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Vibrationsfreies Wochenende / Argerich / Beethoven Klav. Konz. I

Für mich eine Trouvaille erster Güte. Ein Beethoven Klavierkonzert, gespielt auf Instrumenten so, wie sie damals waren, gespielt so, wie man damals spielte, nämlich auf  a’=332Hz und ohne Vibrato.

Uaahhh, welche Wohltat für Ohr, Hirn, Seele, Bauch und Herz.

Es ist der Witz! Man suchte die Dramatik der musikalischen Aussagen über 200 Jahre mittels Permanent- und Immer- und Konstantvibrato, gepaart mit immer weiterem Raufschrauben der Stimmung der Instrumente zu steigern. Es gab Orchester, die spielten dann auch schon mal auf a’=444Hz.

Völlig verquere Liebesmüh. Statt dramatischer zu werden trübten die Orchester ihren Klang, beraubten sich der unendlich wohltuenden Reinheit. Statt auf 332Hertz zu spielen, welche im Einklang mit Bewegungen von Planetenkörpern schwingen, nahmen und rasen sie durch scharf riechende Luft, statt mit reiner Athmosphäre zu schwingen.

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Ich hatte die Aufnahme nichtsahnend angeklickt, durchaus mit vorauseilender Langeweile insofern, als ich einfach eine wundergute Interpretation der Martha Argerich hören werde.

Ich bin mit der Gabe des absoluten Gehörs nicht ausgestattet, ich kann nur in Ausnahmefällen sagen: Dies ist das D oder das G, in 99% der Fälle schwimme ich, höre es nicht. Ich kann es nur dann, wenn ich ein Werk Tag und Nacht spiele oder höre, dann weiss ich den Grundton nach einigen Tagen auch im Traum. Ging mir so als Seminarist mit Bachs h-moll-Messe. Wir sangen unsere Chorstimmen täglich, vor- und rückwärts, brauchten kein Klavier mehr, um das grosse H des Basses beim ersten Kyrie zu treffen. Ja, und trotzdem:

Das Konzert begann, ich war vom Donner gerührt und dachte innert Sekunden: „Ich beisse mir einen Finger ab, wenn die nicht in alter Stimmung, vermutlich 332Hz, spielen. Es ist anders, es klingt anders, als was ich gewohnt bin…es tut mir guhuut.

Nun, ob es genau 332 sind, weiss ich nicht, doch liegt die Vermutung nahe. Ich habe mit üblichen Aufnahmen verglichen, zum Beispiel mit LangLang / Jansons. Um einen gänzlichen Halbton tiefer wird hier gespielt!

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So, und nun die Geschichte mit dem Vibrato. Forschungen haben ergeben, dass auch schon zu Bachs Zeiten gelegentlich auf einem Ton Vibrato gemacht wurde. Aber nur in Ausnahmefällen; dann, wenn einem langgezogenen Ton besonderer Ausdruck verliehen werden sollte. Meines Wissens wurde weder zu Beethovens noch zu Brahmsens Zeiten auf allen Tönen rumvibriert, ohne Gewähr für Richtigkeit sage ich aus Erinnerung, dass sich das erst um die vorletzte Jahrhundertwende einzubürgern begonnen hat.

Vibratofrei spielen ist schwieriger.

Warum? Haha, weil gleich auskommt, ob du den Ton haargenau getroffen hast. Spielst du mit Vibrato, dann kannst du sofort ausgleichen, nie ist dein Ton genau definiert. Verrückt, oder nicht, so zu spielen? Und alle Orchester tun es, vivratoisieren rum.

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Also, damit geht Dramatik verloren?

Hä?

Haha.

Höre dir die Wiedergabe „Martha Argerich and Orchestra of the Eighteenth Century“ erst an, bevor du was motzest!

Kraftvoll und dramatisch, dass es kracht und knirscht! Und das getragen von den reinen, vibratofreien Klängen und Harmonien…

Und dann diese Art des Spielens, und dann noch auf 332Hz, im langsamen Satz – Paradies auf Erden.

Superlativ des Superlatives.

Danke, ihr forschenden und mutigen und wunderbar inspirierten Musiker! Danke!

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thom ram, 21.07.05, Beginn des Neuen Zeitalters, da Menschen verlogenes Pathos fallen lassen und frische, freie Dramatik leben.

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Liebe, auch äusserlich schöne Martha Argerich!

Ich bitte um Verzeihung, dass die Technik ein solch schlechtes Moment – Bild von dir hier hineinstellt.

Und lieber Leser, ich kann’s nicht ändern, bitte folge der folgenden Aufforderung, klickere unten rechts auf „YouTube“…:-)

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Für den Optiker etwas Treffenderes:

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15 Kommentare

  1. Schön…..ich habe es grad laut aufgedreht und hoffe nicht dass meine Nachbarn mich dafür vierteilen werden 😉

    Wünsche auch Dir ein schönes, leichtes und inspirierendes Wochenende.
    Ich darf mal wieder drei Nächte der Menschheit dienen, da werden wohl etwas mehr an anderen Vibrationen vorhanden sein…da tut es gut zwischendurch solch schöne Werke sich anhören zu können.
    Sei bedankt dafür ❤

    Grüssli Mariettalucia

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  2. Wirklich eine interessante und gutaussehende Frau, mit einem ganz besonderen Charisma.
    Da ich zuvor noch nichts von ihr gehört habe, bin ich mal suchen gegangen……mei, die sah auch damals verdammig gut aus.

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  3. thom ram sagt:

    mariettchen lutschettchen,

    das darfst du laut sagen. Ich hatte in meinen Zwanzigern das Ravel Klav Konz mit ihr, auf Vynil. Und da war sie natürlich vornedrauf abgelichtet – sagenhaft, Schönheit mit Ausdruckskraft.
    Eine der 1A Pianisten in meiner Lebensspanne.

    Ich kannte einen, der kannte sie. Ich ging auf mein Thema: Wie schnell lerne ich etwas. Gedächtnis. Auffassungsgabe. Der, den ich kannte, der sie kannte, sagte, er sei mal zugegen gewesen, als sie, die Martha, sich in einem friedlich lachenden Wettstreit mit Grössen gleichen und ähnlichen Kalibers gewettstreitet gehabt habe. Ein neues Werk, eine Stunde Zeit, die Noten anzugucken, wer spielt es anschliessend am perfektesten. Sie habe immer gewonnen.

    Was bin ich in mich zusammengesunken for Neit. Weil dies die Eine meiner zwei Schwächen als Mussicker wahr: Gedächtnis.

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  4. Was ich ganz spannend bei ihr fand, ist diese Lockerheit mit der sie sich bewegt hat, man merkt bei ihr, dass mit jeder Faser Musik nicht nur ihr Beruf oder Hobby ist, sondern ein Ausdruck den sich ihre Seele damit gibt….vielleicht ist genau das der Aspekt weshalb sie so gut ist. Sie wirkt wie ohne Anstrengung, ohne der Verbissenheit die manchen, ich würde sogar sagen, vielen Musikern zu eigen ist.
    Auf jeden Fall wunderwunderschön ihr zuzuschauen.

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  5. Vollidiot sagt:

    Dann spuit man heute nicht mehr CDur sondern CisDur und aus HDur wir CDur und noch schlimmer, aus EsDur wird EDur, was bei der Eroica ein Verderbnis ist.
    So werden die Klassikfäns manipuliert – es stimmt alles nicht mehr.
    Der Karakter eines Stückes wird mut- oder böswillig oder aus Dumpfheit verfälscht – Langlang und BR und Jansons.
    Wemmer schon ultimativ Espressivo spielen will, und das ödet an, wenns ständig so geht, dann bitte auf 332 Herzchen und nicht dann noch mal toppen.
    Mich wundert nur, daß die Musikusse mit absolutem Gehör das ertragen – na gut wer wohlerzogen ist – der hält das aus.
    Er muß halt die hochgebogenen Fußnägel immer schön kurz schneiden.
    D.H. – wer zuhause mehrere Instrumente vorhält die entsprechend gestimmt sind, braucht nur noch ausnahmsweise Kreuze oder Bes spuin.
    Sonst einfach immer CDur, bassd scho.

