Wohl jeder, der sich mit der Hegelschen Philosophie befaßt hat, kennt die drei dialektischen Grundgesetze. Während die Negation der Negation verständlich ist, weil nur so eine (gesellschaftliche oder beliebige) Entwicklung stattfinden kann, indem heute das Jetzige beseitigt (negiert) wird, und morgen das Neue ebenfalls wieder beseitigt werden muß, damit es weitergehen kann, und auch der Kampf und die Einheit der Widersprüche klar ist, weil die Widersprüche jene Triebkraft sind, welche die Menschen / Gedanken / Energien in Bewegung bringen und diese verinnerlicht werden müssen, um gelöst zu werden, hatte ich von Anfang an mit dem dritten, dem Umschlag in eine neue Qualität durch quantitative Anhäufung so meine Probleme: nur daraus soll eine neue Qualität entstehen? Oder gibt es da andere, wichtigere Einflüsse? –
Hans Ludwig, Ende September 2026 – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Wer oder was bestimmt überhaupt (und nach welchen Kriterien), ob und inwiefern eine neue Qualität entsteht oder entstanden ist?
Sind das in aller Regel doch höchst subjektive Einschätzungen, oder?
Wie häufig gibt es überhaupt solche „neuen Qualitäten“?
Die Schwierigkeit besteht darin, daß die Begrifflichkeiten sehr unterschiedlich interpretiert werden.
Die einen bestehen betonhart darauf, daß dieser oder jener Vorgang ein „objektiver“ sei, weil er unabhängig von unserem Bewußtsein stattfindet; wirklich? von wessen Bewußtsein? wer ist jener Maßstab, wer ist ‚unser‘?
Andere sind davon überzeugt, daß jeder Mensch ganz natürlich in einer eigenen Welt lebt und daher ALLES durch seine subjektive Brille betrachtet, die sich zudem im Verlaufe des Leben noch ständig ändert; folglich gäbe es kein ‚objektiv‘; und es sei nur eine Frage der Macht, anderen seine Meinung von ‚objektiv‘ (oder nicht) aufzudrängen…
Wir könnten nun versuchen, anhand von Beispielen diese oder jene Ansicht zu untermauern; die Frage ist, inwieweit der jeweilige Opponent bereit ist, die Darlegung als Argument anzuerkennen.
Mir ist vor Jahren vorgeworfen worden, ich würde meine Ausführungen auf die bekannten ‚Pedias‘ stützen, weil ab und zu – selten – dorthin verlinkt wurde, und die seien doch nicht akzeptabel…
Auch russische Quellen wurden oft ganz einfach in Bausch und Bogen abgelehnt, weil sie großteils nicht mehr verfügbar seien (was wohl nur mich nicht verwundert).
Ähnliche Vorwerfer „argumentieren“ heute mit Aussagen, die ihnen die sog. Ki liefert, deren „Antworten“ genau auf jenen Daten selbiger Pedias‘ und anderer (genauso zweifelhafter) Weltnetz-Quellen beruhen, und die – anerkanntermaßen – nicht nach Richtigkeitskriterien gewichtet werden…
Die heutigen Basis-Algorithmen der sog. neuronalen (?) Netzwerke kennen kein „richtig“ oder „falsch“, sie haben nur rudimentäre Vorstellungen von Ethik/Sittlichkeit, die sich durch entsprechende vorgegebene „Konditionen“ sehr leicht umgehen lassen…
Vielleicht einigen wir uns darauf, daß wir uns an einige wenige Grundsätze halten, wie sie hier beispielhaft aufgeführt sind? Die natürlich auch wieder bei jedem anders aussehen werden…
Wer bis hierher nicht einverstanden ist, der möge bitte woanders weiterlesen…
Betrachten wir einfach einige Vorgänge, wie es da ausschaut mit den obigen Fragen.
Zuerst ein technischer, als Beispiel die Entwicklung der Dauer-Speichermedien der sog. Klein-Rechentechnik. Die älteren erinnern sich noch an Lochkarten/Lochstreifen, auf denen die Programme und tlw. auch Daten festgehalten wurden, allerdings waren das noch zimmergroße Rechenmaschinen, die sich kaum jemand privat leisten konnte.
Bei den ersten Heim-Rechnern wurden sogar handelsübliche Magnetband-Kassetten (für Musik) als Speicher genutzt.
Später kamen bei den sog. Personal-Rechnern drehende Festplatten und flexible Scheiben (floppy disc, Disketten) der verschiedensten Art auf – eine neue Qualität, die jedoch durch Erfindungen und technologische Neuerungen bedingt war.
