bumi bahagia / Glückliche Erde

Werbung ist Betrug – 2

Unser Freund Ludwig der vor sich und uns hinträumende hat uns eine nette Geschichte geliefert, die auf keinen Fall in den Tiefen des WP-Koms verschwinden darf – daher kommt sie sofort hier als leuchtendes Beispiel an, wie man einen trockenen Text, wie ich ihn zum obigen Thema verfaßt habe, ganz anders bringen kann.
Lieben Dank zum zweiten Mal an unseren Ludwig und viel Spaß wünscht Luckyhans,
14. Mai 2016

————-

„Stinklangweilig hier im Himmel“, beschwert sich der neu angekommene Werbetexter. „Immer nur Wolken bügeln, frohlocken und Halleluja singen. Wozu habe ich eine erstklassige Ausbildung auf der Erde genossen? Ich bin schließlich zu besserem berufen.“
„Nun“, meinte Petrus, „du hast freie Wahl. Schau dich in der Hölle um und entscheide dann, wo du bleiben willst. Deine Entscheidung ist dann endgültig. Sag mir aber bitte nochmals Bescheid, wenn du dort bleiben willst.“ – „Versprochen.“

Dort unten angekommen, war er fassungslos von dem Angebot. Frühmorgens kochte ihm eine halbnackte Blondine Kaffee und brachte ihn an sein Bettchen von acht qm Größe. Seine Fantasie schwoll nicht nur im Kopf an. Dachte er noch an die Nächte auf Erden mit … (aus Jugendschutzgründen wird das nicht näher beäugt).
Nach dem Duschen mit Einseifen durch drei knackige Haushälterinnen ging’s erstmal auf den Golfplatz. Es mußte ja sein Handicap verbessert werden. Die Alte von seinem Chef sollte schließlich keinen Looser beim täglichen Quickie vor sich haben.
Die Mittagspause bereitete ihm etwas Streß, da auf drei Stunden beschränkt. Schließlich war noch etwas Arbeit angesagt. Dazu muß man wissen, daß es auch in der Hölle nix für ummi gibt. Aber als erfolgreicher Werbetexter war das für ihn kein Problem und innerhalb zehn Minuten erledigt und innert Minuten mit einer Mio. € honoriert.
Das genialste, was ihm einfallen konnte, war die Botschaft aller Botschaften an den Geistverbraucher. Seine Schule machte es möglich. Ohne das große Latrinum und Philosophie-Wahlkurse wäre er nie auf die Idee gekommen, den genialsten Spruch aller Weisheiten zu texten.

„Ich bin doch nicht blöd, also kauf ich“. Das war der Durchbruch für die Pilgerstätte aller vereinten Religionen, Media genannt, die den Markt und die Welt eroberte. Das läßt man sich gerne etwas kosten.
Die Abende waren eigentlich wie immer. Treffpunkt im Café Ludwig. Manchmal etwas langweilig. Meistens nahm er neben einem Liter Kultgetränk Wodka (aus Solidargründen mit der westlichen Wertegemeinschaft natürlich nur den finnischen, da er den russischen aus verständlichen Gründe verschmähte) halb und halb gemischt mit Ludwig Bräu mit nach Hause.
Aber zwei bis dreimal die Woche war halligalli im Bettchen angesagt. Die acht qm voller Leben. Aus bereits besagten Gründen hier nicht weiter beäugt.
Was für ein tolles Leben hier, dachte er und beschloß, dazubleiben. Das einzige, das ihn in Rage brachte, war, daß sein Lieblings-Ferrari seit zwei Tagen in der Werkstatt stand. Servicewüste auch in der Hölle, dachte er. Damit das besser wird, muß ein neuer Werbespruch her.
Dem Oberteufel, mit dem er bereits per du war, nach der ersten Nacht mit Rudelbumsen, drückte er tiefste Dankbarkeit für das wahre Paradies aus.

„Da bin ich, dort bleibe ich“, teilte er Petrus mit, wie versprochen während seinem kurzen Ausflug in den Himmel. „Na, dann ist ja alles gut“, meinte Petrus gelangweilt.

Wieder vor der Hölle angekommen, war kein vergoldetes Eingangstor mit rotem Teppich weit und breit in Sicht. Nur große Mauern, wie wir sie von den Zuchthäusern kennen. Nach einiger Zeit fand er ein kleines unscheinbares Tor mit einem Namenschild ‚Hölle‘. Klingelte und es öffnete sich.
Eine riesige Pranke zerrte ihn am Hals hinein. Todesangst durchfuhr ihn.
Das, was er dort vorfand, lies ihn fast zu Tode erstarren. Möchte dem Leser den Anblick und die Beschreibung ersparen. Die ist um Klassen fürchterlicher als sie der gläubigste Katholik sich vorstellen kann.

