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Eltern, Kind und Kindestube: 30. von 144 – Hoffen- Glauben – Wissen

Eltern und Lehrer sollten beim Umgang mit Kindern etwas an der Gardeobe abgeben: Ihre persönliche Voreingenommenheit

Eckehardnyk

Nun wirst du sagen: Hingabe, das ist doch was mit Gefühl, was hat das mit Denken zu tun? Richtig, Hingabe ist eine Gefühlseinstellung, die dein Denken vor Ablenkung schützt. Diesen Schutz hast du an all den Stellen, wo du „in Ruhe gelassen“ sein, wo du „ganz bei der Sache“ bleiben willst. Im Denken erreichst du Unbegrenztheit immer dann, wenn sich Gedanken frei, also ohne Ablenkung, ohne leibliche oder geistige Voreingenommenheit einstellen können. Die Stille dazu kann in der Tat durch Zudringlichkeiten körperlichen Ursprungs gestört werden.

Zu den Ruhestörern rechnen außer Lärm, grellem Licht und Gestank: Alkohol- und Drogeneinfluß, Müdigkeit, Übelkeit, Kitzeln, Jucken, Schwitzen, Schmerzen, Kälte, Hitze, Hunger und Durst. Nachhaltiger beeinträchtigt wird unser Denkvermögen durch Angreifer aus dem eigenen Lager. Die wundervolle Fähigkeit, Zusammenhänge[1] herzustellen, Hypothesen oder Theorien bis zum Entstehen-Lassen der Welt zu bilden, Detektivarbeit zur Rekonstruktion eines Tathergangs zu leisten: Diese einmalige Potenz des Menschen kann durch Denkvorgänge unterwandert werden, die sich früher einmal abgespielt haben und sich nun wie ein Virus auf einer Festplatte benehmen. Die neu zusammengestellten Daten kommen in einem durch die alte Version gestörten Zustand an die Oberfläche.

Das Schlimme daran ist, daß man die Eindringlinge für „Freunde“ oder als „zur Familie gehörig“ betrachtet und zwar deshalb, weil sie in vielen Fällen etwas gebracht haben (Alte Hasen Falle), was jeder Mensch zunächst dringender braucht als die Brillanz einer neuen Theorie: Nämlich Trost, Bestätigung und das Gefühl, nicht sinnlos zu leben. Sie sind Bauanleitungen für Denken, das seiner selbst noch nicht sicher ist und das seine Wichtigkeit und Richtigkeit aus fremden Quellen speisen lassen muß (aus Quellen, die ihm womöglich seine eigene Nichtigkeit vorkauen). Du wirst dich wundern, wenn du gleich die Namen dieser Helferlein liest: Hoffnung, Glaube und Wissen!

Dein „Hort der Hoffnung“, deine „Schätze des Glaubens“, dein „profundes Wissen“ sollen für die Katz gewesen sein? Nein – Ja. Nein, weil du soviel wissen, glauben, hoffen darfst, wie du willst und brauchst. Es sind deine Entscheidungen und hiermit prägst du deine Persönlichkeit und charakterisierst deine Bedeutung.

Doch um hier und jetzt über irgend etwas Wahrheit und Gewißheit zu erlangen, benötigst du dein eigenes Denken und einen freien, quasi experimentellen Umgang damit. Denn ist deine Denke vorgeprägt durch eine Hoffnung, der Tatbestand sollte so oder anders sein, dann besteht für deinen Gedankenakt wenig Aussicht auf inhaltliche Neuigkeit. Das gleiche Bild ergibt sich bei allen Glaubensinhalten. Und nicht einmal das Wissen schützt uns gegen Voreingenommenheit. Im Gegenteil: Wissen beeinträchtigt in fataler Weise die Objektivität. Denke im Sinne eines Kommissars, der einen Mordfall aufzuklären hat: ist jeder verdächtig und alle Spuren müssen gesichert werden.

Wissen, Glaube und Hoffnung bleiben im Vollzug einer denkerischen Analyse und Würdigung der Falten wie voreingenommene Angehörige hübsch draußen. Nur Vergessen, Absehen von dem, was du glaubst, hoffst und weißt, läßt dich vorurteilsfrei denken.

