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Minimalismus oder Luxus?

(Ludwig der Träumer) Ergänzend zum bemerkenswerten Artikel von Angela „Minimalismus / Mehr Sein als Haben“ ist mir mein älterer Beitrag in zwei Teilen zum Thema eingefallen, den ich hier zusammenfasse und etwas überarbeitete: „Welche Dinge braucht der Mensch?“

Bild: Sueddeutsche.de

In jeden Jahresrückblick fehlt keine Reportage über lokale Überschwemmungen  mit verheerenden oft existentiellen Katastrophen für die Bewohner. Im harmlosesten Fall wird nur der Keller überflutet und der dort entsorgte Vorfälligkeitssperrmüll oder die Waschmaschine ist futsch. Besonders schlimm wird es, wenn gemütlich daher plätschernde Bäche plötzlich zu alles niederreißenden Monsterwasserfälle werden, die Schlammlawinen in die Wohnzimmer tragen und alles zerstören, was man sich mühsam oft jahrelang angeschafft hat. Augenblicklich ist der Traum vom trauten Heim zerstört. Unbewohnbar – zerstört die Bude wie nach einem Brand, stehen die ehem. Bewohner vor dem Nix.

Der zweite Schock über die zerstörte neue Küche, das neue Ledersofa und der türgroße Multimedia-Bildschirm kommt erst später, wenn die Bank die nächsten siebzig Monatsraten für nulle % Zinsen einfordert und die Versicherung den Ausgleich des Schadens verweigert, weil man in einem gefährdeten Gebiet wohnt. Das steht im Kleingedruckten- im Großgedruckten nur die zu zahlende Prämie.

Nun – das kommt ja erst später. Jetzt muß erst mal eine Notunterkunft für sich, die Liebsten und die Katze gefunden werden. Wohl dem, der seine Nase bisher nicht zu hoch getragen hatte und ein liebevolles Verhältnis zu den Nachbarn gepflegt. Ich möchte dieses Szenario nicht weiter beäugen. Mich interessiert was anders

Welche Dinge braucht der Mensch? Dieses exemplarische Foto zeigt, was er bisher meinte zu brauchen und wofür er sich krummbuckelte oder sogar prostituierte; das Ergebnis seiner Wünsche für ein gemütliches glückliches Leben. Der ganze Hausrat aus dem Erdgeschoß. Viele zehntausend Euros für den Müll. Wars das?

Was lernt der Mensch aus einer solchen Katastrophenmeldung, die er in sicherer Entfernung auf dem gemütlichen Sofa über das Fernsehen reinzieht? Nichts. Sie ist sofort wieder vergessen. Wäre nicht so eine Katastrophenmeldung geeignet, jedes Stück Hausrat oder Krempel zu betrachten mit der Vorstellung, daß es urplötzlich durch eine Überschwemmung oder Brand zerstört wird. War es der Mühe wert, das überhaupt anzuschaffen. Was hat wirklich bewegt, das eine oder andere zu kaufen? Die ehrliche Antwort darauf würden viele nicht aushalten. Die geschulte materialistische Sinnlosigkeit übertünchen mit noch mehr Sinnlosem. Ist wie Brandlöschen mit Benzin. Also wird weiter gezündelt bis – eben bis zur Zerstörung. Der Mensch muß neben dem Jammerlappen noch ein anderes Organ im Hirn haben – die Luftblase um das nicht zu erkennen. Soweit mir bekannt, ist die Luftblasenforschung in der Pharmaindustrie verpönt und in die Werbeindustrie verlagert. Seis drum.

Den meisten ist auch nicht bewußt, daß sie viele Dinge erst dann wirklich brauchen, nachdem sie beworben wurden. Ausklinken aus diesem Teufelskreis scheint fast unmöglich. Vermutlich braucht es eine Katastrophe um aus dem Konsumrausch nüchtern aufzuwachen, wie mir ein älteres Paar erzählte.

