bumi bahagia / Glückliche Erde

besser – als – erwartet

Es ist nicht so einfach, 5 Rohheiten in drei Worten unterzubringen – es ist die hohe Schule der Manipulation, und kaum ein Börsenbericht, der ohne diese Phrase auskommt: „das Monats-/Quartalsergebnis der Firma XY ist nach Analystenmeinung besser als erwartet…“

Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen – „besser als erwartet“.

Da haben wir zunächst das Wort „besser“ – nicht gut, sondern besser. Das ist die Steigerungsform von „gut“, das im Gegensatz zu „schlecht“ steht.
Nun gibt es in der Natur kein „gut“ und „schlecht“, sondern das gibt es ausschließlich in unserer Bewertung, unserer Interpretation der Wirklichkeit.

Nicht nur deshalb, weil etwas, was für den einen gut ist, gleichzeitig für den anderen schlecht sein kann – der norddeutsche Volksmund sagt dazu: „wat dem ein sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall“.
Nein: da jeder Mensch die Welt ein wenig anders sieht, sind auch „ähnliche“ Bewertungen ausgesprochen willkürlich – ob wir uns dessen immer bewußt sind?

Denn ein jeder sieht etwas anderes als „richtig gut“ (oder schlecht) an – und um so mehr, was „besser“ oder „schlechter“ betrifft.
Was sagt also das Wort „besser“ aus?
Nichts Konkretes – außer daß wir in unterschiedlichen Bewertungskonzepten festhängen.

Noch dazu ist „besser“ keine absolute Bewertung (im Sinne von gut oder schlecht), sondern eine vergleichende – diese hat erst recht Null Aussagekraft, wenn man nicht gleich den Vergleichswert dazu nennt, der demzufolge eben „schlechter“ ist – egal wie gut er wirklich ist.

Schon sind wir beim „als„, das zwangsläufig folgen muß.

Wenn ich das „als“ gebrauche, dann verrate ich noch mehr über mich und mein Geistesleben – ich lege nicht nur meinen jeweiligen konkreten Bewertungsmaßstab offen, sondern gebe damit unbewußt zu, daß ich ständig nach „Maßstäben“ suche, mit denen ich mich und andere vergleichen und bewerten kann.
Will ich mich so „nackt“ zeigen?

Ähnlich schaut es mit dem „wie“ aus – „genauso wie“ stimmt meistens auch nicht, da es nur äußerst selten zwei Sachen oder Handlungen gibt, die wirklich genau gleich sind.
Aber das nur nebenbei.

Nun nehmen wir die Kombination „besser als“ in den Blick.
Damit zeige ich meiner Umgebung an, daß ich meine Auffassung, d.h. meine Bewertung eines Vorgangs, samt meinen „persönlichen“ Maßstäben auch bereit bin, anderen Menschen aufzudrängen – ein typischer Fall von „sanfter “ Gewalt, denn ich erhöhe mich und erniedrige damit andere.
Oder etwa nicht?

„erwartet“ – „das habe ich (nicht) erwartet“

Neben einer gehörigen Portion Altklugheit, die ich damit „heraushängen lasse“, mache ich damit klar, daß ich voller Erwartungen stecke, und bereit bin, mich den Erwartungen anderer zu stellen – danach zu trachten, diese zu erfüllen, denn das eine bedingt das andere.
Für mich ist also „fremdbestimmt sein“ nichts Besonderes, sondern der Normalzustand – so wie ich bereit bin, mich anderen unterzuordnen, so sollen das auch andere tun.

Ich stecke also voller Erwartungen – das sind nichts als Vor-Urteile, mit denen ich meine Umgebung zu drangsalieren gedenke: „ich erwarte von Ihnen, daß…“ ist ein Akt höchster nichtphysischer Gewalteinwirkung, denn was der andere will, spielt da für mich gar keine Rolle – nur noch meine Erwartungen.

Und nun alles zusammen: etwas ist „besser als erwartet“

Eine solche Aussage ist derart manipulativ, daß einem fast der Atem stockt. Denn es spielt hier offensichtlich überhaupt keine Rolle mehr, was war oder was ist, sondern nur noch jemandes Erwartungen, dessen Urteil etwas unterworfen wird.
Die sehr präzise deutsche Sprache legt es auch gleich offen: „unterworfen“ – es ist ein Akt der Unterdrückung, der Machtausübung.

Ich will nicht sehen, was war oder was ist, sondern ich habe meine Erwartungen und ich maße mir an, dazu mit „besser als“ oder „schlechter als“ eine zweite eigene Bewertung anderen aufzunötigen.

