neue Zusammensetzung des russischen Parlaments wird gezwungen sein, die Frage zu beantworten: wie, nach welchen Prinzipien, werden unser Staat und seine Angehörigen vereinigt, und nach welchen Regeln werden sie leben, unter den Bedingungen des noch nicht offen erklärten, aber schon geführten Krieges mit „unseren westlichen Partnern“, und unter Berücksichtigung des Folgenden:

1. Genau dieselben Leute versuchen schon seit 25 Jahren mit einer Beharrlichkeit, die einer besseren Verwendung würdig ist, „alles so zu machen wie im Westen“ – hartnäckig den offensichtlichen Fakt ignorierend, daß eine Kopie immer schlechter ist als das Original und der Westen selbst ein Mosaik völlig unterschiedlicher und sehr schwach vereinbarer Traditionen und Strukturen ist.

2. Rußland heute ist immernoch das berüchtigte Regime des „Currency board“, im Rahmen dessen, um einen Rubel emittieren zu können, man für denselben Wert absolut reale Waren in den Westen liefern muß und dafür geschnittenes grünes Papier erhalten/reservieren muß.
Der Vorschlag, nach dem Anschluß der Krim auch die Zentralbank Rußlands an Rußland anzuschließen, ist bisher immernoch ein frommer Wunsch geblieben.

3. Rußland benutzt immernoch die Kopie des Kredit-Multiplikators des Westens, und zwar eine schlechte Kopie, im Ergebnis dessen der Preis der Kreditressourcen für Produktionen in Rußland 4 – 8mal teurer ist als in der EU, weshalb die nationalen Produktionen permanent in Zustand eines künstlichen Haushaltsdefizites gehalten werden, während gleichzeitig der Hauptteil der Gewinne in den Taschen der Finanzdienstleister landet, in erster Linie der Banken.

4. Rußland reproduziert, nach dem Beispiel des Westens, das Modell der Budget-Verteilung „von oben nach unten“, mit einer kolonialen Hauptstadt und Kolonien-Provinzen, was in den Abmessungen Rußlands zu merklichen regionalen Disproportionen führt und eine innere Desintegration fördert.

5. Das politische Modell Rußlands selbst kopiert das des Westens, welches keinerlei andere Verantwortlichkeit vorsieht als die Schein-„politische Verantwortung“, und der Staat ist zuverlässig isoliert von der Bevölkerung durch Tonnen gesetzgeberischer Makulatur, Legionen von Verboten und nicht wirksamen sozialen Fahrstühlen.

Die Partei „Einiges Rußland“ ist – streng in Übereinstimmung mit der akademischen Definition – die herrschende Elite, deren Legitimität gerade erst durch Wahlen bestätigt wurde, und welche in Kürze selbst wird wählen müssen – „entweder das Kreuzchen abnehmen, oder den Schlüpfer ausziehen“, weil sie sich heutzutage zwischen Hammer und Amboß befindet, wo der Amboß die „schwarze Marke“ von unseren „westlichen Partnern“ und der von ihnen verkündete Krieg ist, und der Hammer ist die im Volke wachsende Autorität jener sowjetischen Elite, welche das Einige Europa im Großen Vaterländischen Krieg besiegte und dann das Land aus den Ruinen in den Kosmos geführt hat.

Unter diesen Bedingungen sind die Stühle aus wertvollen Holzarten, die unter den Hintern der frischgebackenen „Adligen aus dem Torbogen“ auseinanderfallen, auch schon mit unbewaffnetem Auge gut zu sehen. Die Heldentat des Volkes besingen, ohne die vom selben Volk heißbegrüßten „Reinigungen“ der Parteinomenklatur zu bemerken, ist kategorisch nicht möglich.
Liberastische Lieder zu singen über das sowjet-ideologische
Arbeitsvieh und gleichzeitig die Heldentaten dieses Arbeitsviehs zu besingen, ist überhaupt keine Variante.