Ich hatte auf meinen Reisen ein solches kennengelernt, die in einer kleinen Hütte wohnten und mir von ihrer großen Katastrophe mit glänzenden glücklichen Augen erzählten. Ein großes Feuer vor Sydney hatte auch ihr Haus zerstört, wofür sie ein Leben lang arbeiteten und sich krummbuckelten. Was mitnehmen, das man unterm Arm tragen kann, war angesagt. Sie nahmen nur ein paar Briefe ihrer Kinder mit, die auswanderten um deren Adresse zu retten. Sie erzählten mir auch, daß sie inzwischen glücklich sind, daß der ganze Ballast von übertriebenem Wohlstand verbrannt ist.

In unserer sog. zivilisierten Welt ist das Maß für Wohlstand die Menge der angehäuften materiellen Güter.  Ganz ekelhaft wird es, wenn die materiellen Güter nicht mehr zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse ausreichen und ‚Untertanen‘ oder ‚Schutzbefohlene‘ darunter leiden müssen, bekannt unter den ekelhaftesten menschlichen Perversionen.

Wo liegt die Wohlfühlgrenze? Die müßte eigentlich einfach zu ziehen sein. Als Beispiel sei Omas Häusle im Grünen genannt. Das bietet alles, was eine Familie glücklich machen könnte. Kein übertriebener materieller Ballast, der die Herzenswärme aufsaugt. Fast nur praktische Dinge sind dort zu finden, die das Leben zufrieden gestalten können. Mit Omas Häusle kommen jedoch heute die wenigsten klar. Bestenfalls taugt es zum plattmachen, um ein 200 qm großes Eigenheim mit drei Garagen darauf zu setzen. Der Nachbar und der Kollege haben ja bereits so eines. Die Wohlfühlgrenze ist also inzwischen nicht mehr durch die eigenen Bedürfnisse gesetzt, sondern durch die Nachbarn, ‚Freunde‘ oder Kollegen. Durchaus als Neidfaktor zu bezeichnen. War sie bisher bei Omi nach oben begrenzt, weil sie zuviel Ballast nicht wollte, so ist sie nach unten verschoben. Wer sich heute keinen Kaffeeautomaten für 2.000 €  oder  drei Urlaube / Jahr leisten kann, gehört bereits zu den Looser.

Die typische Durchschnittsfamilie ist durch die Beeinflussung der Medien, Werbung, Promi-Soaps und die geistige Impfung auf den Materialismus so kirre gemacht, daß sie ihr wahres Potential vollständig verloren hat.

Hatte man in früheren Zeiten auf die Sklaven eingedroschen, damit sie den Mammon für die Elite bei schleiften, war das noch irgendwie verständlich. Man gab ihnen etwas zum Fressen, der reine Überlebenskampf eben. Sie hatten keine andere Chance zum Überleben. Heute haben wir die nie in der Vergangenheit Geahnte. Einfach nein sagen zum Vorgesetzten, der nur eine Stufe im Hamsterrad für wiederum seinen Vorgesetzten putzt, damit der da nicht ausrutscht und sich das Genick bricht. Welch ein Irrsinn, alles freiwillig.

Der duftende handgemahlene und von Hand aufgebrühte Kaffee von Omi ist vergessen. Die Geschichten, die mir Omi während dieses Zeremoniells von Wohlfühlbach erzählte auch.

Vom Bett aus über Apps den Kaffeeautomaten einschalten, damit man den Umweg zur Küche und Kaffee kochen abkürzen kann ist in. Diese Zeit kann man während dem Scheißen ja besser nutzen um Freunden im Fratzenbuch das neueste Selfie des neu von Amazon erworbenen heruntergelassenen Tangas vor der Kloschüssel zu präsentieren.

Möchte mich nicht weiter über diesen heutigen Wahnsinn des kleinen Arschlochs auslassen. Es hat es in der Hand, die sog. Elite, die ausschließlich aus ihm kreiert wird, in seine eigenen Schranken zu weisen. Die Elite hat mehr Schiß vor dem kleinen A als umgekehrt. Die haben zu verlieren, wenn das kleine A nicht mehr mitmacht.

„Die einzige Angst des Riesen ist, daß keiner mehr vor ihm Angst hat“ (Hans Bemann)

Kommen wir zum Luxus. Ich hatte mir schon öfter Gedanken gemacht, was Luxus ist. Heute denke ich einen Schritt weiter als nur ‚nicht mehr nötig haben um Freiheit zu erreichen‘.

