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125. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Gefühl und andere Katastrophen

Eckehardnyk, Sonntag 6. März, NZ 10

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Präambel: Um sich frei zu fühlen , gibt es ein einfaches Mittel: Nicht an der Leine zerren (Hans Krailsheimer, 1888-1958, Sprücheklopfer)

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Zwei Zustände, die in der westlich-demokratischen, mit amerikanischem Traum imprägnierten Welt an oberster Stelle bewertet werden, sind Freiheit und Glück. Durchaus spannend ist an diesen, daß sie nicht nachweisbar, sondern nur indirekt erschließbar sind und von den meisten als „relativ“ angesehen werden. Ähnliches kann übrigens auch für Wahrheit und Schönheit gelten. Zum Umgang mit Wahrheit hatten wir bereits in der 55. Szene (von 144) Diskretion heran bemüht. Und Schiller läßt in diesem Sinne in „Don Carlos“ sagen: „Die Wahrheit ist vorhanden für die Weisen, die Schönheit für ein fühlend Herz.“ (*) – Glück und Freiheit, die beide als zusammengehörig gelten – um die es in „Don Carlos“ fünf Akte lang geht – und eben auch die Schönheit werden durch ein intimes Organ im Menschen identifiziert, und das ist unser Gefühl.

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Als der Trojanische Königssohn Páris der Sage nach drei Göttinnen nachhaltig entzweite, die im Streit lagen um einen goldenen Apfel, welcher „der Schönsten“ gehören sollte, wählte er diejenige aus, die mit ihrer versprochenen Belohnung sein Gefühl am mächtigsten aufregte: Die Liebesgöttin Aphrodite. Die Folge davon ist bekannt: Der Krieg gegen Troja entbrannte, nachdem Paris, die „schönste Frau der Welt“, Helena, aus Sparta entführt hatte, und die Griechen zehn Jahre brauchten, um diese Schmach von sich zu wälzen.

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Doch dieser sagenhafte Jüngling liebte seine Eroberung diese zehn Jahre lang, ungeachtet der Tatsache, dass seine Heimat und ihm selbst dadurch der Untergang beschieden war. – Wirkungsvoll ist unser Gefühl. Mächtige Konstellationen kann es zustande bringen und wieder auflösen. Es ist so wenig nachweisbar wie die Intelligenz im Hirn eines verstorbenen Genies. Deshalb rechnen wir es als Bestandteil des Menschen, was ihn vorbestimmt, was ihn als unvergängliches Wesen prädestiniert. Offenbar trägt der Mensch seine Fähigkeit zu fühlen bei sich, wenn er hier ankommt, und nimmt sie am Ende seines Hierseins wieder mit. Woher? Wohin? Lassen wir das noch offen. Akzeptieren wir hier vorläufig einfach die Erde als „Durchgangsstation“.

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Diese Auffassung ist zwar so wenig beweisbar wie der Glaube, daß mit dem Leben hier alles ende, aber du kannst auch nicht beweisen, daß Wasser „naß“ sei; denn naß ist wie eklig oder lästig ein Ausdruck für ein Gefühl, das du zulassen oder verdrängen , aber niemals nachweisen kannst. Eine Ente beim Schwimmen wird sich kaum jemals „naß“ fühlen, sonst könnte sie ihr Leben nie so nah verbunden mit Wasser verbringen. Eine Ente schwimmt auf dem Wasser, wird aber, solange sie lebt, nicht naß! Ein Kind, das mit Fünf noch sein Wasser ins Bettchen läßt, empfindet die Nässe nicht, solange alles schön warm um es herum wird. Ein Gefühl für Nässe und das damit Verbundene entsteht erst durch den Abstand und die unannehmlichen Folgen, die das „Insbettmachen“ mit sich bringen. Deshalb ist der Ausdruck Einnässen vom Kind aus eine verkehrte Benennung. Es spürt ja von der Nässe nichts. Erst das Ergebnis und die Aufmerksamkeit der beurteilenden Personen ließ dieses Unglückswort entstehen.

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Hast du ein Kind, dem das passiert? Dann setz ihm eine Begrenzung, die zur Überwindung herausfordert. Denn Freiheit, Wärme, Glück oder Enge, Kälte und Unglück lassen sich, wenn sie als Zuviel oder als Mangel vage ins Bewusstsein dringen, steigern oder vergessen machen durch: Ins Bett Machen. Die Windel des Säuglings, die alles aufgenommen hatte, muß ein herrliches Gefühl hinterlassen haben, wenn das passierte. Doch alles hat seine Zeit. Beim größeren Kind vertilgt sich diese Sensation beim Erlernen der Hygienetechniken wie von selbst, wenn diese zum richtigen Zeitpunkt als Herausforderungen angezeigt werden, der mit Behutsamkeit bei jedem Kind erspürt werden kann.