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  6. Vollidiot sagt:

    No ebbes.
    Vor allem bei Sängerinnen wird zum Teil ja heftig tremoliert, so als ob die Stimmbänder mit Bögen bestrichen würden mit zitternder Gurgel.
    Sowas bei der Matthäus-Passion………
    Warum ist in unserer Zeit das Zittern so aktuell?
    Weils ohne Zittern schwarer ist.
    Es gab ja mal Zeiten, da wurde weniger gezittert, stimmlich.
    Und manche Vokalisten setzen das auch sparsam ein – Gott sei Tremolo.

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  7. thom ram sagt:

    Volli 20:41

    Meine Omama, bis zur Heirat Pianistin, Londonerin nebenbei, die hatte es, das solabute Hegör. Wenn sie Musik hörte und die Partitur vor sich hatte, wand sie sich. Ohne Noten vor der Nase konnte sie sich drein finden.

    Heute frage ich mich: Hatte sie die Werke in ihrer Jugend, also um 1900, in tieferer Stimmung gehört? Meines Wissens haben sie damals schon gesponnen mit Hochziehen.

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  8. thom ram sagt:

    Volli 20:50

    Haaa, du sagst es.
    In meiner Aktivzeit als Chorleiter, da suchte für meine Bachs und Mendelssohns Sänger, vor allem Sängerinnen, welche gerade Töne von sich gaben. Ich fand eine, sie war blind, wir machten einige Aufführungen zusammen. Was ich davon heute noch habe, finde ich auch heute noch sehr schön. Wenn wir uns mal sehen werden wieder, nimm Kobbhörer mit. Mendelssohn „Hymne“.

    Bei Bass und Tenor, da gehts ja noch, da sie beim Tremolosisieren den Ton relativ gering umfahren. Aber je höher je schlimmer, Sopranistinnen bringens schon fertig, einen Ganzton rauf und runterzumachen, für mich schon immer wenig erhebend, heute ähnlich unerträglich wie elektronischer Discobass.

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  9. thom ram sagt:

    mariettchen 20:14

    Bei gewissen Werken hättest auch bei mir du sowas wie „Verbissenheit“ ausmachen können. Ganz einfach dann, wenn ich auch im Konzert noch mit der Technik zu kämpfen hatte.
    Wir kennen es von überall: Eiskunstlauf, Bodenturnen, Geräteturnen…die Meister, bei denen sieht alles ganz leicht aus, auch das, was für Normalo nie im Leben zu lernen ist….weil sie es können.

    Spielte ich meinen Caesar Franck a-moll Choral, dann hättest du mich gesehen wie den Lang Lang oder die liebreizende Wang oder die fabelhafte Martha.
    Spielte ich eine der grossen Bach – Fugen, dann, ja dann, äh, wäre wohl eine Runzel mehr auszumachen gewesen deinem beobachtenden Auge.

    Ach, der a-moll Choral, den liiebete ich. Hörte ihn als Seminarist, im Radio, war eletrifiziert und voller Neid, dachte, aaah ohhh, das will ich auch, werde ich das je können? Ich wurde dann es gekonnt habend, LoL.
    Moment, ich suche eine vertretbare Ausgabe, die Meisten Orgelwiedergaben in YT sind entweder langweilig oder sonstwie schreckenerregend fürchterlich.
    …….
    Ja. Meine Suche bestätigt. Was sich da auf YT hochladen lässt, missachtet simple, doch wichtige Spielanweisungen Francks, verzieht Spannungsbögen, missachtet Spannungsbögen, versteht nix die der Musik innewohnende Botschaft, ein Trauerspiel für mich. Gottseidank bin ich auf Marie Claire Alain gestossen. Sie war es, so ich richtig erinnere, welche ich vor 60 Jahren das Werk habe spielen hören.

