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https://bumibahagia.com/2014/01/01/deutsche-absetzbewegung-1/comment-page-1/
Wer das Buch kaufen möchte, findet unter dem Text die notwendigen Angaben.
Der Autor Gilbert Steinhoff hat in „Die Dritte Macht“ keine Mühe gescheut, Quellen zu erforschen und sie in Querverbindung auf ihre Wahrheit zu prüfen. Gilbert Sternhoff kommt zu eigenen Schlüssen, welche ich persönlich für plausibel halte.
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Der renommierte britische Journalist Nick Cook hat in seinem Buch The
hunt for zero point das System hinter dieser Spirale des Schweigens
entschlüsselt. In einer Direktive des anscheinend mit der wissenschaftlichen
Aufbereitung des Technologiediebstahls befaßten Air-Force-Offiziers, A.
R. Sullivan Jr., an General McDonald, den Chef des Air-Force-
Geheimdiestes, vom 28. September 1945 wurde die weitere
Vorgehensweise festgelegt. Bezugnehmend auf die Nachforschungen
hinsichtlich der Möglichkeiten, Flugzeugmotoren mittels Interferenz außer
Betrieb zu setzen bzw. über die von den alliierten Flugzeugbesatzungen
gesichteten Feuerbälle, die »foo fighters«, heißt es: Diese Untersuchungen
sollten mit negativen Ergebnissen eingestellt werden.
Nick Cook fragte
sich, warum eigentlich? Fand er in den Archiven doch gleich mehrere
Hinweise, die über derartige Entwicklungen auf deutscher Seite berichteten
und welche die Amerikaner mit Sicherheit für sich auszunutzen in der Lage
waren. Cook interpretiert den fraglichen Satz daher als Aufforderung zur
absoluten Geheimhaltung. Das Wissen um diese Dinge war geborgen,
weitere Nachforschungen von nicht autorisierten Stellen hätten den Mantel
des Schweigens nur zu lüften vermocht. (18)
Glücklicherweise gelang es den für die »Reinigung« sensitiver
Archivinhalte Verantwortlichen jedoch nicht, jeden Hinweis auf die
Existenz deutscher Flugscheiben auszulöschen. Wie in allen Amtsstuben
weltweit, so wurde auch hier geschludert.
Der polnische Journalist Igor Witkowski durchsuchte in den National
Archives der Vereinigten Staaten eine Übersicht, in der die vom
militärischen Geheimdienst an das Archiv übergebenen Dokumente
katalogisiert sind. In der Sektion über die deutsche Forschung und
Entwicklung auf dem Gebiet der Luftfahrt fand er einen Eintrag vom 21.
September 1948, der einen Hinweis auf eine »Flying Saucer«, eine
»Fliegende Untertasse«, enthält (Abbildung 9). Das entsprechende
archivierte Dokument war allerdings nicht auffindbar, sondern nur der
Vermerk, daß es später entfernt worden sei. (27) Das ist ein Beweis mehr
nicht nur für die Tatsache, daß deutsche Flugscheiben existierten, sondern
auch dafür, daß ihre Spuren in den Archiven vorsätzlich getilgt wurden.
Fazit: Anhand übereinstimmender Zeugenaussagen nach dem Krieg und
der deutlich gewordenen Verschleierungstaktik seitens der Alliierten
hinsichtlich revolutionärer deutscher Technologienetwicklungen im
allgemeinen und der Flugscheiben im besonderen kann davon ausgegangen
47
werden, daß es diese Flugscheiben zum Kriegsende tatsächlich im
funktionsfähigen Zustand gegeben hat. Ihre Beteiligung an der
Absetzbewegung bleibt nachzuweisen.
Abb. 9: Hinweis auf deutsche Arbeiten an einer Flugscheibe.
7. Das unterirdische Refugium unter den Anden
Nach Landig wurde ein Teil des nach Südamerika verbrachten Materials
in riesigen, teilweise künstlich angelegten Höhlensystemen deponiert. Die
Erbauer dieser gigantischen Anlagen seien Angehörige eines uralten und
längst ausgestorbenen Volkes gewesen, von deren Wirken heute jedoch
kaum noch Spuren existieren. In diesen unterirdischen Werkstätten, völlig
abgeschieden von der Außenwelt, vollzog sich angeblich nun das Leben der
evakuierten technischen Spezialisten, die dort mit der weiteren
Vervollkommnung überlegener deutscher Waffentechnologie beschäftigt
waren.
Die Informationen über diese Höhlen seien durch den Forscher Edmund
Kiss noch in der Vorkriegszeit nach Deutschland gelangt. Kiss habe jedoch
gegenüber der Öffentlichkeit über seine Entdeckungen Stillschweigen
bewahrt.
Wer war Edmund Kiss?
Geboren im Jahr 1886, gestorben 1946 in amerikanischer Kriegs48
gefangenschaft, führte Edmund Kiss zeitlebens eine bunt schillernde
Existenz. Von Beruf Architekt, widmete er einen umfangreichen Teil seines
Lebens seiner großen Leidenschaft – der Bestätigung und Propagierung von
Hörbigers Welteislehre. Dafür untersuchte er die Strandlinien von Tibesti
in der Sahara sowie die am Titicacasee in Bolivien und Peru. Er
durchforschte Ruinen auf der Insel Marajo im Mündungsgebiet des
Amazonas und wagte den Versuch einer Rekonstruktion der am Titicacasee
gelegenen Ruinenstätte von Tiahuanaco. Über diese Themen verfaßte er
mehrere überaus erfolgreiche Bücher, was ihm in der SSForschungsgemeinschaft
Ahnenerbe die Funktion eines Abteilungsleiters
für »Atlantisforschung« eintrug. Im Jahr 1940 war unter seiner Führung
eine weitere große Expedition nach Tiahuanaco geplant, bei der unter
Zuhilfenahme modernster Technik aus der Luft sowie unter Wasser das
Rätsel um diese gigantische Ruinenstätte endgültig gelöst werden sollte.