Aber war jetzt der Übergang von der 720 kB fassenden 5 1/4 Zoll-Diskette auf die 1,6 MB „schwere“ 3,5-Zoll-Diskette schon eine neue Qualität? Oder erst dann der auf die nachfolgenden Disks mit 120 und mehr MB pro Scheibe?
Eigentlich doch alles nur die kontinuierliche Verbesserung der Aufzeichnungsdichte auf dem fast gleichen Magnetmaterial, durch technische Verbesserung, und die Vervollkommnung der jeweiligen Gehäusestrukturen, aber keine neue Qualität in der Technik…
Dann erfand man – völlig neue Technik, ohne Anhäufung – die CDs (700 MB) und später die DVDs (4,7 GB) und weitere blaue Scheiben für dauerhafte Speicherung; inzwischen fast bedeutungslos, da kaum noch ein moderner Tisch-Kleinrechner (die lärmende Kiste unterm Schreibtisch mal ausgenommen) noch über solche Laufwerke verfügt – warum eigentlich?
Ach ja, das Weltnetz… auch nichts wirklich Neues: Bezahlen für den begrenzten Zugang zu Informationen in dieser oder jener Form gab es schon immer. Das Netz selbst ist aber auch kein echtes eigenes Speichermedium, denn dort sind wieder Festplatten und Band-speicher im Hintergrund tätig…
Oder kann erst der Verzicht auf drehende Medien – der sog. Festkörper-Speicher – als neue Qualität betrachtet werden?
Aber dessen Funktions-Prinzip wie auch die jeweiligen Halbleiter-Kristalle sind doch schon von den allerersten Rechnern her bekannt, als interne Arbeits-Speicher, und nur durch die billige Massenproduktion der Speicherkristalle sind die heutigen Terrabyte fassenden Festkörper-Festplatten entstanden…
War wenigstens DAS so eine mengenmäßige Anhäufung, die zur neuen Qualität führte? Nach welchen Kriterien?
Technologisch nichts Neues und eigentlich nur ein anderes Gehäuse für längst bekannte Bauelemente, die nur deshalb nicht früher auf dem Markt erschienen, weil man erst ein paar Dutzend Jahre lang mit den diversen Disketten, Polycarbonat-Scheiben und drehen-den Festplatten das Kundengeld absaugen wollte. (Außerdem ‚mußten‘ die Entwicklungskosten für die anderen Medien erst „eingespielt“ werden)
Denn solche und ähnliche Chips waren – wie gesagt – bereits seit Jahrzehnten im Einsatz.
Und auch die Erhöhung der Packungsdichte auf den HL-Kristallen – das berüchtigte sog. ‚Moore’sche Gesetz‘ (von dem heute kaum noch jemand redet, weil es nicht mehr „funktioniert“) – ist nicht durch mengenmäßigen Aufwuchs der Kristalle, sondern durch verbesserte technologische Lösungen in der Struktur-Gestaltung (Fotolithografie – Elektronenstrahl-Lithografie – Röntgen-Lithografie usw.) hervorgerufen worden.
Ja, sogar der Schritt vom Einzeltransistor zum integrierten Schaltkreis – eine wirklich neue Qualität – ist nicht durch bloße Aneinanderreihung von Transistoren entstanden, sondern hat einen großen Wust von neuen technischen Lösungen (Isolierung, Wärmeableitung, Darstellung von Widerständen und Kondensatoren im Kristall u.v.a.m.) erfordert…
Ehrlich gesagt, fällt es mir schwer, hier irgendwo neue Qualitäten, die sich nur auf eine mengenmäßige Anhäufung stützen, zu erkennen – stets sind völlig neue Technologien und Techniken, Erfindungen und/oder verbesserte Herstellungsprozesse der Materialien, Strukturen und Komponenten der Ausgangspunkt für die neue Qualität…
Andere Vorschläge?
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Nehmen wir gesellschaftliche Prozesse, so finden wir in der überschaubaren Geschichte, die sich mit Hilfe von verläßlichen Büchern/Lexika usw. noch einigermaßen wahrheitsnah zurückverfolgen läßt (also die letzten gut 100 – 150 Jahre), eigentlich nur eine einzige echte „qualitative Veränderung“: den sog. real existierenden Sozialismus (RES), der sich wenigstens in einigen Beziehungen (begrenzter Wohlstand sowie staatlich finanzierte Bildung und Gesundheitsfürsorge für fast alle) deutlich von allen anderen Kapitalismen und sonstigen Vorgängern abhebt.
