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Die Flucht – ein Zeitdokument des „Kalten Krieges“ / Teil 2 / Erste Enttäuschung und Beschattung

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Es geht los

Im Juni 1971 traf ich mich dann wieder mit Regina. Wir fuhren mit meinem „Trabant“ ein Stückchen raus aus der Innenstadt, und sie erzählte mir, dass es nun endlich bald losgehen würde. Dieter kenne irgendwelche Leute, die mich nach West-Berlin rüber holen würden. Den genauen Termin konnte sie mir noch nicht sagen, aber dafür gab sie mir schon einige Verhaltensregeln, damit nichts schief ginge. Ich sollte ständig zu erreichen sein, d.h. ich durfte nicht verreisen. Dann durfte ich natürlich mit niemandem darüber sprechen und auch sollte ich mich völlig unauffällig verhalten. Ich durfte beispielsweise nicht mein altes Auto verkaufen, das ich erst ein halbes Jahr vorher von meinen Eltern geschenkt bekam. Alle Forderungen waren leicht einzuhalten, auch, dass ich ständig erreichbar sein musste. Ging es mir doch in diesem Sommer genauso wie im vorigen Jahr: alle Freunde aus Dresden waren in die CSSR  gereist, und ich konnte mich wieder in Molkenberg langweilen. So wartete ich also täglich auf das Telegramm, das mich nach Berlin bestellte. Der Juli verging, und als im August immer noch nichts geschah, wurde ich wieder misstrauisch, ob überhaupt etwas aus der Flucht würde. Ich hatte nicht den vorigen Sommer vergessen, in dem mir schon einmal Marcell Hoffnungen auf eine baldige Flucht gemacht hatte und dann gar nichts passierte. Regina hatte zwar gesagt, dass es diesmal eine sichere Sache sei, aber wer weiß. Meine Eltern wunderten sich inzwischen auch schon, dass ich dauernd zu Hause hockte und redeten mir zu, wenn ich schon nicht mit meinen Dresdner Freunden in die CSSR reisen könne, doch wenigstens mit unserem Motorboot zum nahe gelegenen Semliner See zu fahren, wo ein ehemaliger Schulfreund von mir zeltete. So entschloss ich mich dann auch, dort hin zu fahren.  Völlig die Hoffnung aufgegeben, dass ich noch nach Berlin bestellt würde, hatte ich jedoch auch nicht, und so rief ich einfach jeden Tag von einer nahegelegenen Post aus zu Hause an und fragte, ob inzwischen Nachricht von meinen Freunden aus der CSSR gekommen sei. Ich nahm an, dass meine Eltern mir bei diesen Anrufen dann auf jeden Fall auch ein Telegramm aus West-Berlin mitteilen würden.

Meine Annahme war auch richtig, denn als ich schon über eine Woche am Semliner See zeltete, und ich wieder mal zu Hause anrief‚ war inzwischen ein Telegramm aus West-Berlin gekommen, das mich nach Berlin bestellte. Außerdem, so erzählten mir meine Eltern, hätte auch noch ein Bekannter von Dieter aus Ost-Berlin zu Hause angerufen und die Aufforderung, nach Berlin zu kommen, bekräftigt. Ein Treffpunkt brauchte nicht genannt zu werden; ich hatte mich mit Regina schon öfter am „Haus der Elektroindustrie“ in der Nähe vom Alexander-Platz getroffen und dort sollten auch weiterhin die Treffs stattfinden. Auch die Uhrzeit war von uns beiden schon vorher vereinbart werden. Ich eilte also mit dem Motorboot vom Zeltplatz zurück nach Molkenberg, denn am nächsten Tag schon musste ich in Berlin sein. Die Gedanken, die mir damals durch den Kopf gingen, kann ich heute nicht mehr beschreiben. Jetzt sollte es endlich losgehen, ich musste alles, Eltern, Freunde und alles Andere, was ich liebgewonnen hatte, zurücklassen und würde vielleicht nichts mehr wiedersehen.