Der Krieg verhinderte letztlich dieses Vorhaben. Während des Krieges
kommandierte Kiss als SS-Obersturmbannführer zeitweilig die
Wachmannschaft des Führerhauptquartiers. Geplant war des weiteren ein
Vorstoß mit einigen Männern nach Tibet, um dort, auf dem Dach der Welt,
mit der angestrebten Unterstützung von Mongolenstämmen, russische
Kräfte in Asien zu binden. Aber auch daraus wurde freilich nichts. (37)
Edmund Kiss hätte also während seines Aufenthaltes in Peru und
Bolivien Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts diese uralten
Höhlensysteme, von denen hier die Rede ist, durchaus entdeckt haben
können.
Einer der engsten Bekannten Wilhelm Landigs, Rudolf F. Mund,
während des Krieges Offizier in der SS-Division »Götz von Berlichingen«,
hatte Kiss in der Kriegsgefangenschaft näher kennengelernt und sich mit
ihm angefreundet. Mund verfaßte später einen ausführlichen Bericht über
diese Begegnung, der auch das Schicksal von Kiss nach dem Ende des
Krieges aufhellt. (38) Wenn einer etwas über das geheime Wissen des
Edmund Kiss hätte in Erfahrung bringen können, dann Rudolf F. Mund, der
in späteren Jahren übrigens bis zum Großmeister des Neu Templerordens
(ONT) avancierte.
Doch Mund wußte nichts von den Höhlensystemen, darauf weist eine
Stelle in Wolfszeit hin.
Landig läßt hier seinen Protagonisten Eyken sprechen: »Ich kannte Kiss
persönlich … aber merkwürdigerweise hat er mir nie über diese Entdeckung
49
etwas angedeutet.« Im weiteren Umfeld dieser Stelle stehen dann teilweise
wortwörtlich jene Formulierungen, die Mund in seinem Erlebnisbericht
verwendete.
Selbst wenn Kiss nicht das Wissen um die Existenz der Höhlensysteme
weitergegeben haben kann, so spricht trotzdem vieles dafür, daß diese
riesigen Kavernen Wirklichkeit sind.
Im Jahr 1971 erschien in Bild der Wissenschaft unter dem Titel »Ein
weiteres Geheimnis der Inkas« ein Beitrag, der wegen seiner Bedeutung
hier ungekürzt zitiert werden soll:
»Der Berg der Inkas, der 6763 Meter hohe Huascaran, erhebt sich
majestätisch in den Anden Perus. Von hier läuft die alte Transportstraße der
Ureinwohner des Landes über Berg und Tal nach Norden, wo sie sich im
Geröll der Felsen und Berge 260 Kilometer weiter bei Otuzco verliert. In
dieser Gegend sind schon von Pizarro mehrere erweiterte und mit
bearbeiteten Felsplatten ausgelegte Höhleneingänge entdeckt worden. Sie
galten als Vorratskammern. Jetzt erinnerten sich die Höhlenforscher an
diese ›Inkagrotten‹ und drangen mit modernen Mitteln der Technik,
Seilwinden, Elektrokabel, Berglampen und Sauerstofflaschen, in die
Höhlen vor. Dabei wurde eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Am Ende
der mehrstöckigen Höhlen stießen die Forscher auf Schottentüren aus
großen Felsplatten, die sich trotz ihres ungeheuren Gewichts – sie sind acht
Meter hoch, fünf Meter breit und zweieinhalb Meter dick – auf Steinkugeln,
die sich in einem Wassertropfbett drehen, bewegen lassen, wenn sich vier
kräftige Männer dagegenstemmen. Diese Stelle liegt 62 Meter unterhalb
des Berghanges.
Was aber dann kommt, macht die Überraschung noch größer: Hinter
den ›sechs Türen‹ beginnen mächtige Tunnelbauten, die sogar moderne
Tiefbautechniker vor Neid erblassen lassen. Diese Tunnel führen, teils mit
einem Gefälle von 14 Prozent, schräg unterirdisch der Küste entgegen. Der
Boden ist mit genarbten und quer geriffelten Steinplatten ausgelegt und
rutschsicher. Ist es heute ein Abenteuer, in diesen 90 bis 105 Kilometer
langen Transporttunnel in Richtung Küste vorzudringen und dabei
schließlich ein Niveau von 25 Meter unter dem Meeresspiegel zu erreichen,
was muß es erst damals, im 14. und 15. Jahrhundert, für Schwierigkeiten
mit sich gebracht haben, tief unter den Anden Güter abzutransportieren, um
sie dem Zugriff Pizarros und des spanischen Vizekönigs zu entziehen!
Am Ende der unterirdischen Gänge von Guanape, so benannt nach der
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Insel, die hier vor der Küste Perus liegt, weil angenommen wird, daß diese
Gänge einst unter dem Meer zur Insel führen sollten, lauert der Pazifische
Ozean. Nachdem die Gänge in tiefer Bergfinsternis mehrmals empor- und
hinabgeführt haben, dringt ein Rauschen und eine merkwürdig hohl
klingende Brandung ans Ohr. Im Licht der Scheinwerfer endet das nächste
Gefälle am Rande einer pechschwarzen Flut, die als Meerwasser
identifiziert wird. Hier beginnt auch unterirdisch die neue Küste. War das
früher anders?