Daß dieser RES sich ökonomisch nur eine Zeit lang (von 1929 bis etwa 1959) vom Kapitalismus unterschieden hatte, lag daran, daß ein gewisser ukrainischer glatzköpfiger Verbrecher Führer-Darsteller dann diesen RES unbedingt in das internationale BW-Geldsystem integrieren wollte – der Anfang vom Ende des RES.
Denn danach mußte sich alles den eisernen Gesetzmäßigkeiten des Finanz-Kapitalismus unterordnen, nur daß anstelle von vielen Ausbeutern (Unternehmern, Bankstern, Händlern, Staat usw.) jener EINE Ausbeuter – der Staat – trat…
Wer nun meint, der Industrie-Kapitalismus oder die sog. Marktwirtschaft (die ja nie wirklich ‚frei‘ war) oder das BWS oder die Reaganomics seien qualitative „Sprünge“ gewesen, der möge bitte die Kriterien erläutern, mit denen er dies vorschlägt.
Nach meinem Empfinden hat sich am WESEN des Kapitalismus – gesellschaftliche Produktion und private Aneignung des gemeinsam produzierten Mehrwerts – in all diesen Fällen rein gar nichts verändert.
Einzig der Grad der Ausbeutung hat sich mit der Zeit erhöht, und die Verteilung der Reichtümer ist immer ungerechter geworden…
Freilich, an entsprechenden „begründenden“ Ideologien für diese oder jene Ansicht war zu keiner Zeit ein Mangel: diese ließ ‚man‘ sich stets etwas kosten…
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Ja, selbstverständlich sind mir die windigen Theorien von einer sog. Schwarm-Intelligenz bekannt, wobei hier – genauso wie beim Ki – peinlich vermieden wird, die Frage zu beantworten, was denn Intelligenz überhaupt sei.
Sie gründen sich unter anderem auf Beobachtungen von Sammelorten von Zugvogelschwärmen, die sich für die Reise in den warmen Süden versammeln. Auch mich haben die Filmaufnahmen (noch ohne Ki?) von den angeblich tausenden Zugvögeln und deren Verhalten im Schwarm stark beeindruckt.
Aber bevor ich für das Kollektivbenehmen der Tierchen (keine Kollisionen usw.) über eine mögliche Intelligenz nachzudenken beginne, wäre doch erstmal die Frage zu klären, ob wir denn wirklich genau wissen, WIE der einzelne Vogel fliegt, oder?
Denn nach den Erkenntnissen der Aerodynamik, über die der heutige Mensch verfügt – was man aus den diversen massenhaften energiefressenden Flugmaschinen ableiten kann, und aus der offiziellen „Abneigung“ gegen die effizienten Luftschiffe – müßten die Vögel ja ununterbrochen am Fressen sein, um die notwendige Energie für ihren Flug aus Insekten, Würmern und Samen zu generieren.
Sind sie aber nicht. Und fliegen trotzdem.
Auch die – laut „Wissenschaft“ – flugunfähigen Hummeln haben offenbar noch niemanden zu wirklich wissenschaftlichen Forschungen anregen können. Zumindest ist der Allgemeinheit davon nichts bekannt… nein, die oberflächlichen Darstellungen in YT und „Pedias“ sind da kein „Ersatz“.
Als Rentner hat man die Zeit, die Vögel beim Flug zu beobachten. Und sogar im Winter, bei fast durchgängigen Minus-Temperaturen, wo sie viel zusätzliche Energie für ihre Körperwärme brauchen, und wo die lebendigen Nahrungsquellen fehlen, ist nicht zu beobachten, daß sie weniger unterwegs seien oder ständig das Futterhäuschen belagern…
Also bitte: wenn ich schon keine Ahnung vom Vogelflug habe, dann denke ich mir für deren gemeinsame Fliegerei einfach eine Schwarm-Intelligenz aus?
Ich muß doch sehr bitten…
Außerdem: wer sagt denn, daß die Piepmätze nicht im Ultraschallbereich – für uns unhörbar – einfach miteinander kommunizieren? Oder über feinstoffliche Schwingungen? Oder anderweitig? Ähnlich wie es bei Fisch-Schwärmen teilweise bereits nachgewiesen wurde?
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Freilich können wir noch gewisse Modellfälle konstruieren, wie z.B. eine Straße durch sumpfiges Gebiet, die solange mit neuem Belag ausgestattet wird, bis sie dann irgendwann wirklich das ganze Jahr stabil befahrbar ist – wenn man dies als „neue Qualität“ und nicht als den eigentlichen Zweck einer Straße betrachten will.
Außerdem würde eine von Anfang an solide gebaute, tief gegründete Straße denselben Zweck erfüllen – ohne mengenmäßige Anhäufungen…
Kurzum, es will mir so gar nicht eingehen, wie durch rein quantitative Anhäufungen dann plötzlich – nur dadurch – eine neue Qualität entstehen soll.