Luxus ist die Beweglichkeit und geistige Freiheit, sich von den angelernten Zwängen zu lösen, gleichzeitig die Errungenschaften der der modernen Technik anzunehmen, die das Leben angenehmer machen als in jeder Zeit davor. Der wahre Luxus ist teilen können. Die Erde hat genug Ressourcen für alle Menschen. 

Luxus ist nicht, sich mit teurem Klunker oder teuren Tüchern zu schmücken. Auch nicht die Anhäufung von sonstigen Wohlstandssymbolen, die man angstbesessen vor dem Pöbel verteidigen muß. Diese Art von Luxus ist der goldene Käfig, das Endstadium des selbstgebauten Kerkers.

Vor allem bedeutet Luxus, sich von allen Ideologien geistig freizumachen, besonders vor der unheimlichen Allianz von Pfaffen – die weltlichen Gelehrten eingeschlossen, Geldadel und deren einflüsternden Lautsprecher –  die armseligsten unterm Himmel – die Politiker, die selbst Wein saufen und Wasser predigen. Gucke dir nur die armseligen grünen Idioten an, deren Mission alle anderen Parteien eingenommen haben.

Der wahre Luxus wird versteckt in der Anarchieecke verortet. Es wird dort immer fälschlicherweise von der Herrschaftslosigkeit gesprochen um selbst den Wein zu saufen. Da bleibt immer noch die Frage, was macht der Sklave daraus. Darüber lassen uns so schlaue Schriften wie https://www.anarchismus.at/ im Dunkeln. Lest sich zwar gut, hat aber denselben Denkfehler, wie die Herren der Welt, die glauben die Führer zu sein.

Die alleinbeanspruchende Herrschaft über sich selbst ist Illusion. Sie führt genauso in die Irre, wie die der Elite. Die Gefahr der Selbstherrlichkeit ist zu groß als daß sie der Gemeinschaft dienen könnte. Gut geglaubt ist noch nicht gut gemacht. Es muß also noch ein Zwischending – einen Ausgleich zwischen diesen Extremen geben. Diesen suche ich noch.

Teil 2

Es ging im ersten Teil um den Hausrat, die tausende Gegenstände (interessantes zweideutiges Wort – was steht dagegen?), die wir uns im Lauf der Zeit durch krummbuckeliges Hamsterraddrehen als Ausgleich für den unsinnigen selbst auferlegten Arbeitsstreß auferlegt haben, und die urplötzlich durch ein Naturereignis vollständig zerstört werden.

Da stehst du nun vor dem durch Brand oder Überschwemmungen  zerstörtem Hab und Gut. Dein Haus ist unbewohnbar. Futsch. Die Hypothek bei der Bank läuft noch dreißig Jahre.  Die fordert gnadenlos die Zinsen ein für nicht mehr Vorhandenes. Die Hausratversicherung und die Gebäudeversicherung würgen auch ab, weil in gefährdetem Gebiet gebaut wurde. Das stand nur im Kleingedruckten. Lest keine Sau. Das ist nicht dem kleinen gutgläubigen Häuslebauer anzulasten, sondern den gierigen Grundstücksspekulanten und den Versicherungen, die tatsächlich nur ihre eigne monetäre Existenz versichern. Kapiert kaum jemand.

Ein kleiner Einwurf: Meinem Opi, oder war es ein Uronkel sagt man nach, daß er durch Grundstücksspekulationen reich wurde. Im Winter 18hundertdazumal als der Rhein vollständig zufror, karrte er Mist auf den Rhein und verkaufte das als Ackerland. Nix anderes machen die heutigen Grundstücksspekulanten. Grundstücke, die aus gutem Grund früher nie bebaut wurden, werden heute als Filetstücke in überschwemmungsgefährdeten Gebieten auf dem Land verhökert.