Die Suche auf der Insel Guanape ist vergeblich. Nichts deutet darauf
hin, daß irgendwo jemals ein Gang vom Festland ans Tageslicht gekommen
wäre. Niemand weiß, wo diese unterirdischen Straßen der Inkas und ihrer
Vorfahren enden und ob sie vielleicht den Weg zu gefüllten
Schatzkammern längst versunkener Welten öffnen.« (39)
Schon im frühen 16. Jahrhundert war die Existenz der Höhlen bei den
europäischen Eroberern bekannt. So berichtete ein Karmelitermönch über
ein Untergrundsystem, das verschiedene Inka-Städte auf der Hochebene
miteinander verbinden soll. (40) Im gleichen Sinne äußerte sich auch
Fernando Montesinos, der in seinem berühmten, im 17. Jahrhundert
erschienenen Buch über die Geschichte der Inkas folgendes schrieb:
»Cusco und die Ruinenstadt Tiahuanaco sind durch einen gewaltigen
unterirdischen Weg verbunden. Wer ihn gebaut hat, wissen die Inkas
nicht.« (41)
Schlagzeilen machten die unterirdischen Anlagen nach dem Erdbeben
von Lima im Jahr 1972. Bei den Aufräumungsarbeiten entdeckten die
Techniker lange Gänge, deren Existenz bisher nicht bekannt gewesen war.
Eine systematische .berprüfung des Fundaments von Lima führte zu einem
überraschenden Ergebnis. Weite Teile der Stadt waren von Tunneln
durchzogen, die alle in die Berge führten. Wo sie endeten, ließ sich nicht
mehr feststellen. Im Laufe der Jahrhunderte waren sie eingestürzt. (41)
Fazit: Es besteht kaum ein Zweifel, daß die riesigen Höhlensysteme
unter den Anden tatsächlich existieren. Wer sie angelegt hat, ist unbekannt.
Ob Edmund Kiss von den Höhlen gewußt und ihre Eingänge selbst betreten
hat, bleibt ungewiß. Die Frage, ob die Dritte Macht diese Anlagen für ihre
Zwecke genutzt hat, kann an dieser Stelle noch nicht zufriedenstellend
beantwortet werden.
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8. Die Operation High-jump unter Leitung von Admiral Byrd
Die Vorbereitungen für diese größte Antarktisexpedition, die jemals
durchgeführt worden ist, liefen in den USA bereits im Sommer 1946 an.
Die US-Marine plante dabei vorrangig die Erprobung von Mannschaften
und Material unter den in der Antarktis vorzufindenden extremen
Klimabedingungen. Anfang Dezember stach der Schiffskonvoi, bestehend
aus 13 Schiffen, darunter auch ein Flugzeugträger und ein U-Boot, mit
4000 Mann an Bord in See.
Die Expedition war keineswegs geheim, im Gegenteil, der betriebene
Medienaufwand war enorm. Allein elf für Presseagenturen, Zeitungen und
Rundfunkstationen arbeitende Korrespondenten fuhren mit in die Antarktis.
Die Operation High-jump mußte dann jedoch vorzeitig abgebrochen
werden, da durch extreme Wetterunbilden und die mit Abstand
ungünstigste Eislage im letzten Jahrhundert ein Großteil des antarktischen
Sommers und damit des besten Flugwetters verlorengegangen war und
unter diesen Umständen die Rückkehr des Konvois nicht gefährdet werden
sollte. (19)
In inoffiziellen Quellen, so auch bei Landig, wird vom spurlosen
Verschwinden von vier zur Erkundung ausgeschickten Flugzeugen
berichtet. Im Expeditionstagebuch des Admirals Byrd findet sich darüber
nichts. Allerdings hat dieser Umstand nicht unbedingt viel zu besagen, ist
doch bekannt, daß auch andere Unfälle, die sich während der Expedition
ereignet hatten, keine Aufnahme ins Tagebuch fanden. So zum Beispiel der
Absturz eines Helikopters, der unmittelbar nach dem Abheben vom Deck
des Flugzeugträgers durch eine heftige Böe über Bord gefegt wurde.
Insgesamt war der Vorstoß der Amerikaner ins antarktische Eis höchst
erfolgreich, so resümierte zumindest Admiral Byrd. Es entstanden unter
anderem während 64 Forschungsflügen über 70.000 Luftbildaufnahmen.
Auch ein Äquivalent zur »Schirrmacher-Oase« der reichsdeutschen
Antarktisexpedition wurde entdeckt, die sogenannte »Bunger-Oase«. Drei
große Seen und 20 kleinere Wasserflächen wurden gezählt. Aufgrund des
relativ warmen Wassers vermutete man unterirdische thermische
Aktivitäten. (19)
Darüber hinaus gibt es über die Operation High-jump nichts zu
berichten, was im Rahmen dieses Buches interessant wäre.
Fazit: Die Expedition unter Admiral Byrd hat stattgefunden. Ein
52
Zusammenhang mit Aktivitäten der Dritten Macht im Gebiet der Antarktis
läßt sich allerdings nicht nachweisen und war nach der bisher in diesem
Kapitel dargelegten Faktenlage auch nicht erwartet worden.
9. Die Belegung des antarktischen Stützpunktes mit 2000 Mann sowie
die endgültige Aufgabe dieser Bastion im Eis im Jahre 1961
Wird berücksichtigt, daß nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen
Wilhelm Landig überaus geschickt – und, wie gesagt, er selbst hat nichts
anderes behauptet – Tatsachen und Fiktion miteinander verwoben hat, dann
ist zu vermuten, daß »Antarktis« eben tatsächlich als Synonym für etwas
anderes steht, ein Refugium, dessen Lokalisierung zu bestimmen Aufgabe
dieses Buches bleibt. Dann kann auch die Frage beantwortet werden, wo
die 2000 Mann bis 1961 wirklich stationiert waren.
10. Drei Flugscheiben befinden sich noch heute in den Höhlensystemen
unter den Anden
Mit dieser Aussage bezieht sich Landig auf die V-7 Miethes, die im Mai
1945 aus der Luft einen Teil der Absetzbewegung koordiniert haben sollen.
Läßt sich diese Behauptung aus anderen Quellen stützen?
Hilfreich wäre schon, wenn es gelänge, einen Hinweis dafür zu erhalten,
daß mindestens drei V-7 vor Kriegsende noch rechtzeitig fertiggestellt
werden und Deutschland auch verlassen konnten. Und tatsächlich, dieser
Hinweis existiert!
