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Briefe von der Erde an Sankt Michael und Sankt Gabriel / 4. – 6. Brief

(Ludwig der Träumer) Wer es bis jetzt durchgehalten hat, Satans Briefe an seine Kumpels ohne Schnappatmung zu lesen, findet sicher in den nächsten drei Briefen die wahre Geschichte der Arche Noah, den Grund warum die Dinosaurier ausgestorben sind und die von Noah vergessene Fliege mitzunehmen, das Übel aller Krankheiten ist. Mark Twain der die Briefe dokumentierte und für alle Ewigkeit als einzig wahre Geschichte des Urknalls, des angebissenen Apfels, der Inzucht und der Eifersucht festschrieb gebührt meinem höchsten Respekt. Es hätte nicht schlimmer werden können mit dem Pfusch Gottes / der Götter an der Menschheit. Ja, man könnte sagen, mit seiner Idee der Korrektur hat er alles Geschaffene verschlimmbessert. Mit Noah hatte er einen ähnlichen Deppen gefunden wie die heutigen Grünen. Bald mehr zu dem Thema: Noah und Grüne.

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Brief 4
Und so verließ das erste Paar den Garten unter einem Fluch – einem dauernden Fluch. Sie hatten all die Freuden verloren, die sie vor dem „Sündenfall“ besessen hatten; dennoch waren sie reich, denn sie hatten eine erhalten, die soviel wert war, wie alle anderen zusammen: Sie wußten die Allerhöchste Kunst zu praktizieren.

Dies taten sie eifrig und es erfüllte sie mit Zufriedenheit. Gott befahl ihnen, es zu tun. Dieses Mal gehorchten sie. Aber genausogut hätte es verboten sein können, denn sie hätten es so und so getan, wenn tausend Götter es verboten hätten.

Die Resultate ließen nicht lange auf sich warten. Sie hießen Kain und Abel. Und diese hatten einige Schwestern und sie wußten, was man miteinander tun konnte. Und also gab es mehr Resultate. Kain und Abel zeugten Nichten und Neffen. Diese wiederum zeugten Cousinen und Cousins zweiten Grades. Ab da wurde die Klassifizierung der Verwandtschaft schwierig und daher aufgegeben.

Die angenehme Arbeit die Welt zu bevölkern ging so durch die Zeitalter vor sich hin und war von vorzüglicher Effektivität, denn in jenen glücklichen Tagen waren die Geschlechter noch fähig zur Allerhöchsten Kunst, wenn sie von Rechts wegen schon achthundert Jahre tot sein sollten. Das süßere Geschlecht, das liebenswürdigere Geschlecht, das lieblichere Geschlecht war damals in Bestform, denn es war sogar in der Lage Götter anzuziehen. Echte Götter. Sie stiegen vom Himmel herab und hatten eine wundervolle Zeit mit diesen heißen, jungen Blüten. Die Bibel berichtet uns davon.

Mit Hilfe dieser auswärtigen Besucher wuchs und wuchs die Bevölkerung, bis es einige Millionen waren. Aber sie waren eine Enttäuschung für Gott. Er war mit ihrer Moral, die in einigen Teilen nicht besser war, als seine, unzufrieden. Tatsächlich waren sie ein so gutes Abbild seiner selbst, daß es wenig schmeichelhaft war. Sie waren sehr böse Leute und da er keine Ahnung hatte, wie er sie bessern könne, beschloß er weise, sie wegzufegen. Das ist die einzige wahrhaft von Erleuchtung zeugende und hervorragende Tat, die ihm die Bibel zugesteht und hätte ihm einen guten Ruf für alle Zeiten bescheren können, wenn er sich nur daran gehalten und es durchgeführt hätte. Aber er war immer wankelmütig – außer was die Eigenwerbung anbetrifft – und so bröckelte sein guter Vorsatz ab. Er war stolz auf die Menschen, sie waren seine beste Erfindung, sein Lieblingstier, gleich nach der Hausfliege und er konnte es nicht ertragen sie ganz zu verlieren; so entschied er sich schließlich ein paar zu retten und den Rest zu ertränken.

