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Persönliche Daten nutzen 5

Weiter geht es im Interview mit Igor Aschmanow beim Moskauer Politcafe.tv, von dem wir bereits drei Folgen gelesen haben – heute hören wir etwas vom Clown DAM, Ratings, Fakes und anderem (ab 1:12:00).
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans Hervorhebungen und Anmerkungen von mir, Anglizismen wurden direkt übernommen. 14./16.1.2019
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Frage: „Dmitrij, Unternehmer; Sie haben das interessante Beispiel mit den Clown gebracht – ist auch D.A.Medwedjew solch ein Clown, und wenn ja: wer lenkt real die Regierung?“

Also erstens ist er natürlich kein Clown, seht mal, also viel weiß ich von Mewedjew nicht. Er ist also absolut nicht zufällig neben Putin, er war von Anfang an bei ihm, erstens.
Zweitens, mir hat man eine sonderbare Geschichte über Medwedjew erzählt, die einen Beigeschmack von Wahrheit hat, ich erzähle erstmal die Geschichte und sage dann, worin der Beigeschmack von Wahrheit besteht.
Im Fernen Osten gab es eine Auseinandersetzung zwischen den Grenzern und verschiedenen unserer Fischerei-Flotillen, die sich nicht über den Fischfang einigen konnten. Daß ist dort eine gewöhnliche Geschichte, dort sind ja auch noch die Japaner, die da herummachen usw.
Und das ist so hochgekocht, daß D.A.M. dorthin kam, um das zu klären.
Denn tatsächlich löst er ziemlich viel
e Probleme. Ich habe mit einem Menschen geredet, der vor kurzem bei ihm war, und der sagte mir: weißt du, das ist ein sehr ernsthafter, tiefgründiger Mensch.

Warum er so aussieht, oder solche Sachen spricht – erstens wird er jetzt von vielen angegriffen, schon recht lange, er wird lächerlich gemacht, und zweitens hat er wohl so eine Rolle.
Tatsächlich haben sich um ihn herum ziemlich viele
Neo-Liberale angesammelt, ja? D.h. er ist für die sowas wie eine Schwere-Zentrum. (Zwischenruf: ist er Liberalen-Führer?)
Ich kenne seine Rolle nicht, ich kann darauf nicht antworten. Er ist doch der Regierungs­chef. Die Regierung ist nicht völlig liberal… nein, er ist ein Mann Putins, daher…
(unverständlicher Zwischenruf) … ist das eher eine Frage an Putin und nicht an die.
Die hatten doch versucht, sich an ihn anzupassen, hatten gedacht, daß er Präsident bleiben wird, und daß es ihnen unter ihm gut gehen wird.
Und er hat sie ausgetrickst, indem er sich mit Putin vereinbart hat über die Rochade, das hatte zu heftigsten Enttäuschungen geführt, alle diese Proteste im Jahre 2012.
Daher kann ich das nicht bewerten.

Er ist der Regierungschef, ein Mann des Präsidenten, der ihm vertraut, aus irgend­einem Grunde. Den ich nicht kenne. Ich denke, daß Medwedjew ein recht ernstes Gewicht hat, im Apparat und anderswo, daher…

Seht mal, es ist das wichtigste passiert, was in diesen 30 Jahren geschehen konnte: wir haben die militärische Parität zurückgewonnen, mit den Amis.
An welcher zwanzigsten Stelle
(in der verlogenen BIP-Rechnung) wir da sein sollen – seht mal, das Licht brennt, es ist warm, wir haben jetzt schon normale Straßen, und die Eisenbahn – erinnert ihr euch?
Ja, der böse Jakunin – ich kenne ihn persönlich – er ist ein „Böser“, er hat eine Datsche, und die Arbeiter sind hingefahren und haben auf seiner Datsche gearbeitet usw. – aber seid ihr in letzter Zeit mal mit unseren Zügen der RZhD
(Russische Eisenbahnen) gefahren? Die sind doch im Vergleich zu dem, was früher war, einfach ideal geworden…