Dipl.-Ing. Heinrich Fleißner will als Strömungstechniker während des
Krieges in das Peenemünder Programm zur Entwicklung einer Flugscheibe
verwickelt gewesen sein. Er berichtete über seine Erlebnisse in einem
Artikel der Zeitung Schwäbische neue Presse, Nr. 19, 17. Jahrgang, vom 2.
Mai 1980. Er sagte unter anderem: »Als der Krieg die Welt aus den Angeln
zu heben drohte, wurde die Düsenscheibe als ›Kuriermaschine‹ für die
deutsche Luftwaffe interessant.« Das »Hirn« der die Flugscheibe
entwickelnden Techniker habe sich in Peenemünde befunden (Miethe; der
Autor), die Einzelteile seien unter großer Geheimhaltung an verschiedenen
Orten gebaut worden. Damit bestätigte Fleißner 1980 Details der
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Flugscheibenentwicklung, die in diesem Kapitel unter Punkt 7 aufgeführt
sind. Und dann kommt jene Aussage Fleißners, die – sofern er die Wahrheit
sagt – den Beweis dafür erbringt, daß einige Exemplare der V- 7 noch
rechtzeitig vor Kriegsende einsatzbereit waren.
Ein Augenzeuge habe ihm mitgeteilt, daß kurz vor der Kapitulation, am
24. April 1945, eine Staffel von vier Flugscheiben – besetzt mit je zwei
Piloten unbekannten Namens – unter schwerem Artilleriebeschuß von
deutscher und russischer Seite auf dem Flughafen Berlin-Lichterfelde zu
einem noch heute unbekannten Ziel gestartet sei. (17)
Fazit: Die Relikte von drei dieser vier Flugscheiben könnten demnach
noch heute irgendwo unter den Anden verborgen sein.
Nachdem bisher wesentliche Punkte des von Landig für die
Absetzbewegung reichsdeutscher Kräfte zum Ende des Krieges
vorgegebenen Handlungsrahmens bestätigt werden konnten, gilt es im
folgenden, darüber hinausreichende Fakten zu recherchieren. Zum einen
soll damit der Gesamtzusammenhang der Absetzbewegung besser
verdeutlicht, zum anderen die von Landig anscheinend bewußt
verschlüsselten Informationen dechiffriert werden.
Ab wann sah die Führung des Dritten Reiches sich vor die
Notwendigkeit gestellt, konkrete Maßnahmen einzuleiten, die ein
Überleben des »Reiches« auch nach einer totalen militärischen Niederlage
sicherstellen sollten? Spätestens im Juli und August 1944, nach der
verlorenen Schlacht in der Normandie und der parallel dazu erfolgreich
verlaufenden russischen Großoffensive, dürfte den Verantwortlichen klar
geworden sein, daß sich eine militärische Katastrophe anbahnte. Noch war
diese nicht endgültig, und bis in den April 1945 hinein hätte ein
Verhandlungsfrieden mit einer der beiden gegnerischen Seiten oder aber
der Einsatz der in ihrer Entwicklung weit gediehenen »Wunderwaffen«
(Flugscheiben, Atomwaffen, Amerikarakete, Düsenflugzeuge, Walther-UBoote
…) eine Wende des Krieges herbeiführen können. Warum es
letztendlich nicht dazu kam, soll später noch ausführlich dargestellt werden.
Im November 1944 erhielt das US-Außenministerium von einem
Agenten Kenntnis über ein am 10. August 1944 in Straßburg, im Hotel
Maison Rouge stattgefundenes Treffen hochrangiger deutscher Vertreter
von Besatzungsbehörden und der Wirtschaft im besetzten Frankreich.
Der Inhalt des Agentenberichtes, den ich hier teilweise wiedergeben
möchte, spricht für sich:
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1. »Ein Treffen der wichtigsten deutschen Industriellen, die in
Frankreich Interessen haben, fand am 10. August 1944 im Hotel
Rotes Haus in Strasbourg statt. Anwesend waren unter anderem:
Dr. Scheid, der den Vorsitz führte, SS-Obergruppenführer und
Direktor der Hese (Hermansdorff & Schenburg Gesellschaft), Dr.
Kaspar, der Krupp vertrat, Dr. Tolle, der Röchling vertrat, Dr.
Sinceren, der Messerschmitt vertrat, Dr. Kopp, Vier und
Beerwanger, die Rheinmetall vertraten, Hauptmann Haberkorn und
Dr. Rübe, die Büssing vertraten, Dr. Ellenmayer und Kandos, die
die Volkswagenwerke vertraten, die Ingenieure Drose, Yanshew
und Koppsheim, die verschiedene Fabriken in Posen vertraten …
Hauptmann Dornbusch, Leiter der Rüstungsinspektion Posen, Dr.
Meyer, Vertreter der deutschen Seekriegsleitung in Paris, Dr.
Strassner, Vertreter des Reichsministeriums für Rüstung und
Kriegsproduktion in Paris.
2. Dr. Scheid stellte fest, daß das gesamte Industriematerial sofort
nach Deutschland verlagert werden müsse. Die Schlacht um
Frankreich sei für Deutschland verloren gegangen. Die
Verteidigung des Westwalls sei jetzt das Hauptproblem. Von nun
an müsse die deutsche Industrie erkennen, daß der Krieg nicht mehr
gewonnen werden könne und daß Schritte für die Vorbereitung
einer Nachkriegskampagne unternommen werden müssen. Jeder
Industrielle müsse Kontakte und Verbindungen zu ausländischen
Firmen aufnehmen, doch müsse das individuell geschehen, ohne
Verdacht zu erregen. Außerdem müsse der Boden finanziell
vorbereitet werden, um nach dem Kriege beträchtliche Summen aus
dem Ausland zu entleihen. …
3. Nach dieser Sitzung fand eine zweite statt, die von Dr. Bosse vom
Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion geleitet
wurde und an der nur Vertreter von Heco, Krupp und Röchling
teilnahmen. In der zweiten Sitzung wurde festgestellt, daß der
Krieg praktisch verloren sei, aber daß er fortgesetzt werden solle,
bis eine Garantie der Einheit Deutschlands erlangt werde.
