bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » SCHULE » Schetinin » . » Bericht von einem, der von Ramstein aus bedroht wird

Bericht von einem, der von Ramstein aus bedroht wird

Gefunden in the Vineyard of the Saker.

Es ist ein kitzekleiner Unterschied, ob ich höre, dass per Drohne getötet werde, oder ob meine Nächsten und ich selber die Zielscheibe dieser von Missgeburten eingesetzten Waffe bin.

Die Vordenker der NWO wollen es: Horror unter den Menschen, am besten permanent.

Die hirnlosen Ignoranten führen es aus. Wie ahnungslos mussten die Millionen sein, welche den Vietnamkrieg gut fanden, ihn förderten, dorthin flogen und Tod und Verderben brachten? Ich selber war auch so ein Idiot, noch Seminarist, war aber schon der Meinung damals, dass Amerika dort „etwas Gutes“ mache. Bitteschön, ich war im Lehrerseminar! Im Lehrerseminar! Auf der Zunge zergehen lassen. Ein Seminarist, der damals nach bestem Wissen und Gewissen abgewogen fand, jaja, es ist gut, macht ma da in Vietnam.

Es zeigt dies mein eigenes Beispiel von damals, wie komplett durchgeknallt desinformiert unsere Gesellschaft war … und immer noch ist.

So absolut nichtsahnend, wie sich der GI damals nach Vietnam verfrachten liess, um Leid zu bringen, so absolut nichtsahnend ist jeder Einzelne, der im Räderwerk der Drohnenschlächterei mitwirkt. Das geht hin bis zum Wurstlieferanten, der den amerikanischen Vollirren in Ramstein Frass liefert.

Original hier:  Malik Jalal /  Saker

thom ram, 24.04.0004

.

.

„SO FÜHLT ES SICH AN, VON DROHNEN GEJAGT ZU WERDEN.“

Malik Jalal

I´m on the Kill list. This is what it feels like to be hunted by drones

Ich bin in der seltsamen Lage, zu wissen, dass ich auf der ‘Todesliste’ stehe. Ich weiß es, weil es mir gesagt wurde, und ich weiß es, weil ich wieder und wieder Ziel von Mordanschlägen war. Vier mal wurden Raketen auf mich abgefeuert. Ich habe außergewöhnliches Glück, noch am Leben zu sein.

Ich möchte nicht als „Insektenspritzer“ enden – das hässliche Wort, das benutzt wird, um die Überreste eines Menschen zu beschreiben, der von einer Hellfire-Rakete in die Luft gejagt wurde, die von einer Predator-Drohne abgefeuert wurde. Noch wichtiger, ich möchte nicht, dass meine Familie dem zum Opfer fällt, oder auch nur mit den Drohnenmaschinen über ihren Köpfen leben muss, im Wissen, dass sie jeden Augenblick vaporisiert werden können.

Ich bin diese Woche in England, weil ich beschlossen habe, dass, wenn die aus dem Westen mich töten wollen, ohne auch nur zuvor mit mir zu reden, ich vielleicht gehen sollte, um mit ihnen zu reden. Ich werde meine Geschichte erzählen, damit ihr selbst beurteilen könnt, ob ich die Art Mensch bin, die ihr ermordet sehen wollt.

Ich komme aus Wasiristan, an der Grenze zwischen Pakistan und Afghanistan. Ich bin einer der Anführer des Friedenskomitees von Nordwasiristan (NWPC), einer Organisation örtlicher Maliks (oder Gemeindevorsteher), die sich der Aufrechterhaltung des Friedens in unserer Region widmet. Wir arbeiten mit Genehmigung der pakistanischen Regierung, und unsere Hauptaufgabe besteht darin, Gewalt zwischen den örtlichen Taliban und den Behörden zu verhindern.

Im Januar 2010 habe ich meinen Wagen meinem Neffen Salimullah geliehen, damit er ihn nach Deegan fährt, für einen Ölwechsel und um einen der Reifen zu kontrollieren. Es gingen Gerüchte um, dass Drohnen bestimmte Fahrzeuge anvisieren würden und bestimmte Telefonsignale verfolgten. Der Himmel war klar, und über uns kreisten Drohnen.

