bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » WELT / VERGANGENHEIT » 33 - 45 / 2.WK » Europas letzte Chance

Europas letzte Chance

Hier folgt die Übersetzung des Artikels eines russischen Militär-Wissenschaftlers, der sich Gedanken macht über die weiteren Ereignisse, die in Europa vor sich gehen könnten, und wie Rußland darauf reagieren sollte.
Da der Gegenstand der Betrachtungen ein möglicher
Atomkrieg hier in Europa ist, sollte niemand außer acht lassen, was hier gesagt wird – selbst wenn es manchen nur als „Gedankenspiel“ erscheinen mag.

Wem hier einiges zu martialisch und wenig menschlich erscheinen mag, kann diese Ausführungen mit den demagogischen eines VSA-Militär-Autors vergleichen – in englisch hier, und hier Auszüge in russisch (ja, es wird so einiges im „ach so diktatorischen“ Rußland veröffentlicht!).

Luckyhans, 29. Juni 2015
——————————–

Europas letzte Chance –
Die VSA haben ihren Verbündeten 5 – 6 Jahre abgemessen

Die VSA bereiten Europa das Geschick vor, potentielles Schlachtfeld eines Atomkrieges zu werden, um damit einen Teil des Atomschlag-Potentials Rußlands vom amerikanischen Territorium fernzuhalten. Was können wir diesem entgegensetzen?

Das am meisten bezeichnende Ereignis des Anfangs Juni vom Standpunkt der Veränderung in der Atomkriegsstrategie der VSA sind unstrittig die Aussagen von Vertretern des amerikanischen Establishments zu bewerten, in denen über die Möglichkeit des Austritts der VSA aus dem Vertrag über die Kurz- und Mittelstreckenwaffen (VKuMW) gesprochen wird.
Als formaler Anlaß gelten Informationen darüber, daß Rußland angeblich diesen Vertrag mißachtet, indem es ballistische Raketen mittlerer Reichweite (BRMR) und landgestützte Flügelraketen mittlerer Wirkentfernung (FRMR) aufstellt.

Wer schreit da „Haltet den Dieb“?

Als russische BRMR nennen die VSA die RS-26 „Rubezh“. Das ist eine mobile Startrampe mit einer kleinen Rakete. Seine Gesamtmasse, gemäß den veröffentlichten Daten, beträgt ca. 80 Tonnen. Die Startmasse der Rakete beträgt 32 t. Die minimale Schußweite ist 2000 km, die maximale angegebene – mehr als 6000 km (bis 10000 km mit einem Mono-Block-Sprengkopf), was in Übereinstimmung mit dem Begriffsapparat, der im VKuMW eingeführt wurde, als Ballistische Interkontinentalrakete (BIR) definiert wird.
Dabei haben BIR – sowohl russische als auch amerikanische – eine minimale Schußentfernung im Bereich von 2000 – 3000 km, was die Möglichkeit gibt, sie auch in Reichweiten unter 5500 km einzusetzen, d.h. als BRMR.
Dennoch kommt es niemandem in den Kopf, diese zu den BRMR zu zählen.

Die VSA sind bereit, Europa zu opfern, indem es zu einem Kriegsschauplatz für einen Atomkrieg gemacht wird, um Rußland zu zerschlagen und die Weltherrschaft zu erringen.”

Außerdem wurde in den offiziellen Mitteilungen der russischen Führung darauf hingewiesen, daß diese Rakete als Ersatz für die BIR-Vorgängertypen, und zwar für die BIR „Topol“, kommt.
Wer wird denn eine BIR durch eine BRMR ersetzen, wenn der Hauptgegner sich auf einem anderen Kontinent befindet, besonders unter den Bedingungen der scharfen Begrenzung der Anzahl der BIR gemäß den Verträgen über die Begrenzung der Strategischen Rüstungen?
Dergestalt kann man konstatieren, daß der Versuch, unsere RS-26 „Rubezh“ als BRMR vorzustellen, keiner Kritik standhält, weder vom juristischen Standpunkt aus, noch vom faktischen.

