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Wer Walter heißt, sollte sich freuen – 1.8.6 (61) Bündnis mit Kindern (hier als Eltern, Kind und Kinderstube, 2. Auflage)

Eckehardnyk – Mittwoch 4. Februar NZ 13

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Walter – ein schöner Name? Der sprachlichen Herkunft nach ein Germanischer, den du auch im Englischen wiederfindest, wie bei Sir Walter Raleigh, dem Seefahrer, Dichter und heimlichen Liebhaber der königlichen Elisabeth I. von England.

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Wenn du Sohn oder Tochter benennst oder taufen lässt, denk darüber voraus, was in den Wörtern stecken könnte, mit denen sich deine Kinder ein Leben lang identifizieren müssen! Früher waren Heilige die Namensgeber, heute werden moderne Helden aus Kino, Sport sowie Rock und Pop zu „Paten“. Viele Namen sollen nur gut klingen und an jemanden erinnern, der prominent genug ist und genau so heißt. Was aber ist, wenn die Prominenz nachlässt oder in Misskredit gerät? Oder bei Abwandlungen des ursprünglichen Namens?

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Wer weiß schon, dass Anke Niederdeutsch Anna verniedlicht und demnach ein „Ännchen“ ist? Oder dass Sascha einen Russischen Aleksandr verkleinert, also ein „Alexanderchen“ daraus macht? Und was bedeutet Alexander überhaupt?

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Die Griechischen Bestandteile des Wortes meinen eine „Gestalt, die Männer bekämpft oder beschützt“. Wer das Beides konnte, musste viel Macht haben und konnte einen Herrscher, wie Alexander den Großen, abgeben. Damit sind wir von der Bedeutung her wieder bei Walter. Das in ihm steckende Tätigkeitswort walten bedeutet so viel wie „herrschen“.

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Warum ich dich mit diesen Details beschäftige? Ganz einfach: Damit etwas hängen bleibe! Denn solltest du alles aus dieser Serie vergessen – an die Behandlung von Namen erinnerst du dich (insbesondere, wenn der deine dabei war). Das liegt daran, und deshalb geht uns das Thema an, dass im Namen tatsächlich etwas waltet, etwas anwesend ist, das eine kaum bemerkbare Herrschaft ausübt.

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Dies kann ein Name an sich schon stark genug, sodass sogar ein Berufsstand dafür entstanden ist, der Namen erfindet oder Wirkungen auf Träger eines Namens untersucht. Gegebenenfalls werden Gutachten erstellt und Änderungen empfohlen, was in seltenen Fällen gerechtfertigt sein mag.1 Es erscheint mir edel und hilfreich, wenn du – zumindest für dein Kind – dich etwas mit dem beschäftigst, was so alles in einem Namen mitschwingt und waltet. 2

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Es ist erstaunlich, dass wir im Deutschen dieses Verb walten noch haben. Es drückt eine ständige, meist unterbewusst wirkende Anwesenheit von Durchdrungensein aus, das unangefochten, weder wählbar noch abwählbar ist. In Gewalt schafft sich diese Macht einen explosiv bedrohlichen Ausdruck, gewissermaßen das Ende gewaltfreien Waltens anzeigend.

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Verantwortliches Walten möchte ich dir als Grundeinstellung beim Bündnis mit Kindern – Abenteuer Erziehung und als wirksames Werkzeug an die Hand wünschen: Walte deines Amtes! – So heißt es auch bei manch feierlichem Anlass. Walte da, wo man dich wünscht und braucht, indem du nur da bist. Wir legen unsere Zeit richtig und gut an, wenn wir in der Gegenwart unserer Kinder walten, also ihnen vernünftig und gewissenhaft vor- und beistehen. Auf dieses Walten baut dein Kind sein Vertrauen. – „Papa (oder Mama) wird’s schon richten“,3 wenn mal was schief geht.

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Es schwebt und schwingt4 – als Verlässlichkeit durch sein kindliches bewusstes und unterbewusstes Dasein. Auch als Eltern braucht ihr nur da zu sein, das heißt, zu leben und euren Sinn in euch selbst zu finden! Waltet, seid da und dabei! Darin waltet ein Geheimnis, das sich mit dem Leben verbindet, längst auch bevor wir als Erwachsene ein Bewusstsein davon haben.

1 Umbenennungen als Politik sind indessen ein Missgriff, da die Sprache, ähnlich wie Bildung, sich der organisierten Verwaltung entzieht (siehe Szene 123 von 144 Söhne)

2 Wir wissen ja auch, wie mächtig eine Verwaltung sein kann und wie viel Verantwortung auf einem Sachwalter (Sachbearbeiter, Stellvertreter, Verwalter) liegt. Deep State ist nichts weiter, als die sich zur Herrschaft berufen fühlende Staatsverwaltung

3 „werden es walten“ wäre die dazu etwas altertümelnde Entsprechung

4 Siehe dazu die Bedeutungsfülle von Englisch to sway „schwingen, schwanken; schwenken; geneigt machen“


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(c) eah 2012 „Abenteuer Erziehung“ (bei tredition, Hamburg) sowie hier und heute, 4.2.2026


6 Kommentare

  1. Der Name hat keinen Wert. Er ist Spielzeug im Spiel. Ein Rufzeichen, ein Etikett, austauschbar. Wem er nicht passt, der legt ihn ab und nimmt sich einen neuen – fertig. Wer ihm Bedeutung, Wirkmacht oder gar „Walten“ zuschreibt, verwechselt Spiel mit Sein. Walten bedeutet Herrschaft. Nicht Begleitung, nicht Fürsorge, nicht bloßes Dasein, sondern Ausübung von Macht ohne Wahlmöglichkeit des Beherrschten. Wird behauptet, im Namen „walte“ etwas, dann heißt das nichts anderes, als dass dem Namen Herrschaft über den Menschen zugesprochen wird. Die Person ist kein Sein, sondern eine Rolle: juristisch, sozial, funktional. Rollen kann man wechseln, besonders dann, wenn das Spiel absurd wird. Identität ist nichts anderes als die erzählte Version dieser Rolle, ein Narrativ zur Stabilisierung des Spiels. Problematisch wird es erst dort, wo Name, Person oder Identität für real erklärt werden. Genau an diesem Punkt entsteht Sklavenstatus: wenn das Spiel sagt „Das bist du“ – und geglaubt wird. Kinder trifft das am härtesten, weil sie nicht aussteigen können. Deshalb ist jede Ontologisierung von Namen, Rollen oder Identitäten kein Schutz, sondern Bindung. Freiheit beginnt nicht mit besserer Bedeutung, sondern mit dem Durchschauen des Spiels.

    Liebe Grüße aus Dresden

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  2. Avatar von bettinamaerz23 bettinamaerz23 sagt:

    Wer Ernst heißt, nimmt auch nicht alles als lustig wahr.

    Und Brooklyn will ich auch nicht heißen, klingt wie Braunschweig.

    Späßle muß sein.

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  3. Avatar von Thom Ram Thom Ram sagt:

    „Walten“ ist bedeutungsschwerer Begriff.
    „Machen“, das kann jeder.

    Ich habe den Namen „Walter“ bis heute nicht im Gleichklang mit „walten“ gesehen und gefühlt.

    Doch leuchtet ein, wem Walten gegeben, der ist ein Walter.

    Der Verwalter ist dann die Karikatur davon, nämlich der, der scheinbar waltet, in der Tat nur ausführt, was der Walter, der Waltende, ihm vorgibt.

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  4. Avatar von Thom Ram Thom Ram sagt:

    Michael Rednik unterschätzt die Bedeutung und Wirkung von Namen eklatant.

    Es ist ein Riesenunterschied, ob ich ein Leben lang mit Thomas oder mit Edgar oder mit Wilhelm oder mit Sanders oder mit Johannes oder mit Jeff oder Bob oder Finn angesprochen werde.

    Das gilt auch für das Kleinkind, welches mit seinem Namen noch keine bekannten Größen verbindet.

    Der Name ist Musik.

    Ein Mozartklavierkonzert teil anderes mit als ein Rachmaninov Klavierkonzert. Beide haben gemeinsame Nenner, doch beide unterscheiden sich im Übrigen wie Kuh von Vogel oder von Delphin.

    Es besteht eine Wechselwirkung, lieber Michael.

    Das ist wie mit der Handschrift.

    Mir war als Pubertierendem klar, daß meine Handschrift Ausdruck meiner Persönlichkeit ist.
    Und mir war eben so klar, daß ich meine Persönlichkeit beeinflussen kann, indem ich meine Handschrift willentlich so oder so oder noch anders ändern kann. Ich formte unbewusst, aber bewusst eben auch, so wie Du damals oder heute noch natürlich auch.

    Es war mir einfach klar dies: Es ist Wechselwirkung.

    Und mit dem Namen, da hat es es in sich. Der Name, der dem Kinde gegeben wird, der ist Musik. Wird das Kind von Mozart, Beethoven, Brahms, Bruckner oder von Klingklangklungbummbumm begleitet.

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  5. Thom Ram

    06/02/2026 um 18:55

    Lies genau, ich schrieb nichts anderes!

    Der Name wird aber zum Problem, wenn er zur Kette der Sklaverei wird. (Person als Sache, als Rädchen im Getriebe, Entmenschlichung, als Erwartungshaltung, als Erfüller von äußeren fiktiven Normen)

    Der Name ist gewählt und kann daher ab- oder umgewählt werden.

    Genau darum geht es in meinen Ausführungen, dass sich der musizierende Mensch sein Musikstück (Namen) selbst aussucht, nicht die Musik knebelt den der musiziert. Nichts wird von außen aufgesetzt, alles folgt dem Einklang mit Innen!

    Es spielt keine Rolle wovon das Kind begleitet wird, wenn es aus dem inneren des Kindes selbst geschieht! Und wenn es sich wirklich in Harmonie mit „Klingklangklungbummbumm“ befindet, dann ist auch das eine wertvolle Bereicherung der menschlichen Spezies!

    Liebe Grüße aus Dresden

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  6. Avatar von eckehardnyk eckehardnyk sagt:

    Ich danke für eure Beiträge. Dem Michael ist insofern zuzustimmen, als in dem Bereich, wo Namen eine Rolle spielen, also ihr Spiel machen, üben sie auch Herrschaft aus. Aber eben nur da, wo es einem Namen „erlaubt“ ist, zu „walten“, also seine Herrschaft auszuüben. Und das hat Ram mit wechselwirkender Musik im Namen gesehen und insbesondere gehört.

    Mit 9 Jahren passte meinem Sohn sein gerufener Name Raffael nicht mehr und er tauschte ihn gegen Johannes, der an 3. Stelle ihm gegeben war. Inzwischen hat er beziehungsweise seine Umgebung das Jo ebenfalls „entmachtet“. Er hört nun von seiner Frau gerufen auf Hannes oder von seinen Kindern auf Papa. Eines Tages vielleicht auf Opa, wenn er es dank unserer weisen Regierungsleute bis dahin noch schafft.

    Wie mächtig Namen wirken, herrschan odere walten, dürfte aus den Produktnamen bekannt sein. Nicht umsonst (also auch gegen nicht unstattliches Honorar) werden Namenserfinder berufen, die Autotypen oder sonst was bezeichnen. Ich war mal mit einem solchen bekannt, der einer Singakademie für Kindeer am Festspielhaus Baden-Baden den Namen Toccarion verlieh. Der prangt nun an einem Nebeneingang in bunten Buchstaben und versucht Toccaten und Arien aufzurufen.

    Ein anderes Beispiel, dessen Erfinder ich nicht kenne, ist Maggi. Davon gibt es inzwischen eine Ableitung, das Maggikraut, das nicht ein Bisschen Maggi enthält, aber so riecht wie Maggi schmeckt, das Liebstöckel, das aus dem Lateinischen levisticum schon im Althochdeutschen existierte und im Mittelhochdeutschen mit Stöckli und Liebe verbandelt wurde. – Doch Maggi mag aus seinem phonetisch-magischen Umfeld von Magie, Magister, Magier profitiert haben und sich seit Jahrzehnten als Name der ganzen in Singen Hohentwiel gelegenen Fabrik zu einer nicht unerheblichen Marktmacht im Futterbreich für Menschen verholfen haben

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