Das Treffen in Berlin klappte auch, Regina erwartete mich am „Haus der Elektroindustrie“. Dort eröffnete sie mir, dass es genau in einer Woche, also am Sonnabend den 5.9. losgehen wird. Da sie selber einige Wochen verreisen wollte, musste ich mich darauf einstellen, dass ich an diesem Sonnabend mit fremden Personen zusammentreffen würde, die mich dann irgendwie nach Drüben beförderten. Nachdem alles weitere abgesprochen war, kehrte Regina wieder nach West-Berlin zurück, und ich fuhr mit meinem “Trabant“ nach Potsdam, um dort Albert, einen Freund aus Dresden, der inzwischen aus der CSSR zurück war, zu besuchen. Diese Zerstreuung in Potsdam war mir ganz angenehm, denn ich hätte sonst wohl kaum noch ruhig schlafen können vor Problemen. Jetzt, unmittelbar vor der Flucht, wurde mir erst so richtig klar, vor welchem großen Schritt ich stand. Einerseits freute ich mich natürlich, dass ich nun endlich der DDR den Rücken zukehren konnte, andererseits hatte ich auch ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Eltern, die allein im Osten bleiben mußten.

In der kommenden Woche ging auch wieder das Studium in Dresden los und ich musste, um nicht aufzufallen, dort natürlich erscheinen. Ich fuhr von Potsdam noch mal schnell nach Hause in Molkenberg, um meine Studiensachen und auch mein Geld für den Lebensunterhalt zu holen. Da meine Eltern inzwischen aber verreist waren, und sie alle wichtigen Papiere, sowie das Bargeld, das sonst zu Hause liegt, einer Krankenschwester des Molkenbergr Krankenhauses, mit der meine Eltern befreundet waren, zur Aufbewahrung gegeben hatten, musste ich auch mein Geld dort holen. Vielleicht war dieses Geldholen bei der Krankenschwester ein ausschlaggebender Fehler, der die ganze Fluchtaktion letzten Endes zum Scheitern brachte, denn später erfuhr ich, dass diese Krankenschwester allen möglichen Bekannten in Molkenberg erzählt hatte, dass ich bei ihr war und eine große Summe Geld und Papiere geholt hätte und damit weggefahren sei. Obwohl dieses Geld schon immer bei mir in Dresden offen dalag und zu meinem Lebensunterhalt diente – ich war einfach zu faul, es zur Sparkasse zu bringen – und dieses Geld überhaupt nichts mit der Flucht zu tun hatte, konnte dieses Gequatsche von der Krankenschwester bei Stasi-Leuten Alarm ausgelöst haben. Aber das ist nur eine Vermutung, wie es wirklich war, habe ich nie erfahren.

Große Enttäuschung

Am Sonnabend den 5. September fuhr ich dann mit klopfendem Herzen im D-Zug von Dresden nach Berlin. Ein Seminar, bei dem eine sehr strenge Anwesenheitskontrolle durchgeführt wurde, denn es beinhaltete den “8. Parteitag der SED“, musste ich schwänzen, um rechtzeitig in Berlin zu erscheinen. Aber das war mir damals egal. Sollten die Bonzen ruhig schimpfen, mich würden sie ja doch nie mehr sehen!

Aufgeregt ging ich zum “Haus der Elektroindustrie“, dem vereinbarten Treffpunkt. Dort wurde ich auch nach kurzer Zeit von einem fremden Mädchen angesprochen. Sie fragte mich nach der vereinbarten Parole: „Können Sie mir sagen, wo die Thobias-Straße ist?“, bestellte mir Grüße von Dieter und richtete mir aus, dass “die Aktion auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben worden sei, und ich weitere Nachrichten abwarten sollte“. Weitere Fragen solle ich an sie nicht stellen, denn sie wüsste von nichts. Ehe ich diese Nachricht verkraftet hatte, war das Mädchen schon wieder verschwunden. Wie ein begossener Pudel fuhr ich wieder nach Dresden zurück, wo mich Albert, mit dem ich zusammen eine Studentenbude bewohnte, und Sabine, meine Freundin, empfingen. Sicher werden sie sich über meine miese Stimmung gewundert haben, aber die Ursache konnte ich ihnen ja nicht erklären.