Etwas Ähnliches haben wir auch bezüglich der Rakete R-500, die zur Startrampe „Iskander-K“ gehört. Gemäß den angegebenen Daten hat die R-500 eine maximale Reichweite bei 450 – 480 km, d.h. unter 500 km.
Und deshalb fällt sie auch nicht unter die Definition der Kurzstreckenrakete. Das ist eine klassische operativ-taktische Rakete, die im Interesse der Erhöhung der Zuverlässigkeit der Überwindung der Raketenabwehr- und der Luftabwehr-Systeme auf dem Kriegsschauplatz geschaffen wurde, für die Vernichtung von Zielen in der operativen oder operativ-strategischen Tiefe der Gruppierung des Gegners.
Als Instrument des Kommandeurs einer regionalen Heeresgruppe in einer strategischen (operativen) Richtung benötigt die „Iskander-K“ keine Ausstattung mit Raketen mit einer Reichweite über 500 km.
Die amerikanische Führung, welche den Fakt des Auftauchens von „Iskander-K“-Rampen mit der Rakete R-500 festgestellt hat, hat offensichtlich vermutet, daß diese Abschußrampe mit Raketen höherer Reichweite bestückt werden kann, wenn diese in den Abmessungen der R-500 ausgeführt werden, da es ähnliche amerikanische und russische Raketen mit einer Reichweite in Atomsprengkopf-Ausführung bei 2500 – 3000 km gibt.
Allerdings wurden sämtliche durchgeführten Tests mit einer Reichweite unter 500 km durchgeführt, und die amerikanische Seite weiß das gut.

Unterdessen haben wir allen Grund zu vermuten, daß die Bodenversion der Abschußrampe MK-41, die in den Ländern Osteuropas zur Bestückung mit der Antirakete „Standard-3“ SM-3 des Raketenabwehrsystems des Kriegsschauplatzes aufgestellt werden, auch mit BRMR „Tomahawk“ sowohl in Atomsprengkopf- als auch in konventioneller Ausführung bestückt werden können. So wie das heute auf den Schiffen der US-Navy geschieht, die über diese Abschußrampen verfügen. Und da sind keinerlei konstruktive Anpassungen erforderlich.
Daher kann Rußland durchaus den VSA Vorwürfe über die Brechung des VKuMR machen, da die Amerikaner faktisch „Entfaltungsräume“ für landgestützte Flügelraketen mittlerer Reichweite erschaffen, was eine grobe Verletzung des Vertrages darstellt.

Ein Lärmvorhang

Wenn Rußland den KuMR-Vertrag nicht gebrochen hat, stellt sich die Frage: wozu all dieser Lärm?
Die Antwort ist einfach – man muß ein Recht der VSA begründen, selbst aus diesen Vertrag auszusteigen. Das erlaubt ihnen, auf europäischem Territorium eine Gruppierung von Atomstreitkräften mittlerer Reichweite zu entfalten, welche gegen Rußland einen sogenannten Enthauptungs- und Entwaffnungsschlag mit Vernichtung der Hauptzentren der Steuerung der Streitkräfte der RF*, vor allem der Strategischen Atomstreitmacht (SAS), und des größten Teils der Abschußrampen der BIR, der Stützpunkte der Strategischen Raketentragenden U-Boote und der Flugplätze der Strategischen Luftwaffe.

Denn die Flugzeit bis zu den genannten Zielen würde nur 6 – 10 Minuten betragen, was unter Berücksichtigung der hohen Treffergenauigkeit unserer Führung keinerlei Zeit für das Treffen adäquater Antwort-Maßnahmen ließe.
Heute können noch vollkommenere BRMR entwickelt werden (oder sind schon entwickelt).

