bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » AUTOREN » Auf dem Bahnsteig in Neu Istanbul

Auf dem Bahnsteig in Neu Istanbul

.

Ich würde den Artikel so zusammenfassen: Maria Schneider extrapoliert das Verhalten einer jungen Deutschen auf das Verhalten der gesamtdeutschen Bevölkerung. Es bietet sich ein Bild von mit Rechthaberei gepaarter Ahnungslosigkeit, und dieser Mix führt zu wonniger Selbstzerfleischung untereinander.

Der Originaltitel der Arbeit lautet:

„Essay über Deutschlands Reise hin zum real existierenden Sozialismus… was ist mit unserer Jugend passiert.“

Thom Ram, 29.09.7

.

Von Maria Schneider, erschienen in deutschelobbyinfo.

„Nach meiner Erfahrung sind es gerade junge Frauen, denen es an nichts fehlt, die sich als Wachhunde für die Gerechtigkeit in der Welt betätigen. Dabei sind sie sich für keine Unterstellung zur Bestätigung ihres Weltbildes zu schade.

Wieder einmal sitze ich am Bahnsteig in Neu-Istanbul (ehem. Mannheim) und warte auf meinen Zug. Wieder einmal gibt es eine Verspätung (46 Minuten wegen eines maroden Stellwerks). Neben mir auf dem Sitzgestell aus festen Metalldraht, das die deutsche Ingenieurskunst Lügen straft, sitzen eine junge Frau mit langen, braungebrannten Beinen, kurzen Shorts und ein mittelalter Mann. Er fragt nach der Verspätung des Zuges und zwischen uns dreien entspinnt sich ein kurzes, nettes Gespräch. Danach vertieft sich die Frau in ihr Buch und ich in mein Handy.

Irgendwann bemerke ich eine jugoslawische Familie mit drei Töchtern, circa neun, acht und drei Jahre alt. Die beiden Ältesten springen in der Nähe der Bahnsteigkante herum und machen einen Heidenlärm, von der Mutter tiefenentspannt geduldet. Niemand sagt etwas dazu. Alle Wartenden tun so, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt.

Schließlich setzt sich die Mutter mit dem Rücken zu uns auf die Bank. Die Töchter spielen Reise nach Jerusalem. Sie rennen mit lautem Gekreische um unsere Sitzbänke und lassen sich dann – trotz ihres leichten Gewichts – so fest auf die Sitze hinter uns plumpsen, dass wir wegen der Sitzkonstruktion jedes Mal einen Satz nach oben machen.

Ich bin entnervt und will etwas sagen, erinnere mich jedoch daran, wie muskulös der Machovater der Kinder aussah. Zudem weiß ich aus leidvoller Erfahrung, dass jedes Mal, wenn ich solche Mütter bitte, ihre Kinder zu bändigen, Beschimpfungen und Haßtiraden über mich ausgeschüttet werden. Trotzdem – ich wage den Versuch, drehe mich um und werfe einen rügenden Blick auf die Mutter. Keine Reaktion. Genausogut hätte ich die Niagarafälle bitten können, ihr Getöse einzustellen.

Nach etlichen weiteren, unangenehmen Erschütterung unseres Sitzensembles schiebe ich in einer Rennpause meinen Koffer eineinhalb Meter vor mich. So rennen die Kinder wenigstens nicht mehr kreischend an meiner Nase vorbei. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass sie durch den größeren Umkreis schneller ermüden und das Gerenne aufgeben.

„Ich hoffe mal, Sie machen das nicht, damit die Kinder hinfallen.“

Zunächst geht aber das Gerüttel weiter. Ich versuche, mich auf mein Buch zu konzentrieren, als mich die junge Frau unverhofft von der Seite angreift: „Ich hoffe mal, Sie machen das nicht, damit die Kinder hinfallen.“

on Maria Schneider

Nach meiner Erfahrung sind es gerade junge Frauen, denen es an nichts fehlt, die sich als Wachhunde für die Gerechtigkeit in der Welt betätigen. Dabei sind sie sich für keine Unterstellung zur Bestätigung ihres Weltbildes zu schade.