Hab dieses Drama als Gutachter für Gebäudeschäden des öfteren erlebt. Wenn die Katastrophe goß genug für die Tagesschau ist, fliegt mal ganz schnell unsere Bundeskasperin in das Gebiet ein und verspricht schnelle unbürokratische Hilfe. Das bleibt beim Wahlvieh hängen – die tun was unsere Politiker. Ist so wirkungsvoll, wie eine Tütensuppe nach Somalia schicken wollen um die Hungersnot dort nach sechs Jahren lindern zu wollen. Dann hat sich das Problem von selbst erledigt. Kurz mit diabolisch grinsender Fratze das werbewirksam über den Staatsrundfunk versprochen, genügt um die Geschädigten erstmal einzulullen. Die tut was, die Mutti, wird dem Wahlvieh über das ERSTE in der Tagesschau gezeigt. Da reicht um sie wiederzuwählen. Daß den Geschädigten weder durch schnelle Hilfe vom Staat noch von den Versicherungen geholfen wird, interessiert keine Sau mehr. Im Gegenteil, zum Verlust der häuslichen und materiellen Existenz, sowie den Restschulden bei der Bank werden ihnen auch noch die Entsorgungskosten für den Sperrmüll aufgedrückt. Damit nicht genug. Notunterkünfte und die plötzlichen Schulden für die Familie belasten die Psyche – die Seele so sehr, daß nicht nur der Arbeitsplatz für den Ernährer futsch geht, sondern auch die Familie. Na ja, dafür gibt es ja die soziale Aufhängematte – das Hartz4-Rundumsorglosprogramm. Hatten diese Looser nicht die besten Absichten, ihre Familie halbwegs wohl und glücklich durchs Leben zu bringen? Wie kann es überhaupt dazu kommen, daß ein solches Elend entsteht? Letztendlich weiß ich es auch nicht. Es geschieht einfach – manchmal meine hilflose Antwort. Warum muß auf Pump gekauft und auch noch auf Sumpf im Überschwemmungsgebiet gebaut werden? Sind es nur die Versprechen der Verkäufer, die sich der Werbestrategen bedienen, von solchen, die besonders geschult sind, wie man menschliche Sehnsüchte nach dem verlorenen Paradies befrieden kann?

Die Strategen, die Werbefuzzies, auf die wir hereinfallen, sind doch nicht die „Großkopfigen“, die Illuminaten oder sonstwie nicht Greifbare, sondern dein durchaus liebevoller Nachbar. Diese Großköppe sind viel zu blöd um das freiwillige Sklavenprogramm umzusetzen. Sie bieten nur Ideen an. Die Intelligenz dazu hat nur das kleine Arschloch. Pestizide,  Kriegswaffen, Atombomben, Impfstoffe und …, hat weder ein Papst, König, Merkel oder Soros erfunden. Na, rate mal wer? Ich tippe mal auf den bewußtlosen HAMSTERRADLER.

Die Macht, die Welt zu gestalten – den Untergang fördern oder sie im Sinne des Schöpfers zum Paradies zu formen, liegt im MACHEN. Wer macht hat Macht. Also geht nach meinem philosophischen Kleinhirn alle Macht vom Volk aus. Das Grundgesetz der BRD beschreibt das sinngemäß. Ein besseres Gesetz, das das kleine Arschloch endlich nutzen sollte, kann ich mir nicht wünschen.

Habe des öfteren versucht, das Drama der selbstbestimmten Sklavenhaltung einiger Mitmenschen aufzuknacken, indem ich ihnen anbot, mit mir spaßeshalber in die die Konsumtempel – sie in den finalen Konsumpf mitzunehmen und ihnen bewußt zu zeigen, was dort abläuft und für was sie sich krummbuckeln oder prostituieren. Nur  – weil haben wollen! Für was?

Oft wird dieser – mittlerweile vorliebend auf Pump gekaufte Vorfälligkeitssperrmüll nur kurze Zeit genutzt, bevor er mehr oder weniger pietätvoll im Keller oder Dachboden zwischengelagert wird, bis nix mehr reinpaßt. Meistens wird erst entrümpelt, wenn der Erbfall eintrifft. Es war mir oft unmöglich, Keller oder Dachböden zu begutachten, da sie proppevoll waren. Der wichtigste Helfer der Industrieproduktion, die abermilliardenschwere Abfall- und Entsorgungsindustrie lebt prächtig davon. 2016 lag der offizielle Umsatz bei 70 Mrd. €. Würden alle nicht mehr verwendeten Konsumgüter zeitnah entsorgt, läge der Umsatz nach meiner Schätzung bei dem zwei bis dreifachen. Zum Vergleich: Der Umsatz der Industrieproduktion für den Vorfälligkeitsmüll, den der Hamsterradler must have, lag 2016 bei ca. 650 Mrd. €. D. h., 1/3 der „Kaufkraft“ geht für die kurzzeitige Befriedigung der sog. Konsumenten drauf. Muß man sich das wirklich antun? Sinnlose Verschwendung an Lebenszeit.

