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Erlernte Hilflosigkeit

Ja, es geht um die Ukraine, aber auch um mehr. Erneut der Blick zurück, was vor 3 Jahren war und wie das sich bis heute weiterentwickelt haben könnte… auch bei uns… – LH, 12.2.2022
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Bei der Suche nach Auswegen für die Ukraine stößt der Fachmann auf ein psychologi­sches Phänomen, das uns Deutschen sehr bekannt vorkommt. Dieses soll in einer etwas verkürzten Übersetzung nachfolgend dargestellt werden. Inwieweit da Parallelen zu ziehen sind, kann hinterher betrachtet werden.
Zunächst also wie gewohnt © für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans – Hervorhebungen und Anmerkungen von mir. 22.11.2018
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Von einem neuen Aufstand in Kiew, oder:
Die fatale Hilflosigkeit der Ukrainer

21.11.2018 – 4:30 – Dsygowbrodskij Dimitrij

Je mehr du die heutige Ukraine betrachtest, desto mehr sind die Spuren der Tätigkeit erfahrener Psychologen und der Fachleute für Gruppendynamik festzustellen. Rätselhaft ist, daß bis zum Jahre 2014 diese Experten dort in keiner Weise bemerkbar waren – wären sie dort gewesen und genauso effizient tätig, dann hätte es keinerlei Aufregungen gegen das Regime von Janukowitsch gegeben…

Erinnert euch, was die Teilnehmer und Anhänger des Euromajdans 2014 und sogar noch 2015 gesagt haben: „Wenn uns die Machthaber nicht gefallen, werden wir einen dritten Majdan machen.“

Diese Erklärungen sind vergessen, genauso wie auch jene: „Die Ukraine wird EU-Mitglied werden“ und „Die Ukraine – das ist Europa“. Die ukrainischen Patrioten schweigen verschämt und nachdenklich, und wenn man sie an ihre Losungen in den Versionen von 2014/15 erinnert, dann beginnen sie, beleidigt zu schimpfen.

Genauso kann man sich daran erinnern, womit der Anti-Majdan- und antifaschistische Protest in der Ukraine endete. Mit nichts.

Ungeachtet der ideologischen, sittlichen und kulturellen Unterschiede waren diese Prozesse in ihrem inneren Wesen auf der Eben der Gruppendynamik ähnlich. Und sie wurden gleichartig unterdrückt. Nein, es wird keinen dritten Majdan geben. Und: nein, es wird auch keinen antifaschistischen Aufstand geben. Mit einer Ausnahme sowohl für den ersten wie für den zweiten: wenn dies nicht von äußeren Kräften benötigt wird.
Von äußeren einflußreichen Kräften mit großen Finanzressourcen und erfahrenen Fachleuten für gesellschaftliche Prozesse.

Beginnend 2014 etwa ab Sommer haben auf dem Territorium der Ukraine Fachleute ihre Arbeit aufgenommen, die es vorher in der Ukraine nicht gegeben hatte.
Das war der Beginn eines sorgfältigen, systematischen und, wie sich zeigt, effektiven Terrors. Der (von VSNA-Geheimdienstoffizieren gelenkte) ukrainische Geheimdienst SBU führte Zugriffe gegen Aufmüpfige durch, die Gegner des Euromajdans und der Regie­rung verließen in Massen das Land in Richtung LVR/DVR oder Rußland, Hunderte und sogar Tausende wurden ins Gefängnis geworfen, die Aktivisten des Antimajdans der unteren Ebenen wurden verprügelt und ermordet. Dies alles verfolgte ein einfaches Ziel. Es sollte der Effekt der erlernten Hilflosigkeit hervorgerufen werden, und es sollten aus dem ukrainischen Sozium diejenigen herausgeführt werden, die sich gegen diesen Effekt auflehnen und damit anderen ein Widerstands-Beispiel geben könnten.

Warum wurde Oless Alexejewitsch Busina am 16. April 2015 ermordet?

Warum wurde Oleg Iwanowitsch Kalaschnikow am 15. April 2015 umgebracht?

Daß sie Gegner der neuen, majdanischen, oligarchisch-faschistischen Macht in der Ukraine waren, war von Anfang an bekannt. Warum also wurden sie nicht 2014 getötet?