Während sich Salimullah mit dem Mechaniker unterhielt, fuhr ein zweites Fahrzeug neben meines. Vier Männer saßen darin, einfache Bergleute aus den Chromerzminen der Gegend. Eine Rakete zerstörte beide Fahrzeuge, tötete alle vier Männer und verletzte Salimullah schwer, der die nächsten 31 Tage im Krankenhaus verbrachte.

Als ich darüber nachdachte, dass die Drohnen die Fahrzeuge von Leuten anpeilen, die sie in Wasiristan töten wollen, machte ich mir Sorgen, dass das auf mich abzielte.

Der nächste Angriff kam am 3. September 2010. An diesem Tag fuhr ich einen roten Toyota Hilux Surf SUV zu einer ‘Jirga’, einer Gemeindeversammlung von Ältesten. 40 Meter hinter mir war ein anderes rotes Fahrzeug, das meinem beinahe glich. Als wir Khader Khel erreichten, jagte eine Rakete das andere Fahrzeug in die Luft und tötete alle vier Insassen. Ich raste davon, Flammen und Trümmer in meinem Rückspiegel.

Anfänglich dachte ich, dass das Fahrzeug hinter mir vielleicht von Militanten benutzt wurde, und ich nur zufällig in der Nähe war. Aber später erfuhr ich, dass die Opfer vier örtliche Arbeiter aus dem Mada Khel-Stamm waren, und keiner von ihnen Verbindungen zu militanten Gruppen hatte. Nun schien es wahrscheinlicher, dass ich das Ziel war.

Der dritte Drohnenangriff erfolgte am 6. Oktober 2010. Mein Freund Salim Khan lud mich zum Abendessen ein. Ich rief Salim an, um mein Eintreffen anzukündigen, und kurz ehe ich dort ankam, schlug eine Rakete ein und tötete sofort drei Menschen, darunter meinen Cousin Kaleem Ullah, einen verheirateten Mann mit Kindern, und einen geistig behinderten Mann. Abermals hatte keines der Opfer mit Extremismus zu tun.

Jetzt war ich mir sicher, dass sie hinter mir her waren.

Fünf Monate später, am 27. März 2011, richtete sich eine amerikanische Rakete auf eine Jirga, auf der örtliche Maliks – alles meine Freunde und Kollegen – daran arbeiteten, einen lokalen Streit zu lösen und Frieden zu bringen. An die 40 Zivilisten starben an diesem Tag, alle unschuldig, und einige davon ebenfalls Mitglieder des NWPC. Ich traf früh am Ort dieses Schreckens ein.

Wie andere sagte ich an diesem Tag einige Dinge, die ich bereue. Ich war zornig, und ich sagte, wir würden unsere Rache bekommen. Aber wie sollten wir das in Wahrheit jemals tun? Was uns wirklich frustrierte, war, dass wir – die Dorfältesten – jetzt machtlos sind, unsere Leute zu schützen.

Ich wurde gewarnt, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten mich und andere aus dem Friedenskomitee auf ihrer Todesliste hätten. Ich kann meine Quellen nicht nennen, weil sie selbst zum Ziel würden, weil sie versuchen, mein Leben zu retten. Aber ich zweifle nicht mehr daran, dass ich einer der Gejagten bin.

Bald fing ich an, mein Fahrzeug fern von meinem Bestimmungsort zu parken, damit es nicht zum Ziel würde. Meine Freunde fingen an, meine Einladungen abzulehnen, aus Furcht, die Mahlzeit könnte von einer Rakete unterbrochen werden.

Ich gewöhnte mir an, unter den Bäumen zu schlafen, weit oberhalb meines Hauses, damit ich nicht zum Magneten des Todes für meine ganze Familie würde. Aber in einer Nacht folgte mir mein jüngster Sohn Hilal (damals sechs) hinauf in die Berge. Er sagte, dass auch er die Drohnenmaschinen nachts fürchte. Ich versuchte, ihn zu trösten. Ich sagte, die Drohnen zielen nicht auf Kinder, aber Hilal weigerte sich, mir zu glauben. Er sagte, die Raketen hätten schon oft Kinder getötet. Da wusste ich, dass ich sie nicht weiter so leben lassen konnte.