Es ist also eine zweifache Entmündigung und Vergewaltigung meines Gegenübers, wenn ich ihn mit einem solchen Satz konfrontiere.
Denn jede Aussage charakterisiert zuerst und stets den Sprecher – und nicht immer (oder eher selten?) auch wirklich das Besprochene.

So, und jetzt erinnern wir uns nochmal kurz daran, wann und wo wir diesen Satzteil „besser als erwartet“ regelmäßig vorgesetzt bekommen: richtig, beim Börsenbericht.

Und da fallen uns auch gleich einige andere betrügerische Sprach-Mogeleien ein:
„der Index bewegt sich seitwärts“ – das bedeutet: er bewegt sich so gut wie gar nicht, sondern verbleibt mehr oder weniger auf demselben Niveau – warum wird dies nicht klar gesagt?

„Die Märkte reagieren nervös“ – wie bitte? Nervös reagieren können nur Lebewesen, also Menschen – entweder werden also mit „die Märkte“ bestimmte Menschen „umschrieben“, oder die Aussage hat keinen Sinn.
Da fragt man sich doch, welche Menschen denn hier mit „die Märkte“ umschrieben werden mögen – schon mal überlegt?

„da ist noch viel Phantasie im Kurs“ – da ist wohl jeder Kommentar überflüssig, denn Phantasie bedeutet immer, daß es um nichts Wirkliches geht, sondern um Märchen, Sagen, phantastische Geschichten, Wundererzählungen – naja: Börse eben…

Weitere „nette Sprüche“ hat da jede/r schon selbst mal gehört und sich verwundert gefragt, was denn damit wohl gemeint sei.
Das ist auch gar nicht verwunderlich, denn die Börse ist nichts weiter als eine vernebelnde Schaubühne, auf der Eitelkeiten zu Markte getragen werden – es wird dem braven Bürger der Eindruck vermittelt, als ob der dortige Handel mit Aktien irgendetwas mit den Eigentumsverhältnissen der Unternehmen zu tun hätte.

Ist nicht so, denn die wahren Eigentümer der Unternehmen sind in keinem Falle die Kleinaktionäre, die an der Börse krampfhaft versuchen, mit ihrem sauer verdienten Geld wenigstens einen kleinen Zipfel vom großen leistungslosen Wohlstand („lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten“) zu erhaschen.

Leider meist vergeblich, denn die Kurse werden von ganz anderen Akteuren beeinflußt und manipuliert, und der größte Teil der Umsätze erfolgt heutzutage sowieso im Computerhandel, wo riesige Summen mehrmals täglich in Sekundenbruchteilen „angelegt“ und wieder zurückgezogen werden, mit ein Zehntel Cent Gewinn pro Euro.
Aber: ein Promille sechsmal am Tag macht bei 250 Banktagen aufs Jahr gerechnet „nur“ erstaunliche 50% Gewinn…

Und wer mag, kann ja gern mal vergleichen, zu welchen „Konditionen“ er als Kleinanleger am Börsengeschehen teilnehmen darf, und wie diejenigen mit dem „richtig großen Geld“ behandelt werden.
Der Kleinanleger muß ein Depot finanzieren, daß jeden Monat Geld kostet – bei den meisten Menschen vergleichbar soviel, wie sie pro Jahr an Dividenden einnehmen – geldreich wird so keiner.
Diese Kosten „fallen an“, obwohl in dem sog. Depot keine Aktie physisch mehr vorhanden ist – da fragt man sich beklommen, wofür man da seine Bank eigentlich bezahlt: dafür daß sie eine gespeicherte Zahl in ihrem Computer unverändert läßt?

Sodann muß der Kleinanleger für jeden „Trade“, also jeden Kauf oder Verkauf eines sog. Wertpapiers, eine nicht geringe Gebühr berappen.
Der Großanleger bekommt seine Depots kostenlos geführt, und er bezahlt Fondsmanager dafür, daß sein Geld ständig ausreichend schnell mehr wird – falls das nicht wie gewünscht klappt, nimmt er sich einen anderen Geldsklaven.

Und was viele meist „vergessen“: jeder Cent leistungsloser „Gewinn“ muß irgendwo von einem leistenden Menschen (mit der Maschine, an der er arbeitet) erwirtschaftet werden – ohne Realwirtschaft keine Gewinne.
Damit meine ich tatsächliche Gewinne, keine Buchgewinne mit „Wert-Papieren“, die für die meisten „wie gewonnen so zerronnen“ sind, solange dafür nicht „reale Werte“ (Boden, Gebäude, Wege, Edelmetalle, konkrete Unternehmensanteile eines örtlichen KMU etc.) gekauft wurden.

Aber das ist schon wieder ein anderes Thema: der Zins als Hauptursache allen Übels.

Luckyhans, 20.6.2015


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