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106. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Vaterlose Gesellschaft 1)

Eckehardnyk, 13. August NZ 9

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Väterlich – was heißt das eigentlich? Genealogisch ist es ganz schnell gesagt: Was väterlicherseits abstammt; aber wie verständigen wir uns über den psychischen Begriff? Wir haben uns hier bereits 2) mit dem Thema beschäftigt und gesagt: Vater weiß, Vater macht alles. Lass uns hier noch das Tüpfelchen aufs i setzen und sagen: Vater ist alles! Folglich ist Vater auch Mutter (nicht biologisch).

Diese umfassendere Rolle des Vaters sehen wir an einem Wortbeispiel. Mit dem Wort Vaterland sei kein Schiffs- oder Vereinsname sondern der Oberbegriff von kultureller, landsmännischer und staatlicher Heimat bezeichnet. Der Ausdruck kam durch chauvinistische Auslegung schon unter die Räder bevor Charles de Gaulle ihn für ein „Europa der Vaterländer“ politisch wieder salonfähig machte, ohne dabei globalistische Eine-Welt-Ideologen zu berücksichtigen. Im Unterschied dazu hat Mutterland keinen nationalistischen Unfrieden gestiftet. Es bezeichnete zur Kolonialzeit das Hauptland, also beispielsweise Frankreich gegenüber seinen auch heute noch vorhandenen Gebieten in Übersee. Als Vaterland Frankreich umfasst es jedoch alles, was zum französisch-staatlichen Gemeinwesen zählt, also auch die überseeischen Gebiete. Wer in diesen auswärtigen Départements als dort Aufgewachsener Kultur und Sprache des Mutterlandes angenommen hat, darf mit Recht das gesamte Staatsgebiet als sein Vaterland bezeichnen, auch wenn er nie im Mutterland gewesen ist.

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In diesem Sinne wollen wir väterlich als umfassenderen Ausdruck verwenden für „alles, was an Vorgängen aus einer Familie hinausgeht“, und mit mütterlich den Bereich abdecken, der „innerhalb einer Familie gepflegt“ wird. Es sollte auch klar sein, daß mit dieser Aufteilung keine der herkömmlichen Rollen zugemessen oder festgeschrieben werden soll, sondern daß hierbei jedes Geschlecht sowohl „väterlich“ als auch „mütterlich“ agieren kann und muß.

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Die in heutigen Familien beobachtbare Vermischung dieser Aktionsfelder hat sicher dazu beigetragen, daß „klassische Väter“, verbunden mit einer traditionellen Auffassung von „männlich“, weitgehend abhanden gekommen sind. Männliche „Familienoberhäupter“ wußten nicht mehr, wozu sie außer zum „Anschaffen“ überhaupt da waren – was zu dem in der Überschrift anvisierten Buchtitel geführt haben mag. Aber streng genommen wissen es die weiblichen Familiengründerinnen genauso wenig. Dauerschreiende Babys, Infekt- und Existenzängste und ständige Knderarztbesuche sind mit die Folge einer allgemeinen Orientierungs- und Führungslosigkeit auch in Familien geworden, die besten Willens angetreten sind, ihr Kinder mit Liebe groß zu ziehen. Nur „Liebe“ und „ziehen“ genügen nicht, da sie Freiheit und Zwang ständig durcheinander wirbeln, aber Kleinkinder vor allem Geborgenheit, und das heißt: Führung brauchen, bevor sie Hindernisse überwinden und sich selbständig nach Vorbildern richten. Für Klarheit in dieser Sache sorgt Wissen, und Wissen ist immer „vom Vater“, weil es Orientierung enthält und diese von der Familie her gesehen ordnend nach außen gerichtet ist. Wir können auch den Allgemeinplatz wiederholen und sagen „Wissen ist Macht“. Wir versehen das aber mit einem gemütlicheren Reiz, wenn wir dabei denken: “Wissen ist väterlich“.

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Auch als Frau solltest du „väterlich“, also nicht unwissend sein, wenn du erfolgreich in die Pflege deines Kindes einsteigen willst. Vielfach wirst du allerdings in Richtungen gezerrt, die dich verunsichern und am Ende gar nicht mehr wissen lassen, was du machen sollst und willst. Hier wiederum hilft dir nur dein Leben selbst. Besinn dich, als du Neun oder Zehn warst und einfach „alles“ wissen wolltest. Da hast du mit keiner Wimper gezuckt, noch immer mehr zu erfahren, bis du endlich satt warst und dann einfach handeltest, so wie es dir dazu eingefallen ist (wieder um zu wissen, wie es ist).

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Wissen erwerben ist die eine, Handeln die andere Seite von Väterlichsein. Beides hat jeder Mensch, der wirklich lebt. Handeln ist nicht „Dienst nach Vorschrift“. Handeln ist Tun nach erworbener Aufklärung, also angewandtes Lernen. Handeln und Wissen bilden in einem Menschen zusammen das, was wir „mächtig sein“ nennen. Deswegen wird ja in Kriminalgeschichten manchmal jemand nur deshalb getötet, weil „zu viel wußte“, auch wenn er noch gar nichts getan hatte. Informationen erwerben (Recherchieren!) ist eben schon eine Handlung, und zwar eine, die niemals endet.

© 🦄

(eah) 15. Februar 1999 und 12. August 2021


1) Tonangebend für diese Überschrift war Alexander Mitscherlich: „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“, 1963. Man braucht dieses Buch nicht gelesen zu haben um zu erfahren, dass dem damals so war. Das bewies dann 2006, und die Folgen dieses Weges anprangernd Matthias Matussek: „Die vaterlose Gesellschaft: eine Polemik gegen die Abschaffung der Familie“

2) sinngemäß schon Szene 10 von 144, namentlich aber 74 von 144


1 Kommentar

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

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