bumi bahagia / Glückliche Erde

Vor einigen Tagen war hier ein Grundsatz erläutert worden, der darauf hinauslief, daß man sehr wohl die Dinge beurteilen oder bewerten solle, sich aber vor der Verurteilung (anderer) zu hüten hätte.

Nun fällt es offensichtlich, wie die Diskussion dazu gezeigt hat, nicht nur mir schwer, diese feine Trennungslinie zu finden, welche das Be- vom Ver-Urteilen unterscheidet.
Denn in beiden Worten steckt das Urteil schon drin, und also auch in beiden Vorgängen.

Beim Beurteilen handelt es sich dabei lediglich um die gesammelten Vor-Urteile, die wir zur Grundlage unserer Be-urteilung machen.
Und auch beim Bewerten müssen wir uns die Frage gefallen lassen, ob es uns zusteht, andere nach unseren ureigensten Wertmaßstäben zu messen.

Und vor allem bleibt die Frage nach der Herkunft dieser eigenen Wertmaßstäbe.

Es scheint alles nicht ganz so einfach zu sein. Oder besser gesagt: es ist viel einfacher.
Es geht nämlich auch gänzlich ohne beurteilen oder bewerten. Aber der Reihe nach.

Bei der urspünglichen These kommen wir in keinem Falle um die Beantwortung der Frage herum, nach welchen Kriterien und Maßstäben wir bewerten oder beurteilen wollen.

Diese Kriterien oder Maßstäbe resultieren aus unserer Erfahrung, und diese Erfahrung hat sich – wenn wir ehrlich sind – in der jetzigen, von grenzenlosem Egoismus und vielgestaltiger Gewalt gekennzeichneten Gesellschaft herausgebildet.

Wir können also gar nicht verhindern, daß unsere Kriterien und Maßstäbe von allen Prägungen, Konditionierungen und Verzerrungen beeinflußt sind, welche unsere heutigen, in jeder Hinsicht untragbaren Verhältnisse kennzeichnen.

Und nach diesen wollen wir bewerten und beurteilen?

Was soll uns zu einem solchen Schritt berechtigen?

Ah, die Notwendigkeit, weil es anders nicht geht. Soso.
Tatsächlich?
Sind wir derart in Not, daß wir uns nirgendwo anders hin-wenden können?
Sollte es wirklich nicht anders gehen?

Oder sind wir schon derart verbohrt, daß wir nicht erkennen, mit welch untauglichen Mitteln wir versuchen, die Vorgänge um uns herum – und um nichts anderen handelt es sich bei allen zu beobachtenden „Dingen“ – anzusehen?

Warum streben wir stets danach, allem ein Etikett zu geben, einen Wert zuzumessen, in irgendein System einzuordnen?

Merken wir nicht, daß dies eine der tiefsten Prägungen ist, die uns seit Jahrtausenden eingepflanzt wurde? Sind wir so schlechte Beobachter unserer Selbst?

So geht es also nicht.
Und mit dieser Erkenntnis können wir uns auf die Suche begeben, wie denn ein „richtiger“ Blick auf das uns Umgebende aussehen könnte.

Wie könnte das gehen: wertfrei beobachten?

Zuerst einmal müssen wir den ständig laufenden Ratterkasten zwischen den Ohren zur Ruhe bringen, denn er hält uns mit seinen ständig neuen Bewertungen und ungerufenen Beurteilungen von einem offenen Blick auf alles ab.
Lassen wir also unsere Gedanken zur Ruhe kommen, nicht mit Gewalt, sondern indem wir einfach die Gedanken ausschwingen lassen, einfach nicht „weiterdenken“, und lassen wir nicht ständig neue Gedanken entstehen.
Wer mag, kann dies gern mit Affirmationen unterstützen: „Ich bin ganz ruhig. In mir ist Ruhe und Frieden. Die Gedanken kommen zur Ruhe.“ oder ähnlich.

Wenn es uns gelingt, die Gedanken einfach zu betrachten: „ah, da ist wieder einer – ich lasse ihn gehen – und auch alle anderen dürfen gehen – neue brauche ich jetzt nicht, denn ich bin ruhig“, – dann stellt sich tatsächlich so etwas wie innere Stille ein.
Wir kommen in eine inneres Gleichgewicht, und im Kopf zieht wohlige Ruhe ein.

Damit haben wir auch schon die nächste Frage fast beantwortet:
was wollen wir beobachten?

Uns selbst natürlich, und unsere Beziehungen zu allem, was uns umgibt.
Selbstverständlich nicht alles auf einmal – dann entsteht wieder das vorherige Wirrwarr im Gedankenfluß.

Wichtig ist, diese Beobachtungen ruhig und ehrlich anzustellen – aber auch, ohne uns selbst wieder einer Wertung zu unterziehen.

Wenn wir zum Beispiel feststellen, daß wir gerade lügen, dann sollte es erstmal bei dieser Feststellung bleiben – eine „moralische“ oder ethische Wertung ist momentan nicht erforderlich.

Ich kann mir vielleicht vornehmen, darauf zu achten, daß dies nicht mehr so oft geschieht, weil damit meine Beziehungen zu anderen Menschen einfacher gestaltet werden – oder auch nicht.

Dann frage ich mich einfach: möchte ich, daß andere mich auch belügen? Sofern mir dies nichts ausmacht und ich das als eine Art Sport ansehe, kann es auch dabei blieben.

Ich werde mich allerdings darauf einrichten müssen, daß mir andere Menschen weniger vertrauen und im weiteren sehr wahrscheinlich allen meinen Aussagen mit Mißtrauen begegnen werden.

Denn die Konsequenzen unserer Handlungen werden uns früher oder später immer erreichen – ganz egal, ob wir sie dann als solche erkennen oder nicht – darüber sollten wir uns im Klaren sein.

Ob wir jeweils damit leben wollen und können, darf dann jeder selbst entscheiden.

Wir merken:
es ist überhaupt nicht notwendig, mit irgendwelchen Wertungen oder Urteilen zu hantieren – es kann in jedem einzelnen Falle mit einfachen eigenen Überlegungen entschieden werden, was sinnvoll zu tun oder zu lassen ist – unter Beachtung der Folgen, die sich allerdings selten in ihrer ganzen Komplexität voraussehen lassen.

Aber wer hat denn in Abrede gestellt, daß nicht auch ein wenig Mut erforderlich sein wird, um sein Leben neu zu gestalten?

Beginnen wir stets bei uns selbst, denn der einzige Mensch, den wir wirklich real verändern können, sind wir selbst.

„Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.“ (Erich Kästner)


3 Kommentare

  1. luckyhans sagt:

    „Die Lüge ist angenehm,
    die Wahrheit nur, wenn
    sie nicht unangenehm ist.“

    © Ulrich H. Rose
    * 06.04.1951 (Schötmar, jetzt Bad Salzuflen)
    (Quelle: http://www.zitante.de)

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  2. […] soll keine Angstmache werden. Wie bereits mehrfach gesagt: die Dinge ändern sich nur, wenn wir sie betrachten, OHNE sie zu bewerten – indem wir sie zur Kenntnis nehmen: “aha, so ist das also” […]

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  3. […] Ausgehend von der in jedem Falle richtigen Mahnung, andere Menschen und ihre Handlungen nicht zu verurteilen, kamen wir zu der unterschiedlichen Auffassung, entweder urteilsfrei zu bewerten oder wertfrei zu betrachten. […]

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