Allerdings, von Inhalten gelöst, ist Hoffen ist eines der stärksten Aggregate, das wir haben, um ein Ziel zu erreichen. Glauben an sich selbst (auch durch göttlich zugesagten Beistand) ist die Energie, die dieses Aggregat antreibt. Beim Wissen hingegen muß man immer bedenken, wie umfassend nab informiert ist. Nur eine einzige Quelle reicht meistens nicht zu einem gerechten Urteil aus! (und in jedem Fall muss eine Quelle vertrauenswürdig sein.)

©️🦄 1998 und 2020


[1] Wer einen neuen Zusammenhang sucht und sich nur auf altes Wissen verlässt, gleicht einem, der ein Geldstück unter eine Laterne sucht, weil dort Licht ist, und nicht dort, wohin es wahrscheinlich liegen könnte.


8 Kommentare

  1. eckehardnyk sagt:

    In der vorletzten Zeile des fließenden Textes steht nab für man.

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  2. Mujo sagt:

    Wieder mal ein sehr schöner Artikel, Danke.
    Es ist an Eltern und Kinder gerichtet, betrifft aber ebenso alle anderen Menschen.
    Hingabe ist der Bruder der Achtsamkeit den wir immer viel Raum geben sollten.

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  3. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  4. BLITZKRIEG sagt:

    Hat dies auf Manfred O. rebloggt.

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  5. Mujo sagt:

    „Eltern und Lehrer sollten beim Umgang mit Kindern etwas an der Gardeobe abgeben: Ihre persönliche Voreingenommenheit“

    Passend zum Titel gefunden.

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  6. Kunterbunt sagt:

    Eckehardnyk, picke mal drei Körner raus

    „Hingabe…“
    Ja, Hingabe hat für mich etwas mit Liebe zu tun oder wenigstens Interesse und Sympathie – nein, eigentlich schon darüber hinaus… Hingabe geht über Hinwendung hinaus.

    „Im Denken erreichst du Unbegrenztheit immer dann, wenn sich Gedanken frei, also ohne Ablenkung, ohne leibliche oder geistige Voreingenommenheit einstellen können.“
    … und wenn das Denken von Eingebungen, die vor dem Denken einsetzen, bereichert wird…

    „Doch um hier und jetzt über irgend etwas Wahrheit und Gewißheit zu erlangen, benötigst du dein eigenes Denken und einen freien, quasi experimentellen Umgang damit.“
    …und das Einfühlen, sich hineinversetzen in das Thema (ich nenne es, „sich ins Thema hineinsetzen“ und aufnehmen, was sich regt), dabei ist unser Körper ein wunderbares Wahrnehmungsorgan…; wie fühle ich mich, was reagiert (nicht), was öffnet sich, was schliesst sich, wo ist es hell, dunkel, fliessend, angespannt, blockiert, was stellen sich für Gedankenblitze, Bilder ein usw., aber diese Dinge laufen in Sekundenschnelle ab, wenn es sich um authentische Inspirationen handelt… Was einem in die Quere kommt, ist Wunschdenken, etwas bestätigt haben wollen, Überzeugungen zu einem Thema, festgezurrte Meinungen, Etiketten wie „positiv“ und „negativ“… Unvorgenommenheit finde ich einen guten Ausdruck oder „rollender Erkenntnisgewinn“. Rollend deshalb, weil frühere Erkenntnisse manchmal – en passant, unbeabsichtigt – zurückgelassen und neue integriert werden. Das, was du experimentellen Umgang nennst, setzt Reife voraus, einen Intellekt im Ruhemodus und Mut zu einem offenen Ausgang des Experimentes.

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  7. Kunterbunt sagt:

    – en passant, unbeabsichtigt – „unverhofft“ 🦄

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  8. eckehardnyk sagt:

    Mujo, Hübsch die Höhlenszene. Prometheus pur! Kunterbunt, das „unser Körper ein wunderbares Wahrnehmungsorgan“ und „rollender Erkenntnisgewinn“ mit dem offenen Ausgang des Experiments, könnten die Titel der Fortsetzung sein. Mein Dank an die Lesenden und Mitdenkenden.

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