Das ist alles ganz einfach. Man hat sie hingewiesen, sie direkt bedroht, ihnen geraten, daß sie die Ukraine verlassen sollten. Für die ausländischen Fachleute und den SBU war das der beste Ausweg.

Denn dann hätte man nicht die negativen Informations-Spuren nach dem Auftrags- Mord aus politischen Motiven beseitigen müssen. Aber Oless Alexejewitsch und Oleg Iwanowitsch erwiesen sich als zu störrisch und wollten nicht nach dem ihnen angebotenen Szenario handeln.

Und gleichzeitig haben sie mit ihrem Beispiel gezeigt, daß man kämpfen kann, daß man Mensch bleiben kann, daß man offen über den verbrecherischen Charakter der Mächti­gen in der Ukraine reden kann.
Das hat teilweise den Prozeß der Formung der erlernten Hilflosigkeit bei der Bevölkerung der Ukraine gestört. Und deshalb hat man sie umgebracht.

Mich hat in den Jahren 2014/15 die sonderbar unsystematischen Handlungen des SBU gewundert: die einen wurden ermordet, andere eingeknastet, und dritte konnten relativ unbehelligt das Territorium der Ukraine verlassen, als ob der SBU plötzlich aufgehört hätte, ein Geheimdienst zu sein und zu einem Freizeitclub geworden wäre, der unfähig ist, die Umsiedelung ins Ausland zu verhindern und einfachste Aufklärungsoperationen durchzuführen. Tatsächlich gab es, wie sich jetzt zeigt, durchaus eine Systematik. Der SBU hat alles dafür getan, daß aus der Gesellschaft der Ukraine alle diejenigen herausgesiebt wurden, die in der Lage waren, Widerstand zu leisten und sich nicht den aufgezwungenen Szenarien des passiven Einverständnisses und der Hilflosigkeit unterwerfen wollten.

Was ist nun diese erlernte oder angenommene Hilflosigkeit, oder wie sie im Westen genannt wird: „learned helplessness“?
Dieses Phänomen wurde vom amerikanischen Psychologen Martin Seligman im Jahre 1967 entdeckt.

Im Zustand der erlernten Hilflosigkeit unternimmt der Mensch oder das Tier keinerlei Versuche zur Verbesserung seines Zustandes, obwohl dazu die Möglichkeit besteht.
Das Individuum versucht ganz prinzipiell nicht, negative Stimuli zu umgehen oder positive zu erhalten.

Gewöhnlich entsteht die erlernte Hilflosigkeit nach mehreren erfolglosen Versuchen, auf die negativen Umstände einzuwirken oder ihnen auszuweichen – und ist charakterisiert durch eine klar ausgebildete Passivität, eine Ablehnung von Handlungen und den Fehlen eines Wunsches, das feindliche Milieu zu verlassen und ihm auszuweichen, sogar wenn dazu die Möglichkeit besteht. Bei Menschen ist solch ein Zustand gemäß den vielzähligen Forschungen amerikanischer Gelehrter begleitet vom Verlust des Gefühls für Freiheit und Kontrolle, dem Unglauben an die Möglichkeit von Veränderungen, von Heruntergedrücktheit, von Depressionen und sogar von einer Beschleunigung des Eintritts des Todes.

(im weiteren werden die Hundeversuche des Martin Seligman ab 1964 und seines Kol­legen Steven Maier beschrieben – Interessenten daran bitte selbst die psychologische Literatur studieren – wir überspringen das jetzt aus Zeitgründen – vielen Dank für das Verständnis)

Seligman und Maier kamen zu dem Schluß, daß ein Lebewesen hilflos wird, wenn es sich daran gewöhnt hat, daß von seinen aktiven Handlungen nichts abhängt, daß die Unannehmlichkeiten sowieso eintreten und daß man darauf keinerlei Einfluß nehmen kann.

Martin Seligman erhielt im Jahre 1976 für seine Theorie der erlernten Hilflosigkeit den Preis der Amerikanischen Psychologischen Gesellschaft.
Und seine Technologie haben die amerikanischen Fachleute für psychologische Operationen 2014 in der Ukraine angewandt.

Der SBU und die transatlantischen Fachleute haben in den Jahren 2014/15 die gesamte Bevölkerung der Ukraine daran gewöhnt, daß es zwecklos ist, Widerstand zu leisten, seine Erregung auszudrücken und irgendwie auf das Leben des Staates und sein eigenes Einfluß nehmen zu wollen.