Ich werde beschattet

Und so ging in Dresden das normale Studentenleben weiter. Natürlich wurde ich wegen des Fehlens am „Parteitag-Seminar“ zur Sektionsleitung bestellt und bekam eine „öffentliche Rüge“ ausgesprochen, Wasser für die Bonzen-Mühle. Die Lage für mich in der Seminargruppe spitzte sich immer mehr zu, wieder hörte ich von Freunden, wie die Bonzen hinter meinem Rücken über mich herzogen, und ich konnte nichts dagegen unternehmen.

Fotos aus meiner Stasi-Akte: Meine Studenten-Bude in Dresden

Karli, mit dem ich zwei Jahre in Dresden zusammengewohnt hatte, bevor Albert sein Zimmer übernahm, hatte in Berlin als frisch gebackener Diplom-Ingenieur eine Stellung gefunden. Dieses Ereignis, sowie sein Abschied von Dresden und Alberts Einstand in seinem Zimmer mußten natürlich begossen werden, und so wurde für den 1. Oktober eine Party in meinem Zimmer in Dresden angesetzt. Sabine, Maja, Ulla, Falko, Adelheid, und natürlich auch Albert, Karli und ich waren an diesem Abend in lustiger Stimmung, die Party war gelungen.

Gegen 23.00 Uhr erzählte Albert, nachdem er kurz mal an die frische Luft gegangen war, dass auf dem Hof, in der Nähe unseres Fensters, mehrere Männer rumständen, und wunderte sich darüber. Wir schenkten dem jedoch bei dieser Party keine weitere Beachtung und bald war es wieder vergessen. Aufmerken ließ es mich jedoch, als ich am nächsten Tag von Falko erfuhr, dass diese Männer, als er mit seiner Freundin später nach Hause fuhr, immer noch auf dem Hof gewesen sein sollten.

Am nächsten Tag kam auch meine Vermiterin, Frau Schönwald, zu mir und erzählte mir ganz aufgeregt, dass sie aus ihrem Keller-Laden seit ein paar Tagen gegenüber von unserem Haus ein Auto sehen kann, das zu einigen Männern gehöre, die ständig unser Haus beobachteten. Alle wunderten wir uns darüber und rätselten herum, was das zu bedeuten hätte. Ich hatte eine dunkle Ahnung: Sollte etwa meine geplante Flucht bekannt geworden sein und die Männer beschatteten mich? Aber das konnte ja gar nicht sein, redete ich mir ein. Ich hatte doch mit niemandem über die Flucht gesprochen, mit Regina hatte ich mich auch schon lange nicht mehr getroffen, wie sollten die also gerade auf mich kommen.

Der Keller-Laden von der Frau Schönwald

Ein paar Tage später – die Männer vor unserem Haus waren nicht mehr zu sehen – fuhr ich mit Albert und noch zwei Freunden nach Freital bei Dresden. Wir hatten gehört, dass es dort Cord-Hosen zu kaufen geben sollte, und da mußten wir natürlich sofort hin. Cord-Hosen im Schnitt einer Jeans waren in der DDR etwas ganz Besonderes. Unterwegs hatte ich jedoch mit meinem „Trabant“ eine Panne, eine Hinterrad-Aufhängung war ausgerissen. Notdürftig wurde der Schaden repariert und so ging es im Schritttempo wieder zurück. In Dresden das Auto in die Werkstatt zu geben ging nicht, denn die einzige „Trabant-Vertragswerkstatt“ war mehrere Wochen voraus ausgebucht.

Am kommenden Wochenende wollte ich darum mit dem Auto nach Hause fahren, wo ich das Auto dann einem Bekannten meiner Eltern, der eine Autowerkstatt hatte, geben konnte. Doch für diese lange Strecke musste das Auto wenigstens wieder einigermaßen fahrfertig sein. Ich brauchte also Jemanden, der mir bei der Reparatur half und vor allen Dingen Werkzeug. Doch wer hatte von meinen Studienkollegen schon Werkzeug in Dresden? Da fiel mir Ignatz ein, ein Freund, der in Dresden zu Hause war; er konnte mir vielleicht helfen. Also musste ich ihn noch am Abend zu Hause, ziemlich weit draußen von Dresden, aufsuchen.

