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Eltern, Kind und Kinderstube 55. von 144 – Das Handeln

Verantwortungsbewusstsein fängt in der Wiege an

Eckehardnyk

1

Auch das Handeln brauchst du deinem Kind nicht extra beizubringen. Vom ersten Atemzug an vollbringt es Handlungen, die ihm den neuen Körper und seine Umgebung erschließen und ihn (den Körper) an der Weltgeschichte teilnehmen lassen. Nur in den Geschichtsbüchern wirst du davon kaum etwas lesen, wenn nicht wie in den Evangelien von Lukas und Matthäus oder wenn gerade das Kind eines Kaisers schon mit drei Jahren eine Krone aufgesetzt bekommt, wie im Jahre 1197 jener Friedrich (II.), der sich als Kaiser, dafür interessierte, welche „Ursprache“ Kinder entwickeln, wenn sie von Geburt an nur „versorgt“ werden, aber keinerlei Anrede bekommen.[1] Hier geht es weiter um das Gedeihen in der Kinderstube.

2

Diese vier Einstellungen führen sowohl dein Kind[2] zu seinen Zielen im Leben als auch zum darauf bezogenen rechten Handeln:

Erstaunen vor Schönheit,

Ehrfurcht, Ehrerbietung gegenüber Edlem oder Erhabenem; Diskretion, Verschwiegenheit oder Taktgefühl in Bezug auf Wahres und

Ewiges, und Entschlusskraft im Ergreifen einer guten Chance.

Nun, was aber ist Handeln?

3

Ursprünglich hat Handeln durchaus etwas mit Hand, Händen zu tun und paßt zu den aller frühsten Beschäftigungen deines Säuglings, wie schon gesagt möglichst in Rückenlage, indem er mit seinen Fingern hantiert. Dieses Wort wurde dem deutschen Ausdruck Hand inhaltlich angepaßt, bedeutete aber, aus dem französischen hanter kommend, ursprünglich „hin- und herreisen, besuchen, Handel treiben“. Aus Handeln ist ja auch unser „Handel“ mit Bezug auf den Warenverkehr gekommen. Das Hände gebrauchen und Hand anlegen gehört also zu den frühsten Errungenschaften in unserem tätigen Leben, und so ist es nur recht, wenn daraus die vollständigste Bezeichnung für menschliches Tun im Deutschen wurde. (Im englischen to act ging der einstige Bezug zur Hand verloren, in to handle beschränkt er sich nur auf das „Handhaben“)

4

Die ersten Handhabungen oder Hantierungen deines Babys sind indessen als seine ersten Handlungen anzuerkennen.[3] Mehr soll und kann es zu diesem Zeitpunkt nicht leisten. Erst mit den Erkundungen des Leibes werden die Handlungsabläufe umfassender gespannt. Sein erstes Herumrollen in die Seiten- und Bauchlage ist dann zu feiern; später kann es vom Bauch aus sich davon robben und kommt an erhabenen Gegenständen schließlich selbständig zum Stehen. Dann versucht es immer wieder den ersten Schritt – und läuft schließlich frei. Welch ein Glück! Ebenso beim Lallen oder Lautieren, das mit zunehmenden Experimenten in greifbare Ausdrücke und verständliche Rede einmündet. Parallel dazu werden die Hände immer geschickter im Ergreifen von Gegenständen und deren Verwendung als „Werkzeuge“.

5

In diesem Stadium spielt von den vier genannten Einstellungen jede ihre Rolle mit. Das Wahre zum Beispiel wird erfaßt, indem ein ergriffener harter Gegenstand auf einer festen Unterlage immer und überall lauten Schall von sich gibt. Über diese Wahrheit freut sich dein Jüngstes so intensiv, daß dir „Hören und Sehen“ vergeht. Du wirst ihm „Diskretion“ nahelegen und ihm ein weiches Fell und verträgliches Feld für seine „Wahrheitsfindung“ erschließen, wenn du der Meinung bist, Ruhe zu brauchen. Baby scheut sich auch nie, von einer guten Gelegenheit zur nächsten überzugehen. Das rasche „Beschließen“ bereitet einem Kleinkind anscheinend gar keine Mühe.

