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Eltern, Kind und Kinderstube: 19. von 144 Eisernes Zeitalter

Von Eckehard

Auch „Zeitalter des Alleinseins, der Vergeltung, der explodierenden und implodierenden Kräfte des Zorns aber doch – der Liebe“ könnte als Überschrift stehen. Im „Eisernen Zeitalter“, das mit der Pubertät beginnt, werden die Kräfte mit Kameraden oder Kollegen, überhaupt mit allen Mitmenschen gemessen. Erst jetzt beginnt naturgemäß die Macht eines heranwachsenden Menschen über seine eigene Person hinaus zu wachsen. Damit ist aber auch das Übernehmen von Verantwortung für andere möglich. Manche Völker ließen ihre Könige bereits mit vierzehn oder sechzehn Jahren volljährig sein. Bei Naturvölkern wird der jugendliche Mensch durch Einweihungsrituale in die Welt der Männer oder erwachsenen Frauen aufgenommen. Bei uns erinnert die „Konfirmation“ an solche Vorgänge, die sich aber vor allem im Inneren eines Menschen abspielen.

Zum ersten Mal spürt ein junger Mensch, daß er allein ist und die Auseinandersetzung um seinen Platz in der Welt selbst aufnehmen muß. Der andere Mensch wird zum Freund oder Gegner, zum Geliebten, Gehaßten oder Gleichgültigen. Ein Zurück in die Kindheit gibt es nicht mehr. Das bedeutet, alle bisher errungenen oder vernachlässigten Tugenden und Fähigkeiten bieten sich als persönliche Helfer an oder treten als „Rächer“ auf. In zahlreichen Märchen gibt es Beispiele dafür. Irgendwo am Wegrand sitzt da ein graues Männlein oder Weiblein und bittet um ein Stück Brot. Der oder die Hochmütige geht vorbei, „jüngerer Bruder“ oder „jüngere Schwester“ jedoch gibt den letzten Brocken hin und erhält ein scheinbar belangloses Geschenk, einen Ring, eine Maus oder eine Nuß zum Dank. Später, wenn die Not für das „Jüngste“ am größten ist, wird ihm diese Gabe zu Hilfe kommen, als Tarnkappe, als Sternenkleid, kurz: als Fähigkeit, über sich hinaus zu wachsen. Es ist bezeichnend, daß diese Gaben nicht in die Wiege gelegt werden (wie bei „Dornröschen“), sondern auf dem Weg in die Welt oder Unterwelt (wie bei „Frau Holle“), also erworben werden müssen.

Wenn in der „Zauberflöte“ der Sonnenpriester Zarastro singt: „In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht“, dann bedeutet das für den jugendlichen Helden Tamino ein Ablegen von etwas, das ihn naturgemäß ergreifen würde: (Besitz ergreifende) Emotion und Macht über eine Person auszubreiten und Zorn der Vergeltung gegen jeden wüten zu lassen, der da was wegnimmt. So ausgestattet, entläßt ihn die „Königin der Nacht“ mit einem Mordauftrag gegen Zarastro, der ihre Tochter Pamina, das Opfer ihrer Macht, „geraubt“ habe. Denn die Nachtseite des Menschen kennt Rache sehr wohl und macht sie für den Jüngling mit erotischen Mitteln attraktiv. Als „zorniger junger Mann“ tritt er an, um Pamina zu „befreien“. Doch in einer Verwandlung seiner Einstellung im Bereich des, sagen wir mal: „Tagesmenschen“, des seiner Würde und Wertes bewußten Menschen, entdeckt Tamino (mit Zarastros Hilfe) das Geheimnis der Freiheit in der Liebe. Pamina wird ihm nicht als Objekt seiner Begierde gehören müssen, sondern freiwillig als Gefährtin seiner Liebe angehören wollen.

Wir sehen, das Angehörigsein hat hier in der freiheitlich errungenen Liebesbeziehung seinen Ursprung und ist dadurch übertragbar auf unsere  Einstellung zum Kind. Sind wir selbst ein Gestalter unsrer Beziehung gewesen und einem Menschenpartner „angehörig“ (nicht sein Besitz), dann wird auch unser Kind selbständig aus dieser Verbindung hervorgehen und einst die Probe im Tempel des Zarastro bestehen (symbolisch gesprochen). Das zu durchschauen im Strudel des Tages- und Nachtgeschehens ist manchmal nur schwer möglich, wenn die „Macht des Eisens“: magnetisch anzuziehen und magnetisch abzustoßen sich hemmungs-los austobt. Doch du bist mitten dabei, rechtzeitig innere Wegweiser für dein Kind aufzustellen, wo du bereit bist, deine Existenz auf die Probe zu stellen und zu stärken, so wie es dir durch die polarisierenden Kräfte der Jugend immer wieder zugemutet wurde.



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