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Die Rede von Alexis Zipras

Da „unsere“ Lügenmedien diesen Text garantiert totschweigen oder nur verunglimpfen werden, übernehmen wir vom Blog Denkraum eine Übersetzung der Rede von Alexis Zipras, Ministerpräsident von Griechenland, und zwar wörtlich.
Dank an PvH für den Hinweis. 😉

Luckyhans, 30. Juni 2015
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Alexis Tsipras’ nächtliche Fernsehrede – “Die Griechische Bevölkerung soll entscheiden”

(deutsche Übersetzung)

In der Nacht zum 27. Juni 2015 kündigte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in einer vom griechischen Fernsehen ausgestrahlten Rede ein Referendum über die “Reformforderungen” der sog. „Troika“ an.

Der Text wurde von Stathis Kouvelakis vom Griechischen ins Englische übersetzt und von der Redaktion des österreichischen Blogs “Mosaik – Politik neu zusammensetzen” aus dem Englischen ins Deutsche übertragen. Die englische Version der Tsipras-Rede findet man hier, und eine weitere Übersetzung der Rede direkt aus dem Griechischen ins Deutsche. (Hervorhebungen von MW)
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Liebe Griechen und Griechinnen,
seit sechs Monaten kämpft die griechische Regierung darum, unter den Bedingungen eines beispiellosen wirtschaftlichen Würgegriffs, das Mandat umzusetzen, das ihr uns gegeben habt.

Ihr habt uns den Auftrag gegeben, in Verhandlungen mit unseren europäischen Partnern die Austeritätspolitik zu beenden, damit Wohlstand und soziale Gerechtigkeit in unser Land zurückkehren können. Es war ein Mandat für ein nachhaltiges Abkommen, das sowohl unsere Demokratie als auch die gemeinsamen europäischen Regeln respektiert, und das es uns endlich ermöglicht, die Krise zu überwinden.

Während der gesamten Phase der Verhandlungen wurde von uns verlangt, dass wir das von der letzten Regierung akzeptierte Memorandum umsetzen sollen, obwohl dieses von den Griechinnen und Griechen bei den letzen Wahlen kategorisch abgelehnt worden war.

Doch nicht eine Minute lang haben wir daran gedacht, uns zu unterwerfen und euer Vertrauen zu verraten. Nach fünf Monaten harter Verhandlungen haben unsere PartnerInnen vorgestern schließlich ein Ultimatum an die griechische Demokratie und die Menschen in Griechenland gerichtet. Ein Ultimatum, welches den Grundwerten Europas, den Werten unseres gemeinsamen europäischen Projekts widerspricht.

Sie haben von der griechischen Regierung verlangt, einen Vorschlag zu akzeptieren, der weitere untragbare Lasten für das griechische Volk bedeuten und die Erholung der griechischen Wirtschaft und Gesellschaft untergraben würde. Dieser Vorschlag würde nicht nur den Zustand der Unsicherheit auf Dauer stellen, sondern auch die soziale Ungleichheit verfestigen.

Der Vorschlag der „Institutionen“ umfasst Maßnahmen zur weiteren Deregulierung des Arbeitsmarktes, Pensionskürzungen, weitere Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sowie in den Bereichen Gastronomie und Tourismus. Schließlich zählt dazu auch die Abschaffung der Steuererleichterungen für die griechischen Inseln.

Diese Forderungen verletzen unmittelbar die europäischen Sozial- und Grundrechte. Sie zeigen, dass einige unserer PartnerInnen nicht ein für alle Seiten tragfähiges und vorteilhaftes Abkommen für Arbeit, Gleichheit und Würde anstreben – sondern die Erniedrigung des gesamten griechischen Volks.

Ihre Forderungen zeigen vor allem, dass der Internationale Währungsfonds auf einer harten, bestrafenden Kürzungspolitik beharrt. Sie zeigen zugleich, dass die führenden europäischen Kräfte endlich die Initiative ergreifen müssen, um die griechische Schuldenkrise ein für alle Mal zu beenden. Diese Krise betrifft auch andere europäische Länder und bedroht die Zukunft der europäischen Integration.

Liebe Griechen und Griechinnen,
die Kämpfe und Opfer des griechischen Volks für die Wiederherstellung von Demokratie und nationaler Souveränität lasten als historische Verantwortung auf unseren Schultern. Es ist die Verantwortung für die Zukunft unseres Landes, und diese verlangt von uns, auf das Ultimatum der PartnerInnen mit dem souveränen Willen des griechischen Volkes zu antworten.

Vor wenigen Minuten habe ich in der Kabinettssitzung den Vorschlag gemacht, ein Referendum abzuhalten, damit die Griechen und Griechinnen souverän entscheiden können. Dieser Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Morgen wird das Parlament zu einer Sondersitzung zusammentreten, um über den Vorschlag des Kabinetts und ein Referendum am Sonntag, dem 5. Juli, abzustimmen. Die Griechen und Griechinnen sollen entscheiden können, ob sie die Forderungen der „Institutionen“ annehmen oder ablehnen.

Ich habe bereits den Präsidenten Frankreichs, die Kanzlerin Deutschlands und den Präsidenten der Europäischen Zentralbank über diesen Schritt informiert. Morgen werde ich offiziell darum ansuchen, das laufende Programm um einige Tage zu verlängern, damit das griechische Volk frei von Erpressung und Druck abstimmen kann, wie es der Verfassung unseres Landes und der demokratischen Tradition Europas entspricht.

Liebe Griechen und Griechinnen,
ich bitte euch, auf das erpresserische Ultimatum, welches von uns harte, entwürdigende und endlose Austerität ohne Aussicht auf soziale und wirtschaftliche Erholung verlangt, auf souveräne und stolze Weise zu antworten – so wie es die Geschichte des griechischen Volkes verlangt.

Auf Autoritarismus und brutale Austerität werden wir, ruhig und bestimmt, mit Demokratie antworten. Griechenland, der Geburtsort der Demokratie, wird eine demokratische Antwort geben, die in Europa und der Welt widerhallen wird. Ich verpflichte mich persönlich, eure demokratische Wahl zu respektieren, wie immer sie ausfallen wird.

Und ich bin vollkommen überzeugt davon, dass eure Wahl der Geschichte unseres Landes gerecht werden und der Welt eine Botschaft der Würde senden wird. Wir alle müssen uns in diesen entscheidenden Momenten vor Augen halten, dass Europa die gemeinsame Heimat unserer Völker ist. Doch ohne Demokratie wird Europa ein Europa ohne Identität und Orientierung sein.

Ich lade euch alle ein, in nationaler Eintracht und Ruhe, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Für uns, für zukünftige Generationen, für die Geschichte der Griechinnen und Griechen. Für die Souveränität und Würde unseres Volks.

Alexis Tsipras
Athen, am 27. Juni, 1 Uhr morgens.

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Quelle: https://denkraum.wordpress.com/2015/06/27/alexis-tsipras-nachtliche-fernsehrede-griechische-bevolkerung-soll-entscheiden-deutsche-ubersetzung/


12 Kommentare

  1. Petra von Haldem sagt:

    Ja, auch hier danke fürs Bekanntmachen……. 🙂 🙂

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  2. hella sagt:

    Ein wichtiger Satz wurde bei der Übersetzung wohlweislich weggelassen:

    “ In diesen kritischen Momenten müssen wir uns alle daran erinnern, dass Europa die gemeinsame Heimat der Menschen ist.

    Es gibt keine Besitzer und Gäste.“ <<== (!!)

    Damit ist über die Absicht der "Übersetzung" alles gesagt …

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  3. luckyhans sagt:

    @ hella:
    Das erschließt sich mir jetzt nicht – was vermutest du da als tieferen Sinn des Weglassens?
    Schönreden? Was? Weshalb?
    Mir wird die „Absicht“ nicht klar… eventuell wurde der Satz nur in der Eile vergessen?

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  4. thomram sagt:

    Der Duktus ist eindeutig. Ein Regierungschef und Parlamentarier, welche das tun, was ihre Aufgabe ist: Dem Volke sagen, wie die Situation ist und das Volk entscheiden lassen, was zu tun ist.

    Es ist dermassen rar geworden, dass ich mich gar nicht mehr einkriege: Regierungsmitglieder, welche ihre Aufgabe ihrem Eid gemäss erfüllen. Gibt es so was noch?
    Ja.
    Volle Energie in diese Gesinnung.
    Volldampf voraus.

    Dabei haben die Griechen die Wahl zwischen Pest und Cholera. Und doch: Wählen sie die Pest, bleiben sie Sklaven mit Fahrtrichtung Komplettierung der Katastrophe. Wählen sie die Cholera, gehen sie einen Schritt in Richtung Essen steinharten Brotes, doch Rückgewinnung von Eigenverantwortung und Freiheit.
    Da ist ein Keim gelegt.

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  5. Tsipras hat übrigens auch schon mal zu den Deutschen gesprochen, was aber nur im Handelsblatt erschienen ist, und das auch nur in der Print-Zeitung:

    “Fiskalisches Waterboarding” – von Alexis Tsipras: „Was Ihnen bisher nie über Griechenland gesagt wurde“
    http://www.barth-engelbart.de/?p=15024

    und hier
    “Fiskalisches Waterboarding”: Alexis Tsipras’ Offener Brief an
    die Deutschen
    http://www.barth-engelbart.de/?p=14909

    Da bei B. Engelbart alles ziemlich durcheinander gestaltet wurde, sollte man sich nochmal beim Original versichern, an wen Tsipras sich nun eigentlich gewendet hat. So nämlich nicht an die Leser des Handelsblatts, sondern „an die Leser“ :
    http://www.zerohedge.com/news/2015-01-29/alexis-tsipras-open-letter-germany-what-you-were-never-told-about-greece

    Eigentlich müßte man diesen Brief auch nochmal verteilen, komme aber gerade nicht zu mehr, als bloß alles zu sammeln

    https://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/kleine-sammlung-von-berichten-analysen-und-einschatzungen-zur-lage-in-griechenland-und-was-daruber-in-den-medien-nicht-gesagt-werden-darf/

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  6. thomram sagt:

    @ Germain

    Danke für deine Hinweise. Der Mann beginnt mich mehr und mehr zu interessieren. Es dürfte für einen Menschen, der auch nur halbwegs mit Verantwortungsgefühl ausgestattet ist, eine 24/24 Angelegenheit sein, einem Staat wie Griechenland heute vorzustehen.

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  7. […] Atem raubenden Fesseln zu durchschneiden. Dazu braucht sie den Rückhalt des Volkes. Daher ist die Abstimmung vom 5. Juli ein wichtiger Schritt in die richtige […]

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  8. @ Hella

    danke für den Hinweis! Ich habe gerade noch einmal auf Tsipras´Site geschaut.

    Du hast recht. Da ist etwas ganz wichtiges weggelassen worden in der Übersetzung!

    Ότι στην Ευρώπη δεν υπάρχουν ιδιοκτήτες και φιλοξενούμενοι.
    „That in Europe there are no owners and guests.“
    In Europa gibt es weder Eigentümer noch Gäste.

    http://www.primeminister.gov.gr/2015/06/27/13822

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  9. […] griechische Regierung ist, so weit ich das vom Schreibtisch aus sehen kann, im Begriffe, den Volkswillen durchzusetzen. Man kann die griechische Regierung mit dem Mann, der da links das Brett verlässt, […]

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  10. […] auf Griechenland, und ich denke, er interpretiert richtig. Ich denke auch, dass die nun erfolgende Volksabstimmung über Ja oder Nein zu den verrückten Forderungen der Verrückten in Bruxelles und der Verrrückten […]

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  11. Geht es darum hin-zu-nehmen, dass wir alle wissen, dass der Kapitalismus des Christentums uns alle frißt?

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  12. […] mit Kultur wie Griechenland finde der Vorgang auf die selbe Weise statt. Ich habe auf mindestens 70% nein getippt und mein Bauch sagte mir, starke Stimmfälschung finde nicht statt. Mein Bauch ist wohl […]

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