bumi bahagia / Glückliche Erde

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Die blaue Stunde

(Ludwig der Träumer) Miauh Meeh, meine? Katze fühlte sich am linken Fußende in meinem Bett das sie zum Nächtigen erobert hat, gestört durch meine Unruhe. Sie hatte vor drei Jahren den einzigen Weg über die Brücke zur Flußinsel auf der ich seit sieben Jahren im Wohnwagen lebe zu mir gefunden. Ein wunderbares Wesen, das mir mehr vom sinnvollen Leben auf der Erde erzählt als alle Philosophen bisher. Sie hat den Schöpferfunken noch inne – ist sich selbst bewußt und würde sogar einem Elefanten eins auf den Rüssel geben, wenn er sie belästigen würde oder ihr Souverän verbiegen wollte.

Eine schlaflose Nacht in der ich mich ständig herumwälzte und sie ständig mit meinen Füßen versehentlich tretete gefiel ihr gar nicht. Also sprang sie mit voller Wucht auf meine Brust und gab mir lauthals zu verstehen: steh auf, wenn du nicht schlafen kannst und mach was Sinnvolles. Laß mich in Ruhe schlafen.

Morgens um vier – spinnst du Katze mich aufwecken zu wollen? Na ja, ich schlafe ja nicht wirklich. Nochmal auf die Seite gedreht, sie runtergeschmissen, ließ sie nicht locker und pflanzte sich auf meinen Arm. Noch mehr Theater von ihr, damit ich endlich aufstehe. Also gut liebe Miauh, ausnahmsweise. Eine Klatsche Wasser ins Gesicht – duschen ist erst später. Kaffee kochen. Mist, Wasser alle. Um diese Uhrzeit mit der Taschenlampe und 30 l Wasserkanister in der Hand hundert Meter auf dem Waldweg zum Brunnen im Kelterkeller und zurück, ist für mich eine Extremsportart. Dazu noch zweimal über einen Maulwurfshügel gestolpert. Genug Sport für heute.  Wenigstens ist wieder Wasser für den Kaffee und sogar für die spätere morgendliche Dusche da. Während der Kaffee kocht, denke ich kurz über die Wasserverschwendung in meiner früheren Vorstadtvilla nach. Wasser können wir in unserer Region nie verschwenden, es ist im Überfluß da, aber es durch Vergewaltigung mit unnatürlichen Reinigungsmitteln verseuchen mit todbringenden Tensiden für Flora und Fauna. Gleich wieder vergessen das Thema. Der Kaffee duftet und muß jetzt meine Lebensgeister für den heutigen Tag beflügeln.

Nebenbei: Ich habe eine Außendusche in der bei jedem Wetter geduscht wird. Der Rekord lag im Februar 2012 bei -18° C. Mangels Strom für den Boiler durch Einfrieren des Wasserrades, das unseren autarken Strom erzeugt, war das Wasser arschkalt knapp über dem Gefrierpunkt. Es war eine angenehme Dusche. Mit sechs Liter Wasser und Neutralseife bin ich inzwischen perfekt geputzt. Brauche keine Deos oder andere Nuttendiesel mehr, damit mich andere Menschen noch riechen können. Hatte nicht einmal gefroren. Die Wohlfühltemperatur im früheren fußbodenbeheizten Badezimmer mit Handtuchwärmer, ohne die Duschen nicht denkbar war, kommt mir inzwischen wie ein schlechter Scherz der Verirrung in die Verweichlichung des menschlichen Geistes vor. Damit beginnt die die eigentliche Degeneration. Unfähig, sich der eingeborenen Natur anzupassen, schreit das kleine Arschloch vor Glück, wenn es sich eine beheizte Kloschüssel leisten kann. Für diesen Komfort prostituiert es sich. Arbeitet in Waffenfabriken oder in Banken, die das gleiche Zerstörungspotential haben ohne Reflektion, daß es ihn einmal selbst treffen könnte.

Wer noch nie das Vergnügen hatte, seine nicht verdauungsfähigen Lebensmittel bei jedem Wetter im Wald zu verbuddeln, weil ihm Chemieklos zuwider sind, kann da sicher nicht mitreden.

