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Deutsche Sprache / 133 Redensarten

…also demnächst übergebe ich bb dem Freund Hawey. Von diesem Herzensschlingel kommen so viele anregende Beiträge, dass ich genussvoll zurücklehne.
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Hier leistet er einen Beitrag zur Pflege der wunderbaren deutschen Sprache.

Danke, Hawey!

thom ram, 04.08. im Jahre 5 des beginnenden neuen Zeitalters, da Menschen die Geschichten hinter sogenannten Schwächen ihrer Mitmenschen zu erkennen begannen.

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Redewendungen und Redensarten

Als Verfechter und Sprecher der deutschen Sprache und in Zeiten des unvorstellbaren Kauderwelsches
durch Anglizismen, (denken die Schreiber darüber eigentlich mal nach???), anderen Einflüssen sowie
letztendlich durch die völlig überflüssige „neue Deutsche Rechtschreibung“, möchte ich hier wenigstens
einen ganz kleinen Beitrag zum Erhalt unserer sprachlichen Kultur leisten und ein paar Redensarten
auflisten, zusammen mit der Herkunft.

Und – viele Redewendungen haben ja nun mal auch ihren Ursprung im Mittelalter… 😄
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Zur Zeit gibt es hier 133 Redensarten!

Im übrigen verweigere ich mich strikt dieser sinnlosen neuen Rechtschreibung, ich schreibe wie ich es
gelernt habe, es war ja alles gut so. Ich tausche n i c h t mein einwandfreies Deutsch, gegen das
unzumutbare Ergebnis für eine Minderheit von Legasthenikern.

Ich empfehle jedem Anhänger der deutschen Sprache sich einmal auf den Seiten des Verein Deutsche
Sprache e.V. umzusehen – eine wichtige Sache die jeder unterstützen kann!

„Man kann auch etwas für die eigene Sprache tun, indem man keine andere benutzt.“ (Georges Pompidou)


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1.- Immer der Nase nach
Genaugenommen ein sehr anrüchiger Spruch: Er wurde den Händlern und Gauklern des Mittelalters mit auf den Weg gegeben, wenn man diese zur nächstgelegen Burg und dem dazugehörigen Markt schickte. Da die Fäkalien damals einfach in den Burgraben entleert wurden, konnten sie die Festung aufgrund des Gestankes auch schnell finden.

2. „null-acht-fuffzehn“ – Ausdruck für sinnlosen Schematismus, verbreitet durch die Roman- und Filmtrilogie „08/15“ von H.H. Kirst (1954). Gemeint war damit der 1908 und 1915 verbesserte Maschinengewehr-Typ, dann übertragen auf den Drill an diesem Gewehr und soldatische Ausbildung überhaupt. Das Maschinengewehr 08/15 war das Standard-MG der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg. Jeder Soldat wurde damit ausführlich gedrillt, bis er alle Einzelteile in- und auswendig kannte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff für veraltete Massenware und überhaupt alles, mit dem man sich bis zum Überdruß beschäftigen mußte, gebräuchlich. 08/15 wurde so zu einem Synonym für Standard.

3.- Unter aller Kanone
Diese Redewendung hat nichts mit dem Militär zu tun, sondern entstammt der Schülersprache und ist eine scherzhafte Umdeutung des lateinischen „sub omni canone“ („unter aller Richtschnur“). Belegt ist sie seit dem 19. Jahrhundert. Die „Kanone“ hat ihren Namen übrigens vom italienischen „canna“ für „Rohr“.

4.- Da beißt die Maus keinen Faden ab
Hier konkurrieren zwei Herkunftsmöglichkeiten: Eine beruft sich auf den 17. März, den Tag der heiligen Gertrud, die im Mittelalter vor allem zur Abwehr von Ratten- und Mäuseplagen angerufen wurde. Zu jenem Datum stellten die Bauern die Winterarbeiten ein und begannen mit Feldbestellung und Gartenarbeit. Wenn am Gertrudentag noch gesponnen wird, so behauptete man, werde der Flachs von den Mäusen zerfressen, oder der Faden abgebissen. Die Redewendung soll schon vor 1400 gebräuchlich gewesen sein. Die andere vermutet, es handele sich um die Versicherung eines Schneiders gegenüber dem Kunden, daß dessen Stoff bei ihm sicher sei.

5.- Das geht auf keine Kuhhaut
Soll heißen, es paßt auf kein noch so großes Pergament. Bevor das Papier im 13. Jahrhundert dank der ersten europäischen Papiermühlen seinen Siegeszug antrat, wurde auf Pergament geschrieben. Und das wurde normalerweise aus Schafs- oder Kalbshäuten gemacht. Die Menschen jener Zeit glaubten nun, daß der Teufel ihre Sünden aufschreibt. War man ein richtiger Bösewicht, dann brauchte der Teufel schon eine Kuhhaut, um alle Schandtaten aufzuschreiben. Wurde selbst die zu klein, war der Mensch ein echter Schurke. Und zu viele Sünden gingen „auf keine Kuhhaut“. Der erste Beleg für die Redewendung sind die „sermones vulgares“ von Jaques de Vitry (vor 1240).

6.- Jemandem einen Korb geben
Nach einem alten volkstümlichen Motiv wurde der Freier in einem Korb, der aus dem Fenster der Angebeteten heruntergelassen wurde, hinaufgezogen. War der Freier unerwünscht, wurde ein Korb mit lockerem Boden heruntergelassen. Dieser brach unter dem Gewicht des Freiers durch. Eine andere Variante der Abweisung bestand darin, den Korb mit dem Freier auf halber Höhe des Hauses „hängen zu lassen“. Heute läßt man ungeliebte Freier zwar eher „abblitzen“, doch auch dieser Begriff hatte ursprüngliche eine ganz andere Bedeutung.

Allerdings ist es schwer vorstellbar, daß das zierliche Fräulein den stattlichen Prinzen hochgezogen hat.

Vielleicht hat sie ihm eher einen Korb gegeben, in welchem sich Wegzehrung befand, damit er wieder unerwünscht von dannen zieht. Somit hat er einen Korb gekriegt….

7.- Abblitzen lassen
Bei den ersten Gewehren, bei denen man zum Laden die Kugel in den Lauf stopfte und das Schießpulver in eine Pfanne schüttete, blitzte beim Betätigen des Abzugs das Pulver häufig ab, so daß der eigentliche Schuß gar nicht losging und die Kugel im Lauf verblieb. Man hatte den Schuß also abblitzen lassen – im Gefecht meistens ein einmaliges Mißgeschick.

8.- Einen Zahn zulegen
Auch dieser Spruch stammt aus dem Mittelalter: dort hingen in den Burgküchen die großen Töpfe an gezackten, einem Sägeblatt ähnliche Eisenschienen, mit denen man die Höhe der Töpfe über dem Feuer regulieren konnte. Wenn man also früher einen Zahn zulegte, brachte man den Topf näher ans Feuer heran und die Speisen wurden schneller gar.

9.- Sich verzetteln
Im Althochdeutschen bedeutete „zetten“ so viel wie ausbreiten, verstreuen. Daraus entstand verzetteln im Sinne von nutzlos ausbreiten. Das Verb hat aber nichts mit dem Zettel zu tun, den wir verwenden, um darauf Notizen zu machen. Dieses Wort kommt vielmehr von dem mittellateinischen „cedula“. Es gelangte als Zeddel Anfang des 14. Jahrhunderts ins Deutsche.

10.- Da liegt der Hund begraben
Auch hier gibt es diverse Deutungsversuche. Zum einen war der „alte Hund“ früher Synonym für eine alte Sache, auch für einen Wertgegenstand, der eventuell irgendwo versteckt wurde. Der „begrabene Hund“ konnte also ein vergrabener Schatz gewesen sein. Zum anderen soll es sich dabei um den in der Erde verborgenen schwarzen Schatzhütehund aus einer Volkssage handeln, der anstelle des Teufels als Schatzwächter auftritt.

11.- Sich etwas hinter die Ohren schreiben
Im Mittelalter konnten die meisten Menschen weder lesen noch schreiben. Verträge mußten sie aber trotzdem schließen. Häufig ging es dabei um Grenzziehungen von Grundstücken. Damit diese mündlichen Verträge später auch vor Gericht Bestand hatten, waren Zeugen nötig. Als „Erinnerungshilfe“ wurden diese Zeugen an den Ohren gezogen oder sogar geohrfeigt. Denn was mit Schmerzen verbunden ist, merkt sich der Mensch besonders gut.

12.- Da liegt der Hase im Pfeffer
Der sprichwörtliche Hase im Pfeffer hat die schönste Zeit seines Lebens schon hinter sich, denn das arme Tier ist mausetot. Es handelt sich nämlich um eine kulinarische Delikatesse, die vor allem im Mittelalter beliebt war. Pfeffer war damals eine heiß begehrte Handelsware und verfeinerte vor allem Fleischspeisen. Die Gewürzbrühe, in die das Fleisch eingelegt wurde, nannte man sogar „Pfeffer“. Unser Hase im Pfeffer ist also ein Hasenbraten, der in einer kräftigen Pfeffersoße zubereitet wird.

13.- Geh hin wo der Pfeffer wächst?
Diese Redensart ist schon seit dem 16. Jahrhundert belegt. Pfeffer wurde im Mittelalter als exotisches Gewürz gehandelt und war vor allem wegen seines langen Transportweges dementsprechend kostbar und teuer. Das Land aus dem der Pfeffer importiert wurde, war Indien. Für damalige Verhältnisse unvorstellbar weit entfernt. Genau das Richtige also für Leute, die man nicht leiden konnte.

14.- Das sind mir alles böhmischen Dörfer!
Die echten böhmischen Dörfer liegen, wie schon der Name sagt, in Böhmen, einer historischen Region in Mitteleuropa, die heute das westliche Tschechien bildet. Im 13. Jahrhundert besiedelten viele Deutsche die Dörfer der Region. Die Orte waren jedoch oft mit fremdartigen und schwer auszusprechenden slawischen Namen belegt, wie zum Beispiel Cerná v Poumaví. Unbekannt und unverständlich wie böhmische Dörfer eben.

15.- Tohuwabohu
Das Wort „Tohu wa bohu“ kommt aus dem Hebräischen und wird in der Bibel gleich am Anfang in der Schöpfungsgeschichte erwähnt. Im 1. Buch Mose (1,2) steht in der übersetzten Version: Und die Erde war wüst und leer. In der hebräischen Fassung steht an der Stelle Tohuwabohu, was wörtlich übersetzt so viel bedeutet wie Finsternis und Abgrund. Das Tohuwabohu beschreibt ursprünglich den Zustand der Erde vor Beginn der Schöpfung.

16.- Auf dem Holzweg sein
Der Transport von abgeschlagenen Holzstämmen gräbt tiefe Schneisen in den Waldboden. Diese Furchen verwechseln Spaziergänger oft mit normalen Wegen durch den Wald. Diese Holzwege enden jedoch abrupt an der Stelle, an der der Baum geschlagen wurde. Genauso muß auch die umgangsprachliche Auslegung verstanden werden. Folgt man einem falschen Gedankengang, ist man somit auf dem Holzweg und rennt einem Irrtum hinterher.

17.- Das sind mir ja ein paar Pappenheimer
Die Pappenheimer galten als besonders tapfere Gefolgsleute. Sie versichertem dem Herzog von Wallenstein trotz Landesverrats ihre Treue. Populär wurden sie durch Friedrich Schillers Drama „Wallensteins Tod“. Darin legte der Dichter dem Feldherrn Wallenstein das Zitat „Daran erkenn ich meine Pappenheimer“ in den Mund.

18.- Alter Schwede!
Die echten alten Schweden findet man nicht am Stammtisch, sondern an vorderster Front. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst von Preußen, wollte nach dem Dreißigjährigen Krieg sein Heer auf Vordermann bringen. Seine eigenen Landsleute schienen ihm für diese Zwecke allerdings nicht passend.

19.- Hinz und Kunz
Im Mittelalter wollte man von den Namen Damian und Malte-Sören noch nicht viel wissen. Die verbreitesten Vornamen waren damals Heinrich und Konrad. Was in der Kurz- und Rufform zu Hinz und Kunz wurde. Viele Herrscher und angesehene Männer trugen zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert diesen Namen.

20.- Mein lieber Scholli
Beheimatet ist diese Anrede vor allem in benachbarten Gebieten von Frankreich, wie dem Rheinland. Der liebe Scholli soll sich dort aus dem französischen Wort joli abgeleitet haben. Joli heißt übersetzt hübsch/nett, der Scholli ist also ein besonders Hübscher. Daneben steht die Erklärung, dass es tatsächlich einen Herrn Ferdinand Joly (1765 -1823) gegeben haben soll. Er soll ein unstetes Vagabundenleben geführt haben und der Auslegung seines Namens heute alle Ehre gemacht haben.

21.- Wolkenkuckucksheim
entstand 414 v. Chr. unter der Feder des griechischen Schriftstellers Aristophanes. Er beschreibt in der Komödie „Die Vögel“ eine Traumstadt der Freiheit, des Reichtums und des Genießens. Vögel haben sie in die Luft gebaut, fernab der bösen Welt. Der Philosoph Arthur Schopenhauer übersetzt 1814 erstmals das griechische „nephelokokkygia“ mit Wolkenkuckucksheim und prägte so den deutschen Begriff.

22.- Aus dem Nähkästchen plaudern
Das Nähkästchen war ein Accessoire, daß für gewöhnlich nie in Männerhände fiel. Zwischen Nadel und Faden lag daher so manches Geheimnis verborgen. Es war nicht nur der Aufbewahrungsort für Handwerkszeug, sondern eignete sich hervorragend, um geheime Briefe oder persönlichen Krimskrams zu verstecken. Populärstes Beispiel ist das Nähkästchen von Fontanes Effi Briest. Ihr Mann fand darin Briefe, die sie ihrer Affäre überführten.

23.- Mit allen Wassern gewaschen
Wer mit allen Wassern gewaschen ist, verhält sich umgangsprachlich clever, gerissen und gewitzt. Ursprünglich bezog sich diese Redewendung auf weit gereiste Seeleute, die schon mit dem Wasser verschiedener Ozeane in Berührung gekommen waren. Sie haben durch ihre langen Schifffahrten und den Besuch zahlreicher Länder ihre Lebenserfahrung eminent gesteigert.

24.- Ist mir Schnuppe
Als „Schnuppe“ bezeichnet man das verkohlte Ende des Kerzendochts. Etwas absolut wertloses und uninteressantes. Die umgangssprachliche Wendung, dass einem etwas Schnuppe ist, beschreibt mit dem Ausdruck der wertlosen Schnuppe etwas für einen persönlich völlig Unwichtiges. Weil auch das Säubern des Kerzendochtes dem Naseputzen ähnlich ist. Auch die Sternschnuppen kamen so zu ihrem Namen. Sie sind Gesteinsbrocken, die durch den Aufprall mit der Erdatmosphäre verglühen.

25.- Eine Eselsbrücke bauen
Esel gelten im Volksmund als dumm und störrisch. Nicht immer zu Recht, denn die Vierbeiner wissen ganz genau, was sie wollen und was nicht: Sie verabscheuen es zum Beispiel, nasse Hufe zu bekommen. Mit den meisten Langohren ist es absolut unmöglich, einen Fluß oder einen Bach zu durchqueren. Ein Problem, mit dem vor allem die Menschen vor der Erfindung des Automobils konfrontiert waren. Denn sie nutzten die Esel hauptsächlich als Lastentiere und für den Transport ihres Hab und Guts. Mußten sie auf ihrem Weg einen Fluß passieren, wurden eigens für die störrischen Esel an schmalen Stellen des Wassers Brücken gebaut: die so genannten Eselsbrücken. Eine Eselsbrücke war daher ursprünglich ein kleiner Umweg, aber er führte trotzdem ans Ziel.