Ich weiß, die Amerikaner halten mich für einen Gegner ihrer Drohnenkriege. Sie haben recht; das bin ich. Menschen zur Ermordung auswählen und neun unserer unschuldigen Kinder für jede Person, die sie anzielen, zu töten, ist ein Verbrechen von unaussprechlichem Ausmaß. Ihre Politik ist so dumm, wie sie kriminell ist, weil sie genau die Menschen radikalisiert, die wir beruhigen wollen.

Ich bin mir dessen bewusst, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten denken, das Friedenskomitee sei eine Fassade, und dass wir nur einen sicheren Raum für die Taliban in Pakistan schaffen. Dazu sage ich: ihr irrt euch. Ihr wart nie in Wasiristan, woher wollt ihr das wissen?

Das Mantra, der Westen solle nicht mit „Terroristen“ verhandeln, ist naiv. Wenn Terroristen in die Gesellschaft wieder eingegliedert wurden, ist das noch kaum je ohne Verhandlungen geschehen. Erinnert euch an die IRA; sie haben einmal versucht, euren Premierminister in die Luft zu sprengen, und jetzt sitzen sie im Parlament. Es ist immer besser, zu reden als zu töten.

Ich bin um die halbe Welt gereist, weil ich diesen Disput so lösen will, wie ihr es lehrt: durch Gebrauch der Gesetze und des Gerichts, nicht durch Gewehre und Sprengstoffe.

Fragt mich alles, was ihr fragen wollt, aber beurteilt mich gerecht – und bitte hört auf, meine Frau und meine Kinder zu terrorisieren. Und nehmt mich von dieser Todesliste.

Nachbemerkung D.H.: Ich fand diesen Text spannend, weil er eine sehr gute Darstellung ist, was die Drohnenkriegsführung tatsächlich bedeutet. In der Originalveröffentlichung wird erwähnt, dass Malik Jalal in England von einer NGO vertreten wird, “Reprieve”. In den letzten Jahren misstrauisch geworden, was NGOs angeht, habe ich erst einmal recherchiert, was sie tun und wer sie finanziert. Reprieve ist eine Organisation, die sich gegen die Todesstrafe einsetzt, gegen Guantanamo wie auch gegen die Drohnenkriegsführung. Sie haben Mittel aus zweifelhaften Quellen erhalten (EU/Soros), aber diese Mittel sind nur ein Bruchteil der Finanzierung. Was bedeutet, es handelt sich um eine relativ ‘saubere’ Menschenrechtsorganisation.

Ich bin allerdings erschüttert darüber, dass ich eine solche Recherche für nötig halte. Der Begriff der Menschenrechte ist mittlerweile in einem Ausmass instrumentalisiert und missbraucht, dass für jene Organisationen, die noch wirklich das sind, was sie der Bezeichnung nach sein sollen, die Arbeit ziemlich mühsam sein dürfte. Auch das ist ein Anzeichen dafür, zu welcher Farce der Menschenrechtsdiskurs inzwischen verkommen ist.

Und, um es bei dieser Gelegenheit ins Gedächtnis zu rufen: die Steuerungszentrale für diese Drohnenmorde liegt nach wie vor in Deutschland, in Ramstein…

.

.

.


2 Kommentare

  1. palina sagt:

    bestellt die Zeitung und verteilt sie bitte. Ich habe mit 100 Exemplare für 5 Euro bestellt und verteilt.

    Die neue Zeitung für Stopp Ramstein wurde gedruckt und kann nun bestellt und verteilt werden.

    Inhalt von Ausgabe 3: Menschenkette gegen Krieg

    – Neues zu Ramstein
    – Artikel: „Konversion ist Machbar“ von Rolateilt.nd Vogt
    – Kurzartikel: „Die Rolle der Airbase Ramstein im Luftkrieg gegen Syrien“ von Fee Strieffler
    – Mitmachen: Aktivitäten, Lokale Vorbereitungsgruppen, Arbeitsgruppen, Organisationsausschuss

    http://www.ramstein-kampagne.eu/zeitung/

    Gefällt 1 Person

  2. […] beschreibender Artikel: Bericht von einem, der von Ramstein aus bedroht wird was ein Glück das es die Amis sind und nicht wir…Deutsche Regierung trifft […]

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: