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ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – 32. von 144 – Das Hindernis…

…aus Liebe

Eckehardnyk

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Für jeden, der sich mit Begrenzungen beschäftigt, ist an sich klar, daß Liebe keine Hindernisse hat, es sei denn, die der Moral. Liebe ist ein Zustand von unbegrenzter Weite, von „ozeanischen Gefühlen“, von absolutem Einssein mit jemand anderem. Doch ist es nicht auch so, daß Liebe Hindernisse setzen kann?

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Beobachte mal eine Katze auf einem Balkon: Sie schaut von der Brüstung in die Tiefe, sie schnuppert die herrliche Weite aber sie springt dort nicht hinunter. Die Unendlichkeit bildet eine Grenze. Wo sollte sie ankommen? Diese Ungewißheit läßt das Tier instinktiv für den Erhalt seines Lebens das Richtige tun und in den Begrenzungen seiner Möglichkeiten bleiben.

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Auch Kinder und Säuglinge meiden das Unendliche und erforschen lieber das, was vor ihnen liegt. Überhaupt ist das über die Begrenzung des Bekannten hinaus Wollen immer an das Vorhandensein von Übersichtlichkeit gebunden. Es besteht ein Drang, Übersicht zu vergrößern. Mit der Übersicht wachsen auch Mut, Geschicklichkeit und Macht. Pure Unendlichkeit erlangen zu wollen ist jedoch kein Forschertrieb, sondern Wahnsinn.

4

Fragtest du dich schon, warum manche Kinder selbstvergessen in ihrer Welt versinken und stundenlang spielen können, andere dagegen ständig am Rockzipfel ihrer Mutter hängen und sich nicht zu beschäftigen vermögen? Das kann beim selben Kind auch tageweise unterschiedlich sein. Woran liegt das? Ich werde darauf nicht aus anderen Büchern antworten, sondern die uns hierher begleitenden Ergebnisse weiter ausbauen: Das mit sich selbst beschäftigte, friedliche Kind ist umgeben von einem Ozean aus Liebe. Wo sollte es daraus hin wollen, warum sollte es seine sichere Insel [sein übersichtliches Sein in und um seinen Leib] verlassen?

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Wenn es dann zu dir kommt, um dir etwas zu zeigen, orientiert es sich am Band seiner Beziehung zu dir. Du tauchst in seiner Erinnerung auf, wie ein Schiff am Horizont. Es sagt symbolisch: Da ist die Mama, und sofort ist es bei dir. Nur dieses Zurückkehren in die Verbindung zum angehörigen Menschen läßt dein Kind ohne Angst auf seinem Plätzchen in seiner Welt etwas weiter entfernt verweilen.

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Die „Grenzen“, die eigentlich nur Hindernisse sind, die den Rockzipfelanhängern gesetzt wurden, waren Ängste und Vorurteile der Eltern, die sie „aus Sorge“ auf ihre Kinder übertragen haben. Die spüren diese Sorge, wissen aber nicht, wofür sie gut sein sollte, aber erfahren sie in ihrem Innern als ständigen Alarm vor ihrem Forschungsdrang. Ihnen fehlt dann das Dasein als [und auf der] „Insel“, das eine traumhafte Fähigkeit entwickeln hilft, nämlich zu wachsen und Verbindungen in sich selbst und zur übrigen Welt herzustellen. Aus manch solcher Insel ist ein Kontinent, vielleicht sogar ein neuer Planet, ein neuer Stern geworden, wer weiß das schon so genau? Jede Insel ist wie jeder Stern umgeben von Unendlichkeiten. Innerhalb dieser zu gedeihen vermag ein „kleiner Prinz“ nur, wenn aus welcher Unendlichkeit auch immer Licht und Wärme, Nahrung und Nähe, also Zuwendung kommt.[1]

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Kommt sie nicht, so entsteht statt gekonnten Alleinseins Einsamkeit. Deshalb bau deinem Kind Hindernisse, die es demnächst wieder überwinden kann. Lass es das können, und [er]finde neue „Grenzen“, [also Hindernisse zur nächsten Wachstumsstufe]. Aus Fingerspielen des Säuglings, den du deshalb auf dem Rücken liegen lassen mögest, werden Klimmzüge am Geländer des Laufställchens; werden erste allein gekonnte Schwebebewegungen auf seinen eigenen Füßchen; werden erste Wortversuche: alles begleitet von deiner Freude, Nähe, Zuwendung. Im Kind wird ein Gefühl entstehen, daß davon genügend da ist. Dann beschränkt es sich auf das Erforschbare und Mögliche. Das läßt du zu ihm vom Ozean deiner Liebe her auf seine Insel kommen.


[1] In der Printausgabe von 2013 ist dieses Kapitel delikater gefasst. Einfügen möchte ich hier daraus nur, dass das Wörtchen Zuwendung  wie folgt ersetzt wurde: „…und neuerdings auch das Bewusstsein von Freiheit kommt. (‚Neuerdings‘ sage ich hier deshalb, weil es in dem ursprünglichen Manuskript [also im hier zugrunde gelegten Text] fehlt… Wir sind uns sicher einig, dass ein Kind Zuwendung braucht und sie auch in der Regel bekommt. Was es aber auch braucht, ist Freiheit..die wächst vom ersten Atemzug an mit den [zunächst körperlichen] Fähigkeiten des Kindes [bis sie nach der Pubertät im Denkvermögen angekommen ist. – Das hier eckig Eingeklammerte setzte ich heute dazu.]