Man muß auch den Faktor berücksichtigen, daß zur Zeit als Hauptträger der russischen taktischen Atomwaffen (TAW) die Front- und Fern-Luftwaffe fungiert. Bei Vorhandensein einer starken Luftabwehr der Nato auf dem europäischen Kriegsschauplatz und einer Übermacht des Gegners im Jagdflugzeug-Bereich sind die Chancen, zu den vorgesehenen Zielen durchzudringen, für unsere Flugzeuge gering.
Deshalb erhöht das Auftauchen solcher Abschußrampen wie „Iskander-M“ und „Iskander-K“ in Atomwaffenausführung den zügelnden Einfluß der russischen TAW wesentlich.
Das Aufstellen von Mittelstreckenraketen und FRMR auf dem europäischen Kriegsschauplatz sowohl in Atomsprengkopf- als auch in konventioneller Ausführung schafft vorteilhafte Bedingungen für die Neutralisierung der russischen TAW.

Hinzu kommt die Möglichkeit der Entfaltung einer bedeutend größeren Anzahl landgestützter FRMR als auf den Luft- und See-Trägern, die einen kraftvollen Raketenschlag mit einem minimalen Salvenumfang erlaubt, der in kurzer Frist unserem Land einen nicht hinnehmbaren Verlust zufügt, sogar wenn nur konventionelle Raketen eingesetzt würden.

Somit kann man konstatieren, daß die VSA mit ihrem Lärm zur Frage der Verletzung des KuMR-Vertrages durch Rußland das Ziel verfolgt, die Atomwaffen-Konfrontation auf dem Europäischen Kontinent zu reanimieren, welche in bedeutendem Maße geschwächt wurde nach dessen Abschluß.
Als Bestätigung dieser Vermutung kann auch die Entscheidung der amerikanischen Führung angesehen werden, das Potential der luftgestützten TAW in Europa aufzurüsten. Es ist geplant, die Jagdflugzeuge F-16 und Tornado der Luftwaffe von 5 Nato-Ländern mit Einrichtungen auszustatten, die einen Ausstattung mit Atombomben B61-12 ermöglichen.
Was sehr bezeichnend ist, daß damit Flugzeuge der Luftwaffe der Länder ausgestattet werden, die heute als Nicht-Kernwaffen-Länder gelten – Belgien, Niederlande, Türkei, Deutschland und Italien.
Die Flugzeuge werden zum Jahr 2018 fertig sein. Genau dieselben Einrichtungen ist geplant, an allen zukünftig an die Luftwaffe zu übergebenden Jagdflugzeugen F-35 anzubringen.

Was ergibt das?
Erstens werden die Chancen für die Abwendung der Gefahr eines Atomaren Gegenschlages mit den SAS gegen das VSA-Territorium bedeutend erhöht.
Zweitens erlaubt die Erhöhung des TAW-Potential in Europa ein Übergewicht der Nato in diesen Waffengattungen gegenüber Rußland zu erreichen.
Wenn dies den VSA gelingt, dann ist eine Aggression gegen unser Land mit der vollen Kraft der Nato möglich. Einen solchen Schlag hält die geschwächte russische Armee nicht aus.
Und der Einsatz von TAW wird sehr schwierig durch die Gefahr eines ebensolchen Gegenschlages, des Verlustes des größten Teils der Träger.
Drittens wird im Falle des Einsatzes von TAW der Kriegsschauplatz des Atomkrieges gerade Europa, nicht die VSA.
Die amerikanische Führung kann durchaus darauf rechnen, daß in einem regionalen Krieg gegen die Nato auf dem europäischen Kriegsschauplatz Rußland den Einsatz von Atomwaffen maximal begrenzen wird, sogar bei der Gefahr einer schweren Niederlage, und deshalb sich zu einem Einsatz der SAS gegen die VSA nicht entschließen wird, wegen der Gefahr des Gegenschlages.
D.h. es ist die Berechnung für die Führung eines begrenzten Atomkrieges im Rahmen des europäischen Kriegsschauplatzes vertretbar.

Im Kontext der hier skizzierten Tendenz zum Wiederaufleben der Atomwaffen-Konfrontation sind die Handlungen zur großflächigen Entfaltung des amerikanischen Raketenabwehr-Systems in Europa sehr bezeichnend.
Den russischen SAS kann dieses nicht widerstehen, aber den Trägern der TAW durchaus.
D.h. der Sinn dieses Systems besteht nicht in der Störung der Balance der SAS, sondern in der Neutralisierung der russischen TAW, besonders der künftigen Startrampen des Typs „Iskander-M“. Dann ist dessen Schaffung durchaus berechtigt.