Ich ging mit Sabine zur Bushaltestelle, die gleich vor unserem Haus war. Wir mußten über eine Stunde warten, denn wie üblich, fielen wieder ein paar Busse aus. Gleich neben der Bushaltestelle ist die Straßenbahnhaltestelle, und dort fielen uns zwei Männer auf, die die ganze Zeit auch dort standen, obwohl schon mehrere Straßenbahnen vorbeigefahren kamen und sie längst hätten einsteigen können. Beide standen dicht nebeneinander und starrten in die Dunkelheit, ohne ein Wort zu reden. Sollten das etwa wieder die Männer sein, die uns schon vor ein paar Tagen aufgefallen waren?

Da immer noch kein Bus kam, gingen wir an der Haltestelle ein Stück auf und ab und sahen uns dabei die beiden Gestalten etwas genauer an. Uns beiden fielen sofort ihre hässlichen Gesichter auf und ihre Bekleidung, die zwar teuer war, aber geschmacklos. Da kam endlich der Bus und wir fuhren raus zu Ignatz. Irgendwie hatten wir beide ein komisches Gefühl, und Sabine meinte sogar, sie hätte unterwegs aus dem Bus einen PKW gesehen, der die ganze Zeit hinter uns her gefahren sein sollte. Aber das konnte auch Einbildung gewesen sein, beruhigte ich sie, denn es war ja schon dunkel, und da sieht ein Auto wie das andere aus.

Auf der Strasse bei Ignatz war es sehr dunkel und keine Klingel an der Tür, und so rief ich laut seinen Namen. Nach einiger Zeit kam er dann heraus und in diesem Augenblick tauchten plötzlich die beiden Gestalten auf, die wir an der Bushaltestelle genau beobachtet hatten. Es gab keinen Zweifel, dass es dieselben waren, denn die Beiden kamen in der Dunkelheit ganz dicht auf uns zu, bemerkten uns aber erst wenige Meter vor uns, erschraken dabei, guckten sich an und verschwanden dann wieder. Jetzt war es also klar: die hatten es auf mich abgesehen! Nun begann das große Grübeln. Sabine konnte sich das Ganze natürlich überhaupt nicht erklären und ich machte mir meine Gedanken darüber, wie die Stasi-Leute auf mich gekommen waren. Wer hatte ihnen den Tipp gegeben, mich zu beschatten? Warum beobachteten sie mich gerade jetzt, wo ich mich doch schon über einen Monat nicht mehr mit Regina getroffen hatte? Wie sollte das Alles enden?

Ignatz sagte zu, am nächsten Tag, dem 7. Oktober, einem Feiertag in der DDR, mit dem nötigen Werkzeug zu kommen und mir zu helfen. Für Sabine, Albert und mich gab es an diesem Abend noch viel zu überlegen und zu beraten, denn nun mußten wir ja unbedingt rausbekommen, warum der Staatssicherheitsdienst mich beschatten ließ. Von meiner geplanten Flucht wussten die Beiden nichts, und so konnten sie keine Erklärung finden.

Am nächsten Tag baute ich dann mit Ignatz an meinem „Trabant“ rum und da sah ich auch die nun schon vertrauten Gestalten wieder vor dem Haus auf und ab gehen. Nachmittags war mein Auto wieder einigermaßen fahrfertig, ich konnte meine Sachen packen, und ab ging die Fahrt zu meinen Eltern. Unterwegs hatte ich ein sehr mulmiges Gefühl, zumal ich auf der Autobahn immer wieder von dem gleichen PKW überholt wurde. Bis kurz vor Molkenberg bemerkte ich dann noch diesen Wagen, dann war er plötzlich verschwunden.