6

Du fragst, was kann ein Säugling schon über Schönheit und das Edle wissen, um sie zu „bewundern“? Er entwickelt dieses Wissen blitzartig und bewundert bei dir als Mutter selbstverständlich deine Brust, dein Gesicht, deinen Duft und lernt deinen Geschmack kennen. Die Beziehung darin ist eben „schön“, aber auch edel? Wie erfährt er davon? Schwierig und einfach: Im Edlen fühlt er sich wohl.[4] Denn warum sorgst du, daß „alles vom Feinsten“ sei? Das alles sauber, warm, weich, komfortabel werde? Warum beunruhigst du dich, wenn es schreit? Weil du ihm selbst das Edelste zuführen willst, das du hast, und selbst im Umgang liegt das Edle verborgen, das dein Kind braucht, um in Ruhe sein zu können. Ehrfurcht verschafft Stille. In dieser findest du Zugang zu dem, was dein Kind tut und woraus später seine (verantwortungsbewussten) Handlungen erwachsen.


© 🦄 (eah) 12. Dezember 1998 und 26. Juni 2020

[1]Wir kommen später auf dieses Experiment, das im 19. Jahrhundert René Spitz mit anderer Zielsetzung wiederholt hat, zurück.

[2]Aber auch du selbst!

[3]auch wenn sie noch weit von dem, was wir als Verantwortungsbewusstsein kennen, entfernt sind.

[4]Es wird auch später nur als edel dasjenige empfinden, was ihm als Kleinkind dieses Gefühl vermittelt hat; auch wenn andere der Meinung sind, dass dies eigentlich geschmacklos oder unedel sei.


7 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Hand, Handeln, Handlung, Handwerk. Wir haben uns in der Deutschen Sprache es gut bewahrt.
    Vielleicht auch deswegen ist dieses kleine Land eins der Produktionsreichsten dieser Erde ist.

    Das aller erste was Baby’s bereits mit ihrer Hand machen ist das Greifen, das Festhalten von gegenstände um damit in Aktion zu kommen.

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  2. palina sagt:

    wieder mal ein sehr schöner Artikel. Und so ein feiner Umgang mit der Sprache. Danke.

    Meine jüngste Tochter konnte sich als Baby und Kleinkind sehr mit ihren Fingern beschäftigen.
    Immer auf und ab und kreuz und quer.

    Die Sinnes-Wahrnehmung ist noch ganz an den Leib gebunden.

    Gefällt 2 Personen

  3. eckehardnyk sagt:

    Und die Übersinnes-Wahrnehmung ist noch in der übersinnlichen Umhüllung (Seele, Ätherleib). Sie zieht sich zurück, je stärker die Inkarnationsvorgänge fortschreiten. Doch in immer mehr Heranwachsenden wird dieser Rückzug durch ein Bewussttwerden ersetzt, siehe Menschenwesen wie Von Dreien.

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  4. palina sagt:

    @ecky
    ich denke, dass mit der Chr. v. Dreien ist ein Trugschluss.
    Da kann ich nicht mit gehen.

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  5. eckehardnyk sagt:

    Wie interessant. Was hältst du von der Chr. V. Dreien?

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  6. palina sagt:

    habe ich gerade bei Thom geschrieben. Kannst du da nachlesen.
    Füge es aber hier nochmal ein.

    warum gab es immer den Ältesten-Rat?
    Warum sprach man und spricht man noch heute von den „Weisen Alten“?

    Hat schon seine Gründe.

    Es gibt nachweislich Entwicklungs-Stufen im menschlichen Leben.

    Und da braucht es eben ein gewisses Alter um manches zu erkennen.

    Und wie Volli richtig schreibt, ist sie einer gewissen Marketing-Strategie ausgeliefert.

    Na ja, so vermarktet sich mancher und die Kasse füllt sich.

    Ob bewusst oder unbewusst.

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  7. eckehardnyk sagt:

    Dieses Problem trifft jeden und deshalb auch ein „Kristallkind“ wie’s Dreierle. Die übersinnlich Begabten dringen in der Mehrzahl unerkannt vor und etablieren die geistige Welt oder Weltsicht, Weltanschauung schon ohne den Erkenntnisweg von „Wie erlangt man… “ in diesem Leben machen zu müssen, sie bringen ihn mit und leben ihn.

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