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Drei Jahre Schocktherapie

Seit Naomi Campbell ein allgemein bekannter „stehender Begriff“: die Schocktherapie, angewendet auf den Bereich Wirtschaft.
Was darunter zu verstehen ist, kann man leicht bei den „Chicago-Boys“ der bürgerlichen Ökonomie nachlesen: der „harte“ Übergang einer Planwirtschaft zu einer Marktwirtschaft, und zwar nicht zu einer sozialen Marktwirtschaft, sondern zum Raubtierkapitalismus.
Denn „erst muß die primäre Akkumulation des Kapitals geschehen“ – sprich: zuerst müssen alle auf Kosten und mit der Arbeit der Gemeinschaft geschaffenen Werte in wenige reiche Hände…
Welches die sozialen Auswirkungen sind – neben einer Hyperinflation und dem damit verbundenen Komplett-Verlust der Ersparnisse mehrerer Generationen einfacher Menschen – zeigt der nachfolgende Artikel.
Luckyhans, 25. August 2017 – Kommentare von mir, Hervorhebungen wie im Original.
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In Rußland sind in drei Jahren Schocktherapie allein an Männern im mittleren Alter mehr als 12 Millionen gestorben

04. April 2017

Die zu Beginn der 1990er Jahre Geborenen können sich gar nicht vorstellen, welch ein Lawine von Nöten auf die Köpfe ihrer Eltern und Großeltern damals niederging.

В России, за три года шоковой терапии 90-х, одних лишь мужчин среднего возраста скончалось 12 млн Jelzman?

Am 1. Januar 1992 begann die „Schocktherapie“ des Jegor Gajdar: die Einführung einer 28%igen Mehrwertsteuer und die Freigabe der Preise.
In wenigen Tagen wurde die Bevölkerung arm: die Ersparnisse verwandelten sich in Staub, die Gehälter, Löhne, Renten und „Stützen“ wurden wertlos.
Es gab keine Arbeit: die Werke und Kollektivwirtschaften kamen entweder zum Stillstand, oder sie konnten (oder wollten?) den Mitarbeitern nichts auszahlen.

В России, за три года шоковой терапии 90-х, одних лишь мужчин среднего возраста скончалось 12 млн
„Gebt den Gelehrten die geschuldeten Gehälter heraus!“ – „Ein hungriger Physiker – eine Schande für Rußland!“

Es begann eine Zeit des Warentausches und der kriminellen Geschäfte.

Rußland verwandelte sich in ein Land der Bandenführer und Verbrecherbrüder – alle Friedhöfe sind mit den Gräbern der in deren Reihen eingetretenen arbeitslosen jungen Menschen übersät.
(wer körperlich kräftig war, wie die vielen nun „freigestellten“ Leistungssportler, der ging in das „Recket“, die physisch-körperlich gewalttätige Schutzgelderpressung; alle anderen jungen Leute sahen zu, daß sie irgendwo Bandenanschluß fanden und sich Waffen besorgten – die natürlich dann auch eingesetzt wurden – brutale Raubüberfälle mit Waffeneinsatz /hop-stop/ waren an der Tagesordnung, und es gab täglich Schießereien mit zahllosen Opfern, denn die Banditen teilten ständig ihre Einflußsphären neu auf)

Bereits im Frühjahr verschwand schon der Begriff der schaffenden Arbeit in der Vergangenheit, zusammen mit den Verfassungsrecht auf dessen garantierte Bezahlung.
Die sowjetische „Gleichmacherei“ wurde vom „Hängenlassen“ (dem allfälligen Betrug durch nicht eingehaltene Versprechungen und Verträge) ersetzt – im Alltag untereinander und von staatlicher Seite.

Und hier, während das halbe Land sich abbuckelnd im kleinen Handel versuchte, irgendwie etwas von hier nach dort zu schaffen, weiterzuverkaufen und dadurch für die Familie wenigstens ein paar Pfennige herauszuschlagen, da die Offiziere begannen sich zu erschießen, weil sie nichts hatten, womit sie ihre Kinder ernähren konnten, und auch die Arbeiter und Rentner lange Monate auf ihre Einkünfte warteten – hier startete die Voucher-Privatisierung nach Tschubais.