Zu Hause machte ich einige Bemerkungen über meine „Vermutungen“, dass ich beschattet würde, und meine Eltern waren ziemlich erregt darüber, meinten aber, dass ich mich da bestimmt täuschen würde. Auf jeden Fall, so rieten sie mir, sollte ich mich in der nächsten Zeit nicht mehr mit Regina in Berlin treffen. Doch am Sonntag dem 10. Oktober, rief mich plötzlich am Vormittag Albert aus Dresden an und teilte mir mit, dass für mich ein Telegramm aus West-Berlin gekommen sei, und ich noch heute in Berlin sein sollte. Das war mir in dieser Situation nun gar nicht recht, aber was sollte ich machen, ich musste hinfahren, um 14.00 Uhr erwartete man mich. Mein Auto hatte ich in Molkenberg in die Werkstatt gebracht und so fuhr ich mit der Bahn nach Berlin. Im Zug bemerkte ich auch wieder „verdächtige“ Gestalten, aber ich war mir da nicht ganz sicher. Heidi, Dieters ehemalige Freundin, fuhr zufällig auch im gleichen Zug, und so gab es viel zu erzählen. Ich hatte eine willkommene Ablenkung.

Ich glaube, ich hatte damals ein Feingefühl für das Erkennen der Stasi-Leute entwickelt, denn bei den Meisten von denen, die ich zu erkennen meinte, bestätigte sich dann auch irgendwann mein Verdacht. So bemerkte ich in der S-Bahn von Schönefeld zum Ostbahnhof einen Mann mit riesigen Segelohren, der mir verdächtig vorkam. Als ich dann aus der S-Bahn ausstieg, den nächsten Zug in der gleichen Richtung bewusst vorbeifahren ließ, und erst dann in einer weiteren Bahn weiterfuhr, war auch mein „Segelohr-Schatten“ wieder dabei.

Nach kurzer Wartezeit erschien Regina am Treffpunkt. Sie war ziemlich aufgeregt, denn jetzt, so sagte sie, sollte es aber wirklich losgehen. Am Donnerstagabend, dem 14. Oktober, sollte ich mit meinem „Trabant“ erscheinen, und dann würde ich bald drüben sein. Jetzt musste ich aber Regina über meine unerwünschten Begleiter aufklären, und das war auch für sie ein ganz schöner Schock. Auch mein Auto konnte ich am 14. nicht mitbringen, denn das stand ja in Molkenberg in der Werkstatt und würde erst in ein paar Wochen fertig werden. So war auch Regina ratlos, was nun werden sollte, und wir beschlossen, dass ich am Donnerstag trotzdem ohne Auto kommen sollte. Sie würde sich inzwischen drüben mit Dieter darüber beraten, ob die Flucht-Aktion doch starten sollte, oder ob man besser alles verschiebt.

Um bei diesen Treffen die lästigen Beobachter los zu werden, fuhren wir dann noch einige Stationen mit der U-Bahn und sprangen dann kurz vor der Abfahrt schnell raus aus dem Wagen. So konnten wir sehen, ob der Bahnsteig leer war, oder ob wir immer noch die Spitzel am Hals hatten. 

Anschließend fuhr ich wieder nach Dresden, denn dort ging ja das Studium weiter, wo ich auf keinen Fall fehlen durfte. Und wieder gingen mir die dollsten Gedanken durch den Kopf, die sich diesmal auch mit Angst mischten, denn jetzt bemerkte ich ständig die Stasi-Spitzel, deren Gesichter ich mittlerweile schon genau kannte. Von weitem konnten Albert, Sabine und ich diese Leute schon an ihrer für Ostverhältnisse teuren, aber völlig geschmacklos zusammengewürfelten Garderobe erkennen. Wenn ich mit der Straßenbahn zum Beispiel zur Uni fuhr, sah ich dauernd den PKW mit dem Kennzeichen „RE 36-16“ in einer bestimmten Distanz hinterherfahren, und auch im Straßenbahnwagen erkannte ich meine Stasi-Begleiter wieder. Albert meinte einmal im Scherz, wir sollten die Stasi-Leute mal fragen, ob sie uns nicht zur Uni bringen könnten, sie würden ja sowieso dorthin kommen, wenn ich dort hinfahren müsste.

