bumi bahagia / Glückliche Erde

Sandmännchen / Vorurteile

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Hab beim Abwaschen mal wieder vor mich hingekichert. Möchte drei Geschichten erzählen.
Zuerst die, welche ich leicht als unangenehm empfinden kann, doch dran bin, als „so war es“ wegzustecken.

Es ist bekannt, dass der normale Westeuropäer tendenziell ein ehrlicher Mensch ist und wenig zu Betrügerei neigt (ich lasse Steuererklärungen dabei aussen vor).
Es ist weiterhin bekannt, dass man in Indonesien, wenn es um Geldfluss geht, oft, gern böse Ueberraschungen erleben könne.
Bei mir sieht der Saldo diesbezüglich so aus:
Ich hatte in den letzten 8 Jahren unendlich viele schöne, direkt aufbauende Erlebnisse. Unendlich viele! Ich wurde aber auch betrogen / bestohlen / über den Tisch gezogen – je nach Laune lässt es sich so oder so bezeichnen.
Ja, und es ist klar, dass ich, von den genannten 8 Jahren deren 6 in Bali lebend, natürlich von Indonesiern unrechtmässig um Geld erleichtert worden bin.
Die Bilanz sieht so aus:
Ich liess mich ausnehmen von
drei Indonesiern, nämlich einem jungen Mann und von zwei mittelalterlichen Frauen
sowie von drei ältlichen Weissen, alle aus deutschem Sprachraum, nämlich von zwei Herren und einer Dame.
Also wo hockt mehr Kleinkriminalität, bitte?
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Jetzt wird es heiter.
Wein.
Ich bin Weintrinker und meinte, ich könne Weine zwar nicht so genau lokalisieren und bedaten wie Louis de Funes im Film, doch immerhin könne ich einen billigen Aldiwein von irgendwo von einem gepflegeten Franzosen unterscheiden.
An meinem Herrenabend in Berlin machten wir es dann, einen Blindtest. Eine Dame (ja, sie war jung und hübsch) war die Regisseurin. Ich hatte fünf Weine eingekauft, von unten beginnend ein Aldi Wein für 1,32 Euro bis nicht hoch hinauf, aber immerhin bis zu meinem Lieblings – Bio – Wein, der etwa 12 Euro kostete damals.
Wir liessen uns Zeit, die Herrenabende waren herrlich.
ok, es ist schnell erzählt, und ich erwähne nur den Haupthammer, den ich mir verpasste. Du ahnst es. Der von mir als erstes gekostete Wein war leicht süsslich, künstlich, einfach kein Gaumengenuss. Ich sortierte ihn aus und schrieb auf den Zettel darunter: Aldi für 1,32.
Und so fort.
Tja, in der Tat hatte ich meinen Lieblings – Bio – 12 Euro – Wein als Fusel beurteilt.
Ich lachte mich kapott, und weil Herrenabend war, lachten sich gleich alle kapott.

Seither wünsch ich jedem Biertrinker, der sagt, Anker könne man nicht saufen, Felschlösschen sei das Wahre und so und so, einen schönen feinen ehrlichen Blindtest.

Noch.
Wir haben dann, mit offenen Karten, weiterprobiert. Beim Test hatten wir zwischen den Proben ein Stückchen Brot gegessen. Nachher, weil es ja herrlicher Herrenabend war, gab es eine Chäsplatte dazu. Und was war? Ab sofort waren einfach alle fünf Weine gut. Und zwar in den Gaumen aller der anwesenden Herren.

Merke: Wenn an einer Degustation Käse mit angeboten wird, dann ergreife die Flucht 😉
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Und nun schäme ich mich schrecklich, das dritte Spielbei zu erzählen.
Vor pfumpfzehn Jahren, da strafften sich meine Lauscher, schärfte sich mein Blick und regte sich mein Blut noch ziemlich automatisch immer dann, wenn sone bestimmte Sorten des weibelichen Geschlechtes in meinen Dunstkreis traten.
Ich war, wie immer damals, mit dem City Night Line unterwegs, Schwiiz – Berliin, natürlich im Speisewagen, es waren noch goldene Zeiten, man durfte rauchen, und da sah ich sie. Drei Mädels, am kleinen Bartisch.
Ohren straffen, Blick schärfen und Blut regen waren eins.
Mir war sofort klar: Das sind Deutsche, vermutlich Berlinerinnen. Solch taffe, aufgeweckte, persönlichkeitsstarke Mädels sind unmöglich Schweizerinnen, vor allem die Eine da, uffa, die isses!

Merke: Junge Schweizerinnen haben alle langweilig glatte Gesichter und reden sehr langweilig sehr nett.
Ich pirschte mich, natürlich rein zufällig, etwas näher ran, nämlich auf Hörweite.

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Redeten die doch das schönst reine Schwiizertüütsch.
Weil nicht Herrenabend war, prustete ich nicht los. Aber innerlich schon.

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Viel Liebe für dich, lieber Leser.

Sandmännli, 12.07.0004
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5 Kommentare

  1. Vollidiot sagt:

    Thom

    Hatten die drei Mädels kurze und graue Haare?
    Gabs damals schon Faltenbügeleisen?

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  3. heidi sagt:

    danke – anekdoten zum miterleben liebe ich :-))
    guats nächtle dem sandmann!

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  4. Marietta sagt:

    Ach wie ist das knuffisch……hab so gelacht bei den Erzählungen.
    Das mit den Unterscheidungen von gutem und schlechten, billigen und teuren Wein…..sowas kenn ich auch.
    Seitdem kaufe ich ganz bewusst auch Flaschen aus einem unteren bis mittleren Preisbereich….letztendlich ist am nächsten Tag mein Kopf und Allgemeingefühl die stärkste Aussagekraft ob es ein gutes TRöpfli war 🙂

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