Deutschlands Industrielle, so wurde gesagt, mü.ten durch ihre
Exporte die Stärke Deutschlands vergrößern. Sie mü.ten sich
ebenfalls darauf vorbereiten, die Nazipartei zu finanzieren, wenn
sie in Gebirgsverteidigungsstellungen gehen müsse. Von nun an
werde die Regierung den Industriellen große Summen
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zuweisen, so daß jeder sich eine sichere Nachkriegsbasis im
Ausland schaffen könne. Die bestehenden Finanzreserven im
Ausland mü.ten zur Verfügung der Partei gehalten werden, so daß
ein starkes deutsches Reich nach der Niederlage geschaffen werden
könne. Es ist ebenfalls dringend erforderlich, daß die großen Werke
in Deutschland kleine technische Dienststellen und Büros
aufbauen, die völlig unabhängig erscheinen und in keiner
ersichtlichen Beziehung zum Werk stehen. Diese Büros werden
Pläne und Pausen von neuen Waffen erhalten, ebenfalls alle
Unterlagen, die sie benötigen, um ihre Forschungen fortzusetzen.
Sie dürfen dem Feind auf keinen Fall in die Hände fallen. … Die
Existenz dieser Büros ist nur einem ganz kleinen Kreis von
Industriellen und den Führern der Nazipartei bekannt. Jedes Büro
hat einen Verbindungsmann zur Partei. Sobald die Partei stark
genug ist, die Macht in Deutschland wieder zu übernehmen,
würden die Industriellen für ihre Anstrengungen und
Zusammenarbeit durch Konzessionen und Vorrechte bezahlt
werden.
4. Die Sitzungen scheinen anzudeuten, daß das Verbot, Kapital zu
exportieren, das bisher strikt befolgt worden war, nun völlig
zurückgezogen worden ist und an seine Stelle eine neue Nazipolitik
getreten ist, die die Industriellen mit Regierungsunterstützung
soviel Kapital als möglich ins Ausland exportieren läßt. … Nun
stellt sich die Nazipartei hinter die Industriellen und drängt sie
damit, sich selbst zu retten, ihr Kapital im Ausland anzulegen,
womit die Partei gleichzeitig ihre Pläne für ihre
Nachkriegsoperationen fördert …« (42)
In diesem aufschlußreichen Bericht sind folgende Aspekte besonders
interessant:
1. Die Aktionen, die der Sicherstellung eines maßgeblichen reichsdeutschen
Einflusses auch nach einer militärischen Niederlage
dienen sollten, wurden von der Partei (NSDAP) initiiert und
koordiniert;
2. Auslöser war tatsächlich das Fiasko an der Invasionsfront im
Westen;
3. Anscheinend wurden die neuen Maßnahmen, wie in diesem Fall für
Frankreich, auf regionalen Konferenzen vorbereitet;
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4. Wesentlich war die Schaffung einer industriellen und finanziellen
Basis im Ausland für die Nachkriegszeit;
5. Durch die großen Firmen sollten zudem in Deutschland
Anlaufstützpunkte und Forschungsstellen in der Form von kleinen
technischen Dienststellen und Büros gegründet werden;
6. Die Entwicklung geheimer neuer Waffensysteme erhielt höchste
Priorität.
Wie weit die unter Punkt 4 fallenden Maßnahmen innerhalb weniger
Monate vorangetrieben werden konnten, macht ein anderer amerikanischer
Geheimdienstbericht aus dem Frühjahr 1945 deutlich. Dort heißt es, daß
mehr als 750 Firmen in neutralen Ländern mit deutschem Kapital
gegründet oder aufgekauft wurden, davon in der Schweiz 274 Firmen, in
Portugal 258, Spanien 112, Argentinien (!) 98 und in der Türkei 35 Firmen.
(28)
Wurde die Sicherstellung (Evakuierung) von Plänen, Pausen und
Prototypen neuer Waffen mit einer ähnlichen Intensität betrieben? Die
Antwort lautet: ja.
Der polnische Journalist und Autor mehrerer Bücher, Igor Witkowski,
stieß bei seinen Nachforschungen zum Thema der deutschen
Wunderwaffen auf die Spur eines bis dahin zumindest offiziell völlig
unbekannt gebliebenen SS-Sonderkommandos: des Kommandos ELF.
Dieses war verantwortlich für die Bergung und Evakuierung sowohl von
Hochtechnologie als auch von geheimen Dokumenten bis hin zu
Kunstgütern. (18, 27)
Die Kenntnis von den Aktivitäten dieses Kommandos verdankte
Witkowski erhalten gebliebenen Unterlagen der »Militärischen Abteilung«
im Nationalen Rat des ehemaligen polnischen Präsidenten Bierut (bis
1952). Hier war es ein Major Walczak, der für den Präsidenten die
betreffenden Berichte erstellte und bei seinen Nachforschungen zu diesem
brisanten Thema eng mit dem sowjetischen Geheimdienst NKWD
kooperierte. Das wurde ihm anscheinend später zum Verhängnis, denn er
verstarb ebenso unter ungeklärten Umständen wie die auch mit dieser
Angelegenheit befaßten Jakub Prawin und Wladyslaw Szymanski. General
Prawin war der Leiter der polnischen Militärmission in Berlin, und
Leutnant Szymanski fungierte dort als Mitglied seines Stabes. Den Russen
schien demnach alles daran gelegen, mit Macht das Monopol bei der
Verwertung der erzielten Geheimdienstinformationen anzustreben.
57
Daß es ihnen dabei gar nicht einmal vorrangig um die Kenntnis
allgemeiner Informationen zu den Evakuierungsoperationen ging, sondern
sie ihr Interesse vielmehr auf eine spezielle Geheimwaffenentwicklung der
Deutschen fokussierten, soll später noch ausführlich dargelegt werden.