Jetzt hatte ich auch eine Erklärung dafür gefunden, warum das Auto, das uns ganz zu Anfang aufgefallen war, nicht mehr gegenüber von unserem Haus stand. Ich fand dieses Auto in einer nahegelegenen Seitenstraße hinter einem Jugendklubhaus wieder. Schon lange vorher wussten wir, dass der Staatssicherheitsdienst dort ein Quartier hatte. Zu jeder Tag- und Nachtzeit standen diese Leute vor unserem Haus ihren Mann, und es machte mir manchmal sogar fast Spaß, sie irgendwie abzuschütteln oder auszutricksen. Mit der Zeit hatte ich mich so an die Spitzel gewöhnt, dass es mir sofort auffiel, wenn mal keiner zu sehen war. Bei genauerem Hinsehen fanden sich dann aber immer wieder zwei, drei Beobachter ein.

Jetzt soll es wirklich losgehen

Am 14. Oktober empfing mich Regina abends um 20.00 Uhr schon auf dem Ostbahnhof in Berlin….

Fortsetzung folgt

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11 Kommentare

  1. Thom Ram sagt:

    …genau so hatte ich mir das, ich unbeleckter Schweizer, damals vorgestellt.
    Hervorragend erzählt, Räuber Plotzenhotz.

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  2. palina sagt:

    was für ein Aufwand da betrieben wurde.
    Heute gibt es die Schmart Fones und Alexa.

    Stelle mir oft vor wie es gewesen wäre, hätte die DDR damals Internet gehabt.

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  3. Drusius sagt:

    Der Witz war in der DDR, daß der Aufwand auch getrieben wurde, wenn man nur seine Meinung öffentlich sagte. Das paßte nicht ins vorgegebene „Menschenbild“. Von mir soll es fünf Aktenordner gegeben haben, das hat mir jemand nach der „gewendeten“ Herrschaft verraten. Das war für mich aber nicht wirklich interessiert. Ich hatte schon als Heranwachsender mit einem sowjetischen Verteidigungsminister geangelt, kannte privat einige Generäle und hatte später die höchste militärische Sicherheitsfreigabe im militärischen Chiffrierdienst. Nachdem die Zeit dort zuende war, zeigten uns etwa die Hälfte der dort arbeitenden Jungs ihre Staasi-Ausweise. Es waren ein paar pfiffige Jungs dabei und sehr nette Kameraden – nur um das Bild des tumpen Überwachungstölpels gerade zu rücken. Später, als ich verfolgt wurde, könnte ich auch von weitem sehen, wer zur Staasi gehörte. Ich habe nach der Wende einen der Staasi-Verhörer auf der Straße getroffen. Wir standen vor einander und erkannten uns. Wir waren beide verblüfft und er fühlte sich bemüßigt was zu sagen:“Wir haben doch auch nur unseren Job gemacht“. Womit er vermutlich Recht hatte. Die Frage ist nur für wen und gegen wen. Die armen Menschen lassen sich leicht manipulieren, wenn man die Kinder ihnen schon zur Manipulation ausliefert. Mich eingeschlossen.

