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Ein einheitliches Weltmodell (3)

Heute wollen wir uns die Wahrnehmungsschwelle ansehen, nachdem wir
im ersten Abschnitt den Vorgang als Grundbestandteil des gesamten Geschehens erkannt hatten und im zweiten Teil uns „schwante„, daß wir über mehr „Sinne“ verfügen als uns momentan bewußt ist und daß deren Einflüsse auf die Signalentstehung in uns weitgehend unbekannt sind.
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Es ist bekannt, daß wir von Natur aus in unserer Sensorik sehr unterschiedlich ausgestattet sind.
Dabei sind nicht nur die täglich zu beonachtenden Unterschiede von Mensch zu Mensch gemeint, die sehr groß sein können, sondern auch die unterschiedlichen Empfangsbereiche.

So fällt es uns beim Sehen extrem leicht, eine Bewegung zu erkennen, auch und vor allem wenn sie nicht in unserem unmittelbaren Sichtbereich vor sich geht – ein Tribut an unsere Jahrtausende an Leben unmittelbar in der Natur, wo das Erkennen auch von kleinsten Bewegungen in unserer Umgebung extrem wichtig für das Überleben gewesen sein muß.

Ebenso sind wir in der Lage, feinste Farbunterschiede innerhalb des schmalen Bandes unserer „Farb“-Wahrnehmungsfähigkeit, der einen Oktave von 360 bis 720 Nanometer Wellenlänge, (d.h. Bruchteile eines Nanometers Unterschied) zu erkennen – ebenfalls wichtig, wenn man die Reife von Pflanzen feststellen oder deren sichere Bestimmung als nahrhaft oder giftig vornehmen will.

Und es gibt durchaus Menschen, welche wahrscheinlich über den allgemeinen Farb-Bereich hinaus sehen können, d.h. infrarot bzw. ultraviolett – zum Beispiel hellsichtige Menschen, welche die Auren in diesen Bereichen „sehen“.
Aber vielleicht ist es ja auch ein rein feinstoffliches Aufnehmen der Auren? 😉

Durch die Adaptationsvorgänge unseres Auges sind wir in der Lage, uns auf höchst unterschiedliche Lichtintensitäten einzustellen. So kann unser Auge in weitgehender Dunkelheit auch einzelne „Lichtquanten“ wahrnehmen, während bei gleißendem Sonnenlicht ein um viel Größenordnungen stärkerer Lichtstrom vertragen und verarbeitet wird.

Allerdings funktioniert diese Anpassung nur, wenn sie regelmäßig „trainiert“ wird, d.h. wenn wir sowohl bei hellem Sonnenschein in der Natur uns umsehen als auch bei fast völliger Dunkelheit aufmerksam die lichtschwachen Sterne betrachten.
Letzteres ist inzwischen so gut wie unmöglich, denn die Umweltverschmutzung mit Kunstlicht hat derartige Ausmaße angenommen, daß „richtige Dunkelheit“ nur noch in ganz wenigen Tälern in fernen Hochgebirgen erlebt werden kann – und wer verbringt schon öfter seine Nächte dort und unter freiem Himmel?
Wir bräuchten aber diese „exteremen“ Verhältnisse regelmäßig, um die Anpassungsvorgänge unseres Auges in Schwung zu halten…

Ähnliches betrifft die Sichtentfernung. Unser Auge kann nur richtig „scharfstellen“, wenn es regelmäßig auf unterschiedliche Sichtentfernungen eingestellt wird – viele Male jeden Tag.
Mal Hand aufs Herz: wer von den Computerarbeitern schaut regelmäßig alle 2 – 3 Minuten für mindestens 30 Sekunden weg von seinem Bildschirm aus dem Fenster in die Ferne?

Die meisten sehen doch den lieben langen Arbeitstag konzentriert auf den Schirm, oder?
Mithin ständig auf ein und dieselbe Entfernung.