In diesem Zusammenhang kann man auch den begonnenen Prozeß der Verlegung der Militär-Infrastruktur der Nato und sogar einzelner Formationen unmittelbar an die Grenzen Rußlands, darunter der amerikanischen doppelstationierten Verbände vom Territorium der BRD in die Länder Osteuropas hervorheben.
Das heißt, es geht die planmäßige und allseitige Vorbereitung auf einen Krieg mit Rußland vor sich.
Der Ausstieg aus dem KuMR-Vertrag ist nur eines der Elemente dieser Vorbereitung.

Einholen sinnlos

Wieviel Zeit brauchen die VSA für die Entfaltung einer für die Schaffung einer ernsthaften Bedrohung Rußlands ausreichenden Gruppierung BRMR und FRMR auf dem europäischen Kriegsschauplatz?
Mit den universellen FRMR „Tomahawk“ und den Abschußrampen MK-41 (und den noch vor Abschluß der VKuMR entwickelten spezialisierten Abschußrampen für landgestützte Flügelraketen) wird die Zeit der Entfaltung der landgestützten BRMR-Gruppierung auf dem europäischen Kriegsschauplatz nur durch die Geschwindigkeit von deren Serienfertigung bestimmt, sowie vom Tempo der Schaffung der Infrastruktur.
Die bekannten Möglichkeiten der amerikanischen Industrie unter Berücksichtigung der Überwindung der diplomatischen Probleme lassen als Einschätzung eine Wahrscheinlichkeit der Entfaltung der Gruppierung mit einer Raketenzahl von 2000 – 3000 solcher Raketen innerhalb von 5 – 6 Jahren vom Zeitpunkt des offiziellen Ausstiegs der VSA aus dem VKuMR zu.

Im Teil, was die Entfaltung der BRMR betrifft, steht die Aufgabe der Entwicklung einer solchen Rakete. Allerdings wird sogar eine einfache Wiederherstellung der BRMR „Pershing-2“ und deren Entfaltung einer solchen Gruppierung in den Ländern Osteuropas und des Baltikums durchaus hinreichend – nicht nur für die garantierte Erstschlag-Vernichtung des gesamten Systems der strategischen Lenkung Rußlands, sondern auch für die Bekämpfung des größten Teils der Atomstreitkräfte, die im europäischen Teil disloziert sind.
Unter Berücksichtigung der Entwicklung, Serienfertigung und Entfaltung der notwendigen Infrastruktur für die Schaffung einer Gruppierung mit 400 – 500 BRMR (was ausreichend ist, um die Vernichtung aller erstrangigen Objekte der TAW und SAS im europäischen Teil Rußlands sowie deren Steuerungssystem zu gewährleisten) sind dieselben 5 – 6 Jahre erforderlich.

Das heißt, nach Ablauf dieses Zeitraumes vom Moment des Ausstiegs der VSA aus dem VKuMR entsteht für Rußland eine reale und sehr gefährliche Bedrohung.
Womit kann man diese Herausforderung beantworten?

Beim gegenwärtigen Tempo der Produktion der FRKR und der „Iskander-K“-Systeme würden für die Schaffung einer ausreichenden Zügelungs-Gruppierung 10 – 12 Jahre benötigt, oder sogar mehr – unter den bestmöglichen Bedingungen.
Für die Schaffung einer Gruppierung von BRMR braucht Rußland beim jetzigen Tempo der Entfaltung der BIR (für BRMR wird es kaum wesentlich schneller gehen) 12 – 15 Jahre und mehr, in Abhängigkeit vom Tempo der Entwicklung einer neuen Rakete.
Im Ergebnis entsteht ein Zeitraum von 6 – 7 Jahren, da der wahrscheinliche Gegner eine absolute Übermacht in den Raketenwaffen mittlerer Reichweite haben kann.