    Die viele, sinnlose Überwachung drückt nach meiner Meinung einen Eigentumsanspruch an den Menschen aus. Menschen glaubten mehr Rechte zu haben, als die anderen, fühlten sich erhöht. Was durch bessere Bezahlung motiviert wurde. Aber es ging eigentlich um eine Programmierung die man haben mußte und die ich auch hatte und erst nach und nach los wurde. Ein Anspruch wurde glaubhaft gemacht, „legitimierte“ Sklaven, gegen Bezahlung, andere zu bespitzeln und zu verfolgen zu lassen. Ich war zu soetwas nie bereit. In der DDR hatte sich wohl nicht viel gegenüber der vorhergegangenen Diktatur bei der gegenwärtigen Beherrschung der Menschen geändert. Die indoktrinierte Ideologie war nur eine andere. Die Wende war geplant – für die DDR soll die Wendeoperation „Strahl“ gehießen haben (auf russisch wird das Junos gesprochen). Die Sowjetunion trat dazu die Besatzungsrechte westlich der Oder temporär und planmäßig an Frankreich ab. Die gleichartigen Strukturen für die Neue Weltordnung erforderten die Beseitigung des Kommunismus, der Nation, der Familie, der Identifikation, der Ideologie. Der „reine“ Sklave bleibt nur übrig, ohne Illusionen.
    Es gab für die Sowjetunion den Plan „Horizont“ zur Beseitigung des Kommunismus, der schon 10 Jahre vor der sichtbaren Veränderung lief. Gorbatschow, Schröder und Putin sowie Merkel sollen z.B. in der gleichen internationalen Ur-Loge „Golden Eurasia“ sein, die als eine wichtige Aufgabe den Abbau des Kommunismus hatte, Die Ur-Loge „Pan Europa“, deren äußere Kraft, die Pan Europa Gesellschaft ist, unterstützte z.B. diesen Prozeß. In der Weltregierung gibt es sehr langfristige Pläne. Viele werden es vielleicht nicht glauben, aber es sollen schon mehrere hundert Jahre sein.
    Merkel soll dazu schon während der Ideologie Kommunis- muß beim Tavistock-Institut gewesen sein, um die notwendige Ideologie zu tanken, schon Jahre bevor „Strahl“ lief (https://gloria.tv/post/KDLFs7HFEeLX1SKa8zLhVExRi).

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  4. palina sagt:

    uns wird hier was erzählt von der „friedlichen Demonstration“ in Leipzig.
    Für mich stand schon immer fest, das war geplant.

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  5. palina sagt:

    Free21 habe ich schon Jahre als Abo und verteil das in meinem Kreis.
    Manchmal lasse ich die einfach beim Frisör, am Bahnhof oder sonsto liegen.

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  6. Drusius sagt:

    Merkel bei Tavistock – das ist die Kurzfassung – allerdings ist der Verweis au die Roter-Schild-Zentralbank (ein Werkzeug der Weltregierung) nicht ohne den Verweis auf das rote Schwert der City of London zu sehen und das ist das Finanzzentrum des geistigen Zentrums, Die dreifache Krone repräsentiert das sichtbare geistige Zentrum, daß von bestimmten Familien getragen wird und auf die nicht sichtbaren geistigen Ebenen verweist.
    (https://www.bitchute.com/video/yzOAT7mJ9yYD/)

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  7. Drusius sagt:

    Interessant ist, wofür Diktaturen erzeugt werden. Meistens für heiße oder „kalte“ Kriege.

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  8. Drusius sagt:

    Vielleicht sollte man einmal tiefer schauen bis wohin das alles geht. Nur um ein Gefühl dafür zu bekommen.
    (https://www.bitchute.com/video/qM7lYJY8ue5V/)

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  9. Kunterbunt sagt:

    Drusius am 11/01/2020 um 17:53 :

    “Wir haben doch auch nur unseren Job gemacht“.
    Womit er vermutlich Recht hatte.
    Die Frage ist nur für wen und gegen wen.

    Für die Reptos und verwandte Invasoren, gegen die Menschheit.

    Wir können die allermeisten (geopolitischen, wirtschaftlichen, industriellen, finanziellen, meteorologischen, religiösen und anderweitigen) Probleme unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Sie verbreiten unter den Menschen ausschliesslich Unterdrückung, Lug und Trug und lassen uns genüsslich im Fischernetz zappeln. Viele (Milliarden Gläubiger verschiedenster Richtungen) heissen genau dies aus konditionierten und programmierten weltanschaulichen Gründen noch gut, da man ja beim Zappeln die Muskeln stählt.

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  10. Drusius sagt:

    Kunterbunt
    Er hatte erkannt, daß er ein Würstchen war, glaube ich, und er wollte sein tun vor sich im Schein rechtfertigen.

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  11. Drusius sagt:

    Das wurde noch unterstützt, als er sagte, daß er nun arbeitslos sei. Innerlich war er wohl enttäuscht, daß sein Tun nicht gleichermaßen jetzt geachtet wurde, wie vorher. Er war zum Umdenken gezwungen. wie wir heute auch gezwungen werden sollen.

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