bumi bahagia / Glückliche Erde

Drei im Eis

Von den westlichen Medien weitgehend ignoriert oder mit verlogenen Kommentaren bedacht, ist vor einigen Tagen der Besuch des russischen Führungstrios – Präsident Wladimir Putin, Premier Dimitrij Medwedjew und Verteidigungsminister Sergej Schojgu, in der Arktis abgelaufen.
Was wollten die drei russischen Machthaber dort?
Hier der Versuch einer Antwort – und zwar nicht von „Putins Propaganda-Presse“, sondern von der westlich orientierten „Freien Presse“ („Swobodnaja Pressa“ = SP).
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 6. April 2017
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Der geheime Sinn des Putin-Besuchs in der Arktis

Dieser Region kommt im Falle der Gefahr eines strategischen Atomkrieges für uns eine Schlüsselfunktion zu

Аlexej Polutbota – 31. März 2017 – 08:28

Министр обороны РФ Сергей Шойгу и президент России Владимир Путин во время посещения пещеры ледника полярных летчиков на острове Земля Александры архипелага Земля Франца-Иосифа
RF-Verteidigungminister Sergej Schojgu und Rußlands Präsident Waldimir Putin während des Besuches einer Gletscherhöhle der Polarflieger auf der Insel Alexandrow-Land des Archipels Franz-Josef-Land (Foto Alexej Druzhinen/Pressedienst des Präsidenten der RF/Tass)

Rußland und die Nato-Länder haben keine Probleme bei ihrem Zusammenwirken in der Arktis“ – mit einer solch optimistischen Erklärung war der Vize-Premier Rußlands Dimitrij Rogosin beim Internationalen Arktis-Bildungsforum der Jugend „Arktis: Made in Russia“ aufgetreten. Nach Meinung Rogosins ist die Arktis einer der wenigen übriggebliebenen Dialog-Bereiche zwischen Rußland und dem Westen.

Die Sanktionen haben faktisch zwei Gebiete nicht betroffen: das erste davon ist die Arktis. Wir haben mit den arktischen Staaten zusammengearbeitet, und so wirken wir auch weiter zusammen, sowohl mit den VSA als auch mit Kanada, als auch mit anderen Ländern, welche Beziehungen zur Nato haben – wir haben hier keine Probleme, wie wir sie auf anderen internationalen Bereichen hatten“, sagte er. „Das bedeutet nur eines – alle verstehen ausgezeichnet, daß man wo auch immer etwas riskieren kann, nur nicht in der Arktis, weil das die Lungen sind, das ist Wasser, das sind Ressourcen für die gesamte Menschheit und hier ist es einfach verboten, Spielchen zu treiben.“

Die Behauptungen, die Rogosin da gemacht hat, sind recht strittig. Begonnen damit, daß die Sanktionen sehr wohl die Arktis berührten; konkret wurden Rußlands Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit dem Westen im Bereich der Erdölförderung im arktischen Schelf begrenzt. In militärischen Hisicht hatte der Westen mehrmals Rußland der Militarisierung der arktischen Region beschuldigt, worüber die „Freie Presse“ berichtetete.

Also wo liegen die Gründe für solche Gutmütigkeit des russischen Vizepremiers?

Ich denke, daß Rogosin diese Aussage gemacht hat, um etwas „schönzureden“, sagt der führende Experte des Zentrums für militär-politische Forschungen des MGIMO (Moskauer Staatliche Hochschule für Internationale Beziehungen – früher die Kaderschmiede der Sowjetdiplomatie – d.Ü.) Michail Alexandrow. „Das ist der Versuch, den Westen zu beruhigen und die Spannung in den Beziehungen zu verringern. In der Nato sieht man, daß Rußland als Antwort auf die Heranführung des Raketen-“Abwehr“-Systems bis an unsere Grenzen nicht die Hände in den Schoß legt, sondern daß wir militärische Kräfte in der Arktis stationieren.
Wir verstehen, daß wir zu einem strategischen Atomkrieg bereits sein müssen. Die Arktis spielt für uns in dieser Frage eine Schlüsselrolle. Das ist die einzige Richtung, wo die VSA ihre vorgeschobenen Kräfte ihrer Raketen-“Abwehr“ nicht in der Nähe unserer Grenzen stationieren können.
Und das bedeutet, daß sie keine Möglichkeit haben werden, unsere Interkontinentalraketen abzuschießen, wenn diese über den Nordpol in Richtung VSA fliegen.“
(gut, der sonderbare „Experte“ sagt hier „zufällig“ nur die halbe Wahrheit – denn Fakt ist, daß die vereinheitlichten Standard-Abschußrampen Mk-41 in Rumänien und Polen (wie auch auf den Schiffen), aus welchen angeblich die Anti-Raketen-Raketen des Raketen-“Abwehr“-Systems gestartet werden sollen, genauso mit „Tomahawk“-Flügelraketen oder ballistischen Mittelstreckenraketen „Pershing“ bestückt werden können; was übrigens einen eklatanten Bruch des Vertrages über die Kurz- und Mittelstreckenwaffen vom Dezember 1987, der landgestützte Raketenwaffen mit einer Reichweite von 500 km bis 5500 km in Europa ausdrücklich und vollständig verbietet, durch die VSA darstellt – aber wann haben sich westliche Vertreter schon mal an Verträge gehalten, wenn es ihren INTERESSEN widersprach – d.Ü.)