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Jedes gesunde Kind wächst beim Überwinden von Hindernissen über sich selbst hinaus. Wachstum heilt jede Wunde, und Sehnsucht ist eine Wunde, wenn auch zunächst „nur seelisch“. Wenn sie aber unbeachtet bleibt, wird das Stillen einer solchen Sehnsucht mehr oder weniger bewusst körperlich vollzogen. Zum Wachsen braucht dein Kind eine Vergleichsgrundlage, doch diese nur bei sich selbst, niemals bei anderen. Dann kann es das Erreichen als Freiheit und das Erreichte als Glück empfinden. Und schön wird das sein, weil es wahr ist.

©️🦄 (eah) 16. März 1999 und 6. März 2022

(*) Ein Freund kommentierte diesen Spruch: „Für schwache Augen würd‘ ich sagen… Kommt ein Weiser ohne fühlend Herz zur Wahrheit? Vorsicht mit Schiller, der hat alles so gut gemeint….“


7 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Kim sagt:

    Wenn Kinder mit zwei Jahren noch einnässen, ist etwas gründlich schief gegangen. Fakt. Meine Kinder wurden mit Stoffwindeln gewickelt, damit sie sich gar nicht erst daran gewöhnen konnten, in den eigenen Ausscheidungen zu liegen und das schön zu finden. Es gibt mittlerweile auch Erwachsene, die sich Latex anziehen und dann lospinkeln, um dieses beruhigende Gefühl kindlicher Geborgenheit wieder zu erleben. Alles der Bequemlichkeit geschuldet: Pampers gibt es inzwischen schon im L-Format und die Eltern haben kein Störgefühl dabei.
    Leider gibt es bei Kindererziehung keinen short-cut: es ist und bleibt harte Arbeit, wenn aus dem hilfsbedürftigen Winzling eine kompetenter Mensch werden soll. Jede Minute Zeit, die man im Umgang mit dem Nachwuchs investiert, trägt später goldene Früchte. Lieber die Kleinen „unten ohne“ herumlaufen lassen und die kleinen Malheurs entfernen, als zu riskieren, dass sie den Unterschied von sauber und unsauber nicht lernen. Hygiene gehört einfach zur Zivilisation dazu (die griechische Göttin Hygieia, immer mit einer Kanne Wasser dargestellt).
    Welpenerziehung: es sind solche Matten auf den Markt gekommen, auf die man die Welpen trainieren kann, dass sie ihre Notdurft dort verrichten und nirgendwo anders. Diese Matten sind wie die Pämpers, ein gutes Geschäft, denn sie werden nach Benutzung entsorgt. Die Idee dahinter ist, dass diese Matten mit der Zeit von „drinnen“ nach „draussen“ verlegt werden. Dummerweise sehen die Tiere das nicht ein. Wenn sie „müssen“ und die Matte draussen liegt, dann pinkelt der Vierbeiner eben auf den Läufer, wo ist der Unterschied?
    Man kommt nicht darum herum, bei Kind und Welpe feste Zeiten fürs Töpfchen oder Gassi einzurichten. Das hat nichts mit Dressur zu tun sondern mit allgemeiner Routine, mit der jeder Mensch seinen Tagesablauf strukturiert. Wollte ich nur mal loswerden, nichts für ungut.

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  3. palina sagt:

    @Kim
    „Wenn Kinder mit zwei Jahren noch einnässen, ist etwas gründlich schief gegangen. Fakt. Meine Kinder wurden mit Stoffwindeln gewickelt, damit sie sich gar nicht erst daran gewöhnen konnten, in den eigenen Ausscheidungen zu liegen und das schön zu finden. “

    Würde nicht so streng sein. Mit 3 Jahren ist auch noch in Ordnung.
    Habe auch mit Stoffwindeln und Wollhosen hantiert bei meine Kindern.

    „Leider gibt es bei Kindererziehung keinen short-cut: es ist und bleibt harte Arbeit, wenn aus dem hilfsbedürftigen Winzling eine kompetenter Mensch werden soll.“

    Es ist keine „harte Arbeit“. Wenn man einen gesunden Menschenverstand hat und das Prinzip der Nachahmung kennt.
    Kinder-Erziehung ist immer selbst Erziehung.
    Man achte auf seine Gedanken und Worte. Dann klappt das schon. Auch eine Prise Humor ist angebracht. Ohne die geht es gar nicht.
    Auch halte man Kinder fern von Reizüberflutung. Das da sind TV, Radio, andere Medien. Einkaufen und allerlei Dinge, die nicht gesund sind für Kinder.

