bumi bahagia / Glückliche Erde

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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE

16. von 144  Im goldenen Zeitalter

von Eckehard

Alten Zeiten haftet ein Nimbus an, ein Glanz, der sagen soll: Früher war alles besser! Da hat ein Wort noch was gegolten, da war die Mark noch was wert, die Musik schön, da gab es noch den Kaiser und Kavaliere, dahat man hat sich um  Werte gekümmert und sich nicht nur nach der Mode gerichtet. Was bedeutet solcher Glaube?

Nicht nur die alten Griechen unterteilten die Zeiten in ein goldenes, silbernes, ehernes oder bronzenes, heroisches und eisernes Zeitalter. Auch bei unseren germanischen Vorfahren, aber auch bei anderen Völkern, wie uns die Geschichten vom Paradies zeigen, kennen frühere, bessere Zeitepochen. Die Unterschiede zur jeweiligen Gegenwart waren vor allem qualitativ. Im goldenen Zeitalter gehörte die Erde allen und brachte für jeden alles hervor, was er brauchte. Es gab Eintracht, dankbares Mit- und Füreinandersein und keinerlei Verurteilungen. Der Mensch war grundsätzlich „edel, hilfreich und gut“ (Goethe). Aber muß denn alles, was schön und gut ist, einer vergangenen Epoche angehören?

Denken wir an heute! Auch du und ich haben ein Goldenes Zeitalter erlebt. Vielleicht können wir in einer ruhigen Minute dorthin zurückkehren und uns von den damals empfangenen Eindrücken beschenken lassen. Vielleicht merkst du: In dieser Zeit ist ja jede Anstrengung belohnt worden, da war unsere Existenz wie eingebettet in eine gleichbleibend angenehme Aufmerksamkeit. Wir konnten einfach da sein und wurden schon deswegen geachtet. Mochten wir uns um etwas bemüht haben, wurden wir gelobt. Hatten wir etwas Dummes angestellt, wurde herzlich gelacht. Unser Dasein schien für die Umgebung wie die Sonne, golden und heiter.

Den Unterschied zum Zustand, den wir im vorigen Unterkapitel „Paradies“ genannt haben, bilden hier die bleibenden Eindrücke. Das können Träume sein, Landschaften, Tiere, Menschen, Worte oder Handlungen. Bei einer meiner ersten Erinnerungen saß meine Familie im Eßzimmer. Ich war höchstens zweieinhalb Jahre alt, mein Bruder erhob sich in Uniform vom Tisch und sagte: „Ich muss jetzt gehn.“ Danach ist er aus dem Krieg niemals wiedergekehrt. Das Kind, das diese Szene erinnert, weiß jedoch nichts von der Sorge, die mit diesem „Gehn“ verbunden war. Es sitzt in der Mitte, und obwohl der Bruder aufsteht und die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, fühlt es sich wahrgenommen. Auch als später Bomben fallen und man in den Keller flüchtet, hüllt man das Kind mit grauen Decken in eine Erinnerung, die alles interessant und gut sein lässt. Egal was passiert, ob es dem aus dem Volkssturm heimkehrender Vater entgegen rennt, ob es von einer kleinen Ziege mit dem Horn ans Auge geboxt wird: Immer ist  „goldene“ Zeit anwesend. Es keine zeitliche Begrenzung. Es gibt Menschen, denen haftet diese „Zeitvergoldung“ bis ins hohe Alter an, auch wenn sie schlimme Erfahrungen gemacht haben. Dieses „Gold“ ist immer gegenwärtig.

Wir dürfen das Goldene Zeitalter als grundlegende Ermutigung begreifen. Ohne diese Qualität fühlt ein Mensch sich schon als Kind verlassen und immer zurückgesetzt. Ein Mensch, der sein Goldenes Zeitalter bei sich hat, braucht niemanden zu verurteilen. Natürlich lernt er, sich zu schützen und zu wehren. Aber das Wie und Wann dabei ist entscheidend: Der Schutz besteht für jedes Kind in der Sicherheit, mit der es als euer Angehöriges sich auf euch verlassen und sich bestätigt fühlen kann. So entsteht dauerhaft Gewissheit: Ich bin, also sind alle gut, also bin ich gut, also geht alles gut. Für Erwachsene mag das naiv klingen. Aber warum sollten wir ein Kind verunsichern? Im goldenen Zeitalter eurer Kinder seid ihr unfehlbar. Genießet es und freuet euch daran!


4 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. Bettina März sagt:

    epstein epstein alles soll versteckt sein
    Eckstein Eckstein alles soll versteckt sein

    Gefällt 1 Person

  3. palina sagt:

    Es ist für die meisten Erwachsenen nicht leicht, dem Kind zu vermitteln, dass es gut aufgehoben ist.
    Weil sie sich mit diesen Gedankengängen nicht befassen.

    Leider sind die Eltern selbst schon so verunsichert, dass sie dieses Gefühl der Sicherheit an die Kinder nicht mehr weiter geben können.

    Siehe Vortrag von Dr. Winterhoff.
    Und ich weiss das auch aus vielen Gesprächen mit Eltern.

    Vor Jahren erzählte mir eine ältere Dame, wie ihre Mutter die Kinder bei Fliegeralarm mit in den Luftschutzkeller nahm und ihnen schöne Geschichten erzählte.

    Es passierte ihnen zum Glück nichts.
    Sie erinnerte sich später an eine Zeit, die sie sehr schön und unbeschwert fand.

    Niemals spürten sie die Ängste der Mutter.

    Ich nenne es „Gottvertrauen.“

    Gefällt 1 Person

  4. eckehardnyk sagt:

    Palina, schönes Beispiel. Diese Mutter hatte als Kind in ihrem goldenen Zeitalter genau, was sie brauchte, um weiter zu kommen, als nur zu überleben. Das am richtigen Platz zu sein entsteht in dieser „goldenen Zeit“, die inder Umgebung so wahrgenommen wird, und wird zur fähigkeit innerlich weiter entwickelt, bis solche Leistungen und Ausstrahlung von sicherheit möglich sind, wie du sie von der älteren Dame erzählt hast.

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