26.- Jemanden zur Minna machen
Zunächst einmal ist Minna ein eigenständiger Name. Man denke an Lessings „Minna von Barnhelm“. Des weiteren gilt Minna als Kurzform zu Wilhelmine, einem zu Zeiten der deutschen Kaiser Wilhelm I. und II. vor allem in Preußen weit verbreiteten Frauennamen. Der Einfachheit halber wurden in dieser Zeit viele Dienstmädchen Minna gerufen – ob sie nun eigentlich Johanna, Dorothea oder sonstwie hießen. Zugleich konnten so die Herrschaften der Bediensteten vor Augen führen, welchen Wert bzw. Stand sie in deren Augen hatte, nämlich keinen. Wer nicht einmal für würdig befunden wird, beim Taufnamen gerufen zu werden. Die Bezeichnung Minna war so verbreitet, daß das Wort als Synonym für den Beruf des Dienstmädchens stand. Das Leben der Minnas war oft alles andere als angenehm. Lange Arbeitszeiten (bis zu 16 Stunden), selbstverständlich auch nach und vor der Arbeit immer in Bereitschaft, kaum persönliche Freiräume, zudem ständig der Gefahr ausgesetzt, wegen Kleinigkeiten oder auch völlig grundlos von Dienstherr oder ~herrin ordentlich zusammengestaucht zu werden. Letzteres geschah offensichtlich derart häufig, daß sich zur Minna machen als Sinnbild für scharfe Zurechtweisungen einbürgerte.

27.-Jemanden das Wasser abgraben
Mittelalterliche Burgen, deren Bau Jahrzehnte in Anspruch nehmen konnte, mit ihren Türmen, Zugbrücken oder massiven Toren, den Steinmauern und Burggräben und anderen Verteidigungsvorrichtungen waren vor der Verbreitung von Kanonen und Mörsern nur schwer zu knacken. Oft ging das nur durch langwierige und somit kostspielige Belagerungen. Im Normallfall war es erfolgversprechender und lohnender, das Hinterland zu plündern, Beute zu machen und dadurch gleichzeitig die wirtschaftliche Grundlage des Gegners zu verheeren. Mußte oder sollte aber eine Burg aus strategischen oder sonstigen Gründen eingenommen werden, erforderte das meist viel Zeit und Geld für Bezahlung der Soldaten, Verpflegung usw.. Simples Aushungern war auf der technischen und physischen Ebene zwar der schonendste Weg, verschlang aber mehr Zeit als das Erstürmen. Außerdem stieg mit der Dauer die Seuchengefahr auf Seiten der Belagerer. Kein Wunder also, daß kluge Köpfe sich Gedanken über allerelei wunderliche Belagerungsgeräte machten – sogar der geniale Künstler und Universalgelehrte Leonardo da Vinci, was schon in einem gewissen Widerspruch zum feinen Lächeln seiner berühmten Mona Lisa steht. Mit damals furchteinflößenden Fernwaffen wie den Katapulten (Reichweite je nach Bauart deutlich über 200 Meter) konnte man zwar aus sicherer Entfernung Steine in Richtung gegnerische Burg schleudern und beachtliche Schäden anrichten, die teils meterdicken Mauern aber nicht wirklich flächendeckend durchbrechen. Effektiver, allerdings auch für die Angreifer gefährlicher, war der Sturmangriff mit Leitern, Belagerungstürmen, Rammen und ähnlichem Gerät, wenn das Gelände und die eigene Truppenstärke dies zuließen. Dabei war der metertiefe Wassergraben natürlich hinderlich. Mittels eines kleinen Kanals konnte man das Wasser ableiten, der Burg also das Wasser abgraben, und so den vorgelagerten Schutzring außer Kraft setzen. Damit war noch gar nichts gewonnen, aber wenigstens ein erstes Hindernis aus dem Weg geräumt. Alternativ wird diese Redensart aber auch so erklärt, daß ein Müller ruiniert war, wenn der Bach, der seine Wassermühle antrieb, umgeleitet wurde.

28.- Ins Fettnäpfchen treten
So wie heute noch Lederschuhe eingefettet werden, damit keine Feuchtigkeit eindringen kann, versuchte man sich schon vor Jahrhunderten vor nassen Füßen zu schützen. Deshalb war es bei den Bauern üblich (wenigstens regional), in die Nähe der Eingangstür (oder auch des Ofens) einen Napf mit Fett zu stellen, aus dem sich auch Gäste bei Bedarf bedienen konnten. Dabei kam es vor, daß jemand das Pech hatte bzw. so ungeschickt war, in den Napf zu treten und dann entsprechende Fußabdrücke zu hinterlassen. Die für die häusliche Ordnung und Sauberkeit verantwortliche Bäuerin war davon mit Sicherheit nicht sonderlich begeistert…
Oder auch:
Früher hängte man Schinken und Würste unter die Decke zum Trocknen auf. Um das heruntertropfende Fett aufzufangen, wurden kleine Näpfe daruntergestellt. Wenn man nicht aufpasste, konnte man leicht ins „Fettnäpfchen treten“, was natürlich sehr ärgerlich war.

29.- Bankrott
Aus dem Italienischen: banca rotta = kaputte Bank. Wurde der Geldwechsler zahlungsunfühig, zerschlugen ihm die Gläubiger seine Bank, auf der er die Geldsorten ausgelegt hatte.

30.- Aus der Bahn geworfen
Wer beim ritterlichen Turnier aus der (Turnier-)Bahn geworfen wurde, hatte den Kampf verloren.

31.- Jemanden ausstechen
Beim ritterlichen Turnier mit der Lanze aus dem Sattel stechen.

32.- Da bleibt der Bissen im Halse stecken
Mittelalterliches Gottesurteil: der Beschuldigte mußte ein Stück trockenen Brotes oder harten Käses ohne Flüssigkeit hinunterschlucken. Gelang dies ohne Schwierigkeiten, war er frei.

33.- Montags blau machen
Eigener Ausdruck der Wollfärber: die an der Luft schnell indigoartig-blaufärbende Wolle wurde den ganzen Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage ausruhen.

34.- In die Bresche springen
Aus dem Französischen: bruche. Ist die vom Belagerer in die Festungsmauer geschlagene Lücke, die von den Belagerten gehalten, also verteidigt werden mußte. War einer der Verteidiger gefallen, mußte ein anderer seinen gefährlichen Platz einnehmen, also in die Bresche springen.

35.- In die Brüche gehen
von Bruch, Sumpf, vergleiche den Oderbruch bei Berlin; also in den Sumpf geraten, umkommen. Im Mittelalter war bruch = Strafe.

36.- Torschlußpanik bekommen
Torschlußpanik: bis ins 19. Jhd. hinein mußten abends die Stadttore geschlossen werden; wer fremd war, mußte bis dahin die Stadt verlassen haben, und konnte in Panik geraten, wenn er vor dem bereits verschlosssenen Tor ankam.

37.- Das geht aus wie das Hornberger Schießen
Die Bürger von Hornberg übten so oft Salutschüsse, daß bei der echten Ankunft des Fürsten keine Munition mehr übrig war.

38.- Für jemanden die Hand ins Feuer legen
Bei einem mittelalterlichen Gottesurteil mußte der Angeklagte eine Zeitlang die Hand ins Feuer halten; der Grad der Verbrennung entsprach dem Grad des Verschuldens. Wunden wurden stets sofort verbunden. Als unschuldig habe nur der gegolten, der in kürzester Frist wiederhergestellt war.

39.- Jemanden etwas anhängen
Im mittelalterlichen Recht wurde dem Rechtsbrecher ein anschauliches Zeichen seines Vergehens um den Hals gehängt: dem Dieb der gestohlene Gegenstand, Trinkern eine Flasche, zänkischen Weibern ein Besen und Buhlerinnen Steine von obszöner Gestalt. Das Zurschaustellen von, oft zum Tode verurteilten, Deliquenten mittels umgehängter Schilder wird noch heute in der VR China praktiziert.