Ich bringe euch ein schönes Beispiel: es gibt ein Rating der Universitäten, da ist die MGU (die Moskauer Staatliche Universität) auf dem Platz 286 – kann das wahr sein?
Wenn sie
(die Westler) einen „Bug“ (vermutlich Abkürzung für „ehemaligen Universitäts-Typen“?) einstellen, dann wissen die nicht, was das Mechmat oder die Physfak ist?
Natürlich wissen die das.
Nach der Anforderung solcher Absolventen ist die MGU unter den ersten Fünf in der Welt, in Wirklichkeit, ja, nicht auf Platz 286.

Ratings sind ein Werkzeug der Angelsachsen, sie benutzen das hervorragend. Wir müssen unsere eigenen Ratings machen.
Das heißt nicht, daß wir besser lügen sollen als sie, sondern ich meine: ich würde nicht sagen, daß wir schlechte Ergebnisse haben. Wir sind aus dem absoluten Hinterteil wieder rausgekommen, und wir fühlen uns mehr oder weniger nicht schlecht.

Da gab es nur einen solchen Buckel an satten Jahren, so um das Jahr 2007 herum, und danach ist wieder ein wenig abwärts gegangen, und alle sind sehr unzufrieden geworden. Aber daß wir uns davor auf einen riesigen Berg hinaufgearbeitet haben aus den 90er Jahren, daran erinnert sich niemand.“

Frage: „Pawel Kalashnikow, es gibt so viele unterschiedliche Formen, youtube, soziale Netze, Texte, Video – wo ist es einfacher, Wahrheit von verlogenen Informationen zu unterscheiden?“

Nirgends. Nein, ich sage das ernsthaft – seht mal, nehmen wir das ein wenig breiter wahr: im Westen hat es eine wahre Hysterie gegeben wegen der Fake-Neuigkeiten, ja? Sie machen dort Gesetze über Fake-News, und Google, Facebook versprechen, riesige Piraten, nein, Moderatoren-Dienste zu schaffen, je 3000 Mann etwa, die das bereinigen werden usw.

Tatsächlich ist das in sich selbst eine Fälschung. Weil gefälschte Nachrichten jetzt das Hauptprodukt sind bei den westlichen Massenmedien. Unserer auch, und der ukrainischen ebenfalls.
Und das hat sich in den Metabolismus eingebaut, wie bad news und Fake-news sich in den Metabolismus des Lesers eingebaut haben, so haben sich diese genauso in den Metabolismus der Massenmedien eingebaut, das
News-Geschäft.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: alle Nachrichten über Nordkorea werden in Südkorea geschrieben. Dabei gibt es in Südkorea nach wie vor ein Gesetz, wie ich gehört habe und das kann man überprüfen, daß für öffentliche positive Nachrichten über Nordkorea man bis zu 7 Jahren Gefängnis bekommen kann.
So ist dort die Demokratie.

Also, alle diese Nachrichten werden in Südkorea geschrieben. Wenn ich mal übertreibe, dann klingt das so: „die Enkel und Onkel von Kim Jong Un wurden von Kampfhunden erschossen, weil sie im Traum eine Bibel gelesen haben, auf der Staatsratssitzung“.
So etwa sind die Nachrichten, die könnt ihr ständig sehen.
Später stellt sich heraus, daß sie aus Flaks erschossen wurden, statt von Kampfhunden, und dann waren sie doch in der Delegation zur Olympiade usw.
Und wenn du den Journalisten fragst: warum publizierst du das, du weißt doch, daß das alles Unsinn ist, dann sagt der: warum soll ich das nicht schreiben,
das bringt doch Traffic, und wenn ich es nicht schreibe, dann publiziert der Nachbar das, und ich habe keinen Traffic.

