bumi bahagia / Glückliche Erde

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Schlagwort-Archive: opferhaltung

Wollen befreit (Friedrich Nietzsche)

von Angela, 27.11.2020

Die Freiheit ist nicht etwas, das in den äußeren Verhältnissen liegt. Sie liegt in den Menschen. Wer frei sein will, der ist frei. ( Paul Ernst )

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Es war einmal ein Wanderer, der mitten in den Bergen zu einer Herberge kam, um dort auf seiner Wanderung Rast zu machen.

Nachdem er sich mit einem guten Essen gestärkt hatte, trat er vor die Tür, um herauszufinden, warum dort irgend jemand immerzu „Freiheit, Freiheit“ rief.

Er traf auf einen Käfig mit einem wunderschönen Papagei, der gerade aufgewacht war und ohne Unterlaß „Freiheit, Freiheit“ schrie. Der Besitzer stand daneben und gab zu, dass er den Papagei trainiert hatte, diese Worte zu sprechen. Er hatte einfach einen etwas seltsamen Humor.

In der Nacht konnte der Mann der Versuchung nicht widerstehen. Er wachte auf, öffnete die Tür des Papageien-Käfigs und sagte zu ihm: “ Jetzt ist die Tür offen und der ganze Himmel gehört dir, raus mit dir….“

(mehr …)

Essay / Wie sieht meine Zukunft aus?

Vermutlich alle Menschen, deren Lebenswandel durch die kraftvoll inszenierte Corona-Hysterie beeinflusst ist, stellen sich die Frage, wie es denn weiter gehen werde. Es gibt drei Grundströme von Annahmen: Essay / Unsere Zukunft / NWO oder Paradies.

Keine dieser drei Annahmen indes vermitteln mir, wo ich mich denn wieder finden werde, ob im Jammertal der NWO, ob im Paradies, ob in einer Mischform.

Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: (mehr …)

Bewusstsein erschafft Realität Teil 2

von Angela, 25.05.2019

Vor einigen Tagen schrieb ich den ersten Teil  „Bewusstsein erschafft Realität“

https://bumibahagia.com/2019/05/21/bewusstsein-erschafft-realitaet/

hier kommt nun der zweite und letzte Teil.

Der erste Teil endete mit folgendem Absatz:

Doch ein anderes Modell besagt, dass eine Handlung oder ein Gedanke, der in einem Bereich meines Bewusstseins auftaucht, mit einer bestimmten Frequenz oder Stimmung verbunden ist. Indem ich dementsprechend handele, unterstütze ich diese Ralität, so dass ich jetzt über diese Frequenz mit dem Universum verbunden bin. Alles „dort draußen“, was in der gleichen Frequenz schwingt, wird darauf reagieren und sich dann in meiner eigenen Realität widerspiegeln.
(mehr …)

Jill – Opferdasein ade! 6

Auszug aus Colin Tipping: “Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein“

Folge 6 und Schluss.

Ich kam dann auf ihre Frage zurück: „Du brauchst nichts Besonderes

zu tun, wenn du nach Hause kommst. Ich möchte sogar,

dass du mir versprichst, erst einmal überhaupt nichts zu tun. Auf

keinen Fall solltest du Jeff von deiner neuen Sicht der Dinge berichten.

Ich möchte, dass du siehst, wie sich alles allein schon

durch deine Wahrnehmung eurer Situation ändert.“

„Du wirst außerdem das Gefühl haben, dass du dich selbst geändert

hast“, fügte ich hinzu. „Du wirst dich innerlich ruhiger,

mehr in dir selbst und entspannter fühlen. Du wirst eine innere

Gewissheit ausstrahlen, die Jeff eine Zeit lang möglicherweise

Jills Geschichte

36

etwas seltsam vorkommt. Es wird eine Zeit brauchen, bis sich

deine Beziehung zu ihm einrenkt. Möglicherweise ist es am Anfang

noch etwas schwierig, doch das Problem wird sich nun lösen“,

schloss ich voll Überzeugung.

Jill und ich sprachen noch häufig über die Einzelheiten ihrer Situation,

bevor sie wieder nach England zurückkehrte. Es ist immer

schwierig für jemanden, die Perspektive der Radikalen Vergebung

anzunehmen, wenn er emotional stark belastet ist. Um

so weit zu kommen, dass Radikale Vergebung wirklich stattfinden

kann, muss man sich damit häufig erst einmal gründlich

befassen und sich diese neue Perspektive immer wieder vor Augen

führen. Zur Unterstützung zeigte ich meiner Schwester einige

Atemtechniken, die ihr dabei helfen würden, Gefühle freizusetzen

und neue Lebensmöglichkeiten zu integrieren. Außerdem

bat ich sie, ein Arbeitsblatt zur Radikalen Vergebung auszufüllen

(siehe Teil IV: Werkzeuge zur Radikalen Vergebung).