40.- Auf den Hund gekommen
Im Mittelalter waren die Böden von Geldtruhen oft mit Tierbildern verziert oder mit Fellen ausgelegt (da klimperte es nicht so laut). Meistens waren dies Hundebilder oder Hundefelle. Wenn man also den Grund der Truhe erreicht hatte, war man „auf den Hund gekommen“ und somit Pleite.

41.- Das Victory-Zeichen
Soll sich Angeblich nicht vom englischen „Victory“ ableiten, sondern davon kommen, daß die Franzosen gefangenen Langbogenschützen den Zeige- und Ringfinger abgeschnitten haben sollen, und es so eine provokante Geste der Bogenschützen gewesen sein soll nach dem Motto „Schau, ich hab meine Finger noch und kann gleich auf euch losschießen“.

42.- Aus heiterem Himmel
Soll sich auf einen Pfeilhagel eines bestimmten Pfeiltyps beziehen. Dessen Flug war kaum zu hören und prasselte so total unvermutet auf seine Opfer nieder. Daher: „Aus heiterem Himmel“.

43.- Etwas aus dem Hut ziehen
Kommt angeblich nicht von den Zauberen, sondern von Bogenschützen, die ihre Ersatzsehne für den Bogen unter der Kopfbedeckung (dem Hut) vor Regen geschützt verborgen hatten.

44.- Rutsch mir doch den Buckel runter
Die Erklärung für diesen Spruch liegt im frühen Mittelalter als die Schilde auf der Vorderseite noch sogenannte Schildbuckel hatten. Diese Schilde wurden zur Verteidigung in einer Reihe als Phalanx aufgereiht. Wenn dann der Feind gegen die Schilde anstürmte, daran hängen blieb, und von den dahinter in Deckung befindlichen Pikenieren oder Speerträgern durchbohrt wurde, rutschten die Angreifer (tot) über den Buckel nach unten. Darum „den Buckel runter rutschen“. Wurde einem also damals so etwas angeboten, war es, anders als heute, bestimmt kein Ausdruck von Gleichgültigkeit. Eher das Angebot einen gewaltsamen Tod zu erleiden.

45.- Ins Bett steigen
Die Erklärung hierfür ist relativ einfach. Damals im Mittelalter, waren die Bettkästen nicht direkt auf den Boden, sondern etwas erhöht gebaut. Um also die Schlafstätte zu erreichen, mußte man einige Stufen hoch „ins Bett steigen“. Der Grund für diese Bauweise war vermutlich die Kälte des Steinfußbodens. Die herrschaftlichen Betten verfügten meist auch über Vorhänge zum Zuziehen, damit die Wärme im Innern blieb sowie meist einen „Himmel“, damit man sich vor herabfallendem Getier schützen konnte, welches damals wohl in Massen an Decken und Wänden saß.

46.- Nicht lange fackeln
In den dunklen Tagen des Mittelalters war es üblich bei einem Angriff auf eine Burg auch Feuer zu verwenden (z.B. um das Haupttor abzufackeln). Jedoch war dieses Tor auch gleichzeitig einer der bestbewachtesten Orte einer Burg und so sagten die Soldaten, welche an den Pechnasen oder den Schießscharten über einem solchen Tor saßen oftmals: „der da unten fackelt nicht lange“. Aber auch aus dem altdeutschen „facken“ hergeleitet: hin und her bewegen. Aus facken ist fackeln geworden, was den gleichen Sinn ergibt, die offene Flamme der Fackel schwenkt hin und her.

47.- Pech gehabt!
Wenn die Soldaten bei der Verteidung ihrer Burg heißes Pech bzw. Teer durch die Pechnasen nach unten auf die Angreifer geschüttet hatten und trafen, hieß es bei Ihnen wohl oftmals schadenfroh: sieh mal, der hat „Pech gehabt“. Im Gegensatz zu heute überlebte man es damals jedoch oft nicht „Pech gehabt“ zu haben.

48.- Aus dem Stehgreif reden
Also, zunächst müssen wir uns das Wort „Stehgreif“ ansehen. Früher hieß das Steg-Reif und war die Bezeichnung für den heutigen Steigbügel beim Pferd. Hatte nun der Herold eine Nachricht zu verkünden, blieb er im Steg-Reif stehen um schnell fortreiten zu können falls seine Bekanntmachung beim Volke nicht so gut ankam, oder um schnell ins nächste Dorf zu eilen um die Nachricht schnell weiter zu verkünden. Daher: „aus dem Steg-Reif reden“.

49.- Durch die Lappen gegangen
Bei der Treibjagd benutzte man früher weiße Leinentücher, die man von einem großen Kreisumfang zu einem kleinen zusammenzog. Jeder Treiber trug also so ein Leinentuch um das Wild in die Nähe der Jäger zu treiben, oder die Lappen wurde an Bäume und Büsche gebunden. Das Wild scheut davor zurück. Büchste dann ein Jadtier aus und rannte in Panik durch die Lappen, hieß es: „der ist mir durch die Lappen gegangen“.

50.- Im Stich lassen
Fiel damals ein Ritter bei einem Turnier vom Pferd, kam er aufgrund der schweren Rüstung nur mit Hilfe eines Knappen wieder hoch. War dieser zu faul und half Ihm nicht, ließ er seinen Herrn „im Stich“ des gegnerischen Schwertes.

51.- Jemanden nicht das Wasser reichen können
Jemanden nicht das Wasser reichen können stammt aus dem Mittelalter. Wenn an der Tafel gegessen wurde, tat man dies auch mit den Fingern. War das Festmahl beendet, mußten die Finger gereinigt werden. Dazu bekam der Diener den Befehl „Er möge das Waschwasser bringen“. Der Diener nahm dann einen Wasserkrug und goß eine Schale voll. Gelang ihm dies nicht richtig oder er verschüttete das reinigende Naß, so kam der Ausspruch „Er kann nicht einmal das Wasser reichen“. Dies war so ziemlich das Abwertenste was man einem Menschen zur damaligen Zeit sagen konnte!

52.- Alles in Butter
Die Redensart kommt nicht daher, das mal wieder alles „wie (mit Butter) geschmiert gelaufen ist“, sondern stammt aus dem Mittelalter. Wenn damals teuere Gläser aus Venetien über die Alpen transportiert werden mußten, blieb Bruch selten aus. Doch dann hatten die Fuhrleute die entscheidene Idee. Sie legten die Gläser in große Fässer und gossen heiße, flüssige Butter dazu. Wurde diese fest, hielt Sie die Gläser an Ort und Stelle und dämpfte die Stöße der Kutsche. Selbst wenn ein Faß vom Wagen fiel, zerbrachen die Gläser nicht. Es war eben „alles in Butter“.

53.- In der Kreide stehen
„Ich steh bei Dir in der Kreide“. Wer das sagt, der hat sich bei jemandem Geld geborgt und dieser will es wiederhaben. Das war im Mittelalter schon so, genau wie heute. Damals war die Kreidetafel im Lokal eine Art Pranger für säumige Trinker. Wer gerne über den Durst trank – aber nicht zahlen konnte – dessen Namen und Schulden verewigte der Wirt mit Kreide auf einer Tafel. Das diente auch zur Einsicht für die anderen Gäste. Bis man seine Schulden nicht getilgt hatte, stand man somit in der Kreide.

54.- Mit Kind und Kegel
Als Kegel wurden früher die unehelichen Kinder des Hausherren bezeichnet. Wenn man also mit Kind und Kegel wegfährt, nimmt man auch die unehelichen Kinder mit …

55.- Auf den Leim gehen
Der Begriff kommt aus der Fallenstellerei. Leim wurde auf einen Ast geschmiert. Setzte sich ein Vogel darauf, konnte er nicht mehr wegfliegen. Er war auf den Leim gegangen, in die Falle getappt.

56.- Den Löffel abgeben
Löffel gab es früher nicht im Überfluß. Wenn der Älteste starb, bekam der Jüngste seinen Löffel. Der Älteste hatte also den Löffel abgegeben.

