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Zu sagen „ich weiss es“ könnte sehr gewagt sein

Bin bei dudeweblog auf einen Kommentar gestossen, den ich mit freundlicher Genehmigung des Autors hier einstellen darf. Es geht um die bange Frage: Welche Werte bin ich bereit zu verraten, um Frau und Kind zu ernähren und zu schützen. Quälend, die Frage. Keiner weiss es, keiner weiss, was er tun oder lassen würde.

thomram, 28.11.2014

Gefunden unter: https://dudeweblog.wordpress.com/2014/11/26/ich-weiss-was-du-im-krieg-gemacht-hast-mein-unfreiwilliges-leben-in-libanon-teil-1/comment-page-1/#comment-5357

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ICH … WEISS NICHT WAS ICH IM KRIEG GEMACHT HÄTTE!
Eine Geschichte mitten aus dem Leben!
Als ich noch ein sehr junger Mann war, gerade 18 Jahre, bin ich in den Kegelclub meines Vaters eingetreten. Vorher hatte ich in diesem Club immer Freitagsabends die Kegel aufgestellt. Damit besserte ich mir damals mein Taschengeld auf, dass zu jener Zeit nicht gerade üppig ausgefallen ist.
Nach dem Kegeln, saß ich später als wir wieder zu Hause waren, mit meinem Vater noch oft am Küchentisch und wir aßen Kartoffelsalat mit Würstchen. Mutter wusste, dass wir nach dem Kegeln immer Hunger mit nach Hause brachten.
Bei so einer Gelegenheit erzählte mein Vater dann oft Geschichten aus dem Krieg. Dabei hörte ich ihm gerne und auch interessiert zu. Mein Vater konnte nämlich gut erzählen. Er war ein Mensch, der nie übertrieb und immer sachlich blieb. Diese Beurteilung von mir in bezug auf ihn, hat sich auch nie geändert.
Mein Vater wurde erst sehr spät als Soldat eingezogen. Als der Krieg schon langsam zu Ende ging.
Er war gehbehindert, sein linkes Bein war steif. Nach der OP musste er noch lange mit einem Gehstock gehen.
Deswegen konnte man ihn nicht beim Kriegsanfang gebrauchen.
Er arbeitete in dieser Zeit auf dem Bürgermeisteramt. Damals, nannte man das Wirtschaftsamt. 
Und war dort für die Ausgabe der Lebensmittelmarken zuständig. Außerdem hatte er die Aufgabe, auch noch abends spät, jene Familien zu besuchen, um ihnen die Nachricht zu überbringen, das ein Angehöriger von ihnen gefallen war.
Das bedeutete, dass er also abends spät noch in die Häuser musste. Oft vier, fünf und mehr Stockwerke hoch. Mit seinem Gehstock, bei schlechter Beleuchtung oder gar keiner.
Die psychische Belastung kam dann anschließend noch hinzu.
Eines Tages sagte er dann auf seiner Dienststelle, ich kann das körperlich und psychisch nicht mehr tun!
Etwa 8 Tage später hatte er dann seinen Marschbefehl. Sie melden sich ….
Er landete auf einem Flugplatz in Süddeutschland. Nachts musste er die Beleuchtung für die Nachtjäger bedienen, tagsüber Bomben laden.
Mehrmals musste er den Standort der Flugplätze wechseln. Die meisten wurden zerbombt. Und immer hatte er Glück nicht zu den Verletzten oder den Toten zu gehören. Er meinte … das waren schon kleine Wunder, dass ich nie etwas abbekam!
Zurück zu Kartoffelsalat und Würstchen!
 Als er mir bei so einer Gelegenheit vom Krieg erzählte, fragte ich ihn: Hast du im Krieg jemals einen Menschen getötet!
 Er sagte: NEIN! Und dafür danke ich Gott, das ich das nie musste.
Ich dachte kurz nach und fragte ihn dann: Was ist mit den Bomben geschehen die du tagsüber geladen hast!
 Er wurde da sehr nachdenklich und antwortete, Du hast recht … diese Schuld nimmt mir keiner ab.
Weiter sagte er dann: Ich hoffe von ganzen Herzen, dass du niemals in deinem Leben vor solch eine Entscheidung gestellt wirst. Ich hatte Frau, dich als Säugling … und Angst zu sterben. Hätte ich mich geweigert, hättest du mich wahrscheinlich nie kennengelernt. Und deine Mutter wäre eine von den vielen Witwen geworden!
Das machte mich schon damals als junger Mann sehr nachdenklich.
Aber …, wohl nicht nachdenklich genug, denn mit 21 Jahren ließ ich mich zur Bundeswehr einziehen.
Ich hätte nämlich die Option gehabt, den Wehrdienst zu verweigern. Und hätte lieber in dieser Zeit meinen Dienst an der Menschheit in einem Altenheim oder Krankenhaus verbringen können!
Aber … ich war einfach noch zu dumm und unbekümmert, und dachte, auch diese Zeit geht vorüber. Über Konsequenzen dachte ich nicht nach.
Ich muss heute noch ab und an an diese Geschichte von meinem Vater denken.
Bin ich schlauer geworden in all dieser Zeit …? Ich glaube ja! Eins weiß ich jedenfalls, für einen Krieg wird mich keiner gewinnen. Egal ob mit Waffe oder ohne.
Hoffe aber auch, dass ich im Ernstfall nie vor solch eine Entscheidung gestellt werde.
Ein Toter der durch meine Hand getötet würde, direkt oder indirekt, würde nämlich mein ganzes jetzige Lebensgebäude einstürzen lassen.
Ich habe mich später auch mit anderen unterhalten die den Krieg als Soldat überlebt hatten und zugaben, ja … auch ich habe Menschen getötet bzw. dazu beigetragen. Auf meine Frage, wie kannst du damit leben sagte man mir:
 Man lernt das mit der Zeit. Und außerdem, habe ich diesen Krieg nicht gewollt und verhindern können!
ICH weiß nicht, ob ich mit diesem Alibi so ohne weiteres umgehen und leben könnte!
Das soll keine Besserwisserei von mir sein, auch kein Urteil an jene, die vor diesem Übel damals standen und nicht NEIN gesagt haben, wie Millionen anderer …! Und deshalb noch mal meine Aussage! Ich hoffe, dass ich nie vor solch einer Entscheidung stehen werde.
 Zu sagen ich weiß es …, könnte sehr gewagt sein.