Wieder einmal sitze ich am Bahnsteig in Neu-Istanbul (ehem. Mannheim) und warte auf meinen Zug. Wieder einmal gibt es eine Verspätung (46 Minuten wegen eines maroden Stellwerks). Neben mir auf dem Sitzgestell aus festen Metalldraht, das die deutsche Ingenieurskunst Lügen straft, sitzen eine junge Frau mit langen, braungebrannten Beinen, kurzen Shorts und ein mittelalter Mann. Er fragt nach der Verspätung des Zuges und zwischen uns dreien entspinnt sich ein kurzes, nettes Gespräch. Danach vertieft sich die Frau in ihr Buch und ich in mein Handy.

Irgendwann bemerke ich eine jugoslawische Familie mit drei Töchtern, circa neun, acht und drei Jahre alt. Die beiden Ältesten springen in der Nähe der Bahnsteigkante herum und machen einen Heidenlärm, von der Mutter tiefenentspannt geduldet. Niemand sagt etwas dazu. Alle Wartenden tun so, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt.

Schließlich setzt sich die Mutter mit dem Rücken zu uns auf die Bank. Die Töchter spielen Reise nach Jerusalem. Sie rennen mit lautem Gekreische um unsere Sitzbänke und lassen sich dann – trotz ihres leichten Gewichts – so fest auf die Sitze hinter uns plumpsen, dass wir wegen der Sitzkonstruktion jedes Mal einen Satz nach oben machen.

Ich bin entnervt und will etwas sagen, erinnere mich jedoch daran, wie muskulös der Machovater der Kinder aussah. Zudem weiß ich aus leidvoller Erfahrung, dass jedes Mal, wenn ich solche Mütter bitte, ihre Kinder zu bändigen, Beschimpfungen und Haßtiraden über mich ausgeschüttet werden. Trotzdem – ich wage den Versuch, drehe mich um und werfe einen rügenden Blick auf die Mutter. Keine Reaktion. Genausogut hätte ich die Niagarafälle bitten können, ihr Getöse einzustellen.

Nach etlichen weiteren, unangenehmen Erschütterung unseres Sitzensembles schiebe ich in einer Rennpause meinen Koffer eineinhalb Meter vor mich. So rennen die Kinder wenigstens nicht mehr kreischend an meiner Nase vorbei. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass sie durch den größeren Umkreis schneller ermüden und das Gerenne aufgeben.

„Ich hoffe mal, Sie machen das nicht, damit die Kinder hinfallen.“

Zunächst geht aber das Gerüttel weiter. Ich versuche, mich auf mein Buch zu konzentrieren, als mich die junge Frau unverhofft von der Seite angreift: „Ich hoffe mal, Sie machen das nicht, damit die Kinder hinfallen.““

Weiterlesen in deutschelobbyinfo.

.

.


9 Kommentare

  1. mkarazzipuzz sagt:

    Danke für den Hinweis und den link.
    Ja, so ist es. Selbst an eigener Haut erfahren. Ich habe die umstehenden angesprochen einem angegriffenen Kontrolleur im Bus zu helfen und wurde als Nazi bezeichnet, weil ich das Pack so nannte, wies sich geziemt. Geholfen hat keiner.
    krazzi

