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Der Aufstieg zu mir selbst? / Teil 1

(Ludwig der Träumer) Heute Nacht hatte mich Riesling, der Geist der Wahrheit wieder besucht und aufgefordert mit ihm einen Ausflug auf den großen Berg vor der Stadt zu machen. Zieh dir gute Wanderschuhe an, packe deinen Rucksack mit allem Nötigen das du brauchst um von dort oben deine Welt eine Zeitlang zu betrachten. Ich hole dich im Morgengrauen ab. Wie lange soll ich dort oben verweilen, meine Frage. Das entscheidest du selbst, wenn du oben bist – und schwupp, weg war er. Mir schwirrte der Kopf. Was muß alles in den Rucksack um zu überleben?  

Mein Handy und Ladekabel kamen zuerst rein. Ich will ja mit der Welt verbunden bleiben. Mit welcher Welt, fragte meine rechte Hirnhälfte fast sarkastisch. Na ja, mit der Welt die ich kenne.
Warum haderst du dann mit dieser Welt. Die müßte für dich doch in Ordnung sein, in der du gut und gerne gelebt hast. Arschloch, deine Ratschläge kann ich jetzt besonders brauchen. Der Riesling holt mich morgen früh ab ins Ungewisse  und du kommst mir mit so philosophischen Scheißhausparolen.

Als nächstes meldete sich zum Glück mein Darm mit einer Nachricht nach dem Sauerkrautessen mit Schweinshaxe. Nimm eine Rolle Klopapier mit, die ist überlebensnotwendig, weil du nicht vegan lebst. Rein mit ihr. Nee, zwei zur Vorsicht. Selbst Veganer müssen scheißen, denke ich. Wenn ich dort oben einem begegne, könnte ich ihm Hilfe leisten. Auch etwas Gutes tun über den Bergen.  

Meine linke Hirnhälfte flüsterte der Lunge zu: sorge für genügend natürliche Psychopharmaka in Form von Zigarillos und Zigarren. Also rein damit.

Nimm genügend zu trinken mit, röchelte mein trockener Hals – zwei Faß Ludwig Bräu wäre das ideale Getränk. Spinnst du, protestierten meine Wirbel lautstark mit Knacken – da brechen wir zusammen. Wozu gibt es Instantbier in Pulverform. Zweihundert Gramm reichen – das machen die Wirbel noch mit. Auf’m Berg gibt es sicher Quellwasser in dem du das Pulver auflösen kannst. Das reicht für 500 l Bier.

Wollt ihr mich vergiften, ihr arbeitsscheues  Gesindel von Wirbel? Bei jeder noch so kleinen Arbeit rumjammern. Geht’s noch? Fünf Liter Ludwig Bräu kommen in den Rucksack. Basta.

An mich denkt wieder keiner, seufzte mein Magen. Wenn ich verhungere, geht ihr alle mit. Du wirst doch mal einen Tag ohne Futter auskommen, rülpste es aus dem Sprachrohr meines Darms – gönne mir doch einmal im Leben einen Tag Urlaub.
Ein wenig Notration kann nicht schaden. Ich packe euch 10 Riegel „Mars macht mobil“ ein.


Ludwig, laß bloß die in Pattex gequirlte Scheiße weg. Wenn ich nur daran denke wird mir schlecht, grollte der Magen. Also gut – es wird kein Futter eingepackt. Probieren wir es gemeinsam mit Lichtnahrung, wenn wir Hunger haben. Der Ausflug wird eh nicht lange dauern.

Was ist mit Desinfektionsmittel, falls der Berg auch den Wirrus Corona hat, mahnte meine dämliche linke Hirnhälfte. Bleib ma ford mit deinem Intelligenzdefizit, du Sagrotan-Sektenanhänger. Aber damit du mir beim Aufstieg nicht hohldrehst, nehme ich eine Flasche Williams Christ zur inneren Desinfektion mit. Tosender Applaus von allen anderen Organen. Aber Rauchen und Saufen ist doch ungesund, setzte meine linke Hirn-Sprechblase nach. Leck mich.

Mich fröstelt es jetzt schon, wenn ich daran denke, wie kalt es dort oben sein könnte. Ich bleib zu Hause, wenn du nicht wenigstens eine Winterjacke, Mütze und Handschuhe einpackst – drohte die Mimose von meiner Haut und unterstrich ihre Forderung mit Gänsehaut.
Ich könnte aus der Haut fahren. Was habe ich mir da für Jammerlappen eingefahren? Mach dir warme Gedanken, dann frierst du auch nicht. Hey, wir haben Frühling – auch auf’m Berg.

Fehlt noch was im Gepäck, fragte ich in die Runde. Ja, meldete sich meine rechte Hirnhälfte fast schüchtern, da sie bisher stets von der linken niedergebrüllt wurde, wenn sie etwas Geistreiches sagen wollte, das der materialistischen Welt zuwider ist:
Wie wäre es, wenn ihr geistloser Biohaufen einfach euch mal dazu durchringen würdet, ohne Rucksack, ohne materiellen Krempel die Reise zu euch selbst anzutreten?  Anstelle euch hinter eurem geistigen Gartenzaun zu verstecken, könntet ihr unvoreingenommen das Unbekannte entdecken. Ihr süchtet doch immer nach Neuem. Beklagt euch über Konsumorgien – rennt aber ständig in den Bau- oder Mediamarkt auf der Suche Befriedigung eurer Sehnsüchte. Immer mehr, immer schneller, bis zum Kollaps – ist das euer Ziel? Nutzt einfach die einmalige Chance, die euch Riesling bietet. Er macht euch ja keine Vorschriften. Er überläßt es euch, was ihr oben auf dem Berg für euer künftiges Leben mitnehmt. Ludwig du Biohaufen, mach jetzt einfach den Rucksack zu und freu sich auf den Wanderführer. Morgen früh geht der Aufstieg los. Schlaf noch eine Runde, dann hast du genügend Kraft für diesen Ausflug.


2 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Instant Bier wie Tüten Suppe einfach zum aufgiessen !!!

    Oh Gott….., Corona ist doch gefährlicher als ich dachte, nur isses das Hirn statt die Lunge.

    Gefällt 1 Person

  2. HansL sagt:

    Ludwig je t’aime__je t’embrasse
    Und da es sich eigentlich um Hirnfraß handelet ist die Zeit der Gefahr wohl schon recht bald am Ende — dat Ding verhungert ganz einfach — , so nehme man ein büßchen Bluna mit und nen Schtiebel Elektron für’s ‚haise Wassa‘, doch nur ums abwischen des Restes der an sich klebenden rechts-links verquirrlten Kag geh, denn dem Herze wird bei gar sehr warm und breitet diese üban all aus (-somit keine Gänsehaut), beim Betrachten der stumpf brodelnden braunen Masse von sicherem Orte ohne Kwell fürs Anstatt-Pulver.

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