Dafür haben wir Keller gebaut. Guckt nur mal da hinein, was sich da ansammelt. Waren Keller früher die Kühlschränke um die Ernte bis zur nächsten durchzubringen, so sind sie heute zur vorläufigen Müllhalde verkommen. Ich hatte vielen Entrümpelungsaktionen beigewohnt, die notwendig waren um ein Haus zu sanieren. Fassungslos stand ich da vor den vielen Gegenständen, die der kleine Bunzel sich anschaffte. Öfter nicht einmal ausgepackt. Würde ein Teil der Haushalts-und Unterhaltungsgegenstände sowie Werkzeuge, die in den Kellern vergammeln sinnvoll weiterbenutzt, könnten wir unseren monetären Einsatz – sprich Krummbuckeln um geschätzte 30 % reduzieren, wobei ich die sinnvolle Weiterentwicklung der technischen Geräte in Bezug auf Wirkungsgrad und Energieeinsparung bereits mit einbezogen habe.

Es hat sicher keinen Sinn, einen 286er mit DOS 3.1  heute noch mit einem Energieverbrauch von 300 Watt/h noch betreiben zu wollen. Mein neuer Schleppi, 6 Jahre alt braucht noch 17 Watt/h. Würde auch keinen Spaß mehr machen. Also fort mit dem. Unsinnige Küchenmaschinen und Elektromesser um gegrillte Hähnchenschenkel abzusägen, haben mich schon immer verwundert. Wer kochen kann, braucht dazu nur zwei Messer. Ein großes und ein kleines. Drei verschieden große Töpfe aus Edelstahl und zwei Bratpfannen, vornehmlich aus Gußeisen. Der chinesische Wok ist eine geniale Ergänzung. Zum Zerkleinern und pürieren ein Handmixer. Drei verschieden große Porzellanschüsseln, Schöpflöffel, Mörser und Reibe. Das wars für die perfekte Küche. Das ausreichende Geschirr für eine gelungene Tafelrunde wird im nächsten Aufastz beäugt. Holz-, Gas- oder Elektroherd sollte nach den örtlichen Gegebenheiten angeschafft werden. Mikrowelle ist no go. Die Backröhre könnte des öfteren wieder in das dörfliche Backhaus ausgelagert werden. Das fördert den Gemeinschaftssinn. Die alten hatten den Teig oder das Spanferkel zum dörflichen Backhaus gebracht. Das war eine wichtige Begegnungsstätte für die Pflege der Dorfgemeinschaft.

Zurück zum Thema … spaßeshalber in die die Konsumtempel…

Habe keinen bisher gefunden, der da mitgehen wollte. Wir kaufen bewußt nur die Dinge, die wir brauchen – was soll das, so die Antwort. Aha. Also machte ich mich selbst auf den Weg in die Globus- Media- und Baumärkte, die auf dem Land hier fast alle Kleinhändler, Bäcker, Metzger, Konsumläden gefressen haben. Wo sind die Menschen, die sich bisher selbständig durch ihren Kleinbetrieb oder als Bauer ernähren konnten?  Ich finde sie inzwischen als Lohnsklaven, mißmutig gehetzt und teils aggressiv und teilnahmslos  in diesen Konsumtempeln. Liebe Nachbarn sogar, die Ihre Souveränität wegen ein paar Kröten dort an der Garderobe abgegeben haben, mit dem Erfolg, daß sie elendig lustlos dahinvegetieren, mit dem Ziel – mit der Rente wird alles besser.

