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Die Nudelholz Sage / Teil 2

(Ludwig der Träumer) Wir erinnern uns: Ab dem Jahr 261.776 n. UK verschwanden immer öfter Waren auf dem Bandnudelweg. (Teil 1 hier) Niemand konnte sich vorstellen warum, bis der Planetenälteste einen Verdacht hatte. Gibt es da nicht einen Planeten, der sich der friedlichen intergalaktischen Föderation nicht anschloß, Schwarzhutplanet genannt? Der sich als von Gott auserlesen fühlt, sein eigenes Süppchen zu kochen  und als einziger über Raumschiffe verfügt. Außer ein paar Witze, die man über dieses Völkchen kloppte, war kaum etwas bekannt über diese lustigen Figuren.

Besonders in den Kneipen wurde das Wissen über die Schwarzhüte gepflegt und oft über schale Witze verbreitet, die neben Gelächter auch eine gewisse Angst vor diesem Völkchen innehatten.

„Steht ein Schwarzhut neben einem Nudelholzer im Pissoir, schielt rüber und sagt, aber auch hier ziehst du die kürzere Nudel.“

Das reichte schon um deren Herrschaftsanspruch über die längere Nudel zu bezeugen – zumindest eine unterschwellige Furcht vor einem imaginären Feind zu erzeugen. Nach der dritten Lokalrunde erinnerten sich die Nudelholzer auch an die Gepflogenheiten der Schwarzhüte, stundenlang wackelnd vor einer Wand zu stehen, seltsame Geräusche von sich gebend, dabei ein noch seltsameres Werkzeug (später Buch benannt) in der Hand anstarrend – jedoch ohne sichtbaren Erfolg. Dazu muß man wissen, daß solche Wände allgemein nur zum Entsaften nach reichlichem Ludwig Bräu aufgesucht wurden, selbstverständlich in geschlossenen Räumen. Eine gewisse Scham war bei den Nudelholzern bereits angelegt. Hier wird bereits sichtbar, daß die Nudelholzer einem unbekannten Einfluß unterlegen waren. Bisher kannten sie nämlich keine Scham. Sämtliches Handeln war früher öffentlich – sämtliches.

Anders bei den Schwarzhüten, die regelmäßig eine große öffentlich einsehbare Wand auf einem Berg aufsuchen. Man wunderte sich, daß bei denen der Erfolg offensichtlich ausblieb. Sonst wäre der Boden voller verdauter Ludwig Bräu-Pfützen. Auch das seltsame Werkzeug in den Händen der Schwarzhüte irritierte. Brauchte man doch die Hände, die Nudel zielgerichtet gegen die Wand zu halten, damit nicht die Gamaschen naß wurden. Woher die Nudelholzer diese Information hatten, bleibt ein Rätsel. Niemand von denen hatte jemals aus verständlichen Gründen den Schwarzhutplaneten besuchen können, da sie keine Raumschiffe hatten. Mehr Wissen über die Schwarzhüte als in der Kneipe gepflegt gab es nicht.

Nebenbei bemerkt, es gab einen täglichen Kneipengänger, der zu sonst nichts taugte als wirres Zeug reden, zumindest solches das man damals noch nicht als Realität  verstand. Man nannte ihn Ulknudel der Träumer, dessen heutige Inkarnation seine nicht bewiesenen aber nachvollziehbaren Thesen wieder aufgriff. Ulknudel faselte nach dem dritten Ludwig Bräu etwas von einem Planeten Furzon, den er als Planet der Schwarzhüte beschrieb.
Professor Dr. Phil. Prachtfalter, die Inkarnation Ulknudels  hat ein altes Schriftstück ausgegraben (hier nachlesen) , ins Mittelalter datiert und den Gebrüdern Grob es als irres Märchen zugeordnet.  Da scheint etwas faul zu sein mit der Geschichtsschreibung. Was weiß der Inkarnierte tatsächlich noch über die alte Geschichte? Warum datiert er diese Äonen später ein und verweist sie in das Reich der Märchen? Von wem wurde er gekauft? Durch solche Typen kommen wir der Wahrheit über die Schwarzhüte sicher nicht nöher.

Das reichte jedoch nicht um die mit dem Verschwinden der Waren auf dem Bandnudelweg in Verdacht zu bringen. Der Planetenälteste wußte nicht weiter und bestellte den großen Rat ein.

