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113. von 144 – ELTERN, KIND UND KINDERSTUBE – Elite

Eckehardnyk, 26. Oktober NZ 9

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Ein Spagat ist es also, was dein Kind in sich vollziehen muss zwischen Kindheit, die im Jugendalter mündet und jener Art von Kindsein, die niemals endet. Ein bißchen komisch mutet das schon an, wenn man sich fragt, wo bin ich denn „Kind“, wenn ich gestorben bin?

Die „Studierten“ unter euch werden meinen, daß das nicht nachweisbar ist und werden den Gedanken verdrängen oder sagen: „Im Nichts“. Die „Gottgläubigen“ werden sagen: „Bei Gott“, und du, der du weißt, daß du Du bist wirst sagen: „In meiner ursprünglichen Welt“. Streng genommen meinen alle drei Aussagen das Selbe, nur von einem jeweils anderen Standpunkt aus betrachtet.

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Doch es ist ein wichtiger Unterschied, ob mein Sein identisch sein soll mit meinem Körper, oder ob es noch darüber hinaus existiert. Es kann durchaus nach dem Wunschdenken einer Person dahin kommen, daß ihr Sein quasi ausgelöscht sei in dem Moment, wenn die Lebensfunktionen – heute würde man sagen: Die Hirnfunktionen – aufgehört haben, messbare Signale zu senden. Der Seele eines solchen Menschen wäre dann schwer beizubringen, daß sie nach Ablegen ihrer Leiblichkeit noch immer am Leben ist. Sie wird sich demgegenüber baldmöglichst in einen Dornröschenschlaf begeben, bis ein Prinz, der nicht in einer Dornenhecke von Materie hängen blieb, sie „nach hundert Jahren“ mit einem Kuß aufweckt. – Du siehst an diesem Märchen, daß auch für einen Materialisten Rettung da ist, weil in ihm alle die Eigenschaften der Seele ebenso existieren, wie bei dem, der „durchs Nadelöhr“ gegangen ist und sich von der „Himmelsfähigkeit“ seiner inneren Welt bei Lebzeiten unter irdischen ein Bild gemacht hat.

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Wir verzichten allerdings darauf zu wissen, wie lange diese „hundert Jahre“ des Märchens im Uhrzeigersinn dauern. Es können auch 100 Tage oder Millionen Jahre werden. Im Kosmos gibt es Zeit und Unmengen Platz in jeder Größenordnung. Zuviel, um damit etwas anfangen zu können, aber auch zu wenig, um zufrieden zu sein. Deswegen legen wir Wert auf die sprichwörtliche Feststellung: In der Beschränkung zeige sich der Meister. – Oder wie Lafontaine es in einer Fabel ausdrückte: Un trésor est caché dedans (Gemeint war der Fleiß, mit dem die Söhne eines sterbenden Bauern aus ihrem zu erbenden Acker Gewinn erwirtschaften sollten).

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Um Ewigkeit auszudrücken, braucht ein Künstler nicht unbegrenzt viel sondern geeigneten Stoff, aus dem er etwas herausarbeitet. Das kann sein body sein, wenn er Schauspieler, Tänzer oder Moderator ist; das kann Farbschmiere sein, die er als Maler auf ein Format verteilt; das kann Melodie und Klang sein, wenn er Musiker, oder Lehm, wenn er Bildhauer ist. Das kann alles sein, was die Erdenwelt bietet, um alles zu sein, was in dieser Welt nach Ausdruck verlangt. Und diese Welt verlangt so etwas, schon die Geschwister und alle, die dazu gehören, verlangen Ausdruck, und das kann Angst machen. Gerade die Jüngsten können ein Lied davon singen, aber oft stellen sie sich dem Ansporn und feiern mit Höchstleistungen unglaubliche Siege. „Aber wer spricht von Siegen“, sagte uns Rilke, „Überstehen ist alles“.

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So wirst du für deine Kinder Vorsorge treffen. Daß sie der Herausforderung der „Welt“ gewachsen sind. Du wirst ihnen eine „gute Erziehung“ und eine hervorragende Ausbildung bieten wollen. Alles in Ordnung. Aber weißt du, was „gut“ ist? Eine Katze ist gut, wenn sie zum Sprung ansetzt und dort landet, wo sie hingewollt hat. Schafft sie’s mal nicht, dann ist es auch ihr peinlich und sie zieht sich eine Weile zurück. Dort vergißt sie die Fehlleistung und versucht einen nächsten Sprung. Der klappt dann und sie ist wieder gut. Der Mensch könnte es genauso machen. Aber seine Erinnerung oder sein „Unterbewusstes“ spielen ihm einen Streich. Erinnert er sich an Mißerfolge, wird ihn das dauerhaft beim Neuansatz behindern. Menschen sind nun mal keine Katzen, die nur richtig funktionieren müssen, um gut zu sein. Allerdings wird sich eine Katze nicht mit einem einzigen geglückten Sprung in ihrem Leben zufrieden geben, und so sollte sich der Mensch auch nicht auf Lorbeeren ausruhen.

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Das dauerhafte Interesse, von dem wir schon gehört haben, mit dem man „ewig“ Kind bleibt, wird auch dazu führen, immer „Öl in der Lampe“ zu haben, bis die nächste Gelegenheit Licht erfordert. Deshalb gehört jeder, der zu ständigem Einsatz seiner Seele, und das heißt seines „Ich bin“ bereit ist, zu dem, was wirklich „Elite“ ist. Dazu gehören nicht zwangsläufig bloß jene, die prominent und mit Besitztümern und Machtfülle gesegnet sind. Jeder, der sein Äußerstes wagt oder hingibt, macht in Wirklichkeit einen geglückten Sprung ins Himmelreich. Wer alles anzieht, was die Welt hier so bietet, um das am Ende zu sein, was er wirklich ist. Jede Gelegenheit ist zu nutzen, um „gut“ zu sein, auch wenn es nicht jedes Mal gelingt. Wer aufsteht, wenn er hingefallen ist, wer bittet, wenn er etwas braucht und ablehnt, wenn er genug hat. – Das kann natürlich auch eine „Sie“ sein, müsste ich für denkfaule Leser hinzufügen, aber das ist ja hier, denke ich, niemand.

© 🦄

(eah)

1. März 1999 und 26. Oktober 2021


1 Kommentar

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

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