Wurde jetzt etwas abschweifend. War beim Kaffeekochen morgens um vier äh um fast um halb fünf. Was für eine Köstlichkeit, der morgendliche Kaffee, der Geister weckt. Wie üblich als erstes neben dem Kaffeetrinken den Schleppi anschmeißen und gucken, was so Scheiße in der Welt läuft, machte mir Miauh einen Strich durch die Rechnung.

Sie pflanzte sich auf meinen Schleppi, der durch irgendeine Tastenkombination durch ihre Pfoten,  die  sie beherrschte sogleich abstürzte. Sie kennt sich wohl in der digitalen Welt bestens aus, die uns Menschen vom Schöpfergedanken trennen.

Sie gab mir durch anstupsen meines Kinns ein Zeichen, mal aus dem Fenster zu gucken. Was gabs da zu sehen? Nichts. Es war noch ziemlich dunkel, aber um so mehr zu hören. Die Vogelwelt  teilte all ihre Neuigkeiten und ihre Bereitschaft neues Leben zu erschaffen aus. Da war nicht von Geld oder Krieg die Rede.

Ein Schritt vor die Hütte und ich war vermeintlich nicht mehr in dieser Welt. Alle Scheißgedanken bisher wie weggeblasen. Nur noch Staunen. Nun, so stand ich vor der Hütte auf der Waldwiese noch im Dunkeln als es plötzlich ruhig wurde. Kein Miauh mehr, kein Vogelgetschintschter mehr. Die Ruhe selbst, auch in mir – urplötzlich. Es sind Minuten in der die Welt stillstehen zu scheint.

Was passierte da? Die einzigen mir Bekannten sind Fotographen, die versuchten, dieses Phänomen für die Schlafenden festzuhalten. Die können leider nur das wunderbare Farbenspiel festhalten.

Am Anfang der blauen Stunde ein Ruhepol, der mich alles Weltliche vergessen läßt. Ein unsagbares Zufriedenheitsgefühl stellt sich da ein. Mit Beginn der Dämmerung fährt die Vogelwelt zur Hochform auf. Ein Konzert, das ich nicht mit der besten menschlichen Musik tauschen möchte. Wenn ich nur verstehen könnte, was sie erzählen und singen. Nur Balzkonzerte kann ich mir nicht vorstellen.

Nach kurzer Zeit passiert etwas Merkwürdiges. Kann das nicht in Minuten ausdrücken. Es wird urplötzlich still. Kein Gezwitscher mehr. Absolute Stille. Aber nur äußerlich. Ich hatte den Eindruck, es geschieht etwas Außergewöhnliches mit mir. Fühlte, wie sich eine besondere Energie in mir entwickelte, die den ganzen Tag anhielt. Nichts konnte mich aus der Ruhe bringen, obwohl sich an dem besagten Tag so manche Scheiße an meine Backe hängen wollte. Meisterte die souverän.

Seither bin ich von dem Sprichwort überzeugt: Morgenstund hat Gold im Mund.

Die Blaue Stunde

Es ist die Zeit zwischen der absoluten Dunkelheit bis zum Erscheinen der ersten Sonnenstrahlen am Horizont. Die blaue Stunde ist der Initiationsritus, der den Übergang  zur sinnlichen Seite des Lebens ermöglicht.

Am Abend gibt es auch so eine blaue Stunde. Sie wurde aber noch nie von mir so wahrgenommen. Vermutlich weil ich nach dem üblichen Alltagsgeplänkel unfähig bin, da umzuschalten.

„Du bist so weich, du gibst von etwas Kunde
von einem Glück aus Sinken und Gefahr
in einer blauen, dunkelblauen Stunde
und wenn sie ging, weiß keiner, ob sie war“
,

schrieb Gottfried Benn in seinem gleichnamigen Gedicht.

„Die blaue Stunde ist wie ein Geschenk“, sagt Kameramann Farkas. „Das Licht schlüpft ganz weich um die Figuren und die Landschaft“, wirkt wie ein natürlicher Weichzeichner. Trotzdem sind die Farbkontraste gut zu sehen. „Die blaue Stunde schafft eine hohe Plastizität, die dennoch etwas ungeheuer Weiches, Warmes, ja fast Liebevolles hat.“

Zu jener Stunde, als sie mir erschienen,
da stand der Himmel still und blau.
Und durch das dämmernd fahle Licht umschrieben,
ihr Haupt – geschmückt vom Morgentau.