Wie waren Prawin und Szymanski, welche die Recherchen vor Ort
durchführten, an ihre Informationen gelangt? Im Jahr 1946 verhörten sie in
Berlin den ehemaligen SS-Sturmbannführer Rudolf Schuster, der sich
falsche Papiere verschafft und als Jude ausgegeben hatte. Aus irgendeinem
Grunde konnte Schuster jedoch enttarnt werden, und das Verhör ergab, daß
er zuletzt im Amt III des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) tätig
gewesen war. Am 4. Juni 1944 wurde ihm die Verantwortung für
Transportfragen innerhalb des Kommandos ELF übertragen. In dieser
Funktion war er einem SS-Obersturmbannführer Otto Neumann unterstellt.
Nach den Aussagen Schusters hatte der Gauleiter von Niederschlesien,
Karl Hanke, das Kommando ELF gegründet. Anfänglich gingen die
Evakuierungstransporte in acht zu diesem Zweck geschaffene unterirdische
Anlagen im Nordwesten von Breslau. Diese hatten die Bezeichnung
I/AAX-SS/01 bis -08. Wahrscheinlich erst mit der weiteren
Verschlechterung der Kriegslage zum Jahresbeginn 1945 begann der
Transfer der wichtigsten Güter ins neutrale Ausland. Hierzu wurden eine
nördliche und eine südliche Evakuierungsroute eingerichtet. Auf der
nördlichen liefen die Transporte über Norwegen. Diese stand unter dem
Kommando des SS-Obergruppenführers Jakob Sporrenberg, bis zum 25.
November 1944 SS-Polizeiführer von Lublin, danach SS-Polizeiführer von
Oslo. Die Süd-Route kommandierte besagter SS-Obersturmbannführer Otto
Neumann. Ziel der Evakuierungen war hier das mit Deutschland
sympathisierende Spanien wie auch Südamerika. Laut Igor Witkowski gibt
es Schätzungen, wonach allein mit der auf der Süd-Route eingerichteten
Luftbrücke ca. 12.000 Tonnen (!) Hochtechnologie mitsamt der
entsprechenden Dokumentation in den letzten Monaten des Krieges
ausgelagert werden konnten. Darüber hinaus existierte noch eine andere,
gefährlichere Variante des Transports. Von den letzten noch im deutschen
Machtbereich verbliebenen Häfen in der nördlichen Adria stach ein U-Boot
in See und verbrachte Ladung und Personal ebenfalls nach Spanien.
Eine unabhängige Bestätigung dieser Transportvariante liefert ein
Bericht des amerikanischen Geheimdienstes OSS. Ausgangspunkt eines der
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Evakuierungstransporte war demnach der südwestlich von Danzig in der
Tucheier Heide gelegene SS-Truppenübungsplatz »Heidelager«, der auch
als Testgelände für neue Waffensysteme benutzt wurde. Noch im März
1945 wurde eine hochgeheime Fracht nach Verona in Italien geschafft, um
von dort aus nach Spanien verschifft zu werden. Der stellvertretende
Direktor des OSS in Europa, E. Tilley, beschrieb den geheimnisvollen
Transport wie folgt: »Es stellte sich heraus, daß nicht nur Uranproben dabei
waren, sondern ebenfalls Berichte über Atomenergie und möglicherweise
auch über Atombomben sowie Steuerungssysteme von Lenkraketen und
Dokumenten.« (36)
Die Aussagen Schusters gegenüber seinen polnischen Vernehmern
ermöglichten auch einen Blick auf das Gesamtszenario der
Absetzbewegung. Die Leitung der von Schuster als »Generalplan 1945«
bezeichneten Operation lag demnach in den Händen von Martin Bormann,
dem Leiter der Parteikanzlei und Hitlers Sekretär. Ihm unterstellt war der
NSDAP-Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke. Damit wäre der
Agentenbericht über die Konferenz im Straßburger Hotel Maison Rouge in
einem weiteren Punkt bestätigt, hatte er doch gleichfalls die führende Rolle
der Partei unterstrichen. Innerhalb dieses Generalplans 1945 gab es eine
Operation mit dem Codenamen Regentröpfchen. Darunter fielen sämtliche
Aktionen, deren Evakuierungsziele im Ausland lagen. So gab es unter
anderem eine Aktion 1 – Wiking -, die den Transport der wissenschaftlichen,
politischen und militärischen Elite in die so genannten »Sicheren Häfen«
übernehmen sollte. Die Aktion 2 – Läufer – sollte gleiches für die
Finanzelite tun. Standen diese beiden Aktionen für die Absetzbewegung
von Personen, so sollten im Rahmen der Operation Eichhörnchen
materielle Güter ins Ausland gebracht werden. (27)
Interessant ist die Frage, was aus den Personen wurde, die maßgeblich
das Szenario der Absetzbewegung mitbestimmten.
Über das Schicksal Martin Bormanns, der unmittelbar nach dem Krieg
als vermißt galt, kursierten noch bis in die 70er Jahre des vergangenen
Jahrhunderts Gerüchte, ihm sei nach Hitlers Selbstmord die Flucht aus der
Reichskanzlei nach Südamerika gelungen. Dem gegenüber stand die
Aussage des letzten Reichsjugendführers, Artur Axmann, der Bormann am
2. Mai 1945 als Leiche in der Nähe des Lehrter S-Bahnhofs gesehen haben
will. Lange glaubte man, Axmann habe die Behauptung zum Schütze
Bormanns aufgestellt. Erst spät, am 7. und 8. Dezember1972, wurde
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Axmann Gerechtigkeit zuteil, wurden an diesen Tagen doch die sterblichen
Überreste Bormanns im Umfeld der von Axmann bezeichneten Stelle
gefunden und später zweifelsfrei mit Hilfe seines Zahnschemas
identifiziert. (43) Im Jahre 1996 konnte dieser Befund dann noch zusätzlich
durch eine mitochondriale DNA-Analyse bestätigt werden. (44)
Der Gründer des Kommandos ELF, Karl Hanke, war eine Persönlichkeit
von besonderem geschichtsträchtigen Format.