В России, за три года шоковой терапии 90-х, одних лишь мужчин среднего возраста скончалось 12 млн
Die Scheck-Privatisierung des Anatolij Tschubais

Der beklauten Bevölkerung gab man ein paar Papiere mit dem Recht auf einen Anteil am Eigentum der Staatsbetriebe. (ich wiederhole: schon die Verwendung dieses Begriffes ist freche Lüge – der Staat war nur der Verwalter der Betriebe, der Eigentümer war tatsächlich das Volk – denn jeder einzelne Mensch hatte durch seine tägliche Arbeit zu deren Aufbau und Funktion beigetragen)
Und sofort fanden sich durchtriebene, gerissene Leute wie Roman Abramowitsch und die Strohmänner von Beamteten, und das (organisierte) Verbrechen stürzte sich darauf, diese Papierchen „für ’nen Appel und ’n Ei“ aufzukaufen.
Und die Leute verkauften die „Buntpapierchen“, weil sie fürchteten, am Ende mit nichts dazustehen.
(Das Anpumpen der Bevölkerung mit sog. „Staatlichen Anleihen“ hat in der Sowjetunion eine lange Tradition – ein Großteil des Wiederaufbaus nach dem Kriege wurde dadurch finanziert, daß man den Werktätigen meist unfreiwillig einen kleinen Teil ihres Lohnes in Form von solchen Staatsanleihen auszahlte, die „irgendwann“ – nach bis zu 25 Jahren – mit Zinsen wieder eingelöst werden sollten.
Da die meisten Leute nicht daran glaubten, daß dies wirklich geschehen würde, und der Rest des Lohnes auch zum Leben reichte, warfen die meisten Leute die Papierchen einfach weg.
Zu meinen Studienzeiten in den 1970er Jahren wurden dann aber tatsächlich die Staatsanleihen der 1950er und 1960er Jahre nacheinander in den Zeitungen und durch Aushänge in den Banken aufgerufen, und wer die Papiere aufgehoben hatte, der
bekam tatsächlich mit Zinsen einen schönen Batzen Geld aufs Konto.)

Das Leben wurde noch schwieriger. Die Kindergärten verschwanden, wurden in Büros verwandelt. Die Dörfer leerten sich, das Vieh wurde geschlachtet, die fruchtbaren Felder lagen brach.
Ein solche Menge an elternlosen hungrigen Kindern hatte Rußland nicht mal im Kriege gesehen.

В России, за три года шоковой терапии 90-х, одних лишь мужчин среднего возраста скончалось 12 млн
Ein Happen Buchweizengrütze und ein Stück Brot für die Kinder, damit sie nicht verhungern…

Viele nächtigten in der Kanalisation und wurden drogenabhängig. Die Prostitution blühte auf, auch die Kinderprostitution.

Am 26. Juli 1993 beschloß die (rothschildgesteuerte) Zentralbank Rußlands, die in den Jahren 1961 – 1992 ausgegebenen Geldscheine aus dem Verkehr zu ziehen.
Das war im Wesen eine Konfiskations-Reform, und real war es der Zwang für die G.U.S.-Länder, von den Verrechnungen auf Rubel-Basis abzugehen und sich an den Dollar zu gewöhnen – die Russen wurden mitten in der Urlaubszeit erneut beraubt.

Die Preise begannen, mit noch größerer Geschwindigkeit zu wachsen. Nach den ganz offensichtlich heruntermanipulierten Daten der offiziellen Statistik wuchsen sie um das 9,8fache pro Jahr. (980% Inflation p.a. – erinnert an die 1920er Jahre in Deutschland – gleiche parasitäre Methodik, ein ganzes Land schnell verarmen zu lassen)

Das Akademiemitglied Tatjana Saslawskaja, eine große Verfechterin der Reformen, die in jener Zeit zur Administration des Präsidenten Jelzin gehörte, erkannte anderthalb Jahrzehnte später an, daß allein in den drei Jahren der Schocktherapie in Rußland nur von den Männern im mittleren Alter 12 Millionen starben!

В России, за три года шоковой терапии 90-х, одних лишь мужчин среднего возраста скончалось 12 млн
„Suche Arbeit“

Aber in jenen Jahren strömte es nur so von den Fernsehbildschirmen: endlich haben wir die Freiheit, und das an die sowjetische Sklaverei gewöhnte russische Volk ist einfach nicht in der Lage, diese zu nutzen.