57.- Bis in die Puppen
Mitte des 18.Jahrhunderts wurde der Große Stern im Berliner Tiergarten mit Statuen aus der antiken Götterwelt geschmückt. Diese Standbilder nannten die Berliner „Puppen.“ Aus der räumlichen Wendung, dem langen Spaziergang „bis in die Puppen“ wurde im Laufe der Zeit die zeitliche Ausdehnung. Wenn man also „bis in die Puppen“ gegangen ist, hat man schon ein ordentliches Stück des Weges zurückgelegt. Synonym für alles zeitlich Weitreichende.

58.- In die Binsen gehen
Diese Redensart kommt aus der Jägersprache. Ein flüchtender Wasservogel rettet sich in die Binsen am Wasser, wo sie der Jagdhund nicht verfolgen kann. Er ist also verloren gegangen, eben in die Binsen.

59.- Etwas anzetteln
Dieses Redensart stammt von dem Handwerk der Weber. Bevor man mit Weben beginnen kann, muß man zuerst die Fäden herrichten. Die Längsfäden bilden dabei den „Zettel“. Erst danach kann man mit der wirklichen Arbeit fortfahren.

60.- Keinen guten Faden an etwas lassen
stammt ebenfalls von den Webern. Der Weber hatte das Meisterstück des Gesellen nach „Strich und Faden“ zu prüfen, d.h. woraus und wie es gewebt war. Fiel das Urteil schlecht aus, ließ er keinen guten Faden am Stoff.

61.- Das kann kein Schwein lesen
Das hat nichts mit Schweinen zu tun, sondern mit der Familie Swyn aus Dithmarschen, Schleswig-Holstein. Deren Mitglieder waren angesehene und kluge Leute. Hatte selbst ein Swyn Probleme beim Entziffern eines Schriftstücks,so hieß es bei den Bauern: „Dat kann kein Swyn lesen“, woraus dann der Spruch entstanden ist.

62.- Sich verfranzen
Habe mal gehört, daß es sich hierbei um eine zweiköpfige deutsche Stuka-Besatzung (Sturzkampfbomber Junkers Ju 87) im Zweiten Weltkrieg gehandelt haben soll, welche sich auf einem Feindflug befunden hat. Jedoch hat wohl der hinten sitzende MG-Schütze, Beobachter und Navigator nicht aufgepaßt, so daß sie sich verflogen haben! Dieser Navigator hatte den Namen Franz. Als sie heil zurückgekehrt sind, ging schnell die Runde um: sie haben sich verfranzt! So hat es sich bis heute eingebürgert: hat man sich verirrt, so hat man sich verfranzt.

63.- Volle Breitseite verpassen
Jemand der ungebremsten, schonungslosen Attacken ausgesetzt ist, bekommt bekanntlich die „volle Breitseite“. Der Begriff stammt aus dem Sprachschatz der Kriegsmarine, als die Kanonen noch unter Deck aufgestellt waren. Eine „Breitseite“ bezeichnet das Abfeuern aller Geschütze auf der dem Gegner zugewandten Seite des Schiffes.

64.- Einen Denkzettel bekommen
Im hansischen Recht (15.Jhd.) kannte man schon den „Gedenkzettel“. Es handelte sich um eine schriftliche Mitteilung des Gerichtes, vergleichbar mit unserer heutigen Vorladung. Später benutzte man den Begriff allgemein für „schriftliche Mitteilung. Auch in Jesuitenschulen wurde später Schülern, die irgendwelche schlechten Eigenschaften erkennen ließen, vom Lehrer ein „Denkzettel“ ausgehändigt, auf dem der Fehler stand. Der Schüler mußte den Zettel ständig bei sich tragen. Da mit dem Denkzettel auch meist körperliche Bestrafungen einhergehen, hat das Wort heute eine ehrer negative Bedeutung.

65.- Eine Fahrkarte schießen
Schützen bezeichnen so einen Treffer, der die Zielscheibe außerhalb der Ringe trifft. Das sieht dann aus, als wenn der Schaffner die Fahrkarte abgeknipst hätte.

66.- Schema F
Gleichförmige Abläufe sind nach dem preußischen immer gleich aufzusetzenden Frontrapport benannt – der wurde mit „F“ bezeichnet.

67.- Arm wie eine Kirchenmaus
In Kirchen gab es keine Vorratskammern. Daher ist die ärmste aller Mäuse eben die Maus, die in der Kirche wohnt.

68.- Treulose Tomate
Der Vergleich eines unzuverlässigen Zeitgenossen mit dem Gemüse stammt aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Es war ein Schimpfwort der Deutschen für die als unzuverlässig und treuebrüchig geltenden Italiener. Da in Italien große Mengen Tomaten angebaut und verzehrt wurden, identifizierte man die Italiener bald mit dem Gemüse.

69.- Der geht ran wie Blücher
Die Redewendung, manchmal auch vollständig „Der geht ran wie Blücher an der Katzbach“ zitiert, bezieht sich auf den Sieg Blüchers über die Franzosen an der Katzbach im Jahre 1813. Der volkstümliche Marschall Blücher war einer der beliebtesten Militärs. Beim Volk war er als „Marschall Vorwärts“ bekannt.

70.- Haderlump
Hadern sind die zerkleinerten Textilien, die man zur Hestellung von besonders wertvollem Papier benötigt. In der Frühzeit der Papierherstellung, als man noch keinen Zellstoff kannte, waren sie sogar die einzige Rohstoffquelle. Da man aber im Mittelalter nicht die Mengen Textilien besaß wie heute, wurden nur die alten Lumpen zur Papierherstellung abgegeben, die nun wirklich niemand mehr anziehen wollte. Normalerweise waren die dermaßen dreckig, oft war darin jemand gestorben, usw.. Nach der Pest erlebte aus diesem Grund die Papierherstellung in Europa eine Blüte….
Die Frauen, die die Lumpen zerkleinern mußten, saßen auf einer Bank, auf der ein nach oben gestelltes Messer montiert war. An diesem Messer zerrissen sie den Stoff, bevor er gereinigt wurde. Da kann man sich vorstellen, was passierte, wenn sich eine der Frauen in den Finger geschnitten hat.
Den Männern ging es nicht viel besser: da man glaubte, daß die Papierherstellung am besten mit kaltem Wasser funktioniert, fingen sie um 3 Uhr in der Frühe an Papier zu schöpfen. Dabei waren sie mit den ganzen Oberarmen im Wasser. Gischt und andere üble Krankheiten waren die Folge.
Ein Haderlump ist also ein Lumpen, der so am Ende ist, daß man aus ihm Hadern herstellen darf. Es ist also wirklich das Allerletzte.

71.- Tacheles reden
„Tacheles“ kommt aus dem Jiddischen und bedeutet „Zweck, zweckmäßiges Handeln“. Im Wortsinn bedeutet „Tacheles reden“ also „zweckmäßig reden, zur Sache kommen“.

72.- Drei Kreuze machen
„Drei Kreuze machen“ kommt aus dem religiösen Brauchtum. Es bedeutet: sich mit dem Kreuzzeichen segnen, daß etwas Schlimmes vorübergegangen ist.

73.- Auf Schusters Rappen
Damit sind schwarze Schuhe, also die „Pferde“, die der Schuster verkauft, gemeint.

74.- Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln
Die Redensart kommt vom Militär. Im Manöver gab es oft den Befehl auf einen Kartoffelacker vorzurücken. Dieser Befehl wurde dann aber meist zurückgenommen, um Flurschäden zu vermeiden.

75.- Ein Stoppelhopser sein
Auch aus dem Militär: Der Begriff kam um 1870 auf und bezeichnet einen Infanteristen. Manöver fanden gewöhnlich im Herbst statt, und zwar auf den abgeernteten, stoppeligen Feldern.

76.- Mit etwas hinter dem Berge halten
Wieder militärisch: Seit dem Dreißgjährigen Krieg kennt man die Taktik, Geschütze hinter natürlichen Deckungen wie Hügeln aufzustellen, um sie dann im günstigen Moment einzusetzen .