Ein Raunen ging durch die Versammlung als der Planetenälteste den Anfangsverdacht mit Vorsicht zu betrachten anmahnte, es könnte der Planet der Schwarzhüte hinter dem Verschwinden der Waren auf dem Bandnudelweg zu benachbarten Planeten stecken.

Nieder mit den Schwarzhüten – wir lassen uns von denen nicht beklauen, brüllte ein Zuhörer. Andere stimmten sogleich ein bis der ganze Saal brüllte: Nieder mit den Schwarzhüten.

Der Älteste hatte Mühe, alle wieder zu beruhigen. Solche Worte waren den Planetariern bisher unbekannt. Lebten sie doch in trauter Harmonie miteinander in der es keinen Zwist gab. Wir haben doch gar keine Beweise, daß die dahinterstecken. Vielleicht müssen wir die Ursache auf unseren Planeten suchen. Mir ist aufgefallen, daß zeitgleich mit dem ersten Verschwinden der Waren sich ein paar Unsrige ganz große Häuser bauen konnten, mitten auf unseren o bisher geliebten Marktplätzen. Unüblich in unserer interplanetarischen Gemeinschaft. Noch seltsamer erscheint mir deren Auftreten gestandener Männer  in weißen Frauenkleidern mit einem seltsamen Symbol am Hals. Das kann ich nicht einordnen.

Ich möchte euch Planetarier oder Nudelholzer wie ich euch gerne liebevoll nenne  daher darum bitten, schaut euch in euren eigenen Kreisen um ob da nicht die Ursache des Verschwindens der Waren zu suchen ist. Noch etwas ist mir aufgefallen. Ich habe auch gesehen, daß immer mehr Nudelholzer ihre Aufgabe in der Gemeinschaft vernachlässigen und öfter in die großen Häuser laufen und den Weißröcken Nudelholz schenken, die sie von ihrem eigenen Wohlstand abzwacken. Wir haben hier es mit einer ernsten Gefahr zu tun. Viele Planetarier   tragen ihre eigenen erzeugten Früchte zu diesen Weißröcken. Vergessen dabei das Wichtigste. Ihre eigene Familie zu versorgen. Was ist es, das sie von ihrer intergalaktischen Aufgabe trennt?

Schwarzhüte ohne konkrete Beweise verunglimpfen, könnte eine Ablenkung zu den Absichten der bei uns immer mehr auftauchenden Weißröcke sein, die sich vermehrt bei uns einschleichen? Ich kann euch nur von diesen Weißröcken warnen. Dagegen scheinen mir die Schwarzhüte  nur eine Fata Morgana. Dieses lustige Völkchen, dessen einziges Lebensziel scheint, vor einer großen Wand hin und her zu wackeln, hat doch sicher andere Sorgen als uns zu beklauen. Über Scheißhausparolen und nur der einzig belegte Tatsache, daß sie sich nicht der intergalaktischen Föderation anschlossen, den Schluß ziehen, daß sie uns im großen Stil beklauen, sollte uns Planetariern zuwider sein. Ich kann dem nichts  abgewinnen – so der Planetenälteste. Für heute möchte ich die Versammlung schließen, aber nicht ohne die Aufforderung euch in euren Kreisen umzusehen. Es läuft einiges nicht mehr so wie bisher, wie ich beobachte. Noch sind wir die höchst entwickelte Gemeinschaft in Schöpfers Sinne, den wir durch unser Tun hier wertschätzen. Wozu braucht es also Weißröcke, die von einem großen Gott prahlen – ihn in ihre großen Häuser verstecken, den wir anplärren sollen, damit er uns erlöst? Erlöst von was? Geht in euch und schaut erst mal ob die Diebe nicht unter euch zu suchen sind. Morgen werden wir weitersuchen, wer die Üblen sind.

Die nächste Versammlung fiel aus, weil der Planetenälteste sich vor dem Sockenanziehen versehentlich beim Fußnägel schneiden  die Nagelschere ins Genick rammte, so eine Nachricht aus einem der großen Häuser. Da fast alles Gedachte und Gesagte bisher Wirklichkeit war, konnte auch niemand an dieser Information zweifeln.