Und ganz schlimm ist es, wenn dort eine virtuelle Realität, also ein 3D-Modell, abgebildet ist – dann versucht nämlich unser Auge ständig, die „weiter entfernten“ Bereiche per Adaptation scharfzustellen, wenn wir dorthin unserer Aufmerksamkeit konzentrieren – was natürlich nicht geht, denn diese befinden sich ja „scharf“ in exakt derselben Entfernung wie die „nahen“ Bereiche…

Das Auge weiß das natürlich nicht und so setzt es seine Versuche fort, die „gewohnten“ Anpassungen der Sichtweite vorzuenhmen – was nicht funktioniert, wie es immer wieder feststellen muß.
Irgendwann sagt sich das Auge dann: „ach, lecko mio“ und hört auf, sich um ein Scharfstellen der entfernten Bereichen zu bemühen.

Mit der Konsequenz, daß beim Heimfahren mit dem Auto das Auge plötzlich weit Entfernungen nicht mehr „scharfstellen“ kann… schon mal bemerkt?

Und dann setzen wir uns in den wenigen Stunden, wo wir uns erholen wollen (und auch das Auge will das, indem es „spielt“: früher saßen wir jahrtausendelang abends regelmäßig am Lagerfeuer und betrachteten sinnenvertieft das Flammenspiel – ein ständiges Wechseln von Farben, Schattierungen, feinsten Entfernungsänderungen…) vor eine „Flimmerkiste“ und malträtieren auf genau dieselbe Art und Weise unser Auge, indem wir ihm heftig flackernde (wer hat denn nachgewiesen, daß auch die modernen 100 Hertz Bild-Wiederholfrequenz das Auge nicht belasten?) räumliche Bilder auf einer Fläche, d.h. in exakt derselben Entfernung anbieten – sind wir noch bei Troste?

Und bitte: denken wir jetzt mal an das Thema Hören – was muten wir unseren Ohren zu, einem ebenso feinen Organ, das über riesige Entfernungen Geräusche aufnehmen und exakt positionieren kann, und das in einen extrem großen Frequenzbereich von ca. 15 Hertz (= Schwingungen pro Sekunde) bis (in der Jugendzeit) über 20 Kilohertz – was bieten wir diesem hochsensiblen Organ an?

Iphone-Lärm höchster Intensität über Stunden, in einem stark eingeschränkten Frequenzbereich und in sehr eingeschränkter „Qualität“ – denn die mp3-Dateien blenden einen Großteil des natürlichen Signales aus – angeblich weil wir es sowieso nicht „hören“. Ob das tatsächlich so ist, daß wir nur das hören, was wir bewußt hören? Wer weiß…

So können wir alle anderen Organe durchgehen – wenn wir uns das mal verdeutlichen und ehrlich zu uns selbst sind, erkennen wir: wir sind dabei, die Empfangsbereiche und die Anpassungsvorgänge aller unserer Sinnesorgane konsequent zu zerstören und einzuengen. Stimmt’s?

Gut – alles sehr schlimm – aber was hat das mit der Wahrnehmungsschwelle zu tun?

Sehr sehr viel, denn genau diese Schwelle ist es, die von der richtigen Funktion aller Anpassungsvorgänge unserer Sinnesorgane und deren hinreichend regelmäßiger Inanspruchnahme über den gesamten Empfindlichkeits-Bereich abhängig ist – mit der logischen Konsequenz des Verlustes aller nicht ständig geübten Möglichkeiten.

Denn alles, was uns an Eindrücken unterhalb dieser Wahrnehmungsschwelle erreicht, können wir nicht aufnehmen – es kann uns schlichtweg nicht erreichen.

Ob wir darüber mal in Ruhe nachdenken sollten, was wir in unseren täglichen Abläufen alles verändern müssen, damit unsere Sinnesorgane wieder in ihre volle Funktionsfähigkeit kommen können?

