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5. von 144 – ELTERN, KIND UND KINERSTUBE – Und was ist „erfolgreich“?

Eclehardnyk, Donnerstag 19. Januar NZ 11

0.

Europa ist gerettet; sonst könnte dieser Artikel nicht erscheinen.

1.

Es gibt kein Jahrhundert, das Erfolg so häufig genannt hätte, wie das zwanzigste. Was ist denn „erfolgreich“? Hier steckt im Wort die Folge und daß etwas erfolgt ist. Das hat mit Konsequenz zu tun. Eine mögliche Übersetzung von erfolgreich sein wäre „konsequent sein“. Das ist aber nur ein Teil der in unserer Zeit gängigen Wahrheit für unseren Begriff.

2.

Ein musikalisches Leben zu führen, würde dich, wie versprochen in Szene 4 von 144, Auftritt 7, schon erfolgreich machen. Sehen wir uns das an: Musik ist eine Folge von Tönen. Man nennt das Sequenzen (Folgen). Merkst du was? Da steckt die Lautfolge [zekv€nt] darin, ein Teil des Wörtchens konsequent. Jedes Musikstück hat ein Anfangsmotiv oder ein Thema, eine Variation dazu, das heißt auch eine Durchführung, eine oder mehrere Wiederholungen sowohl des Themas als auch seiner Variationen, zuletzt einen Schlussteil, die Coda. Es hat eine festgelegte Struktur, eins folgt dem anderen, und wird so als Teil eines Ganzen erkannt.

3.

Beim heutigen Begriff von Erfolg beschränkt man sich auf den Schlußteil, das Ergebnis. Beim Fernsehen wäre das die Quote der Einschaltungen:

Als hätte ein Stück nur dann Erfolg gehabt, wenn genügend Zuhörer dabei gewesen, in TV-Sprechweise Einschaltungen erfolgt wären. Und was bedeutet das für dein Kind? Daß es eine Quote bekommt für seine Art zu sein? Möglich. Das hieße ja wohl: Beachtung.

Ein erfolgreiches Kind müsste demnach ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben. Ich behaupte jedoch, ein Kind ist schon von Anfang an erfolgreich, insofern es ein großes Maß an Beachtung allein schon durch seinen Empfängnis-, Trage- und Geburtsaufwand erfährt. Wäre sein Erfolg bleibend gesichert, wenn dieses Maß an Beachtung weiter eingehalten würde?

4.

Da wäre zuvor zu klären, welches Maß genommen werden müsste. Die Schritte, die „Kind“ auf dem Weg in die Welt unternimmt, ereignen sich naturgemäß außerhalb des mütterlichen Leibes, sodaß ihre gleichmäßige, mit der Geburt gleichwertige Beachtung nicht mehr garantiert ist.

5.

Nehmen wir nur mal seine Fähigkeit, in seinem Bettchen die eigene Lage zu bestimmen. In unserem Musikbeispiel wäre das ein neues Thema, wenn sich das Neugeborene zum ersten Mal vom Rücken auf den Bauch rollt. Nur dieses Thema kommt in manchen Familien oder Einrichtungen überhaupt nicht vor, weil das Baby sogleich auf den Bauch gelegt wird. Ein erster Erfolg kann somit nicht beachtet, also nicht gefeiert werden. Keine Quote, Pech für Baby!

6.

Oder das Laufen. Wie spannend wäre es, dieses Thema beim Sich entwickeln zu betrachten. Wie sich das durch Hochziehen an den Stäben des Spielgitters anbahnt; langsam in eine am Geländer unterstützte Seitwärtsbewegung übergeht und scheinbar zufällig in die Entdeckung des freien Stehens mündet; und so eine Folge von neuen und nächsten Experimenten auslöst, bis zuletzt die ersten freien Schritte zustande kommen.

7.

Dies zu beobachten bedeutet mehr Bildung als jedes Fernsehstück, meine ich; denn hier guckst du „Erfolg live“. Das Kind hat etwas erreicht oder errungen, was die Folge seiner Anstrengungen war, weiterzukommen, ein Hindernis zu überwinden, seine Welt zu vergrößern. Kannst du das mit Freude begleiten, dann bist du an seinem Erfolg beteiligt, und dein Glücksgefühl, wenn du es denn empfindest und spüren lassen kannst, verstärkt bei deinem Kind das Bestätigt sein von Erreichtem. Die Erinnerung, etwas zu können, wird gebildet und drückt sich auf seinem Gesichtchen als Glücklichsein und in seinem weiteren Benehmen als Intelligenz bleibend aus.

Aber lassen alle Eltern diesen Erfolg bei ihren Kindern zu? Was ist ein Kind?

© eah 12. Oktober 1998 und 19. Januar 2023


9 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Ich stellle immer wieder fest die meisten Eltern Wissen viel zu wenig über ihre Kindern.
    Und das zweite Problem ist sie Glauben zuviel den Weißkitteln und den Medien Propanda.

    Von Anfang an werden die Angeborenen Fähigkeiten eines Kindes ständig reduziert und angepasst an der Gesellschaftlichen Norm. Und ist man gut dabei gilt man dann erst als Erfolgreich.

    Ich bin da ganz bei dir Ecki, ein Kind ist schon bei der Geburt Erfolgreich, sonst wäre es ja nicht da.

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  2. Karin sagt:

    Die meisten Eltern geben ihr Kind in eine Tagesstätte, und lernen es gar nicht richtig kennen.
    Der soziale Druck, so bald wie möglich wieder arbeiten zu gehen, ist groß.
    Auch, wenn die finanziellen Mittel es gestatten würden, daß Mutter oder Vater zuhause blieben.
    Es ist die uns aufgedrängte Moralvorstellung („Du sollst jeden Tag 8 Stunden lang arbeiten“).
    Und ich finde es erschreckend, wie schnell so eine gravierende Umpolung gelang – als ich jung war, galt es als grausam, ein Kind unter 3 Jahren in fremde Hände zu geben. Danach konnte man langsam einen Besuch im Kindergarten in Erwägung ziehen, aber auch das war unnötig, wenn das Kind genügend Spielkameraden in der Nachbarschaft hatte.

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  3. Thom Ram sagt:

    Karin

    Ja.

    Die weise Mutter meiner geliebten V., die pflegte zu sagen: „Die Kinder werden in den ersten zwei Lebensjahren gestrickt.“
    Man versteht, was damit gemeint ist. Statt „gestrickt“ könnte „geprägt“ eingesetzt werden.

    Während des ersten Lebensjahres gehört das Kind an die Brust oder an die Seite der Mutter, immer mal auch ist es beim Vater oder der guten Nachbarin gut aufgehoben, etwas Abwechslung schadet nicht, kann bereichernd wirken, aber an die Brust gehört es, hauptsächlich an die Brust der Mutter.

    Bin voll bei Dir. Ab frühestens 3, ich sage ab 4 sind gelegentliche Aufenthalte in gut geführten Tagesstätten unschädlich, aber nicht, knurr, tage-, sondern stundenweise.

    Unendlich besser wären Aufenthalte auf dem Bauernhof mit Großfamilie.
    Wo Gips das noch…

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  4. eckehardnyk sagt:

    Mujo, Karin, ich kann euren Beitrag hier nicht laiken, aber danken auf jeden Fall. Solche Erfahrungen und aus diesen gewonnene Urteile sind goldwert und verdienen in einer Neuauflage dieser Urschrift aufbereitet zu werden. Im Moment noch bin ich beschäftigt, die textlich anders entwickelte Printausgabe (Abenteuer Erziehung, 2012, bei tredition) mit Inhaltsverzeichnis und Register zu versehen, damit man überhaupt die Einzelheiten in den Alltag integrieren kann.

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  5. latexdoctor sagt:

    Hat dies auf Märchen von Wurzelimperium S1 SunShinE rebloggt und kommentierte:
    (Werdende) Eltern sollten auch die Kommentare aufmerksam lesen

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  6. eckehardnyk sagt:

    Ram, doctor: Danke für eure Beiträge. Ein neues Werk entsteht dadurch. Feine Zutaten!

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  7. Ja, ja, ja!!!
    Seit Jahren, wenn ich ich im Bus fahre oder auch vor einigen Tagen erst eine Mutter oder einem Vater, die während der Fahrt oder beim Laufen ihren Kindern erklären, was gerade in der Umgebung zu sehen ist oder die unentwegten Fragen liebevoll und geduldig antworten – diese Eltern spreche ich einfach an und sage ihnen, dass ich das so wunderbar empfinde, wie sie mit ihren Kindern umgehen (da, was ist das jetzt für ein Satz – ich bekomme ihn nicht anders hin – hm, hm). Und es ist so schön zu sehen und zu hören, wie sehr sich die Eltern darüber freuen.
    Ich denke halt, dass es gerade in dieser verrückten Zeit auch wichtig ist, den Eltern Zuspruch und Mut auszusprechen!

    Gefällt 3 Personen

  8. palina sagt:

    „Beim heutigen Begriff von Erfolg beschränkt man sich auf den Schlußteil, das Ergebnis. Beim Fernsehen wäre das die Quote der Einschaltungen:“

    Gab es früher nicht beim TV. Darüber hatte Scholl-Latour mal berichtet.
    Das nur nebenbei.

    Kann dir aus Erfahrung berichten, die meisten Eltern bekommen die ersten Schritte und vieles andere nicht mit.
    Das Kind wird mit 6 Monaten in die Kinderkrippe gegeben. Das bekommen die Betreuer da mit. Deshalb dokumentieren sie das auch in extra Büchern für die Eltern.
    Und die können das zuhause nachlesen und sich ein Foto dazu anschauen.

    Daheim merken sie dann auch, dass das Kind laufen kann.

    Ich habe viel Kontakt zu Erziehern und Angestellten von Kinderärzten. Einstimmiger Tenor: Die Eltern sind derart verunsichert, dass sie nicht mal die einfachsten Dinge erkennen und Lösungen dafür zu schaffen in der Lage sind.

    Ergo: Der normale Instinkt ist abhanden gekommen.

    Ideal wäre es, die Mütter würden wieder daheim bleiben.

    Kindererziehung ist immer Selbst-Erziehung.
    Vorbild sein. Und auf seine Gedanken und Taten achten.

    Und sich dessen bewusst sein, dass die Kinder die Eltern ausgesucht haben.

    Und wie Mujo so schön geschrieben hat:
    „Ich stellle immer wieder fest die meisten Eltern wissen viel zu wenig über ihre Kinder.
    Und das zweite Problem ist sie glauben zuviel den Weißkitteln und den Medien Propanda.“

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  9. Ja, liebe Palina,
    wenn die Eltern selbst das „fühlen“ nicht fühlen erlebt haben – woher und wie …..
    Ebenso Mitgefühl und Empathie – …..

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