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„Antike“ Statuen

Wir stehen heute staunend vor einigen Ergebnissen der Bildhauerkunst, bewundernd wie Menschen aus dem harten Stein solche erstaunlichen Kunstwerke herausarbeiten konnten.
Die erste Frage, die bei fast jedem auftaucht, der schon mal selbst versucht hat, Stein zu bearbeiten, ist doch: mit welchen Werkzeugen und Technologien wurden diese antiken Statuen geschaffen?
© für die Übersetzung aus dem Russischen by Luckyhans, 4.2.005
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Mit einem Kupfermeißel, sagt ihr?

Habt ihr schon mal solche Statuen selbst gesehen? Mit lebendig glänzenden Augen und seidigen Augenbrauen?

Mit einer Kleidung, an der nicht nur die Spitzen zu sehen sind, sondern auch Nähte und die Gewebestruktur? Mit einem Körper, auf dem Fältchen und Pockennarben sind? Und auf dem bei näherem Hinsehen sogar die Poren der Haut zu erkennen sind? …

Wie ist das dann mit dem reinen Vorhaben, der Gedankenformung, mit dem Bewußtsein auf die Quantenstrukturen der Mineralien einwirkend? Natürlich nicht ohne die erforderlichen Werkzeuge, klar.


„Der Marmor-Schleier“ Die Jungfrau Maria aus Marmor in der Ausführung von Giovanni Strazza. Mitte 19. Jahrhundert

Überhaupt gibt es sehr viele erstaunliche Arbeiten alter Meister. Hier noch ein paar Beispiele:


Die Statue „Keuschheit“ von Antonio Korradini. Marmor 1752. Capella San-Severo in Neapel. Die Skulptur ist ein Grabdenkmal für die Mutter des Grafen Raimondo, die ihm das Leben auf Kosten ihres eigenen geschenkt hat.


Die Skulptur „Der Raub der Proserpine“. Marmor. Höhe 295 cm. Galeria Borghese, Rom. Lorenzo Bernini hat dieses Wunderwerk geschaffen, als er 23 Jahre alt war, im Jahre 1621. „Ich habe den Marmor besiegt und ihn plastisch gemacht wie Wachs.“

Wer kann erklären, wie es möglich ist, ein solches Netz aus Stein herzustellen?


Und eine noch kompliziertere Allegorie ist dies Denkmal (für den Vater von Graf Raimondo – Antonio de Sangro, 1685-1757). Die italienische Bezeichnung dieses Monuments Disinganno wird oft mit „Enttäuschung“ ins Russische übersetzt, aber nicht in der heute üblichen Bedeutung, sondern in der kirchlich-slawischen: „Die Erlösung vom Zauber“ (Capella San Severo, Neapel).

Die Erlösung vom Zauber“ (nach 1757) wurde von Francesco Quirolo geschaffen und ist seine bekannteste Arbeit. Das Denkmal ist wertvoll durch die feinste Bearbeitung des Marmors und Bimssteins, aus dem das Netz besteht. Quirolo war der einzige der neapolitanischen Meister, der sich für diesen Auftrag bereiterklärt hat, alle anderen haben abgelehnt, weil sie meinten, daß bei jeder Berührung mit dem Meißel das Netz in Stücke zerfallen wird.
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Das Original stammt von sibved im Beitrag Это камень!

Ähnliche fast zeitgenössische Arbeiten (Ende 19. Jahrhunderts) gibt es eine Vielzahl. Sie begeistern dadurch, daß viele Winkel an den Elementen mit Hilfe von Stechbeitel, Bohrmaschine und Schleifmaschine unmöglich herzustellen sind. Da muß es unbedingt Absplitterungen, Ausschuß usw. geben. Ist aber nicht! Die Statuen sind ideal erschaffen!

Schauen wir weiter…

Bust of a Veiled Woman (Puritas) 1717 – 1725, Museo del Settecento Veneziano, Ca‘ Rezzonico, Venice, Italy, Sculpture, Marble, Done by Antonio Corradini


Veiled Woman (Puritas)


Antonio Corradini

Giuseppe Sanmartino, one of the most famous sculptor of his time, which masterpiece, Il Cristo Velato, is hosted by Sansevero Chapel, the legend says that a real veil was petrified thanks to alchemical processes.

Der Schlaf der Trauer und die Freude des Traumes“
Made in London by Raffaelle Monti, 1861


The Sleep Of Sorrow And The Dream Of Joy By Raffaelle Monti

Das ist wie aus Ton geformt…

Giovanni Battista Lombardi (1823–1880): Veiled Woman, 1869.