Denn von dieser vollen Funktionsfähigkeit könnte in nicht allzu ferner Zukunft unser Leben abhängen…

Luckyhans, 30. Mai 2015


9 Kommentare

  1. Avatar von Senatssekretär FREISTAAT DANZIG Senatssekretär FREISTAAT DANZIG sagt:

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:

    Glück, Auf, meine Heimat!

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  2. Avatar von pieter pieter sagt:

    Super Hans
    Danke fürs wieder mal bewusst machen,
    Einzig mit einem Satz bin ich nicht ganz einverstanden, (Denn alles, was uns an Eindrücken unterhalb dieser Wahrnehmungsschwelle erreicht, können wir nicht aufnehmen – es kann uns schlichtweg nicht erreichen) es fehlt nur ein Wort, bewusst , nicht bewusst aufnehmen,.
    Wenn wir gelernt haben wirklich ganz aufmerksam alles beobachtend nicht gleich analysierend, das stört die Wahrnehmung, zu betrachten, dann sind auch Dinge wie Ultraschall, Infraschall, Aura samt allen Farben, Gesichtsfeld-Bewusstsein um nicht in stockdunkler Nacht gegen eine Wand zu laufen (mit aufgesetzter Brille funktioniert das seltsamer weise nicht) und noch vieles Andere wie elektro- magnetische Felder und so weiter möglich.
    Danke, man wird all zu oft einfach schlampig ( ich ) 😉

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  3. Avatar von Petra von Haldem Petra von Haldem sagt:

    Sehr schön, danke, Luckyhans.
    Meine sehr ausführlichen Kommentare 😉 fallen heute aus 😉 wegen des Sinne-Trainings……..
    Gehe jetzt in den Garten.;) 🙂

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  4. Avatar von Thom Ram thomram sagt:

    @ Lücki
    Prima Artikel. Danke.

    Ein Leben lang habe ich selber geübt und Schutzbefohlenen entsprechende Uebungen gegeben, nämlich die Botschaften in ihrer möglichst ganzen Bandbreite wahrzunehmen, seien sie visuell, akustisch, taktil oder…wie heisst das Riechen hochgestochen ausgedrückt schon wieder.

    Das hat Folgen.
    Einerseits ist der, der Solches tut, gesegnet mit vielen vielen Eindrücken, welche beglücken.
    Anderseits ist der, der Solches tut, gesegnet mit viel viel Schei33e, welche stinkt.

    Ich höre, ob ein Exposionsmotor möglichst reibungs- und vibrationsfrei arbeitet, es ist begeisternd, wenn er es tut. Ich höre aber auch, wenn ein lieber Zeitgenosse sich, eh, will sagen, seinem Gefährt einen Auspuff montiert, welcher das, was die Maschine (dummerweise) an Explosionskraft nicht zu verwenden in der Lage ist, akustisch möglichst verstärkt. Es ist die Konfrontation mit technischem Quatsch, mit Schei33e eben.

    Ich höre die Botschaft einer dargebotenen Musik, ich kann sie nur ansatzweise in Worte fassen, doch ist sie sonnenklar vor mir. Man muss mir nicht erklären, dass Mozart schön ist, und ich habe keinerlei Textstudien bedurft, um zu erkennen, welch satanische Botschaften an gewissen Orten aus den Lautsprechern posaunen.

    Will, pointiert, sagen: Wer seine Sinne abstumpft, lebt wie die Made. Er kann kaum gestört werden, er erlebt aber alles in Grau.
    Wer seine Sinne pflegt, lebt wie die Katze. Ihre Haare sträuben sich bei leisester Gefahr, doch wie wohlig kann sie sich in der Sonne räkeln.

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  5. Avatar von piewo pieter sagt:

    jou Thom, genau so, kannst es einfach auf den Punkt bringen

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  6. Avatar von Katharina Katharina sagt:

    @thomram: Riechen ist olfaktorisch

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  7. Avatar von Katharina Katharina sagt:

    Aber was ist schmecken?!

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  8. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    @ Kathi:
    … gustatorisch? Degustativ? 😉

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