Und auch im Weiteren bleibt allein der Fakt der Möglichkeit der Ausführung eines Enthauptungsschlages mit einer Anflugzeit von 6 – 10 Minuten eine Quelle ständiger ernsthafter und schwer zu parierender Bedrohung.
Dabei muß man im Gedächtnis haben, daß mit einem solchen zeitweiligen Übergewicht unsere Konkurrenten uns mit der Schaffung neuer Trägersysteme für TAW und einer Gegenwirkung zu unseren analogen Mitteln zuvorkommen können.
Daher erlaubt eine symmetrische Antwort keine Neutralisierung der entstehenden Bedrohung.

Sie wäre auch nicht effektiv: die VSA sind bereit, ohne Gewissensbisse Europa zu opfern, indem es in den Kriegsschauplatz eines Atomkrieges zur Zerschlagung Rußlands und zur Herstellung der Weltherrschaft verwandelt wird.
Und die europäischen Nato-Länder würden ohne die VSA niemals eine Aggression gegen unser Land wagen.
Außerdem werden die in Europa zu entfaltenden BRMR und bodengestützten FR amerikanische sein und die Entscheidung über den Einsatz wird bei Washington verbleiben.

Deshalb ist es nicht effektiv, die mögliche Bedrohung amerikanischer BRMR und landgestützter FR in Europa mit der Schaffung einer Atomwaffen-Bedrohung der europäischen Ländern zu parieren.
Hier muß eine TAW-Gruppierung stehen, die ausreicht für die garantierte Zerschlagung der Stoß-Gruppierung der Nato-Streitkräfte, und das Hauptpotential ist gegen die VSA zu richten.
Es muß so sein, daß klar wird: die Bedrohung wird nicht nivelliert durch die Entfaltung hochpräziser Atom-BRMR und landgestützter FR.
Und natürlich muß ein Ausbau erfolgen – entsprechend dem Tempo der Schaffung durch die Amerikaner ihrer Gruppierung an BRMR und FRMR in Europa.

Für alles sind die Staaten** verantwortlich

Es ist real, wenn man sich primär in unseren westlichen strategischen Richtungen auf die Entfaltung einer Gruppierung mit Rampen „Iskander-M“ und „Iskander-K“ für 400 – 500 Raketen in Atomsprengkopf-Ausführung konzentriert.
Diese Kräfte sind ausreichend, um im Erstschlag eine Gruppierung konventioneller Nato-Streitkräfte in operativ-strategischer Aufmarsch-Tiefe mit Vernichtung der Raketen- und Luftabwehr-Systeme sowie der taktischen Luftwaffe in der Vorderzone zu zerschlagen.
Dann entsteht die Möglichkeit, für die nachfolgenden Atomschläge die Front- und Fern-Luftwaffe zu nutzen, denn die Luftabwehr des Gegners wird nicht mehr existieren.

Gleichzeitig ist es zweckmäßig, das Recht auf Entfaltung eigener landgestützter FR zu nutzen, welche nicht unter beschränkende Verträge fallen, und eine zusätzliche Bedrohung des VSA-Territoriums durch eine landgestützte Gruppierung FR X-101 und X-102 zu schaffen, mit einer vorhergehenden Modernisierung zur Gewährleistung der Basierung auf Landträgern und einer Reichweitenerhöhung auf 8000 – 10000 km.
Wenn man diese Gruppierung im zentralen Teil Rußlands disloziert, außerhalb der Zone der Erreichbarkeit der landgestützten BRMR in Europa und auf hochmobilen Trägern (Automobile oder Eisenbahn) – was nicht kompliziert ist, denn X-101 und X-102 haben nur ein Gewicht von etwas mehr als 2 t – unvergleichlich weniger als kleine BIR – dann schaffen wir eine garantierte Bedrohung des VSA-Territoriums, die für einen Entwaffnungsschlag mit Mittelstreckenraketen nicht erreichbar ist.
Bei Fehlen von vertraglichen Einschränkungen könnte man 600 – 800 Einheiten entfalten, was völlig ausreichend wäre für ein VSA-Zügelungs-Potential auch unter den unvorteilhaftesten Bedingungen, sowie eine bestimmte Reserve für die Lösung anderen Aufgaben beinhaltet.