    Liken

  2. Das alles ist so Krass ,ist aber nur die Spitze vom Eisberg und ,
    dass in zur Zeit fast jeder Großstadt der Bunzel -Republik.Besucht mal Neu – Köln in Berlin
    da geht es in klein Istanbul im ehemaligen Mannheim noch „Zivilisiert „zu .
    Das ganze Paket der 75 Nationen und „Kulturen “ welche sich hier mittlerweile
    tummeln wird und ,dass in naher Zukunft
    den Rest deutschen alles um die Ohren fliegt!
    Aller spätestens
    wenn der Euro Crasht und ,dass System implodiert.
    Die blanke Anarchie wird die Folge sein.
    Man muss wirklich kein Prophet oder Hellseher sein
    Wenn man das Gesamt Bild hier in der „EU“ realistisch
    und nicht nur vom wirtschaftlichen Aspekt betrachtet.
    Jeder vernünftig geführter Haushalt weiß ,
    dass man nur sowie ausgeben kann,wie die Haushaltskasse
    es zulässt.Was glauben Sie warum die Die europäischen
    Zentralbank schon lange die 0 % Zinspolitik betreiben
    und Berge von faulen Krediten aufkaufen ??? Und Neue gewähren ?
    An Länder die schon Lange Pleite sind und wer
    die Bürgschaften für diese Übernommen hat??So etwas kann
    und wird niemals gut gehen .Die jetzige und die kommende
    Generation der hier Lebenden Meschen werden in einem toxischen
    Hexenkessel aufwachen. …

    Liken

  3. eckehardnyk sagt:

    Umso wichtiger ist es, dem Ganzen mit Abstand und wenn möglich mit gutem Witz (Humus, äh Humor) zu entkommen. Unsere Leute, die Deutschen, haben durchaus noch übrig zu lernen, ehe alle das Niveau Goethe-Schiller-Mozart-Bach erreicht haben. Inzwischen lernen wir länger hier Lebenden auf der Welle zu reiten. Dem Schaum, der immer oben schwimmt, ist nur durch voraus eilende Geschicklichkeit (wozu „Gehorsam“ als Tarnanzug auch gehört) zu entkommen. Unsere Väter (nicht alle) haben es auch geschafft, seit 1618 immer neuer Soldateska zu entgehen. So auch dieser… Man muss sie nur sehen, spüren und ihren Lauf richtig deuten. Dann hilft uns auch der (Luft-, genauer Spirit-) Zug von oben, den festen Boden wieder unter die Füße zu kriegen. Jede Woge endet mal.

    Gefällt 2 Personen

  4. katja sagt:

    Ich finde nicht, dass solche Autor(inn)en der nationalen Bewegung helfen. Man kann aufgrund der anderen Artikel der selben Autorin nicht ausschließen, dass sie auf solche Situationen wartet und diese dann mit bemühten Sahnehäubchen verziert. Ihre Schilderung ist voller Interpretationen und Unterstellungen – an zu vielen Stellen habe ich gedacht: Wie es in den Wald ruft…

    Es ist für viele Eltern nicht leicht, ihre Kinder für die Öffentlichkeit salonfähig zu machen – das erlebe ich oft bei deutschen Eltern, die wieder von ihren Eltern und dann noch von der schier unzählbaren, anonymen Masse (satirische Übertreibung) gerügt und gnadenlos kritisiert werden – und es führt alles zu nichts als zu Gekeife untereinander und der allseitigen Gewissheit, dass jeder selber im Recht ist und alles besser machen würde, wenn die anderen Trottel nicht wären.

    Der strafende (pardon „rügende“) Blick gefällt tatsächlich keinem, der damit gemeint ist, und dann müsste man ihn als Blickempfänger noch richtig interpretieren und ohne zu Zögern darauf reagieren, obwohl aller Vermutung nach kein Dank von der Frau gekommen wäre, die anderen zwar Selbstgerechtigkeit vorwirft, aber nicht erkennt, dass man diese auch an ihr sehen [b]könnte[b] (Frage der Perspektive).