Das war absolut typisch für ihn. Er erschuf all diese niederträchtigen Leute und war allein verantwortlich für ihr Betragen. Keiner verdiente den Tod, dennoch war es sicherlich eine gute Taktik sie alle auszulöschen; besonders da mit ihrer Schöpfung das Hauptverbrechen ja schon geschehen war und ihnen zu erlauben, sich zu vermehren wäre eine weitere Steigerung desselben. Aber aus diesem Grund konnte auch irgendeine Bevorzugung nicht gerecht oder fair sein – alle hätten ertränkt werden sollen, oder niemand.

Nein, das wollte er so nicht haben, er würde eine Auswahl retten und es mit dieser Rasse noch mal versuchen. Er war nicht in der Lage vorherzusehen, daß sie wieder verderben würden, denn nur in seiner Werbung ist er der große Hellseher.

Er rettete Noah und seine Familie und betrieb die Vernichtung des Rests. Er plante eine Arche und Noah baute sie. Keiner von ihnen hatte je vorher eine Arche gebaut oder wußte irgend etwas über Archen; also konnte man Ungewöhnliches erwarten. Das geschah. Noah war Landwirt und obwohl er wußte, was von der Arche gefordert war, war er nicht in der Lage zu sagen, ob diese groß genug für die Erfordernisse war oder nicht (was sie nicht war) und so wagte er keine Kritik. Die Gottheit wußte nicht, daß sie nicht groß genug war, sondern hatte auf diese Größe getippt und so kamen die inadäquaten Maße zustande. Die Folge war, das Schiff erfüllte nicht die Anforderungen und die Welt leidet bis zum heutigen Tage darunter.

Noah baute die Arche. Er baute sie so gut er konnte, ließ aber die wichtigsten Teile weg. Sie hatte kein Ruder, keine Segel, keinen Kompaß, keine Pumpen, keine Karten, kein Senkblei, keinen Anker, kein Log, kein Licht, keine Belüftung und was den Stauraum betrifft – was die Hauptsache war – je weniger man darüber sagt, desto besser. Sie würde elf Monate auf See sein und soviel Frischwasser benötigen wie in zwei Archen paßt – dennoch gab es keine zusätzliche Arche. Wasser von außerhalb konnte nicht verwendet werden, es wäre zur Hälfte Salzwasser und die Menschen und Tiere konnten es nicht trinken.

Denn nicht nur eine Auswahl Menschen sollte gerettet werden, sondern auch einige Musterexemplare der anderen Tiere. Ihr müßt wissen, daß als Adam den Apfel aß und lernte sich zu vermehren und auszubreiten, lernten dies die anderen Tiere ebenfalls indem sie ihm zusahen. Das war raffiniert von ihnen und geschickt; so kamen sie in den Genuß von allem was das Leben wertvoll macht ohne den Apfel zu probieren und sich damit mit dem zerstörerischen Gewissen zu belasten, der Ursache von allem Übel.



Brief 5

Noah begann Tiere zu sammeln. Es sollte ein Paar von wirklich jeder Kreatur sein, die da in der belebten Natur geht, kriecht, schwimmt oder fliegt. Wir können nur vermuten, wie lange es dauerte, die Viecher einzusammeln und wieviel es kostete, denn es gibt über diese Details keine Aufzeichnungen. Als Symmachus Vorbereitungen traf, seinen jüngsten Sohn in das Erwachsenenleben im Rom einzuführen, schickte er Männer nach Asien, Afrika und überall hin, um wilde Tiere für die Kämpfe in der Arena zu sammeln. Diese Männer brauchten drei Jahre, um die Tiere zu sammeln und nach Rom zu bringen. Wohlgemerkt, nur Vierbeiner und Alligatoren – keine Vögel, Schlangen, Frösche, Würmer, Läuse, Ratten, Flöhe, Zecken, Raupen, Spinnen, Hausfliegen, Moskitos – also nur Vierbeiner und nur kämpfende Vierbeiner. Dennoch wie gesagt: sie brauchten drei Jahre, um sie zusammenzubringen und die Kosten für die Tiere, den Transport und die Löhne summierten sich zu 4.500.000 $.

