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Erfolgsgeschichte Bill G.

Immer wieder wird versucht, uns das Märchen vom Reichwerden durch Fleiß und Geschick vorzuhalten, wie die Mohrrübe an der Angel vor die Nase des Esels: „wer immer strebend sich bemüht, der wird es auch schaffen“.
Verschweigend, daß dies nur in absoluten Ausnahmefälle für Einzelne möglich ist, und nur unter ganz bestimmten äußeren („Wachstumsphase“, „richtige Verbindungen“, „Herkunft“ usw.) und inneren (Ellenbogengebrauch, Gewissenlosigkeit, Bereitschaft zum Betrug usw.) Bedingungen.
Aber die Folgerung, daß jeder, der es nicht „schafft“, dann „selbst schuld“ sei, die wird automatisch gezogen… verlogener geht es kaum.

Aber betrachten wir doch mal eine der uns immer wieder vorgehaltenen „Erfolgsgeschichten“ genauer, was eine Rolle spielt, wenn man es „bis ganz noch oben“ schaffen will…
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 18. September 2017 – Kommentare
von mir, Hervorhebungen wie im Original.
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Die wirkliche Erfolgsgeschichte von Bill Gates

bulochnikov2017-08-18 – 20:38:00

Nun, Gates ist wenigstens kein Scharlatan, im Unterschied zu Mask. Und talentiert.

Снимок

Wieder läuft so eine Welle… Bill Gates ist ein Genie… Gates der Große… aus den Kommentaren zum Video „Denk über dich nach“: „Fast von Null hat er ein Großunternehmen geschaffen… mit 31 ist er Milliardär geworden…“
Ja, wie war das nun tatsächlich?

Aus der offiziellen Biografie auf der Microsoft-Netzseite:

Bill Gates wurde am 28. Oktober 1955 geboren. Er und seine beiden Schwestern sind in Seattle aufgewachsen. Ihr Vater, William Gates II ist Rechtsanwalt. Die Mutter von Herrn Gates, Mary Gates war Schullehrerin…“

Da wurde ein Knabe im der Familie eines bescheidenen Juristen und einer Schullehrerin geboren… Er lernte viel und arbeitete… Dank seiner Genialität wurde er einer der reichsten Männer des Planeten Erde, hat die Welt verändert.

Und, war das tatsächlich so?

Bill Gates oder William Henry Gates III – das klingt schon gut, nicht wahr? – wurde am 28.10.1955 nicht in einer einfachen Familie geboren, sondern in einer Familie mit reichen Traditionen im Geschäfts-, politischen und gesellschaftlichen Leben.
Die Familie Gates hat großes Gewicht und Autorität in Seattle und überhaupt im ganzen Staat Washington.
Sein Urgroßvater war
Parlamentsmitglied des Staates und Bürgermeister von Seattle, der Großvater mütterlicherseits war Vizepräsident der Nationalbank der VSA, der Vater William Henry Gates II ein sehr bekannter und sehr reicher Anwalt, und die Mutter Mary Maxwell Gates, die First Lady: Mitglied im Direktorium der First Interstate Bancorp, Mitglied im Direktorium von Pacific Northwest Bell, U.S. West Inc. und KIRO-TV in Seattle, Präsidentin des Nationalen Rates von United Way International – ganz nett für eine einfache Schullehrerin, nicht wahr?

Etwa bis elf Jahre wuchs Billy als streiche-spielender Schlingel auf. In der Klasse der gewöhnlichen Schule galt er als begriffsstutziger Faxenclown. Die Ergebnisse entsprechen so gar nicht den hypothetischen Talenten des Kindes. Er kam gar nicht auf die Idee, sich ein Beispiel an der vorbildlichen älteren Schwester Christie zu nehmen.
Es half nicht mal die sonst unfehlbare, von vielen Generationen erprobte Methode der finanziellen Stimulierung der Ergebnisse – der Bruder und die Schwester konnten auf 25 Cent für jede positive Zensur hoffen. (seinerzeit nicht wenig Geld für einen Schüler)
Diese Situation hat die in ganz Seattle geachtete Familie Gates nicht befriedigt, die auf ihre Traditionen und Wurzeln so stolz war. Man mußte sogar einen Psychiater einschalten.