Weiß wie der Mond waren die feenhaft Glieder,
ihr Haar war wie von Gold gemacht.
Und mir ward bang die Stunde ende wieder,
im Lauf der sternenklaren Nacht.


Ihr roter Mund wird mich ewig begleiten.

Die Stunde ging, die Schöne musste fliehen,
ihr Bild verschwand im Morgengrauen.
Ich muss nun mit den Tagen weiterziehen,
doch sie bleibt altbekannter Traum.

Seitdem vernehm ich ihre süße Kunde
in allen Dingen wunderbar.
Ich denke heimlich noch der blauen Stunde
und weiß nicht, ob sie jemals war

(Faun)

 

Ich kann das Glücksgefühl in der blauen Stunde leider nicht besser beschreiben, in der man die Energie für den Tagesablauf tanken kann.


9 Kommentare

  1. ❤ ein dickes Dankeschön der Mia-auh ❤

    Hat sie uns doch allen gezeigt was wirklich wichtig ist…

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  2. Ein wunderschöner Erlebnisbericht.

    Ja, diese blauen Stunden sind wahre Geschenke.
    Und diese atemanhaltende Stille, dieser RAUM der Stille…….

    Merkwürdigerweise erlebe ich diese „aktive Stille“, oder auch „laute Stille“,wie ich sie nenne,
    mittlerweile auch während des Tages oftmals ganz plötzlich……
    aber kennengelernt habe ich sie in den blauen Stunden.

    Seit wir einen Garten haben rund um das kleine Häuschen,
    sind mir auch die blauen Stunden der „Vornacht“ zum Erleben gekommen.
    Diese abendlichen Momente sind weitaus schwerer zu „fassen“, da der Übergang eben nicht von der Schlaf/Traum-Zeit zum Erwachen ist, sondern umgekehrt.

    Eine interessante filosofische Gedankenbewegung:
    der schwerere Weg vom Erwachen zum Traumschlaf…….

    Danke, lieber Ludwich und besonders, liebe Miau Meeh………………

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  3. Renate Schönig sagt:

    Schöööön deine „Geschichte“ Ludwig… DANKE !

    Auch ICH geniesse -als FRÜHaufsteherin- jeden Morgen dieses „Vogel-Konzert“ … 🙂

    Bin übrigens auch begeisterte FAUN-„Anhörerin“ … So aussagekräftig, ihre Texte.

    Gestern ist mir DIESER song ZU-geFALLen:

    Für MICH „ein leiser Hinweis auf den kommenden MAI“ … mmh …. was da wohl kommen mag ? 😉

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  4. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  5. Sagenhaft, und ich meine damit MiauMee’s Zusammenspiel mit dir genau so wie dein Erleben der morgendlichen erfüllten Stille.
    Danke für den Genuss, miterleben zu dürfen!
    .
    Ludowigo, wenn wir 12 Geschichten solcher Art von dir zusammen haben, dann drucken wir davon ein Büchlein.
    .
    Ob es mir jemals möglich wäre, mit Wasser um die null Grad bei unter Null Luft schlotterfrei zu duschen, weiss ich nicht, habe nie lange genug geübt. Wahrscheinlich schon.

    Im Militär machte ich die Erfahrung mit Kälte, auf Rucksackwanderungen (18-21 Kilo Rucksack) mit Körperkraft.
    Bei beiden brauchte ich drei Tage, bis „es so einigermassen zum aushalten“ war.
    Bei beiden brauchte es zwei Wochen, bis alles ganz selbstverständlich war. Im schneewinterlichen Militär am Waldesrand nachts an der eiskalten Kanone hockend kein Schlottern. Beim Wandern normal sich anfühlende Schultern und kraftvoller Gang auch mit vielen Stunden auf und ab.

    Wenn ich schon am plauderplauder bin. Das Sturmgewehr 57, das wog 7,5 Kilo. Wir hatten es, ausser im Ausgang, permanent bei uns, immer. Das kam mir vor wie heute ein Spazierstock. Null gefühltes Gewicht.
    Uebung.

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  6. Jochen sagt:

    „Wenn ich schon am plauderplauder bin. Das Sturmgewehr 57, das wog 7,5 Kilo.“

    Das fiel mir ganz spontan dazu ein:

    Wer sich dazu heranziehen läßt ein Gewehr bei sich zu tragen, der wird sich auch dazu bringen lassen es zu benutzen.

    Ein Gewehr ist für nichts anderes da als zum Töten. Gewiß, man kann auch mit einem einfachen Messer, einem Hammer oder sogar einem Stein töten, doch das Gewehr ist die Waffe des modernen Soldaten. Ein Soldat ist ein zum Töten von anderen Menschen abgerichteter Mensch. Er durchlief eine aufs Töten von Menschen abgestimmte Dressur unter der Kontrolle des Staates. Der Staat offenbart sich dadurch als das Monster aller Monster. Ein Soldat mit einem Gewehr in der Hand ist ein Mon (= Mann) mit einem Ster (= Schießbalken) in der Hand. Aber Befehl ist halt Befehl, und immer hat an allem die Schuld nur die Befehlsgewalt. Jene die gehorchen (müssen?), die trifft nie eine Schuld.
    Die Millionen Männer eines Landes trifft nie eine Schuld, haben sie doch nur brav ihren Gehorsam geleistet. Der Anarchist sagt „Ihr könnt mich alle mal“ und läßt sich lieber für seine Überzeugung erschießen. Deshalb ist mir ein echter Anarchist lieber als alle Millionen Männer eines Landes zusammen.
    Eine Welt des Friedens kann nur von einem echten Anarchisten angeführt werden. Das erste was im Sinne der Anarchie (= Herrschaftslosigkeit) abgeschafft gehört, ist das Staatswesen. Das Staatswesen ist das einzige Wesen, was getötet gehört, denn es ist zugleich Vater und Mutter aller Monster. Wird es nicht getötet, dann frißt es weiterhin alle Menschen, indem es sie auch zu Monstern erzieht.

    Hier spricht noch der ein Wort, welcher der Gott der derzeitigen Welt ist, auf dem das derzeitige Staatswesen vom Grund her aufbaut:

    Matthäus 10:34 Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

    Und die Menschen sagen dazu Ja und Amen, verehren das Monster sogar als heilig.

    Wer nicht für CHRISTUS ist, ist des Teufels ?

    In Ordnung, dann bin ich eben des Teufels, gerne sogar!

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  7. Jochen

    „Ein Soldat ist ein zum Töten von anderen Menschen abgerichteter Mensch.“

    Nein.
    Ich entschied mich mit 20, nach Ringen, gegen die Dienstverweigerung und für den Wehrdienst.
    Ich war nicht abgerichtet. Ich war falsch informiert. Das ist ein Unterschied.
    Mir war klar: Der Russe will die Welt. Wenn der Russe über die Schweiz herzieht, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Ich kann ihn meine Frau vergewaltigen lassen und zuschauen. Oder ich kann etwas dagegen tun. Mit Gewehr und Kanone.

    Ich hatte null keine nix Ahnung. Was wusste ich von falschen Flaggen? Null. Ich meinte, die US mache in Vietnam etwas wichtig Gutes. Was wusste ich von NWO? Null. Von dahinterstehenden Kräften? Null. Ich wusste nichts, aber auch nichts.

    Auch heute würde ich einen, der meinen Freund oder meine Freundin zur Sau macht, daran hindern wollen. Vielleicht hätte ich heute die Eingebung, es ohne Kanone zu machen. Ich wünschte es mir. Ob ich die Eingebung hätte, kann ich nicht wissen.

    Was du sagst, „zum Töten abgerichtet“, das ist etwas anderes. Der zum Töten Abgerichtete will töten um des Erlebens willen, töten zu können.

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  8. Michleiden sagt:

    Jochen du schreibt ein Mann sei ein MON. Hab ich doch gleich assoziiert: Mon-chi-chi. So weiblich und doch mit Vitalkraft = Chi.

    Es geht immer um höher, schneller, weiter.
    Männer erzählen von kaltem Wasser und Waffen und Frauen findens süß, wenn ein Mann mal ne weibliche Seite zeigt wie ne Katze haben und die Natur entdecken.

    Achja. 🙂

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  9. Michl

    Wenn dich Kaltwassererleben nicht interessiert, Waffe und weibliche Seite Zeigen eines Mannes…warum nur sagst du, Wissend schwächlich, achja dazu? Oh erhabener Meister, ich bitte dich:
    Bringe das Deine, welches diesem Niedrigen dazu dienen könnte, sich zu deiner Höhe aufzuschwingen.

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