Dazu haben sie allen, die ihr eigenes Leben selbst gestalten und hartnäckig versucht haben, ihre umgebende Realität zu kontrollieren, die Möglichkeit, aus der Ukraine auszureisen. Die restlichen, die das nicht geschafft haben oder die nicht hören wollten, wurden ermordet oder eingeknastet. Im Ergebnis ist in der Gesellschaft der Ukraine praktisch niemand mehr übrig, der fähig wäre, die Verantwortung für sein Leben und für die Tätigkeit des Staates zu übernehmen. Übriggeblieben sind nur jene, die … (wie die Hunde in den Versuchen) „sich hinlegen und jaulen“ und die alle Stromschläge steigender Intensität erdulden.

Sowohl die Tätigkeit der Massenverblödungsmedien, als auch der Terror des SBU und der Nationalisten, wie auch die ständige Erhöhung der Preis-Tarife für kommunale Dienstlei­stungen und damit die stete Verschlechterung des Lebens – alles das ist darauf gerich­tet, die Gesellschaft der Ukraine an die erlernte Hilflosigkeit zu gewöhnen und diese Fertigkeit zu festigen.

Martin Seligman hat auf drei Quellen der Formung der Hilflosigkeit verwiesen:

1) die Erfahrung des Erlebens unangenehmer Ereignisse, d.h. das Fehlen der Möglich­keit, die Ereignisse des eigenen Lebens zu kontrollieren; wobei die in der einen Situation erlernte Erfahrung begonnen wird, auf andere Situationen übertragen zu werden, selbst wenn dort die Möglichkeit der Kontrolle real vorhanden ist.

Der Euromajdan war ein riesiger Stressor für viele Menschen geworden, der ihnen gezeigt hat, daß sie hilflos sind, daß sie auf nichts in ihrem Staat Einfluß haben, daß sie nicht in der Lage sind, den Staatsstreich zu verhindern, wie dann auch die massenhafte Verbrennung und den Mord an Menschen.

2) die Erfahrung der Beobachtung hilfloser Menschen (zum Beispiel in Fernsehfilm-Szenen mit hilflosen Opfern). Dafür wurden in der Ukraine die brutalen Ereignisse in Odessa am 2. Mai und in Mariupol am 9. Mai ganz offen gezeigt.

Außerdem werden ständig in den Fernsehnachrichten und in den (un-)sozialen Medien Szenen von Gerichtsprozessen gegen „Terroristen“ und „Separatisten“, vom Beschuß des Donbass und von widerrechtlichen Handlungen verschiedener Gruppen der ukrainischen Neonazis verbreitet.

3) das Fehlen von Selbständigkeit in der Kindheit, die Bereitschaft der Eltern, alles anstelle des Kindes zu tun.

Es ist sehr wichtig, wie der Mensch selbst seinen Mißerfolg interpretiert – einfach als Ergebnis einer Mangels an eigenem Bemühen oder als Ergebnis der Umstände, über die er keine Macht oder Kontrolle hat. (das erinnert mich an die vielen VSA-Stummfilme, in denen Dick und Doof, Charlie Chaplin und Buster Keaton auch ständig mit der Tücke des Objekts zu ringen hatten – möglicherweise sind diese Erkenntnisse schon viel älter, und die entsprechende „Erziehung“ läuft unterschwellig schon viel viel länger…) L. Abramsson, M. Seligman und J. Teasdail haben im Jahre 1978 vermutet, daß nicht alle Menschen in den Zustand der erlernten Hilflosigkeit verfallen. Alles hängt davon ab, welches Erklärungsmuster der Mensch für einen Mißerfolg hat – ein optimistisches oder ein pessimistisches.

Wenn wir von der Theorie zur Praxis zurückkommen, so können wir sehen, daß die ukrainische Gesellschaft sich bereits im Zustand der erlernten Hilflosigkeit befindet.
Diese Verhaltens-Szenario hat sich in den letzten vier Jahren fest eingewurzelt.
Und es erfaßt immer breitere Schichten der Bevölkerung.
Und deshalb gehen jene fehl, die erwarten und prognostizieren, daß die Einwohner der Ukraine fähig sind, massenhaft und effektiv dem Nazismus und dem Terror zu widerstehen.

