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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE 72. von 144 Dasein pur

Vertragswesen1

Eckehardnyk, 1. Oktober 2020

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Hier kommt es nicht nur auf das Wort (Vertrag) an, sondern auf das, was auf gleicher Höhe zwischen ungleich mächtigen „Vereinbarern“ rechtmäßig zustande kommt. Aber unsere Verben „(sich) vertragen“ zeigen durchaus, dass es nicht um geschriebene Verträge, sondern um übereinstimmendes, aufeinander bezogenes, „verträgliches“ Handeln ankommt. Das reicht bis in die Bettgeschichte, aus der die Kindlein hervorgehen. Sauberes (Sich) Vertragen gehört ebenso dazu wie all die Liebe. [nachgetragen aus dem Kommentarteil zu 73. von 144 vom 16. Oktober]


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In die Verträge mit deinem Kind kannst du gedanklich alles einarbeiten, was dir in deinem Leben wichtig ist. Du erkennst die Tatsache an, daß dein Kind eine Schule besuchen wird. Es müssen nicht dieselben Gründe sein, wie der Staat sie vorgibt. Du darfst der Meinung sein, das Wichtigste lerne es vom Leben; aber du glaubst, der Kontakt zu anderem Nachwuchs und ein geregelter Tagesplan seien wertvoll. Und das ist recht so. Nun denkst du weiter daran, wie dein Kind in die Schule kommt und entscheidest, daß es einen Bus oder so benutzen soll. Natürlich braucht es einen Tornister für seine Schulsachen und ein Frühstück. Wenn es nach Hause kommt, gibt es ein Mittagessen und danach die Gelegenheit, die Schulaufgaben zu Hause oder bei Kameraden zu erledigen. Alles das sind Vertragsbestandteile. Du bist der Gebende, so scheint es. Was gibt dein Kind dazu? Seine Bereitschaft, dies alles mitzumachen! Das scheint manchem selbstverständlich, ist es aber nur deshalb, weil in der Anfangszeit die Kinder begeistert in die Schule drängen. Später wird das möglicherweise anders aussehen. Deshalb ist es wichtig, sich die Vertragsbestandteile genau anzusehen. Und zwar gemeinsam, bevor die Geschichte losgeht. Man nennt das auch: Sein Kind auf die Schule vorbereiten.2

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Du brauchst nie das Wort Vertrag zu erwähnen. Denn es hilft auch unausgesprochen, wenn du im Bewußtsein hältst, daß du mit deinem Kind jeweils einen Vertrag darüber hast, daß es in die Schule und wie es in die Schule geht. Das Wie wird sich von Schuljahr zu Schuljahr (und von Schule zu Schule) ändern. Die Tatsache daß ist ein langjähriger Vertrag. Durch Verträge müssen immer beide Seiten einen Gewinn erhoffen können. Der Gang in die Schule verspricht einige Vorteile. Für das Kind: Neue Verbindungen, wichtige Fertigkeiten, bessere Umgangsformen, zunehmend mehr Kenntnisse über die Erde und das Leben darauf. Für dich: Mehr Entlastung bei Residenz, Aufsicht und Pflege, erweiterte Persönlichkeit deines Familienmitglieds, mehr Selbständigkeit, interessantere Unterhaltung. Vergiss nicht, daß auch dein Vorteil gewahrt sein muß. Deshalb ist es wichtig, am Anfang deine Erwartungen genauso wie die deines Kindes zu kennen und nach Möglichkeit auf Tonband oder Papier festzuhalten. Ebenso beim Durchführungsvertrag, dem Wie des Schulbesuchs. Da sind Pflichten auf beiden Seiten, und wenn sie erfüllt werden, geht die Sache reibungslos in Ordnung. dein Kind wird niemals mit einer zu schweren Schultasche starten mit Sachen drin, die es nicht braucht. Warum? Weil ihr miteinander vereinbart hattet, daß der Rucksack für jeden Schulbesuchstag regelmäßig neu sortiert wird. Nutze die Zeit der anfänglichen Schulbegeisterung zu dieser „hygienischen Maßnahme“, dann ist sie bald Gewohnheit, die dein Kind später nicht mehr missen will.

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Es gibt noch ganz andere Verträge; solche, die viel kürzer existieren. Du weißt ja: Verträge haben immer begrenzte Laufzeiten, und die können unter Umständen nur Minuten, sogar nur Sekunden dauern. Hierzu Beispiele (auch in 73. von 144):

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Auf der Terrasse eines Bergrestaurants3 mit Selbstbedienung beobachtete ich eine Familie beim Rast machen. Es dauerte so eine Zeit, bis jedes Mitglied sich etabliert hatte. Schließlich höre ich eine etwa Zehnjährige sagen: „Papi, soll ich dir noch Brot bringen?“ „Au ja“, sagte er, „aber bitte zwei“. Sie kommt kurz darauf wieder mit den beiden Brotschnitten in der Hand. „Super“, sagt er zu ihr und schneidet von seiner Knoblauchwurst drei Rädchen ab, legt sie auf eine der Brotscheiben und gibt diese der Tochter. Die ist freudig überrascht und beißt rein.