SP: „Warum?“

M.A.: „Die Komponente der Seestreitkräfte im Raketen-“Abwehr“-System der VSA kann dort nicht vollwertig stationiert werden, wegen der Eissituation. Und auch im kurzen Sommerzeitraum, wenn eine Schiffahrt möglich ist, müssen die amerikanischen Schiffe erstmal unsere Verteidigungslinien auf dem Franz-Josef-Land (nicht zufällig hat Wladimir Putin diesen Archipel besucht) und auf Nowaja Semlja überwinden.

Genau in diesem Bereich der Arktis werden unsere Strategischen Raketen-U-Boote stationiert sein, welche im Falle eines Krieges das Territorium der VSA über den Nordpol hinweg treffen werden. Die amerikanische Flotte und die U-Boot-Jagdflugzeuge dürfen keine Möglichkeit haben, dort frei zu handeln und unsere U-Boote zu orten.

Dieser Bereich muß für die Nato geschlossen bleiben. Deshalb stationieren wir in der Arktis zusätzliche militärische Kräfte und bauen Militärbasen.
Es muß auch über den Bau von Flugplätzen für Zwischenlandungen nachgedacht werden, damit dort unsere Fernbomber einen Halt zum Auftanken einlegen können. Auf diese Weise können sie über den Nordpol hinweg bis in jene Bereich vordringen, von wo aus die Flügelraketen gestartet werden. Damit meine ich die Tu-22-Bomber.
Die strategische Luftwaffe erreicht auch so die VSA über die Arktis hinweg. Möglich, daß man auch einige Tu-22 auf arktischen Basen haben muß, damit die Möglichkeit eines schnellen Luftschlages auf das Territorium des Gegners besteht.
All das ist für uns sehr aktuell, besonders im Lichte dessen, daß die VSA ihre Raketen-“Abwehr“-Systeme nicht nur in Europa, sondern auch auf ihren Schiffen (das „Aegis“-System – d.Ü.) stationiert hat. Wenn man das alles sich selbst überläßt, dann können die VSA praktisch Rußland einkreisen und unsere Raketen im frühen Flugstadium abschießen, wenn diese am meisten verwundbar sind.

Der Westen versteht, daß wir das nicht zulassen werden und daß wir alles mögliche tun werden, damit die Raketen-“Abwehr“ nutzlos wird, wenn die Nato sich entschließt, einen Krieg mit uns zu beginnen.
Dehalb werden wir endlos der Militarisierung der Arktis beschuldigt. Und in dieser Hinsicht ist die Aussage von Dimitrij Rogosin durchaus angebracht, weil er damit versucht, unsere „Partner“ zu beruhigen.“

SP: „Und können sich noch andere Staaten an die militärische Erschließung der Arktis anschließen – in Verbindung mit der globalen Erwärmung und dem Verschwinden des größten Teils der Eisdecke? Zum Beispiel China?

M.A.: Ich halte mich an den Standpunkt vieler Wissenschaftler, daß es kein Verschwinden des Eises in der Arktis geben wird. Es gibt dort einfach Zeiträume, da das Eisfeld sich verringert und danach wird es sich wiederherstellen. Ich denke, daß es eine feie Schiffahrt dort niemals geben wird. Deshalb können wir die Theorie der globalen Erwärmung höchstens dafür ausnutzen, unsere Aktivitäten in der Arktis zu begründen, ohne deren tatsächliche Ziele aufdecken zu müssen.“

SP: „Gibt es eine Wahrscheinlichkeit, daß die Nato auf Norwegen und andere Teilnehmer der Spitzbergen-Vereinbarung, worunter ja auch viele Mitglieder des Nord-Atlantik-Paktes sind, Druck ausüben wird, mit dem Ziel, den demilitarisierten Status dieses Archipels zu verändern?“

M.A.: „Wenn darüber ernsthaft gesprochen werden wird, dann müssen wir sofort zu verstehen geben, daß wir mit einer solchen Veränderung des Abkommens uns nicht einverstanden erklären werden und daß wir eine militärische Abfuhr sowohl Norwegen als auch der Nato insgesamt erteilen werden.
In Brüssel und Washington muß man verstehen, daß dies zu einer Situation führen wird, welche an die Karibische Krise erinnert. Das müssen wir klar und deutlich sagen.
Und nicht wieder so tun, als ob wir die Aktivitäten der Nato nicht bemerken würden, wie das die russischen Beamten in den 90er Jahren gern getan haben. Man muß in der Allianz endlich begreifen, daß eine beliebige Handlung eine adäquate Antwort hervorrufen wird.

