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Eltern, Kind und Kinderstube – 68. von 144 – Im Atemholen sind zweierlei Gaben

Innen und außen: In welchem Ring stehst du ?

Eckehardnyk

1

Mit diesem etwas abgeänderten Goethewort wollen wir unseren Dialog über Anziehen und Abstoßen entgegengesetzter Pole fortsetzen. Das Zitat heißt genauer:

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:

Die Luft eiziehen, sich ihrer entladen;

Jenes bedrängt, dieses erfrischt;

So wunderbar ist das Leben gemischt.

Du danke Gott, wenn er dich preßt,

Und dank ihm, wenn er dich wieder entläßt.1

In solchem Wechsel steht unser ganzes Leben. Das erzeugt Widersprüche. Man hört oft sagen: Ungleiche Pole ziehen sich an. Das stimmt wohl nur in der Physik. In der „Chemie“ von Mensch zu Mensch bringt es Probleme mit sich. Das hört man öfter: Sie waren zu verschieden, um miteinander zu können. Was stimmt nun? Habe ich nicht selbst noch letzte Woche (67. von 144) Vielfalt als europäische Errungenschaft gepriesen?

2

Man sollte eben wissen, wo man steht. Kinder werden es von einem wortlos wissen wollen oder still voraussetzen. Es gibt, nach meiner Ansicht, da so etwas wie den äußeren und den inneren Ring um unsere eigenste Sphäre, die wir das Ich nennen. Im inneren Ring geschieht alles, was wir tun, durch uns selbst. Wir können dieses um seine Entscheidungen erweiterte Ich unser Selbst nennen. Dann folgt um den inneren Kreis ein äußerer, in dem uns zwar nahe geht, was so passiert, aber wir dort selbst nicht handeln, sondern handeln und geschehen lassen. (Das habe ich nicht mit Delegieren mit Delegieren gemeint.) Und diese beiden Ringe oder Kreise hat uns auch das Evangelium beschrieben, indem zum inneren Kreis gesagt wird: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.2 In diesem Kreis handeln und denken wir ja selbst, und wenn wir hier Terrain aufgeben, haben wir uns selbst verloren. Wir bekommen keine Luft. Unser Ich hätte sich selbst gegen uns als Dieb zum Gegner gemacht.

3

Zum äußeren Kreis jedoch sagt das Ich: Wer nicht gegen mich ist, ist für mich! Denn hier lassen wir geschehen, und alles, was nicht gegen uns gewendet wird, also abfließen kann, ist für uns. Die mögliche Gegnerschaft käme hier dadurch zustande, dass man nicht loslassen kann. Im Bild des Atemholens: Luft Entladen. Tatsachen, die ihr Eigenleben haben, wollen nicht am Gängelband gehalten werden3 und entziehen sich der organisierten Verwaltung.

4

Ein anderer Spruch paßt auch hierher. Man nennt das auch ein Gebet:

Herr gib mir Zivilcourage, Dinge zu tun, die ich ändern kann; und gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Und gib mir die Weisheit, daß ich Beides voneinander unterscheide. Danke. Amen!

In dem „Nicht Ändern können“ steckt auch ein Können. Kehren wir zurück zu uns als Eltern.

5

Es ist für Kinder bedeutend zu wissen, daß ihre Eltern sich gegenseitig gewähren lassen (können). Daß sie sich in der Art ihres Seins nicht nur nicht hindern, sondern sich hinnehmen und sogar bestärken. Das hat immer mit Ausatmen zu tun. Gib ab, was heraus will! Lass geschehen, was nicht (direkt) gegen dich ist! Warum sollten sich denn Gefährten gegenseitig in den Rücken fallen? Muss denn jedes Anders Sein, jedes Sich anders zum Ausdruck Bringen gleich als Angriff auf die eigene Person gewertet werden? Zeig deinen Kindern, was es heißt, anderen Menschen Raum zur Entfaltung zu geben. Beweise, daß Toleranz nicht nur in Verfassungstexten steht, sondern bei dir lebt als Kraft, Dinge und Wesen in Ruhe sein zu lassen, wie sie sind und sein wollen. Lass dem, was anders sein will, seinen Lauf; lass es „abfließen“!