Mehr noch, ich habe mit Leuten darüber gesprochen, es gibt ja viele Fakes, ich hab gesagt: hört mal, Jungs, das ist ein Fake, der ist schon drei Tage alt und wurde schon längst widerlegt. Warum erörtert ihr das noch?
Sie sagen: Laß uns mal vom Begriff Fake abgehen, das ist so ein harter Begriff. Wir haben uns unterhalten, wir hatten einen Anlaß dafür, jeder hat seine Meinung gesagt; ist doch egal, ob das ein Fake war oder nicht.
Und das schreiben reale Leute ganz im Ernst. Sie interessiert es nicht, ob das ein Fake ist oder nicht.
Und die Journalisten sagen: wir können einfach nicht die Fakes
nicht publizieren.

Zu diesen Sache haben mich einige Leute aus dem Zentrum Moskaus gebeten, einen Bericht zu schreiben, was die Möglichkeit angeht, automatisch Fake-news festzustellen.
Das habe ich gerade vor 3 Tagen aufgeschrieben, auf etwa 15 Seiten.
Dort ist die Situation so: im Westen wird regelmäßig publiziert: „wir haben eine Technologie geschaffen, die mit Hilfe von Neuronennetzen Fakes erkennt“.
Wenn du beginnst, dich näher damit zu befassen, stellst du fest, daß
auch das selbst eine Fälschung ist.

Entweder sie haben einfach nur ein Verzeichnis der Nachrichten mit Adressen genommen und haben ein Neuronennetz darauf trainiert. Im Ergebnis hat es gelernt, die Elemente der Aufmachung dieser Seiten, die sie genommen hatten, zu erkennen.
Und faktisch ist bei ihnen ein Katalog von Netzseiten entstanden, auf denen – aus ihrer Sicht – gelogen wird. Also hat das Neuronennetz einen Netzseiten-Katalog erstellt, denn es hat die Elemente der Aufmachung als Marker genommen.

Oder sie haben ein Verzeichnis der sog. „gelben“ (Klatsch-)Überschriften genommen, die auf Anklicken „optimiert“ sind, also Anlock-Überschriften. Und auch die hat das Neuronennetz gelernt und gelernt, solche „gelben“ Überschriften zu erkennen.
Aber es hat
nicht gelernt, zu erkennen, daß die Überschrift nicht dem Inhalt der Nachricht entspricht.
(was in der „normalen“ Lizenzpresse unseres Landes schon jahrelang weit verbreitete alltägliche Praxis ist, daß die Überschrift etwas ganz anderes und zum Teil sogar das Gegenteil von dem aussagt, was im Text dargelegt wird – dazu bitte einige „ältere“ Folgen der „Tages-Energien“ nachlesen, Inhalte sind auf bb zu finden)

Um so mehr, kann der künstliche Intellekt das nicht lernen, zu überprüfen, ob in der Nachricht Unsinn geschrieben steht. Woher soll er das nehmen?
Er muß doch den Kontext kennen.
So schreibt einer: „in der
‚Simnjaja Wischnja‘ (= ‚Winter-Kirsche‘ – ein großes Einkaufs- und Vergnügungszentrum in Kemerowo, in dem es am 25.3.2018 groß gebrannt hat, mit offziell 64 Opfern, davon 41 Kindern, und einigen sonderbaren Vorgängen, wie verriegel­ten Fluchttüren u.a.) sind 400 Leichen vorhanden, sie werden heimlich auf die städti­schen Friedhöfe geschafft“ usw. – daß dies eine Klatsch-Nachricht ist, ist offensichtlich, und das kann man nach den Schlüsselwörtern feststellen und das Neuronennetz darauf ausrichten.
Aber ob das wahr ist oder nicht – wie soll man das erfahren?
Das geht nicht.
(freilich war das eine dicke Lüge, die von ukrainischen ? Bloggern lanciert worden war – die wahre Opferzahl lag um die 65)

Hier taucht einfach die Frage der sog. digitalen Hygiene auf, wie man sich überhaupt zu benehmen hat im Netz. Dazu kann ich einen Rat geben:
erstens, seht mal, jedes beliebige Ereignis, wenn ihr euch für Ereignisse interessiert, lebt heute 3 – 4 Tage, nicht mehr. Wenn es nicht von irgendwem wieder aufgewärmt wird, also wenn das kein „Einwurf“
(gemeint sind zielgerichtete, speziell erdachte Falsch­meldungen, mit denen einige Tage heftigst emotional die Hirne verkleistert werden, bevor sich herausstellt, daß es es ein Fake war – was aber oft kaum noch jemand wahr­nimmt) ist, der ständig wieder aufgewärmt wird.

