bumi bahagia / Glückliche Erde

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Mike Tyson / bumi bahagia

Vorvorgestern bezeugte ich meine Ehrerbietung für Andreas Clauss.
Heute bezeuge ich meine Ehrerbietung für Mike Tyson.
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Dass Andreas etwas mit „glücklicher Erde“ zu tun haben könnte, das leuchtet ein. Er setzte sein Leben ein für Forschung, Aufklärung, Weichenstellung zum Guten.
Aber Mike Tyson? Boxweltmeister? Glückliche Erde wie? Sich öffentlich die Grinder einschlagen?

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An mir sind sämtlich meenstriimige Zeitgenossen vorbeigegangen. Als ich in den 70ern (waren es die 80er?) im sauguten Musikgeschäft in Aarau wieder mal einen Band Orgelnoten kaufen wollte, da fesselte mich eine grosse Foto an der Wand, darstellend eine junge schwarze Frau, die ich auf der Stelle hätte auffressen mögen. Ich fragte den Verkäuferkumpel natürlich, wer das denn sei. Der kriegte es bitzeli Kartoffel-Augen und klärte mich auf: „Jackson, Michael Jackson.“ Dies zur Illustration meiner zeitlebigen Unbedarftheit bezüglich „Leute, die man doch kennt“.

So war es auch mit Mike Tyson. Ich hatte es damals, also vor Mike, knapp dahin gebracht, Ali in einem Kampf per TV zuzuschauen, doch auch Ali blieb meilenweit von mir weg. Dass er ein Mann war, der denken konnte, der selber denken konnte, der aufrührerisch gegen das herrschende System war, sowas dachte ich damals auch nicht im leisesten Ansatz, wie hätte ich gekonnt, denn von den herrschenden Systemen hatte ich damals Ahnung wie Frosch von Château neuf du Pape, und dass ein boxerisches Defensivgenie mit auch notwendigem Pöntsch zwecks Klärung der Lage sich mit Lebensfragen beschäftigen könnte, das zu vermuten schien mir damals abwegig.
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Alles tagebuchmässig, lieber Leser, klicke weiter, es kommt nix Spannendes. Ausser dem Fact, dass das Leben des Mike wunderschön zeigt, wie Mensch funktioniert, also auch wie du und ich funzen.
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Einer hat in sich einen Mechanismus, ein Programm: Angst, zusammengeschlagen zu werden. Ist er lebenstüchtig, so lernt er eben eine Kampfsportart, kann in verruchte Gebiete angstfrei gehen, denn er weiss, bevor ich überwältigt werden sollte, breche ich vier Arme, lasse Dreie bewusstlos werden und zweien knacke ich das Genick. Das Blödddeee dabei… nix nützen gegen Programm „Angst“. Das Programm stutzt, mäandert und setzt sich neu fest: Der tolle Kampfsportler wird gepeinigt von der Angst vor Gesprächen mit Vorgesetzten. Er geht in Rhetorikkurse, meistert das, Vorgesetzte ängstigen ihn nicht mehr. Die Angst stutzt, mäandert, findet ein neues Gebiet: Der Kampfsportler, der Redegewandte, er schibbert ab in tödliche Aengste vor Krankheiten.
Und so weiter.
Wenn eine Angst nicht an der Wurzel angegangen wird, treibt sie immer neue Blüten. Und dafür ist das Leben dieses guten Menschen Mike Tyson, so scheint mir ein Beispiel zu sein.
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Warum ich ihn so mag? In der Tat mag ich ihn ausserordentlich, ich möchte ihn herzlich knuddeln, diesen Mann.
Ich liebe seine Art, wie er daherkommt. Da ist null Patina von „sich verstellen“. Ich als Schweizer kenne das aus dem ff. Aeusserst selten triffst du einen Schweizer, der dir nicht fein, aber tatsächlich etwas vorspielt. Er spielt Nettigkeit und Freundlichkeit vor. „Jojo, es isch scho soo.“ Und er hat nichts begriffen und er sagt es, damit keine Reibung entstehen möge.
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Dies menschlich Urgewächs Mike Tyson, welches sich der Tränen nicht erwehren kann, wenn es von gewissen Ereignissen erzählt, wie schön ist es.
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Ich wünsche ihm volle Erfüllung seines Lebensplanes.
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Fast vergessesen. Im Titel steht auch „bumi bahagia“. Ich meine, dass Menschen, welche sich selber so treu sind, wie es der Mike Tyson tut, Segen für die Erde sind.
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thom ram, 02.10.0004 (Wer meint, Boxer seien alles dumme Schläger 2016)
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11 Kommentare

  1. thom ram sagt:

    Ich staune. Sterne werden an einen Artikel vergeben innerhalb einer Zeitspanne, da es unmöglich ist, den Inhalt aufgenommen zu haben.
    Der biographische Film, er dauert 1,5 Stunden. Vor 29 Minuten habe ich den Artikel rausgehängt, und schon wurden Bewertungen abgegeben.

    Ich denke, ich sollte diese Sterne aus dem Blog verbannen. Sie werden missbraucht. Zack, Türe auf, zack flüchtig reinschauen, mit Betonung auf flüchtig, zack, ohne mehr als schier nix betrachtet zu haben Sterne verteilen, zack, raus.

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  2. thom ram sagt:

    Ich habs getan, Sternekindergarten ausgemerzt.
    Wer etwas zu einem Artikel sagen will, hat die Möglichkeit, das per Kommentar zu tun.