An dem Tag, als Jill abreiste, war sie offensichtlich etwas unsicher

bei der Aussicht, in ihre alte Lebenssituation zurückzukehren.

Nachdem sie sich am Flugsteig verabschiedet hatte, schaute sie

noch einmal zurück und versuchte, so zuversichtlich wie möglich

zu winken. Doch ich wusste, sie hatte große Angst, ihr neu gefundenes

Verständnis wieder zu verlieren und erneut in die Dramatik

der Situation verwickelt zu werden.

Offensichtlich verlief das Wiedersehen mit Jeff dann zufriedenstellend.

Jill bat ihn, sie nicht sofort darüber zu befragen, was mit

ihr während ihrer Reise geschehen sei. Außerdem erbat sie sich

während der nächsten Tage etwas Distanz, um sich einzufinden.

Sie stellte jedoch sofort einen Unterschied bei Jeff fest. Er war

aufmerksam, freundlich und einfühlsam – eher wie der Jeff, den

sie aus der Zeit vor der traurigen Episode kannte.

Während der nächsten Tage sagte Jill Jeff, sie mache ihn nicht

mehr länger für irgendetwas verantwortlich. Ebenso wenig wolle

Teil I

37

sie, dass er sich in irgendeiner Weise ändere. Sie habe herausgefunden,

dass sie selbst für ihre Gefühle verantwortlich sei. Sie werde

mit allem, was geschehe, auf ihre eigene Weise fertig werden, ohne

ihm Vorwürfe zu machen. Sie ging nicht näher ins Detail und versuchte

auch nicht, sich für irgendetwas zu rechtfertigen.

Die Dinge liefen für einige Tage gut, und Jeffs Verhalten gegenüber

seiner Tochter Lorraine änderte sich dramatisch. Tatsächlich

schien in Hinblick auf ihre Beziehung alles wieder so zu werden

wie früher. Doch die Atmosphäre zwischen Jeff und Jill war nach

wie vor gespannt, und ihre Kommunikation blieb sehr eingeschränkt.

Etwa zwei Wochen später spitzte sich die Situation zu. Jill schaute

Jeff an und sagte leise: „Ich habe das Gefühl, ich habe meinen

besten Freund verloren.“

„Ich auch“, erwiderte er.

Zum ersten Mal seit Monaten verstanden sich die beiden. Sie

umarmten einander und weinten. „Lass uns reden“, sagte Jill.

„Ich muss dir sagen, was ich mit Colin in Amerika gelernt habe.

Es mag sich für dich vielleicht zuerst etwas seltsam anhören, aber

ich möchte es dir erzählen. Du musst es mir nicht glauben. Willst

du es hören?“

„Auf jeden Fall“, erwiderte Jeff. „Ich weiß, dass da etwas Wichtiges

mit dir passiert ist. Ich möchte wissen, was! Du hast dich

sehr zu deinem Vorteil verändert. Du bist nicht mehr derselbe

Mensch, der damals mit John ins Flugzeug stieg. Erzähle mir, was

geschehen ist.“

Jill redete und redete. Sie erklärte die Dynamik der Radikalen

Vergebung, so gut sie konnte – und so, dass Jeff sie verstand. Sie

fühlte sich stark und aktiv. Sie war ihrer selbst sicher und zuversichtlich,

dass sie alles richtig begriffen hatte. Sie war klar in dem,

was sie darüber dachte.

Jills Geschichte

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Jeff, ein Praktiker, der allem, was nicht rational erklärbar ist,

skeptisch begegnet, sträubte sich dieses Mal nicht. Im Gegenteil,

er war sehr zugänglich. Er zeigte sich sehr offen für die Vorstellung,

dass sich hinter der alltäglichen Realität noch eine spirituelle

Welt befindet. Auf dieser Basis erschien ihm das Konzept der

Radikalen Vergebung einleuchtend. Er akzeptierte es zwar nicht

vollständig, war aber bereit zuzuhören und es zu überdenken.

Und zu sehen, wie dieses Konzept Jill verändert hatte.