Wie viele Tiere waren es? Wir wissen es nicht. Aber es waren weniger als 5000, denn das war die größte Zahl, die je für die Römischen Spiele zusammengetragen wurde und zwar von Titus, nicht von Symmachus. Das waren höchstens Minimuseen verglichen mit Noahs Werk. Er mußte 146.000 Arten Vögel, Land- und Süßwasserbewohner sammeln und mehr als zwei Millionen Insektenarten.

Abertausende von diesen sind sehr schwierig einzufangen, und wenn Noah nicht resigniert aufgegeben hätte, so wäre er heute noch damit beschäftigt, wie Leviticus zu sagen pflegt. Aber ich will damit nicht sagen, daß er alles hingeschmissen hat. Nein, das tat er nicht. Er sammelte so viele Viecher, wie er Platz hatte und hörte dann auf.

Wenn er alle Bedingungen von Anfang an gekannt hätte, wäre ihm klar gewesen, daß er eine ganze Flotte Archen braucht. Aber er wußte nicht, wieviel Tiere es gab und sein Chef hatte auch keine Ahnung. Also hatte er kein Känguruh, und kein Opossum und kein Gila Monster und keinen Ornithorhynchus und ebensowenig einen Haufen anderer unverzichtbarer Schätze, die der nette Schöpfer der Menschheit geschenkt und dann vergessen hat, die waren schon lange zur anderen Seite der Welt gewandert, die er nie gesehen hatte und mit deren Angelegenheiten er nicht vertraut war. Und darum wären die alle um Haaresbreite ersoffen.

Sie entkamen nur durch Zufall: Es gab bis dahin nicht genug Wasser. Es gab nur genug, um ein kleines Eckchen des Erdballs zu überfluten – der Rest war damals unbekannt und man nahm an, es gäbe ihn nicht.

Aber das, was Noah nun wirklich endgültig dazu brachte, mit dem Sammeln von Tieren aufzuhören, die nur als Musterexemplare dienten, und den Rest aussterben zu lassen, war ein Vorfall, der sich in den letzten Tagen ereignete: Ein aufgeregter Fremder kam mit höchst beunruhigenden Neuigkeiten. Er sagte, er campierte in einigen Bergen und Tälern etwa sechshundert Meilen entfernt und hatte dort etwas Merkwürdiges beobachtet: Er stand auf einer Klippe von der aus er ein weites Tal überblicken konnte und sah durch dieses Tal eine wogende, schwarze See von sonderbaren tierischen Lebensformen sich ergießen. Alsbald zogen diese vorbei, kämpfend, durcheinander laufend, kreischend, grunzend, eine ungeheuer riesige Masse durcheinanderwogenden Fleisches. Faultiere, so groß wie Elefanten,, Frösche von Kuhgröße, ein Megatherium und sein Harem, unglaublich riesig; Saurier um Saurier um Saurier, Gruppe um Gruppe, Familie um Familie, Spezies um Spezies – dreißig Meter lang und zehn Meter groß und doppelt so besorgniserregend, einer erwischte mit seinem Schwanz beiläufig einen völlig unschuldigen Durham Bullen und ließ ihn hundert Meter durch die Luft segeln, so daß er mit einem Seufzer zu Füssen des Mannes fiel und  seinen Geist aushauchte. Der Mann sagte, daß diese Ungeheuer von der Arche gehört hatten und kamen. Kamen um vor der Flut gerettet zu werden. Und daß sie nicht als Paare kamen, sondern alle; sie wußten nicht, daß die Plätze auf Paare beschränkt waren und der Mann sagte, sie würden sich eh nicht um die Regeln kümmern – sie wollten mit der Arche segeln oder eine Begründung bekommen, warum sie nicht mit dürften. Der Mann meinte, die Arche würde nicht mal die Hälfte von ihnen aufnehmen können; und außerdem kämen sie hungrig und würden alles, was sie vorfänden, auffressen, die ganze Menagerie und die Familie.