77.- Drakonische Strafe
Harte Strafen werden nach dem griechischen Gesetzgeber Drakon benannt. Im 7. Jahrhundert vor Christus waren die von ihm verfaßten Gesetze so streng, ja sogar grausam, daß Plutarch schrieb, sie seien „mit Blut und nicht mit Tinte geschrieben“..

78.- Unter die Haube bringen
Eltern wollen ihre Töchter unter die Haube bringen, also verheiraten. Nach germanischem Brauch durften verheiratete Frauen ihr Haar nicht mehr offen tragen, sondern mußten es unter einer Haube verbergen. Am Hochzeitstag setzte die Frau die neue Kopfbedeckung zum ersten Male auf.
Auch die Römer kannten diese Sitte.

79.- Lunte riechen
Mit der seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bekannten Redensart, meinte man den beißenden Geruch der Zündschnur, mit der die Geschütze abgefeuert wurden. Dieser Geruch verriet oft den Standort eines verborgenen Geschützes .

80.- Da stehste wie die Kuh vorm Neuen Tor
Im alten Berlin hatten die Straßenbahnlinien Buchstaben. Das Neue Tor war eingleisig und die Linie Q mußte häufig warten.

81.- Mit Fug und Recht
„Recht“ kennt jeder, nur was ist „Fug“? Das mittelhochdeutsche Wort „vouc“ bedeutete „etwas, das erlaubt ist“. Wir kennen es noch heute in „Befugnis“. Etwas was nicht erlaubt ist, ist „Unfug“.

82.- Jemanden auf den Schlips treten
Damit ist nicht etwa die Krawatte gemeint, die wäre schwer mit dem Fuß zu erreichen. Das niederdeutsche Wort „slip“ bedeutete „Hemdzipfel“ oder „Rockschoß“.

83.- Etwas aus dem „ff“ beherrschen
Die Redewendung hat ihren Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter, als Schreiber Zitate aus den Pandekten (einer Sammlung altrömischer Rechtsgrundsätze als Grundlagen für das Corpus Juris) mit dem griechischen Buchstaben „Pi“ (p) kennzeichneten. Schreibt man das kleine Pi unsauber, indem man die vertikalen Striche über den horizontalen Balken hinauszieht, erscheint der Buchstabe wie ein „ff“. Noch Juristen des 16. Jahrhunderts zitierten die Pandekten mit „ff“.
Aus dem „Effeff“ schöpfte der Jurist sein Wissen; es galt als Quelle gesicherten Wissens.

84.- Jemanden den Garaus machen
Was tut man jemanden an, dem man „den Garaus macht? Garaus ist ein Hauptwort, das sich aus „gar aus“ im Sinne von „ganz aus“ ableitet. „Gar aus!“ war der Ruf, mit dem in vielen süddeutschen Städten die Polizeistunde ausgerufen wurde.

85.- Hals- und Beinbruch
Stammt aus dem Hebräischen und lautet im Original: „hazloche un broche“ (hazlachá = Glück; b´rache = Segen).

86.- Jemand etwas abknöpfen
Ihn um Geld oder andere Wertgegenstände erleichtern. Reiche Herren trugen früher häufig goldene oder silberne Knöpfe, manchmal auch Münzen oder Medaillen, an ihren Röcken. In Geberlaune schenkten sie gelegentlich solche Knöpfe den Untergebenen, der seinem Herrn auf diese Weise wörtlich etwas abknöpfte.

87.- Einen Vogel haben
Bedeutet bekanntlich „nicht bei Verstand sein“. Nach altem Volksglauben waren Geistesgestörte nicht nur behext, in manchen Fällen nisteten Vögel in ihrem Kopf. Daher auch: „Bei dir piept´s wohl!“.

88.- Als Prügelknabe herhalten
An jungen Edelleuten durfte früher die an sich verdiente Prügelstrafe nicht vollzogen werden. An ihrer Stelle mußten arme Kinder, die für diesen Zweck „gehalten“ wurden, die Schläge auf sich nehmen. Die wirklich Schuldigen mußten der Prozedur zusehen, die von Rechts wegen ihnen galt.

89.- Ein X für ein U vormachen
Da die Wirte die Schulden ihrer Kunden mit Kreidestrichen in lateinischen Zahlen notierten, konnte aus einem V (U = 5) mit zwei kleinen Strichen schnell ein X (also 10) gemacht werden. Wer sich kein X für ein U vormachen läßt, hat also die Täuschung durchschaut.

90.- Das ist schon die halbe Miete
Bauern lagerten die geernteten Rüben und andere dafür geeignete Früchte auf bestimmten Lagerplätzen neben dem Feld, den sogenannten Mieten.
War also die „halbe Miete“ gefüllt, so war bereits die Hälfte der Ernte eingebracht.

91.- Mehrere Eisen im Feuer haben
Wer klug plant, sieht zu, daß er immer noch ein Eisen im Feuer hat, also eine weitere Möglichkeit weiterzumachen.
Die Eisen um die es hier geht, waren die Bügeleisen der Schneider. Die wurden früher auf dem Herdfeuer erhitzt, dann konnte man bügeln bis sie abgekühlt waren. Ein kluger Schneider hatte daher immer stets mehrere Eisen im Feuer, um ohne Pause weiterbügeln zu können.

92.- Gang nach Canossa
Im Verlauf des Investiturstreits im 11.-12. Jahrhunderts, kam es zur Verhängung des Kirchenbanns über Kaiser Heinrich 4..
Um politischen Problemen zu entgehen , mußte Heinrich zu Papst Gregor 7. auf die italienische Burg Canossa pilgern und Unterwürfigkeit heucheln.
Der „Gang nach Canossa“ ist sprichwörtlich für einen schweren Gang oder Bittgang geworden.

93.- Tollpatsch
Das Wort Tollpatsch kommt ursprünglich aus Ungarn. Due ungarischen Fußsoldaten des 17. Jahrhunderts trugen den Spitznamen „talpas“. Der bedeutet soviel wie „breitfüßig, schwerfällig“. Der Ausgang war das ungarische Wort „talp“ = „Fuß, Sohle“.
Im Deutschen wurde aus breitfüßig erst schwerfällig, dann ungeschickt..

95.- Jemanden um die Ecke bringen
Damit ist keine Straßenecke gemeint, sondern die Schneide einer Waffe, die früher „Ecke“ genannt wurde. Man bringt also jemanden auf beide Seiten einer Klinge.

96.- An den Pranger stellen
Im Mittelalter wurden Verbrecher zu ihrer Schande öffentlich zur Schau gestellt. Sie wurden an einen Schandpfahl mit einem Halsring angekettet und für eine bestimmte Zeit bloßgestellt. Eine Schandtafel auf der die Missetat verzeichnet stand, wurde dem Täter oft umgehängt. Das Wort „Pranger“ leitet sich ab vom alten Begriff „prangen“ = „drücken, klemmen“ und bezieht sich auf das Halseisen.
Auch heute werden Straftaten noch „angeprangert“.

97.- Barrikade
Die „Straßensperre“ kommt aus dem Französischen. Aus was baut ein richtiger Franzose Straßensperren – richtig: aus Weinfässern. Und daher kommt der Begriff : „barrique“ heißt Faß, Tonne.

98.- Bösewicht
Setzt sich aus zwei Begriffen „böse“ und „Wicht“ zusammen. Der „boese wiht“ war im Mittelalter ein hinterhältiges dämonisches Wesen, das man in einem Menschen mit schlechten Charakter zu erkennen meinte. Jemanden als Bösewicht zu beschimpfen, war damals ein ehrenrühriges Schimpfwort, auch wenn es heute eher belustigend klingt.

99.- Kinkerlitzchen
Das Wort stammt aus dem Französischen „quincaille“ = Kurzwaren, an das noch die Verkleinerungssilben „-litz“ und „-chen“ angehängt werden. Kinkerlitzchen sind also eher unnötige Dinge, Kleinkram.