Nach ihrem Gespräch spürten beide, wie ihre Liebe wieder erwachte.

Sie hatten das Gefühl, ihre Beziehung habe eine neue

Chance. Sie machten einander jedoch keine Versprechungen und

kamen überein, miteinander zu reden und zu sehen, wie ihre

Beziehung sich entwickeln werde.

Tatsächlich entwickelte sich ihre Beziehung sehr gut. Jeff behandelte

seine Tochter Lorraine noch immer sehr fürsorglich, aber

nicht so sehr wie vorher. Jill merkte, dass sie sich kaum noch etwas

daraus machte, – selbst wenn Jeff sich so benahm wie früher.

Sie fühlte sich nicht mehr wie ein Kind, und sie ließ sich nicht

mehr von ihrem alten Glauben über sich selbst leiten.

Innerhalb eines Monates nach ihrem Gespräch über Radikale

Vergebung endeten Jeffs alte Verhaltensmuster Lorraine gegenüber.

Lorraine wiederum rief nicht mehr so häufig an und kam

nicht mehr so oft zu Besuch. Sie führte wieder ihr eigenes Leben.

Alles renkte sich allmählich wieder ein, und ihre Beziehung wurde

sicherer und liebevoller als je zuvor. Jeff war der zuvorkommende

und einfühlsame Mann, der er von Natur aus ist. Jill war

weniger bedürftig, und Lorraine war viel glücklicher.

Im nachhinein bin ich sicher: Jill und Jeff hätten sich scheiden

lassen, wenn Jills Seele sie nicht nach Atlanta geführt hätte, um

unser Gespräch zu ermöglichen. In einem großen Zusammenhang

wäre dies sicherlich auch in Ordnung gewesen. Jill wäre jemand

anderem begegnet, mit dem sie das Drama ihres Lebens

Teil I

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inszeniert und eine weitere Gelegenheit zur Heilung gefunden

hätte. So hat sie die Chance zu heilen wahrgenommen und ist in

ihrer Beziehung geblieben.

Heute, viele Jahre nach dieser Krise, sind die beiden noch immer

zusammen und führen eine glückliche Ehe. Wie wir alle inszenieren

auch die beiden weiterhin dramatische Situationen. Doch sie

wissen, wie sie diese als Gelegenheit zur Gesundung nutzen und

so schnell und leicht wie möglich auflösen können.

P. S.: Das Diagramm auf der folgenden Seite zeigt Jills Geschichte in

grafischer Form. Sie fand diese Sichtweise sehr hilfreich. Das Diagramm

zeigt die Entwicklung des ursprünglichen Schmerzes, sich vom Vater nicht

geliebt zu fühlen, zur Überzeugung, nicht gut genug zu sein. Und zeigt

weiterhin, wie diese Wahrnehmung sich in ihrem Leben niederschlug. Sie

können diese Darstellungstechnik auf ihren eigenen Lebensweg anwenden,

falls Sie Parallelen oder Ähnlichkeiten erkennen.

.

.

Jill – Opferdasein ade! 4

Aus:Colin Tipping: “Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein“

.

„Wie war deine Beziehung zu Henry, deinem ersten Mann?“,

erwiderte ich. Sie war mit Henry, dem Vater ihrer vier Kinder,

15 Jahre lang verheiratet gewesen.

„In vieler Hinsicht nicht schlecht, doch er war so untreu. Er suchte

immer nach Gelegenheiten, mit anderen Frauen Sex zu haben,

und ich fand das furchtbar.“

„Genau. Und du sahst ihn als den Bösen und dich als das Opfer

in der Situation. Die Wahrheit ist jedoch, dass du ihn genau

deshalb in deinem Leben angezogen hast, weil du auf einer bestimmten

Ebene wusstest, dass er deine Überzeugung, nicht gut

genug zu sein, bestätigen würde. Indem er untreu war, bekräftigte

er dich in dieser Selbsteinschätzung.“

„Willst du damit sagen, dass er mir einen Gefallen getan hat? Das

kaufe ich dir so nicht ab!“, sagte sie lachend, aber gleichzeitig mit

einer Spur unübersehbaren Ärgers.

„Zumindest hat er dich in deinem Glauben bestärkt, oder

nicht?“, erwiderte ich. „Du warst so deutlich nicht gut genug, dass

Jills Geschichte

26

er sich immer nach anderen, besseren Frauen umschaute. Wenn er

das Gegenteil getan und dich ständig so behandelt hätte, als

seiest du vollkommen genug, hättest du in deinem Leben ein

anderes Drama erschaffen, um deine Überzeugung zu bekräftigen.

