bumi bahagia / Glückliche Erde

WWW (7) – Der Freihandel

Das WWW steht in diesem Falle für Wirklichkeitsnahe Wirtschafts-Wissenschaft – zwecks besserem Verständnis der nicht immer nachvollziebaren Denkweise der meisten aus-gebildeten Ökonomen soll hier Punkt für Punkt gezeigt werden, daß die heutige sog. „Bürgerliche Ökonomie“ in ihren Grundlagen voller Widersprüche steckt, nebst einigen Vorschlägen, wie es vielleicht besser zu machen wäre.
Dabei geht es weniger um eine Kritik des Wirtschaftssystems als solchen, sondern vor allem um eine kritische Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Erfassung und Darstellung desselben.
Gelernte „Wirtschaftler“ (BWL, Finanzen, VWL) sind eingeladen, die Argumente und Schlußfolgerungen zu prüfen und mit ihrem Lehrwissen in Beziehung zu setzen. Sie dürfen sich jedoch nicht scheuen, in ernste Konflikte mit ihren bisherigen angelernten Überzeugungen zu kommen, denn für die Folgen solcher Konflikte können wir keine Haftung übernehmen.
Euer Lucky


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Momentan schlagen die Wellen der Emotionen sehr hoch, weil gerade hinter verschlossenen Türen mehrere Geheimabkommen zwischen der VSA und der EU sowie anderen Partnern erarbeitet und verhandelt werden bzw. wurden, die das Leben eines jeden von uns von Grund auf verändern werden.
Dies sind die als „Freihandelsabkommen“ bezeichneten TTIP, TISA, CETA und andere.
Versuchen wir zuerst einmal, das Thema sachlich zu betrachten.

Es gehört zu den Grundthesen der bisherigen Wirtschafts-Theorie, daß vom sog. „freien Handel“ alle profitieren, weil der freie Austausch von Waren alle glücklicher und reicher macht, da sie damit Zugang zu Waren und Dienstleistungen bekommen, welchen sie vorher (angeblich) nicht hatten.
Nun haben wir inzwischen schon so viele solcher „Theoreme“ kennen gelernt und uns davon überzeugen müssen, daß in der Tat vieles anders ist als gelehrt, so daß wir auch diesem Postulat genauer nachgehen.

Zuerst stellt sich natürlich die Frage, wie denn die Menschen gelebt haben, bevor der Segen der „freien Handels“ über sie gekommen ist.
Denn irgendwie müssen sie ja ihre Lebensbedürfnisse auch befriedigt haben.

Betrachten wir mal ganz klischeetreu das Leben einer afrikanischen Stammesgemeinschaft.

Nehmen wir an, sie lebt in einer Art „Ur-Kommunismus“ – alle teilen alles miteinander – alle Sorgen, Freuden, Waren, Leiden – es gibt zwar eine gewisse Hierarchie, aber diese beruht vor allem auf Verantwortung, und die Aneignung von Reichtum durch das Stammesoberhaupt ist nicht ein Akt der persönlichen Bereicherung, sondern dient vor allem der Umverteilung, also der gleichmäßigeren Verteilung unter den Stammesangehörigen. Alle Bedürfnisse werden zu aller Zufriedenheit gestillt.
Niemand ist „reich“, alle sind mehr oder weniger gleich „arm“, aber glücklich.

Nun kommt der „Freihandel“ – Waren und Dienstleistungen aus den „entwickelten“ Ländern werden importiert, und dafür wandern die Bodenschätze und Naturreichtümer ins Ausland.
Da stellt sich bereits heraus, daß einerseits die Freihandels-Waren und -Dienstleistungen entweder bereits vorher vorhandene inländische „ersetzen“ oder gar erst „Bedürfnisse“ erzeugen, die vorher gar nicht vorhanden waren.

Klar, nun könnte man sagen: wunderbar, die Menschen bekommen Zugang zu den Segnungen der Zivilisation.
Aber wie kommen wir überhaupt zu der Auffassung, daß alle Menschen so leben wollen, wie wir hier unsere „Zivilisation“ gestaltet haben?
(über das, was unsere Zivilisation charakterisiert, darf jede/r selbst nachdenken)

Und: was gibt uns die Überzeugung, daß unsere Art zu leben „die einzig richtige“ ist? Denn nur dies könnte uns irgendwie (wenigstens moralisch) dazu berechtigen, anderen Menschen diese Lebensweise „aufzudrängen“.

Wir sehen bereits hier, daß wir uns auf sehr dünnem Eis bewegen. Es scheint nämlich mit dem „Freihandel“ gar nicht darum zu gehen, andere Völker in dieser oder jener Weise zu beglücken.

Sondern es geht ausschließlich ums Geschäft.
Nun lautet eine (zumindest früher verbindliche) Grundregel, daß „Geschäft“ immer nur solche Abmachungen genannt werden können, an denen alle Beteiligten ihre Freude haben.