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Das war ein Vertrag. In diesem Fall hatte die Tochter ihn gestiftet durch ihre Dienstbereitschaft. Ihre Erwartung war, indem sie den Vater einwilligen läßt, daß sie Brot hole, also einen Auftrag erledige, um dafür Bestätigung zu bekommen, was der Mensch von Zeit zu Zeit braucht. Dem Vater war es recht, weil er nicht mehr aufstehen und sich durch das Gewühl zwängen mußte. Das konnte sie gespürt und „ausgenutzt“ haben. Vertrag ist Vertrag.


1 Vergleiche Meike Büttner ab Minute 35 auf https://youtu.be/rQCvB0XZ8MU in anderem Zusammenhang. Doch Vertrag ist Vertrag, auch vor mehreren Tausend Jahren.

2 Jemals? Es wäre schön, wenn das überall so wäre. Bezieht sich auf die Redensart: Die Schule bereite aufs Leben vor. Tut sie das heute, tat sie das je? Es wäre schön, wenn es überall so (gewesen) wäre.

3 In der Printausgabe, siehe http://www.eahilf.de, gab ich die Lokalität auf Seite 183 preis.

© (eah) 6. Januar 1999 und 1. Oktober 2020


Englische Fassung. Encounter Education 8/40

How do we call this contract seemingly dominating man’s life from the beginning? Maybe it is the constitutional right on the exchange of feelings. Sure, the newborn doesn’t know anything about that. But from the first moment of its new and young life she or he experience the fact whether or not mother keeps her role, her part of the treaty. Todays mothers often fear to have babies. Maybe one reason is they don’t reckon on the existence of a contract between them and their offspring.

Nowadays men are more conscious of events to which former generations are more related by instinct.

The more consciousness comes to exist the more meanings or ideas are necessary in order to form a solid foundation of being in this world. Philosophy of life, or better the German word Weltanschauung, takes place in daily and or everyday acts which were in former days “only natural“. The term contract for example was in the past never mentioned as a basic prerequisite for the relation between mother, father, and child. But the neglection of those new terms basing on the qualification of the changing of knowledge and consciousness leads to more and more boaring discussions about education.

In regard to normal life the word contract is not to be mentioned. The main thing is its existence in the mind(s) of the elder, the more conscious, the more powerful contractor(s). It helps both sides what ever you intend holding in mind the agreement.

In most important cases it is useful to develop two parallel contracts, the one about what is to do, and the other about how it is to do. The character of the “what-contract“ is of many years‘ standing, on the opposite the “how-contract“ might change its ingredients on the spot. For example the child is to go to school – the content of this what-contract doesn’t change as long as child is due to learn at school. But the execution basing on the how-contract bears alternations. From the relief from unnecessary exercise books in the satchel up to the decision which subject is to be studied: there will be a lot of execution subcontracts along a young man’s or girl’s life. There are duties on both sides.

When they are fulfilled from both, parent and child, things are going on, troublefree. Make use of the primary enthusiasm, of the desire for learning even in school to manage some “hygienic measures“ (like daily preparing the rucksack, or the mind), then the desire becomes constitution, habit, and nature of character. Some contracts last only for seconds, others for eras.

© (eah) April 29, 2005 & October 1,2020


7 Kommentare

  1. n00nE30meb0dY sagt:

    Scheint mir eine Variation der „Goldene Regel“ zu sein, was du hier beschreibst, Thom Ram. Sich dienend bedient, sich beherrscht herrschend sein lassen in sozialgesellschaftlichen Kontexten, die sich fortwaehrend ändern, so scheint mir allen und allem gedient…

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  2. Thom Ram sagt:

    nOOn

    Der Autor der obigen Artikelfolge ist Eckehardnick, nicht ich.

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  3. Thom Ram sagt:

    Ich pflichte 100%ig bei.
    Genau so geht kluger und liebevoller Erwachsener mit Kindern um.
    Da sind lang- und kurzfristige Verträge, geschlossen auf Grund von gegenseitiger Achtung, auf Grund bestehender Bedürfnisse, auf Grund berechtigter Anliegen.
    Und laufend müssen die Verträge sorgfältig neu justiert und austariert werden.

    Wenn dieses Verträge-Schließen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dann ist das Zusammenleben mit Kindern federleicht, herzerhebend, inspirierend. Man arbeitet sich in die Hand, es bedarf keiner Anweisungen oder gar Befehle mehr. Hinweise, ja, aber nicht etwa nur auf der Einbahnstraße, nönö, auch die Kinder haben gute, und oft originelle Ideen.

    Gefällt 1 Person

  4. eckehardnyk sagt:

    Richtig erkannt lieber RAM.
    Wir leben zunehmend vertragslos in einem Firmen-Militärgebilde, wo befohlen und gehorcht wird.

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  5. Mujo sagt:

    Und vor den Vetrag kommt das Handeln bzw. aushandeln über die bedingungen. Außer es ist Pflicht, dann ist der spielrahmen gering 😉

    Gefällt 2 Personen

  6. eckehardnyk sagt:

    Das Thema Familie ist inzwischen ausgebucht.

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  7. eckehardnyk sagt:

    Mujos Einwand zu 73. von 144 schien mir so wichtig, dass ich den hier begonnenen Gedankengang über das Vertragswesen neu präamblifiziert habe (siehe 0)

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