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Eltern, Kind und Kinderstube: Welcher Held bist du für dein Kind? 18. von 144

 

 

Heroisches Zeitalter

von Eckehard

 

Im „Heroischen Zeitalter“ sind neben Fairplay und Umgangsweise auch andere Autoritäten wie Lehrer gefragt. In deinem heranwachsenden Kind spielt sich das zwischen Zahnwechsel und Pubertät ab. Die vorangehenden Lebensphasen sind auch jetzt mit ihren tragenden (oder tragischen) Errungenschaften anwesend. Sie bilden um dein Kind herum unsichtbare Hüllen, quasi Informationsdateien, die seiner Existenz das Format für sein Leben in der menschlichen Gemeinschaft geben.

Bevor wir weitergehen die bisher erworbenen wichtigsten erwünschten Eigenschaften, die ein Kind in den vier Zeitaltern ausbilden sollte, in Kürze (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Aus „Paradies“ und „Goldenem Zeitalter“ (Stillzeit und Kleinkindalter): Mut, Urvertrauen, Sicherheit, Eins- und Allessein, Bindungs- und Liebesfähigkeit als „Treue“.

Aus dem „Silbernen“ (bis etwa vier Jahre): Kooperation, Selbständigkeit, Sprache, Gehen, Ernst- und Heiterkeitunterscheidung, Beziehungsgefühl.

Aus dem „Bronzenen oder Ehernen Zeitalter“ Macht, Selbstbehauptung, Wille, Phantasie, Schlagfertigkeit, Intelligenz und Sinn für Humor.[1]

Im Falle einer Verletzung in diesen drei Kindheitsepochen findest du, mitunter erst im späteren Leben, manifest werdende, unerwünschte Verhaltensweisen (in schwereren Fällen auch Krankheitsbilder):

Aus der paradiesischen und „goldenen“ Zeit: Zaghaftigkeit, Angst vor Nähe (Autismus), Mangel an Zuverlässigkeit und Interesse, dafür Null-Bock-Stimmung, Pech, Schuldzuweisungen an Eltern und Umwelt, „Melancholie“.

Versäumnisse in der „silbernen“ Zeit : Mängel bei Vorstellungskraft, Intelligenz und Selbstbehauptung; Ohnmachtsgefühle, Masochismus und Suchtgefahr, Aufmerksamkeitsstörungen und nervöse Symptome.

Verletzungen in der „bronzenen“ oder „ehernen“ Zeit hinterlassen: Mangel an Format, Neigung zu Sadismus, Neid, Eifersucht, Haß, Querulantentum, Anorexie (Magersucht), Bulimie (Freßsucht) und erhebliche Machtkämpfe (mit Eltern und Geschwistern.), Humorlosigkeit.

Die Versäumnisse oder Verletzungen der vorhergegangenen Epoche treten meistens schon in der nächsten als unliebsame Mängel hervor.[2]

In Anlehnung an die heroischen Griechen sprechen wir nun vom „heróischen“ Zeitalter[3] Ein Heros war einer der Helden, die mit Achill und Odysseus vor Troja kämpften, mit Jason das goldene Vlies eroberten oder wie Herakles die zwölf übermenschlichen Taten verrichteten, wie zum Beispiel den berühmten Stall des Augias auszumisten. Bei all diesen Taten spielte außer Kraft auch die Intelligenz (und nicht zu vergessen unterschwellig Humor), womit zu Werke gegangen wurde, eine erhebliche, ja die entscheidende Rolle: Troja wurde durch die List des Odysseus mit dem Trojanischen Pferd bezwungen;[4] Jason gelang es, Medea, die Tochter des gegnerischen Königs als Geliebte für sich zu gewinnen; Herakles ließ einen ganzen Fluss die Stallungen des Augias auswaschen. Und David bezwang den Goliath mit einer Steinschleuder!

Für unsere Kinder sind Vorbilder und Autoritäten in dieser Zeit von größtem Nutzen. Sie schlüpfen in deren Haut und probieren sich mehr oder weniger bewußt in der Daseinsweise ihrer Helden aus. Ein Lehrer oder eine Lehrerin sind nicht wegen ihres Wissens beliebt, sondern wegen ihrer überlegenen Art, mit ihren geistigen Werkzeugen umzugehen. Über diese Vorbilder hinaus „erhebt“ sich ein Kind selbst zu Höhen des Daseins. Manches träumt davon, auf einer Wolke vor Anker zu gehen und wie Nils Holgersson die Städte und Länder der Erde zu überfliegen. Ehrfurcht vor dem Können anderer, Anerkennung für Tapferkeit, Ehrlichkeit, Treue, „Bluts“brüderschaft und Wir-Gefühl – hierin übt sich jedes Kind in dieser Epoche seines terrestrischen Lebens. [5] Echtheit und Solidarität werden entdeckt und ausgelotet. Werte haben ihre Gültigkeit zu beweisen (deshalb auch die Wichtigkeit von Labels: Alles muß echt sein und die Marke muß Echtheit garantieren.) Feige oder verräterische Verhaltensweisen werden von Kindern dieser Entwicklungsstufe gnadenlos an den Pranger gestellt und ausgestoßen.


[1] Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, bis zum Zahnwechsel. Auch Tugenden und Talente wie Fleiß, Geschicklichkeit, Schönheitssinn und Musikalität, „Verständnis“.

[2] In dem Fall ließe sich noch während der Kindheit dagegen steuern.

[3] in der Psychoanalyse „Latenz“ genannt und in der Waldorfpädagogik die Epoche zwischen Zahnwechsel und Geschlechtsreife (Pubertät)..

[4] Außerdem musste durch den Pfeilschuss des Philoktet der einzige Trojaner, der von den Herrschenden die List durchschaut hätte, nämlich der Verursacher des Krieges, Páris, ausgeschaltet werden.

[5] Natürlich werden auch „technische“ Fertigkeiten ausgebildet und der eigene und andere Leib erregt die Phantasie und weckt genitale oder taktile Abenteuerlust, noch ohne dem „Zwang zur Liebe“ gehorchen zu müssen.


1 Kommentar

  1. eckehardnyk sagt:

    Zu den unerwünschten Folgen eines vernachlässigten „Goldenen Zeitalters“, also der frühen, „sicheren Bindung“ im Kleinkindalter gehören auch krankhafte Seekenzustände, die man heute nach dem ICD10, Abteilung F „bipolare Persönlichkeit“ und in noch schwereren Fällen als „gemischte schizo-affektive Störung“ zu nennen bereit ist.

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