( Quelle )

Bonus-Video auf russisch:

Der Besuch von J. Gajdar und A. Tschubais im Jahre 1992 in Nizni Nowgorod
Приезд Е Гайдара и А Чубайса в 1992 г в Н Новгород
https://www.youtube.com/watch?v=5JHU9B-Seh4

( Quelle )
– – – – – – – – – –

Zu meiner eigenen Schande muß ich gestehen, daß es mir damals in den 1990er Jahren trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, die Herangehensweise der hiesigen Manager und Ökonomen an die Zusammenarbeit mit den verzweifelt um ihr Überleben – auch mit Unterstützung westlicher Partner – ringenden russischen Unternehmen (sogar aus dem Bereich der Wehrtechnik!) zu verändern.
Man zog sich – nicht böswillig, sondern weil man meinte, „nun den Russen mal die Marktwirtschaft beibringen“ zu müssen – auf die „üblichen“ Vorgehensweisen zurück: ohne Geld keine Leistung.
Vorleistungen? Gutwill? Stundung? Vertrauensvorschuß?
Woher denn: „uns hat man ja auch nichts geschenkt…“

Damals wurde von deutscher Seite – unternehmerisch wie auch staatlich – die einmalige Chance vergeben, durch einen Schulterschluß mit den sich erstmalig ehrlich öffnenden russischen Partnern eine feste europäische (die diesen Namen auch verdiente) enge wirtschaftliche Zusammenarbeit aufzubauen.
Wo könnten wir heute gemeinsam stehen…


13 Kommentare

  1. Elisa sagt:

    Vielen Dank für derart aufschlusreiche Berichte über unsere Nachbarn!!!

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  2. Vollidiot sagt:

    Wie hat es mal einer aus dem Herrenvolk formuliert: Bald gehören uns die Reichtümer der Völker……………………….
    Das war kein Naso sondern ein Nazi.
    Und also lebten sie nach den heiligen Lehren der Väter und hielten sodann die Völker gleich einer Viehherde, ohn Unterschied ob unter sengender Sonne oder im schneidenden Wind frostiger Winter.
    Und die Erde befreite sich von der Last sündiger Völker, einer großartigen Reinigung gleich.
    Nur die Besten und Zähesten widerstanden diesen Jahren größter Entbehrungen und entgigen durch Fügung den allzeits lauernden Gefahren, die da im Regalmaß über das Land rollten; große Treibjagden, die in großen Festen endeten und also sich Viele brüsteten ihrer Strecke.

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  3. thom ram sagt:

    Volli 19:21

    Du schreibst, was nicht in mein Weltbild passt:
    „Wie hat es mal einer aus dem Herrenvolk formuliert: Bald gehören uns die Reichtümer der Völker“

    So dieser jemand AH gewesen sein soll, dann bitte ich dich: Wann wo hat er das gesagt?

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  4. Vollidiot sagt:

    Thom

    Thom, Reiz Reaktion – du bist AH-fixiert.
    Es war ein Nazi, kein Naso…..
    Ju hähf anderschtänd?
    War ein Herr Montefiore.
    Hinter diesem harmlosen Namen, ähnlich einem d’Annuncio (Kriegshetzer), versteckt sich ein Logenbruder.

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  5. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  6. peterharting sagt:

    Uns wurde im Westen der Oktober 1993 als Konterrevolution der Kommunisten dargestellt. Leider gab es damals zu wenig alternative Informationsquellen. – Durch die Vorgeschichte hier ist nun klar, dass Jelzin gegen die Volksvertretung geputscht hat. – Und die Westler werden nicht müde von der russischen Aggression zu schwafeln, in der annahme, je öfter, desto glaubhafter. – Und auch wenn es hier nicht vom Thema hergehört: Das größte Kapitalverbrechen im 20, Jahrhundert war die Einkommenssteuer (für die Armen: Lohnsteuer!). Kaptalverbrechen in mehrfacher Hinsicht: Es ging ums Kapital, das der „Staat“ sich nach Belieben aneignen konnte. Außerdem, wie ein echtes Kapitalverbrechen: Niemand hat es bemerkt. Die Schnüffelei geht also weiter, hüben wie drüben.

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  7. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  8. thom ram sagt:

    Volli 20:14

    AH interessiert mich seit Bekanntschaft, ja. Fixiert fühle ich mich nicht, fasziniert von Beginn, ja.
    Du überschätzest meine Kenntnisse. Montefiore habe ich schon gehört, kann aber auch in Italien an einer Hausklingel gestanden haben, die ich fotografiert habe, weil die Türe so schön war.

    Wärest du eine Katze, ich würde dich jetzt aufnehmen, kraulen und dich ärgern, weil du runter willst und ich dich noch es bitzeli nicht runterlassen würde. Alte Schwu ch Tell.

