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111. von 144 – ELTERN KIND UND KINDERSTUBE – Fortschritt II

Als Anlage, als Conditio humana (Fortschritt I siehe Szene 75 von 144)

Eckehardnyk, 11. Oktober NZ 9

Präambel: Auch wenn diese hausväterliche Pädagogik Manchem „old school“ erscheinen mag, wird ihr Gehalt für eine „neue Erde“ Conditio sine qua non, also Voraussetzung zum Menschsein werden

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Stillsitzen müssen ist besonders für kleine Kinder eine Qual. Das heißt nicht, daß sie es nicht können. Die Gemeinheit liegt im Müssen. Aber nicht nur Kinder leiden unter dem, was man allgemein als „Stillstand“ bezeichnet. Ein Eisenbahnhalt auf freier Strecke, ein Stau auf Autobahnen oder vor Ladenkassen, eine Predigt oder eine Arie, eine Schiffsreise durch Nebel oder sternlose Finsternis, Abzahlen von Schulden, Warten vor Sprechzimmern oder auf ein Prüfungsergebnis: Überall ist Ausharren eine „Ewigkeit“, obgleich jeder „Vernünftige“ weiß, daß kein Zustand auf dieser Welt ewig ist. Es ist verständlich, daß eine solche Ewigkeit niemand will, sondern froh ist, wenn irgendwo ein Ende kommt.

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Wir wissen inzwischen aus dem oben Gesagten, daß im Kind etwas waltet, das zu Taten drängt und befriedigt werden will. Um diesem Drang eine Führung zu geben sind Bündnisse (110. von 144) mit den Kindern nötig, damit sie nicht vorzeitig Schaden nehmen. Wonach dürstet die junge Menschheit aber so sehr? Daß etwas passiert – aber was? Sieh an, das ist eigentlich egal. Es soll nur etwas stattfinden, das sich und uns in Bewegung setzt, weiter geht und ein aufregendes Gefühl hinterlässt, bevor es ein „Wird schon klappen“-Ende nimmt. Dann darf wieder alles von vorne anfangen. Dieses auf etwas Losgehen und zum Höhepunkt mit glücklichem Abschluß bringen gehört zum Leben des Menschen (zur Condition humana). Aber ist das nicht auch Gefängniskost? Diogenes in seiner Tonne oder ein Einsiedler würden davon keinen Gebrauch machen wollen. Für den Weisen liegt der Fortschritt auf einem anderen Gebiet, aber er wünscht ihn sich auch. Nur wie sagst du das deinem Kind, wenn es an festlicher Tafel einem Redner lauschen soll und es weder dazwischen rufen noch aufstehen darf?

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Dazu möchte ich dich mal auf eine längere Reise, sagen wir drei Wochen, in die Karibik, ans Nordkap oder in eine Wüste mitnehmen (obgleich ich, vergleichbar mit Karl May, weder am Nordkap noch in der Karibik gewesen bin; am Rand der Sahara ein bisschen). Wir treffen dort andere, oftmals wildfremde Leute, machen Segelfahrten, surfen, steigen auf Berge, reiten auf „Wüstenschiffen“ oder lagern bei Beduinen an nächtlichen Feuern. Wenn wir dann zurückkehren, sieht die Heimat anders aus. Aber nicht die häusliche Umgebung hat sich drastisch verändert, sondern wir selbst sind anders geworden. Du hättest dich auch zu einem Schweigekurs in den Schwarzwald oder nach Südindien begeben können. Auch hier hättest du Erfahrungen gemacht, die aus dir etwas hervorzaubern, das du bis dahin nicht mit Bewußtsein erfaßt hattest.

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Und dieses Neue an deinem Wesen machte die „Veränderung“ aus, die du um dich wahrzunehmen glaubtest. Wenn die wahlberechtigten Deutschen im Jahr 1998 alle für drei Wochen gleichzeitig verreist wären, hätten sie keine neue Regierung ins Amt gewählt: Die „diffuse Lust am Wechsel“, wie kurz danach Wolfgang Schäuble es erklärte, hätten sie meiner weniger gefragten Meinung nach mit sich selbst abmachen können, so nett der neue Mann an der Spitze sich auch zu geben gewusst hatte. Wirkliche Fortschritte kommen nur von innen aus dem Menschen selbst. Und wenn er sich damit an die Außenwelt wendet und seine Entdeckung preisgibt, hat der Fortschritt auch einen Namen in Gestalt einer Erfindung, die dann die Zivilisation beeinflußt.

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Aus dem Beispiel mit den 100 Makaken von Szene 75 von 144 (auf diesem Blog am 24. Oktober NZ 8) wollen wir von gesellschaftlichem Fortschritt sprechen, wenn die Gesamtgruppe eine neue Fähigkeit , die ein Mitglied entdeckt hatte, hinzugewonnen und in ihre Lebensweise einbauen konnte. Es kann gut sein, daß dein Kind eine Entdeckung macht, meistens sind es Namen für irgendwelche Mitmenschen, die dann in deiner Familie bleibender Besitz oder „geflügelte Worte“ werden. Indem du diese Fähigkeit in deinen Kindern wahrnimmst und respektierst, gibst du dir selbst die Chance, an etwas teilzunehmen, was alle Menschen weiterbringt. Gerade Kinder finden durch unbelastete Denkweise mit frischem Gemüt am ehesten heraus, was eine neue Sicht ins Leben bringt. Sie können für uns alle „Lehrer“ sein wenn wir ihre Weisheit geschehen lassen und für sie Verhältnisse schaffen, wo sie sich frei entfalten kann und darf.

© 🦄

(eah) 24. Februar 1999 und 11. Oktober 2021


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