(ein Beispiel für solch einen Fake-„Dauerbrenner“ ist die Skripal-Story, von der keiner weiß, was tatsächlich geschehen ist; kein russischer Konsulatsmitarbeiter in England hat – entgegen allen internationalen Vereinbarungen – seit der „Vergiftung“ persönlichen Kontakt mit Skripal oder seiner Tochter bekommen können: wer noch lebt, was da in Wirklichkeit passiert ist usw. – alles nach wie vor fraglich, wie es auch massenhaft offene Fragen zu den Umständen der Vorfälle und deren medialer Darstellung gibt)

Warum ist das so? Weil die Leute es müde sind.
Tatsächlich hat dieser Medienraum-
Andrang das Bewußtsein des Lesers so gequält, daß nach 3 – 4 Tagen das Ereignis einfach uninteressant wird.
Deshalb kann man einfach abwarten.

Zweitens, jedes Ereignis durchläuft in der Zeit seiner Existenz einen oder zwei Umschwünge. Wo plötzlich ein zusätzlicher Umstand aufgeklärt wird, oder wo eine Widerlegung auftaucht. D.h. das Sujet „fährt Slalom“.
Und wenn man sich einfach zur Gewohnheit macht, in den ersten zwei Tagen seine nicht sehr wertvolle Meinung dazu eben
nicht zu sagen und auch nicht allzuviel Aufmerksam­keit dem nächsten „Einwurf“ zu widmen, dann wird man auch keine Unannehmlichkeit verspüren.
Der Mehrzahl der Leute ist das sowieso egal, die haben sich über den Fake ausgeschrien und ihn vergessen. Weil schon der nächste da ist, zu dem man rumschreien kann.

Insgesamt, wenn man einfach 1 – 2 Tage abwartet, dann kommt garantiert was nach – ohja, ein Junge hat ein Shakespeare-Gedicht auf dem Arbat aufgesagt, und er wurde von den Bullen ergriffen – dann stellt sich heraus, daß er kein Gedicht aufgesagt, sondern gebettelt hat – dann taucht seine tatsächliche Mutter auf, er war also nicht mit seiner Mutter dort – und so weiter und so fort: es stellt sich heraus, daß die echte Geschichte eine völlig andere war.
Und genauso geht das ab, tatsächlich, jedes Mal.
Ausgenommen die realen Ereignisse. Aber auch an diese realen Ereignisse hängen sich verschiedene
Parasitenpilze usw. an, und lassen sich von diesen mitnehmen.

Daher ist die einzig richtige Philosophie: sich weniger aufregen, sich weniger benutzen lassen, und sich eine Reihe von sauberen Quellen zu erarbeiten, d.h. jeder muß für sich selbst definieren, was für ihn eine saubere Quelle ist.

Und diese müssen in Rubriken sortiert sein: ich weiß, daß dieser Bursche sich mit Digitalfotografie beschäftigt, davon eine Menge versteht und niemals lügt.
Er kann in politischen Fragen falsch liegen, aber in Digitalfotografie werde ich ihm immer vertrauen.

Und jenem vertraue ich in Fragen der Waffentechnik. Und noch einem anderen in einer anderen Frage. Und dieser Politologe neigt nicht dazu zu lügen, und ich vertraue ihm in seinen Analysen.
Und so weiter, d.h.
jeder muß sich ein Verzeichnis sauberer Quellen zu den ihn interessierenden Themen zusammenstellen, diese überprüfen, na und sich auf diese stützen.“

(Fortsetzung folgt)


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