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Hundeli zum Sechsten

Bin wieder mal hundelitraurig.

Hier halten die Leute auch mal Hunde. Es gibt Variationen und Schnittmengen.

Die Variationen:

  • Der Hund bewegt sich 24/24 frei. Gelegentlich wird ihm ein Knochen zugeworfen. Wenn er stört, kriegt er einen Tritt. In meiner Werteskala hier der günstigste Fall. Das fast ganz tolle Hundeleben, denn im Hunderudel wird er auch nicht mit Streicheleinheit verwöhnt, wenn er seinen Vorgesetzten ärgert.
  • Der Hund ist 24/24 an der Kette. Er kriegt Futter. Er heult, wenn er nicht schläft. In meiner Werteskala Folter, denn Hunde benötigen in erster Linie Rudel, sei es Tier, sei es Mensch.
  • Der Hund ist 24/24 an der Kette und ist am verdursten und am verhungern. Steigerung von obigem Punkt.
  • Der Hund ist in einem Käfig, dessen Volumen etwa das Dreifache des Hundes ausmacht. Kommentar erübrigt sich.

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Die Schnittmenge, soweit ich das bisher gesehen habe:

Tiere allgemein und damit auch der Hund im Speziellen sind sone Art Ware. Sie sind einfach da, wenn man einen Spleen hat, dann kauft man einen, man benutzt sie (Hund als Bellmaschine gegen Diebe), sie sind so unwichtig wie leere Colaflasche.

Und man wirft sie weg, und damit bin ich bei meinem heutigen Traurigsein.

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Die eine Nachbarsfamilie, Leute der schlicht einfachsten Art (Gottchen weiss, dass ich das nicht abschätzig meine und dass ich mich täuschen kann), die haben sich vor ein paar Wochen also auch einen Hund zugelegt. Ein schwarzes Hundemännchen, ein Rüdekind also.

Der kam alsobald auch zu mir rüber. Ich weiss, dass ich sone Tiere anziehe, und ich erwehrte mich seiner, ich wollte keine Lämpe (an meine höchstteutschen Brüder: Lämpe, das sind Schwierigkeiten. Bitte lernen, danke. Ein unvergleichlich bestechend geniales Schwiizertüütsch – Wort).

Bald aber war mir klar, dass dieses kleine lustige schwarzbefellte Wesen unbeirrbar an mein hati yang baik (Herz (sinnbildlich) welches gut) glaubte, denn das Hundi wolle ums Verrode (ach liebe deutsche Brüderchen und Schwesterchen, „umsverrode“, das ist so viel schöner als „unbedingt“. „Unbedingt“ ist sowas von kopfig, „umsverrode“ ist ein so schönes Mischmasch) jeden Tag immer und immer wieder meine Nähe, dass ich die Panzerung um mein Herz lockerte und ihn mehr und mehr zuliess.

Was für ein herrlich liebes gutes Hundewesen. Der war lustig witzig, frech wie ein Spatz, unerschrocken und massvoll. Ja massvoll. Wenn ich mal das Türchen schloss, dann winselte er ganz leise eine kleine Weile, wartete vor dem Türchen eine klein längere Weile, und dann, ja dann beschied er sich eines Anderen.

Ein dumm Hundi hätte jeweils eine Stunde rumgewinselt. Nicht so Lumpi.

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Joshua sagte mal, deine Rede möge ja ja oder nein nein sein.

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Ein verd wichtiger Spruch Eines, der die Polarität verd genau kannte und verfl gut mit seinem hohen Selbst verbunden war.

Wenn wir uns denn schon hier in die Polarität hineingehängt haben, dann tun wir särr gut daran, uns entsprechend zu verhalten. „ Versuch’, aufzustehen“. Was für’n Unsinn. „Sie ist ein bisschen Schwanger“. Genau so hirnleer.

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Du wirst meinen vermeintlichen Gedankensprung gleich verstehen, lieber Leser.

Ich war unklar. Ich verhielt mich widersprüchlich:

  • Einerseits gab ich dem Hundi das, was es brauchte: Sayang (Liebe, Zuwendung).
  • Anderseits wies ich ihn auch ab, und dies mit Grund. Lumpi war „Besitz“ der Nachbarn. Ich fürchtete, dass die unfreundlich werden könnten, wenn ich Lumpi „in Besitz nehmen“ würde. Und hierzulande ist es für einen Ausländer sehr sehr sehr unbequem, wenn er sich mit einem Nachbarn ungut stellt.
  • So sprach ich eben das plumpsdumme jain.

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Was ich hätte tun sollen: Ich hätte mit den Nachbarn reden sollen: Lumpi gefällt mir. Er ist ein guter Hund. Ich möchte, dass er bei mir lebt. Seid ihr einverstanden? Ich bezahle.

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Was ich tat: Einmal sagte ich zur Nachbarin, dass Lumpi ein besonders guter Hund sei (was die unmöglich verstehen konnte, denn Hund ist Hund und Hund ist Ware. Oberdoof von mir, sowas zu einem Indonesier zu sagen. Verschwendung von Atemluft), dass es mich aber nerve, dass er in unserm Garten dies das kaputtmache beim Spielen. Ich sagte das in der töricht realitätsfremden Hoffnung, dass sie sich Lumpis mehr annehmen mögen, mit ihm spielen mögen, ihn aber in ihrem Revier einsperren mögen. Was für ein Unsinn, sowas zu denken. Ich kenne doch die Leute mittlerweile. Kurz gedacht, dumme Folge:

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Seit Tagen gibt es Lumpi nicht mehr. Ich frage die Schwester des Nachbarn nach dessen Verbleib. Die lacht schallend: „Buang“. „Buang????“. „ Ya, Komang buang Lumpi.“

„Wegwerfen“. „Wegwerfen????“ „Ja, Komang (Drittgeborener, in diesem Fall der männliche Nachbar, ) wegwerfen Lumpi“.

„Wegwerfen“, das heisst: Ein Tier nehmen und irgendwo aussetzen. Im Wald. In der Stadt. Einfach möglichst weit weg.

Ich weiss, gibt es in Europa auch. Da werden auch Kinder in der Mülltonne gefunden. Hier (meines aktuellen Wissens nicht. Noch nicht?)

Mein Freund Peter sagt gelegentlich (selten): „Sind noch halbe Affen.“ Peter ist Ingenieur, Humanist und Chinese der vierten Generation in Indonesien.

Ich sage: Schau wie ein Mensch mit Tieren umgeht, und ich sage dir, auf welcher Bewusstseinsstufe er steht.

Ich bereue. Ich habe zu wenig genau gedacht. Lumpi hat die Arschkarte. Ich weiss, dass er mir verzeiht. Danke, Lumpi.

Und doch. Ich leide mit deinem Hunger oder und mit deinem Abgewiesenwerden, lieber guter Lumpi.

thom ram, 23.06.2015


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