5 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Sehr gut. Zwei passende beispiele aus der Praktischen Erfahrung die viele andere wahrscheinlich auch schon machten.

    Kleinkind läuft los, freudig so weit das es die Mutter nicht im Blickfeld hat. Mutter sorgt sich, geht nach. Da kommt das Kind zurück gerant mit ein Aufgeschlagenen Knie, sagt aua. Mutter entsetzt sagt laut mein Gott was ist den passiert. Erst in dem moment beginnt das Kind an zu Weinen, Mutter noch entsetzter in der Dramaturgie. Was macht es mit dem Kind ?

    Kleinkind läuft los, freudig so weit das es die Mutter nicht im Blickfeld hat. Mutter ganz in der Liebe wartet ab. Da kommt das Kind zurück gerant mit ein Aufgeschlagenen Knie, sagt aua. Mutter lächelt, tupft die Wunde mit einen Taschentuch und etwas Spucke ab, sagt geht ganz schnell weg nimmt ein Pflaster raus aus dem Kinderwagen. Kind rent wieder los um mehr zu Endecken. Was macht es mit dem Kind ?

    Beides erlebt, ersteres passt gut zu den Wahnsinn was heute so abgeht. Was wie eine Kindheit hatten die Virus verängstigten die das ganze Land und die halbe Welt lahm legen ?

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  2. Mujo sagt:

    „Beobachte mal eine Katze auf einem Balkon: Sie schaut von der Brüstung in die Tiefe, sie schnuppert die herrliche Weite aber sie springt dort nicht hinunter. Die Unendlichkeit bildet eine Grenze. Wo sollte sie ankommen? Diese Ungewißheit läßt das Tier instinktiv für den Erhalt seines Lebens das Richtige tun und in den Begrenzungen seiner Möglichkeiten bleiben.“

    „Auch Kinder und Säuglinge meiden das Unendliche und erforschen lieber das, was vor ihnen liegt. Überhaupt ist das über die Begrenzung des Bekannten hinaus Wollen immer an das Vorhandensein von Übersichtlichkeit gebunden. Es besteht ein Drang, Übersicht zu vergrößern. Mit der Übersicht wachsen auch Mut, Geschicklichkeit und Macht.“

    Da Stimme ich nicht überein. Tiere Handeln immer aus ihren Instinkt. Sie sind natürlich Lernfähig und nehmen Schwingungen von außen war und Verhalten sich entsprechend, jedoch ist dies auch Begrenzt. Eine bewusste Entwicklung wie es Menschen erfahren können ist ihnen nicht gegeben.

    Baby’s können es noch nicht, aber schon Kleinkinder können darin Erfahrung machen wenn die Eltern dies bereits schon Entwickelt haben. Und mit dem bewusst werden erweitern sich die Horizonte.

    „Pure Unendlichkeit erlangen zu wollen ist jedoch kein Forschertrieb, sondern Wahnsinn.“

    Wenn man es nur auf der Verstandes ebene möchte ja, auf der bewussten ebene ist es ein bestehendes Faktum das erreichbar ist.

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  3. palina sagt:

    „Fragtest du dich schon, warum manche Kinder selbstvergessen in ihrer Welt versinken und stundenlang spielen können, andere dagegen ständig am Rockzipfel ihrer Mutter hängen und sich nicht zu beschäftigen vermögen? Das kann beim selben Kind auch tageweise unterschiedlich sein. Woran liegt das?“

    Zunächst einmal zum Rockzipfel. Sofern die Mutter noch einen Rock oder ein Kleid anhat.
    Die Kinder können sich heute eher am Jeans-Zipfel, der auch noch Löcher hat, festhalten.

    Es kommt auf das Kind an, welches Temperament es hat. Ich gehe da nach der Temperamenten-Lehre von Rudolf Steiner.

    Dann kommt es drauf an ob es das Erst-Geborene oder das Zweit-Geborene ist.
    Die Zweit-Geborenen sind in der Regel temperament-voller.
    Meistens werden sie auch später die „schwarzen Schafe“ in der Familie.

    Dann liegt es an der Ausstrahlung der Mutter. Ist sie in „wirklicher Ruhe“, spürt das Kind das.

    Arbeitet die Mutter achtsam und in Liebe kann das Kind sie gut nachahmen und es versinkt förmlich ins Spiel.

    Hat es allerdings eine unzufriedene „Glucke“ um sich, dann kann sich das Kind nicht wirklich auf ein Spiel einlassen.

    Gefällt 2 Personen

  4. eckehardnyk sagt:

    palina, danke für deinen Kommentaar. Das Verweilen auf dieser „Insel“ geschieht schon je nach Temperament auch verschieden. Dazu müsste weiter ausgeholt werden um Beispiele zu sammeln. Das wäre ertragreich, muss jedoch einer anderen Arbeit vorbehalten bleiben.

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  5. palina sagt:

    also ich blicke nur noch in ängstliche Gesichter beim Einkaufen.
    Durchschauen eben nur wenige das ganze „Spiel.“

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