Als Billy 13 Jahre alt wurde, verlegten ihn seiner Eltern, um ihn in den Kreis der Auserwählten einzuführen, in eine privilegierte Privatschule, die Lakeside School.
Und gerade im Jahre 1968 beschloß die Administration dieser seattler Lakeside-Schule, die Lernenden mit der neuen Technologie und Sprache der Computer vertraut zu machen. Der Preis eines Computers überstieg zu jenen Zeiten weit die Möglichkeiten des Schulbudgets, daher beschloß man in der Schule, „Rechnerzeit“ an einem Computer zu mieten, der irgendeiner Corporation gehörte.
Mit Hilfe eines Fernschreibers konnte man sich per Telefonleitung dort einklinken. Zwecks Umsetzung wandte sich der Schul-Direktor an den Elternbeirat mit der Bitte, das Geld für einen Fernschreiber und die Rechnerzeit zu beschaffen.
Die Kassen des Elternbeirates wurden um 3000 Dollar erleichtert, damit in jeder Klasse der Schule Unterrichtsstunden zur Nutzung des nahegelegenen Minicomputers PDP-10 (DEC), der General Electric gehörte, gehalten werden konnte.

Das erste Unternehmen gründete Gates zusammen mit Paul Allen noch im Jahre 1972. Die Firma nannte sich Traf-O-Data und hatte zwei Mitarbeiter: Paul Allen und Bill Gates.
Im Rahmen dieser Firma wurde
für die Stadtverwaltung von Seattle (mit dem Erhalt des Auftrages hatte es, wie wir leicht erraten, keine Probleme gegeben) ein Programm für die Steuerung des Verkehrs für ein System auf der Basis des Mikroprozessors Intel 8008 geschrieben. Traf-O-Data bekam dafür 20.000 Dollar (eine für damalige Verhältnisse riesige Summe!), aber weiter gingen die Geschäfte nicht und die Firma wurde aufgelöst.

Im Jahre 1973 beendete Billy die Schule und, der Familientradition folgend, begann der in Harvard ein Anwalts-Studium.

Im Juli 1975 wurde in Albuquerque, New Mexico, eine Genossenschaft mit dem Namen “Micro-Soft” (Microcomputer Software — Programme für Microcomputer) gegründet. Am 26. November 1976 wurde die Firma Microsoft registriert.

Ende 1976 entstand ein Rechtsstreit zwischen Microsoft und dem Rechtsnachfolger der Firma MITS, der Firma Pertec, zum Programmpaket “Basic”.
Billy wandte sich sofort
an den Vater um Empfehlungen zur Sache zu bekommen. Gates der Ältere half gern. Er gab einige weise Ratschläge, versicherte Billy, daß seine Firma die Sache gewinnen werde und fand in Albuquerque einen fähigen Anwalt, der die Interessen von Microsoft wahrnahm.
Der Prozess dauerte sechs Monate und am Ende wurde zur Entscheidung ein Schiedsrichter ernannt wurde. Das war ein gute Nachricht und bedeutete, daß die Sache bald endet – gewöhnliche Rechtsstreitigkeiten konnten mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Im Dezember 1977
gewann Microsoft die Sache.
Der Schiedsmann ging sehr scharf mit Pertec und Ed Roberts um. Er nannte die entstandene Situation einen „höchsten Fall von kommerzieller Piraterie“ und legte fest, daß MITS das Recht auf die Nutzung von Basic bekommt, aber Microsoft die Rechte auf dessen Verkauf, nach eigenem Ermessen.

Wie Steve Wood behauptet, gab es nach 1977 für Microsoft keine finanziellen Probleme mehr. Und ungeachtet dessen, daß die ersten fünf Kunden von Microsoft Bankrott gingen, kehrten Bill Gates und Paul Allen 1979 nach Seattle zurück (im selben Jahr wurde Bill Gates aus der Uni exmatrikuliert, wegen Nichtanwesenheit und schlechter Ergebnisse).