Die Ukrainer sind dazu nicht mehr fähig. Die erlernte Hilflosigkeit läßt ihnen keine Chance. Das sicherste Gefängnis ist jenes, das der Mensch sich für sich selbst in seinem Bewußtsein gebaut hat.

( Quelle )
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Nachbemerkung des Übersetzers

Ja, wie sich doch viele Bilder gleichen…
Da hat man den Deutschen in den ersten 50 Jahren über alle Generationen, Grenzen und „Mauern“ hinweg überall den Schuldkomplex für jene „grausamen“ 12 Jahre massiv eingeimpft, und dann in den letzten 20 Jahren dazu die erlernte Hilflosigkeit ergänzt.
Und nun noch durch kulturell völlig fremde Menschen verwässert…
Nur so ist wohl zu erklären, daß man die hiesige Bevölkerung immer stärker ausbeuten, in Unfreiheit halten, unterdrücken, mit 60% jungen Verbrechern überfluten und drang­salieren kann, ohne daß sich auch nur ein Hauch von echtem Widerstand regt…

Es sei jedem selbst überlassen, sein eigenes Leben auf die oben dargestellten Phänome­ne und Erscheinungen zu untersuchen und daraus seine Schlußfolgerungen zu ziehen, was den eigenen Stand des Erlernens jener Handlungsweisen angeht.
Und natürlich zu überlegen, wie mensch wieder zu einem weitgehend selbstbe­stimmten Handeln finden könnte…


4 Kommentare

  1. Vollidiot sagt:

    Ähnlich der Versuch mit Menschen.
    Man gab ihnen unangenehme Geräusche, statt Schmerz, ansonsten analog.
    Ergebnis: ebenso wie bei Hunden.
    Das ist ein wirkungsvolles Instrument.
    Wer wachen Blickes kann es beobachten.
    Das Programm läuft permanent.

    Gefällt 1 Person

  2. Luckyhans sagt:

    @ Volli 14/02/2022 um 07:14

    … der Kronenwahn war die nächste Stufe. Die Kriegshysterie ist die weitere.
    Irgendwann hat man zumindest die jüngeren soweit, daß sie sich in alles reinfinden und nichts mehr in Frage stellen…
    Und die Alten sterben irgendwann weg oder werden zwangsbeglückt, bei der nächsten Gelegenheit…

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  3. Thom Ram sagt:

    Ein ausgezeichneter, hoch interessanter Artikel. Danke, Lücki, für die Übersetzung!

    War heute beim Töffhändler, und da war ein Ukrainer von Kiew. Auch sein Englisch ist poor, doch soviel kriegte ich mit: Er sagte, man könne die Menschen der Westukraine eigentlich nicht als Volk bezeichen, es habe viele von Nachbarstaaten Eingewanderte.

    So dies zutrifft, potenziert es die oben beschriebene eingeimpfte Hilflosigkeit. Nehme ich zum Vergleich die Franzosen, die haben, so meine ich, verd Stolz, Franzose zu sein, und das läßt sie im Verbunde gegen Unrecht aufstehen.

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  4. Vollidiot sagt:

    Der Seligmansche Versuch, kurz.
    2 Gruppen von Hunden, eine bleibt unbehandelt.
    Die andere bekommt in einem Geschirr, aus dem sie net außakimma, leichte Stromschläge.
    Unerwartbar, weil völlig regellos, über einen längeren Zeitraum.
    Danach kommen die zwoa Gruppen in einen Käfig mit 2 Abteilige, wobei die zwoa Abteilige durch ein Wand geteilt ischt, die die Hünd überspringe könnet.
    Als entscheidende Ma8gabe chömmet hinzu, daß mer den Boden der einen Abteilig so ausgebildet hat, daß dort Stromstößchen appliziert werde könnet.
    Was bassierd jetzt, wemmer die 2 Gruppen do etzt einisetzt, also einzeln jetzt, und dann denne Dierscher Stromstößscher gebbe dut?
    Die unbehandelten Hündli jucket recht rasch über die Trennwand in die annere Abteilig.
    Die mit Stromstößchen behandelten Hunde legen sich allermeist auf den Boden und winseln und lassen die Stromstöße über sich ergehen.
    Sie sind konditioniert auf unabwendbare Ereignisse.
    Grundlagenforschung halt.
    Prost!
    Hätts chlöpft?

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