Deine Überzeugungen über dich selbst, selbst wenn sie völlig

unzutreffend waren, machten es dir unmöglich, gut genug zu

sein.“

„Ebenso hätte Henry wahrscheinlich sofort aufgegeben, sich an

deine Freundinnen heran zu machen, wenn du damals deine

Überzeugung geändert hättest, indem du deinen ursprünglichen

Schmerz um deinen Vater geheilt und dein Selbstwertgefühl in

gut genug geändert hättest. Wenn er es nicht aufgegeben hätte,

dann hättest du wahrscheinlich überhaupt kein Problem damit

gehabt, ihn zu verlassen – um jemand anderen zu finden, der

dich so behandelt, als seist du gut genug. Wir erzeugen uns immer

unsere eigene Realität gemäß unseren Überzeugungen.

Wenn du deine Glaubensmuster kennenlernen möchtest, dann

schau dir an, was du in deinem Leben hast. Unser Leben ist immer

ein Spiegelbild unserer Überzeugungen.“

Jill schien ein wenig verwundert, also beschloss ich, einiges noch

etwas genauer zu beschreiben. „Jedes Mal, wenn Henry dich betrog,

gab er dir die Gelegenheit, deinen alten Schmerz zu heilen.

Dein alter Schmerz war der, von deinem Vater nicht geliebt zu

werden. Henry stellte deine Überzeugung, niemals gut genug für

einen Mann zu sein, unter Beweis und agierte sie für dich aus.

Die ersten Male, als dies geschah, warst du wahrscheinlich so

wütend und aufgeregt, dass du leicht mit deinem alten Schmerz

hättest in Kontakt kommen und mit deinen Überzeugungen

über dich selbst vertraut werden können. Als Henry dich die ersten

Male betrog, waren dies die ersten Gelegenheiten, Radikale

Vergebung zu üben und deine alte Verletzung zu heilen. Doch du

hast diese Chancen verpasst. Du beschuldigtest ihn jedes Mal

und schlüpftest in die Opferrolle. So wurde Heilung unmöglich.“

Teil I

27

„Was meinst du mit Vergebung?“, fragte Jill sehr besorgt. „Meinst

du, ich hätte ihm verzeihen sollen, als er meine beste Freundin

und alle möglichen anderen Frauen verführte?“

„Ich meine, er gab dir damals eine Gelegenheit, mit deinem alten

Schmerz in Kontakt zu kommen und zu sehen, dass eine bestimmte

Überzeugung über dich selbst dein Leben beherrscht.

Indem er dies tat, gab er dir die Gelegenheit, deine Überzeugungen

zu verstehen und zu verändern und damit deine ursprüngliche

Verletzung zu heilen. Das meine ich mit Vergebung. Kannst

du erkennen, dass Henry deine Vergebung verdient?“

„Ja, ich glaube, ich kann“, sagte sie. „Er spiegelte jene Überzeugung

wider, in die ich mich geflüchtet hatte, weil ich mich von

Dad ungeliebt fühlte. Er bestätigte mir, dass ich nicht gut genug

war. Ist es das, was du meinst?“

„Ja, und dafür, dass er dir diese Gelegenheit gab, verdient er Anerkennung

– mehr, als dir im Augenblick bewusst ist. Wir wissen

nicht, ob er sein Verhalten geändert hätte, wenn du dein Problem

mit deinem Dad damals hättest auflösen können. Oder ob du

ihn vielleicht verlassen hättest. In jedem Fall wäre er dir eine große

Hilfe gewesen. In diesem Sinn verdient er nicht nur deine

Vergebung, sondern sogar deine Dankbarkeit. Und – weißt du

was? Es war nicht sein Fehler, dass du die wahre Botschaft hinter

seinem Verhalten nicht erkanntest.“

„Es ist sicher nicht leicht für dich, es so zu sehen: dass er versuchte,

dir ein großes Geschenk zu machen. Wir haben nicht gelernt,

es so zu sehen. Wir haben nicht gelernt, auf das Geschehen zu

schauen und zu sagen: ‚Sieh mal an, was ich in meinem Leben erschaffen

habe. Ist das nicht interessant?‘ Stattdessen haben wir gelernt,

zu urteilen, zu beschuldigen und anzuklagen. Wir haben

gelernt, Opfer zu sein und Vergeltung zu suchen. Nicht erworben

haben wir den Glauben daran, dass unser Leben von Kräften

gelenkt wird, die über unser bewusstes Denken hinausgehen.

Jills Geschichte

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Nicht erworben haben wir das Wissen darum, was in Wirklichkeit

der Fall ist.“

„Tatsächlich war es nämlich Henrys Seele, die versucht hat, dich

zu heilen. An der Oberfläche hat Henry nur seine sexuelle Leidenschaft

ausgelebt. Doch seine Seele – die mit deiner Seele zusammenarbeitete

– setzte diese Leidenschaft für dein spirituelles

Wachstum ein. Diese Erkenntnis ist Radikale Vergebung. Der

Sinn der Radikalen Vergebung liegt darin, die Wahrheit unter der

Oberfläche der jeweiligen Lebensumstände zu sehen und jene

Liebe zu erkennen, die dort jederzeit herrscht.“

.

.

Jill – Opferdasein ade! 1

Auszug aus Colin Tipping: “Ich vergebe – Der radikale Abschied vom Opferdasein“ ISBN 978-3933496805 © J.Kamphausen Verlag

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1: Jills Geschichte

Als meine Schwester in der Ankunftshalle des Atlanta

Hartsfield International Airport auf mich zukam,

wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Sie konnte

ihre Gefühle noch nie gut verbergen, und ich sah deutlich, wie

sehr sie emotional litt.

Jill war mit meinem Bruder John, den ich seit sechzehn Jahren

nicht mehr gesehen hatte, aus England in die USA geflogen.

John war 1972 aus England nach Australien ausgewandert, ich

ging 1984 in die USA. Jill war daher – und ist es noch heute –

die einzige von uns drei Geschwistern, die noch in England lebt.

John war nach Hause gereist, und sein Trip nach Atlanta war

die letzte Etappe seiner Rückreise. Jill begleitete ihn nach

Atlanta, so dass sie mich und meine Frau JoAnna für ein paar

Wochen besuchen und John von dort nach Australien verabschieden

konnte.

Wir umarmten uns zur Begrü.ung, und nach einem Moment

der Verlegenheit machten wir uns auf den Weg zum Hotel. Ich

hatte für die Nacht Zimmer reserviert, sodass JoAnna und ich

den beiden am nächsten Tag Atlanta zeigen konnten, bevor wir

in unser Haus fahren würden.

Sobald sich eine Gelegenheit zu einem ernsten Gespräch ergab,

sagte Jill: „Colin, es sieht nicht gut bei mir zu Hause aus. Jeff und

ich werden uns wahrscheinlich trennen.“

Obwohl ich gemerkt hatte, dass mit meiner Schwester etwas

nicht stimmte, war ich überrascht. Ich war immer sicher gewesen,

sie führe mit ihrem Mann Jeff eine glückliche Ehe. Beide waren

A

Teil I

15

zuvor verheiratet gewesen, doch diese Beziehung schien von

Dauer zu sein. Jeff hatte aus vergangener Ehe drei Kinder, Jill

hatte vier. Ihr jüngster Sohn Paul war der einzige, der noch zu

Hause wohnte.

„Was ist los?“, fragte ich.

„Es ist seltsam, und ich weiß auch gar nicht, wo ich anfangen

soll“, erwiderte sie. „Jeff verhält sich sehr merkwürdig, und ich

halte es nicht mehr viel länger aus. Wir sind an einem Punkt, an

dem wir nicht mehr miteinander reden können. Es bringt mich

um. Er hat sich vollkommen von mir abgewandt und sagt, alles

sei meine Schuld.“

„Sprich Dich aus“, sagte ich und sah zu John, der die Augen verdrehte.

Er hatte die beiden vor seinem Flug nach Atlanta eine

Woche lang besucht, und ich schloss aus seiner Miene, dass er

von dem Thema vorerst genug hatte.

„Erinnerst Du Dich an Jeffs älteste Tochter Lorraine?“, fragte Jill.

Ich nickte. „Ihr Mann starb vor etwa einem Jahr bei einem Autounfall.

Seitdem hat sich zwischen ihr und Jeff diese äußerst

seltsame Beziehung entwickelt. Jedes Mal, wenn sie anruft, überschl.gt

er sich fast und umschmeichelt sie, nennt sie ,Liebes‘ und

tuschelt stundenlang mit ihr. Man könnte denken, sie seien verliebt

– und nicht Vater und Tochter. Wenn er bei ihrem Anruf

gerade beschäftigt ist, lässt er alles stehen und liegen, um mit ihr

zu reden. Wenn sie zu uns nach Hause kommt, verhält er sich

genauso – wenn nicht schlimmer. Sie hocken zusammen, flüstern

nur miteinander und schließen alle anderen aus – besonders

mich. Ich kann es kaum ertragen. Ich habe das Gefühl, sie ist das

Wichtigste in seinem Leben geworden, und ich spiele so gut wie

keine Rolle mehr. Ich fühle mich total ausgeschlossen und missachtet.“

Sie erzählte weiter und schilderte mehr Details der seltsamen

Familiendynamik, die sich da entwickelt hatte. JoAnna und ich

Jills Geschichte

16

hörten aufmerksam zu. Wir waren verständnisvoll und mitfühlend;

wir erörterten mögliche Ursachen für Jeffs Verhalten und

machten Jill Vorschläge, wie sie mit ihm darüber sprechen könnte.

Kurz: wir versuchten, Lösungsmöglichkeiten zu finden, wie

dies ein besorgter Bruder und eine Schwägerin so tun. John half

mit und bot ebenfalls seine Sicht der Situation dar.

Was mir seltsam und verdächtig vorkam, war das untypische

Verhalten von Jeff. Der Jeff, den ich kannte, war liebevoll zu seinen

Töchtern und sicherlich abhängig genug, um ihre Bestätigung

und Liebe sehr zu brauchen. Doch ich hatte sein Verhalten

niemals so gesehen, wie Jill es beschrieb. Ich kannte ihn als fürsorglich

und liebevoll gegenüber Jill. Ich konnte kaum glauben,

dass er sie nun so grausam behandelte. Es war für mich klar, dass

diese Situation Jill unglücklich machte und Jeffs Beharren darauf,

sie bilde sich alles nur ein, für sie alles noch verschlimmerte.

Die Unterhaltung setzte sich den ganzen nächsten Tag fort. Ich

begann eine Vorstellung davon zu bekommen, was sich aus der

Perspektive der Radikalen Vergebung zwischen Jill und Jeff abspielte.

Doch ich beschloss, dies nicht zu erwähnen – jedenfalls

nicht sofort. Sie war zu befangen in dem Drama der Situation

und wäre so nicht in der Lage gewesen, zu hören und zu verstehen.

Radikale Vergebung basiert auf einer umfassenden spirituellen

Perspektive, die damals, als wir noch zusammen in England

lebten, ganz und gar nicht zu unserer gemeinsamen Lebenswirklichkeit

gehörte. Ich war mir sicher, dass sie und John so gut

wie nichts über meine Ideen und Vorstellungen bezüglich Radikaler

Vergebung wussten. Ich hatte das bestimmte Gefühl, es sei

noch nicht an der Zeit, einen so schwierigen Gedanken zu äußern

wie: dass alles so, wie es ist, vollkommen ist – und eine Gelegenheit

zu heilen.

Nachdem wir zwei Tage das Problem immer wieder gewälzt hatten,

entschied ich, dass die Zeit reif sei, Radikale Vergebung anzusprechen.

Dazu musste sich allerdings meine Schwester der

Teil I

17

Möglichkeit öffnen, dass etwas in ihrem Leben geschah, das über

das Offensichtliche hinausging – etwas Sinnvolles, von göttlicher

Instanz geleitet und ihrem höheren Wesen dienend. Doch noch

war sie überzeugt, das Opfer der Situation zu sein. So war fraglich,

ob sie bereit war, eine Version von Jeffs Verhalten zu hören,

die sie aus dieser Rolle befreien konnte.

Als meine Schwester jedoch begann, die Version vom Vortag zu

wiederholen, entschloss ich mich, einzuschreiten. Vorsichtig sagte

ich: „Jill, wärst du gewillt, die Situation aus einer neuen Perspektive

zu betrachten? Könntest du mir zuhören, wenn ich dir

eine völlig andere Deutung der Ereignisse vorstelle?“

Sie schaute mich an, als wollte sie sagen: ‚Wie soll es möglich sein,

dass man die Dinge anders interpretieren kann. Es ist so, wie es ist.‘ Jill

und ich haben jedoch eine gemeinsame Geschichte; in der Vergangenheit

hatte ich ihr bei der Lösung eines Beziehungsproblems

geholfen. Also vertraute sie mir genügend, um zu erwidern:

„Meinetwegen. Was schwebt dir vor?“

.

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