In meinem Dorf gab es eine intakte gesunde Infrastruktur, die alle ernähren konnten, einschließlich den Dorfdeppen, den geschätzten Großeltern, die Kneipen als kulturelles und menschliches Zentrum. Selbst die Kirche konnte man mancherorts im Dorf lassen, wenn dem Pfaffen die gesunde Gemeinde wichtiger war als der Papst oder Martin Luther.

Anlaß zu diesem Beitrag war mein inzwischen nicht mehr bewohnbares Refugio, in dem ich seit fast sieben Jahren lebte. Dem Wohnwagen hat der Zahn der Zeit, sowie die Natur, die alles künstlich Geschaffene letztendlich recycelt, soweit zugesetzt, daß ich mir eine neue Bleibe suchen mußte. Da kommen Gefühle und Erinnerungen im „unbeschwerten“ Leben in der Vorstadtvilla hoch, die ich 2011 aufgegeben habe. Nicht aus monetärer Not. Ich hatte einfach das kleingeistige Leben satt und wollte flüchten. Nur raus hier. Anzeichen einer Depression waren da, die ich nicht pflegen wollte.

Es war in den letzten Wochen ein schwerer innerer Kampf, dem ‚alten‘ Leben nicht wieder nachzugeben. Gereizt hatte es mich schon. Es ist doch angenehmer, wenn die Infrastruktur stimmt – die angeschulte / angesklavte.

Ich hatte ein gemütlich kleines Haus in der Nachbargemeinde ausgemacht. Dreimal zu groß für einen Einzelkämpfer. Das ist es, dachte ich. Dann ratterte es im Kopp. Ludwig, du hast alles weggeschmissen oder verhökert, was nicht in deinen Wohnwagen paßt. Jetzt mußt du alles neu kaufen um ein großes Haus zu beleben. Verteile mal deinen Inhalt aus dem Wohnwagen in so einem Haus. Das sieht leer unbelebt aus. Da gehören richtig viele Möbel, Bilder, Vorhänge und alles was der Konsumtempel anzubieten hat, rein. Sonst lebt es nicht. In fast nackten vier Wänden leben – unvorstellbar.

Also erst mal eine Liste machen, was alles zur Belebung des neuen Hauses eingekauft werden muß. Es waren Horrortage, die ich damit verschwendete. Stundenlang im I-Net gegoogelt was alles notwendig ist. Kaufe ich es bequem dort ein oder gehe ich lieber zum örtlichen Händler?

Wie es weiterging, erzähle ich bald in Teil 3. So viel sei jetzt schon verraten. Die alten Verhaltensweisen sind nicht vollständig  mit dem ‚Ausstieg‘ abzulegen. Sie nagen vermutlich bis ans Lebensende. Die Sehnsucht, das „Reingewachsene“ zu erhalten, ist meistens zu groß um Veränderungen zu ermöglichen. Daran scheitern die meisten Aussteiger.

Teil 3 (neu)
Nach diesen Gedanken sind fast drei Jahre vergangen. Die Furcht mich wieder in den alten Sog des must have reinziehen zu lassen war zu groß. Meine bereits 6-jährige Erfahrung mit dem Leben im Wohnwagen war diese: Ich fühle mich sauwohl in dieser Minibude, die alles bietet was der Mensch zum Leben braucht. Keine unsinnigen Ausgaben für „Dekoration“, damit das Haus lebendig wirkt. Um es kurz zu machen – ich kaufte einen fast neuen Wohnwagen mit allem Komfort und fühle mich zufrieden darin. Die große ruhige Waldwiese auf der er steht, möchte ich nie mehr mit einer noch so schönen Vorstadtvilla eintauschen. Sogar der Monat ist für mein Geld dadurch nie mehr zu lang. Dieser „Minimalismus“ ist für mich der wahre Luxus. Meine Katze Miauu Meeh sieht das genauso.

Der Wald und die Wiese ist ihr Paradies.

Ich wäre ein Träumer, würde ich mein derzeitiges Leben allen anderen empfehlen. Den meisten Mitmenschen ist so ein Leben nicht möglich. Mit Familie schier unmöglich. Auch der glückliche Umstand, so eine Umgebung zu finden, grenzt an einen Lottogewinn. Ich möchte mit diesem Beitrag nur aufmuntern, das Konsumverhalten unter dem Aspekt, den Angela in ihrem Artikel ausgearbeitet hat jeden Tag neu zu überdenken. Damit wäre schon viel erreicht.