100.- Tank
Der englische Begriff „tank“ für Panzer stammt aus dem 1.Weltkrieg. Als die Briten sich daran machten, fronttaugliche Kettenfahrzeuge zu entwickeln, gründeten sie aus Geheimhaltungsgründen den „Ausschuß zur Erprobung beweglicher Wasserbehälter (engl. „tanks“!) für die mesopotamische Wüste“.
Der Begriff „Tanks“ blieb bis heute hängen.

101.- Inquisition
Der Ausdruck „Inquisition“ kommt aus dem Lateinischen „inquirere“ = aufsuchen, aufspüren und bedeutet im weiteren Sinne das Erforschen von (Straf-) Tatbeständen.

102.- Das Heft in der Hand haben
Jemand der eine unangreifbare Machtposition inne hat, „hat das Heft in der Hand“. Das hier gemeinte Heft ist das Heft, also der Griff eines Schwertes.

103.- Ein Buch aufschlagen
In der Frühzeit des Buchdrucks lieferte der Drucker nur den Buchblock. Um das wertvolle Werk zu schützen, wurde dieses zwischen zwei Deckel eingebunden. Die Deckel, meist aus Buche, wurden mit einem breiten Metallhaken zusammengehalten. Man legte das Buch auf den Tisch, drückte auf den Deckel und klappte den Haken beiseite. Schlug man aber einfach auf den Deckel, sprang das Buch meist von allein auf – deshalb schlägt man heute noch Bücher auf.
Das „Buch“ selbst hat seinen Namen übrigens vom althochdeutschen Wort „buoh“, das wohl ursprünglich die Runenzeichen benannte, die in Buchenstäbe – daher auch Buchstabe – geschnitzt wurden.

104.- Hänseln
Kommt nicht etwa von Hans, sondern aus dem Kaufmännischen. Da das Aufnahmeritual für künftige Hansekaufleute relativ drastisch und peinlich war, wurde es bald schon im Volksmund „Hänseln“ genannt.

105.- O Jemine! Herrje!
Ausruf des Mitleids, Entsetzen oder Überraschung. Das zweite Gebot lautet ja: „Du sollst den Namen deines Herrn nicht mißbrauchen.“. Aus Angst dieses Gebot zu verletzen, verkürzten gläubige Christen den Ausruf „O Jesu Domine“, die lateinische Anrede für „Herr Jesus“, auf „Herrje“ oder „O Jemine“.

106.- Urlaub
„Urlaub“ stammt vom althochdeutschen Wort „urloup“ ab. Das hatte im Mittelalter die Bedeutung: die Erlaubnis haben, von der Arbeit fernzubleiben.

107.- Unter aller Sau
kommt aus dem Jiddischen: „seo“ = Maßstab.

108.- Über die Stränge schlagen
Einer der ausgelassener Stimmung ist und zu weit geht, schlägt über die Stränge. Er wird verglichen mit unwilligen Kutschpferden, die bocken und dabei über das Geschirr, die Zugstränge, ausschlagen.

109.- Schlitzohr
Gesellen bestimmter Zünfte trugen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit Ohrringe. Verstießen sie gegen die Regeln ihrer Zunft, benahmen sich also unzünftig, so wurde ihnen der Ohrring auf schmerzhafte Art entfernt: man riß ihn einfach aus dem Ohr.
Die Ohrringe waren übrigens aus Gold, damit aus dem Erlös ein ordentliches Begräbnis bezahlt werden konnte.
Eine andere Erklärung besagt, daß Bäcker, die zu kleine Brötchen gebacken hatten, mit dem Ohr an die Kirchentür genagelt wurden. Um sich zu befreien, mußten sie sich losreißen…

110.- Splitternackt sein
Schon im 15. Jahrhundert war man „splitternaket“, also ganz nackig.
Den Ursprung hat die Redewendung wohl in „splinternackt“. „Splint“ ist die Faser- bzw. Bastschicht, die zwischen der Rinde und dem Stammholz eines Baumes liegt. Daher wohl auch die Form „splitterfasernackt“. Ein Stamm ist erst dann nackt, wenn neben der Rinde auch der Splint entfernt wurde. „Splinternackt“ bedeutet also, nackt bis unter den Splint, also ausgezogen bis aufs Holz.

111.- Sich verhaspeln
Beim Spinnen mit dem Spinnrad wurde früher aus unbearbeiteter Wolle Garn gesponnen, dieses wurde auf einer Haspel aufgerollt.
Verlor man beim Aufrollen den Faden, hat man sich „verhaspelt“.

112.- Auf Trab bringen
In der Kavallerie bringt man das Pferd auf Trab. Das geschieht manchmal auch unter Verwendung von Peitsche und Sporen.
Somit liegt der Sinn der Redewendung auf der Hand.

113.- Auf dem Präsentierteller sitzen
Früher wurden auf dem Präsentierteller die Visitenkarten und Briefe von den Dienern, Dienstmädchen und Zofen den Herrschaften gebracht. Somit sind alle Blicke auf den gerichtet, der auf dem Präsentierteller sitzt.

114. – Etwas aus dem Ärmel schütteln

Die Kleidung im Mittelalter war sehr weit geschnitten, das galt auch für die Ärmel. So konnte man sie auch
als Taschen benutzen, z.B. für Geld, Papiere usw.. Wenn man etwas brauchte, konnte man es daher ganz
leicht aus dem Ärmel zum Vorschein bringen, zaubern, schütteln.

115. – Not am Mann

Ist eine Gefahr besonders groß, dann ist „Not am Mann“.

Dieser Spruch stammt aus der Zeit, als im Krieg noch Mann gegen Mann gekämpft wurde – ohne
weitreichende Waffen und Zielfernrohre. Man stand dem Gegner Auge in Auge gegenüber.
Die Bedrohung, die „Not“, war ganz nah: direkt „am Mann“.

116. – Etwas in petto haben

Wer etwas „in petto“ hat, der hat Pläne, die er noch geheim hält.
Im Mittelalter galt das Herz als Zentrum der Gedanken und Gefühle. Der Spruch leitet sich ab vom

lateinischen Wort „in pectorale“, also „in der Brust“. Gemeint ist damit „nicht ausgesprochen“, „geheim“.

Daraus ist im Italienischen „in petto“ geworden. Im 18. Jahrhundert wurde der Ausdruck ins Deutsche

übernommen. Es ist also das Geheimnis, das man in der Brust aufbewahrt.

117. – Stehenden Fußes

Geschieht etwas „stehenden Fußes“, dann geschieht es sehr schnell und unmittelbar als
Reaktion auf einen bestimmten Vorgang.

Wenn man im Mittelalter vor Gericht stand und mit einem Urteil nicht einverstanden war,
mußte man dieses Urteil sofort anfechten. Man konnte also nicht erst nach Hause gehen
und sich die Sache in Ruhe überlegen. Nein, der Widerspruch musste direkt eingelegt
werden, an der Stelle, wo man stand, also „stehenden Fußes“.

118. – Kalte Füße bekommen

Man steigt aus einem Vorhaben aus, weil einen plötzlich Bedenken beschleichen oder
man Angst verspürt.

Der Spruch stammt aus der Welt der Kartenspieler. Glücksspiele fanden früher meist in
dunklen, kalten Kellerräumen statt. Wollte jemand aus dem laufenden Spiel aussteigen,
nutzte er häufig seine „kalten Füße“ als willkommenen Vorwand: „Ich habe kalte Füße
bekommen und muß mich einmal kurz aufwärmen“, hieß es dann.

119. – Holland in Not

Das Sprichwort wird häufig verwendet, wenn sich jemand in großer Bedrängnis
oder Gefahr befindet und keinen Ausweg sieht.

In den Niederlanden ist bereits im 16. Jahrhundert eine Redensart aufgetaucht,
in der Menschen verspottet werden, die wegen einer Kleinigkeit ein großes
Theater machen. Man sagte damals: „Wenn den ein Floh beißt, dann ist Holland
in Not.“ Aber Holland war tatsächlich auch immer gefährdet durch Deichbrüche
oder feindliche Besatzungen. So ist aus der spöttischen Formulierung eine
Redensart geworden, die eine Notsituation beschreibt.