6

Dann haben wir wieder Raum für das, was bei uns sein will. In ein volles Glas kann man nichts einschenken. Also genießen wir mal unser („halb“) entleertes Glas als Chance, dass etwas hineinströmt, das „für uns“ ist und das wir in uns reinziehen können, ohne daß es sich gegen uns wendet. Machen wir uns auch einmal frei von der fixen Idee, daß wir unsere Kinder schon – kennen.


© eah 25. Dezember 1998 und 24. August 2020

1 (Goethe, Lyrische Dichtungen, Weimar 1814, Leipzig: Insel 1923, Band 15, Seite 20)

2 Das war die Losung von Napoleon I. gegenüber seinen Verbündeten. Vergleiche Matthäus 12,30.

3 Diese Seite des „Bibelwortes“ (Markus 9,40) hat Napoleon nicht berücksichtigt, weswegen ihn seine Verbündeten verlassen haben und zu Gegnern geworden sind. – In der Politik gibt es anscheinend nur den äußeren Kreis.


Encounter Education, englische (Zusammen-)Fassung 4/40

The message is: Let children grow up among the differences of mother and father (elder brothers and sisters, grandparents, aunts and uncles, and whoever is involved in the daily educational process). The panacea (Allheilmittel) in view of an increasing fear of incapacity considering children (which may be one reason of increasing childlessnessness in modern societies especially north of the Alps) is confidence and trust. That makes ist easier to one parent leave a child up to the other parent, or in accordance with its age leave the child from time to time up to its own.

°

It is important for children to know their parents let each other act as he or she likes, that they could trust one another, and that they not only take their dwelling for granted but also confirm each other in his or her intention of leadership or responsibility. Tolerance is not only an abstract in a constitution. Tolerance begins in the parental home and the upbringing of selves. “Let it be“ becomes a more meaningful message. “Let mother‘s way (of upbringing) be“ – “Let fasther‘s way be“ – “Let all men‘s way of life be“!

°°

Don‘t forget: Life does not make mistakes. It is as it is. Being your life on your one way, you won‘t be wrong. You bring up your child and see how it imitates your going forward, your proceeding, your playing roles in the scenes of your very existence. Your intention may reach completeness in all the positions you think they are usefull. One result could be perfectness in the sense of your exclusive way of life. Maybe there are faults in the sense of the rule of a game. But the child will watch you by the way of trial and error, and then will self find out how it comes along.

°°°

How could parents be sure that they are doing right for the children? How could they trust that the wife‘s or the husbnand‘s acting doesn‘t spoil the offspring? As anounced in the given Beatles‘ song (Let it be): There will be an answer! This answer is to be heard emotionally. You feel it, if you will consider an action, put to you the question: Honestly, do I love what I do? Provided honesty to yourself you‘ll get the right answer: Yes or No. Trained to such inspections you also know about your partner whether he will love his doing or not. Be careful that your feats (Kunststücke) don‘t come out against you. Your child would do the same.

© eah März-April 2005 und 24. August 2020


2 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt 1 Person

  2. Mujo sagt:

    @eckerhardnyk

    „In solchem Wechsel steht unser ganzes Leben. Das erzeugt Widersprüche. Man hört oft sagen: Ungleiche Pole ziehen sich an. Das stimmt wohl nur in der Physik. In der „Chemie“ von Mensch zu Mensch bringt es Probleme mit sich. Das hört man öfter: Sie waren zu verschieden, um miteinander zu können. Was stimmt nun?“

    Und doch stimmt es das sich ungleiche Paare anziehen. Vielleicht liegt es in der Biologischen Natur um die vielfalt weiter zu gewährleisten um sich Evolutionsmässig weiter zu Entwickeln. Reibungen inbegriffen. Entscheidend ist doch das man Punkte hat wo man in die gleiche Richtung schaut und den weg auch geht. Wenn sich aber eine/r viel weiter Entwickelt als der andere, und einer nicht mitzieht, oder sich dauerhaft als Bremse erweist. Dann ist es vielleicht besser das jeder sein weg geht den er für Richtig hält.
    Auch am Anfang gleiche Paare sind nicht gefeit das sich einer einmal in eine ganz anderen Richtung Entwickelt.

    Nichts ist so beständig wie der wechsel.

    Und wenn noch Kinder mit dabei sind, wird es noch ganz schön bunter. Und das ein und ausatmen ist dann ein besonders wichtiger Rhythmus.

    Gefällt 2 Personen

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