All diese Fakten wurden im Bericht der Bibel weggelassen. Man findet keine Spur davon. Das Ganze ist vertuscht. Nicht einmal die Namen dieser riesigen Kreaturen werden erwähnt. Das zeigt Euch, daß Leute, die bei einer Vertragserfüllung schlampen, sich diesbezüglich in der Bibel genauso zwielichtig verhalten wie sonst auch. Diese kraftvollen Tiere wären beim heutigen Bedarf von unschätzbarem Wert für die Menschheit, gerade wo die Transportkosten einen so hart drücken und teuer sind, aber sie sind alle für die Menschheit verloren. Alle verloren und durch Noahs Schuld. Sie wurden alle ertränkt. Manche von Ihnen schon vor 8 Millionen Jahren.

Nun gut, der Fremde erzählte dies und Noah wurde klar, daß er weg müsse, bevor die Monster ankämen. Er wäre sofort abgesegelt, aber die Polsterer und Dekorateure des Aufenthaltsraums der Hausfliege mußten noch letzte Hand anlegen und dadurch verlor er einen Tag. Ein weiterer Tag ging damit verloren, die Fliegen an Bord zu bringen, von denen es 68 Milliarden gab und die Gottheit war immer noch besorgt, daß es nicht genug sein könnten. Noch ein Tag ging mit dem Verstauen von 40 Tonnen ausgesuchten Unrats für den Lebensunterhalt der Fliege verloren.

Dann segelte Noah schließlich; und keinen Augenblick zu früh, denn die Arche kam gerade erst am Horizont außer Sichtweite, als die Monster ankamen und in die Klagen der Mengen weinender Väter und Mütter und verängstigter kleiner Kinder einstimmten, welche sich im strömenden Regen an die Felsen, an die Wellen schlugen, klammerten und flehentliche Bitten an das allgerechte, allvergebende und allerbarmende Wesen sandten, das nie ein Gebet erhört hat, seit diese Felsspitzen sich Korn für Korn aus dem Sand formten, und noch immer keines erhört haben wird, wenn die Zeit gekommen ist, wo sie wieder zu Sand zerfallen.



Brief 6

Am dritten Tag fand man etwa um die Mittagszeit heraus, daß man eine Fliege zurückgelassen hatte. Die Rückfahrt erwies sich ohne Karte und Kompaß als lang und schwierig, auch wegen der veränderten Küstenlinien, da das ständig steigende Wasser einige der niedriger gelegenen Anhaltspunkte überflutet hatte und die höher gelegenen anders wirkten, aber nach 16 Tagen hartnäckiger und hingebungsvoller Suche wurde die Fliege schließlich gefunden und mit Lobes- und Dankeshymnen an Bord begrüßt, während die Familie aus Achtung für ihre göttliche Herkunft ungeschützt da stand. Sie war müde und ausgelaugt und hatte etwas unter dem Wetter gelitten, war aber sonst in guter Verfassung.

Männer und ihre Familien waren auf Bergspitzen verhungert, aber ihr mangelte es nicht an Futter, da die zahlreichen Kadaver sie mit einem verrottenden und stinkenden Überfluß versorgte. So wurde der göttliche Vogel durch die Vorsehung bewahrt.

Vorsehung. Das ist es. Denn die Fliege wurde nicht zufällig zurückgelassen. Nein, es war die Vorsehung die dabei mitmischte. Es gibt keine Zufälle. Alles was passiert hat seinen Zweck. Es ist von Anbeginn der Zeiten so vorgesehen und so gewollt. Am Beginn der Schöpfung sah der Herr, daß Noah verwirrt und alarmiert durch die Invasion der fossilen Ungeheuer früh in See stechen würde, ohne eine bestimmte unschätzbare Krankheit mitzunehmen. Er würde alle anderen Krankheiten mit sich führen und sie unter den weltweit wieder auflebenden neuen Rassen verteilen, aber er würde eine der besten nicht zur Verfügung haben – fiebriger Typhus; ein Gebrechen, daß, wenn die Umstände besonders günstig sind, in der Lage ist, einen Patienten vollkommen zugrunde zu richten, ohne ihn zu töten; denn dies kann ihn für sehr lange am Leben lassen, aber er ist dann taub, stumm, blind, verkrüppelt und geistig umnachtet. Die Hausfliege ist der Hauptüberträger und dabei fähiger und unheilbringender als alle anderen zusammen. Und so wurde durch Vorherbestimmung am Beginn aller Zeiten diese Fliege zurückgelassen einen vom Typhus befallenen Kadaver zu suchen und sich davon zu ernähren und ihre Beine mit den Keimen zu beladen und es ist ihre Lebensaufgabe sie auf die wieder bevölkerte Welt zu übertragen. Durch diese eine Hausfliege wurden in den seither verstrichenen Zeitaltern Milliarden Krankheitsfälle verursacht, Milliarden zerstörter Körper torkelten über das Angesicht der Erde und Milliarden Friedhöfe füllten sich mit Toten.

Es ist äußerst schwer die Absichten des Bibel-Gottes zu verstehen, er ist so ein Durcheinander an Widersprüchen, an weichlichem Wankelmut und eisenharter Unnachgiebigkeit, an kindlich guter Moral im Wort und tatsächlicher höllischer in der Tat, von überfließender Freundlichkeit geäußert durch dauernde Bösartigkeit.

Wenn man aber nach langem sich Wundern den Schlüssel zum Verständnis seines Charakters findet wird einem zum Schluß alles klar: Mit drolliger, jugendlich leichtsinniger Offenheit hat er diesen Schlüssel selbst preisgegeben: Es ist Eifersucht.

Ich denke, das raubt euch den Atem. Euch dürfte klar sein – denn ich habe es euch in einem früheren Brief schon erzählt – , daß unter den Menschen Eifersucht ganz klar als Schwäche angesehen wird; als ein Kennzeichen von Kleingeistern, als eine Eigenschaft aller Kleingeister, aber dennoch eine Eigenschaft, deren sich auch deren Kleinster schämt und die er lügnerisch ableugnen und den Beleidigten spielen wird, wenn man ihn dessen beschuldigt.

Eifersucht. Vergeßt es nicht, merkt es euch gut. Das ist der Schlüssel. Damit werdet ihr Gott teilweise verstehen lernen, während wir fortfahren, ohne diesen Schlüssel kann ihn niemand verstehen. Wie ich sagte, er selbst diesen verräterischen Schlüssel hoch gehalten, so daß ihn jeder sehen kann. Er sagt, naiv, direkt und ohne das geringste Zeichen von Scham:

“Ich, der Herr dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott.“

Wie man sieht ist das nur eine andere Art zu sagen:

“Ich, der Herr dein Gott, bin ein kleiner Gott, der viel Aufhebens um kleine Dinge macht.“

Er gab eine Warnung aus: Er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß ein anderer Gott einige der sonntäglichen Ehrenbezeugung dieser albernen kleinen menschlichen Geschöpfe erhalten sollte – er wollte alle für sich selbst. Er schätzte sie. Für ihn waren es Reichtümer, so wie Zinngeld für einen Zulu.