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  4. eckehardnyk sagt:

    Das sind sehr gute, wahre Gedanken, schön besonnen vorgetragen. Besonders hervorzuheben sind Selbsterziehung und der alles überschwebende Humor. Danke Palina

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  5. eckehardnyk sagt:

    Dressur ist in Misskredit geraten. Eigentlich war die Bedeutung „etwas richten, dirigieren“, neutraler erhalten in Adressieren.
    Die Routinen, die es einzuhalten gilt, können liebevoll erworben werden, wie Lesen und Schreiben. „Kulturtechniken“ betreffen auch unseren Umgang mit der Hygieia.
    Wie man jetzt erlebt, lässt sich das auch staatlich missbrauchen.

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  6. Kim sagt:

    @ Palina: „heutzutage muss man schon dankbar sein, wenn die eigenen Kinder unversehrt an Geist und Seele das zwölfte Lebensjahr erreichen.“ Sagte uns der Schuldirektor des kleinen Ortes im Allgäu, wo wir damals hingezogen waren. Wir mochten es nicht glauben, aber der Mann war unser Nachbar und ging just in dem Jahr in Pension, als unser Ältester ins Schulalter kam. Resultat: Angst-Asthma noch vor Weihnachten, im Frühjahr darauf Aufnahme in die nächste Waldorfschule. Die Erzieherin dort brauchte drei Jahre, um das zu reparieren was eine unfähige Lehrerin und eine inkompetente Schulleiterin innerhalb von drei Monaten an dem Kind verbrochen hatten. Die Eltern der anderen Kinder in der Dorfschule meinten, es würde schon nicht so schlimm sein und sie erhielten die Quittung Jahre später.
    Unsere Kinder sind das Kostbarste was wir auf Erden haben, zusammen mit unserem geliebten Partner. Was man liebt, gibt man nicht in fremde Hände, soviel habe ich gelernt. Das Elternsein haben wir als anstrengend erlebt, weil wir den Kindern das ermöglichen wollten, was in unserer eigenen Kindheit noch normal war: die eigenen Grenzen kennenlernen und die der anderen zu respektieren. Sprachkompetenz: jeden Abend sitzt der Papa auf der Bettkante und liest vor, immer wieder dieselben Lieblingsbücher. Rhythmus und Melodie der Muttersprache werden so gelernt, die Grammatik gefestigt und die Denkweise geformt. Fernseher und Spielekonsolen sind Tabu, ab Kindergartenalter kann man ab und zu gemeinsam Heimkino schauen, mit Filmen wie Mary Poppins oder das Dschungelbuch.
    Unser eigener Vater ging mit uns auf die Pirsch, zeigte uns die Vorratskammer des Neuntöters und die Sasse des Feldhasen. Mit der Oma wurde Obst geerntet und eingeweckt, mit dem Opa in der Werkstatt der Roller repariert. Unsere Kinder sollten so viel wie möglich selber können. Ergebnis: unsere Tochter war mit sieben Jahren Käsespezialist und durfte auf dem Wochenmarkt für uns Käse aussuchen. Nicht etwa Kinderkäse, nein, es musste schon etwas Herzhaftes sein. Beide Kinder lehnten Babysitter ab: „geht ihr nur, wir bringen uns selber ins Bett!“
    Inzwischen sind sie erwachsen und ausser Haus, aber leider noch immer ohne Partner. Ihre Altersgenossen sind entweder zu angepasst an das betreute Denken, oder haben psychische Störungen wie Narzissmus und Kontrollwahn. Wer weiss, ob sie die Fackel einmal weitergeben können.

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  7. palina sagt:

    @Kim
    danke für deine Rückmeldung
    Der Schuldirektor hatte vollkommen recht.
    Damit Kinder einigermaßen gesund aufwachsen muss man sie von den anderen möglichst fernhalten. Das war damals schon so als meine Kinder klein waren.
    Meine 3 Kinder waren alle in der Waldorfschule. Eine habe ich selbst mitgegründet für die Jüngste. Das war 1990.

    Finde es schön wie du schilderst wie deine Kindheit verlief. Und auch wie ihr euch bemüht habt mit euren Kindern umzugehen.

    Glaube mir, sie geben „die Fackel“ weiter.

    Sehe ich auch bei meinen Kindern. Haben auch erst spät einen Partner gefunden und selbst Kinder bekommen.

    Je älter sie werden umso mehr erinnern sie sich an ihre Kindheit.

    Eine Biografie ist wie ein roter Faden. Im Alter wiederholt sich das, was man in der Kindheit erfahren hat.

    Wie freue ich mich als Oma immer, wenn ich den Jahreszeiten Tisch bei ihnen bestaunen kann und die Kleinen das schön finden.
    Ab und zu nähe oder stricke ich auch was für diesen Jahreszeiten Tisch. Die Puppen bekommen auch Kleider gestrickt. Sind noch von meiner Tochter als sie klein war.

    Das war noch Spielzeug, dass man „vererben“ kann.

    Und die können es wieder an ihre Kinder weiter geben. So sie denn möchten.

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