Und hier kommt die Mama unseres jungen Genies ins Spiel. Sie war Vorsitzende des Aufsichtsrates von United Way International, gemeinsam mit gleich zwei einflußreichen Managern des Computermonsters IBM (International Business Machines Corporation) – John Opel (Präsident ab 1981) und dann John Aikers (Präsident ab 1985).
Sie beschlossen, „
dem Jungen ein wenig aufzuhelfen“ (man sehe sich den Nekrolog zum Tode der Mutter des Genies in der Тhe New York Times an), und gleichzeitig selbst ein wenig daran zu verdienen.
Die völlig unbekannte Firma Microsoft erhielt einen Auftrag vom IT-Giganten IBM für die Entwicklung eines Betriebssystems (BS) für den ersten Personal-Computer.

Es versteht sich, daß wie im Falle mit Basic, Gates nicht sein eigenes BS entwickelt hat. Er kaufte einfach für 50.000 Dollar das Systems QDOS (Quick and Dirty Operating System), das Tim Paterson von Seattle Computer Products (SCP) geschaffen hatte, veränderte die Bezeichnung in MS-DOS und verkaufte die Lizenz zu dessen Nutzung an IBM, wobei er die Urheberrechte bei Microsoft behielt.

Und die Firma IBM war einverstanden! (erstaunlich, nicht wahr?)
Sie kaufte die Lizenz für MS-DOS und schloß
eine für die damalige Zeit völlig ungewöhnliche Vereinbarung, gemäß welcher Microsoft weiterhin Eigentümer bleibt und IBM jedes Mal zahlt, wenn es einen Computer mit MS-DOS verkauft.

So entstand das Konzept der patentierten Software-Pakete, obwohl bis zu jener Zeit es die gewöhnliche Praxis war, daß das Programmpaket kostenlos verteilt wurde, weil die Computer selbst derart teuer waren, daß zusätzliche Aufwendungen nicht erwünscht waren.

Qdos wurde DOS, dann zu Windows 1.0 – 3.11 (dieses BS wurde bei Microsoft entwickelt, obwohl sie es – zumindest die Fenster-Technik – bei Apple geklaut haben), letztendlich ist die krumme Windows-Linie mit Windows Millenium gestorben.
Dann kam die Dauerbaustelle Windows NT (weiter 2000/XP/Vista/Win7), in denen auch sehr viel geklaut ist, besonders aus OS/2 der Firma IBM.
(da bleibt nicht viel von dem alten Joke: „Windows? Kommt vom Bill Gates – mal geht’s, mal geht’s nicht…“)

Im Jahre 1986 kamen die Aktien von Microsoft erstmals an die Börse und Bill Gates wurde augenblicklich märchenhaft reich.

Na und, wo ist hier das Genie des Billy Gates?
Was wäre er ohne die Verbindungen von Papa im Anwaltsbereich und Mama unter den Business-Haien?
Wo ist hier das Aschenputtel, das alles nur mit eigenem Geist erreicht hat?

( Quelle )

– – – – – – –
Soweit der Artikel – nun noch ein paar Anmerkungen von Kommentatoren:
– – – – – – –

ext_3337552 – 18 August 2017, 13:41:09 UTC

Weder Gates noch Jobs haben selbst etwas erdacht – die Celebrity ist stets sehr mager. Ihre Aufgabe war – wie auch die von Marconi –, die bekannten Erfindungen in ein erfolgreiches kommerzielles System umzusetzen und dessen Gesicht zu sein.
Das grafische Interface und die Maus wurden bei Xerox erfunden.
Lest zu Xerox Alto: http://www.megabyte-web.ru/history/xerox-alto.html

– – – –

ucmopucm – 18 August 2017, 18:23:16 UTC

Vor einigen Jahren gab es einen umfangreichen Artikel eines amerikanischen Autors darüber, daß die Ernennung von Bill sowas wie ein „Rückgeld“ an seine Mutter war. Irgendein Kompromiß in den höchsten Kreisen der amerikanischen industriellen Elite. Das wurde alles sehr begründet dargestellt.