Noch ein Gedanke: ich lieben nach wie vor große phantastisch schöne futuristische Häuser. Sie geben aber dann nur einen Sinn, wenn sie für das Gemeinwohl beseelt werden – nicht zum Protzen.




8 Kommentare

  1. Bettina März sagt:

    Lieber Ludwig,
    einen dreifachen Trommelwirbel…..
    und das bleibt unter uns: Ich beneide Dich….

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  2. arnomakari sagt:

    Ein Wunderbarer Artikel ,wenn ich ein Paar Jahre zurückdenke als ich mit 56 in Ruhestand ging , weil die Firma Saniert wurde ,und ich noch eine Abfindung bekam ,war ich sehr zufrieden , das sagte ein Arbeitskollege zu mir , ich gehe nicht dann bekomme ich ja wenn ich in Rente gehe weniger Geld , der das sagte hatte noch 2 Häuser Vermittet , der war kein armer Mann,er ging mit 65 in Rente , aber die das Schicksal wollte es anders er hat nur ein Jahr Rente bekommen , dann sah er die Radieschen von unten wachsen , ich denke das ich viel länger Rente bekomme wie ich eingezahlt habe , ich genieße das leben so gut wie möglcih , nun bin ich über 80 jahre Jung , und fühlr mich sehr wohl , mein Motto alles Essen alles trinken was einen schmeckt das aber in maasen , nach den Spruch der Indianer Esse dich niemals richtig satt , ich mache noch jeden morgen ein wenig Gymnastik und denke das mit über 100 auch noch zu können , heute weiss ich es genau krankheit ist die Folge von falsch gesteuerten Gedanken , ich habe ein Vertrag mit den Schöpfer gemacht das ich nie ein Pflegefall werde , ich denke das er in erfüllung geht , ich werde mal abends einschlafen und morgens nicht mehr wach werden , .. Nun für alle Leser viel gesundheit –und zufriedenheit ……

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  3. Mujo sagt:

    @Ludwig

    „Der wahre Luxus ist teilen können. Die Erde hat genug Ressourcen für alle Menschen. “

    Wie war.

    Alfred Biolek, ein Fernseh Moderator aus einer Zeit wo Gespräche und Interview noch auf Augenhöhe ist, und ein Freundliches miteinander die Basis war. Fragte ihn ein Reporter als er in die Rente ging was sein größtes Luxus sei das er sich gönne. Zeit sagte er, Zeit haben für sich und den Menschen die ein Wichtig sind. Wir vergeuden viel zu viel Zeit mit unwichtigen Dingen um die Mühle am laufen zu halten.
    Dies sagte er bereits vor gut 30 Jahren. Vieles hatte ich vergessen, aber dieser Satz hat sich bis heute in mir eingeprägt und ist so was wie ein Roter Faden der mich immer wieder daran erinnern auch mal inne zu halten. Owohl ich sehr gerne Arbeite und meinen Beruf wirklich Liebe.

    Und wie ich sehe bist du im vollen Luxus dasein. Allein um diesen langen Brief zu Verfassen hat man ausreichend davon.
    Somit danke ich dir für diese Ausführungen um uns zu erinnern was wirklich Wichtig ist, und das du uns Teilhaben läßt an deinen Experiment das man Leben nennt.
    Ganz so wie bei Astrid Lindgren’s Heldin „Ich mach mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt …. Hey – Pippi Langstrumpf trallari trallahey trallala …“

    Vielleicht passt ja „Villa Kunterbunt“ als Namensgebung ganz gut dazu.

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  4. EO v. Waterbrunn sagt:

    Mein größter Luxus sind meine Werkzeug und eine Werkstatt. Wenn ich etwas brauche, dann baue ich es mir oder ich finde etwas Abgenutztes und arbeite es wieder auf um es weiter zu verwenden.
    Es gibt jetzt eine Veränderung unter all jenen, die noch selbst etwas handwerken können. Weil die Unfähigen so viele sind, kann man es sich aussuchen wem man hilft, für wen man arbeitet. Ich sehe meine Tätigkeit immer als Hilfe zur Selbsthilfe. Ich unterrichte also, während ich arbeite. Für Menschen, die den Wert meiner Arbeit nicht einschätzen können, also weder den Zeitaufwand die Arbeit auszuführen, aber auch nicht die Zeit, die ich aufwenden mußte um zu lernen, was ich jetzt kann, für solche Menschen arbeite ich nicht. Eine Einstellung, die mittlerweile viele Handwerker haben.