Stefano Maderno 1576-1636

Mit Kleidung, auf der nicht nur die Spitzen, sondern auch die Nähte und die Gewebestruktur zu sehen sind. Auf dem Körper sind Fältchen und Windpockennarben zu sehen. Und man sagt, daß bei näherer Betrachtung sogar die Poren da sind…

Dieses „Mädchen“ ist vom italienischen Skulptor Qintilliano Korbellini, Anfang 19. Jahrhundert. Sie steht im Wintergarten des Grafen Woronzow in Alupka. Und ist wirklich sein Schatz.

Auf den ersten Blick ein ganz anderer Eindruck. Ja, nicht schlecht, lebendiges Gesicht, spielerische Pose, das Kleid frivol, und nicht altersgemäß von der sich erst andeutenden Brust herabgestreift.

Aber wenn man näher hinschaut… O Gott! Sie ist ja wie echt!

Und es erwecken nicht nur die filigranen Spitzen, sondern die Falten und Fältchen am Knie die Aufmerksamkeit.

Die drallen jugendlichen Füßchen mit schmutzigen Zehen.

Und die Pose ist in der Bewegung erfaßt, so ganz instabil.

Die Nähte im Stoff!

Das zarte kindliche und gleichzeitig kokette Gesicht…

Und die nichtkindliche Einstellung.

Was für ein Gewebe!

Faktur, Falten, Nähte! Wie ist das möglich?

Von der anderen Seite.

Die Windpockennarbe über dem Ellenbogen.

Unvergeßlich lebendig.

Dieses Mädel in seiner ganzen Schönheit wollte ich euch zeigen.
Glaubt ihr, daß es sowas gibt?

Leider ist es mir nicht gelungen, irgendwelche näheren Informationen über den Künstler zu bekommen.

Wenn man die Aussage des Lorenzo Bernini „Ich habe den Marmor besiegt und ihn plastisch wie Wachs gemacht“ bedenkt, so war wohl vor gar nicht langer Zeit noch das Rezept zur „Erweichung“ beliebiger Steiner bekannt.
Von der Knete-(Plastilin-)Technologie der Antike, besonders in Mittelamerika ganz zu schweigen.

Quelle: © http://mylove.ru/groups/naciya/mednim-zubilom-govorite/#
nach http://masterok.livejournal.com/1576348.html (Teil 1)

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Anmerkung Luckyhans:

Hier nochmal das komplette Netz-Werk:

Und eine Erklärung, wie schon oben im englischen Text angedeutet:
ein normales qualitativ hochwertiges Durchtränken einer wasseraufnahmefähigen Grundlage mit einem wasserlöslichen dispersen Material (Gips, Alabaster, …) kann auch als Marmor durchgehen.

https://i1.wp.com/funkyimg.com/i/2bHGN.jpg

Eine andere Variante besagt:
alle Arbeiten sind individuell, da muß man konkret nachschauen.
Hier zum Beispiel wurde weißes Glas benutzt, das akkurat auf den Marmor aufgeklebt wurde:


Es spiegelt ein bißchen und ist ein bißchen durchsichtig. Und das Wichtigste: es läßt sich sehr fein beschleifen.

https://i0.wp.com/funkyimg.com/i/2bJfE.jpg

An den Übergängen bemerkt man das fremdstoffliche Element, oberhalb des Kopfes, an den tiefer gelegenen Plätzen, wo das Werkzeug nicht hinreicht – dort fehlt die Bearbeitung.

https://i2.wp.com/funkyimg.com/i/2bJg8.jpg

Aber noch nicht genug der Wunder:

Da werden doch Gedanken an sowas wie einen 3D-Drucker wach, oder? 😉
LH


9 Kommentare

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. rechtobler sagt:

    ich staune nur noch 😮

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  3. Gandalf sagt:

    Mit einem Meißel ist das wohl nicht zuschaffen die feinen Strukturen,
    eher mit dem Blick der Medusa , die Menschen und Tiere zu Stein verwandelte !?
    Die nächste Möglichkeit ist sie zu gießen oder aus einem weicheren Material
    zu formen und mit einem härteren Material zu überziehen . Für hohle Figuren
    kann man Halbschalen gießen , die nachher zusammen gefügt werden oder
    ein 3D Drucker war am werken . Mit Hammer und Meißel nicht möglich , selbst
    mit Flex , Dremel , Bohrmaschine , Fräse usw. kaum möglich !?

    Gruß Gandalf

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  4. Till sagt:

    Man läuft daran vorbei und nimmt es als gegeben hin…und wenn man es dann vor die Nase gesetzt bekommt mag man es nicht glauben, dass man das nicht selbst bemerkt oder in Frage gestellt hat…Danke Lucky Hans, Danke Thom die Zeit bei Euch ist immer wieder einen Bereicherung

    Gefällt 1 Person

  5. feld89 sagt:

    Hat dies auf volksbetrug.net rebloggt.

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  6. rositha13 sagt:

    Hat dies auf Gegen den Strom rebloggt.

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  7. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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