Und wenn man, was Gottes verhindern möge, alles gutheißen will, was in den Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegsjahren geschaffen wurde, dann werden früher oder später diese Plebejer eine Vielzahl von erstaunlichen Übereinstimmungen zwischen der Beschreibung des Begriffes Vaterlandsverrat im Paragraf 58 finden und den Handlungen der modernen Elitären.

Habt ihr’s gelesen? Seid mal neugierig – es ist allerdings eine amüsante Literatur, der Paragraf 58 des StGB der UdSSR von 1938.

(korrekt: jener § 58 UdSSR-StGB /1938/ lautet „Staatsverbrechen“ und „1. Konterrevolutionäre Verbrechen“, der Begriff „Vaterlandsverrat“ findet sich in Absatz 58-1a: „Vaterlandsverrat, d.h. Handlungen, die von Bürgern der UdSSR zu Lasten der Militärischen Macht der UdSSR, seiner staatlichen Unabhängigkeit oder der Unantastbarkeit seines Territoriums ausgeführt wurden, wie: Spionage, Herausgabe von militärischen und Staatlichen Geheimnissen, Übergang auf die Seite des Feindes, Überlaufen oder Fliegen ins Ausland,
werden mit der gesetzlichen Höchststrafe – Erschießung mit Konfiskation des gesamten Eingentums, und bei mildernden Umständen mit Freiheitsentzug für 10 Jahre mit Konfiskation des gesamten Eigentums bestraft.
“ – d.Ü.)

Solche Feiertage wie der Tag des Sieges, welcher ein wenig zu einem Schlüsselfeiertag auf einem Sechstel des Festlandes (nicht nur in der RF) wird, und der sich auf die realen Heldentaten realer Menschen gründet, untergraben tiefgründig den Hauptpfeiler, auf welchen die „Elitären“ sich heutzutage stützen – die von ihnen geschaffene und sorgsam behütete moderne Hierarchie der Werte, die aufbaut auf der Monetarisierung der privatisierten administrativen Ressourcen.

Gerade noch zur Monetarisierung, da ist auch nicht alles „Gott sei dank“. Unter den Bedingungen der Kürzung der Verteilungsbasis wird die Monetarisierung heute nicht so prachtvoll wie gestern geraten – die Anzahl der auf „meins“ Anspruch erhebenden wird man verringern müssen, und im Ergebnis dessen werden die gestrigen „meinigen“ dann automatisch in „fremdelnde“ umgewandelt und zusätzliche Kopfschmerzen verursachen, mit laufenden und potentiellen Enthüllungen.

Die Aufdeckungen sind schon kräftig im Gange… noch nicht in schräger Richtung, aber mit einer durchaus bemerkbaren Dynamik zur Vergrößerung.

Mit einem Wort, die jetzige Zusammensetzung der Russischen Staatsduma des 2016er Musters erinnert, nach der Gesamtheit der sich abzeichnenden außenpolitischen und innenpolitischen Umstände, schmerzhaft an den „Parteitag der Sieger“ – den 17. Parteitag der WKP (b) (im Jahre 1934 – d.Ü.), bekannter unter dem Namen „Parteitag der Erschossenen“, weil mehr als die Hälfte der Delegierten später repressiert worden war, und zwar hauptsächlich auf der Grundlage ebenjenes Paragrafen 58 (Vaterlandsverrat)…

Quelle: Источник oder http://webnovosti.info/n/37026/


3 Kommentare

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  3. […] 5. Das politische Modell Rußlands selbst kopiert das des Westens, welches keinerlei andere Verantwortlichkeit vorsieht als die Schein-„politische Verantwortung“, und der Staat ist zuverlässig isoliert von der Bevölkerung durch Tonnen gesetzgeberischer Makulatur, Legionen von Verboten und nicht wirksamen sozialen Fahrstühlen. …“ (mehr dazu hier) […]

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