Ich denke, daß die komplementäre Aussage des Herrn Rogosin im Vorfeld der Sitzung des Rußland-Nato-Rates gemacht wurde“, sagt der Militär-Kommentator der Nachrichtenagentur TASS, Oberst i.R. Viktor Litowkin. „Es ist klar, daß dort schwierige Fragen besprochen werden, zur Stationierung der Streitkräfte der Allianz in Osteuropa und der Konflikt im Donbass.
Vor diesem Hintergrund schaut die Situation in der Arktis relativ friedlich aus. Mit ebenjenem Norwegen, das zur Nato gehört, haben wir bisher keine Probleme. Obwohl wir nicht unbedingt zufrieden damit sind, daß sich auf dem Territorium Norwegens regelmäßig etwa 300 amerikanische Soldaten befinden werden. Wobei Norwegen auch seine Selbstverpflichtung zurückgenommen hat, keine Manöver näher als 100 km von unserer Grenze durchzuführen.

SP: „Das heißt, tatsächlich ist nicht alles so wolkenlos wie der Premierminister behauptet?“

V.L.: „Rogosin hat recht in dem Sinne, daß bisher die Nato keine regulären Einheiten hat, welche unmittelbar in der Arktis stationiert sind. Wobei Norwegen weiterhin genau unsere Schiffe im Bereich der Stationierung der Nordmeerflotte verfolgt.

Andererseits vergrößern wir nicht zufällig unsere militärische Anwesenheit auf den arktischen Archipelen. Unser Ziel ist es, in diese Gebiete keine Schiffe der Nato mit „Tomahawks“ an Bord einzulassen. Denn das Nordpolarmeer ist der einzige Ort, von wo aus die Amerikaner unsere strategischen Raketen-Basen treffen können, welche sich in Sibirien befinden.“

Quelle: https://svpressa.ru/war21/article/169491/

Nun, auch diese letzte Aussage ist nicht unstrittig, denn auch von Alaska und dem Nordpazifik aus sind weite Gebiete Sibiriens mit „Tomahawk“s zu erreichen – aber es macht sich in Rußland durchaus Besorgnis breit, daß die VSA sich theoretische Chancen für einen erfolgreichen sog. Enthauptungsschlag ausrechnen könnten; und selbst wenn diese sich dann in der Praxis überhaupt nicht bewahrheiten würden, so wäre doch dann ein „großer Krieg“ im Gange, der ganz sicher keine Sieger haben würde…

Und eines sollte allen inzwischen klar sein:
Donald T. unterliegt in seinem eigenen Land derart vielen (auch seinem Streben entgegengesetzten) Einflüssen, daß sich seine Handlungsoptionen mit jeder Woche verringern.
Er hat ganz offensichtlich die Kraft des sog. „tiefen Staates“ (gockelt mal „deep state“) der Globalisten unterschätzt – wie auch deren fortgesetzten Einfluß auf das gesamte VSA-Beamtentum, die „Denkpanzer“ (think tanks) und die Berater-Lobby.
Die wirklichen politischen Machtapparate des „Council on Foreign Relations“, der „Trilateral Commission“ und der Israel-Lobby hat er jedenfalls noch nicht auf seine Seite ziehen können.
So muß er lavieren – ähnlich wie Putin auf der anderen Seite -, um zwischen den verschiedenen Kräften, die auf ihn einwirken, hindurchzufinden und wenigstens einige seiner Ziele durchzusetzen. Momentan kommt er noch nicht mal mit dem Kongreß zurande…

Will sagen: „objektiv“ ist ein „Großer Krieg“ nach wie vor weit weg von einer möglichen Realisierung, allerdings ist fraglich, ob noch genügend „gesunder Menschenverstand“ für eine einigermaßen realistische Lageeinschätzung im Pentagon und im Generalstab jederzeit vorhanden sein wird – hier liegt nach meiner Meinung zur Zeit die größte Gefahr für den (relativen) Frieden in weiten Teilen der Welt.

Was der heutige Aggressionsakt der VSA gegen Syrien wohl nur bestätigt haben sollte.

LH


3 Kommentare

  1. interessante neue Sichtweisen, werd ich mal genauer beleuchten….

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  2. haluise sagt:

    KRIEG KOMMT IMMER AUS WAHNSINN-KÖPFEN und genau die sitzen an den roten knöpfen.
    warum nur haben die vsas den roten knopf noch nicht gedrückt ?
    moral kann es nicht sein, denn verluste des ‚eigenen‘ VOLKES macht ihnen keine kopfschmerzen, des feindes erst recht nicht, kann eigentlicjh nur sein, dass sie angst um ihr persönliches schauriges existentielles vegetieren haben, um ihr monetas, goldberge und sicher nicht um ihr image.
    hab ich was vergessen ?

    BIN LUISE

    Gefällt mir

  3. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt und kommentierte:
    KRIEG KOMMT IMMER AUS WAHNSINN-KÖPFEN und genau die sitzen an den roten knöpfen.
    warum nur haben die vsas den roten knopf noch nicht gedrückt ?
    moral kann es nicht sein, denn verluste des ‚eigenen‘ VOLKES macht ihnen keine kopfschmerzen, des feindes erst recht nicht, kann eigentlicjh nur sein, dass sie angst um ihr persönliches schauriges existentielles vegetieren haben, um ihr monetas, goldberge und sicher nicht um ihr image.
    hab ich was vergessen ?

    BIN LUISE

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