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Tödliche Kleinunternehmer?

Klar doch, so eine Überschrift ruft erstmal energische Proteste hervor, richtigerweise.
Aber es geht im folgenden Artikel nicht um unser schönes Land, in dem die Klein- und mittelständischen Unternehmen tatsächlich den Grundstock der Wirtschaft bilden, sondern um Rußland, wo das Ganze sich etwas anders darstellt.
Aber bitte lest doch selbst – der Text ist nicht lang.
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 10.12.004
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Kleinunternehmer sind nicht die Rettung,
sondern die Zugrabetragung der Wirtschaft Rußlands

Veröffentlicht von Jurij Komarow am 2. Dezmber 2016


Plakataufschrift: Kleinunternehmen – die Stütze Rußlands

Ich bin oft in den Regionen des Landes unterwegs, schaue mich um – in den Gebietszentren gilt als einigermaßen gutes Gehalt, wenn man 15 Tausend Rubel (gut 200 Euro nach aktuellem Kurs – d.Ü.) im Monat bekommt.
Klar daß die Leute nur von einem solchen Gehalt nicht leben können, daher sind sie gezwungen, auf 2 oder 3 Arbeitsstellen tätig zu sein. Und sich noch mit einem sog. Kleinunternehmen zu beschäftigen.
Bei uns wird jetzt sehr viel darüber geredet, aber in der Tat ist das nur ein Mittel zum Überleben. Nicht ein Weg zur Entwicklung, sondern eine Reaktion auf die magere Wirtschaftslage. Also gibt es keinen Grund, sich über solches Kleinunternehmertum zu freuen.

Aber unsere Machthabenden halten, statt wirklich die Realwirtschaft zu entwickeln, vielfältig an diesem Kleinunternehmertum fest.
Faktisch ist das doch nur Einzelhandel, Spekulantentum, kleiner Grenzhandel und so weiter – aber keine produktive Arbeit.
Leider beschäftigen sich mit produktiver Arbeit wenn’s hoch kommt noch 15 Millionen Menschen, d.h. etwa 10% der Bevölkerung Rußlands.
Wenn man die arbeitsfähige Bevölkerung nimmt, dann mögen es noch 20% sein. Der Rest sind entweder Arbeitslose (wobei bei uns die Arbeitslosenstatistik klar geschönt ist), oder eben solche Kleinunternehmer.
(lassen wir dem Autor diese unbewiesene Behauptung, denn er „vergißt“ die vom Staat abhängigen unproduktiv Beschäftigten; und er ist sich gewiß nicht darüber im Klaren, daß es in den westlichen Ländern ganz genauso aussieht: auch dort sind nur noch 20% der Arbeitsfähigen mit wirklich produktiver Tätigkeit beschäftigt, eine Errungenschaft der gigantisch gewachsenen Arbeitsproduktivität – mehr dazu bei Andreas Popp – d.Ü.)

Nach unterschiedlichen Einschätzungen sind zwischen einer und anderthalb Millionen Menschen bei uns in Privaten Wach-Unternehmen, Sicherheitsagenturen, als Wachleute usw. tätig – es mag sich verschieden nennen, aber das sind meist kräftige Männer, die auch Stahl kochen könnten oder den Boden pflügen – so sitzen sie tagelang herum, doppeln die Polizei oder nehmen den Rentnern die Nebenjobs weg.

Verständlich, daß bei uns unser Wirtschaftspotential nicht umgesetzt wird. Gewöhnlich wird darunter das Budget (Staatshaushalt) oder die Naturreichtümer verstanden, aber die wichtigste Ressource in der Ökonomie ist nun mal der Mensch.
Und am Beispiel, wie unser Arbeitspotential genutzt wird, ist gut zu sehen, daß wir schwerkrank sind. Und hier ist eine wirtschaftliche Mobilisierung einfach notwendig.

Ich erinnere mich, daß auf dem Gajdar-Wirtschaftsforum (eine Intim-Veranstaltung der neoliberalen Ökonomen aus der Chicagoer Schule – d.Ü.) zu Beginn dieses Jahres der Herr Medwedjew gesagt hatte, daß eine Wirtschaftsmobilisierung nicht unser Weg sei.
Ganz offen hat er das verkündet.
Das heißt, die Regierung läßt unsere Wirtschaft bewußt sinken, wenn sie dies in den Rang einer offiziellen Politik erhebt und auch noch versucht, das irgendwie zu begründen!

Die Zahl der Leute, die unterhalb des Überlebensminimums dahinvegetieren, wächst – das sind die Angaben von Rosstat (der Staatlichen Behörde für Statistik – d.Ü.).
Ich mache keinen Fehler, wenn ich sage, daß heute ein Drittel der Bevökerung sich tatsächlich unter diesem Niveau befindet.
Das ist faktisch ein Genozid – wenn nicht ein bewußter, so ein halbbewußter.
Die Importablösung kommt nicht voran. Eine Mobilisierung der Wirtschaft geschieht nicht.
Eine Nutzung der Reserven, welche wir haben, passiert auch nicht.
Natürlich, an einige Reserven kommt man einfach nicht heran – denn auf den Off-Shore-Konten liegen Hunderte Milliarden, wenn nicht Billionen Dollars. Ungeachtet dessen, daß schon seit Jahren von einer Deoffshorisierung der Wirtschaft geredet wird.

Zweifellos ist die Rückführung dieser Gelder ein sehr komplizierter Vorgang, aber er muß angegangen werden, von selbst werden die Gelder aus den Off-Shores nicht zurückfließen. Aber es wird ja nichtmal das getan, was man schnell und effektiv machen könnte. Ich meine ein Verbot für den grenzüberschreitenden Kapitaltransfer – oder wenigstens die Einführung einer scharfen Kontrolle.
Denn jeden Monat beträgt der reine Kapitalabfluß aus dem Land einige Milliarden Dollar. Und dazu kommt noch, daß die Verteilung der Valutareserven bei uns aus irgendeinem Grunde bei der Zentralbank liegt, die nicht für die Verpflichtungen des Staates aufkommt – das zitiere ich aus dem Bundesgesetz über die ZB.
(siehe dazu auch unsere bb-Artikel über die russische Zentralbank von Rothschilds Gnaden – d.Ü.)

Wir haben riesige Möglichkeiten in der Wirtschaft, die verbunden sind mit dem Vorhandensein absolut aller Bodenschätze und Naturreichtümer, des mächtigsten Energiesystems der Welt und einer Masse von nicht benötigten Arbeitskräften.
Aber diese Möglichkeiten werden nicht umgesetzt, nicht mobilisiert.
Der Premier hat faktisch offen die staatliche Ablehnung eines Aufbaus der Realwirtschaft verkündet.
Wir werden mit irgendwelchen drittrangigen Fragen abgelenkt, so zum Kleinunternehmertum, das einen Rückschritt ins primitive Mittelalter bedeutet.
Was passiert ist die halbbewußte oder vielleicht auch bewußte Vernichtung der Konkurrenfähigkeit der Wirtschaft Rußlands.

Nach Unterlagen des führenden Ökonomen Prof. Walentin Katasonow
Quelle:
http://publizist.ru/blogs/34/15941/-

– – – – – – –
Na, das sind doch ganz gewichtige Anschuldigungen, die Freund Komarow da äußert.
Abgesehen davon, daß er vom Kleinunternehmertum eine recht „spezifische“ Vorstellung hat. Aber versuchen wir mal, sachlich zu bleiben.

Zuerst einmal ist klarzustellen, daß die Arbeitsproduktivität in den vergangenen Jahrzehnten dank der stetigen Automatisierung und Computerisierung derart gewachsen ist, daß tatsächlich 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreicht, mit den jetzigen industriellen Methoden sämtliche (sowohl echte als auch nur per Gier künstlich induzierte) Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen.

Ja, lassen wir bitte mal einen Moment das Thema Qualität beiseite – selbstverständlich beobachten wir schon seit Jahren anstelle einer Entwicklung und Produktion hochqualitativer Produkte einen Übergang zu einer offen geplanten Obsoleszenz, d.h. zur Fertigung von extrem reparaturunfreundlichen Gütern mit konstruktiv vorgesehenem Ausfallsdatum, das regelmäßig kurz nach dem Auslaufen der gesetzlichen Gewährleistungsfrist liegt.

Aber mal davon abgesehen: wenn wir diese noch vorhandene (und in Zukunft weiter abnehmende) Menge Arbeit sinnvoll auf alle arbeitsfähigen Menschen aufteilen würden, dann könnten diese mit vielleicht 15 Wochenstunden oder noch weniger auskommen – jeder wäre „in Arbeit“, hätte seine „Existenzberechtigung“ und sein Grundeinkommen. Ein Zweitjob wäre nicht mehr Überlebensnotwendigkeit für viele, sondern könnte tatsächlich zur „Erfüllung eines Traums“ werden – wenn überhaupt gewünscht.
Und jeder hätte dabei noch die Zeit, sich selbst schöpferisch mit der Entwicklung von qualitativ hochwertigen, langlebigen, modular aufgebauten und damit reparaturfreundlichen, und also ressourcenschonenden Produkten zu befassen – was auf einem endlichen Planeten die einzige sinnvolle Lösung für die künftige Bedürfnisbefriedigung der Menschheit darstellt.

Das Denken in Kriterien wie der maximalen Nutzung aller Potentiale ist eben einseitig und kurzsichtig, denn es geht von den falschen Prämissen aus: der Mensch und seine natürlichen Bedürfnisse haben der Maßstab für Wirtschaft und Ressourcenverbrauch zu sein, bei gleichzeitigem Erhalt der Natur als unser aller Lebensraum.
Insofern ist eine kampforientierte Wirtschafts“ordnung“ ohne innere Bremsen, wie die kapitalistische, rein prinzipiell völlig ungeeignet, als Modell für eine zukünftige Ökonomie zu dienen.

Es ist also an der Zeit, den Blick zu heben und vom Beschuldigen der Repräsentanten des jetzigen Systems zu einer Bewertung der Mechanismen desselben zu kommen – und zur Diskussion über deren Umgestaltung.
Einen Beitrag dazu gibt es hier auf bb, mit einer ausführlichen 14-teiligen Analyse des heutigen Wirtschaftssystems und einem Vorschlag, nach welchen Kriterien eine zukunftsfähige Wirtschaft zu organisieren sein könnte.
LH


8 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Bedingungsloses Grundeinkommen ist meines Erachtens weltweit das Einzige, wo wir Menschen nicht mehr ausgebeutet werden als Sklaven eines Systems…..
    Zu dem Grundeinkommen gehört auch eine bezahlbare Wohnmöglichkeit, und kein aufgeblasenes und aufgeblähtes Umgehen mit den vorhandenen Wohnraum. Auch da sind Kommunen und Länder in der Verantwortung, so wie die Bewohner in der Verantwortung sind, das Eigentum schonend zu behandeln…..DAS ist nämlich kaum noch der Fall, bei uns……wie es in Russland ist weiss ich nicht.
    Ich habe auf VK zwei russische Kontakte und hatte die Beiden mal gefragt wie sie denn so leben.
    Beide sagten, sie hätten keinen grossartigen Luxus, auch kein Auto, aber sie hätten die Möglichkeit zu arbeiten und bekämen regelmässig diese auch vergütet, sie haben eine Wohnung, wenn auch klein, und sie hoffen dass es dieses Jahr keine Heizprobleme gibt und andere wirtschaftliche Probleme. Das Essen entspricht einem guten Essen, betrachtet mit russischen Augen, auch da etwas mehr an Einfachheit, auch da etwas mehr an Menschen, die den Kaviar und Sekt sich zu Gemüte führen.

    Also kann ich nur etwas aus deren Sicht sagen, ich selbst war noch nie in Russland.

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  3. Vollidiot sagt:

    Bei dem Kerle merkt man die Absicht und ist verstimmt, soller doch rübermachen in den Westen.
    Solange die Arbeit besteuert wird wird es immer bescheuerter.
    Denn die Arbeit wird weniger.
    Warum Arbeit weniger werden lassen und gleichzeitig besteuern?
    Die Menschen erniedrigen uind auspressen.
    Dann kommt der NWO-Freund Roland Berger und ähnliche Vögel und erschaffen die Tafeln.
    Dann kommt der „Anthro“ Werner und bramabarsiert vom „bedingungsloses Grundeinkommen“.
    Als ob das alles menschengemäß wäre.
    Der Mensch braucht kein Tittitäntment, das geht gegen die Menschenwürde.
    Brüderlichkeit im Wirtschaften ist was anderes.
    Das ist gegenseitige Achtung und Wertschätzung, nicht einen Teil der leistungslosen Gigantabschöpfungen über Zins, Zinseszins und Betrug dann an die „Masse“ verteilen, und die in ihrem Wert entindividualisieren.
    Komarows Denke entspricht unserer westlichen, geldgeilen Raffermentalität.
    Faselt was von „Mobilisierung der Wirtschaft“.
    So kriegen wir mal nen Spiegel vorgehalten, einen Spiegel aus dem Osten.

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  4. M.Tuman sagt:

    💥. Grüß. Gott. ❗️. Die Seite läßt sich nicht öffnen

    Liebe. Grüße von Rapunzel. 🎄

    >

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  5. Luckyhans sagt:

    zu M.Tuman um 15:14
    Bitte: welche Seite läßt sich nicht öffnen?

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  6. Skeptiker sagt:

    @Luckyhans

    Ich meine dem Schweizer Hans Christian Tobler haben die sein Kanal gesperrt.

    Ab der 20 Minute, kann man das so raushören.

    Also das Protokoll 21.

    DAS PROTOKOLL XXI
    Meiner letzten Darstellung will ich nun eine ausführliche Erörterung über die inneren Anleihen hinzufügen. Über die auswärtigen Anleihen werde ich nicht mehr sprechen; sie haben unsere Kassen mit dem Gelde der Nichtjuden gefüllt; in unserem Staate aber wird es Ausländer nicht mehr geben.

    Wir haben die Bestechlichkeit der hohen Staatsbeamten und die Nachlässigkeit der Herrscher ausgenützt, um unsere Gelder zwei-, drei- und mehrfach wieder hereinzubekommen, indem wir den Regierungen der Nichtjuden mehr Geld liehen, als sie unbedingt benötigten. Wer könnte uns das gleichmachen? Ich werde mich sohin nur mit den Einzelheiten der inneren Anleihen beschäftigen. Wenn ein Staat eine Anleihe begeben will, so legt er Zeichnungslisten auf. Damit die ausgegebenen Staatspapiere von jedermann übernommen werden können, wird der Nennwert mit 100 bis 1000 festgesetzt.

    Den ersten Zeichner wird ein Nachlass gewährt. Am nächsten Tage kommt es zu einer Preissteigerung; angeblich wegen starker Nachfrage. Nach einigen Tagen verlautbart man, daß die Staatskassen übervoll sind, und daß man nicht mehr weiß, wohin mit dem Gelde. Wozu nimmt man es also an? Die Zeichnung übersteigt nun den aufgelegten Betrag mehrfach; und hierin liegt der besondere Erfolg, denn das Publikum hat damit sein Vertrauen zur Regierung kundgetan.

    Aber wenn die Komödie zu Ende ist, steht man vor einer ungeheuren Schuld. Um die Zinsen zahlen zu können, nimmt der Staat zu einer neuen Anleihe seine Zuflucht, die die bisherige Schuld nicht beseitigt, sondern im Gegenteile vermehrt. Wenn dann das Zutrauen zum Staate endlich erschöpft ist, muß man durch neue Steuern nicht etwa die Anleihe, sondern nur die Zinsen der Anleihe abdecken. Diese Steuern stellen also eine Schuld dar, mit der man eine andere Schuld bezahlt.

    Hier weiter.
    http://www.jubelkron.de/index-Dateien/pzw-Dateien/21.htm

    Gruß Skeptiker

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  7. Texmex sagt:

    Volli hat voellig recht, der bloedsinnigste und kriminellste Ansatz ist die Besteuerung der Arbeitsleistung inklusive der Maerchensteuer! Aber die brauchen die Kriminellen und ihre Marionutten, um die Zinszahlungen an das Kapital abzudruecken, obwohl diese Summen laengst so gross sind, dass sie bei Einsatz zum K9nsum SOFORT Hyperinflation erzeugen wuerden! Was passiert also mit dem Geld? Es wird auf Zinsfriedhoefen gelagert, vor allem off shore! Bloedsinniger geht es nicht! Aber die Huetchenspieler sind SOFORT am Arsxx, wenn sie es nicht so machen. Bloed nur, dass die Menschen es nicht erkennen wollen!

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  8. Luckyhans sagt:

    zu Texmex um 09:17
    Die Arbeit besteuern, und die Maschinen und das Kapital nicht – das begünstigt die Maschinen – und DAS führt zur Ablösung der menschlichen Arbeit durch die Technik, nix anderes.
    Sowohl „Konkurrenz als Motor“ als auch „technischer Fortschritt“ sind nur Parolen.

    Wenn man nun das Beste aus der Situation machen würde und die noch vorhandene Restarbeit auf die Menschen verteilen würde, dann hätten wir längst 100%-Vollbeschäftigung, die 15-Stunden Woche und damit das gesicherte Grundeinkommen – und jeder hätte noch viel Zeit für sich und seine Weiterentwicklung dazu…

    Gefällt 1 Person

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