    Sie kennt die französische Orgel, die französische Orgelmusik, die frazösischen Orgelwerke alles allesamt komplett aus dem ff und in- und auswendig, ist Meistervirtuosin, einzig für mich es chliis bitzeli äh emotional kühl.
    Ihr a moll ist sehr gut. Meiner war besser. Wenn ich weiss, dass ich etwas konnte/kann, dann verberge ich das nicht.

    Ich höre ihre Wiedergabe während des Schreibens. Jaja, die Marie – Claire (die kleine Schwester des so früh (als Kradfahrer von deutscher Kugel getroffen) gestorbenen Jehan Alain, compositeur génial), wie sie leibt und lebt. Klar, sicher, leidenschaftlich ziemlich, ja, doch in elegischen Stellen eben kühl.

    Aber ansonsten tollll. So, wie der Komponist das wollte, haaa. Für Ungeduldige, Leidenschaft Liebende: Meine Leibspeise: Der Schluss: 10:00

    Im nächsten Leben mach ich vielleicht nochmal Organist. Mit besserem Gedächtnis. Mein a moll war einfach noch besser, blöd, wenn der nicht besser unter die Leute kommt.

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  10. Liebs Thömli, ich spiele leider gar kein Instrument, hatte auch nie ein Faible für Notenlehre….mein Gehör sitzt im Bauch und sagt einfach, es fühlt sich gut an oder nicht. Und wenn dann auch noch ein Bildle dazukommt von dem/derjenigen die spielen, dann ist das eine zusätzliche Bestätigung ob’s schee ist. mehr kann ich leider an Fachqualifikation nicht dazutun….auf jeden Fall isses ein schönes Fundstück von Dir

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  11. thom ram sagt:

    Im dritten Satz zeigt die „alte Frau“, wo der Hammer hängt. Ich kann mich nicht entsinnen, in diesem Satz von Beethoven jemals solch Energie hinter dem Klavier gehört zu haben… und das mittels eines Pianofortes, von dem ich vermute, dass es in Bauart 18.Jhdrt gemacht sei, mit weniger Klanggewalt als der Bösendorfer Imperial. Es ist das Auftreten. Beschlagene Stiefelabsätze. Tagg, tagg, nicht schlurfschlurf. Es ist nicht alleine die Muskelkraft. Mann, die Frau hat Menterapent, hahahahaaa. Jajaja, schon gut, ich hör auf mit begeistertem Blödsinn, Menterapur äh Temperatur ist nicht gemeint, Ddembberamendd schon eher.

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  12. thom ram sagt:

    Marietta 23:00

    Komisch, immer wieder bitten Menschen bei mir um Verzeihung, dass sie nicht „kompetenter“ was über Musik sagen können. Machen wir das überall? Beim Arschideckten, beim Judihuiisten, beim Zahnflicker? Wo doch „fachmännische“ anal Ysen lediglich Zugemüse sind, Inhalt ist der Inhalt, und der lässt sich nicht auseinandernehmen, er lässt sich nicht analysieren. Er lässt sich nicht mal transformieren in Malerei oder Gedicht. Er ist nicht erklärbar.

    Dein Bauch, der versteht, ist es, worum es geht.

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  13. haluise sagt:

    mariettalucia
    21/07/2017 um 19:56 dies video klappt
    das von thom leiderlich nisch

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  14. thom ram sagt:

    Und Rach3, von Marietta reingeschmissen, mit Argerich am Pianissimofortissimo, hört sich mir an wie neu, wie noch nie gehört, die Frau ist einfach die Sagenhaftigkeit….genau so wie andere Sagenhaftigkeiten, Einmaligkeiten von absolut 1A Spitzenkönnern, sie spielen, und mir ist, meine Welt entstehe neu, ich werde neu geboren.

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  15. haluise sagt:

    mariettalucia
    21/07/2017 um 20:14

    na dies liest sich es bizzli anderscht::: Marthas inneres LEBEN in emotionaler anhängigkeit
    dat äussere is nich imma identisch mit dem INNEREN

    https://geistblog.org/2017/07/21/pianistin-martha-argerich-finger-weg-von-meinen-haaren/

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