Moment – Ich bin nicht fair; ich stelle ihn falsch dar; Vorurteile verleiten mich Unwahrheiten zu sagen. Er sagte nicht, er wolle alle Schmeicheleien, er sagte nicht, daß er nicht bereit wäre sie mit seinen Mitgöttern zu teilen; was er sagte war:

“Ihr sollte keine anderen Götter über mir haben.“

Das ist eine ganz andere Aussage und läßt ihn – wie ich zugeben muß – in viel besserem Licht erscheinen. Es gab eine Menge Götter, die Wälder waren voll von Ihnen, wie man so sagt, und alles was er verlangte, war so hoch wie die anderen eingestuft zu werden – nicht über ihnen, aber auch nicht unter ihnen. Er hatte nichts dagegen, daß sie irdische Jungfrauen besamen sollten, aber nicht zu besseren Konditionen, als er sie auch für sich haben konnte. Er wollte Ihnen gleichberechtigt sein. Darauf bestand er ganz klar und ausdrücklich: er wollte keinen anderen Gott über sich dulden. Sie könnten Seite an Seite mit ihm marschieren, aber niemand sollte die Prozession anführen und auch er beanspruchte nicht das Recht sie anzuführen.

Meint ihr, er wäre in der Lage gewesen diese geradlinige und glaubwürdige Einstellung beizubehalten? Nein. An eine schlechte Abmachung hätte er sich ewig gehalten, an eine gute keinen Monat lang. Nach und nach wich er davon ab und behauptete ruhig, der einzige Gott im ganzen Universum zu sein.

Wie ich sagte ist Eifersucht der Schlüssel; durch seine ganze Geschichte hindurch ist sie gegenwärtig und hervorstechend. Sie ist von Kopf bis Fuß seiner Haltung, sie ist die Grundlage seines Charakters. Der kleinste Vorfall kann ihn aus der Fassung bringen und seine Urteilsfähigkeit beeinträchtigen, wenn er an seine Eifersucht rührt! Und nichts bringt diesen Charakterzug so schnell, sicher und überschießend zum Kochen, wie der Verdacht daß eine Konkurrenz im Gottes-Vertrauen aufkommen könnte. Die Angst, daß Adam und Eva, wenn sie vom Baum der Erkenntnis äßen “wie die Götter wären“ heizte seine Eifersucht so an, daß sein Verstand beeinträchtigt wurde und er die armen Geschöpfe weder gerecht noch großzügig behandeln konnte, oder auch nur davon Abstand nehmen konnte, sie angesichts ihrer unbescholtenen Vergangenheit grausam und verbrecherisch zu behandeln.

Bis heute hat sich sein Verstand davon nicht erholt; Alpträume voller Rachegelüste suchen ihn seitdem heim und er hat seine eigene Raffinesse fast überstrapaziert im Erfinden von Schmerzen und Qualen, Erniedrigungen und Herzeleid um damit den Abkömmlingen Adams ihr kurzes Leben zu versalzen. Denkt nur an die Krankheiten, die er ersonnen hat! Es gibt eine Vielzahl von Ihnen, kein Buch kann sie alle aufzählen. Und jede ist eine Falle, aufgestellt für ein unschuldiges Opfer.

Der Mensch ist eine Maschine. Eine automatische Maschine. Er besteht aus tausenden komplexer und fein abgestimmter Mechanismen, die harmonisch und perfekt funktionieren, nach Gesetzen, die auf sie abgestimmt wurden und auf die der Mensch keinen Einfluß hat, keine Herrschaft, keine Kontrolle. Für jeden dieser Tausend Mechanismen hat der Schöpfer einen Feind erdacht, dessen Aufgabe es ist, ihn zu belästigen, zu nerven, zu verfolgen, zu beschädigen, mit Schmerzen zu schlagen, mit Leid und schließlich mit Zerstörung. Keiner wurde übersehen.

Von der Wiege bis zur Bahre sind diese Feinde ständig am Werk, sie geben keine Ruhe, weder in der Nacht noch am Tag. Sie sind eine Arme, eine organisierte Armee, eine belagernde Armee, eine angreifende Armee, eine Armee, die auf der Hut ist, wachsam, eifrig, gnadenlos, eine Armee, die nie nachgibt, die keine Waffenruhe kennt.