120. – Sein Fett weg bekommen

Wenn dieser Spruch fällt, bekommt jemand richtig Ärger, wird ausgeschimpft oder
erhält eine Strafe.

In früheren Zeiten verteilte das Familienoberhaupt nach Hausschlachtungen Fleisch
und Fett an alle Familienmitglieder. Jeder bekam genau das, was ihm zustand.
Später wurde diese Redeweise ironisch verdreht, der Sinn änderte sich:
Wenn jemand Mist gebaut hatte, stand ihm eine Strafe zu –
und er bekam sein „Fett ab“.

121. – Wie aus der Pistole geschossen
Flugs, umgehend, prompt.
Während der Hussitenkriege im 15.Jahrhundert, verwendeten die Tschechen
eine Waffe „pistal“, welche die Deutschen dort kennenlernten und die sich
besonders im Nahkampf bewährte.
Somit übernahmen die Deutschen den Namen, Pistole.
Wenn also rasch und treffend entgegnet wird, so kommt das wie aus der Pistole
geschossen.

122. – Das ist kalter Kaffee
Steht für Geschwätz bei dem nichts herauskommt. Genauso fad, wie kalter abgestandener Kaffee.
Eher aus der neueren Zeit.

123. – Vor Neid platzen
Die Redensart war schon in der Antike bekannt und geht auf die Fabel des Phaedrus zurück, nach der
ein neidischer eitler Frosch, der so groß werden wollte wie ein Ochse, sich aufblies, bis er platzte.
In mittelelalterlicher Vorstellung mußte der Neid sich schämen, wenn er in den Spiegel schaute.
Daher: der blasse Neid.

124. – Mit jemand Schindluder treiben
Jemanden niederträchtig behandeln, ihm übel mitspielen.
Schindluder ist der Kadaver eines Tieres, der zum Abdecker gebracht wird um dort geschunden,
also abgehäutet, zu werden. Die Redensart meint also recht drastisch, jemand wie Aas behandeln,
dem die Haut abgezogen wird.

125. – Jemanden auf die Schliche kommen
Jemanden seine Absichten durchschauen.
Kommt aus der Jägersprache: der Jäger kennt die Schleichwege des Wildes, die Schliche.

126. – Die Sonne bringt es an den Tag
Diese Redensart weist auf die große Bedeutung der Sonne im germanischen
Gerichtsverfahren hin. Es wurde nur so lange Gericht gehalten, wie die Sonne schien.
Mit dem Gesicht auf die Sonne wurden die Verhandlungen eröffnet. Mit dem Gesicht
zur Sonne, der nichts verborgen blieb, wurde der Eid abgelegt. Daher: die Sonne
bringt es an den Tag.
Oder auch: Das ist doch sonnenklar.

127. – Einen hinter die Binde gießen
einen großen Schluck Alkohol trinken.
Die seit 1850 bekannte Redewendung ist nach der Halsbinde der Männer benannt, die
zu der Zeit getragen wurde und hinter der mancher Tropfen in der Versenkung verschwand.

128. – Die Flinte ins Korn werfen
Die Römer kannten die Wendung bereits in der Redensart “ hastam abijicere“ = „die Lanze
wegwerfen“ Hieß, die Hoffnung aufgeben.
Unser Ausdruck erschien erstmalig 1862 im Grimmschen Wörterbuch, seitdem geschlagene
Soldaten Flinten besaßen.
Mit dem Gewehr in der Hand war man als Soldat eine Gefahr für den Feind. War die Lage
aber aussichtslos geworden, warf man die Flinte in das zum Schlachtfeld gewordene
Kornfeld und verbarg sie somit. Er hatte die günstige Aussicht als harmloser Zivilist der
Kriegsgefangenschaft zu entgehen.

129. – Weder Fleisch noch Fisch
Nichts Halbes und nichts Ganzes.
Die Redensart kommt aus der Reformationszeit und meint die Wankelmütigen,
Lahmen und Unentschlossenen, die sich weder zum Katholizismus, der den Freitag
zum Fischtag bestimmt, noch zum Protestantismus, für den es kein Fleischverbot gab,
bekannten.

130. – Die Feuertaufe erhalten
Die erhält der Soldat, der im Krieg das erste Mal im feindlichen Feuer steht.

131. – Umgekehrt wird ein Schuh daraus

Bedeutung: das Gegenteil ist richtig.

Herkunft: Im Mittelalter wurden Schuhe (im Gegensatz zu heute) auf links genäht.
Sie mussten dann erst umgekrempelt werden, „damit ein Schuh daraus wurde“.

Diese Redewendung wurde erstmals 1745 erwähnt.

132. – Sich etwas hinter die Ohren schreiben

Bedeutung: sich etwas genau merken.

Herkunft: Nach altem Volksglauben sitzen Weisheit und Erinnerungsvermögen
hinter den Ohren.

Daher kommen auch das Ohrfeigen oder Ziehen an den Ohren.

Es sollte dem dort befindlichen Gedächtnis auf die Sprünge helfen.
Zur Zeit des Mittelalter konnten die meisten Menschen noch nicht lesen oder schreiben.

Ihre Verträge besiegelten sie deshalb immer im Beisein von Zeugen. Doch damit nicht genug:

Damit diese „Verträge“ auch vor einem Gericht bestand hatten, mußten sich die Zeugen auch

Jahre später noch daran erinnern. Es wurde überliefert, dass sich Menschen Dinge besser

merken, wenn sie mit Schmerz verbunden sind. Somit wurde den Zeugen an den Ohren

gezogen oder ihnen eine Ohrfeige erteilt.

133. – Mit dem Klammerbeutel gepudert

Als das Mehl noch in Wind- und Wassermühlen gemahlen wurde, siebte man es nach dem
Mahlvorgang durch einen Beutel, um es von der Kleie zu trennen. Dazu wurde dieser Beutel kräftig hin-
und hergerüttelt. Damit der Beutel bei der ganzen Rüttelei und Schüttelei auch blieb, wo er hingehörte,
wurde er mit einer klammerartigen Vorrichtung befestigt, der er auch seinen Namen verdankt. War der
Müller dämlich genug, bei laufender Mühle den Mehlkasten zu öffnen, dann staubte es ihm so gehörig
ins Gesicht, daß er aussah, als hätte der Klammerbeutel ihn gepudert. Außerdem stieg durch den
feinen Mehlstaub in der Luft die Gefahr einer Staubexplosion. Schön blöd also, wer auf eine solche Idee
kam.
.

Literatur und Quellen:
„WAHRIG“ 1986
„Brockhaus Multimedial“ (2005)
„Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache“ von Kluge, Walter de Gruyter – Verlag (1999)
„Des Pudels Kern – Sprichwörter erklärt“ von Roland Leonhardt, Haufe Verlag (2006)
„Antworten die keiner braucht“ von Steffen Buchert, Vehling Verlag „Lexikon der sprichwörtlichen
Redensarten“ von Lutz Röhrich, Verlag Herder (2006)
„Redensarten“ von Rudolf Köster, Dudenverlag (1999)

„Deutsche Redensarten und was dahinter steckt“ Krüger-Lorenzen (1982)

bild.de

und andere…

LG Hawey

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6 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

  2. Internetzel sagt:

    Hat dies auf 👽 INTERNETZEL rebloggt.

    Gefällt mir

  3. Vollidiot sagt:

    Verschoben nach

    https://bumibahagia.com/2017/08/06/frauenstehpinkeln-zeitgemaesses-kopfstandpinkeln/comment-page-1/#comment-75933

    Also bei dem Edelthema wollen wir doch schön suuber bliibe.
    thom ram

    Gefällt 1 Person

  4. Vollidiot sagt:

    Das bezog sich nur auf die erste (fäkalische) Redensart.
    Damit geht der Bezug verloren.
    Abhilfevorschlag: Redensart 1 nach frauenstehpinkeln schieben.

    Gefällt 1 Person

  5. thom ram sagt:

    Volli

    Wollte es gut machen. Du nächstes Mal bitte Bezug herstellen. Waren immerhin 133 mögliche Bezugspunkte, du Schlawi.

    Gefällt mir

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