Heinz


7 Kommentare

  1. Avatar von Ludwig der Träumer Ludwig der Träumer sagt:

    Habe bereits gestern beim Dude meinen Senf dazu gegeben. Dort kriegt man sogar als besonderen Service Nachhilfeunterricht.

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  2. Avatar von Vollidiot Vollidiot sagt:

    LdT

    Ja, Ja, beim Dude.
    War ich auch mal.

    Da ham se aber gleich spitzgekriecht, daß ichn Idiot bin.
    Und dann ham se det gleich breitjelaatscht.
    Mir wolltense keene Nachhilfe nich gebn.
    Ham gleich jesaacht: du schreibst ja wie de heest.
    Da haick mir jesaacht: die können mir mal ehmt die Pupe schmatzen.

    Du als Träumer erhälst fein Nachhilfe.
    So ist der Homo Sackrich.
    Reiz – Reaktion.

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  3. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    Es ist wohl nicht „zufällig“, daß die Menschen noch sehr jung, mit 18 oder 19, zum Militärdienst eingezogen werden. Zu dieser Zeit sind die meisten noch in der Findungsphase, was ihre „Werte fürs Leben“ betrifft. Auch ich war damals noch ideologisch verblendet und hatte Flausen im Kopf wie „wenn es hart auf hart kommt, dann gilt: du oder der andere“ und „ich muß mein Vaterland/meine Familie verteidigen“.
    Daß dies alles nur Propaganda ist, wurde mir viel später erst klar. Denn Kriege „passieren“ nicht, sondern sie werden nun mal gemacht, und genau diejenigen, welche das tun, sind die, welche uns dann in den Kampf schicken – mit den genannten (und anderen) Vorurteilen.
    Es gibt KEINE Rechtfertigung für Krieg und das damit verbundene Morden.