Sie marschiert in Kommandos, Kompanien, Bataillonen, Regimentern, Brigaden, Divisionen, Abteilungen; mitunter zieht sie ihre Kräfte zusammen und attackiert die Menschheit mit ihrer ganzen Macht. Es ist die Große Armee des Schöpfers und er ist ihr oberster Befehlshaber. An ihrer Front wehen ihre grausigen Flaggen im Angesicht der Sonne. Ihre Aufschrift: Verderben, Krankheit und der ganze Rest.

Krankheit! Das ist die Hauptstreitmacht, die emsig-gewissenhafte Kraft, die vernichtende Kraft. Sie greift das Kind vom Zeitpunkt der Geburt an; versorgt es mit Gebrechen um Gebrechen: Kruppe, Masern, Mumps, Verdauungsprobleme, Zahnschmerzen, Scharlach und andere Spezialitäten für das Kindesalter. Sie jagt einen von der Kindheit zum Erwachsensein, ins Alter und bis ins Grab.

Wollt ihr versuchen anhand der nunmehr dargelegten Fakten den am meisten verwendeten Kosenamen zu erraten, den die Menschen dem wilden Oberbefehlshaber geben. Ich will es euch ersparen, – aber lacht nicht. Es ist Unser Vater im Himmel!

Es ist absonderlich, wie der menschliche Verstand arbeitet. Ein Christ verwenden als Grundlage die direkte, definitive, unabänderliche und kompromißlose Aussage: Gott ist allwissend und allmächtig.

Geht man davon aus, kann nichts passieren, ohne daß er schon im Voraus weiß, daß es passieren wird; nichts passiert ohne seine Zustimmung; nichts kann passieren, was er verhindern will.

Das ist klar genug, nicht wahr? Damit ist der Schöpfer gewiß verantwortlich für alles was passiert, oder etwa nicht?

Ein Christ gesteht es in dem kursiv gedruckten Satz zu. Er gibt es mit tiefer Empfindung und Enthusiasmus zu.

Nachdem er so den Schöpfer für verantwortlich erklärt hat für alle Schmerzen, alle Krankheiten, alles Elend, das oben aufgeführt ist und das er hätte verhindern können, nennt ihn der so beschenkte Christ sanft Unseren Vater.

Es ist, wie ich es sage. Er stattet den Schöpfer mit jedem Charakterzug aus den ein Unhold hat und kommt zu dem Schluß, daß ein Unhold und ein Vater dasselbe sind! Trotzdem würde er abstreiten, daß ein bösartiger Irrer und ein Sonntagsschulrektor im Wesentlichen dasselbe sind. Was meint ihr zum menschlichen Verstand? Ich meine für den Fall, daß ihr meint, die Menschen hätten so etwas wie Verstand.


8 Kommentare

  1. Thom Ram sagt:

    Also mir gefällt Twains Beurteilung des Alttestamentgottes ausserordentlich. Als Kind fragte ich mich immer, warum er immer diesen und anderen nie half, und ich konnte es mir nur damit erklären, dass diese eben gut und die anderen eben nicht gut gewesen seien. Und trotzdem fragte ich mich, wie es denn geschehen konnte, dass der Vater Aller mit den einen so lieb und mit den andern so böse umging.

    Marc Twains Vision dann von der drohenden Invasion durch die grossen Urviecher. Das könnte ich doch glatt als Parallele zu gewissem heutigen Geschehen sehen, so verdorben bin ich, dass mir dies allsogleich einfiel.

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  2. Drusius sagt:

    Ein bißchen Wissenschaft dazu:
    (https://www.youtube.com/watch?v=1VG3UbjkjIg&list=PLx8YCaK1KEU8INLHEXbcNvQIuhMh0tpPD&index=14)

    Die Bücher von Crowley oder die des Golden Dawn zu lesen, verrät viel über die programmierte Denkweise, die erforderlich ist, um ein gutes Mitglied der schwarzen Schafherde zu sein.