Hier die wichtigsten biographischen Stationen:
Geboren am 24.08.1903, Lehre als Müller, später Ausbildung an einem
berufspädagogischen Institut, danach Gewerbelehrer in Berlin, 1928 Eintritt
in die NSDAP mit der Nummer 102606, SS-Nr. 203103, 1932
Abgeordneter im preußischen Landtag und Einzug in den Reichstag, ab
März 1933 persönlicher Referent und Sekretär von Goebbels im neu
geschaffenen Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda,
1938 von Goebbels zum Staatssekretär ernannt. Während der Affäre
zwischen Goebbels und der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova
hätte er beinahe seinem Minister die Ehefrau ausgespannt. Bedingt durch
das daraus resultierende Zerwürfnis mit seinem Chef ging er 1939/1940 als
Panzerleutnant an die Front; im Frankreichfeldzug Adjutant von
Generalfeldmarschall Rommel, im Krieg ausgezeichnet mit dem Eisernen
Kreuz sowie dem Panzerkampfabzeichen in Silber, ab Februar 1942
Gauleiter und Oberpräsident von Niederschlesien, von Herbst 1943 bis Juni
1944 vertretungsweise Chef des Zentralamtes im Ministerium Speer (45),
von diesem auch vorgeschlagen als Generalbevollmächtigter für den
Arbeitseinsatz und als Chef des Jägerstabes (beides von Hitler abgelehnt)
(24), 1945 Verteidiger von Breslau.
Die politische Organisation der Verteidigung von Breslau in
Zusammenarbeit mit den für die Führung der militärischen Operationen
zuständigen Heeresoffizieren war die eigentliche Meisterleistung Hankes.
Die Kämpfe um die Stadt begannen Ende Januar 1945. Mitte Februar
konnten die Russen Breslau vollständig einschließen. Hankes Männer
kämpften unter beinahe unerträglichen Bedingungen mehr als drei Monate
lang, bis sie nur noch zweihundert Gewehre, sieben Panzer und acht
Sturmgeschütze hatten. Damit banden sie mehrere russische Divisionen.
Die Belagerung dauerte bis zum 6. Mai 1945.
Wenige Tage zuvor hatte Karl Hanke die vorerst letzte Stufe seiner
Karriereleiter erreicht: Hitler verfügte in seinem politischen Testament die
Ernennung Hankes zum Reichsführer-SS. Als solcher löste er damit
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Heinrich Himmler ab, der von Hitler aller Posten enthoben wurde.
Nachdem eine weitere Verteidigung Breslaus unmöglich war, flog
Hanke mit dem letzten noch im Stadtgebiet verbliebenen Flugzeug nach
Böhmen, um dort, bei der noch intakten Heeresgruppe des
Generalfeldmarschalls Schörner, seinen Beitrag im Endkampf um das
deutsche Reich als neuer Reichsführer-SS zu leisten. Seitdem gilt er als
verschollen. Es existieren Gerüchte, er sei nach der Landung von
tschechischen Partisanen gefangengenommen und später ermordet worden.
Beweise für diese Behauptung konnten jedoch bis heute nicht erbracht
werden.
Der ehemalige Stabsleiter der Hitlerjugend und Stellvertreter Baldur von
Schirachs als Reichsjugendführer, Hartmann Lauterbacher, geht in seiner
Autobiographie neben einer Schilderung der persönlichen Eigenschaften
Karl Hankes auch auf dessen Nachkriegsschicksal ein: »Er war ein Soldat
und Bürokrat vom Scheitel bis zur Sohle und ein außerordentlich
intelligenter und fleißiger Mann … Karl Hanke tauchte dann nach dem
Kriege unter und verschwand. Gelegentlich hörte man von ihm.« (46)
Wo ist der letzte Reichsführer-SS abgeblieben?
Als Gründer des Kommandos ELF war er mit Sicherheit auch in dessen
letzte Aktionen involviert. Er wußte, daß das Reich nach einer militärischen
Niederlage – wenn auch in anderer Gestalt – weiter existieren würde. In
schon aussichtsloser Situation schrieb er seiner Ehefrau aus dem
verteidigten Breslau einen Brief, der diese Gewißheit ohne den geringsten
Zweifel zum Ausdruck brachte: »Ich weiß wenigstens, daß das Reich nicht
zusammenbrechen wird, und das ist die Hauptsache.« (47)
Es steht zu vermuten, daß Hanke sich in Böhmen mit einer anderen
Person getroffen hat, die in den letzten Kriegsmonaten ebenfalls ganz
entscheidend bei der Absetzbewegung mitgewirkt hatte und insofern das
Schicksal Hankes teilte, als sie nach dem Krieg als verschollen galt. Ihre
Bedeutung im Zusammenhang mit der Entwicklung der reichsdeutschen
Flugscheiben wurde schon weiter oben dargestellt. Der Name dieser Person
lautet – Hans Kammler.