Wer oder was sollte dies bewirken?
Im Gegenteil, es widerspricht sogar den natürlichen Grundlagen der Entwicklung: hatte doch jener Sir Darwin schon herausgefunden, daß ohne Gen-Mutationen eine Weiterent-wicklung der Organismen nur in ganz begrenzter Weise – eben nur rein quantitativ – er-folgen kann…
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Und eine „demokratische Partei“ wird nicht allein dadurch zu einer führenden Kraft in der Gesellschaft, daß sich ihr immer mehr Leute anschließen: denn diese Leute folgen entweder einer für sie akzeptablen Idee (und nicht nur der Parteiführung), oder sie werden einfach gekauft.
Eine führende Kraft in der Gesellschaft basiert stets auf einer Idee, einem Ideal, nach welchem es sich für viele lohnt zu streben.
Das Ideal des heutigen real existierenden Kapitalismus ist dasselbe wie ganz zu Anfang: der maximale Profit für private Taschen… in Wirtschaft und Politik.
Der „revolutionäre“ Klassiker benannte den Umsetzungs-Mechanismus so:
„Eine Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen erreicht.“
Woraus ein moderner Theoretiker der Gegenseite die Schlußfolgerung zog:
„… dann müssen wir die Massen so dumm machen, daß sie Ideen nicht mehr verstehen können.“
Was seit einigen Jahrzehnten, seit der RES beseitigt wurde, überall geschieht…
Ein anderer Klassiker meinte, daß „eine Idee, deren Zeit gekommen ist, durch niemanden aufgehalten werden kann.“
Was zwar schön klingt, aber irgendwo den Beigeschmack von „abwarten und Tee trinken“ hat, während doch in Wirklichkeit die Voraussetzungen für die Verbreitung der Idee, die meist nicht nur aus wenigen Sätzen besteht, geschaffen werden müssen…
Wenn eine Idee also in „materielle Gewalt“ – sprich Macht – umgesetzt werden soll, dann geht das nicht ohne eine Organisation.
Das kann ein Netzwerk sein, das auf derselben Idee beruht. Das kann aber auch eine Art Massenschule sein, in welcher die Menschen mit den Ideen der natürlichen (hierarchie-freien) Ordnung, die auf dem Bewußtsein der einzelnen Individuen und deren freien Entscheidungen beruht, bekannt gemacht werden.
Wobei das Entscheidende aber nicht die Anzahl der Mitläufer ist, sondern die Anzahl und die Qualität der Mittäter, welche die geistige Führung der Bewegung aktiv unterstützen.
Hier könnte erstmalig durch mengenmäßigen Aufwuchs eine neue Qualität erreicht wer-den, sofern die zusätzlichen Leute selbst schon entsprechende Qualitäten mitbringen…
Und das bedeutet, daß dieses Netzwerk sich als erstes intern geistig bilden muß, damit bei allen Leuten darin Klarheit über das Ideal, die Ziele und den Plan der Umsetzung her-gestellt werden kann.
Freilich gehört auch eine Gruppe von Leuten innerhalb des Netzwerks dazu, die aus der Idee eine Theorie, eine Lehre machen.
Auch hier ist wieder fraglich, ob das allein durch mengenmäßige Erweiterung geschehen kann, denn ab einer gewissen „Kopfzahl“ wird die Kommunikation in einer Gruppe sehr schwierig…
Und diese Gruppe darf nicht fremdgesponsert sein – nicht mal teilweise -, sonst kommt am Ende wieder nur eine halbgare Theorie raus, die sich mit dem Etikett „wissenschaftlich“ gegen jegliche Weiterentwicklung zu schützen versucht… das hatten wir schon oft genug.
Überhaupt sollte stets nach der Finanzierung gefragt werden, wenn irgendwelche klugen Leute ihre geistigen Ergüsse vorstellen, denn nach wie vor gilt die alte Regel der Natur:
„Wes Brot ich freß, des Lied ich sing.“
Es sei denn, sie haben sich ihre Rente durch ehrliche lebenslange Arbeit verdient…
Zurück zu Hegels Regel von jenem Umschlag.
Für mich bleibt übrig, daß eine quantitative Anhäufung allein (!) keine neue Qualität erzeugen kann. Dazu müssen weitere „zündende“ Gegebenheiten kommen, wie oben gezeigt und diskutiert.
Für überzeugende Beispiele, welche die HeRe bestätigen würden, wäre ich dankbar.
Frohes Nachsinnen!