Gequält, zerschunden am ganzen Körper, mit Ketten an Händen und Füßen, sah er den Oberteufel fröhlich pfeifend mit zwei knackigen Blondinen an ihm vorbeischlendern. „He, Oberteufel, liegt da ein Irrtum vor? Ich wollte in der Hölle leben und nicht als Sklave hier verrecken.“ –

„Das ist die Hölle, lieber Erdenfreund – deine selbstgeschaffene Bestimmung. Wo du vor kurzem warst, ist unsere Werbeabteilung.“


9 Kommentare

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. chaukeedaar sagt:

    Witzig, das Thema! Hab mir auch schon Gedanken gemacht dazu, wie das in meiner Welt aussehen müsste. Das Gesetz lautete ungefähr so: Juristische Personen (Firmen), die bewusst Lügen verbreiten, können angeklagt und zu Schadenersatz an der Allgemeinheit verpflichtet werden. Da wäre es mit Werbung ziemlich schnell feddisch. Eigentlich ist es so einfach: Du sollst nicht lügen! Aber leider nicht vollständig, es gehört auch noch dazu: Lass dich nicht belügen 😉

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  3. palina sagt:

    danke an Ludwig für diese Geschichte.
    Dazu fiel mir ein Interview von Ken Jebsen ein mit einem Mensch, der in der Werbebranche tätig ist.
    „Post an KenFM
    Sehr geehrter Herr Jebsen,
    ich arbeite in einer Werbeagentur,
    die zu 90 Prozent Produkte von Monsanto bewirbt sowie in extrem dekadenter Weise Nahrungsmittel auf den Werbeträgern abbildet, die den Konsum unverhältnismäßig verherrlichen.
    Ich bin seit 3 Jahren in der Werbebranche als Texter und Konzeptioner tätig, und ich habe erkannt, dass auch mein Job, mein Wissen und mein Können zum Negativen missbraucht werden können. Dennoch gibt es, selbst in der Werbebranche, Nischen, die ohne die Rüstungsindustrie, Gen-Food oder ähnlich Unmenschliches anzupreisen existieren können. Die gilt es zu finden.
    Ich bekomme hier vielleicht mehr Geld als anderswo, dennoch steige ich aus. Ich habe selbst schon gemerkt, dass ich für Produkte, die von Monsanto stammen, weniger schöne Texte schreibe, als für Produkte, die auch ich kaufen würde.
    Die Entscheidung fiel, als ich eine ältere Dame in der S-Bahn sah, die die „Genusswelt“ von P**** bei sich hatte. Da spürte ich, dass ich nicht mehr dafür verantwortlich sein möchte, dass eine ältere Dame vermutlich darauf vetraut, was ich getextet habe. Und zudem noch ihren Enkeln in gutem Gewissen etwas zu essen gibt, dass nichts mehr mit Nahrung zu tun hat.
    https://kenfm.de/nino-schrepfer/

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  4. Andy sagt:

    Hat dies auf Andreas Große rebloggt.

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  5. chaukeedaar sagt:

    @palina: Danke für den Hinweis, tolles Interview! Möglicherweise stehe ich bald einmal vor einer ähnlichen Entscheidung (wobei, wenn die Konstellation eintritt, dass mein Geschäftspartner wirklich für eine Waffenfirma einen Auftrag annehmen will, meine Entscheidung jetzt schon steht, schmunzel).

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  6. palina sagt:

    @chaukeedaar
    Freut mich, dass es hilfreich war. Ich habe dieses Interview nie vergessen. Es ist schön, wenn sich junge Menschen Gedanken über ihre Arbeit machen. Leider gibt es nicht viele davon.
    Wünsche viel Übersicht und Bewusstsein bei der Entscheidung.

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  7. thomram sagt:

    Ludwig

    Top Spitze Geschichte.

    Lücki

    Danke fürs Pubeliziiren.

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  8. hanskolpak sagt:

    Ich sondere mal meinen Senf ab: von 1969 bis 2000 christlich, von 2002 bis 2009 politisch und seit 2010 gesellschaftlich und wirtschaftlich unterwegs, verkaufe ich seit 2003 Filme und seit 2008 Texte. Durch einen Hauptkunden ist seit 2010 mein Lebensunterhalt durch Texte über Stahlfertiggaragen abgedeckt, auch wenn ich als Mieter nicht in die Verlegenheit komme, mir solche zu bauen. Ja und?

    Ausgangspunkt war in 2000 mein Wunsch, kein fremdbestimmtes, sondern ein selbstbestimmtes authentisches Leben zu führen. Das gelingt mir. Und wer immer über sich nachdenkt und das, was zu tun ist, der mag sich eine Episode aus dem Leben von Thomas Alva Edison zu Gemüte führen, denn es geht im Leben IMMER UM GEFÜHLE. WIR WOLLEN UNS WOHL FÜHLEN, richtig?

    http://www.hanskolpak.com/Thomas-Edison-und-Entschlossenheit

    Werbung ist …. was Du daraus machst! Meine bisherigen Erfahrungen erlauben mir, in meinen Werbetexten präzise zu differenzieren und in einer verlogenen Welt schöpferisch bei Wahrheiten zu bleiben, ohne meine Seele zu verkaufen. Test it!

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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  9. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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