Die Karriere Kammlers in der SS begann relativ spät. Nachdem er zuvor
als einer von vier Baudirektoren des Reichsluftfahrtministeriums tätig
gewesen war, wechselte er erst am 1. Juni 1941 hauptamtlich zur SS und
wurde innerhalb des Hauptamtes Haushalt und Bauten Chef des Amtes II –
Bauten. In dieser Funktion befaßte er sich mit der Projektierung und
Durchführung der Bauten für die Kasernen und Lazarette der SS, für die
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SS- und Polizeistützpunkte im Osten sowie für die Konzentrationslager. Ab
Februar 1942 hatte Kammler im neu gegründeten SS-Wirtschafts- und
Verwaltungshauptamt die Leitung der Amtsgruppe C (Bauwesen)
übernommen. Mehrfach wurde Kammler jetzt in Rüstungsplanungen
eingeschaltet. Bald galt er innerhalb der SS als ein Planer und Organisator,
der auch schwierigste Aufgaben bewältigen konnte. Im Jahr 1943 wurde er
weit über die Reihen der SS hinaus bekannt, als er in kürzester Zeit die
Verlagerung der Peenemünder Raketenproduktion in die künstlich
angelegten, unterirdischen Stollensysteme des Kohnstein-Massivs im Harz
betrieb. (48) Der Erfolg bei dieser Maßnahme bewirkte für Kammler und
seine Organisation ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm, sollten
doch nun weitere gefährdete Bereiche der deutschen Rüstungsproduktion
unter Tage verlegt werden. Bis Kriegsende konnte in 143 unterirdischen
Fabriken die Produktion anlaufen, darüber hinaus waren 107 weitere im
Bau bzw. in Planung. An 600 anderen Stellen wurden in natürlichen
Höhlen und alten Erzminen Produktionsstandorte und Laboratorien
errichtet. (18) Der Tag war nicht mehr fern, da die alliierten
Bombardements wesentlichen Teilen der deutschen Kriegswirtschaft
keinen Schaden mehr hätten zufügen können. Das Multitalent Kammler
übernahm nebenher aber noch andere Aufgaben. Anfang August 1944
erhielt er von Himmler alle Vollmachten zur Erreichung der
Einsatzfähigkeit der V-2. In dieser Rolle überwachte Kammler nun auch
die Vorbereitung der Abschüsse dieser Rakete und wurde letztlich zum
Kommandierenden eines Armeekorps ernannt, dem der gesamte Einsatz der
V-2 und der V-1 unterstand. So häufte er Funktion auf Funktion und erhielt
noch Ende März 1945 von Hitler den Auftrag, die Fertigung des
Strahljägers Me 262 zu übernehmen. Diese Aufzählung der offiziellen
Funktionen Kammlers ist bei weitem nicht vollständig und umfaßt vor
allem nicht seine wichtigste.
Nach den Aussagen des ehemaligen Generaldirektors der Skodawerke,
SS-Standartenführer Dr. Wilhelm Voss, gegenüber dem britischen
Journalisten Tom Agoston im Jahr 1949 leitete Kammler den nach ihm
benannten Kammler-Stab. Im Bereich der Skodawerke von Pilsen und
Brunn errichtete diese Organisation ein geheimes Hochtechnologieforschungszentrum
der SS.
Agoston schreibt: »Besondere Priorität genossen Entwicklung und Bau
eines atomgetriebenen Flugzeugs, Arbeiten zur Nutzung der Atomenergie
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als Raketen- und Flugzeugantrieb, Forschungen mit Laser-, den
sogenannten Todesstrahlen sowie Arbeiten an einer Reihe neuer, selbst
zielsuchender Raketen. Viele weitere Felder wurden wissenschaftlich
erkundet, um neuartigen technologischen Möglichkeiten zum nutzbaren
Durchbruch zu verhelfen. Im heutigen High-Tech-Jargon würde man dieses
Zentrum in Pilsen sicherlich als SS-Forschungs- und -Denkfabrik
bezeichnen. Tatsächlich waren manche Arbeiten an Geheimwaffen der
zweiten Generation schon erstaunlich weit fortgeschritten, unter anderem
die Anwendung des Nuklearantriebes für Flugzeuge und Lenkwaffen.« (49)
Inzwischen ist auch bekannt, daß Kammler die treibende Kraft hinter der
deutschen Atombombe und der Amerika-Rakete war. (26, 36)
Wie gesagt, auch Hans Kammler verschwand zuletzt spurlos aus der
Geschichte. Insgesamt kursieren vier verschiedene Versionen über seinen
Tod. Das beinahe ist schon Indiz genug, daß damit etwas verschleiert
werden soll. Überaus bemerkenswert bleibt der Umstand, daß der Name
Kammlers trotz seiner maßgeblichen Beteiligung am massenhaften
Arbeitseinsatz von KZ-Häftlingen sowie seiner Rolle bei der Fertigung und
beim Einsatz der V-Waffen in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen
nicht auftaucht. Der schon mehrfach erwähnte Nick Cook stellte in
amerikanischen Archiven Nachforschungen über Kammler an.
Herausgekommen ist dabei nichts. Diese für ihre Zeit so bedeutende
Persönlichkeit hat in den amerikanischen Aktenbeständen keinen
Niederschlag gefunden. Auf diese merkwürdige Tatsache angesprochen,
erhielt Cook von einem Archivar zur Antwort, die Einträge seien gelöscht
worden. (18) Konnten die Amerikaner vielleicht Kammlers habhaft werden
und beuteten seine Kenntnisse für sich aus? Dagegen spricht, daß die
Amerikaner teilweise viele Jahre brauchten, um von den Deutschen schon
zum Kriegsende entwickelte Waffen nachzubauen – man denke zum
Beispiel an die Interkontinentalrakete, die im Vergleich zu den
amerikanischen qualitativ anderen Atomwaffen, die Walther-U-Boote und
nicht zuletzt an die Flugscheiben. Nein, Kammler war nicht übergelaufen,
er wurde auch nicht gefangengenommen. Er hatte sich mit hoher
Wahrscheinlichkeit, wie Karl Hanke auch, erfolgreich abgesetzt.
Der Kommandierende der über Norwegen verlaufenden, nördlichen
Evakuierungsroute, SS-Obergruppenführer Sporrenberg, geriet am 11. Mai
1945 in britische Gefangenschaft und wurde wenig später an Polen
ausgeliefert. Dort wurde ihm der Prozeß gemacht, in dessen Folge das
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Todesurteil stand. Die Vollstreckung des Urteils war laut Witkowski nur
vorgetäuscht, da die Russen noch erhebliches Interesse an den Aussagen
Sporrenbergs bekundet hatten. Warum, wird noch zu zeigen sein. Danach
verliert sich seine Spur.
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im Februar 2006
1. Auflage Januar 2006
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