bumi bahagia / Glückliche Erde

Wie viele Zeiten gibt es in der Natur?

Ein Beitrag von Magnus Göller. Was ist mit der „linearen Zeit“? Passt zu Gegenwart/Vergangenheit/Zukunft.

Danke, Magnus!

thom ram, 20.11.0004NZ Neues Zeitalter (2016 für ausschliesslich linear Zeitdenkende)

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„Wie viele Zeiten gibt es in der Natur?“

Magnus Göller©

Hervorhebungen durch thom ram.

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Interessant die üblichen Antworten, wenn ich Schülern vor dem Erklären grammatischer Zeiten diese Frage stelle.
Die meisten sagen nach kurzem Nachdenken, es seien drei: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.
Manche, wie es scheint eher Kinder, meinen, es gebe vier: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Es steht also ein lineares Verständnis wider ein zirkuläres.
Letzteres ist, wofern man nicht postuliert, dass alle Vergangenheiten und Zukünfte jederzeit nebeneinander existierten, in Parallelwelten sozusagen, zweifellos vernünftiger.
Die Natur zeigt nämlich eigentlich nur eine Zeit: Das Jetzt, den Nu, die Gegenwart. Die Vergangenheiten sind nur vergangene Gegenwarten, die Zukünfte künftige Gegenwarten, beide also in der Natur nicht feststellbar, nicht „da“.
Diese Antwort nun, dass es in der Natur nur eine Zeit gebe, fällt äußerst selten.

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Und es ist eben auch die Frage zu stellen, inwieweit unsere vergangenen Gegenwarten über unser Gedächtnis und unsere Gefühle nicht doch unsere Natur ausmachen, jederzeit.
Und mögliche Zukünfte? Sind die nicht auch schon da, sobald wir an sie denken?

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Immerhin kennen viele menschliche Sprachen nicht nur mehrere Vergangenheitsformen, sondern gar noch ein Futur II, ein futurisches Perfekt, eine vollendete Zukunft (die, witzigerweise, nicht selten dafür verwendet wird, etwas Vergangenes als vermutlich geschehen auszudrücken: „Dann wird er es inzwischen wohl getan haben.“).
Nun ergibt schon die einfache Vergangenheit, das Präteritum, einen Sinn als vorzeitig zu einer Gegenwart. Ebenso das Perfekt. Und erst recht das Plusquamperfekt (als Vorvergangenheit!) sowie fallweise obendrein das Futur II. So gesehen haben wir gar vier Vergangenheitszeiten im Deutschen. Was für ein Aufwand!

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Nehmen wir nun aber Futur I und II irgendwie ernst, so ist auch die Gegenwartsform eine Vergangenheitsform, da ebenfalls vorzeitig.
Nicht vorzeitig wäre somit nur noch die einfache Zukunft, alle anderen grammatischen Zeiten, fünf von Sechsen, irgendwie vorzeitig, also Vergangenheitszeiten. Oder?

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Allerdings: Für jede einfache Zukunft gibt es ja unendlich noch weiter wegeseiende andere einfache Zukünfte.
So, dass selbst eine beliebige einfache Zukunft eine Vergangenheitszeit darstellte.
Wir denken gewissermaßen in lauter Vergangenheiten, reden wenigstens so?

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Es gäbe hiemit eigentlich nicht einmal die Gegenwart als nicht vergangen. Die wäre schon vom Namen her ein Schwindel.
Wieso meinen wir dann trotzdem, dass wir da seien?
Weil wir eben doch, in Frühling, Sommer, Herbst und Winter, meinetwegen auch in Reinkarnationen, eben nichtlinear, zirkulär wiederkehren? (Siehe Nietzsches Vorstellung der ewigen Wiederkunft des Gleichen)

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Im gewöhnlichen alltäglichen Denken bewährt sich die lineare Denkungsart, die in der Grammatik abgebildet, durchaus gut (hatte Brot geholt, habe es gerade aufgegessen, keins mehr da, werde neues Brot holen); es möchte aber sehr wohl sein, dass wir damit nicht selten übertreiben.
So ist denn doch auch jede Heilung eines Muskels oder einer Hautpartie gewissermaßen eine Art Wiederkunft, ein „Zurück in die Zukunft“.