Es dauerte einige Wochen bis die nächste Versammlung einberufen wurde. Unter den Intergalaktischen Planetariern mischten sich immer mehr Weißröcke, die wie aus dem Nichts auftauchten und Zwietracht säten. Sie waren so clever, daß sie die Nudelholzer überzeugten, daß es einen noch größeren Gott als den Schöpfer gibt, den nur sie kennen. Ihre Choreographie war so perfekt, daß die Mehrheit der Nudelholzer auf diesen Zug auf sprangen. Die Weißröcke überzeugten, daß es nur ein schönes Leben nach dem Tod gibt. Das allumfassende schöne Leben im Hier und Jetzt, das ohne Anplärren eines Gottes funktionierte war plötzlich out. Die Nudelholzer waren dadurch so irritiert, daß in ihnen ein Schuldkomplex entstand. Dem Schöpfer war bisher genügend Huldigung getan durch ihr Leben im Einklang mit allem was ist. Es bedarf keiner Gebete oder sonstiger Anplärrung um sich für die Schöpfung zu bedanken.

Jetzt kommt ein Weißrock daher und klärt die Nudelholzer endlich auf, daß sie bisher nur dumpfe wilde Heiden waren. Wie konnten sie bisher nur so naiv sein, den großen Gott nicht erkennen, der sie über den Schöpfer hinaus doch so liebt? Das ist doch so manches Opfer wert – vor allem Blutopfer. Wann versteht man das endlich?

Ein Weißrock aus Rom mit seinen Heer aus Braun- und Schwarzröcken (s. deren Geschichte hier)  wurde danach verständlicherweise als Planetenältester gewählt um die Scheiße zu korrigieren. Waren die Schwarzhüte da bereits weiter oder hat der Weißrock sie nur instrumentalisiert um selbst als gottähnlich sich über die Nudelholzer zu stellen? Kleider machen Leute, stellte ein schlauer Kopp fest. Große Häuser auch, meint Ludwig.

Dieser Frage geht Ludwig in Teil 3 weiter, falls er sich nicht versehentlich vorher  in einem Maßkrug mit Ludwig Bräu selbst ertränkt hat.


6 Kommentare

  1. Pieter sagt:

    Herrlich, ich verneige mich lachend

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  2. thom ram sagt:

    Sowas innem seriösen Blog.

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  3. Ich finde die Geschichte gar köstlich liebster Ludewig, erhebe das Glas um Dir zuzuprosten, natürlich mit einem Ludwig Gebräu 😉

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  4. *MR* sagt:

    Paßt doch nudelig !
    Zum Wahr-Haftigen Krumm-Biegen !
    Ändlicht wird klaa, warum Nudeln krumm sind… oder werden !
    Was bitte sagt die Gähn-Forschung datzu ?
    Das „Krumm-dumm-Nudel-Gähn“… oder „Nach-Denk-Un-Lust-Geen“ … ver-erb-bar oder „im-planet-Tier-t“ ?
    DTanke füa aine Ant(i)-Wörter-ung. 😉

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  5. *MR* sagt:

    Der Saum der Weiß-Röcke war bestückt und geschmückt mit Mehl-Würmern.
    Die fraßen ein Wunder-volles Loch-Muster in die untere Kanten hinein.
    Könnte da was dran sein ?

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  6. *MR* sagt:

    Der/die/das Wurm-GeH-Danke schwingt doch heiter immer-immer weiter… 😉

    Doch bald schon wurde den Mehl-Würmern ihr Rock-Saum-Da-Sein zu mehlig und zu staubig.
    Sie sehnten sich nach einem freien Meehr. Der Look durch die Muster-Maschen ließ sie Vor-Über-Gehendes nur kurtz er-haschen, es gelangte nicht bis in ihre Hirn-Er-Innerungs-Taschen. Sie „gungen“ also in sich, fraßen… äh… ver-gaßen ihre Her-Kunft und erschufen sich eine völlig neue Zunft. Die Neu-In-Ker-Nation nannte sich Schüller-Mott-Innen, glänzend und leuchtend breiteten sie – im Traum – schon ihre Flügel aus.
    Aber, die Wai-bärlis waren nicht schnell genug gewesen und er-langten nur das Schiller-Schatten-Wesen.
    Sie ärgerten sich der-artig, daß sie kurz-fristig leuchtend ROT wurden.
    Doch dann haben sie be-Schlossen, das Leuchtend-Da-Sein ihrer Ge-Nossen solle doch aaal-eine weiter-sprossen. Darum ver-banden sie sich mit den großen Schmetterlingen zu ganz anders-artig neuen bunten Dingen…

    So… und wie nu waita ? …

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