    Dass ich deinen Hinweis „Nazi, kein Naso“ nicht sorgfältig eingeordnet habe, verzeihe ich mir (mir) grosszügigerweise.

    Lücki

    Gewaltsartikel.

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  9. luckyhans sagt:

    zu peterharting 25/08/2017 um 20:25
    „dass Jelzin gegen die Volksvertretung geputscht hat“ –
    es ist nun klar, daß Jelzin von Anfang an eine bezahlte Marionette des Westens gewesen ist, und er hat stets brav das gemacht, was seine westlichen „Berater“ (CIA-Offiziere) ihm gesagt haben. Alles inzwischen bekannte Fakten… und weil die Herren Kaderoffiziere den Hals nicht voll genug kriegen konnten und sich auch persönlich bereichert hatten, wurden sie nach der Rückkehr in den VSA vor Gericht gestellt: denn ein Offizier im Einsatz darf sich nicht privat bereichern…

    Und: Wer erinnert sich nicht an die Lächerlichkeit (nicht Heiterkeit!), die herrschte, wenn Jelzman in Wash-DC seine Reden hielt – er war der Pausenclown für Billy-suckme.
    Und deshalb wurde er auch bald nach seinem Abtritt verstorben – durch seine induzierte Herzkrankheit hatte man ihn ja immer auch „im Griff“… „herzkrank“, aber besoffen auf der Bühne herumtanzen – ich lach mich krumm.
    Erinnert mich an einen Urlaub in meiner Jugend, in der Nähe von Bad Liebenstein, wo es damals ein recht bekanntes Herzsanatorium gab – abends beim Tanz waren die „Herzkranken“, die tagsüber kaum laufen konnten, die wildesten… (Tänzer UND Säufer)

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  10. Texmex sagt:

    @Lh
    Deine Schlussfolgerung am Ende, dass Russland und BRdistan heute gemeinsam ganz anders dastehen könnten, gibt mir mächtig zu denken.
    Wie hätte das denn passieren sollen, nach dem ganzen Kriegshorror, dem RGW, dem Einmarsch in Ungarn, CSSR usw usf?
    Das wäre nach menschlichen Ermessen unmöglich gewesen.
    Ich wunderte mich heute, dass ueberhaupt so viele Leute Russland nicht als den Feind sehen.

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  11. luckyhans sagt:

    zu Texmex um 3:34
    Ach, lieber Tex, warum wunderst du dich nicht, daß die Russen uns Deutsche nicht ALLE abgrundtief hassen, nach der Okkupation?
    Weil sich unsere Wehrmacht so höchst ritterlich aufgeführt hat? Glaubst du das wirklich?
    Mir hat jedenfalls kaum jemand übelgenommen, daß ich Deutscher bin…
    Überhaupt, wenn man mal miteinander schön gegessen und getrunken hat, und sich dabei schön ausgesprochen und näher kennengelernt hat, dann lassen sich ganz leicht viele Gründe finden, die Zukunft gemeinsam anders zu gestalten als es in der Vergangeneheit so zugegangen ist.
    Ich bin jedenfalls von Russen noch nie einfach so betrogen worden – von Deutschen schon des öfteren…

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  12. Texmex sagt:

    Das kann ich Dir sagen:
    Weil jedes Leben (jeder Mensch) andere Erfahrungen bereit hält.
    Die Wehrmacht war straff organisiert.
    Meine Großväter, die den Krieg mitgemacht haben, kamen leider nicht zurück. Somit fehlen belastbare Diskussionen. Propaganda gab es in meinem Leben genug. Begann mit der Indoktrination in der Schule bzgl. Der Russen in unseren Wäldern. War nicht lustig. Dann die Luegerei bei Murks und Angeles im Studium und der ganze angeschlossene Dreck.
    Wer sich nicht mit den Hintergründen der Kriege befasst und nicht zu den Profi teuren vordringt, glaubt eben, dass der Hammer mit dem er sich auf den Daumen haut „schuld“ ist. Sieht er doch genau vor sich. War doch immer so. Und guck Dir doch den Hass auf uns an, wenn das auserwählte Volk ins Spiel kommt.
    Mit denen könntest Du Dich doch auch hinsetzen und essen, trinken, reden….

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  13. luckyhans sagt:

    zu Texmex um 4:47
    Richtig – wie ich gestern schon schrieb: es leben die feinen Unterschiede…
    😉
    Mein Vater kam zurück – mit zerschossenem Fuß; erzählt hat er nur wenig, mangels „Begeisterung“…

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