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Ich denke, zumal aufgrund meiner Erfahrungen mit schweren Verletzungen, dass der Mensch gerade in solchen Fällen gut daran tun kann, seine Genesung, seine RE-Generation durch ein Denken zu unterstützen, das sich selbst so imaginiert wie früher, das die Vergangenheit in die Zukunft befördert.
Wenn man dazu auch das Beispiel der Homöopathie heranzieht, wo ja Heilwirkung, also die Wiederkunft der Gesundheit, ausschließlich über Information erzielt wird (ja, ich weiß, das wird bestritten, das ist mir jetzt aber grade egal), sollte die grundsätzliche These weiter erhellen.
Was machen wir, wenn wir an etwas Schönes denken, das wir erlebt haben? Auch an ein „in der Realität“ noch nicht erlebtes Schöne, an das wir nur denken können, weil wir ein Gedächtnis haben, welches uns dies ermöglicht?
Und im Traume?
Reisen wir da nicht durch die Zeit?
Liegt es ursächlich genau daran, dass der Mensch über kurz oder lang krepiert, wenn man ihm das Träumen verwehrt?
Könnte es genau dieses Zeitengleichgewicht sein, das für uns lebensnotwendig?
Immerhin macht es ja Träume ganz wesentlich aus, dass hier jederzeit Zeitschienen „verbogen“ werden.

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Alles kommt, wie es das grade soll.
Einen Kehricht schiert sich des Menschen Bewusstsein im Traum um jede lineare Zeitvorstellung.

Magnus Göller©

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105 Kommentare

  1. thom ram sagt:

    „wo der Roboter das noch nicht hinkriegt.“
    LoL LoL LoL

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  2. Sollte die Erde tatsächlich erstens eine Scheibe sein, zweitens innen schwerst hohl, so werden wir natürlich auch unsere Zeitvorstellungen noch einmal mächtig überdenken müssen: schließlich messen wir Jahr und Tag gemäß unserer Verblendung im flachen Hohlraum ja, wie als ob wir eine räumlich runde Außenkugel bewohnten, nicht eine plane Innenkugel.

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  3. Thomas Stahl sagt:

    @Magnus: Aber wenigstens der Libertäre kommt gerennt, wennst ihn schreist. 😉

    An den Rest: Hallo, bin neu hier 😉 und bringe euch zurück in die Zeit.

    Zwei Gedankensplitter zur Zeit sind mir beim Lesen der äußerst interessanten Kommentare gekommen:

    Futur 2: Ein gefährliches Ding. Denn es blendet den Teil zwischen F1 und F2 aus: Die Arbeit, die Mühe.
    „Ich werde ein Haus gebaut haben“ verführt dazu, den Aufwand, der nötig ist um das Haus zu bauen, zu verdrängen. F1 ist da schon ehrlicher: Wenngleich auch hier der Aufwand nicht erwähnt wird, so schwingt er doch als düsterer Beigeschmack mit.

    Die Futur 2 verführt, bringt vielleicht sogar eine gefährliche Realitätsferne in den Geist, wenn sie leichtfertig und allzu oft eingesetzt wird.

    Allgemein zum Thema Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft vermisse ich in der Diskussion noch folgende Betrachtung:
    Es gibt Zeit nicht. Zeit ist ein (geniales gedankliches) Konstrukt des Menschen, um seinem logischen Denken und der Sprache gerecht zu werden. Zeit wurde erforderlich, als der Mensch imstande wurde, komplexe Zusammenhänge zu begreifen. Vorher gab es nur Bewegung. Und auch heute ist in der Physik die Bewegung Grundlage der Zeitdefinition. Zeit ist damit für uns einerseits extrem wichtig, andererseits aufgrund ihrer Definition und seit Einstein eigentlich komplett für´n Popo.
    Somit kommt auf Magnus´ Frage an die Schüler auch noch eine weitere Antwort in Betracht: 0

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  4. thom ram sagt:

    Thomas Stahl.

    Mein Gott. Ich Thomas, das Voegeli, du Thomas, der Stahl. Wer kriegt da das Grausen? Wenn ich gegen dich pralle, binichkabbott. Hingegen könnte es sein, dass du gerne fliegen möchtest und nicht kannst?

    Spass.

    Willkommen, stählerner Thomas.

    Was du als Gefährlichkeit des Fut ll bezeichnest, bezeichne ich als froh heiter.
    „Ich werde ein Haus gebaut haben.“

    Du weisest auf die Risiken hin. Geld reicht nicht. Bau- Balken fällt mir bei Besichtigung des Projektes aufn Kopp, ich bin tot, kann mein dereinst gebaut sein werdendes Haus nur vom schönen Paradais aus beobachten, mittels gutem Kern – oder Zeiss Feldstecher (für Nichtdeutschsprechende: Fernglas).

    Ich mache Advocatus Dei und sage: Per Futurum ll denke / visualisiere ich das Haus. Damit steht es, früher oder später, doch mit Gewissheit.

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  5. muktananda13 sagt:

    Es gibt Zeit, Zeiten und die Illusion der Zeit.

    Zeit ist der Wind des Bewusstseins in seinem Traum.
    Solange das Bewusstsein schläft, glaubt es ein Kokon zu sein. DA gibt es Zeit , da Raum, weil da Individuum.

    Zeit und Raum samt „dich“ gibt es nur in deinem Kopf. Gehst du daraus, löst sich Zeit und Raum auf.

    Meditiert, und ihr werdet die Zeit erleben, wie sie sich auflöst.

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