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  3. Vollidiot sagt:

    Und Noah sah über die Wasser und sah außer diesem nichts.
    Auf Deck war nicht eine Kakerlake zu sehen, kein Holzwurm, nichts.
    Und das seit Tagen.
    Unter Deck wollte er nicht gehen, er genoß die salzige Luft
    Gedankenvoll, jedoch innerlich angespannt, sah er vor sich hin, er fühlte sich stark, voller Drang und dachte an die Zukunft der Menschheit!
    Vor dem inneren Auge stieg die Vision von Sodom empor, es schauderte ihn.
    Er war sich seiner Gefühle darob nicht sicher und das versetzte ihn in Verwirrung.
    Das, ohne den Berg Ararat schon gesehen zu haben!!
    Es sollte eine bessere Menschheit geben.
    Da grunzte es hinter ihm.
    Eine wildische Bache suchte vergeblich nach Trüffeln, Noah aß auch gerne Trüffel, dies sei angemerkt, um Weiteres besser mitzufühlen (nicht mit zu fühlen).
    Er erstarrte fast zur Salzsäule.
    Sodom.
    Und jetzt diese salzsäulige Wildbache.
    Er betrachtete die Bache und sah ihr Borstenkleid.
    Vor seinem inneren Auge sah er diese Bache nun ohne Borsten, genau so, wie er, als er an sich hinunter sah.
    Hier liegt der tiefe Grund für die Geschehnisse Jahrzehnte später in Gomorrha, und, logo, Sodom.
    Heute noch gedenkt man dieser Sache in manchen Gegenden mit Gselchtem…………………….

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  4. Vollidiot sagt:

    Thom

    Was bleibt unserm guten Vadder denn übrig, wenn er neues Gedankengut den Mensch gibt und diese konsequent solches negieren.
    Hier hülfe es, Jahrtausende später eine gedankliche Anleihe zu nehmen.
    Ihr ahnt es schon, sicherlich, bei Goethe nämlich: das Böse ist…………. Gutes schafft.
    Ohne Böses und Böse kein Gutes, Menschheitgesetz. Auch wenn nicht selten Menschenkinder sich die Augen zuhalten um etwas nicht sehen zu wollen.
    Temporär auserwählte Völker werden oft nicht gut gelitten (kennen wir auch). Extrem bedenklich ists allerdings, wenn diese Völker dem Irrtum aufsitzen, die Auserwähltheit dauerte ewig. Ein schweres und mehr als tragisches Mißverstehen. Das dann Blutopfer fordert.

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  5. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  6. arnomakari sagt:

    Artikel und Kommentare gefallen mir gut, die Arche Noah kann doch nur Hirngespinnste sein, wie wollte man so lange sich und die Tiere ernähren, ich denke die Sinnflut so wie geschrieben hat es nie gegeben, ja Adam und Eva das sind frei erfundene Geschichten, so wie der Urknall…

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  7. Gottfried Feder sagt:

    Man behaupte, man habe einen besonderen Draht zu einem allmächtigen Wesen und kenne dessen Willen. Und wer diesem Willen nicht Folge leistet, der sei zu ewigen Qualen verdammt, aber wer gehorcht, der genieße immerwährende Freuden. Ein derart billiger und durchschaubarer Trick, um an Macht und Reichtum zu gelangen, dass er von vorneherein zum Scheitern verurteilt sein müsste. Aber nicht in dieser Welt, nicht einmal in diesen Zeiten. Im Gegenteil, wer darauf hereinfällt, verlangt mindestens Respekt und bekommt ihn sogar zugesprochen!

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  8. Drusius sagt:

    Vollidiot
    Sodom ist eigentlich ein sumerischer Name, der SOD,OM, der „geheimer Platz für den Aufstieg zum Himmel“ heißt. Das Land dort hieß einmal TIL.MUN, das Land der Herren der Geschosse (ungefähr Sinai). In etwa 200 m Tiefe dürfte man dort nicht nur Qumran-„Rollen“ finden. Nach der sumerischen Schöpfungsgeschichte „Enuma Elisch“ ist der ursprüngliche Noah nicht am Berg Ararat gelandet, sondern an einem anderen der Drei Berge – aber das ist auch schon Wurscht bei dem Abkupferwerk.

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