    In der beschriebenen Situation kann man entweder menschliche Worte an die Eltern richten (nur weil der vermeintliche Vater entweder ins Fitness-Studio geht oder evtl. Bauarbeiter ist, heißt das nicht, dass er gewalttätig ist – so ein Szenario habe ich sogar noch nie erlebt oder gesehen) und seine Lage verständlich darlegen oder man wartet ab oder man entfernt sich (letzteres hätte ich vermutlich getan, wenn es gar zu arg geworden wäre, auch dies ist ein ausreichendes Zeichen, aber ohne Erwartungshaltung – strafende Blicke nimmt man vom Imperator oder Chef mit Stimmungsschwankungen ernst auf, weil es ums Überleben geht – aber irgendwann muss auch Feierabend sein mit: Mach es doch einfach allen recht! Dann schimpft auch keiner, hörst nie ein böses Wort – Hast zwar auch nix davon, aber um dich geht es ja nicht!).

    Den Kommentar hätte sich die jüngere Frau (zwischen 25 und 30 – also kein Backfisch, wie man früher zu sagen pflegte) wirklich sparen können, aber die Reaktionen der „gepflegten, eher wohlhabenden Dame“ (Selbstbeschreibung – eine jüngere Frau als besagte Dame selbst ist natürlich auch keine Dame) auf diesen sprechen ebenfalls eine Sprache, die keinen Kommentar nötig hat.

    Ich persönlich hätte mich mit niemandem dort solidarisiert – wenn die Beschreibung halbwegs den Tatsachen entspricht – am ALLERwenigsten mit der Begründung, dass wir Nationalen zusammenhalten müssen.

    Gefällt 2 Personen

  5. Thom Ram sagt:

    Ecky 02:37

    Ich unterschreibe mit Herzblut.

    Liken

  6. Katja sagt:

    [b]könnte[b] – das Wort sollte fett gedruckt sein – hat nicht geklappt.

    Liken

  7. mkarazzipuzz sagt:

    katja
    30/09/2019 um 03:44

    nur nicht so vorsichtig, du musst derartige Familien mal in echt erleben, wenn die ihre Brut beschützen.
    krazzi

    Liken

  8. Thom Ram sagt:

    Katja und Krazzi

    Euren beiden Voten pflichte ich bei. Mehr als nur zwischen den Zeilen zeigt sich mir die Autorin als äh etwas gar kritische (krittelnde) Dame. Und ja…wie man in den Wald ruft, so……
    Anderseits: Ja, wenn zwischen solch Zuzügerfamilie und Einheimischem denn ein Konflikt(chen) entsteht, dann ist solch Zuzügerfamilie kein Mittel zu schlecht, dem Einheimischen zu zeigen wo der Hammer hängt.

    Liken

  9. eckehardnyk sagt:

    Wenn zwei Kerle auf demselben Bahnsteig warten, aus dem Rucksack des einen klingt lautsprechermäßiges „whitschwitschwuuh, whitschwitschwuh, whitschwitschwuh,…“ und du würdest als einer der hier schn länger als 70 Jahre lebt sagen: „Schalt das mal ab!“ (mein Sohn – 40 – würde freundlich schmeichelnd bittend fordern: „Könnten Sie so freundlich sein und diese Lautquelle in Ihrem Rucksack auf Null stellen?!“ und hätte vielleicht Erfolg), was würde passieren? Antworten wie Bist du Rassist? Bist du Nazi? wären zu erwarten und ich nur sagend „Nein, ich will nur meine Ruhe oder dass nicht noch mehr Geräusche hier stattfinden.“ ernte Gelächter im besten Fall und Kopfgeschüttel vom übrigen Volk. – Weil ich das schon voraussehe, und bin wohl nicht der einzige in diesem unserem Land, werde ich gelassen seiend warten bis der Zug kommt und das Getöse ohnehin aufhört. Wie haben sich die Verhältnisse doch geändert. Sie sind eben nicht so, wie die Erfinder der öffentlichen Ordnung sie eingerichtet haben. Also bin ich eben Ra- oder Na- und geh bei Ro-t über den Damm, wenn’s passt.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: