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Eltern, Kind und Kinderstube 52. von 144 „Findest du das gut?“

  • Dem Wahren eine Chance geben

Eckehardnyk

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Woher weißt du, daß du Wahrheit gefunden hast? Wie gesagt im vorigen Artikel, durch die Probe: Würde das ewig gelten, was du erkannt hast? Daß zweimal Drei Sechs sind? Macht sich da ein Glücksgefühl bemerkbar, wenn du daran denkst? Heute bei Erwachsenen wohl weniger, aber für ein Kind, das zum ersten Mal mit Zahlen spielt und selbst ein Ergebnis heraus bekommt, das immer so ist und bleibt, kann das viel mehr bedeuten. Sein Gefühl wird zwar durch ein Ereignis ausgelöst, das weniger Zeit braucht als der Stich einer Nadel. Der Impfstoff dafür jedoch heißt Freude.

2

Machen wir die Gegenprobe: Dein Kind kommt voller Freude strahlend zu dir und sagt: „Mama, Papa, ich hab rausgefunden, drei Äpfel und vier Birnen sind sieben Stück Obst, und drei Messer und vier Gabeln sind auch sieben Bestecke, ist das nicht toll?“ Es geht mit allem, was man zählen kann. Und fragst du: „Findest du das gut?“, wird seine Freude irritiert sein. Denn es freut sich, ewig Funktionierendes in der Zahlenwelt (später dann in der Mathematik) gefunden zu haben. Aber ob das gut sein soll? Was soll die Frage?

3

Wir sehen, im Zusammenhang mit wahr und ewig spielt „gut“ nur eine Nebenrolle. Es ist egal, ob jemand gut findet, daß zwei mal Drei Sechs ergibt. Aber es ist keineswegs egal, ob dann die Umkehrung, die Subtraktion, mit Maikäfer- oder Froschbeinen experimentiert wird. Als Eltern und Kindesbegleiter werden wir dafür sorgen, daß solche Begebenheiten Einzelfälle bleiben. Aber wie? Natürlich gibt es Sprüche wie „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz!“ Oder „Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ Wenn das auch unsere gelebte Gesinnung ist, wird Tierquälen tabu sein. Kinder sind dann dabei sehr streng, auch untereinander. Tielquäler werden gemieden.

4

Also, gut bezieht sich demnach nie auf Ewiges oder Wahres, sondern auf etwas Vorübergehendes und insofern möglicherweise auch Unwahres, oder im Sinne des Buddhismus: Illusionäres. Ein Film ist gewiß eine Illusion. Hat man einen gesehen, wird man gefragt: „Fandest du ihn gut?“ (Da passt die Frage). – Gut und schlecht, richtig und falsch sind dem Vergänglichen zugeordnete Werturteile. Doch mit gut scheinen wir auch etwas zu meinen, das dem Wahren und Ewigen eine Chance gibt, sich im Fluß des Vorübergehenden zu ereignen. Mit schlecht bezeichnen wir dagegen gern solche Tatsachen, die unserem augenblicklichen (oder vermeintlichen) Interesse oder Arrangement zuwider laufen. Der Dichter Gottfried Benn gab zwischen 1949 und 1955 uns in seinem Gedicht „Was schlimm ist“ eine (ganz „subjektive“) Aufzählung, darin: „Bei Hitze ein Bier sehen, das man nicht bezahlen kann.“

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Als richtig bezeichnen wir Dinge, die ihren Platz in der „Kleiderordnung“ haben; als falsch gelten Verstöße gegen das Reglement. Ja aber, wer hat denn dies aufgestellt? Das waren Menschen wie du und ich, die dazu Macht und daraus legal abgleitet das Recht hatten, Regeln (für Viele) zu etablieren. Wir erinnern uns an die Zeit von 1968, als Studenten gegen das Establishment vorrückten: Heute gehören nicht Wenige selbst „dazu“. Was sie damals gut und richtig fanden, wäre für sie heute falsch und schlecht. Aus Sicht der Etablierten ist Aufstand immer schlecht, böse und „das falsche Mittel“. Aber merkt ihr was? Ihr habt tatsächlich „immer“ gelesen. Damit ist für uns auf ein Element der anderen Art aufmerksam zu machen: Des Ewigen und Wahren.

6

Es wiederholt sich in der Geschichte das Aufbegeheren der Jugend gegen die Gesetze genannten Regeln der Alten ständig, und das ist wahr. Denn damit pocht Jugend auf etwas, das wir „Teilnahme am (öffentlichen) Leben“ nennen wollen. Hierfür etwas zu beschließen ist gut, weil es dem Element des ewig Wahren eine gute Gelegenheit gibt, sich in der Gesellschaft als etwas Neues einzufügen. Die Art, wie es sich dann durchsetzt, kann ausarten, wie eine „chinesische Kulturrevolution“ oder einfach schön sein, wie der Ende des 19. Jahrhunderts noch verhöhnte „Impressionismus“.

(c) (eah) 9. Dezember 1998 und 6. Juni 2020


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