    Gefällt 3 Personen

  5. Vollidiot sagt:

    Luxus ist Überfluß.
    Welchen habe ich? Ist meine Sache.
    Meine Sache ist:
    Immer Musik zu summen, innerlich eine Fülle von Melodien von Bach bis Prokofiev abrufen zu dürfen, als Vademecum für die Pflege der eigenen Seele.
    Die innige Verbindung zu der Sphäre der Gedanken.
    Und was daraus folgt…………………

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  6. Thom Ram sagt:

    Jooo.
    Als ich 1991 auszog, hatte ich meine Kleider am Leib, einen warmen Mantel, meinen Pass und – kurioserweise – meinen Radiowecker. Wolle wohl keinen Schulbeginn verpassen.
    Ich landete erst im Billighotelzimmer, danach im Billiguntermietzimmer. Schaffte mir Rasierzeugs und Zahnbürste an, Waschmittel, eine zweite Unterhose und genoss (jetzt abgesehen von anderen Umständen, welche äh nicht besonders prickelnd waren) das Leben mit schier null Habe. Telefon gabs notfalls im Lehrerzimmer.
    Ein zweites Mal fing ich mit fast null nix an 1999, nahm ausser Schreibtischplatte und zwei Böcken und einer Matratze und einem Stuhl und einer Lampe so gut wie nix mit, residierte auf 8m2 innem Bauernhof, sauglücklich permanent insofern, als ich so gut wie nix „hatte“.

    Genoss und geniesse auch jetzt stets, wenn ich „hatte“. Jut Matratze, Flex, Stichsäge, Klavier, NAD Verstärker, Eigenbaulaudspiikers, schweineteuren aber sauguten Kochtopf.

    War ein Schlüsselerlebnis mit einer damaligen Geliebten. Per 900er Maschine in den CH Alpen. Eine Nacht in fünf Sternen (da ich nen Jutschein hatte), mit allem Komfortbrimborium, die nächste Nacht innem Schober, darinne nun mal wirklich nicht mehr als Stroh war. (Doch, Schlafsäcke hatten wir, das schon……) …. und feststellen durfte: Mir machts Spass, meiner Gefährtin ooch. Müssten wir nun wählen – wir hätten keine Präferenz.

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  7. Angela sagt:

    Sehr schön beschrieben, Ludwig. Stimme Dir in so vielem zu.

    Das Wichtigstes bei diesem Thema ist für mich das „Loslassen können“. Und damit meine ich nicht nur materielle Dinge, sondern auch Gegenden und Menschen ( wenn sich die Beziehung überlebt hat) .

    Wie ich ja schon mal schrieb, sind wir 11 x in unserem Leben umgezogen, nur aus Freude am Neuen, – haben so vieles hinter uns gelassen, -schön gestaltete, neu angelegte Gärten,( das war das Schwerste…) von uns neu gekachelte Bäder, eingerichtete Küchen,selbst- gelegte Terrassen- usw. und im neuen Haus voller Freude wieder neu angefangen. Und es wurde immer noch schöner!

    Ein Umzug -am besten in eine kleinere Behausung als zuvor, ist etwas zutiefst Heilsames.

    Angela

    Gefällt 1 Person

  8. stEVVEnsKEYe@lock(+X-)ED sagt:

    „Luxus ist die Beweglichkeit und geistige Freiheit, sich von den angelernten Zwängen zu lösen, gleichzeitig die Errungenschaften der der modernen Technik anzunehmen, die das Leben angenehmer machen als in jeder Zeit davor. Der wahre Luxus ist teilen können. Die Erde hat genug Ressourcen für alle Menschen. “
    Da bin ich gänzlich im Einvernehmen beim Ludwig, dem Träumer zu KöenigStein.

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