Das mag hier manchmal auch so sein. Der Stammeshäuptling kann durchaus mit dem ihm zufließenden „Reichtum“ (Papiergeld, Kontostände bei Banken, Waffen) aus dem Freihandel etwas anfangen: seine Söhne zum Studium in die „entwickelten“ Länder schicken, dort für sich tolle Sachen einkaufen, seine Macht ausbauen und so weiter.

Was aber ist mit den Nicht-Beteiligten, aber Betroffenen?
Klar – im Normalfalle (und vor allem zu Beginn) wird der Häuptling auch seinen Stammesmitgliedern einen gewissen Anteil an den Segnungen des Freihandels zukommen lassen. Das wird sich aber in der zweiten Generation schon eher verlieren, wenn der junge Nachfolger an einer westlichen Hochschule im „real existierenden“ ungebremsten Egoismus „aus-gebildet“ wurde – die Praxis zeigt, daß Häuptlinge als Machtmenschen sehr anfällig sind für Korruption, und daß dies von den „Freihändlern“ auch weidlich zur Profitmaximierung ausgenutzt wird: es ist „kostengünstiger“, wenige sehr reich zu machen als mit allen Menschen des Ziellandes zu teilen.
„Man ist ja schließlich kein Wohlfahrtsverein.“

Nun wäre es aber nicht fair, allein die Stammesfürsten für die entstehenden Ungleichgewichte verantwortlich zu machen. Denn wenn ein Stammeshäuptling oder Präsident sich nicht mit den ins Land eingefallenen „Freihändlern“ (economic hitmen) arrangieren will, dann ist er sehr schnell ermordet (Beispiel Patrice Lumumba und viele andere) oder wird von einem anderen „gefälligeren“ Stammeshäuptling mit Krieg überzogen („Kongo Kinshasa“ gegen „Kongo Brazzaville“ u.ä.).

Es geht also um Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen und Ressourcen – beides Dinge, welche die „entwickelten Länder“ weder erschaffen haben noch sonst irgendein „Recht“ darauf hätten, sich diese „anzueignen“.

Welche Folgen hat also der „freie Handel“ für die Beteiligten?

Die Forderungen nach „freiem Handel“ dienen ausschließlich der Profitmaximierung, der Natur-Ressourcen- und Menschenausbeutung und der Unterdrückung der Völker der sog. „Dritten Welt“. „Nebenbei“ werden neue „Verbraucher“ und Müllhalden für die Wegwerfgesellschaft generiert und neue Opfer für Rituale und Qualen.
Es werden die vorhandenen Macht- und Ausbeutungs-Netzwerke ausgedehnt, bis sie die ganze Welt umfassen.
Alles andere sind Nebelvorhänge, die von interessierter Seite gezogen werden.

Welche Rolle spielen dabei Organisationen wie GATT, WTO etc.?

Dies sind die „internationalen“ (in Wahrheit alle der Finanzoligarchie verpflichteten) Organisationsformen, welche den „freien Handel“ als „allgemeine Pflicht“ in die Welt tragen und zugunsten der Finanzwelt „regulieren“ sollen.
Die WTO ist aus dem GATT „hervorgegangen„. Ziel ist die weitere „Liberalisierung“ (sprich: Beseitigung gesetzlicher Regelungen, die zum Schutz der Staatsangehörigen von den einzelnen Staaten erlassen worden waren) des internationalen Handels.
Bitte auch beachten, weit wann all diese Prozesse bereits im Gange sind: seit 1950.

Was bringen uns die „neuen“ Freihandelsabkommen?

Kommen wir nun zu TTIP, CETA, TISA – sie sollten das immernoch nicht abgeschlossene transpazifische Abkommen TPP ergänzen, das auf dem NAFTA-Abkommen (Nordamerikanische Freihandelszone) aufbaut, dessen Folgen sehr kontrovers diskutiert werden.
(für Details: bitte den eingearbeiteten Links folgen)

All dies sind reine Firmenschutzabkommen, die ausschließlich für die Großunternehmen Vorteile bieten und weder der Bevölkerung etwas bringen, noch zu einer ausgewogenen Struktur der Wirtschaft beitragen, geschweige denn positive Effekte auf „Arbeitsmarkt“ oder „Beschäftigung“ haben – es geht nur einseitig in Richtung Großkonzerne, welche den Nutzen daraus ziehen.

Ziel ist es, die gesamte Grundversorgung der Menschen (Luft, Wasser, Lebensmittel, Transport, Kommunikation) in private Hände zu bekommen, damit dann die Menschen komplett von den Profitinteressen der jeweiligen privaten Unternehmen abhängig sind.

Es gibt sehr gute inhaltsreiche Netzseiten zu TTIP / TISA / CETA, die auch ständig aktualisiert werden – jeder möchte sich bitte dort kundig machen, worum es geht – denn es wird jeden von uns betreffen.


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