Unter Berücksichtigung der Ernsthaftigkeit der Bedrohung ist es schon heute zweckmäßig, rechtzeitig die Vorbereitung der Entfaltung der notwendigen Gruppierung der „Iskanders“ und der strategischen FR zu beginnen, welche eine Serienproduktion mit einem Tempo nicht unter 300 Raketen pro Jahr und entsprechender Sicherstellungsmittel im Verlaufe von 1 – 2 Jahren vom Moment des Ausstieges der VSA aus dem VKuMR an ermöglicht.
Das läßt es zu, innerhalb von 5 – 6 Jahren eine Zügelungs-Balance in diesem Bereich zum Zeitpunkt der Entfaltung der VSA-Gruppierung in Europa zu formieren sowie eine zusätzliche schwer zu überwindende Bedrohung des kontinentalen Territoriums der VSA zu schaffen.

Neben den Maßnahmen zur Entfaltung dieser Gruppierungen wird es für Rußland wichtig, die Kampfstabilität der Steuerungssysteme der Atomstreitkräfte zu erhöhen. Zum Beispiel durch ein Aufwachsen der mobilen (vor allem luftgestützten) Komponente. Was dem Gegner die Möglichkeit eines Enthauptungsschlages nimmt.
Ein wichtiger Schritt in Bezug auf die Gewährleistung der Garantiertheit eine Gegenschlages gegen das Territorium der VSA muß auch die Modernisierung und Absicherung der vollkommenen Funktionsfähigkeit des „Perimetr“-System, oder wie es in den VSA genannt wird, „Dead hand“, sein.

Gleichzeitig ist es zweckmäßig die VSA mit einer Erklärung darüber zu enttäuschen, daß es keinerlei begrenzte Atomkriege im Bereich des europäischen Kriegsschauplatzes geben wird. Der Einsatz amerikanischer BRMR und landgestützter FRMF auch aus Europa wird einen augenblicklichen Übergang zum Einsatz strategischer Atomwaffen gegen das VSA-Territorium bedeuten, unabhängig vom Zustand der anderen Komponenten der RF-Streitkräfte und eines Verhandlungsprozesses mit dem Aggressor.
Dieser Grundsatz muß rechtzeitig in alle doktrinalen, operativen, Kampf-, diplomatischen und öffentlichen Dokumente einfließen.

Auf diese Weise kann real in 5 – 6 Jahren eine asymmetrische und sehr effektive Zügelungs-Antwort auf die atomare Bedrohung mittlerer Reichweite gegeben werden.

Allerdings werden im Weiteren, das kann man annehmen, die VSA Neutralisierungsmaßnahmen suchen (und wahrscheinlich finden). Deshalb ist die Aufgabe der nachfolgenden Etappen die Vervollkommnung des Zügelungs-Potentials.
In dieser Richtung hat es Sinn, die Möglichkeit der Schaffung von höchstkalibrigen Sprengköpfen – 100 – 120 und mehr Megatonnen – zu prüfen, die in der Lage sind, sogar bei Einzeleinschlag solche geophysikalischen Zerstörungsprozesse zu initiieren, welche die VSA und die EU an den Rand der physischen Zerstörung bringen.
Ebenfalls ist es zweckmäßig, die Schaffung von BIR globaler Reichweite – 35 – 40 Tausend km – anzugehen, womit eine Neutralisierung der Gegenwirkung zukünftiger Raketenabwehrsysteme der VSA gewährleistet würde.
Möglich sind auch andere Maßnahmen. Deren komplexe Anwendung erlaubt es Rußland, die Bedrohung amerikanischer BRMR und FRMR zu beseitigen.
Allerdings ist es für Europa an der Zeit, mal nachzudenken – ob es Kriegsschauplatz eines Atomkrieges werden will für die amerikanische Weltherrschaft?