    Es ist aber im konkreten Falle eine Abwägung, was einem wichtiger ist – der persönliche Seelenfrieden oder andere Werte, wie Familie und Kinder. Diese Entscheidung muß man treffen – jeder für sich und in jedem konkreten Falle. Und davor sollte man nicht weglaufen oder versuchen, das aufzuschieben, „bis es soweit ist“ – unter Druck könnte man dann die falsche Entscheidung fällen, die einem hinterher leid tun könnte. (mit „hinterher“ meine ich auch und vor allem die unsterbliche Seele)

    So ist es hilfreich, sich mal einige Situationen vorzustellen, in die man im Falle von Krieg oder Kämpfen geraten könnte – ganz konkret. Angefangen von einem Überfall auf die Wohnung oder das Haus durch mehr oder weniger organisierte Verbrecher bis hin zu echten Kampfhandlungen, in die man als Soldat hineingezogen wird.
    Denn in jedem Falle wird die Entscheidung, einen anderen Menschen zu töten – und da geht es um die seelische Bereitschaft, denn sonst wird man im entscheidenden Moment nicht handlungsfähig sein – oder schwerst zu verletzen, nicht leicht fallen.

    Natürlich tut man sich leichter, wenn man schon älter ist – dann kann man getrost sagen: mein Seelenfrieden ist mir so wichtig, daß ich mich eher töten lasse als daß ich jemanden anderen umbringe. Aber solange man das nicht mal konkret an einem „Fall“ für sich zumindest geistig mal „durchgespielt“ hat, bleibt das immer nur „Theorie“.
    Man frage sein Herz und seine Seele…

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  4. Avatar von Vollidiot Vollidiot sagt:

    Luck

    Es gibt keine Rechtfertigungfür Krieg?
    Das ist eine akademische Diskussion.

    Es gibt ihn, den Krieg.
    Und meine Reaktion als Beteiligter auf Vorgänge wie in z.B. in Usti (1945) kann ich mir durchaus vorstellen – ganz unakademisch.
    In grauer Vorzeit hat ein Menschheitsfreund uns den Hinweis gegeben, wenn du im Krieg tötest, dann tu es ohne Hass, tu es als vollzögest du ein Gottesurteil.
    Noch nicht einmal das haben die meisten Menschen gelernt.
    Heute z.B. muß alles „emotinal“ sein.
    Und diese Anregung des damals lebenden Menschenfreundes ist längst überholt.
    Aber hier wird dann wieder Mißbrauch getrieben so, daß viele Menschen das unter Kirchenkram abtun.
    Wir brauchen uns also nicht zu wundern und die Diskussion ob Krieg rechtfertigbar ist, ist unter den obwaltenden Umständen in der Menschheit – eben akademisch.
    Man frage also, lieber Luck, nicht nur Herz und Seele sondern auch seinen Verstand und seinen wie auch immer strukturierten Willen.

    In der Psychologie spricht man von Abbruchkriterien.
    Die kann man durchspielen und Schlüsse ziehen.
    Aber in ultimativen Situationen spielt sicher auch ein karmisches Moment mit.

    Wer also lange geübt hat nach der rechten auch die linke Backe hinzuhalten hat größere Chancen auf ultimatives Verzeihen incl. Karmaausgleich und – schaffung.

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  5. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    @ Volli:

    Genau diese „akademische“ Seite sollte jeder durch konkrete Vorarbeit selbst hinterfragen – wenn das nicht angekommen ist, tut es mir leid.
    Der Verstand scheint da etwas überfordert zu sein – er landet genau bei den abgelehnten „akademischen“ …
    Und dann der Hinweis auf die Psychologie … 😉

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  6. Avatar von Ludwig der Träumer Ludwig der Träumer sagt:

    @Volli, schätze Dich glücklich, daß man Dir eins vor dem Koffer geknallt hat. Du hast es ausm Kopp und laß Dich auch nicht durch akademisches Geschwätz beeindrucken. Ich träume immer noch davon, etwas mit meinem Senf zu bewegen. Bekomme aber immer mehr Belehrungen und Nachhilfe, daß alles ganz anders ist, Schule eben, in der die Lehrer sich selbst verirren.

    Psychologie als Wissenschaft ist die Unfähigkeit, die wahre Natur des Menschen zu verstehen und die Fähigkeit, sie zu zerstören. Den gesunden Menschenverstand erkennen nur die Vollidioten und die Vollnarren.

    Seht her, wo euch die Normalen hingebracht haben…

    Bring das Zitat nicht mehr ganz zusammen.

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  7. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    @ Ludwig:

    „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“
    George Bernard Shaw

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