– – – –

kemxoxo – 19 August 2017, 05:34:24 UTC

Ich darf eine kleine, aber wesentliche Korrektur einbringen.
Bill Gates hat IBM das ihm noch gar nicht gehörende QDOS verkauft.
Erst nachdem der Vertrag zwischen Microsoft und IBM unterzeichnet war, stürzten sich Bill und Compagnon auf Tim Patterson und kauften ihm das QDOS für lächerliche 20.000 Dollars ab. Der arme Kerl wußte nicht, daß die Jungs mit Hilfe der Mama von Billy sein System schon unter dem anderen Namen MB-DOS an den Giganten IBM verkauft hatten – für eine gigantische Summe…
Das hat mit Unternehmertum rein gar nichts zu tun – das ist Betrügerei, wenn nicht etwas noch ernsthafteres…

– – – –

So, nun haben wir einiges erfahren, was die angebliche Genialität des einen Aushängeschildes der „Reichen und Mächtigen“, das uns immer als „Vorbild“ hingehalten wird, betrifft.

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber meine „persönliche“ Erfahrung aus 37 Jahren direktem Umgang mit aller Art von „Geschäftsleuten“ und „Managern“ zeigt, daß es nur noch gaaanz vereinzelt gaaaanz wenige gibt, die ihre Geschäfte anständig und einigermaßen ehrlich betreiben.
Ich kenne genau jeweils zwei, für deren Redlichkeit ich die Hand ins Feuer legen würde.
Und die Geschäftsleute werden regelmäßig von anderen „gelinkt“ und betrogen, was beide schon ein paarmal an den Rand des Ruins gebracht hat. Und die Manager haben beide auf ihr weiteres Karriere-Vorankommen verzichtet, um sich nicht selbst zu verraten…
Und es gibt jeweils 3 – 4 weitere, von denen ich noch nichts Nachteiliges gehört oder erlebt habe, zu denen ich weitgehend Zutrauen hätte…

Alle anderen – Eigentümer-Unternehmer wie Manager, und das waren von beiden Sorten nicht wenige – sind mir als windige, moralisch zweifelhafte oder direkt schamlos betrügerische Ausnutzer anderer in Erinnerung.
Es tut mit leid, solch eine Ansicht äußern zu müssen, aber die Dinge sind, wie sie sind.
Ich habe wirklich lange darüber nachgedacht. Aber es ist für mich ganz klar eine Vorbedingung für „richtigen Erfolg“ im Sinne des momentan real existierenden Kapitalismus, daß man andere hintergeht, betrügt, übervorteilt, erpreßt, ausbeutet, unterdrückt, belügt und ausnutzt.

Natürlich wird mir jetzt mancher wieder entgegenhalten, daß dies nur eine subjektive Meinung sei, die keinerlei Anspruch aus Allgemeingültigkeit hätte… diejenigen möchte ich fragen, wo für sie die „Allgemeingültigkeit“ anfängt.
Für mich ist das klare Kriterium die eigene Erfahrung aus dem Umgang mit anderen Menschen – und zwar deren Taten und nicht Gequatsche…

Und auch das „Argument“, daß man „mit den Wölfen heulen“ müsse, um nicht gefressen zu werden, zieht nicht: man muß nicht jedes Geschäft machen, und die Umsetzung der „Weisungen von oben“ kann so oder anders erfolgen – Gewinne erzielen kann man auch mit anständigem Verhalten.

Klar – die wichtigen Dinge im Leben sind nicht mit Geld und Gold zu bezahlen – das ist zweifellos richtig.
Aber sehr vielen noch nicht klar genug…

Und es beginnt bei jedem Einzelnen, im eigenen Leben, täglich.

Wie oft lüge ich, egal aus welchem Anlaß oder mit welchem Ziel?
Wie oft sehe ich nur meinen eigenen Vorteil und kümmere mich nicht darum, daß auch die Gemeinschaft etwas davon hat?
Wie oft bin ich freundlich zu anderen, nur um sie ausnutzen zu können?
usw.

Erst wenn ich gelernt habe, diese und andere Fragen zu stellen und mich ihnen zu stellen, werde ich in der Lage sein, mich zu verändern – und erst dann kann ich von anderen auch Veränderung erwarten.

LH


1 Kommentar

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

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