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  3. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  4. aaronaldo57 sagt:

    Deine Gedanken zu Mike Tyson sind es die ich hier als gefällt mir markiere. Die Doku kenne ich schon und seine spirituelle und emotionale Seite ist einfach sehr bewegend. Auch ich habe eine Geschichte und darin kommt auch MT vor. Danke für deine Arbeit hier.

    Gefällt 2 Personen

  5. palina sagt:

    Ich staune. Sterne werden an einen Artikel vergeben innerhalb einer Zeitspanne, da es unmöglich ist, den Inhalt aufgenommen zu haben.
    Der biographische Film, er dauert 1,5 Stunden. Vor 29 Minuten habe ich den Artikel rausgehängt, und schon wurden Bewertungen abgegeben.

    Ist nicht unüblich.
    Beobachte ich auch bei anderen Bloggern.
    Artikel ist seit 15 min. draus, dauert ca. 60 min. und schon geht es los mit den Daumen rauf und runter.

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  6. thom ram sagt:

    Marietta brachte ihren Text nicht rein hier. Sie hat ihn mir geschickt:

    Soooo, hab jetzt Einiges geschrieben, dann Signale kurz ausgefallen und schwupp war es weg, komplett.
    Grummel……
    Werde nachher mal mir den Film anschauen, wobei ich keine Box Freundin bin.

    Stimme Dir zu, dass es eine unschöne Art und Weise unserer Zeit ist, Themen nur kurz anzuclicken und dann sofort zum nächsten hinzueilen.
    Das ist mit der Grund weshalb ich mich zur Zeit von einigen Foren abgemeldet habe.
    Es wurde mir einfach zu viel, ich kam nicht hinterher und mich hat auch einfach die click und teile Mentalität genervt.

    Bis später dann….nach näherem Einblick

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  7. thom ram sagt:

    aaronaldo57

    Ich bin auf Tyson bei meiner gelegentlich mitternächtlichen Idiotenblödmannzufallszapperei gekommen, vor wann, vor einem Jahr vielleicht.

    Mich faszinierte seine Mimik vor, während und nach dem Kampf. Auch heute kann ich es nicht ausdrücken, was es genau ist. Es ist eine mich berührende Freundlichkeit, welche Grundzug seines Wesens ist, auf gar keinen Fall aufgesetzt.
    Ich hatte schon oft versucht, die biografischen Filme zu verstehen, aber dazu ist mein Englisch einfach zu blöd. Vorgestern nun stiess ich auf diese Ausgabe mit deutschen Untertiteln und deutscher Synchronisation, saugut gemacht, nebenbei, immer ist Tysons Originalton wieder eingeblendet, und der Uebersetzer trifft den Ton gut.

    Da ich nun von seiner Kindheit Genaueres weiss, da ich seine Berichte, Beschreibungen und zum Teil sehr intimen Bekenntnisse gehört habe, bin ich erst recht hingerissen von diesem Menschen. Durch tausend Aengste gegangen, tausend Male sackdreckfies vom Leben und von Menschen verarscht worden, immer wieder gefühlt mutterseelenallein dagestanden – und strahlt diese freundliche Gelassenheit aus, als 40 jähriger.

    Für mich intern, ich deutete es schon in meinem Senf oben an, ist er ein weiteres lebendes Zeugnis dafür, wie ich, der ich immer so bewusst wie möglich, so autark denkend wie möglich war, gesellschaftlichen Vorstellungen mich unterworfen hatte, ohne es zu merken. Eben. Zum Beispiel das: Wer andern im Ring die Faust überzieht, der kann nur primitiv gestrickt sein.
    Zeugt von grausam geringer Menschenkenntnis, solch Vorurteil.

    Ich würde mit grösstem Vergnügen einen Tag mit diesem Mann verbringen, ich würde ihm auch alles anvertrauen, Geld, Kind, alles. Wenn ich mir dagegenhalte, wie mich Gespräche und Zusammensein mit so vielen weissen Akademikern tödlich langeweilen, weil sie in geschlossenen Sysemen im Kreis rum denken, weil sie sich haben prägen lassen von gesellschaftlichen Korsetts, dich schräg anschauen, wenn du mal Nase bohrst oder rauchst oder von Paralleluniversum sprichst, oder einfach zu einem saublöden Witz saublöd lachst.

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  8. thom ram sagt:

    aaronaldo

    Meine Neugierde ist knallwach. Verrätst du uns etwas von deiner Nähe zu MK?

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  9. Tabburettt sagt:

    Hier ein anderer wahrer Kaempfer: http://www.andyhug.com/

    Man hat ihn als Sohn eines Fremdenlegionaers stets herausgefordert nachdem er die Fussballschuhe an den Nagel gehaengt hatte (nicht nur in Wohlen, auch in Baden und anderen Orten, sein Ruf ging ihm voraus…) und er sich dem Kampfsport zugewandt hatte. Einen ausgeglicheren, „liebevolleren, sanfteren“ Menschen kann man sich nicht vorstellen.

    RIP! Samurai Andy Hug! OSS

    Gefällt 1 Person

  10. Tabburett sagt:

    Er hat sie alle ausgenockt und wurde zuletzt von seinem (Pseudo-) Sensai verraten..! Der Verrat hat den Andy „nur“ das Leben gekostet. Der Verraeter faehrt jetzt Ferrari/Lambhorghini…

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