Autor: Konstantin Siwkow, korrespondierendes Mitglied der Russischen Raketen- und Artillerie-Akademie der Wissenschaften, Doktor der Militärwissenschaften

Publiziert im Heft Nr. 23 (589) des „Militär-Industrie-Kuriers“ vom 24. Juni 2105

Quelle: http://vpk-news.ru/articles/25763

* RF = Russische Föderation

** gemeint sind die Vereinigten Staaten von Amerika

Übersetzung: © Luckyhans


7 Kommentare

  1. luckyhans sagt:

    Ach ja, und wer meint, das sei nur abgehobenes Gequatsche eines Militärs und das russische Volk denke ganz anders, der schaue bitte hier: http://quer-denken.tv/index.php/1515-15-millionen-russen-auf-friedensmaerschen

    Gefällt mir

  2. diwini sagt:

    Hat dies auf diwini's blog rebloggt.

    Gefällt mir

  3. Vollidiot sagt:

    Also 120 Megatonnen find ich spitze.
    Und die Lebenden werden die Toten beneiden.
    Ein Staubsaugervertreter will auch möglichst viele Staubsauger verkaufen.
    Mit total starkem Motor – 8kW.
    Kauft Leute, im Preis sind neue Sicherungsautomaten enthalten.
    Wir schicken unsere Gedanken dorthin, so ne Art Gedankenarmee, und dann wird nicht eine Kilotonne bumsen.
    Oder??

    Gefällt mir

  4. luckyhans sagt:

    @ Volli:
    Sind wir schon derart gewohnt, uns ausschließlich mit den Wirkungen zu befassen und die Ursachen außer acht zu lassen?
    Der obige Artikel enthält zweierlei:
    zum einen die Analyse dessn, was der Hintergrund der gegenwärtigen Vorgänge in Europa und der Welt sehr wahrscheinlich ist und wohin das zielt – die Ursache -, und
    zum zweiten eine mögliche Variante, wie man asymmetrisch diesen und ähnliche größere Stellvertreter-Kriege „beantworten“ könnte.
    Mit ein paar Varianten, die zeigen, daß man auch darüber hinaus noch ein paar eigene Ideen hätte, wenn dies gefragt sein würde – mögliche Aus-Wirkungen.

    Ich setze mal hinzu: wer sich mit den Aktivitäten der DARPA beschäftigt, der weiß, daß dort intensiv an diversen anderen „Eisen im Feuer“ gearbeitet wird, welche künftig das relative Kräftegleichgewicht schnell deutlich verschieben könnten – denn das geht ja nicht nur politisch per „Farben-Putsch“, sondern auch rein militär-technisch global (Hyperschall-Waffen, X37B etc.).

    Und nicht umsonst sind in der Einleitung zwei weitere Artikel aus den VSA verlinkt, aus denen die Denk- und Herangehensweise (bei etwas eigener Überlegung, natürlich) der Prügelknechte des Finanzkapitals deutlich wird.

    Übrigens wird die russische Armeeführung aktuell eine Studie beauftragen, die sich mit diesem Thema der „Farben-Putsche“ befassen wird – die Ereignisse in der Ukraine haben gezeigt, daß zum einen mit para-militärischen Methoden und verdeckt operierenden Spezialeinheiten (also militärischen Mitteln) „gearbeitet“ wird, und zum anderen auch eine reine Destabilisierung anderer Länder schon als „ausreichendes“ Ergebnis dieser Maßnahmen angesehen wird.
    Siehe auch: http://www.antikrieg.com/aktuell/2011_12_28_farbenrevolution.htm
    P.S. Preisfrage: wer ist der größte Arbeitgeber in den VSA?

    Gefällt mir

  5. […] neu zu beleben. Schon die Autoren des ersten Weißbuchs von 1969 bedienten sich dieser Begriffe, um einen “begrenzten” Atomkrieg gegen die vermeintlich auf “Expansion” ausgerichtete UdSSR zu legitimieren. Die daraus […]

    Gefällt mir

  6. […] hatten hier bereits über mögliche Szenarien berichtet sowie die Nibelungentreue “unserer” Politiker-Darsteller-Marionetten […]

    Gefällt mir

  7. […] von Teil 1 ist bei Luftpost-KL unter Nr. LP 123/15 – 05.07.15 zu erhalten). Einen russischen Blick auf eine mögliche Variante hatten wir hier ja schon […]

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

In diesem Themenkreis am höchsten bewertet

%d Bloggern gefällt das: